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netwars 2 - Totzeit 2: Verdacht

Inhalt

Was bisher geschah

Über das Buch

Über den Autor

Titel

Impressum

6.

7.

8.

9.

In der nächsten Folge …

Was bisher geschah

Da die Gefahr eines Angriffs auf den Finanzsektor immer größer wird, sind Oscar Franklin, Rebecca MacDonald und die Spezialisten der National Cyber Crime Unit (NCCU) einer Gruppe, die sich die Water Boys nennt, auf der Spur. Sie finden heraus, dass es sich dabei um ein Eliteteam aus Tradern und Senkrechtstartern aus der Finanzwelt handelt, die von ihrer eigenen Branche enttäuscht sind.

Die NCCU glaubt, dass Shylock, der Gründer der Water Boys, das Dark Web und das Wissen der Gruppe über die Finanzbranche nutzt, um ein heimtückisches, MalCom genanntes Programm zu erschaffen, mit dem man die Börsen auf der ganzen Welt in die Knie zwingen kann.

Rebecca hat es geschafft, die Gruppe zu infiltrieren, und stand kurz davor, deren eigentliche Absichten zu enthüllen, als ihr wichtigster Kontaktmann ermordet wird. Bei der Mordermittlung stößt sie auf Verbindungen zu einem anderen Trader, der auch zu den Water Boys gehört, und schöpft Verdacht.

Agent Greg Stacy kommt nach London, um die gemeinsame Taskforce der NCCU und des FBI verstärken. Einer seiner Undercoveragenten wurde in New York ermordet und die Todesursache ähnelt der von Rebeccas Kontaktmann. Anscheinend hat es der Killer auf die Water Boys abgesehen – aber warum?

Derweil hat sich Scott Mitchell, dessen zwielichtiges Alter Ego Strider vernichtet wurde, als Phoenix neu erschaffen. Er nutzt noch immer die Macht des Dark Web, um seine Ziele zu erreichen, und steht kurz davor, seinen Erzfeind, den Salesman, endgültig zu vernichten. Doch nachdem er eine letzte Sache in New York erledigt hat, wird Mitchell plötzlich in die Ermittlungen der NCCU hineingezogen.

In London wird die Desai Group, eines der führenden Unternehmen im Hochfrequenzhandel, vom Team des Salesman mit der Malware MalCom angegriffen, die die Daten der Firma verschlüsselt.

Während Agent Stacy bei der NCCU die Aufnahmen der Sicherheitskameras vom Tatort in New York durchgeht, erkennt Rebecca ihren Freund und ehemaligen Kollegen Scott Mitchell darauf. Agent Stacy will ihn um jeden Preis verhören. Mitchell wird bei seiner Rückkehr nach Großbritannien auf dem Flughafen verhaftet.

Über das Buch

Netwars 2 – Totzeit 2: Verdacht
Teil 2 von 6

Der Hacker Scott Mitchell wurde verhaftet und wird verdächtigt, einen Elite-Trader auf den Straßen von New York ermordet zu haben. Aber Rebecca MacDonald, mit der er schon einmal zusammengearbeitet hat, glaubt nicht einen Moment an seine Schuld.

Ein Killer läuft frei herum und hat es auf die Mitglieder einer geheimen Onlinegruppe, die die »Water Boys« genannt wird, abgesehen. Gegen diese Gruppe wird bereits ermittelt, weil sie im Verdacht steht, an der Programmierung der Malware, mit der man den Finanzsektor infiltrieren will, beteiligt zu sein.

Währenddessen startet der Salesman die erste Phase seines Plans, mit dem er die Branche angreifen und sich die Taschen füllen will, wovon man bei der NCCU nicht die geringste Ahnung hat.

Gelingt es Mitchell, den Mordverdacht zu entkräften? Wird die Identität der anderen Mitglieder der Water Boys rechtzeitig enthüllt, damit sie noch gewarnt werden können? Und wie soll man verhindern, dass MalCom die globalen Aktienmärkte in die Knie zwingt?

Über den Autor

M. Sean Coleman begann als Scriptwriter für Douglas Adams’ Hitchhikers Guide to the Galaxy Online. Für seine Beiträge für MSN, O2, Sony Pictures, Fox, die BBC und Channel 4 wurde er mehrmals mit Preisen ausgezeichnet. Er lebt in London.

NETWARS 2

Totzeit

M. Sean Coleman

Folge 2 – VERDACHT

Aus dem Englischen von Kerstin Fricke

6.

Sie hatten Mitchell mehr als eine Stunde lang allein in dem kleinen Verhörraum sitzen lassen. Irgendwann steckte ein Beamter den Kopf durch die Tür und schaute ihn an, verschwand dann aber wieder, ohne ein Wort zu sagen.

Mitchell ging im Kopf alle möglichen Szenarien durch. Sie hatten ihm nicht gesagt, warum sie ihn festhielten, aber sie hatten ihm wenigstens nicht seine Rechte vorgelesen, also stand er offenbar noch nicht unter Arrest. Er vermutete, dass sie versuchten, ihn nervös zu machen, indem sie ihn hier so lange zappeln ließen, ohne ihm zu verraten, was sie von ihm wollten. Auch wenn er sich darüber ärgerte, dass sie sein Gepäck konfisziert hatten, bereitete es ihm keine großen Sorgen, weil sich nichts Belastendes darin finden ließ. Mitchell reiste stets mit einem Computer, auf dem sich keine persönlichen Daten befanden und den er entsorgen konnte, ohne Spuren darauf zurückzulassen. Alles, was er für seine wichtige Arbeit brauchte, wurde sicher in seinen zahlreichen Wohnungen aufbewahrt.

In letzter Zeit nutzte die Polizei ihre Macht aus, um Verdächtige immer länger am Flughafen festzuhalten. Mitchell hätte zu gern gewusst, warum sie ihn hergebracht hatten. Sein Pass war in Ordnung, und er war sauber – dafür hatte er gesorgt. Keine seiner Taten als Phoenix oder als eines seiner anderen Alter Egos konnte zu ihm, Scott Mitchell, zurückverfolgt werden, sonst wäre es schon vor langer Zeit geschehen. Gut, er war nach New York geflogen, um Chowdri zu beseitigen, aber seinem Visum zufolge hatte er eine Geschäftsreise gemacht. Außerdem war er ja nicht einmal dazu gekommen, die Tat zu verüben oder zu dem Ort zu gelangen, den er dafür vorbereitet hatte. Deshalb konnten sie ihn unmöglich mit Phoenix’ Plan in Verbindung bringen.

Er hatte sich oft genug auf den Servern der zahlreichen großen Organisationen zur Verbrechensbekämpfung umgesehen, um zu wissen, dass Scott Mitchells Akte sauber war – zumindest war es noch so gewesen, als er New York verlassen hatte. Was wollten sie also von ihm? Und warum brachten sie es nicht endlich hinter sich?

Er stand auf und streckte sich. Zum Glück hatten sie ihm keine Handschellen angelegt, daher konnte er sich frei bewegen, aber der Raum war nur ein paar Quadratmeter groß, und da in der Mitte ein Tisch und drei Stühle standen, hatte er kaum genug Platz, um sich die Beine zu vertreten. Er stemmte die Hände in die Hüfte und drehte den Oberkörper langsam hin und her. Nach dem Flug war er verspannt, und die eine Stunde, die er jetzt auf dem harten Stuhl gesessen hatte, machte die Sache auch nicht gerade besser. Vor allem aber war er stinksauer. Er hasste es, eine Situation nicht unter Kontrolle zu haben, und genau danach sah es in diesem Moment aus.

Am liebsten wäre er online gegangen. Dann hätte er binnen weniger Minuten herausgefunden, was los war, anstatt hier dumm zu sitzen und vor sich hin zu brüten. Mitchell sehnte sich danach, seine Finger über die Tasten tanzen zu lassen, der Spur durch die Systeme seiner Gegner zu folgen und zu ergründen, was sie gegen ihn in der Hand hatten. Aber ihm war der Laptop weggenommen worden. Dass er festgehalten wurde, ohne Zugang zum Internet zu haben, war das Schlimmste für ihn.

Um sich zu abzulenken und zu beruhigen, ging er im Kopf eine Liste der Dinge durch, die sich in seinem Koffer befanden, aber da war nichts, was ihm schaden konnte. Keine Papiere, keine Beweise, keine Spuren. Für die normale Welt war Scott Mitchell in New York gewesen, um einen Auftrag für eine kleine Handelsfirma zu erledigen. Der einzige Papierkram, den sie finden würden, waren Rechnungen und Belege, die genau das bewiesen.

Seitdem er die NCCU verlassen hatte, konnte ihn jeder anwerben, der herausfinden wollte, wie anfällig seine Cyberbarrieren waren. Mitchell stand in dem Ruf, unbarmherzig und effizient zu sein, und er war mit hervorragenden Referenzen von der NCCU ausgestattet, sodass es ihm nicht schwerfiel, namhafte Kunden zu finden. Es gab unendlich viele Unternehmen, die eine Heidenangst vor Cyberangriffen hatten, aber nicht wussten, wie anfällig sie wirklich waren. Mitchell hatte es sich zur Aufgabe gemacht, ihnen diese Risiken aufzuzeigen und dann sehr viel Geld dafür zu kassieren, diese Löcher zu stopfen.

Für die Außenwelt hatte er für sich ein nettes Profil aufgebaut, das ihm außerdem die perfekte Tarnung für seine Reisen in alle Welt und sein beachtliches Einkommen verschaffte. Auch bei dieser Reise war nichts vorgefallen, was ihn mit seinen anderen Aktivitäten in Verbindung brachte.

Warum, zum Teufel, war er dann so nervös?

Er hörte Stimmen draußen auf dem Gang und entfernte sich von der Tür. Ihm war klar, dass jeder, der gleich den Raum betrat, die Oberhand haben würde, und er wollte das Verhör nicht auf dem falschen Fuß beginnen. Er musste wie ein unschuldiger Geschäftsmann wirken, der früher für eine ihrer eigenen Verbrechensbekämpfungseinheiten gearbeitet hatte. Das musste er ausnutzen.

Die Stimmen verstummten, als die Tür geöffnet wurde. Ein junger, adrett aussehender Mann kam herein, schloss die Tür hinter sich und blickte Mitchell an. Mitchell kniff leicht die Augen zusammen. Da war irgendetwas, eine Andeutung, die Mitchell zwar sehen, aber nicht richtig einordnen konnte. Ihm war, als hätte es dieser Kerl auf ihn abgesehen.

»Scott Mitchell«, sagte er, als würde er ihn kennen. »Setzen Sie sich bitte.«

Mitchell rührte sich nicht. Er war nicht feindselig, aber er zögerte – und er fragte sich, wie er reagieren sollte.

Der junge Mann ging zum Tisch, nahm Platz und stellte einen Laptop vor sich auf die Tischplatte. Er sah sehr gepflegt aus; sein Haar war sauber gescheitelt und mit Geld geglättet. Er hatte durchdringende blaue Augen und ein kantiges, glatt rasiertes Kinn. Sein grauer Anzug sah ziemlich teuer aus, wirkte aber wie eine Uniform, als würde er sich sehr bemühen, seiner Rolle entsprechend auszusehen. Seinem Akzent nach war er Amerikaner. FBI? CIA? NSA? Scott spürte, wie er innerlich ein Profil des Mannes erstellte.

Der Mann schaute ihn erwartungsvoll an und deutete mit einer Hand auf den Stuhl auf der anderen Seite des Tisches. Er hielt Mitchells Blick stand und streckte die Hand so lange aus, bis Mitchell sich schließlich hingesetzt hatte. Die Geste hatte etwas Bestimmendes, Unbeirrbares an sich und sprach für einige Charakterstärke, aber Mitchell vermutete, dass es vor allem daher rührte, dass der Kerl sich im Recht glaubte.

Mitchell setzte sich, sagte kein Wort und blickte sein Gegenüber ungeduldig an. Ein Amerikaner auf britischem Boden. So langsam hatte Mitchell eine Ahnung, was ihn erwartete. Er gab sich Mühe, sein Gesicht entspannt und neutral wirken zu lassen, weil er weder trotzig noch schuldig erscheinen wollte, um die Unterhaltung nicht von Anfang an in eine falsche Bahn zu lenken.

Schließlich räusperte sich der Mann und rückte seinen Laptop zurecht. »Ich bin Agent Greg Stacy von der Cyber-Abteilung des FBI«, stellte er sich vor. Sein Akzent verriet, dass er aus dem Mittleren Westen kam. Aus der Gegend um Wisconsin, vermutete Mitchell. Er nickte bloß. Er selbst musste sich ja nicht mehr vorstellen; Stacy wusste ja bereits, wer er war.

»Wie kann ich Ihnen helfen, Agent Stacy?«, fragte Mitchell. Seine Stimme klang ruhig und respektvoll, als hätte er nichts zu verbergen und ginge davon aus, er wäre nur hier, um zu helfen. Das hatte den gewünschten Effekt: Agent Stacy zögerte, wenn auch nur einen Sekundenbruchteil. Er hatte offensichtlich mit einer feindseligeren Reaktion gerechnet. Doch Mitchell war es gelungen, seine Worte so klingen zu lassen, als würden sie beide sich zum Plaudern treffen.

»Sie sind gerade vom JFK Airport hergeflogen, ist das korrekt?«

»Ja, das stimmt«, bestätigte Mitchell, gab jedoch freiwillig keine weiteren Informationen preis. Er hatte nicht vor, Stacy die Arbeit abzunehmen.

»Was war der Anlass Ihres Besuchs in den USA?«, wollte Stacy wissen.

»Es war eine Geschäftsreise«, antwortete Mitchell. »Ich habe einen Kunden besucht.«

»Welchen Kunden?«

Mitchell lehnte sich auf seinem Stuhl zurück. Er wollte in dieser Unterhaltung ein wenig mehr Kontrolle haben.

»Eins nach dem anderen«, entgegnete er und fixierte Stacy mit kaltem Blick. »Ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie mir zuerst verraten würden, warum man mich in diesen Raum geschleift und über eine Stunde lang hier festgehalten hat, ohne irgendwelche Informationen, ohne Erfrischungen und ohne Zugang zu einer Toilette. Ich habe nicht die geringste Ahnung, was hier eigentlich los ist. Möglicherweise bin ich geneigter, Ihnen mehr über meine Kunden zu erzählen, wenn Sie mir ein bisschen entgegenkommen.« Diese Bemerkung war eher direkt als aggressiv, aber Mitchell achtete darauf, einen ruhigen und vernünftigen Tonfall beizubehalten.

Stacy rutschte auf seinem Stuhl hin und her, zwang sich zu einem gequälten Lächeln und stieß die Luft aus. Die Art, wie Stacy ihn ansah, hatte etwas Unheilvolles an sich und gefiel Mitchell überhaupt nicht.

»Okay«, sagte Stacy. »Ich kann nachvollziehen, dass Sie verärgert sind und gleich zur Sache kommen wollen.« Er beugte sich vor, öffnete die Ledertasche, die zu seinen Füßen stand, und holte einen Aktenordner hervor.

Mitchell beobachtete gespannt. Der Ordner war nicht beschriftet, daher wusste er nicht, was ihn erwartete. Er sah, wie Stacy mit seinen langen, spinnenartigen Fingern auf dem Ordner herumtippte. Der Agent zögerte erneut. Anscheinend hatte Mitchell ihn zu seiner großen Enthüllung gedrängt, die sich vermutlich um das drehte, was sich in dem Ordner befand, was immer es sein mochte.

Mitchell setzte sich gerade hin und legte erwartungsvoll den Kopf schief. Doch als Stacy den Ordner aufgeschlagen hatte, wusste er, was passiert war. Er schalt sich innerlich dafür, dass er nicht früher daran gedacht hatte.

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