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Péter György

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In his essay, Péter György reflects on the apparently unconnected “two Kassels” that exist next to each other. On the one hand, the former residential city in the middle of Germany, which was mostly destroyed in World War II and which became a border city through the inner division of Germany into East and West. On the other, the documenta city, which every five years, during the time of the exhibition, becomes the destination of an international audience and pushes the actual Kassel into the background with its “machinery of representation.” Looking toward dOCUMENTA (13), György sees a paradigm shift in the curatorial concept, which will involve as one of its sites Breitenau, a former Benedict cloister near Kassel that has been used for various functions (as a camp in Nazi years and as a girls’ reformatory until the 1970s): a shift to the connection of the contemporary art world with local history.

The art historian and culture critic Péter György (*1954) is Head of the Graduate Program for Film, Media, and Cultural History at the ELTE Budapest.

Language: German/English

 
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Claire Pentecost

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Claire Pentecosts »Notizen aus dem Untergrund« geben sonderbares und transdisziplinäres Wissen über den pflanzlichen Boden, seine Vorlieben und Bewohner preis. Wir lernen Vergessenes und Neues über die Herstellung von Kompost, die Wiederbelebung toten Bodens, bakterielle Moleküle, die kollektiv Signale produzieren, oder über die radikale Nähe zweier Organismen durch das Leben eines unverdauten Organismus im Inneren eines anderen. In ihrer untergründigen Kritik, die sie mit Zeichnungen »innerer Welten« illustriert, denkt die Künstlerin und Aktivistin Pentecost über die Bedrohung der gemeinschaftlichen Identität und der Träume menschlicher Subjekte im Kapitalismus nach. Dieses »Umgraben«, Analysieren und Mischen agrikultureller, ökologischer und molekularer Mikro-Prozesse vor dem Hintergrund aktueller sozio-politischer Entwicklungen lässt neue Ideen zur konfliktreichen Wechselbeziehung von »Natur« und Ökonomie keimen.

Claire Pentecost (*1956) ist Künstlerin und Autorin; sie lebt in Chicago.

Sprache: Deutsch/Englisch

 
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Andrew Ross

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Im Fokus der Texte des Kulturkritikers Andrew Ross, der einen alternativen Globalisierungsansatz verfolgt, stehen Themen wie die prekäre kognitive Arbeit, die Organisation von Arbeit sowie die urbane Gesellschaft. In seinem Notizbuch hinterfragt er den Preis für die permanente Steigerung von Effizienz und Produktivität und untersucht die Zusammenhänge zwischen der Selbstausbeutung im westlichen Wirtschaftraum und der Ausbeutung menschlicher Arbeitskraft in Asien. Viele Freiberufler und Kreative verbringen den ganzen Tag vor ihren Laptops, elektronischen Notebooks, die ihnen das Arbeiten immer und überall ermöglichen, mit dem Trugschluss der Flexibilität und freien Zeiteinteilung. Die brutalen Arbeitsbedingungen, denen die Produzenten dieser Geräte unterworfen sind, verfolgt Ross beispielhaft anhand der taiwanesischen Firma Foxconn, dem zurzeit größten privaten Arbeitgeber in China, in der es zu einer Serie von Selbstmorden unter den meist jugendlichen Angestellten kam. Das wichtigste Werkzeug der nur vermeintlich freien, individuell bestimmten Arbeit im westlichen Neoliberalismus verdankt sich menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen in anderen Teilen der Erde.

Andrew Ross (*1956) ist Professor für Social and Cultural Analysis an der New York University.

Sprache: Deutsch/Englisch

 
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Vyacheslav Akhunov

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Während des Sowjetregimes versteckte der Künstler, Autor und Philosoph Vyacheslav Akhunov seine Notizbücher in Ställen und Scheunen, in Mauern und in Streichholzschachteln. Der 1948 in Osch, Kirgisistan geborene Künstler begreift das Notizbuch als eigenes künstlerisches Medium. Zwischen 1973 und 2000 hielt er seine ironischen und visionären Zeichnungen und Collagen hauptsächlich auf Papier fest und archivierte mehr als dreitausend Bilder für zweihundert Projekte. Im vorliegenden Notizbuch finden sich Auszüge aus Werkserien, die zwischen 1974 und 1982 entstanden sind. In der Einführung von Leeza Ahmady erschließen sich die von Akhunov angefertigten Collagen und Zeichnungen, in den Worten des Künstlers »art-facts«, als sensible Vorahnungen vom Zusammenbruch des sozialistischen Zeitalters und als Zeitdokumente, die darauf angelegt waren, die Gegenwart zu überdauern.

Vyacheslav Akhunov ist Künstler und wurde 1948 in Osch, Kirgistan, geboren.

Leeza Ahmady ist freie Kuratorin und lebt in New York; sie ist Leiterin der New Yorker Asian Contemporary Art Week und Agentin der dOCUMENTA (13).

Sprache: Deutsch/Englisch

 
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Avery F. Gordon

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In diesem Notizbuch beschäftigt sich Gordon mit Breitenau, einem Benediktinerkloster aus dem 12. Jahrhundert, 20 Kilometer südlich von Kassel gelegen, das für unterschiedlichste Zwecke genutzt wurde und seit dem 19. Jahrhundert als Ort der Gefangenschaft und »Umerziehung« diente. 1874 wurde es zu einem Arbeitshaus, während des Nationalsozialismus zu einem Konzentrationslager, bis in die 1970er Jahre war es eine Besserungsanstalt für Mädchen, und heute ist es eine offene psychiatrische Wohn- und Therapieeinrichtung sowie eine Gedenkstätte,­­­ ein Museum und ein Forschungszentrum. Während eines gemeinsamen Besuchs mit der Künstlerin taucht Gordon mit der Hilfe des Mitgründers und Direktors der Gedenkstätte, Gunnar Richter, in die Geschichte Breitenaus ein, erinnert sich an seine Funktion als Ort des Freiheitsentzugs für »ungehorsame soziale Subjekte« und deren Ideen und entwickelt »eine Art Enzyklopädie des Häftlings«.

Avery F. Gordon ist Professorin für Soziologie an der University of California, Santa Barbara, und Visiting Faculty am Centre for Research Architecture, Goldsmiths College, an der University of London.

Sprache: Deutsch/Englisch

 
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Raimundas Malašauskas

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Der Künstler, Autor und Kurator Malašauskas veranstaltet für sein Notizbuch eine schriftliche Séance mit fünf Teilnehmern: der Burlesque-Legende Dixie Evans, dem Künstler Christodoulos Panayiotou, der Literaturwissenschaftlerin Ruth Robbins, der Künstlerin Jessica Warboys und der Tänzerin Hélène Vanel. Am Anfang dieses vielstimmigen, mediumistischen Textes ruft die Schauspielerin Sally Rand an, die sich als Präsident Roosevelt ausgibt, um der schockierten Dixie Evans im Jahre 1962 den Tod von Marilyn Monroe mitzuteilen. Das »Katapult(ieren)« und die »Re-Performance« sind wichtige Schlüsselbegriffe für die neo-burlesque Bewegung in den USA und Europa seit den 1990er Jahren. Alle Gesprächsteilnehmer erzählen über diesen Moment des Wiederaufführens von Kleidung, Körpern und Tropen, bei dem die Erregung durch erotische und soziale Reize Funken sprüht.

Sprache: Deutsch/Englisch

 
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Francesco Matarrese

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Der Künstler Francesco Matarrese unternimmt in diesem Notizbuch eine Neulektüre von zwei Texten der Moderne: In einer »extremen Begegnung« stellt er Recentness of Sculpture (Neuerdings die Skulptur) des amerikanischen Kunstkritikers Clement Greenberg von 1967 einem Auszug aus Lotta contro il lavoro! (Kampf gegen die Arbeit!) des italienischen politischen Philosophen und wichtigen Theoretikers des Operaismus Mario Tronti aus dem Jahr 1965 gegenüber. Eine »Fernbegegnung«, so Matarrese, »an einem der höchsten Punkte, […] der heute für eine Diskussion über Kunst und Politik vorstellbar ist.« Aus der Betrachtung und dem Vergleich von Greenbergs Modernismuskonzeption und der politischen, marxistischen Thesen Trontis entwickelt der Autor seine Überlegungen zu einer abstrakten oder Nicht-Kunst, die radikal außerhalb zu sein vermag. Neben einem Faksimile von Trontis Originalmanuskript enthält das Notizbuch dessen aktuellen Kommentar auf die von Matarrese an ihn gestellte Frage: »Kann man wirklich außerhalb sein?«.

Francesco Matarrese (*1950) lebt in Bari und Rom. 1978 gab er im Telegramma di rifiuto seine Verweigerung künstlerischer Produktion bekannt (»a refusal of abstract labor in art«) und begann, einen unmöglichen Katalog von Nicht-Kunstwerken zu erstellen.

 
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Éric Alliez

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In seinem Notizbuchbeitrag überträgt der Philosoph Éric Alliez Überlegungen seines im Entstehen begriffenen Buchprojekts zur Diagrammatik und deren Implikationen für den Bereich der zeitgenössischen Kunst visuell auf die Gestalt des Textes selbst und reagiert damit auf das Format der deutsch–englischen Publikationsreihe, für die in der Regel Texte in einer Länge von 3000 Wörtern in Auftrag gegeben werden: Der Text besteht aus drei Teilen, wobei in Teil I und Teil III nur einige ins Englische übersetzte (oder original deutsche) Wörter lesbar sind, während der Rest des französischen Ursprungtextes unter einer Durchstreichung durchschimmert, so dass der Gesamtkontext in einem kontinuierlichen Hin und Her zwischen Sprachen sowie Lesbarkeit und Unlesbarkeit vom Leser dechiffriert werden muss. Teil II dagegen ist ins Englische und Deutsche übersetzt und ohne »Verdunklungen« abgedruckt. Dieser Eingriff verkörpert für den Autor die diagrammatische Intervention zwischen dem (Un)Sagbaren und (Un)Sichtbaren und spiegelt wider, was er zum Ende des zweiten Teils zusammenfasst: »Diese zeichenästhesische (signestésique) Politik der Kunst kann, in einem zeitgenössischen Sinn, der eine strikte Alternative zu ihrer ›konzeptuellen‹ Version bildet, als Art after Philosophy bezeichnet werden. In einem ›nach‹ (après), das kein ›gemäß‹ (d’après) ist – noch ein analytischer Firnis (apprêt) (à la Kosuth) –, insofern sie ontologisch ›voraus‹ (en avant) ist, zusammen mit der postkonzeptuellen Kritik und Klinik der Philosophie, die sie transportiert.«

Der Philosoph Éric Alliez ist Professor am CRMEP, Kingston University, London, und an der Universität von Paris 8.

 
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Abraham Cruzvillegas

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Für sein Notizbuch hat der mexikanische Künstler Abraham Cruzvillegas Auszüge und Aufzeichnungen aus seinem persönlichen Skizzenbuch sowie assoziative Fotografien gesammelt. Verstand, Sinnlichkeit, Vernunft, Fantasie – die vier Grundbegriffe des »menschlichen Geistes- und Seelenlebens«, die Johann Wolfgang von Goethe im Jahre 1809 in seinem Farbkreis verewigte, werden von Cruzvillegas spielerisch aufgegriffen und mit handschriftlichen Gedanken über die strukturelle und die schöpferische Seite der Kunstproduktion kombiniert. Dieses Notizbuch ist eine bunte Collage von Ideen gegen die kapitalistische Vereinnahmung der Kunst, auf die Cruzvillegas mit kollektiven, lebendigen und definitiv unvollendeten sozialen Plastiken mit Menschen, Tieren und Dingen, die auf der Straße entstehen, reagiert.

Abraham Cruzvillegas (*1968)ist ein Mitglied der International Taoist Tai Chi Society; er lebt und arbeitet in Mexico-Stadt.

Sprache: Deutsch/Englisch

 
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Ayreen Anastas & Rene Gabri

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Notebook 089 is a result of the immense changes that have taken place in the world since 1989. With the end of the Cold War, the utopian neoliberal fantasy of a global capitalist expansion, unfettered by the limits of any borders (psychic, physical, ethical, national, or ecological) and governed through an extension of credit/debt coupled with correlated “structural adjustments,” assumed a new function for nation-states around the world, as a privatizer of gains, and a socializer of costs. In a span of twenty years the insolvency of this paradigm has become evident; not only has an entire world been gripped by conflict, depression, extreme inequalities, and irreversible ecological damage, but, in addition, the economic basis underwriting all of this is unable to continue without the very state intervention that had supposedly been rendered unnecessary. These notes do not recount this story, but rather take place in its wake, while also marking out the process of thinking through this critical epoch, in the midst of collective meetings and discussions leading up to and through what would be called Occupy. Rather than fixing these movements, this notebook collects a series of positions, ideas, and conversations, which trace individual articulations and provide multiple cartographies of events in which people said “no” to regimes of concentrated wealth/power from Cochabamba to Tunis, from Cairo to Fukushima, from Madrid to Athens, from New York to Carbondale, and beyond. Here, one will find a continuation of those struggles for autonomy and the affirmation of different forms of life in note form.

Ayreen Anastas and Rene Gabri are artists and Agents for dOCUMENTA (13).

 
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