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netwars 2 - Totzeit 3: Opfer

Inhalt

Was bisher geschah

Über das Buch

Über den Autor

Titel

Impressum

10.

11.

12.

13.

In der nächsten Folge …

Was bisher geschah

Das NCCU-Team ermittelt gegen eine anonyme Onlinegruppe, die sich die Water Boys nennt und vermutlich eine MalCom genannte Malware programmiert, mit der der Finanzsektor ins Chaos gestürzt werden soll. Im Zuge der Ermittlungen wurde offensichtlich, dass mehrere Mitglieder der Water Boys unter verdächtigen Umständen ums Leben gekommen sind.

Scott Mitchell wird verdächtigt, einen der Morde begangen zu haben, als eines seiner privaten Ziele Opfer des Water-Boys-Killers wird. Aber während des Verhörs, das Agent Stacy führt, kann Mitchell den Verdacht entkräften.

Da ein Mörder frei herumläuft und ein Angriff auf die ganze Finanzbranche bevorsteht, lässt sich Mitchell dazu überreden, Rebecca, Franklin und Agent Stacy bei der Suche nach dem wahren Killer zu unterstützen.

Währenddessen greift der Salesman die Desai Group, eine Londoner Hochfrequenz-Handelsfirma, an. Sein Team setzt die verbesserte Malware MalComX ein und es gelingt ihnen, das gesamte Firmennetzwerk zu übernehmen. Da ihre Daten verschlüsselt worden sind, hat die Desai Group keine andere Wahl, als das Lösegeld zu bezahlen. Eigentlich müsste der Firmenvorstand die Behörden über den Angriff informieren, was er jedoch aus Stolz und Angst um den Ruf des Unternehmens unterlässt.

Während das Team der NCCU nach Hinweisen auf die Identität des Serienmörders sucht, macht sich eine heimtückische Software unbemerkt auf den Servern der Desai Group breit. Niemand kennt das wahre Ausmaß des geplanten Angriffs, aber Uli Hirsch, Sicherheitschef bei der Desai Group, ist überzeugt davon, dass sie MalComX noch lange nicht besiegt haben.

Über das Buch

Netwars 2 – Totzeit 3: Opfer
Teil 3 von 6

Der Sicherheitschef der Desai Group findet heraus, dass ein bei der Firma angestellter Trader an dem schrecklichen Angriff beteiligt war.

Im NCCU-Gebäude entdeckt Rebecca unterdessen, dass ihr Kontaktmann bei den Water Boys Gegenmaßnahmen ergriffen und auf seinem privaten Server einen Code gespeichert hat, mit dem sich MalCom möglicherweise bekämpfen lässt.

Der Killer kommt den Ermittlungen immer näher, und jeder, der Verbindungen zu den Water Boys hat, könnte in Gefahr schweben. Wird es Rebecca und dem Team gelingen, sich lange genug aus der Gefahrenzone zu halten, damit sie den Plan des Salesman vereiteln können?

Über den Autor

M. Sean Coleman begann als Scriptwriter für Douglas Adams’ Hitchhikers Guide to the Galaxy Online. Für seine Beiträge für MSN, O2, Sony Pictures, Fox, die BBC und Channel 4 wurde er mehrmals mit Preisen ausgezeichnet. Er lebt in London.

NETWARS 2

Totzeit

M. Sean Coleman

Folge 3 – OPFER

Aus dem Englischen von Kerstin Fricke

10.

Uli Hirsch, Chef der Cybersicherheit der Desai Group, war erschöpft. Sein Adrenalinrausch dauerte schon an, seitdem MalCom – eine tückische Malware, die Handelsalgorithmen in den Vereinigten Staaten, Portugal, der Türkei und Russland beeinflusste – erstmals ihre Rechner übernommen hatte. Die ersten Stunden des gestrigen Angriffs auf die Desai Group waren in einem verschwommenen Gewirr panikartiger Aktionen untergegangen. Jetzt, fast vierundzwanzig Stunden später, verebbte das Adrenalin allmählich, aber Uli konnte trotzdem nicht darauf hoffen, in absehbarer Zeit auch nur an Schlaf zu denken. Er hatte seitdem noch nicht einmal das Büro verlassen, hielt sich inzwischen aber wenigstens wieder in seiner eigenen Abteilung auf.

Uli war körperlich und geistig fast am Ende, aber hier unten an seinem eigenen Schreibtisch, fern von Ellie Desai, der Chefin des Unternehmens, und ihrem leitenden Software-Spezialisten Niall McCartney, konnte er sich besser konzentrieren. Die beiden hatten es nicht laut ausgesprochen, aber Uli wusste, dass sie ihm die Schuld an dem Vorfall gaben. Vermutlich hatten sie damit sogar recht, auch wenn er keine Erklärung hatte, wie Hacker ohne Hilfe durch einen Mitarbeiter der Desai Group die Trading-Engine-Server geknackt haben konnten. Uli hatte jede Sicherheitsmaßnahme ergriffen, die das Unternehmen sich leisten konnte – sogar einige, die ihren Etat überstiegen –, und das in jedem Bereich, in dem die Desai Group tätig war. Allerdings war ihm nur zu deutlich bewusst, dass man gegen die Bestechlichkeit oder einfach nur Nachlässigkeit der Angestellten nicht gefeit war.

Das war wieder einer dieser Vorfälle, von denen seiner Meinung nach die ganze Welt erfahren sollte, damit man erkannte, wie anfällig Trading-Firmen waren und wie ungern sie einen Angriff zugaben. Allein die Vorstellung, was passieren konnte, wenn die Hacker die Kontrolle über die Algorithmen übernahmen, jagte Uli eine Heidenangst ein. In der Theorie gab es keinen Beweis, dass diese Algorithmen auch außerhalb des Firmensystems, für das sie geschaffen worden waren, funktionierten – aber das war bisher auch das Einzige gewesen, was die Trading-Firmen davor bewahrt hatte, dass ihre geheimen Formeln verkauft wurden. Doch die verbrecherischen Hacker hatten soeben bewiesen, dass sie auf sämtliche Firmenserver des Unternehmens zugreifen konnten, und Uli konnte sich nicht vorstellen, dass die relativ kleine Summe, die sie gerade bezahlt hatten, diese Leute dazu brachte, ihren Vorteil aufzugeben.

Er hatte über die Geschehnisse nachgedacht. Es hätte noch Schlimmeres passieren können. Uli wurde das Gefühl nicht los, dass die Desai Group im Grunde viel zu glimpflich davongekommen war, wenn man die Komplexität der Malware betrachtete, die ihre Systeme übernommen hatte. Die Lösegeldforderung war bei Weitem nicht so überzogen, wie sie seines Wissens nach bei deutlich kleineren Attacken ausgefallen war, sondern entsprach etwa einer Viertelmillion Pfund. Das war viel Geld, sicher, aber nichts im Vergleich zu der Summe, die Desai wert war.

Obwohl Uli protestiert und von der Kapitulation abgeraten hatte, war Ellie Desai einverstanden gewesen, das Lösegeld sofort zu bezahlen. Uli war noch immer der Meinung, man sollte den Angriff den Behörden melden, da die Desai Group vermutlich kein isoliertes Ziel darstellte und Ähnliches auch bei anderen Firmen geschehen war. Aber er konnte nachvollziehen, dass Ellie ihre Schwäche nicht vor der Allgemeinheit preisgeben wollte, zumal die NCCU – die Cyber Crime Unit der National Crime Agency in London, die sich dem Kampf gegen Computerkriminalität verschrieben hatte – ihre Identität schützen und außerdem wissen würde, welche Firmen sonst noch angegriffen worden waren. Trotzdem hatten Ellie Desai und Niall darauf bestanden, dass das Lösegel bezahlt wurde.

Dennoch hatte Uli alles in seiner Macht Stehende getan, um das Ellie ihn gebeten hatte: Er hatte das Geld besorgt und transferiert. Es sollte in Bitcoins gezahlt werden, einer nur online verwendeten digitalen Währung, die an keine Regierung, Bank oder vorgeschriebenen Regeln gebunden war. Die komplizierte Methode, mit der ein solcher Transfer abgeschlossen wurde, ließ sich im Grunde gar nicht nachvollziehen. Uli war ganz übel geworden bei dem Gedanken, dass sie einer Gruppe verbrecherischer Hacker noch mehr Geld aushändigten, obwohl sie der Desai Group in den letzten sechs Wochen dank ihrer cleveren Manipulation eines Trading-Algorithmus ohnehin schon riesige Gewinne abgeschöpft hatten. Er konnte es nicht fassen, dass die Hacker über einen so langen Zeitraum hinweg auf sein System zugegriffen hatten, ohne dass eine seiner Sicherheitsmaßnahmen Wirkung gezeigt hätte. Das Ganze hatte eine niederschmetternde Wirkung auf ihn, und seine Müdigkeit machte alles nur noch schlimmer.

Sobald das Lösegeld bezahlt und verifiziert worden war, hatten die Angreifer den Entschlüsselungscode geschickt, woraufhin Uli sich sofort an die mühevolle Arbeit gemacht hatte, all ihre Dateien freizugeben und zu überprüfen. Das Trading-Personal war nach Hause geschickt worden, sobald sie erfahren hatten, wie die Lösegeldforderung aussah, da der Handel an diesem Tag ohnehin nicht mehr aufgenommen werden konnte, solange die Dateien verschlüsselt waren, auch wenn Ellie natürlich darauf bestand, dass alles so schnell wie möglich wieder seinen gewohnten Gang lief.

Aber das musste warten. Zuerst mussten Uli und sein Team dafür sorgen, dass sie wieder rundum geschützt waren, dass der MalCom-Virus vollständig entfernt worden war und dass es keinen Restschaden an ihren Dateien, Servern, Algorithmen oder Prozessen gab. Nach der Zahlung des Lösegelds hatte Uli ein weiteres Mal versucht, Ellie dazu zu bewegen, den Angriff den Behörden zu melden. Seiner Meinung nach könnte sie der Sache sogar etwas Positives abgewinnen, wenn die Öffentlichkeit erfuhr, dass es der Desai Group gelungen war, einen Angriff zu überstehen, und dass sie ihre Verteidigungsmaßnahmen jetzt weiter verbesserten. Doch Ellie Desai war strikt dagegen gewesen. Trotz des finanziellen Schadens, den der Angriff verursacht hatte, beharrte sie darauf, dass die Rufschädigung durch das Bekanntwerden des Vorfalls die Profite der Desai Group weiter sinken lassen würde.

Uli wusste, dass es tatsächlich so kommen konnte, aber das war nicht seine Hauptsorge: Er wollte nicht allein mit einer derart großen Sache fertigwerden müssen. Natürlich lag ihm der Ruf des Unternehmens am Herzen, doch es war seiner Meinung nach viel schlimmer, dass sie bereits einmal kompromittiert worden waren, auf sehr einschneidende Weise, und dass sie keine Ahnung hatten, ob und wann so etwas noch einmal passieren konnte. Uli war durchaus bewusst, dass sie nur Vermutungen darüber anstellen konnten, in welchem Ausmaß die Verbrecher ihre Daten kopiert oder manipuliert hatten. Es würde Monate dauern, jede einzelne Datei durchzugehen und nach Diskrepanzen zu suchen. Bis dahin wäre es längst zu spät, etwas von dem aufzuhalten, was sie entdecken würden. Doch wenn sie mit der NCCU zusammenarbeiteten, würden sie letzten Endes vielleicht die Oberhand gewinnen.

Überdies war Uli sich im Klaren darüber, dass es eine ganze Reihe von Unternehmen gab, die deutlich schlechter geschützt waren als die Desai Group und deshalb noch anfälliger gegen Cyber-Angriffe. Eigentlich war es Ulis Pflicht, den Angriff zu melden, damit so etwas nicht auf dem gesamten Sektor passierte. Er wusste, dass börsennotierte Unternehmen verpflichtet waren, jeden Cyber-Angriff zu melden, aber die Desai Group fiel nicht in diese Kategorie und war daher nicht an solche Regeln gebunden. Uli hatte zwar kurz in Erwägung gezogen, hinter Ellies Rücken eine solche Meldung zu machen, hatte sich dann aber dagegen entschieden, denn ihm war bewusst, dass seine Karriere bei der Desai Group dann beendet wäre; überdies bekäme er wahrscheinlich in der ganzen Branche keinen Job mehr.

Außerdem hatte er Ellie schließlich doch davon überzeugen können, zumindest darüber nachzudenken, ob sie den Vorfall nicht besser melden sollten. Aber er musste erst genau herausfinden, wie das überhaupt hatte passieren können, und dafür sorgen, dass so etwas nie wieder geschah. Ellie wollte der Öffentlichkeit mitteilen können, dass ihr Unternehmen sich den Angreifern gestellt und das Problem gelöst hatte; war das nicht der Fall, sollte der Zwischenfall geheim bleiben.

Mehr konnte Uli seiner Chefin nicht abringen. Also hatte er sich ans Werk gemacht und versuchte, Antworten zu finden. Er arbeitete wie besessen. Natürlich musste er über kurz oder lang schlafen, aber noch war er nicht bereit dazu. Denn im Moment hatte er das Gefühl, allmählich Fortschritte zu machen.

Er hatte sich gerade ein paar Stunden lang durch die archivierten Server-Logs gearbeitet und war sogar einen Monat weiter zurückgegangen – gut vier Wochen, bevor sie erstmals einen Einbruch der Unternehmensgewinne bemerkt hatten.

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