Logo weiterlesen.de
Cover zur kostenlosen eBook-Leseprobe von »Gleise in den Tod«

Leseprobe vom

Gleise in den Tod

tredition


In Form einer fesselnden Gerichtsreportage zeichnet Roman Cílek den Prozess vor dem Landgericht München II im Jahr 1964 gegen den Verbindungsoffizier zwischen Himmler und Hitler nach: Karl Wolff, General der Waffen-SS und SS-Obergruppenführer – „Himmlers Wölfchen“. Dutzende Zeugen der Anklage und der Verteidigung sollten Klarheit darüber schaffen, in welchem Ausmaß der Angeklagte über das nationalsozialistische Massenmordprogramm informiert war und welche persönliche Verantwortung er trug.

Die Schilderung des Prozessverlaufs wird dreimal unterbrochen, um die Aussagen von Tätern und Verfolgten des Holocaust mit persönlichen Schicksalen zu konfrontieren: die Lebensgeschichten der Tschechen Richard Glazar, der am Aufstand im Vernichtungslager Treblinka beteiligt war, und František Kraus, der Theresienstadt, Auschwitz und Blechhammer überlebte, und schließlich der Ungarin Ema Stern, die Auschwitz, Ravensbrück und einen Todesmarsch durchleiden musste. Was vor dem Münchner Gericht als entfernte Vergangenheit erscheinen mochte, tritt so noch einmal in all seiner unvorstellbaren Grausamkeit vor Augen, verbindet sich mit konkreten Menschen, die durch ihren Mut, durch Zufälle und durch sehr viel Glück dem Tode entronnen sind.

Als Autor von über fünfzig historisch-politischen Sachbüchern sowie Kriminalromanen gehört Roman Cílek zu den bekanntesten und erfolgreichsten tschechischen Schriftstellern der Gegenwart.

"Es ist ein zutiefst menschliches, ehrliches und gutes Buch. Es gehört zum Besten, was über den Zweiten Weltkrieg geschrieben worden ist und kommt auf seinem Gebiet der Perfektion nahe. Beim Lesen war ich tief ergriffen und beim Schreiben dieser Zeilen läuft mir ein kalter Schauer über den Rücken. Es ist ein wunderbares Buch über abscheuliche Dinge, deren Zeugen wir auf den Gleisen der Geschichte in den Tod geworden sind."

Arnošt Lustig

---

Roman Cílek wurde 1937 im rastlosen und suchenden Sternzeichen der Fische in České Budějovice geboren. Seine Kindheit und Jugend war geprägt von der Verhaftung und Hinrichtung seines Vaters während der Heydrichiade – der Terrorwelle, mit der die deutschen Besatzer nach dem erfolgreichen Attentat auf den stellvertretenden Reichsprotektor Reinhard Heydrich am 27. Mai 1942 das Land überzogen und die rund 5000 Todesopfer forderte. Cílek lebte in Soběslav und in Ústí nad Labem, bevor er in den Nachkriegsjahren Prag als Wohnsitz wählte, wo er bis heute lebt.

Lange Zeit arbeitete Cílek als Journalist. In mehr als einem halben Jahrhundert literarischen Schaffens hat er Dutzende von Sachbüchern und psychologisch raffinierte Detektivgeschichten veröffentlicht. Einige seiner Werke gewannen bedeutende Preise und wurden verfilmt: "Výstřely ve vile Edelweiss" (Schüsse in der Villa Edelweiss); "Olga Hepnárová – zabíjela, protože neuměla žít" (Olga Hepnárová – sie tötete, weil sie nicht leben konnte). In den letzten Jahren fesselten unter anderem Cíleks Bücher "Přejde nás smích aneb Prokletí moci" (Das Lachen vergeht uns oder Der Fluch der Macht – hinter den Kulissen politischer Prozesse in der Nachkriegszeit); "Doživotní ztráta svědomí" (Lebenslanger Verlust des Gewissens); "Skorzeny: život na hraně" (Skorzeny: Leben am Abgrund); "Eichmann: architekt holocaustu" (Eichmann: Architekt des Holocaust); "Krvavá předehra – španělská občanská válka a zahraniční intervence 1936-1939" (Blutige Ouvertüre – Spanischer Bürgerkrieg und ausländische Intervention 1936-1939) seine Leser.

 
Leseprobe lesen
Web-Ansicht
Download
EPUB
Kaufen

Cover zur kostenlosen eBook-Leseprobe von »Denkschrift über Dr. Robert Kempner«

Leseprobe vom

Denkschrift über Dr. Robert Kempner

tredition


Das 1700-jährige Jubiläum jüdischen Lebens in Deutschland im Jahr 2021 wäre grundsätzlich Anlass genug, die vorliegende Denkschrift über Herrn Dr. Robert Kempner zu verfassen, trat er doch, seit Beginn seiner beruflichen Tätigkeit als Jurist in der Weimarer Republik sowie während seiner gesamten weiteren Lebenszeit, wie kaum ein anderer gegen Antisemitismus, für Menschenrechte und Demokratie ein.

Da die Ereignisse der letzten Jahre aber auch eine deutliche Zunahme rechtsstaatfeindlicher sowie antisemitischer Tendenzen zeigen, soll mittels dieser Denkschrift, unter Aufzeigen der Person sowie des beruflichen Wirkens Dr. Kempners, eine seiner zentralen Mahnungen in Erinnerung gerufen werden und uns eigener Ansporn sein:

"Ewige Wachsamkeit ist der Preis der Freiheit"

---

Der Autor ist Rechtsanwalt in Mainz mit dem Interessenschwerpunkt der Rechtsgeschichte sowie der Forschung zum Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher und dessen Folgeprozesse

 
Leseprobe lesen
Web-Ansicht
Download
EPUB
Kaufen

Cover zur kostenlosen eBook-Leseprobe von »Letters from the Lost«

Leseprobe vom

Letters from the Lost

Athabasca University Press | Our Lives: Diary, Memoir, and Letters


On 15 March 1939, Helen Waldstein’s father snatched his stamped exit visa from a distracted clerk to escape from Prague with his wife and child. As the Nazis closed in on a war-torn Czechoslovakia, only letters from their extended family could reach Canada through the barriers of conflict. The Waldstein family received these letters as they made their lives on a southern Ontario farm, where they learned to be Canadian and forget their Jewish roots. Helen Waldstein read these letters as an adult -- this changed everything. As her past refused to keep silent, Helen followed the trail of the letters back to Europe, where she discovered living witnesses who could attest to the letters’ contents. She has here interwoven their stories and her own into a compelling narrative of suffering, survivor guilt, and overcoming intergenerational obstacles when exploring a traumatic past.

---

“Strikingly, the post-war correspondence in the collection, a series of five letters written by one of Wilkes’ only surviving relatives, describes life in Theresienstadt and Auschwitz, the fates of the individuals whose voices are preserved in the previous correspondence, and his attempts to rebuild his life.”

---

“A fascinating collection of letters and assorted photographs, maps and charts woven together by Wilkes' descriptive narrative. ... Anyone who writes this type of book will always wonder if justice was done to the memory of those who perished. Wilkes need not worry on that score.”

---

"Reading the letters, we accompany Wilkes on her journey of discovery. We laugh when she laughs, we despair when she despairs ... the courage and dignity of the lost relatives is what remains foremost in the reader's mind. By allowing us access to a dozen specific individuals, Wilkes has managed to put a human face on an almost unfathomable statistic."

---

Since receiving her Ph.D in French Literature, Helen Waldstein Wilkes spent 30 years teaching at every level in Canada and in the U.S. Her research interests include cross-cultural understanding, language acquisition, and neurolinguistics. Now retired and living in Vancouver, she is actively examining her own cultural inheritance and its impact.

 
Leseprobe lesen
Web-Ansicht
Download
EPUB
Kaufen

Cover zur kostenlosen eBook-Leseprobe von »Jüdische Musik im süddeutschen Raum / Mapping Jewish Music of Southern Germany«

Leseprobe vom

Jüdische Musik im süddeutschen Raum / Mapping Jewish Music of Southern Germany

Bockmaier, ClausFrühauf, Tina (Hrsg.) | Allitera Verlag


Dieser Band kartiert die jüdische Musik Süddeutschlands im 19. und 20. Jahrhundert: als einen Raum, der jüdische Musikgeschichte produziert, beherbergt und bewahrt; als einen gemeinsamen Raum von Juden und Nicht-Juden mit der möglichen Kultur des Zusammenflusses; und als einen Raum der Ausgrenzung und Verfolgung. Diese Räume – teils symbolisch, abstrakt, metaphorisch, teils konkret und inszeniert – ­erschließen sich in acht Kapiteln: zur Topografie jüdischen Musiklebens im NS-Staat in München, zum Leben und Wirken von Jakob Schönberg und Richard Fuchs im Kontext jüdischer Kunstmusik, zu den musikalischen Praktiken der jüdischen Gemeinden in Bamberg und Binswangen, zu den Aktivitäten des Esslinger Cantors Mayer Levi, zur Verlagerung süddeutscher und österreichischer jüdischer Musiker und ihrem Wirken in Ferramonti di Tarsia und nicht zuletzt zu Paul Ben-Haims sozialem und intellektuellem Umfeld vor und kurz nach der Emigration.

This volume maps Jewish music of southern Germany in the nineteenth and twentieth centuries. It explores this region as a space that produces, inhabits, and preserves Jewish musical history; as a shared space between Jews and non-Jews that can result in a culture of confluence; and as a space of exclusion and persecution. These spaces – some symbolic, abstract, metaphorical, and others concrete and enacted – are unraveled in eight chapters that address the topography of Jewish musical life in the NS state using the example of Munich, the life and work of Jakob Schönberg and Richard Fuchs in the context of Jewish art music, the musical practices of the Jewish communities in Bamberg and Binswangen, the activities of Cantor Mayer Levi of Esslingen, the dislocation of South German and Austrian Jewish musicians and their activities in the camp of Ferramonti di Tarsia, and Paul Ben-Haim’s social and intellectual environment before and shortly after emigration.

 
Leseprobe lesen
Web-Ansicht
Download
EPUB
PDF
Kaufen

Cover zur kostenlosen eBook-Leseprobe von »Die Garne der Fischer der Irrsee«

Leseprobe vom

Die Garne der Fischer der Irrsee

ATHENA-Verlag | Beiträge zur Kulturwissenschaft


Immer schon war der "Wahnsinn" das Kennzeichen des wahren Dichters. Selten hat man allerdings die psychiatrische Realität dieses Wahnsinns in ihrer Beziehung zum dichterischen Text untersucht. Paul Celan verbrachte den Großteil seiner letzten Lebensjahre in der Psychiatrie und beging 1970 Selbstmord. Dieses Buch geht den Fragen nach, welche individuellen Ursachen zu seiner Krankheit führten, welche Traumata in Celans Lyrik ihren Niederschlag gefunden haben und in welcher Weise die manisch-depressive Krankheit den Stil und den Inhalt vor allem seiner späten Lyrik geprägt hat. Wie die "Psychose" als Sprachstruktur und Thema in den Texten Paul Celans als Widersinnigkeit, Sinnlosigkeit und das Unaussprechliche dennoch zu einem Fascinosum seiner Lyrik in der Zeit der Gegenmenschlichkeit wird, ist Kern dieser Untersuchung.

 
Leseprobe lesen
Web-Ansicht
Download
EPUB
PDF
Kaufen

Cover zur kostenlosen eBook-Leseprobe von »Israelische Start-Up-Kultur als Innovationskooperation für deutsche  Unternehmen«

Leseprobe vom

Israelische Start-Up-Kultur als Innovationskooperation für deutsche Unternehmen

tredition


Diese qualitative Einzelfallstudie untersucht zum einen, ob die soziologischen und kommunikativen Eigenheiten israelischer und deutscher Team-Mitglieder komplementär wirken und zu einem Vorteil für das Innovationsmanagement deutscher Unternehmen führen können. Die Erkenntnisse sind in bestätigender Weise, für „Open Innovation“ Projekte, speziell für innovationsgetriebene Unternehmen des deutschen Mittelstandes von Relevanz.

Zum anderen wird ein möglicher emotionaler Einfluss des Holocausts auf diese interkulturelle Kommunikation und Zusammenarbeit betrachtet. Die Aussagen und Ergebnisse können allgemein für gemeinsame Projekte beider Länder von Nutzen sein.

Die Forschung basierte auf 12 ExpertInneninterviews nach der „Grounded Theory“ Methode. Dabei wurden 4 Personen aus Israel, 4 aus Deutschland sowie 4 VertreterInnen deutscher Unternehmen in nicht standardisierten Leitfadeninterviews befragt. Alle (sowie der Autor selbst) waren TeilnehmerInnen an einem bayerisch-israelischen Accelerator-Projekt in München.

---

PR-Berater, International MBA in Management and Communications, Auswanderer, Zeitsoldat, Waldorfschüler.

Pascal Kolb ist gebürtiger Berliner, Jahrgang 1972. Er wächst jedoch überwiegend im Allgäu auf, wo er viele Jahre die Waldorfschule besucht. Im direkten Anschluss verpflichtet er sich beim Militär als Zeitsoldat. Die insgesamt 10 Dienstjahre bei einer Fernspäheinheit und in der Sportfördergruppe Fallschirmspringen prägen ihn. In seiner Freizeit bereist und betaucht er viele Gebiete der Erde.

Der „disruptive“ Lebenslauf setzt sich fort. Nach einigen Semestern des Informatikstudiums in München, verwirklicht er sich den Traum im Ausland zu leben und zu arbeiten: Spanien. Nach über einem Jahrzehnt selbstständiger Tätigkeit in der Tauch-, Notfall-, Versicherungs-Branche kehrt er 2013 nach München zurück. Wie zuletzt in Spanien ist er auch hier zunächst für die Öffentlichkeitsarbeit, den Vertrieb und die Trainings-Koordination einer internationalen Tauchnotfall-Assistance zuständig.

Nebenberuflich absolviert er den International MBA in Management and Communications und nimmt an einem deutsch-israelischen Accelerator-Programm teil. Die Studienreise nach Israel und die wissenschaftliche Beschäftigung mit der dortigen Innovationskultur sind ein wichtiger Meilenstein in seinem Leben.

Aktuell ist Pascal Kolb als Sr. Account Executive (digitale PR und Unternehmenskommunikation) eines schwedischen SaaS-Unternehmens tätig.

 
Leseprobe lesen
Web-Ansicht
Download
EPUB
Kaufen

Cover zur kostenlosen eBook-Leseprobe von »Schönheit mit Schalom«

Leseprobe vom

Schönheit mit Schalom

tredition


Dieses Buch will helfen, das Trauma des Holocaust im jüdischen Messias zu überwinden und zu heilen. Auch offene und verborgene deutsche Schuld wird benannt, aber auch Möglichkeiten zu ihrer Überwindung werden offengelegt.

Das Buch will aber noch mehr Facetten des Lebens öffnen, weil der Holocaust nicht die endgültige Entscheidung Gottes über Juden ist.

Durch Lebensfreude, Genuss, Versöhnung und Vergebung und guten Sex kann eine ganzheitliche Heilung erfolgen und Schönheit genossen und erlebt werden.

---

Christiane Leimbach ist gelernte Juristin und leitet Star-Cross Entertainment seit 2005. Hierüber bietet sie Stadtdführungen zu jüdisch-christlichen Orten an und publiziert sowohl per Print, Podcast als auch im Internet über jüdisch-christliche Themen.

Außerdem organisiert sie jüdisch-christliche Feste.

Die innere Heilung der jüdisch-deutschen Beziehungen liegt ihr sehr am Herzen.

 
Leseprobe lesen
Web-Ansicht
Download
EPUB
Kaufen

Cover zur kostenlosen eBook-Leseprobe von »Germany and two World Wars«

Leseprobe vom

Germany and two World Wars

tredition | German History


The Austrian Archduke and his wife were killed in Sarajevo by a Bosnian Serb. This double murder led to Austria's declaration of war on Serbia. That, in turn, was one reason why Russia declared war on Austria, which in turn led Germany to declare war on Russia. Other states followed Russia and the First World War, the most gruesome war the world has ever experienced, began. In the end, Germany and Austria lost the war and had to give up big parts of their countries. The consequence was hunger and suffering of the own population. This, in turn, was the ideal breeding ground for the terror of the nationalist movement. Hitler comes to power. Austria became a part of the German Reich again. The country of the Sudeten was annexed and Hitler demanded more. It is the time of the Nazi rule. The world is facing a war again. -- We write 1 September 1939 and a new cruel wartime began. It's the Second World War with holocaust and gassing millions of Jews, as well as millions of victims worldwide. Germany loses this war. Now the German population itself could feel what the Nazis had done to others. It began with the great flight of millions of Germans from the territories that had been under German rule for centuries. Then followed the expulsion of millions of Germans from the eastern territories and the Czech Sudetenland. Millions had to live in the rubble caused by the war. Many were starving because there was not enough food for everyone.

Also about artists, scientists and inventors in the period from 1914 to 1945 is reported in this book.

---

Egon Harings wurde in Düsseldorf geboren.

Nach Schulbesuchen in der ehemals französischen und britischen Besatzungszone machte er eine Ausbildung als Industriekaufmann.

Später studierte er Betriebswirtschaft und war in der Stahlindustrie beschäftigt. Heute ist er Rentner und lebt mit seiner Frau in der Nähe von Düsseldorf. Mit dem Schreiben von Büchern hat er vor ca. 15 Jahren angefangen. Veröffentlicht wurden bereits Werke von ihm in Groß Britannien und in der Vereinigten Staaten. In Deutschland erfolgte vor einigen Jahren die Veröffentlichung seines ersten Werkes in deutscher Sprache.

 
Leseprobe lesen
Web-Ansicht
Download
EPUB
Kaufen

Cover zur kostenlosen eBook-Leseprobe von »Verstreut über alle fünf Kontinente«

Leseprobe vom

Verstreut über alle fünf Kontinente

tredition


Das Buch schildert den Aufstieg zweier Brüder der jüdischen Familie Rosenthal in Witten zu stolzen Kaufhausbesitzern und geachteten Mitgliedern der Gesellschaft. Ihre 18 Kinder und deren Ehegatten gründen – meist im Raum Südwestfalen – weitere Kaufhäuser und Fabriken, bis die Machtergreifung Hitlers 1933 ihrem Streben ein Ende setzt. Während des Holocaust verlieren siebzehn Familienmitglieder ihr Leben, während den übrigen die Auswanderung glückt. In ihren neuen Heimatländern auf allen fünf Kontinenten gelingt es ihnen, Fuß zu fassen und sich nach anfänglichen Schwierigkeiten eine neue Existenz aufzubauen. Heute gehören mehr als 200 ihrer Nachkommen als Wissenschaftler, Ärzte, Psychologen, Juristen oder Leiter von Wirtschaftsunternehmen zur Oberschicht ihrer neuen Heimatregionen.

In zahlreichen Selbstzeugnissen, Dokumenten und Fotos zeigt das Buch das Leben dieser Familie vor der Machtergreifung, die Mechanismen der Ausplünderung, der Schikanen und Entrechtung sowie die physische Vernichtung während der NS-Zeit und den Wiederaufstieg nach der Emigration.

 
Leseprobe lesen
Web-Ansicht
Download
EPUB
Kaufen

Cover zur kostenlosen eBook-Leseprobe von »Ich bitte Sie, wir sind doch Europäer!«

Leseprobe vom

Ich bitte Sie, wir sind doch Europäer!

tredition


Holocaust-Überlebende, Auschwitz-Überlebende – solche Verkürzungen auf wenige Jahre der Fremdbestimmung und Verfolgung sind vollkommen ungeeignet, ein erfülltes Leben in den Blick zu fassen. Sie nehmen überdies ungewollt die Perspektive der Verfolger ein. Viel mehr als eine Holocaust-Überlebende ist Lisa Miková eine Zeitzeugin des Jahrhunderts, eine Tschechin, eine Europäerin – und vor allem eine überaus faszinierende Persönlichkeit. Dieses Buch ist ein bescheidener Versuch, dieser ungewöhnlichen Frau ein Denkmal zu setzen.

---

Das jüdische Kulturzentrum und Pflegeheim Hagibor. Es ist eine kleine Lesung, auch Lisa Miková ist da – eine 96-jährige Dame, mittlerweile im Rollstuhl. Um ihre Geschichte dreht sich das Buch, das Werner Imhof geschrieben hat. Der Journalist und Historiker trägt unter anderem eine Passage vor, in der es um Ereignisse gegen Ende des Jahres 1938 geht. Hitler hat bereits die Sudetengebiete in der Tschechoslowakei besetzt. Auch in der Familie Lichtenstern, so der Mädchenname von Lisa Miková, herrscht Angst. Einige Juden sind schon geflohen. Die Lichtensterns möchten ihre Tochter ebenfalls in Sicherheit bringen. Sie schicken die 16-jährige Lisa mit einer Freundin zusammen zu einer Cousine des Vaters nach Zagreb. Imhof schildert die Sache in seinem Buch so:

„Lisa hielt es nicht aus ohne die Eltern. Sie wechselten Briefe, und Lisa erfand einen Brief der Eltern, in dem diese angeblich mitteilten, die Kriegsgefahr habe sich verringert und sie könne heimkehren. Die Cousine wollte diesen Brief sehen, aber Lisa sagte ihr, er sei auf Tschechisch geschrieben und das verstehe sie doch nicht. Unterdessen hatte der Vater, Geschäftskontakte nutzend, organisiert, dass Lisa mit einem Transportflugzeug nach Schottland gebracht werden könnte. Aber sie war schon auf dem Rückweg. Zu Hause angekommen, bekam sie von ihrem Vater zum ersten Mal eine Ohrfeige. Danach waren alle Fluchtwege geschlossen.“

Später wirft sich Lisa Miková immer wieder vor, dass sie damals nicht geflohen ist. Wie die meisten Juden in Europa, wird auch ihre Familie von den Deutschen in Lager verschleppt. Zunächst kommen die Lichtensterns ins KZ und Ghetto Theresienstadt, später werden beide Eltern in den Gaskammern von Auschwitz ermordet. Lisa, die zu jener Zeit bereits mit František Mika verheiratet ist, überlebt die KZ und Vernichtungslager – und ihr Mann ebenfalls.

Kleine Geschichten, die viel sagen

Werner Imhof schildert das auf 112 Seiten. In dem schmalen Band wechseln sich die Erläuterungen und Nacherzählungen des Autors mit wörtlichen Zitaten von Lisa Miková ab. Imhof lässt zudem weitere Holocaust-Überlebende zu Wort kommen. Die hat der Historiker zwischen 2002 und 2017 kennengelernt, als er bei der Brücke/Most-Stiftung Zeitzeugengespräche betreute.

„Bevor ich das Buch angegangen bin, habe ich mit Lisa Miková kurz darüber gesprochen. Das war aber eher im theoretischen Bereich. Ich wollte nicht ihr Ghostwriter für eine Autobiografie sein, weil ich in 15 Jahren intensiver Beschäftigung mit den Zeitzeugen so viele Geschichten gehört habe, bei denen selbst kleine Begebenheiten viel über die Historie sagen. Ich erwähne in dem Buch die Geschichte, die mir Josef Salomonovič einmal erzählt hat“, so Imhof.

Der Genannte sprach mit einem Berufskollegen über dessen Einsatz als Wachmann im KZ Stutthof. Aus genau diesem Konzentrationslager war die Familie Salomonovič auf einen Todesmarsch geschickt worden. Zwar überlebten die Mutter sowie Josef und sein Bruder, der Vater aber wurde durch eine Giftspritze umgebracht. Dazu Werner Imhof:

„Josef Salomonovič traf um das Jahr 2002 diesen ehemaligen Wärter. Der brachte das auf die Formel: Man habe dort keine Menschen bewacht, da seien keine Menschen gewesen, sondern nur Juden. Solche Begebenheit sagen manchmal mehr über den Holocaust als ganze Bücher oder ganze Filme.“

Mit seinem neuen Band wendet sich der Autor auch gegen „die Holocaust-Leugner und Unverbesserlichen wie den AfD-Vorsitzenden Alexander Gauland“, wie er an einer Stelle schreibt. Deswegen schildert Imhof die tatsächlichen Lebensumstände in den Lagern, die von den Deutschen nur zu einem Ziel angelegt waren: Menschen zu vernichten.

---

Buchempfehlung

---

Man kann diesem Mann doch nicht alles durchgehen lassen...

---

Historiker gibt Verdienstmedaille zurück

29. August 2016 11:04

Der in Tschechien beheimatete deutsche Historiker Werner Imhof gibt die Verdienstmedaille des tschechischen Verbandes der Freiheitskämpfer zurück. In einem offen Brief benennt er die Gründe dafür.

Als mir am 12. 2. 2011 von dem von mir hoch geachteten Auschwitz-Überlebenden Michal Salomonovič die Verdienstmedaille des „Český svaz bojovníků za svobodu“ (Tschechischer Verband der Freiheitskämpfer, in dem die meisten tschechischen Holocaust-Überlebenden organisiert sind) verliehen wurde, war ich sehr gerührt. Ich habe es als große Ehre empfunden, diese Medaille als erst zweiter Deutscher nach dem Leiter der Gedenkstätte Flossenbürg, Jörg Skriebeleit, zu erhalten. Gewürdigt wurde damit vor allem, dass ich rund 700 Begegnungen mit tschechischen Zeitzeugen des Holocaust organisiert und pädagogisch begleitet hatte. Ihnen vor allem galt mein Engagement. Gewürdigt wurden meine Verdienste als Historiker und Journalist um die historische Aufklärung, die ich durch die Arbeit als Nordböhmenkorrespondent und vor allem vor allem im Dienst der „Brücke/Most-Stiftung zur Förderung der deutsch-tschechischen Verständigung und Zusammenarbeit“ erworben habe, als Pressereferent, durch diese Zeitzeugengespräche, durch tschechisch-deutsche Seminare für Schüler/innen und Lehrende aus beiden Ländern, durch Vorträge, von mir geleitete Workshops und durch Gedenkstättenführungen zur deutsch-tschechischen Geschichte in beiden Ländern, unter anderem in Theresienstadt, und als Übersetzer verschiedener Holocaust-Biografien aus dem Tschechischen.

Eine neue Führung des Tschechischen Vebandes der Freiheitskämpfer hat diese Verdienstmedaille nun dem derzeitige tschechischen Präsidenten Miloš Zeman verliehen.

Wenn er diese Medaille verdient, dann verdiene ich sie nicht. Wenn es „Verdienste“ für das Land sind, in dem ich lebe, das ich liebe, für das ich mich engagiere – die Tschechische Republik – betrunken an Bischöfen, die mir die Hand reichen wollen, vorbeizutorkeln, Pegida-Delegationen zu empfangen und herzlich zu begrüßen, Rechtsradikale wie Herrn Sládek oder Konvi

ka in seiner Nähe zu dulden, dazu aufzurufen, Waffen zu tragen, Journalisten und verdienstvolle NGOs zu beleidigen, die Nähe zu Autokraten wie Putin und Xi Jinping zu suchen, gegen alle EU-Vereinbarungen dazu aufzufrufen, keinerlei Flüchtlinge aufzunehmen (das ist ein Schlag ins Gesicht aller Holocaust-Überlebenden, die im Exil überlebt haben und entspricht der damaligen Schweizer Haltung: Zahngold aus Auschwitz? Gern! Asyl? Nein!) – dann kann und will ich da nicht mithalten.

Meiner Meinung nach tritt Miloš Zeman die von Tomáš Garrigue Masaryk und Václav Havel begründete wundervolle Tradition, das weltweite Ansehen der Tschechischen Republik, symbolisiert in Jahreszahlen wie 1968 – Prager Frühling, 1977 – Charta 77, oder 1989 – Samtene Revolution, das zuvor Václav Klaus als Präsident in meinen Augen bereits schwer beschädigt hatte, und nun durch Auftritte bei Wahlkampfveranstaltungen der deutschen AfD beschmutzt, vollends in die Tonne. Ich gebe deshalb die Verdienstmedaille, die ich nicht mit Zeman gemeinsam tragen möchte, zurück.

Ich habe aus tiefem Respekt vor jenen, die mich dafür vorgeschlagen und sie mir verliehen haben, lange über diesen Schritt nachgedacht. Aber gerade die Hochachtung vor diesen Menschen, die von der neuen Führung des Verbandes nicht mehr repräsentiert werden, macht meine Entscheidung notwendig. (vs)

---

Wunderbarer Artikel von Oliver Das Gupta in der Süddeutschen Zeitung über Lisa Miková.

---

Ein Versuch, meine in über 700 Zeitzeugengesprächen gewonnenen Erfahrungen weiterzugeben.

---

Werner Imhof ist kein Elfenbeinturmhistoriker, der seine alleinige Erfüllung in der akademischen Auseinandersetzung über staubige Akten sucht. Wenn es in seiner Wahlheimat Tschechien um das Lernen aus dem Totalitarismus geht, das würdige Gedenken und Erinnern, scheut er auch die öffentliche Auseinandersetzung nicht.

Dem tschechischen Präsidenten Zeman warf er Sympathie mit rechtsextremen, fremdenfeindlichen Tendenzen vor. Dieser lobte ihn daraufhin als "verdienstvollen Brückenbauer der deutsch-tschechischen Verständigung", der mit politischen Gesten gegen den Präsidenten die Brücken hinter sich aber "gleich wieder zerstöre".

Schon lange vor diesem Buch hat Imhof es sich zur Aufgabe gemacht, den unschuldig Verfolgten eine Stimme zu verleihen. Nicht nur, um die Verfolger zu geißeln. Sondern auch und nicht zuletzt, um beeindruckende, berührende und faszinierende Lebensgeschichten in den Blick zu rücken, die früh geendet hätten, wenn die Verfolger triumphiert hätten.

Imhof schöpft aus dem Erfahrungsschatz von über 700 Zeitzeugengesprächen, die er organisiert und begleitet hat. Er ruft dazu auf und arbeitet daran, die Menschheitsverbrechen in Augenzeugenberichten zu dokumentieren und daraus zu lernen. Dazu gehört aber auch, ganze Biografien nicht darauf zu verkürzen, Überlebender von etwas zu sein.

Sein Buch "Ich bitte Sie, wir sind doch Europäer!" über die Pragerin Lisa Miková ist ein Schritt in diese Richtung.

Weitere sollen folgen.

Werner Imhof, Jahrgang 1960, ist gebürtiger Wiesbadener und lebt seit 23 Jahren in Tschechien.

 
Leseprobe lesen
Web-Ansicht
Download
EPUB
Kaufen