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netwars 2 - Totzeit 6: Endgame

Was bisher geschah

Das NCCU-Team hat ein Antivirenprogramm geschrieben und an so viele Tradingfirmen herausgegeben, wie es in der kurzen Zeit möglich war, wobei es als Erstes auf den Computern der Desai Group installiert wurde. Zwar wissen sie noch immer nicht, ob das Programm wirklich funktionieren wird, aber es ist ihre beste Chance, eine gewaltige Katastrophe abzuwenden.

Derweil haben Mitchell und Rebecca Knox und das taktische Team zu einem kleinen Flughafen begleitet, wo sie das letzte lebende Mitglied der Water Boys als Köder benutzen und den kühnen Versuch wagen wollen, Shylock herauszulocken. Doch im Verlauf der langen, dunklen Nacht wird Mitchell selbst von dem Killer angegriffen.

In den frühen Morgenstunden erlebt der Rest des Teams im NCCU-Gebäude mit, wie der Angriff des Salesman beginnt. MalComX versucht, die Server der führenden Hochfrequenz-Tradingfirmen zu übernehmen. Allerdings weiß der Salesman nicht, dass Egan und die NCCU dort längst ihre eigenen Verteidigungsmaßnahmen gegen die Malware installiert haben.

Während das Team im Hauptquartier der NCCU gespannt darauf wartet, ob das Antivirusprogramm tatsächlich funktioniert, kommt die Jagd auf Shylock auf dem Flugfeld zu einem plötzlichen und grausamen Ende, als der Killer von Knox’ Leuten niedergeschossen wird, nachdem er auf das letzte Mitglied der Water Boys gefeuert hat.

Über das Buch

Netwars 2 – Toteit 6: Endgame
Teil 6 von 6

Da Shylock tot und der Angriff auf den Finanzsektor hoffentlich unter Kontrolle ist, kehren Mitchell und Rebecca zum NCCU-Gebäude zurück und kommen genau zur rechten Zeit, um mit dem taktischen Team zur Operationsbasis des Salesman aufzubrechen.

Doch der Salesman fragt sich längst, warum sich Shylock nicht meldet und ob seine Machenschaften aufgeflogen sind. Ist es dieses Mal zu spät für eine Flucht? Oder kann er noch entkommen, bevor die NCCU eintrifft und alles beschlagnahmt?

Mitchell ringt mit seinem Alter Ego Phoenix, als sich die Möglichkeit, den Salesman zu verhaften, abzeichnet. Wird es Phoenix ausreichen, wenn sein Erzfeind festgenommen und vor Gericht gestellt wird, oder verspürt er das tiefer sitzende Bedürfnis, sich zu rächen und den Mann leiden zu lassen?

Über den Autor

M. Sean Coleman begann als Scriptwriter für Douglas Adams’ Hitchhikers Guide to the Galaxy Online. Für seine Beiträge für MSN, O2, Sony Pictures, Fox, die BBC und Channel 4 wurde er mehrmals mit Preisen ausgezeichnet. Er lebt in London.

NETWARS 2

Totzeit

M. Sean Coleman

Folge 6 – ENDGAME

Aus dem Englischen von Kerstin Fricke

26.

Mitchell konnte Knox’ Stimme hören, da der Einsatzleiter alle anderen übertönte, als er aus dem Flughafengebäude und über die Startbahn zu Bower und seinen Wachen rannte. Die Sirene eines Rettungswagens heulte in der Ferne. Aus allen Richtungen eilten die Mitglieder des Einsatzteams herbei, um den Schauplatz der Schießerei zu sichern.

Alle bewegten sich zügig und zielstrebig, nur Mitchell ging langsam auf die Stelle zu, an der Shylock tot am Boden lag. Ihm war, als würde er einen Moment lang außerhalb der Realität existieren und als wäre er der Einzige, der nicht wusste, was er als Nächstes tun sollte.

Was war gerade eben passiert? Shylock hatte auf Bower geschossen, und im Gegenzug hatten Knox’ Männer auf Shylock gefeuert und ihn auf der Stelle getötet. Mitchell blickte auf Shylocks Leiche, die bäuchlings auf dem Asphalt lag. Sein Kopf war merkwürdig abgewinkelt, und er hatte die Arme hinter dem Körper ausgestreckt. Er wirkte kleiner und unscheinbarer, als er im Leben gewesen war.

Mitchell kniete sich hin und nahm Shylocks Uniform in Augenschein. Sie war vollkommen authentisch und entsprach bis ins Detail der aktuellen Uniform der Einsatzmannschaft. Deshalb hatte Shylock sich ungehindert auf dem Flugfeld bewegen und bis auf Schlagdistanz an sein Opfer herankommen können. Sehr clever, auch wenn es ihm letztendlich nichts genützt hatte.

Warum hatte er, Phoenix, nie an so etwas gedacht? Die Uniform war die perfekte Tarnung. Als Angehöriger des Einsatzteams hätte Shylock sich sogar mit den meisten echten Beamten unterhalten können, ohne dass diese ihn durchschaut hätten. Das Einzige, was an seiner Uniform fehlte, war die Kamera, aber wer nicht direkt darauf achtete, hätte es vermutlich nicht einmal bemerkt. Shylock hatte sich darauf verlassen, dass er bei jeder Begegnung als Teammitglied akzeptiert wurde, und beinahe hätte es geklappt.

Beinahe.

Denn Bower lebte noch.

Als Mitchell sich zu der kleinen Gruppe umdrehte, die sich um Bower herum versammelt hatte, lag der Trader noch immer auf dem Boden. Er jammerte vor Schmerzen. Einer der Beamten versuchte, ihn festzuhalten, damit er untersucht werden konnte, aber Bower wehrte sich nach Leibeskräften. Ohne die schusssichere Weste wäre er bei dem Anschlag vermutlich ums Leben gekommen. Wenn man bedachte, wie nah Shylock dem Mann gekommen war, bevor er das Feuer eröffnet hatte, konnten sie von Glück reden, dass er Bower nicht in den Kopf geschossen hatte. Knox hatte dem Trader eine umfangreichere Schutzkleidung angeboten, doch Bower hatte nur die Weste getragen; er hatte sich darauf verlassen, dass es Knox und seinen Leuten gelang, Shylock zu erwischen, bevor dieser den Anschlag verüben konnte.

So kann man sich irren, ging es Mitchell durch den Kopf. Bower hatte mehr Glück als Verstand gehabt. Die Weste mochte ihm das Leben gerettet haben, aber die Schüsse aus so kurzer Distanz hatten dennoch sehr wehgetan, und er würde zumindest ein paar schlimme Prellungen zurückbehalten.

Mitchell beobachtete, wie Knox zu der Gruppe stieß und sich über Bower beugte, mit seinen riesigen Pranken die Schultern des schockierten Traders packte und leise und eindringlich auf ihn einredete, um ihn zu beruhigen. Es funktionierte. Bower hatte noch immer Schmerzen und stand unter Schock, aber ihm wurde anscheinend bewusst, dass er jetzt in Sicherheit war.

Knox und einer seiner Männer halfen Bower auf die Beine. Als der Trader schwankend dastand, starrte er angewidert auf Shylocks Leiche. Knox ließ ihm einen Augenblick Zeit, bevor er ihn wegführte, wobei er ihm einen Arm um die Schultern legte. Im Vorbeigehen nickte er Mitchell zu, um ihm auf diese Weise stillschweigend für seine Hilfe zu danken.

»Was haben Sie sich dabei gedacht?«, fragte Rebecca wütend.

Mitchell drehte sich um und sah, wie sie auf ihn zukam.

»Ich habe nicht nachgedacht«, antwortete er. »Ich habe bloß reagiert.«

»Sie hatten nicht einmal Deckung!«, schimpfte sie. »Er hätte Sie umbringen können!«

»Er hätte nicht auf mich gezielt«, erwiderte Mitchell, dem gar nicht in den Sinn gekommen war, dass Shylock die Waffe auf ihn richten könnte. Vielleicht war ja doch noch ein Rest von Striders Arroganz in ihm vorhanden. Er hatte impulsiv gehandelt und war losgerannt, um Shylock aufzuhalten, kaum dass er ihn entdeckt hatte. Er hatte nicht einen Moment lang überlegt, wie er Bower retten wollte; er hatte sich einfach ohne Waffe oder einen Plan in Gefahr begeben.

Seltsam, überlegte er. Wenn diese Sache hier vorbei war, musste er seine Impulsivität unbedingt unter Kontrolle bekommen.

Rebecca trat neben ihn und blickte auf Shylocks Leiche. Dabei wirkte ihre Miene beinahe traurig.

»So sieht er also wirklich aus«, murmelte sie, hockte sich hin und musterte Shylock eingehender. Sein Gesicht war kreidebleich, und seine blauen Augen starrten glasig und leer zum Himmel. Sein Blick wirkte noch immer kalt, aber die Boshaftigkeit war daraus verschwunden.

Rebecca streckte die Hand aus und schloss Shylocks Augenlider mit dem kleinen Finger.

»Eine Schande, dass er tot ist«, sagte sie leise. »Zugleich können wir von Glück sagen.« Einen Augenblick lang hockte sie noch da; dann stand sie auf, drehte sich um und schaute Mitchell ins Gesicht. »Wir sollten die Sache melden und zusehen, dass wir von hier verschwinden.«

»Okay.« Mitchell nickte.

Rebecca zog ihr Handy aus der Tasche, während sie neben Mitchell zurück zum Flughafengebäude ging.

»Franklin? Hier ist Mac«, sagte sie ins Mobiltelefon. »Es ist vorbei. Shylock ist tot.«

Mitchell wurde langsamer und schaute Rebecca hinterher, als sie weiter auf das Gebäude zuging. Dabei fiel ihm auf, wie schnell sie in ihre Rolle als Agentin geschlüpft war. Dabei hatte er sie noch als nüchterne, zurückhaltende Sicherheitsexpertin kennengelernt.

Als er über die Schulter schaute, sah er, dass das taktische Team Shylocks Leiche unter einer dunklen Decke verbarg. Hier wurde kein forensisches Team mehr benötigt.

»Okay«, hörte er Rebecca sagen, die ein paar Schritte entfernt stehen geblieben war. »Wir kommen zurück, so schnell wir können.«

Sie sah sich nach Mitchell um. »Es ist noch nicht zu Ende«, sagte sie. »Franklin braucht uns wieder im Büro. Es sieht ganz so aus, als hätte Black Flag MalComX von der Leine gelassen.«

*

Uli Hirsch stand neben Ellie Desai und blickte auf die Trading-Etage hinunter. Die Börse war wie üblich um acht Uhr eröffnet worden, und die gesamte Belegschaft der Desai Group saß an den Schreibtischen und war bei der Arbeit. Alles sah aus wie an jedem anderen Tag; allerdings war den Mitarbeitern bekannt, dass ihre Back-up-Trading-Engine heute ein klein wenig langsamer arbeitete, damit ihr Hauptserver ungehindert auf die eigentliche MalComX-Attacke warten konnte. Der Erfolg ihres Gegenangriffs basierte darauf, dass es den Anschein erweckte, als würde alles so laufen, wie Black Flag es erwartete. Die Haupt-Trading-Engine der Desai Group wurde – ebenso wie die ihrer gefährdeten Konkurrenten – dazu benutzt, Black Flag vorzutäuschen, ihr MalComX-Angriff sei erfolgreich verlaufen. Allerdings waren die Trading-Unternehmen sich einig, dass es einer Katastrophe gleichkäme, wenn sie gleichzeitig längere Zeit offline blieben. Das würde sich nicht nur auf ihre Umsätze, sondern auf die gesamte Wirtschaft negativ auswirken.

Uli fragte sich, wie lange es noch dauern würde, bis die Hacker begriffen, dass sie hereingelegt worden waren, und was sie unternehmen würden, sobald sie erkannten, was hier gespielt wurde. Inzwischen war es zehn nach acht, und obwohl bereits zu sehen war, dass die Börse einbrach, waren die Auswirkungen bei Weitem nicht so gravierend, wie Black Flag es vermutlich erwartet hatte. Zehn Minuten in der Trading-Sphäre entsprachen einer Ewigkeit in der wirklichen Welt, und die Hacker hatten wahrscheinlich längst mit einem Börsencrash epischen Ausmaßes gerechnet.

Der Antiviruscode war auf den Hauptservern der sechs Trading-Unternehmen installiert worden, die aufgrund ihrer Verbindungen zu den Water Boys am meisten gefährdet waren. Uli war sicher, dass die Mitarbeiter dort genauso nervös und angespannt wie er verfolgten, wie ihre Trades abgewickelt wurden. Sie konnten nur hoffen, dass Franklins Team die Täter aufspürte, bevor ein zu großer Schaden angerichtet wurde. Uli war sich im Klaren darüber, dass der heutige Angriff verheerende Auswirkungen auf die Börsen in Großbritannien und den USA haben konnte, obwohl sie darauf vorbereitet waren und sich ihm entgegenstellten.

Von den sechs Firmen, die angegriffen wurden, befand sich nur eine in New York, alle anderen waren in London beheimatet. Sie hatten den Code nach New York geschickt, damit auch das amerikanische Unternehmen auf dieselbe Weise geschützt wurde; im Grunde aber hofften sie darauf, Black Flag gefasst zu haben, bevor die New Yorker Börse öffnete.

Bei der NCCU ging man davon aus, dass der Großteil der Black-Flag-Operation ohnehin auf europäischem Boden stattfand; deshalb hatte Franklin mehrere Teams von Interpol sowie lokale Polizeibehörden in ...

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