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entre dos tierras

Peter Geipel

entre dos tierras

zwischen zwei welten

Begegnungen, Erzählungen aus aktueller und vergangener Geschichte, Ereignisse um den 11. September 2001, authentische Berichte aus den Medien, Songtexte nationaler und internationaler Interpreten.

Inhaltsverzeichnis

So innig können sie miteinander tanzen

Mir wird ganz heiß

Gerade so - als ob es noch wär’

Plötzlich liege ich völlig versunken auf einem Berg im Baskenland, Berg der Mariposas, ganz in der Nähe von Hondarribia

Auf nach Biarritz - Mariposas

Sie wagt sich weit hinaus in das Septemberwasser

Ein getrocknetes, leicht eingerolltes Ahornblatt

All das wichtige Gehänge und Gebommele

Es liegt Licht dort auf dem Meer

Ich laufe an der Nichtzeit entlang

Im kleinen Hotelzimmer sieht es gar nicht mehr so heimelig aus

Die Halle, Abend

Was macht er?

Eine sehr denkwürdige Fahrt

entre dos tierras

Du kannst Dich verkaufen

Ich lasse mich von meiner guten Stimmung nicht abbringen

Eine Ahnung beginnt zu wachsen

Stopp, wie, was? Ich verstehe nicht

Gedanken jagen durch meinen Kopf

Mein Opfer wäre doppelt groß

Niobe umgeben von in Stein verwandelten Bewohnern der Stadt Theben. Vor ihr die vierzehn blutbefleckten getöteten Kinder. Enorme Stille. Lautloser Gesang Niobes

Paray-le-Monial, Hotel

Mit ruhiger Hand auf die Knöpfe drücken

Es sind grazienhafte, fulminante, manchmal 12-tönige, dissonante, schräg abgehackte, lückenhafte, löchrige und wieder flächigbunte, gedeckte, brausende Bilder

Ich glaube, ich habe zu viel Wein getrunken

Das Tor zur Hölle wird noch weiter aufgestossen

Die Fahrt im Sonnenwagen – Phaetons Sturz – Ovid

Steil ist am Anfang die Bahn

Phöbus war mit seiner Ermahnung am Ende, doch jener verschließt sich den Worten, bleibt bei seinem Vorsatz und brennt vor Verlangen nach dem Wagen

Schone, mein Sohn, die Geißel! Um so kraftvoller halte die Zügel!

Er wird fortgerissen gleich einem Schiff, das der stürmische Nordwind dahintreibt

Kochend braust der Alpheios, des Spercheios Ufer stehen in Flammen, und was der Tagus in seinem Strom mit sich führt, das schmilzt, das Gold, in den Flammen

Der Nil floh erschreckt bis ans Ende der Erde und verbarg dort sein Haupt

Donner lässt er dröhnen, hebt den Blitz bis ans rechte Ohr und schleudert ihn dann auf den Lenker des Wagens, stürzt ihn entseelt herunter

Verlangen macht einen reich, wenn man ihm entsagt

Qualm hatte ihre Stimme erstickt. Da sieh, versengt ist mein Antlite

Alle Götter bitten flehentlich, die Welt nicht in Finsternis zu hüllen

Die Göttin des Neids beim Mahl von Schlangenfleisch

Der Mann auf den Steinen

Die Sonnenstrahlen erwärmen meinen müden Körper ein wenig

Ein neuer Brecher drückt mich unerwartet von hinten unter das Wasser

Diogen drückt sich ganz fest an meine Seite, deutlich kann ich es spüren

Die Steckdose und der Mann für alles

Das Geklappere der Zahnputzgläser und das Spülen der frisch geputeten Toiletten kommt immer näher

Der Krieg rückt immer näher

Noch ist der erste Schuss nicht gefallen

Ein Sprecher in Bagdad

Gemeinsam haben wir beschlossen, morgen kommt der Tag der Wahrheit für die Welt

Seit Monaten lebt Bagdad unter massiven Kriegsdrohungen

Die Wolken trüben sich immer dunkler ein

Das Nicht-weit-weg-Zentrum

Wolkenfetzen scheinen sich gegenseitig zu jagen, zu verfolgen

Tarnkappenbomber sollen Saddams Tür einschlagen

Zeitgeschichte Rückblick

UNO-Inspektoren werden aus dem Irak abgezogen

Britischer Außenminister Robin Cook ist zurückgetreten

Es gibt keine Kompromissline

Die UNO hat nicht versagt

Bitte frag mich nicht

Den ersten Part übernimmt der Kellner

Der Präsident wird heute Abend ja noch einmal ein Ultimatum aussprechen

Die Rede von George Bush an die Weltöffentlichkeit

I’m the controller

Die Vereinigten Staaten haben sich entschlossen, gegen diese Bedrohung vorzugehen

In meinen Schultern zwickt und zwackt es

Die Wassertropfen-Konferenz

Die Abstimmung ergibt eine überwältigende Mehrheit

Wir sind ein friedfertiges Volk

Jaques Chirac: Cet ultimatum engage la stabilité du monde 13.03.2003

Jetzt sitzen die Menschen zu Hause und warten auf den Angriff

Im Stadtzentrum ist alles zum Erliegen gekommen

Sicherheitskonferenz mit Fischer, seinen Kollegen aus Frankreich und Russland, Villepin und Igor Iwanov

Luftschläge aus dem Äther

Ulrich Tilgner: Die Einschläge waren sehr, sehr nah, man hörte das Zischen der Rakete und dann explodierte sie sofort danach

Man hat Nazaria eingenommen

Es bebt immer, wenn die Einschläge kommen

Das Interview: Petra Gerster, Ulrich Tilgner

Der Abend ist frisch, klar und wolkenlos

Alles geschieht mit bloßen Händen

Ein wahrer Hagelsturm von lauter lila-blauen Oliven ergibt sich

Regungslos und stumm verharre ich

Ich schreib Dir Zeilen aus Gold

Trauerfeier für Dora Geipel, geb. Glass

Großangriff auf Königsberg – die Flucht

Die Flucht wird vorbereitet

Der Tod kommt in Tausend kleinen Sprengsäteen

Die US-Armee meldet die Eroberung Bagdads Flughafens

Das Ende des Despoten

Welch ein Triumph

19. März, Washington D. C., Weißes Haus

Fünfeinhalb Stunden nach Ablauf eines letzten Ultimatums

11. April, US-Hauptquartier in Doha

Nun fällt auch die letzte Bastion des zusammengebrochenen Regimes

Die Hauptkampfhandlungen sind beendet, erklärt ein triumphierender Präsident

7. Mai, Redaktionsvertretung Nahost des Sydney Morning Herald

18. Juni, im Sunniten-Dreieck zwischen Bagdad, Tikrit und Falludscha

18. Juni, nahe der irakisch-syrischen Grenze

3. Juli, US-Hauptquartier in Bagdad

Anfang Juli, im Raum Tikrit

Gefunden wird Geld von etwa 100 Millionen Dollar

Ende Juli, Kommandozentrale der 4. US-Infanterie-division in Tikrit

27. Juli, drei Gehöfte in der Nähe von Tikrit

Der Ex-Diktator meldet sich erneut mit einer Botschaft aus seinem Versteck

Die Amerikaner verstärken die Suche im Raum Tikrit 14. August, Tikrit

17. September, Dubai, TV-Sender al-Arabija

Oktober, im Großraum Tikrit

31. Oktober, Audscha, etwa sieben Kilometer südlich von Tikrit

Saddam Hussein zu fangen oder zu töten wäre äußerst wichtig

16. November, Dubai, Fernsehsender al-Arabija

Mitte November, US-Hauptquartier Bagdad

4. Dezember, Tikrit, Kommandozentrale der 1. Brigade der 4. Infanteriedivision

Die GIs fassen jedoch einige Helfershelfer in Samarra mit fast zwei Millionen Dollar in bar

Nördlich von Dur umzingeln die GIs eine Lemhütte

Hier liegen Gurken, Karotten, Äpfel, Kiwis, Fladen-brot, Orangenmarmelade, Dosenfleisch, Lipton-Tee

Die GIs entdecken ein Erdloch unter einem Teppich mit aufgehäuftem Geröll und Dreck

Prof. Dr. Herbert W. Franke - Höhlen auf dem Mars

Wasser auf dem Mars

Die Diskussion von Marsmeeren und einem darauf beruhenden Wasserkreislauf führt in spekulative Bereiche

Karsterscheinungen

Die Länge dieser Abflüsse kann mehrere Kilometer erreichen, was die Befahrung schwierig macht

Leben in Marshöhlen

Schlussfolgerungen und Ausblick

Bemerkung zu den Bildern

Prof. Dr. Herbert W. Franke, Unsere virtuelle Zukunft

Evolution oder Revolution?

Kommunikation mit Bildern

Multimedia in der Schule

Lehrerfortbildung – ein Leben lang lernen

Ausblick

Bisher war der Mensch das einzige intelligente Wesen auf der Erde, und somit ist kaum abzusehen, was das Auftreten einer weiteren Intelligenz mit sich bringen würde

Prof. Dr. Herbert W. Franke

Eine zeitlose Reise zu außerirdischen kosmischen Wesen, Peter Geipel

Dieses Raum-Zeit-Feld ist dermaßen gestört

Wesen mit leuchtenden Chakren schweben durch den Raum

Diese Zone unterliegt der Kontrolle der „Wachenden Schwestern“ – weibliche Figuren, die in die richtigen Bahnen leiten

Der Hohe Rat, acht Gestalten schweben an einem Art Konferenztisch im All

Tatsächlich hat der Syntheto-Analysator mehrere Verzerrlinien in den ursprünglichen Lebensstrukturen angegeben

Kontakt mit den Gehirnen

Ein Magier hält ein Glas in der Hand, das plötzlich zerspringt

Wir werden die menschliche Psyche noch für bestimmte latente Fähigkeiten der Telekinese, der Telebewegung und der Verdoppelung sensibilisieren

In einem Kloster des Himalaja – ein Mönch hat eine Eingebung

Jede Einwirkung stoppen, dieses Wesen war unfähig, die synchronisierte Botschaft zu erfassen

Wir stehen zu eurer vollen Verfügung

Yogan liegt nachts in seinem Bett und tagträumt

Ich muss zurück in meinen Körper, um meinem Körper dieses Wissen zu bringen

Sie erleben ihn in Verwirrung, er scheint noch unter Eindrücken zu stehen, die ihn gefangen halten

Auf einem alten Segelschiff treffen sich viele Freunde und feiern ein großes Fest

Hey! Das Licht geht aus!

Yogan vereint seine Freunde und richtet sie auf eine kosmische Telepathie aus

Yogan durchquert das Netz kosmischer Fäden

Die Landschaft, die Yogan durchfliegt, wird jetzt immer realistischer, aber ohne an manchen Stellen die Künstlichkeit zu verlieren

Ein blauer Blitz trifft Yogan, und zum dritten Mal löst sich sein innerer Körper

Wir können abschließend sagen, dass das Bewusstsein und die Energie miteinander verbunden sind

Höre, was dir die Höllenwachen der Vernichtung zu sagen haben

Die kosmische Stätte

Stimme aus dem höher entwickelten Raumschiff

Prof. Dr. Harald Lesch - Sind wir allein im Universum

Die Suche nach Leben auf anderen Himmelskörpern gehört zu den attraktivsten wissenschaftlichen Themen

Es kann zur Zeit Zivilisationen geben, die soweit von der Sonne entfernt sind, dass wir sie nie entdecken können

Je schwerer ein Stern ist, umso mehr "drückt" die Schwerkraft und erhöht damit die Temperatur und somit die Verschmelzungsrate im Innern des Sterns

Die Supernova-Explosion ist für die Entwicklung von Leben unerläßlich, aber sie ist für bestehendes Leben auf Planeten, die sich im Abstand von dreißig Lichtjahren befinden, auch sehr gefährlich

Der kosmische Ursprung der Elemente ist uns bekannt und damit auch der kosmische Ursprung der Außerirdischen

Es gibt nur eine ganz bestimmte Entwicklungsstufe des Kosmos, in dem Leben auftreten kann

Sex eines Siliziumpärchens würde länger dauern als das Universum alt ist

Der Grund für diese lebensfeindliche Umwelt liegt in der Zusammensetzung der Venus-Atmosphäre

Eine letzte an dieser Stelle zu beschreibende Auflage für die Entwicklung von intelligentem Leben stellt unser Mond dar

An vielen Stellen ist die ein oder andere Voraussetzung für Leben gegeben, aber dass alle gleichzeitig erfüllt sind, erscheint doch mehr als fraglich

Abgrund

Der Taxifahrer bemerkt mein inneres Grollen durch mein Schweigen

Der Taxifahrer, der kein Taxifahrer ist

Mürrisch und verärgert bezahle ich

Da fällt mir auf, hinter dem Mauervorsprung befindet sich eine braune, alte, schwere Holztüre

Plötzlich, ich bin ganz dicht neben der Türe

Da liegt ein Totenschädel auf dem Frühstückstisch

Aus der Plastiktüte staken deutlich Knochen heraus

Der Bursche hält mir einen Unterkiefer mit Zähnen vor die Nase

Durch eine schwere Holztüre fällt ein helles Licht, Lichtstrahlen entstehen durch aufgewirbelten Staub

Hier ist gemordet worden

Langsam schließt sich meine Hand um den massiven Knauf. Er überträgt eine angenehme Kälte auf meine Hand, schwer lässt er sich nur mit Widerstand und mit einigen Quitsch und Ziep und Quärzlauten zäh herunterdrücken

Zypern, das geteilte Land, geh dahin und mach dir selbst ein Bild davon, damit du darüber berichten und sprechen kannst, sprich mit den Menschen

So weit das Auge reicht, nur Hindernisse, Zäune, Panzersperren, Sandsäcke, Stacheldraht

Überall sind die Einschusslöcher zu sehen, ganze Mauerteile fehlen einfach, aber diese riesigen Hotels stehen noch, unbewohnbar und leer

Zwischen den Hotels stehen auch die Ruinen von halbfertigen Gebäuden, deren Stahlträger hoch in die Luft ragen - Umringt von zerknitterten Zäunen

Alle Wände sehen nur noch meliert aus, der Putz und das dahinter ist abgebröckelt, ausgemergelt und verfallen

Der Türke ist stark – Zypern

Die Türken nahmen den Beherrschten nationale Identität und Kultur

Die Nato existiert nicht mehr

Es befinden sich auf Kreta Radaranlagen und der große Raketenschießplatz der Nato, Namfi

Zum Teil führten die Türken den Krieg mit deutschem Gerät

Die Zahnpastamarke Binaca schenkte zu jeder Tube als Beigabe einen türkischen Plastiksoldaten

Eine Teilung nach einem sogenannten Acheson-Plan suchte schon US-Präsident Johnson 1964 den Griechen aufzuzwingen - vergeblich

Die Griechen fühlen sich von den Amerikanern nicht nur diplomatisch verlassen, sondern auch militärisch geprellt

Vertraulich boten die Russen sogar die Entsendung von Truppen an

Silvesterball, Safaga Bay, Ägypten

Da, der alte Mann starrt der Bauchtänzerin dermaßen auf alles, was sich da bewegt in üppiger Größe

Das Liebespaar am Nebentisch, das sich mit glänzenden Aussichten anschaut

Die Frau mit dem makellosen Gesicht und den gekräuselten, schwarzen Haaren und den sauber gefeilten Fingernägeln

Gelassen, eher ausgelassen geben sie sich der Stimmung hin, werfen schon mal das Jackett hinter sich und reißen einfach die Krawatte vom Hals

Fleischbällchen fliegen durch die Luft und landen im Nirgendwo

Laut ist es geworden, sitzen kann jetzt niemand mehr

Auf dem Rückflug nach Stuttgart Triebwerkausfall

Der Pilot meldet sich wieder zu Wort, wir haben festgestellt, dass das linke Triebwerk ausgefallen ist

Der Pilot meldet sich erneut zu Wort

Endlich kommt das Flugzeug zum Stehen, der Applaus will gar nicht mehr aufhören

Irgend jemand hat mir die Seele geklaut, in der Nacht oder zwischen der Nacht und dem Tag

En el muelle de sans blas, maná

Im Hafen von San Blas

Zitat: "Die Zerstörung des World Trade Centers”

Zitat: “Ein Beobachter des Geschehens”

Zitat: “Stahlgebäude”

Zitat: “Die Konstruktion der Türme”

Zitat: “Eigenschaften von Stahl”

Zitat: “Offizielle Darstellung”

Zitat: “Wie verhalten sich einstürzende Bauten?”

Zitat: “Explosionen im Untergeschoss”

Zitat: “Detonationen im Gebäudeinneren”

Zitat: “Explosionen im Erdgeschoss”

Zitat: “Sichtbare Explosionen – nehmen wir den Einsturz genauer unter die Lupe”

Zitat: "Schockwelle”

Zitat: “Pyroklastischer Strom”

Zitat: “Die Schutzmauern”

Zitat: “Geschmolzenes Metall”

Zitat: “Sprengungen”

Zitat: “Die Sprengung des WTC”

Zitat: “Wer wusste davon?”

Zitat: “Evakuierungen”

Zitat: “Stadterneuerung”

Zitat: “The rebuilding continues”

Zitat: “Feuerschute”

Zitat: “Offizielle Darstellung”

Zitat: “Offene Fragen”

So innig können sie miteinander tanzen

Villefranche-sur-Mer

Heute ist wieder so ein Tag, der mir vertraut ist. Es ist schon dunkel draußen, ich sitze draußen und denke an Denkwürdiges, längst Gedachtes. Denke an Dinge, die denkwürdig sind - in der Vergangenheit liegen, in mir liegen und längst Gegenwart sind. Der kleine Balkon wird immer schöner, pittoresker - mit seinen dunkelgrünen Lamellentüren und seinem italienisch diagonal geflickerten Kachelfußboden. Das verspielte Eisengeländer, fast Barock - ein heimliches Plätzchen, an dem gedacht wird, grün, manchmal braun, fast schon rot. Ja, schön ist das schon hier, ganz, ganz schön - dunkelblau, violett, fast schon rot.

„Pack your memories and leave“, tönt es im Hintergrund aus einer kleinen Quäke, die lieblich Gedachtes dahin quakt. „Girl, you must have been blind! La, la, la, di, da, di, da - try to look behind - oh girl, you must have been blind!“ Vielleicht möchte ich schon jetzt unter einer orangegelben runden Kugellampe stehen und ein Liebes zärtlich umarmen und küssen, in Gelb und in hellem Moosgrün. Da unten, so weit unter mir, so ganz dicht am Wasser, dem salzigen, den leisen Tönen, die es macht, Mauricio Kagel täte sein Übriges, um diese Melodie zu spielen, in seiner Weise. Vielleicht ganz, ganz vorsichtig mit hellgelber, leichter sanfter Hand durch die Haare streichen. Ganz so, dass es ein bisschen kitzelt, die Haare, die braunen oder blonden oder gar roten?

Hier unten am Pier, wo die orangegelben runden Hafenlampen hupfen und springen, hin und her, als könnten sie laufen, tanzen und singen. Auch hupfen und springen und tanzen die gelben Fensterscheiben lustig auf dem Wasser. Als wollten sie ein Tänzchen wagen mit den orangegelben, kugeligen Hafenlampen. Oder tun sie es? Tatsächlich - die gelben, rechteckigen Fenster der Häuser geben den orangegelben, kugeligen Hafenlampen die Hände und tanzen lustig miteinander. Es sieht ganz so aus, als hätten sie es gelernt, das mit dem Händehalten und dem Tanzen, die Rechteckigen mit den Runden. So innig können sie miteinander tanzen, dass einem ganz sinnlich wird. So lautlos, so still - die orangegelben, kugeligen Hafenlampen mit den gelben, rechteckigen Häuserfenstern. Ach! Hier hupfen und zucken, zirbeln und zacken, zicken und wippen die Mücken um die orangegelben, runden Hafenlampen mit ihrem behaglichen Schein. So als gäbe es hier richtig etwas zu feiern, eine so große Anzahl von hupfenden, taumelnden, zickenden und zackenden, zirbelnden und wippenden Mücken um jede dieser orangegelben, runden Hafenlampen.

Das sind ja richtige Mückenkonferenzen, Mückenkonzerte, wahre Massenmückenkonzerte, ticken und tacken da an all diesen Lampen, zack, boing, dong, zong, knack, plepp, plipp, plapp. Eine wahres Mückenkonferenzkonzert. Gott sei Dank haben all diese kleinen Mücken eine Schutzhelmpflicht dank des neuen europäischen Mückensicherheitsgesetzes, das sie dann bei all dieser Aufregung und dem Hin und Her und Her und Hin dann doch vor zu heftigen Aufprallern oder Zusammenstößen deutlich schützt.

Hier unten am Pier, bei all den Konferenzen, ein Liebes in den Armen halten, den feinen Flaum der Arme spüren, ganz, ganz fein, leicht hellgelb, so als ob es fast nicht wär’. Der Handrücken streicht vorsichtig über die Stirn, silbergelb. Finger berühren die Brauen und folgen ihrem Lauf, lila, über Schläfen und Wangen, hellblau, berühren die Lippen, folgen ihrem Lauf. Trotz oder gerade wegen all dieser Mückenkonferenzen ist es besonders schön hier.

Ganz arg vorsichtig tun sie es, zart, hell-violett, fein, ruhig. Schweigsam, lautlos, denn es gibt keine Worte, denen es erlaubt wäre, in dieser Gegenwart zu sprechen. Dazu ist die Gegenwart viel zu stark, viel zu mächtig, viel zu respektvoll.

Mir wird ganz heiß

Jetzt hat sich der Saxophonspieler wieder an seinem Platz eingefunden mit seinem Freund, dem Gitarrenspieler. Und sie spielen und spielen auch längst Gedachtes. Sie spielen längst Gedachtes in ihre Hüte hinein, die immer voller und voller werden. Sie passen gut hierher, und sollten auch gar nicht weggehen, die sollen einfach hierbleiben und immer und immerfort spielen, spielen und spielen, bis sie so ganz arg müde sind, dass sie nimmer spielen können. Und dann sollen sie immer noch weiter spielen - wenn sie nur wüssten, für wen sie da spielen. Der Saxophonspieler und der Gitarrenspieler.

Wenn sie es nur wüssten, für wen sie längst Gedachtes in ihre Hüte hineinspielen, sie spielen gemünzelte und getönte Töne in ihre Hüte hinein und wippen mit ihren Körpern ganz im Takt der kleinen Wellen, die das Wasser macht – aber sie wissen es nicht, deshalb werden sie auch bald aufhören zu spielen. Weil das Gemünzelte, Gespielte jetzt reicht und die Hüte voll gemünzelter gespielter Münzel sind. Sie sind vollgemünzeltmietet.

Als ich dann so ganz arg müde bin und seit Langem wieder einmal in einem richtig schönen Bett liege, in meinem mir viel zu großen Bett liege, mich so richtig strecke und recke, mich fast nicht mehr spüre, da, ja da fangen die beiden Musiker wieder an zu spielen; das Saxophon mit der Gitarre, die Gitarre mit dem Saxophon, und dann spielen sie dieses mal nur für mich ganz allein. Nur für mich - der Freund und sein Freund. Was für eine Freude.

Dann, ja dann spiele ich einfach mit - ich spiele mit der Mundharmonika einfach mit, auch ich fange jetzt an, mit meinem Körper zu wippen, ganz im Takt der kleinen Wellen, die das Wasser macht da unten. Ich spiele Bratsche und Geige, dann Tuba und Trompete, Harfe und Cello. Was für ein Orchester. Was für Töne, welch’ eine Komposition.

Antonio Vivaldi, Francis Poulenc, John Rutter, ich sitze bei allen dreien, spiele und singe Gloria. Gloria in excelsis Deo et in terra pax hominibus bonae volutatis. Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden, Frieden den Menschen, die guten Willens sind.

Ich sitze auf dem grauen Kopfsteinpflaster und schütte mir die gespielten, gemünzelten Dukaten in den Schoß. Nun liegen die Noten auf dem grauen Asphalt unter mir und auf meiner Hose. Ich greife hinein in meinen Schoß und auf den Asphalt und werfe die gegriffenen Töne hoch in die Luft. Mit beiden Händen greife ich in die Töne, greife wie ein Dirigent in das Orchester, ich greife in die Partitur und werfe die Töne mit aller Kraft in die Luft. Was für eine Melodie, was für ein Orchester.

Jetzt greifen alle nach den Münzen und werfen sie in die Luft. Das sind ja alles Dirigenten. Sie greifen nach den Instrumenten und werfen sie in die Luft, sie fliegen hoch und weit, sie drehen und schrauben sich bogenförmig in den lauen Sternen-Nachthimmel hinein. Sie scheinen gar nicht mehr herunterkommen zu wollen, ihr Flug verlangsamt sich jetzt, ihre Drehungen, Schraubungen und Windungen, Wendungen verlangsamen sich zu einem phantastischen Oratorien-Zeitlupenbild der Instrumente, die sich schrauben und winden und drehen und turbeln und taumeln, bis sie auf dem Boden aufschlagen. Was für Töne, was für ein Oratorium. Stockhausen?

Was für Töne das macht. Die Instrumente beginnen von alleine zu spielen und zu spielen und zu spielen, eine gar sonderbare Musik, die das macht, was für ein Orchester, was für ein Oratorium. Alle lachen, die beiden Freunde, ich und die Gäste, für die sie spielen - keiner, der böse guckt oder mürrisch ist. Sie freuen sich und sind in besonderer Stimmung. Was für eine Komposition. Alle lachen, die beiden Freunde, ich und die Gäste, für die sie spielen, ich spendiere für das rumliegende Geld ein paar Flaschen Rotwein, ein Côtes du Rhône, mis en bouteille dans la Propriétaire. Wir trinken miteinander, lachen, feixen und lachen, sind fröhlich und ausgelassen, leicht ist es jetzt, himmelblau, in dunkler, lauer, klarer Sternen-Himmelsnacht.

Jetzt spiele ich ein wenig Saxophon in den lauen, klaren, dunklen Sternenhimmel von Villefranche-sur-Mer. Ich springe auf den Tisch, einfach weil mir danach ist, und spiele und spiele und spiele und sie hören mir zu. Der Gitarrenspieler und der Saxophonspieler, und die anderen Gäste an den Tischen. Ich schließe dabei die Augen, um besser dort sein zu können, wo ich spielen will. Mir wird ganz heiß, so heiß, als hätte ich zu lange in der Sonne gesessen.

Als ich die Augen wieder aufmache, höre ich in der Ferne einen Zug fahren; als ich auf die Uhr sehe, ist es früh am Morgen, so gegen vier - es ist mir jetzt nach einem Glas Wein, einem guten, der guttut, so ein bisschen.

Gerade so - als ob es noch wär’

Heute lasse ich die Zeit mal von den anderen machen, ich liege im Sand, es ist noch warm, aber ich spüre deutlich die Vorboten dessen, was wir als kühle Kälte kennen. Das Wasser ist nicht mehr so warm, dass man es warm nennen könnte, aber kalt ist es auch noch nicht, es ist grau - es ist gerade so, als ob es gerade noch wär, gerade noch - zu alledem ist es auch noch leicht eingetrübt, das Salzige - heute.

Das bunt gemusterte Handtuch mit all den vielen kleinen Rauten und Rhomben in Orange und Rot, in Lila und Rosa, in Blau und Braun und den vielen gleichmäßigen Zickzacklinien auf dem Rand - mit seinen Dreiecken und Quadraten, Rechtecken und Kreisen, rund und rund - zick und zack, zick-zack, rund und rund und zack und zack, zick.

Es duldet meine müde Schwere nach gestriger Nacht in seiner erhellenden Farbenpracht. Das Handtuch scheint sich mit seinen gemalten Farben entschuldigen zu wollen, dass es einfach nur schweigend so daliegt, in seinen vielen gemalten Formen und der gemalten Formenpracht, in all den bunten Farben, Rot und Rosa, Lila und Hellblau, Hellgrün und Dunkelgrün, Gelb, Orangegelb, Orangerot und Purpurrot und Sonnengelb. Das Handtuch erlaubt mir, ausnahmsweise die Zeit einmal von den anderen machen zu lassen. Ich gebe der Macht des Handtuchs nach, das mich auf sich herunterzieht. Völlig erschöpft sinke ich auf all diese Töne nieder, mit dem nötigen Respekt lege ich mich darauf, um sie nicht zu erdrücken, all diese Töne und Farben, einfach nur hinlegen, ausruhen von all den Strapazen der letzten Wochen. Die Sonne wärmt noch deutlich meine Septemberhaut. Ein Tag im September, an dem ich die Zeit von den anderen machen lasse. Ich fühle mich wohl und beschützt in dieser angenehmen Wärme, ich freue mich darüber. Ich freue mich darüber, meinem Handtuch endlich einmal so nahe gekommen zu sein, ohne etwas dafür tun zu müssen, endlich, endlich, endlich, rutscht mir doch endlich alle mal den Buckel hinunter! Ich danke Dir, Gott und ich danke Dir, Handtuch dafür. Langsam sinke ich ab und sinke in den wohlverdienten, unbezahlten Sinkschlaf, sinke und sinke und sinke.

Plötzlich liege ich völlig versunken auf einem Berg im Baskenland, Berg der Mariposas, ganz in der Nähe von Hondarribia

Fuenterrabia, Hondarribia, Spanien, Calle San Pedro

Plötzlich liege ich völlig versunken auf einem hohen Berg im Baskenland, die Fuenterrabia Sonne verwöhnt mich in gleicher Weise mit ihrem warmen, weichen Schein. Ich liege so weit oben, wo es schon nimmer und nimmer weitergeht, ich erwache langsam aus einem schönen und warmen Sinkschlaf. Ich reibe mir die Augen, strecke und recke meine Glieder. Ich will weiter und weiter hochsteigen, doch mit dem Hochsteigen klappt es nicht, ich bin ja schon ganz oben, liege und gucke auf das Meer und auf die kleinen Städte und Dörfer, auf die kleinen, überschaubaren Wälder, auf die grünen Wiesen, auf denen die Schafe friedlich grasen, grün und grün, mit ihrem niederen Gesträuch und Büschen, dornig. Ich kucke von oben auf die Ufer des Bidasoa, dem Fluss, der die Grenze zwischen Frankreich und Spanien markiert.

Lange Stille, langes Schweigen - endloses Schweigen, endlose, tiefe Stille, die tiefste Stille der Stille, endlose Zeit, die zärtlich in eine tiefe Sinkstille nahtlos übergeht. In die sinkstillste Sinkzeit, der Sinkzeit - endlos und wunderbar, wunderstill, wundersinkstill. Da pikst kein Stückchen Stroh in meinem Schuh, auch keine Dornen piksen die sanfte Haut, es liegt auch kein Schafsmist herum, der die Hose hätte dreckig machen können, die blaue Jeans, Grasflecken gibt es hier oben auch nicht. Da reibt kein Fels die Haut mehr wund, das Knie reibt sich auch nicht mehr wund – so still ist es hier, ganz still - eine endlose, unendliche große und mächtige, helle Stille breitet sich da aus, hellgelb und hellblau, hellrot und rosarot, lilarot und purpurrot.

So viel Stille auf einmal, dass stille Töne auftauchen, seltsam stille Töne, sonderbare, nie gehörte Stillentöne - sie tauchen einfach auf und so einfach, wie sie seltsamerweise aufgetaucht sind, verschwinden sie wieder. Töne schwellen langsam an, langsam - bunte Töne - bunte, bunte Töne, die manchmal in schneller Folge erklingen, manchmal in ganz langsamer Folge, erklingen sie, und die schnellen, bunten Töne mischen sich mit den langsameren Tönen zu einer richtigen Komposition. Sie breiten sich aus und legen sich einfach in die Landschaft, einfach so. Es breitet sich ein richtiges Oratorium, ein Gloria Oratorium in der Landschaft aus. Es füllt jeden Raum, es schwillt aus dem Nichts herauf zu einem großen Orchester, fast barock, manchmal gotisch, blüht auf und dann verhallen sie wieder im Nichts, verklingen langsam wieder in der lauten Stille des Nichts, bis die Schafe mit ihren hellen, klaren Glöckchen die Führung wieder übernehmen.

Große Stille, langes, langes Schweigen, endloses, zeitloses Schweigen, zeitloses Sinkstillschweigen und dann plötzlich geht es da doch noch weiter den Berg hinauf, einen Weg, den ich zuvor noch nie gesehen hatte, ich steige doch noch etwas höher den Berg hinauf, es geht tatsächlich doch noch etwas weiter und weiter, es geht sogar so weit hinauf, bis ich unten fast nichts mehr erkennen kann, fast nichts. Das irdische Geschehen da unten ist so klein geworden, dass es sich fast zur Bedeutungslosigkeit verloren hat. So weit oben bin ich jetzt angekommen.

Auf nach Biarritz - Mariposas

Ich werde durch etwas gestört - eine sanfte Stimme. „Auf nach Biarritz - nach Biarritz. Nach Biarritz! Nach Biarritz ist es nur einen Katzensprung.“ Das Café, in dem ich mich wiederfinde, ist zypressig, es ist viel zu zypressig gerahmt. Ein gemütliches Zypressen-Straßencafé an einer fast menschenleeren kleinen Dorfstraße mit einem Kellner, der sich für diese Jahreszeit etwas zu langsam bewegt. Er lässt Andra und mich einfach sitzen und warten. Nicht das normale Warten, das gebührliche. Der gemütliche Sich-Wohlfühl-Warte-Moment, der an dieser Stelle auf unerhörte Weise überdimensional ausgeweitet wird, so, dass wir uns fast schon lächerlich vorkommen in dieser Wartezeit. Das Café ist bis auf uns menschenleer. Es gibt also keinen Grund, uns nicht zu bedienen nach einer kleinen Wohlfühlpause. Dieser Schuft. Der schuftet sich gar nicht mehr ab. Der septembert sich ab. Dieser blöde Schuft, der blöde. Statt dass er sich abjunit oder abjulit, flott, flott, hopp, hopp, mit dem Junigemünzel oder dem Juligemünzel, nein, was macht der, er quatscht Gethektes mit seinen Kollegen und septembert sich ab. Der blöde Kerl, der blöde. Wir überlegen zu gehen, aber Andra kann so schön in mein Gesicht lachen, dass es mir leichtfällt, über dieses unerhörte, ignorierende und unverschämte Verhalten über das Wohlfühlmoment hinaus die Zeit des Wartens zu genießen. Ich genieße den lauen Septembernachmittag und den leeren Tisch vor mir in vollen Zügen. Andra scheint es mit mir zu genießen, denn sie macht es mir leicht, Hellgelb und Zitronengelb und auch ein helles, helles Blau. Engelsleicht gestaltet sie den Moment. Ach, da ist ja doch noch eine Bedienung, ein Kellner, aber was für einer. Kommt der doch dermaßen überheblich und abfällig daher, dass ich am liebsten in Grund und Boden versinken sollte, so toll ist der Septemberkerl. Dieser nebensächliche, strafende, abfällige, strenge Blick, das ist doch die Höhe, der Gipfel des Unverschämten und Geringschätzigen. Ein typischer Biarritzer Septemberkerl ist das. Eigentlich ist mir jetzt die Lust auf den Espresso bereits vergangen, aber Andra kann mit dieser eigentlich unmöglichen Situation sehr gut umgehen. Denn ihr Wesen ist auf solche Situationen gut vorbereitet. Wir trinken trotzdem genüsslich unseren wohlverdienten, schwer und leicht erwarteten September-Espresso in dem kleinen Zypressen-Straßencafé in der lauen Luft und verlassen es anschließend schweigend.

Sie wagt sich weit hinaus in das Septemberwasser

Biarritz, Spanien

Der Strand von Biarritz ist felsig und sandig zugleich. Das Septemberwasser strömt heftig auf das Land zu. Andra wagt sich weit in das Septemberwasser hinaus, zu weit für mich. Der Wind ist zu laut, das Gebrause des Wassers ist zu laut, aber wir können den braun gebrannten Mann in den kurzen Hosen aus dem weißen Holzhäuschen auf den Strand laufen sehen, und die Trillerpfeife ist nicht mehr zu überhören. Ich rufe: Andra, Andra. Der Lärm des Wassers und des Windes ist zu laut, als dass sie mich hören kann. Sie blickt zurück und lacht mich an, breitet die Arme nach oben aus, was ist? Andra läuft im knietiefen Wasser weiter hinaus. Andra läuft weiter in das Septemberwasser hinein. Mir fällt es schwer, meine Füße zu bewegen, die Kraft des Wassers ist zu stark, als dass ich es als ein gemütliches Septemberbaden nennen kann.

Das Wasser zerrt an meinen Füßen hin und her. Der schwarz-weiße Badeanzug verschwindet im Septemberwasser. Der Trillerpfeifenmann pfeift mich zurück, ich bin ihm dankbar, weil die unbändige, drohende, ziehende Kraft, die an mir zerrt und zieht, endlich nachlässt. Andra ist verschwunden. Der Delfin ist verschwunden. Der Delfin weiß sich im kräftigen Wasser zu bewegen, denke ich. Er ist fort, rosarot und hellblau, sonnengelb und hellgrün. Ich mache mir Sorgen und bin ängstlich. Einige Meter neben mir taucht der Delfin wieder aus dem kräftigen Wasser auf und lacht mir entgegen. Ça va. Sie nimmt mich in die Arme und küsst mich auf den Mund. „Wenn du die Strömung kennst, hast du keine Angst mehr vor dem Ziehen und Drücken. Komm, komm, probier es.“ Der Delfin schwimmt noch einmal hinaus und kommt zurück, mit Leichtigkeit. Mir bleibt schier das Herz stehen über solchen Mut. Aber ein Delfin kennt keinen Mut, er kennt nur die Strömung. Ich kenne die Strömung noch nicht, aber ich bin auch kein Delfin. Deshalb verlasse ich mich lieber auf das sichere Sandige. Es zieht und drückt. Es reißt mir schier die Beine weg. Ich kann mich kaum noch halten.

Und wieder ist der Delfin hinausgeschwommen. Der Trillerpfeifenmann läuft nervös am Strand herum. Er nimmt sein Fernglas in die Hand und guckt. Aber es ist nichts zu sehen von dem schwarz-weißen Badeanzug. Wo ist der Delfin hin? Ah, da ist er wieder, aufgetaucht, plötzlich und so nah.

Wir legen uns nach dieser Aufregung auf unsere Handtücher und ruhen uns ein wenig aus. Ich lege vorsichtig meinen Arm auf ihren Rücken, es fühlt sich schön an. Die leicht angewärmte Haut, ab und zu ein Sandkorn; doch ein kleines Sandkorn kann diese schönen Sekunden nicht zerstören. Sie ist eingeschlafen, wahrscheinlich hat sie nicht einmal meinen zärtlichen Anflug bemerkt, denn er war zu flüchtig und zu vorsichtig, als dass sie ihn hätte bemerken können.

Ein getrocknetes, leicht eingerolltes Ahornblatt

Villefranche-sur-Mer, Frankreich

Uff, ich wache auf, mir ist plötzlich warm geworden, so warm, dass ich aus meinen Träumen aufgewacht bin, meine Stirn ist nass. Ich fühle mich unwohl, warm. Der Platz neben mir ist leer, es liegt niemand mehr auf dem Handtuch. Ich sehe mich nach allen Richtungen um, aber ich kann Andra nicht sehen, die mit weit geöffneten Armen da steht und mir entgegen lacht. Ach, sie ist sicher wieder im Wasser, der Delfin, aber dort ist auch nichts zu sehen.

Ich rufe laut: Andra! Mein Schrei verhallt im Nichts.

Eben liegt Andra in ihrem schwarz-weißen Badeanzug noch neben mir. Jetzt ist der Platz leer. Ich bin das letzte Souvenir hier am Strand, das eben einmal eingeschlafen ist. Langsam realisiere ich, dass ich wohl etwas länger eingeschlafen bin. Ich bin meiner Müdigkeit zum Opfer gefallen. Ich habe mich wohl eingeseptembert in den Schlaf.

Ach, ich sinke wieder auf mein bunt gemustertes Handtuch zurück. Ich zolle meinem Handtuch noch einmal allen Respekt, dass es das alles so tapfer aushält. Hut ab. Danke, mein allerliebstes, mein bestes, mein schönstes Handtuch aller Handtücher. Fast möchte ich sagen, es ist ein kleines Weltmeisterhandtuch im Aushalten. Ja, weil du das alles aushältst und weil du das alles ausgehalten hast und schon so lange, lange geschwiegen hast, für so langes Schweigen, so, so lange schon, ja dafür hast du dir einen Orden verdient, was? Einen Orden? Dafür hast du eine Goldmedaille verdient! Eine Goldmedaille für Marathonaushalteschweigen?

Und die verleihe ich dir jetzt feierlich. Ich blinzele ein wenig und öffne nur ein klitze-, klitzekleines bisschen mein obenliegendes linkes Auge, dass ich so gerade etwas neben mir erkennen kann. Müde hebt sich mein Arm langsam in Richtung Steine und ich hebe einen neben mir liegenden weißen, leicht glitzernden, mittelschweren Stein auf, einen mit einem Loch drin, gebohrt von einer Steinbohrermuschel, die in mühsamer Kleinarbeit den Stein an dieser Stelle einfach aufgegessen hat. Einen Stein einfach aufessen, einen Stein, das ist nicht zu fassen! Und den lege ich als Dankeschön behutsam auf das Handtuch, wenn auch mit einem müden Arm. Welch eine Ehrung! Ein Stein mit einem Loch mittendrin. Dabei denke ich mir listigerweise aus, dass das Handtuch ja nicht weiß, was eine Goldmedaille ist, wenn es zuhören und zusehen könnte, würde es vielleicht wütend werden, weil es sich nur um einen kleinen, weißen, leicht glitzernden, mittelschweren Stein handelt, auch noch sinnloserweise mit einem Loch mittendrin, das in mühseliger Kleinarbeit von einer Steinbohrermuschel einfach hineingefressen wurde. Welch eine Ehrung! Von einer simplen Steinbohrermuschel, genau an dieser Stelle, nicht eben einen halben Zentimeter weiter links oder zwei Zentimeter weiter rechts, nein, genau da hat sich die Steinbohrermuschel an dieser Stelle zu schaffen gemacht und hat den Stein einfach aufgegessen. Einmal ganz abgesehen davon, dass es hier am Strand Abertrillionen dieser Steine gibt und weitere Trillionen Löcher in den Steinen, alle von Steinbohrermuscheln in listiger, mühsamer, zeitaufwendiger, jahrelanger Arbeit, Tag und Nacht gegessen und gegessen, bis schließlich dieses Loch entstand. Warum sollte dann also ausgerechnet dieser kleine, weiße, leicht glitzernde, mittelschwere Stein mit dem Steinmuschelloch eine Goldmedaille sein?

Ich lächle ein wenig und spüre eine leichte, aber doch deutliche Überlegenheit meinerseits dem Handtuch gegenüber. Es versetzt mich schon in eine etwas privilegierte Situation. Hatte ich doch eben erst noch das Handtuch mit der Goldmedaille für Weltmeistermarathonaushalteschweigehandtücher in der Disziplin des Weltmeistermarathonaushalteschweigens ausgezeichnet. Ich hingegen in meiner kleinen bescheidenen Daseinsform bin noch nie derart geehrt und ausgezeichnet worden. Oder habe gar eine Goldmedaille verliehen bekommen oder sonst irgendeine Auszeichnung für etwas erhalten. Nun gut.

Ich glaube, nun fühlt sich mein mich über viele, viele Jahre hinweg begleitendes, weit gereistes, leicht ausgeblichenes und schon etwas ausgewaschenes Handtuch doch schon etwas geehrt. An seinen Rändern sind bereits die einzelnen Fäden zu sehen. Ich könnte sie zählen! Aber ich tue es nicht. Fast sieht es so aus, als seien die Fransen an den Rändern absichtlich eingesetzt, um das Handtuch etwas lieblicher zu gestalten. Die Fransen haben ihr Spiel mit dem Wind aufgenommen und tun ihr Nämliches, nämlich flattern. Ja, etwas berühmt fühlt es sich schon an, das Handtuch, jetzt nach all diesen Strapazen - eine Ehrung, eine Goldmedaille. Es ist mittlerweile ein etwas stärkerer Wind aufgekommen und ich bin der Goldmedaille dankbar, dass sie mein Handtuch so fest im Griff hat, sodass es von den Böen nicht weggepustet werden kann. Denn sonst müsste ich jetzt aufstehen und meinem geliebten Handtuch hinterher springen und es wieder einfangen, wo ich mir doch vorgenommen habe, hier eine Weile im Sinkschlaf zu verweilen, um mich auszuruhen. Angeregt durch so viel Ehrung wollte es sich mir nichts, dir nichts von mir lossagen. Das ginge dann doch etwas zu weit, nach all diesen Jahren der Zweisamkeit. Die Goldmedaille hat das Handtuch fest im Griff, sodass sich die Aufregung und der Schaden dann doch noch in Grenzen halten. So kann ich auf meinem Zweithandtuch ruhigen Gewissens weiter im Sinkschlaf verweilen, ohne mir über irgendetwas Sorgen oder Gedanken machen zu müssen.

Ein braunes, getrocknetes, leicht eingerolltes Ahornblatt kommt angeflogen und möchte unbedingt und nachdrücklich sich einfach unter meinem mit viel Ehrung ausgezeichneten, bunt gemusterten Handtuch verstecken, oder es will sich zum Winterschlaf verkriechen, ohne mich vorher darüber informiert oder gefragt zu haben. Geschweige denn das Handtuch gefragt zu haben. Das geht dann doch etwas zu weit. Ich beobachte aber den unerhörten Vorgang fast heimlich und ganz genau! Ich blinzele mit meinem obenliegenden Auge ganz leicht, so dass mir das Vorhaben des braunen, getrockneten, leicht eingerollten Ahornblattes nicht entgehen kann. Das braune, getrocknete, leicht eingerollte Ahornblatt hat sich sicherlich gedacht, mich in meinem Sinkschlaf heimlich zu überlisten und sich von mir ganz unbemerkt unter meinem bunt gemusterten, etwas ausgewaschenen Handtuch zu verstecken. Das geht dann doch etwas zu weit. Langsam strecke ich meinen müden Arm nach der Goldmedaille aus. Das unentrinnbare Schicksal des braunen, getrockneten, leicht eingerollten Ahornblattes scheint unabdingbar vorgezeichnet zu sein, bis in seine letzte Konsequenz. Mit der unter mir liegenden Hand fasse ich vorsichtig mein bunt gemustertes Handtuch an. Mit der oberen Hand greife ich fest nach der Goldmedaille. Mit einem Schwupps ziehe ich völlig unerwartet und plötzlich an meinem bunt gemusterten Handtuch. Da liegt der Störenfried in seiner vollen Pracht. Völlig schutzlos ist das braune, getrocknete, leicht eingerollte Ahornblatt meinem Willen jetzt ausgeliefert. Seiner vollkommenen Zerstörung ins Auge sehend, unentrinnbar. Ich hebe mit fester Hand die Goldmedaille und drücke sie in leidenschaftsloser Gleichgültigkeit auf das braune, getrocknete, leicht eingerollte Ahornblatt. Es ist vollbracht. Der Störenfried ist ein für alle Mal ausgelöscht und vernichtet, unwiederholbar, ein einzigartiger Vorgang in der Geschichte des kommenden Europas.

Zufrieden und doch etwas hochmütig, streife ich mein hochdekoriertes Handtuch genüsslich, ja, mit etwas Genugtuung glatt, lege die Goldmedaille an ihren vorbestimmten Platz und lege mich nach diesem unerhörten Vorfall wieder auf meinem Zweithandtuch zur Ruhe.

Da schieben sich gerade zwei Zeiten zart und leise, aber doch deutlich vernehmbar, übereinander. Sie liegen übereinander, weil sie nichts mehr trennen kann - voneinander. Die eine Zeit ist da, die andere auch, aber sie ist auch noch nicht weg. Die eine will von der anderen noch nicht so recht etwas wissen. Die eine nimmt die andere noch nicht ernst genug. Die eine Zeit spielt vorsichtig mit der anderen, sie probiert sich an ihr aus, wie sie ihr denn stehen würde, die andere Zeit. Ich würde sagen, die Zeit ist in einer akuten Septemberlaune, die wärmenden Strahlen der Sonne sind noch deutlich vernehmbar, doch auch ist die unentrinnbare Kälte mehr zu ahnen als zu spüren, die da zweifellos auf die Zeit zukommt.

Ich wache auf, strecke und recke mich, mir ist so, als könne ich ganz Paris umarmen, groß und wahr ist mir. Ich täte jetzt gerne Dinge, die in der Tat groß, wahr und schön sind, vielleicht violett oder rot und besonders grün sind, ein schönes, sanftes Grün. Ganz so grün, als könnte es ein weicher Pullover sein, auch so, als könnte es eine weiche Hose sein oder auch ein hellgrüner Rock, ein blasses, grünes Kleid, weich und sanft.

All das wichtige Gehänge und Gebommele

Nizza, Frankreich

Ich lege mich der Länge nach auf die Promenade des Anglais, um sie mein ganzes Gewicht spüren zu lassen, ganze acht Kilometer lang. Ich lasse mir ganze acht Kilometer Sonne auf meine Haut scheinen, oh, ach, wie das wärmt und guttut. Alle Promenierenden müssen über mich drüber laufen und können ihre Haut zur Schau stellen und ihre Kleider und mit all dem, was sie so zur Schau stellen wollen, so gern - wie das kitzelt und katzelt, wenn sie so über mich drüber laufen. All diese kleinen Füßchen mit ihren Schuhsohlen aus Leder, aus Kunststoff mit Noppen so dran und Profilen und Strohsohlen, wie das kitzelt und katzelt. Wie sie so über mich drüber laufen und manchmal stehenbleiben und gucken - aufs Meer - auf das Meer. Auf der anderen Seite all diese Hotels und Banken und Noten und Geschäfte und Uniformen?

Uniformen und Banken, die teuren Gewichte, so wichtig bommeln sie da und bommeln und bummeln - an den Ohren und Hälsen und gucken die Bommeln - und die Gucker, so wahnsinnig wichtig gucken die da, das sind ja alles Direktoren und Manager. Und die Jogger mit ihren tollen Sonnenbrillen und die Piloten und die tollen Stirnbänder. Ach, das alles, das alles, es macht mich krank. Die Fitten und die Cocktailspanier und die ganz wichtigen Pudel. Lange, lange Fingernägel gucken da, rote und lila, gucken da, piksen ganz wichtig in mein Fleisch, als sie über mich drüber laufen, auf der Promenade des Anglais, ganze acht Kilometer lang. Au - das tut weh! Mensch! Mensch! Au! Au! Das pickst ganz schön in meiner Haut, wenn die da so über mich drüber laufen. Au! Au! Wau! Wau! Haare, lila und lila-rot und leuchtend rot, ganz arg hoch, das Haar ganz arg. Manche setzten sich auch hin und stützen so ihre Hände ab, so nach hinten, wenn sie sitzen, wie das kitzelt und katzelt, diese kleinen Finger und die Hände und diese kleinen Pos, die da auf mir sitzen.

Es liegt Licht dort auf dem Meer

Stimme 1

Es liegt Licht dort auf dem Meer…
Heute morgen lag ein toter Hund da…

Stimme 2

Ich habe ihn gesehen.

Stimme 1

Ich dachte mir, dass Sie ihn gesehen haben…
Das Meer hat ihn weggespült.

 

 

Schweigen.

Stimme 1

Es regnet dort drüben, hinter dem Licht.
Immerzu dieser Geruch, von Algen und von Regen…

 

 

Schweigen.
Zurückgekehrter Schmerz

Stimme 1

Sie liebte ihn mehr als alles auf der Welt.

Stimme 2

Sie konnte sogar verstehen, dass er sie
verlassen hat. - Getötet.

 

 

Schweigen.

Stimme 2

Worüber weinen Sie?

Stimme 1

Über das Ganze…

 

 

Schweigen.

Stimme 1

Welche Liebe das war…
Umfassend…
Tödlich…

 

 

Schweigen.

Nicht exklusive Abdruckgenehmigung für:

Textauszug aus: Marguerite Duras, Nathalie Granger und die Frau vom Ganges.

Aus dem Französischen von Andrea Spingler. S. 133

© Surkampverlag Frankfurt am Main 1994

Ich laufe an der Nichtzeit entlang

Villefranche-sur-Mer, Frankreich

Ich schaue von unten auf den kleinen pittoresken Balkon, mit seinem grünen Geländer, die Schiebetüren hinter den grünen, leicht geöffneten Lamellenläden sind weit geöffnet, salzige Luft streicht durch die Räume, es ist warm. Von unten kann ich deutlich die Stühle auf dem kleinen, grünen, schmalen Balkon mit den lustigen geflickerten Kacheln, den italienischen, und den kleinen grünen Tisch erkennen. Eine leise, melancholische Stimmung beschleicht mich unausweichlich.

So laufe ich unten am Wasser ganz dicht an den gelben Kugellampen entlang, an denen ich neulich gerne gestanden hätte, mit Andra, die mir so vertraut ist. Nun komme ich mir doch etwas verloren vor, hier unten am Wasser, so dicht an den gelben, runden Kugellampen. Dort wo die Schäkel an die Masten klicken. Sie tun es noch. Die Lampen leuchten jetzt nicht mehr. Es gibt nichts mehr zu beleuchten, was ihnen würdig wäre, ins Licht gerückt zu werden. Auch sind da keine Mückenschwärme mehr zu sehen, die da taumeln und kreiseln, hüpfen und hupfen. Wahrscheinlich sind die kleinen Mücken gerade mit ihren Vorbereitungen für heute Abend beschäftigt. Sie putzen sich gerade adrett heraus, bemalen sich die Fußnägel, damit sie wieder in ganzen Gruppen hupfen und kreiseln, hüpfen und taumeln können, im gelben Schein der Kugelhafenlampen. Die Mücken ziehen wahrscheinlich gerade ihre kleinen Mückenausgeschuhe an und binden sie ganz arg fest zu, damit sie sie nicht verlieren, wenn sie wieder um die gelben Kugelhafenlampen hüpfen und hupfen, taumeln und zicken. Sie schnallen sich ihre kleinen Mückenrucksäcke auf den Buckel, in dem sie die Vesperbrote eingepackt haben und auch eine kleine Mückenthermoskanne. Einige, und es sind nicht wenig, machen gerade in einer Mauerritze unten am Pier ein kleines Schläfchen und ruhen sich einfach ein wenig von ihren Strapazen aus, müde – von dem ewigen Hin- und Herfliegen. Dem dauernden Zicken und Taumeln, dem Hupfen und Hüpfen, das kann schon ganz schön anstrengend sein. Mit dem schweren Mückensturzhelm und all dem Gepäck. Da sitzt nun die kleine Mücke in der Mauerritze und macht eine wohlverdiente Mückenpause, sie ist schläfrig und ruht sich einfach aus.

So verloren komme ich mir jetzt vor. Da macht sich heimlich, still und leise, und doch so laut, eine feuchte, klamme, kalte Einsamkeit in mir breit, dass ich es ihr eigentlich nicht erlauben würde. Aber ich kann mich ihrer nicht erwehren, ihr nicht ausweichen, unerbittlich steigt sie langsam, behutsam und vorsichtig in mir empor. Sie ergreift Besitz. Unerbittlich ist die unbeugsame Einsamkeit, der ich nicht entkommen kann. Ich kann einfach nicht vor ihr flüchten.

Es ist eine Einsamkeit, in der die Zeit davonzulaufen scheint, in ganz arg schnellen Schritten - ich bekomme das Gefühl, ich stehe hier und die Zeit rast an mir vorbei und ich bin ihr völlig schutzlos ausgeliefert. Bewegungslos, fast erstarrt, stehe ich hier am Pier und starre auf die kleinen, sanften Wellen auf der fast glatten Oberfläche des Wassers. Die gelben Kugellampen machen nur weiche, sanfte, kleine Bewegungen auf dem Wasser. Das Klicken der Schäkel an die Masten ist nur noch ab und zu zu vernehmen, das Tempo hat sich deutlich verlangsamt. Auch ist das Klacken der Seile auf den Booten nur noch gelegentlich zu vernehmen.

Das Nachdenkliche scheint mich erdrücken zu wollen in einem so kurzen Leben. Ich schreie laut. Spätestens jetzt ist auch die letzte Mücke aus ihrem Ruheschlaf gerissen worden.

So übermächtig machtvoll höre ich jetzt mein Herz schlagen, bumbum, bumbum, bumbum, bumbum, bumbum. Es ist arg still um mich herum, ich kann mich nur noch selbst hören, ein Moment der Ewigkeit? Schweigen - Schweigen - Schweigen!

Als ich weiter an der Nichtzeit entlanglaufe, merke ich, dass dort, wo ich laufe, gar keine Laternenlampen mehr stehen, die da eigentlich scheinen sollten, mit ihrem gelben, runden Kugellampenschein. Jetzt beschleicht mich auch noch eine leise, laue Melancholie, heimlich, leise kriecht sie ganz vorsichtig in mir hoch, um mich ja nicht zu berühren, kriecht sie vorsichtig und leise in meinen Körper hinein und breitet sich vorsichtig, aber machtvoll, langsam, unnachgiebig in mir aus, so als sollte ich es zunächst gar nicht merken, von ihr in Besitz genommen zu werden, heimlich erobert zu werden.

So dicht an dem Salzigen, das leise und sanft an die Hafenmauer klopft, hatte ich mich nicht ein bisschen anlehnen wollen an die runden, orangegelben Kugellampen am Pier? Wollte ich mich nicht ein bisschen geborgen fühlen? Behaglich fühlen wollen und Kraft für Kommendes schöpfen, es gelingt mir nicht. Wollte ich nicht den Duft der fein gebratenen Fische und Krabben einatmen, den Stimmen und Stimmchen lauschen, die da alle so fröhlich und ausgelassen plappern und schnattern und plappern und schwatzen, Schwitziges und Geschwätziges plappern.

All diese Soßen riechen und das Gegrillte, das da so aus der Küche dampft, all diese Gerüche, wunderbar. Fischbraten, Muschelduft und Krabbenduft in geborgener Nähe des Gewohnten, grün und rot, lila und hellrot, violett und zitronengelb.

Unten auf der Kopfsteinpflasterstraße, dort unten wo die orangegelben, runden Hafenlaternen stehen und man das leise, sanfte Rauschen des Meeres hören und spüren kann, dort wo die Laufrollen der Boote an die Masten klicken und klacken, hölzern und metallisch, dort, wo die Lichter so lustig auf dem Wasser tanzen, orangerot und hellgelb. Dort, wo sich leise Stimmen unter Stimmen mischen, manchmal lauter, fröhlich lachend und schwatzend und plappernd, dort, wo auch etwas Musik in der Ferne zu hören ist. Von den Musikern, dem Gitarrenspieler und dem Saxophonspieler, dort, wo die Mücken so lustig hupfen, kreiseln und zacken, zicken und ticken, taumeln und baumeln in den Spinnennetzen, die sinnvollerweise in der Nähe des Lichts installiert wurden, in seinem behaglichen Schein, da ist jetzt niemand mehr, dort unten ist alles leer, menschenleer, es ist alles sehr einsam und still, da unten. Verloren sieht es aus. Oh, diese bezaubernde Stille. Oh, diese stillste Stille der Stille.

Ich schreie laut. Ich glaube, ich war eben sehr unhöflich zu all den erschöpften und müden Mücken, all den schlafenden Arbeitern und den schlafenden Spinnen gegenüber, die morgens schon so früh ihr Tagwerk beginnen müssen, aber in dieser Situation ist es mir gleichviel. Ich rufe laut: Andra. Die mir so offen mit ausgebreiteten Armen in mein Gesicht gelacht hat. Wo bist du? Du kannst doch nicht einfach so hinausschwimmen, das kannst du nicht. Komm jetzt gefälligst zurück. Hierher.

Verstehst du, hierher zurück. Sie versteht mich nicht, sie ist schon viel zu weit draußen auf dem Meer. Sie ist nur noch ein winziger, kleiner Punkt da draußen.

Im kleinen Hotelzimmer sieht es gar nicht mehr so heimelig aus

In dem kleinen Hotelzimmer sieht es gar nicht mehr so heimelig schön aus, es ist laut, unten eine kleine Diskothek mit schlechter Live-Musik, da zieht der Geschmack von schlechter Luft, gemischt mit Tabak und fahlem Bier, durch meine Nase - Gejohle und schnödes Geplapper - plipper, plapper, plipper, plapper, helle junge, zu junge Stimmchen schlippern und schlappern da fröhlich und lustig drauflos, noch nicht ahnend, worauf die sich da einlassen, verloren und verlogen klingt das alles, falsche, unerfahrene, nach wilder Bestätigung suchende Stimmchen plappern da Sinnloses in die schlechte Luft hinein, und wollen doch so gute reine Luft atmen.

Ich bin müde von den hellen Stimmchen, dem Geplapper und Geplipper, müde von den vielen gelben und den orangegelben Laternen unten an Pier. Auch von dem Geklickse und Geklackse der Wanten an die hölzernen und metallenen Masten. Ich habe zu viel von dem allen. Müde von der Suite und ihrem Balkon und den großen Schiebetüren, und von mir. Ich bin ganz arg müde von mir, so dass ich den längsten Schlaf der Schläfe, einen bezaubernden Sinkschlaf jetzt bevorzugen will. Schlafen und schlafen, so müde bin ich, jetzt nur noch schlafen, danach ist mir jetzt. Das zu große Bett ist mir geblieben. Ich sitze am geöffneten Fenster und gucke auf die gegenüberliegende Hauswand ohne Fenster, Dunkelheit, milde, weiche, aber schöne Dunkelheit starrt mich da an. Noch habe ich mich nicht ganz ausgezogen, und sitze so still und versunken an meinem Fenster in der Suite, in der Rue Villefranche-sur-Mer, und blicke auf die milde, weiche Dunkelheit, da kriecht ganz langsam ein Gefühl in mir hoch, das mich befreit, es befreit mich von den hohlen Stimmchen und dem blöden Geplapper, von dem Tabakgeruch und dem fahlen, abgestandenen Biergeruch und von der fensterlosen dunklen Hauswand gegenüber.

Es öffnet sich eine endlose Weite, eine Weite, die mir bekannt ist, der Himmel mit seinen Abertrilliarden Sternen scheint immer stärker in die enge Gasse hinein, er drückt die Wände auseinander, er schiebt sie behutsam auseinander, die Häuser, bis auch die Gasse nicht mehr eine Gasse, sondern eine weite, breite Straße geworden ist, mit vielen, vielen Bäumen und Sträuchern und Mücken und Grillen, die in ihnen hocken. Sie zirpen laut und deutlich in die klare Septembernacht. Ein wahres Streichkonzert in den tollsten Tönen hoch und höher, tief und langanhaltend. Kurz und hoch mit deutlichen Pausen, schrill, fast zerrend und hoch, leise und nur zip-zip, kurz und knapp, mit vielen Pausen, zip-zip, Pause, zip-zip. Ganz so, als wollte die Grille gar nicht auffallen in dem ganzen Stimmengewirr. Alles in klingenden Septemberfarben, es mischen sich viele Menschen in diese abendliche Atmosphäre zwischen Promenade und Spaziergang. Um noch ein wenig frische, milde, weiche Septemberluft zu schnappen, bevor sie sich in ihre Wohnungen und Häuser begeben, in denen sie die späte, leise Sommerwärme erwartet.

Langsam drückt das Sternenlicht mit dem Mondlicht zusammen vorsichtig und behutsam die Häuser zur Seite, eins ums andere, ganz langsam, damit die Menschen, die sich vielleicht noch in ihren Häusern aufhalten, nicht erschreckt werden. Damit bei all dem vorsichtigen Geschiebe auch nichts vom Tisch fällt. Es ist nichts mehr da, was mir den klaren Blick auf das Wasser verstellen könnte. Da ist es in seinem dunklen, murmelnden, leisen Gerausche - tschschsch, tschschsch, tschschsch, wieder und wieder. Fast klingt es wie eine beruhigende Hand, die mir leicht über die Stirn streicht, leicht und sanft, wieder und wieder. Als wolle mich das Wasser trösten und mir Mut zusprechen, leicht und sanft, wieder und wieder.

Ich glaube, ich bin längst eingeschlafen über dem ganzen leisen Gerausche da. Träume schon längst vom Saxofonspieler und dem Gitarrenspieler.

Es pikt mich etwas an meinem Fuß, es drückt nicht wie ein verirrter Kieselstein, es pikt richtig, ich kann es einfach nicht ignorieren, denn es scheint sich zu einem deutlichen Schmerz auszuweiten, nicht nur ein einfaches Piken, das man überfühlen könnte, nein. Ich muss nachsehen – und als ich da so richtig nachsehe, ich hätte es fast übersehen können, da finde ich ein kleines Stückchen, ein klitze-, klitzekleines Stückchen, so klein, dass ich es fast übersehen könnte, es aber nicht übersehen kann. Wie ich das Piken nicht überfühlen kann, weil es mehr ist als nur ein einfaches Drücken eines Kieselsteinchens, weil es zu sehr pikt, da finde ich ein klitze,- klitzekleines Stückchen Stroh, es klebt so an meiner Ferse und pikt. Es ist gepresst, geknickt und pikt. Ich nehme meinen Fuß und halte dann ganz still und gucke so mit richtigen Stielaugen auf die Stelle, auf die Ferse, auf das gepresste und geknickte Stückchen Stroh, auhhh, auhh, das renkt und zieht an den einzelnen Fasern und Muskeln, Beuteln und Gelenken. Ich muss es aber noch genauer sehen, ich löse eine Hand, fast schnappt der Fuß wieder in seine gewöhnliche Lage zurück, da wende ich noch einmal vorsichtig alle Kraft auf, um ihn mit nur einer Hand zu halten, mit der anderen Hand forme ich mit Daumen und Zeigefinger ein kleines O, die drei anderen Finger strecken so in die Höhe, damit sie ja nichts Unbedachtes berühren können, und fasse vorsichtig und langsam an die pikende Stelle; plötzlich ein lautes schrilles Lachen von unten aus der Bar.

Ich bin so erschrocken, dass ich fast den Fuß losgelassen hätte, oh Gott, all diese gedehnten Sehnen und Beutel und Bänder, das wäre fatal, wenn sie so auf einmal zurückschnappten. Ich starte einen neuen Versuch, dieses Mal gelingt er mir, tirili, tirilo, tirili. Mit der einen Hand halte ich meinen Fuß, den verdrehten, versehnten, verbeutelten, so ganz arg dicht vor meine Nase, mit der anderen bilde ich zwischen Zeigefinger und Daumen ein O, die anderen drei Finger halte ich so, dass sie nichts Unbedachtes anrichten können. Ich halte in meiner Hand ein klitze-, klitzekleines gepresstes, geknicktes Stückchen Stroh. Die andere Hand lasse ich nun los. Vorsichtig, langsam, damit sich Verbeuteltes, Versehntes wieder entspannen und in seine ursprüngliche Lage bewegen kann. Langsam stehe ich auf, ganz langsam, behutsam stehe ich auf, damit ich es nicht verliere, das kleine, das liebe, das böse, das Pikchen, und gehe vorsichtig und langsam an mein zu großes Bett, langsam und vorsichtig setzte ich mich auf das Bett, sinke etwas in die etwas zu weiche Matratze hinein - es fühlt sich gut an, das feine Leinen an meinen Beinen; noch halte ich das kleine O ganz fest verschlossen mit dem Daumen und dem Zeigefinger, die drei anderen Finger halte ich immer noch bedeutsam in die Höhe, so dass nichts Unbedachtes passieren kann.

Jetzt bekomme ich so richtig Lust, Lust, das O endlich zu öffnen, es mir doch endlich anzusehen, das Pikchen, das gemeine. Ich führe meine Hand ganz dicht vor meine Augen, ganz dicht, und freue mich noch mehr auf das liebe Pikchen, das ich nun gleich zu Gesicht bekommen werde, es bestaunen und begucken kann, so ganz gemütlich. Ich gehe mit den Augen also ganz dicht an das kleine O, ganz dicht ist es jetzt vor meinen Augen, ach, mit erwartungsvoller Lust öffne ich langsam und leicht, zuerst den Zeigefinger, das kleine O, am Anfang nur ein kleines winziges bisschen, nur ein klein wenig öffne ich das O, und gucke so zwischen dem kleinen Spalt, zwischen Zeigefinger und Daumen, hindurch, als ob es da was Neues zu entdecken gilt. Auwei, da liegt es, das böse, böse Pikchen, das liebe, das da so böse auf die blanken Nerven gepikt hat. Nun liegt es in seiner ganzen Größe vor mir, so dicht, so nah, so unendlich nah. Auweia, so blank und bloß.

Ei, ei, mit der anderen Hand straffe ich das auf dem Nachttisch liegende rote Deckchen, damit in den Falten nichts verloren gehen kann. Die andere Hand führe ich vorsichtig und behutsam in Richtung Deckchen, lege das Pikchen schließlich auf das rote Deckchen. Zufriedenheit löst die Spannung und wie ein erfolgreicher Bombenentschärfer betrachte ich nun Vollbrachtes. Ich lehne mich etwas zurück und betrachte erfolgreich und zufrieden das Liebe, das Böse. Zufrieden wie ein Gewinner, der mit stolz geschwellter Brust auf seinen Gewinn blicken kann, der keiner ist.

Oh, ich schrecke hoch, ich bin wohl eben etwas eingedöst, etwas nachdenklich sitze ich auf dem Bett. Ich hatte eben einen sehr merkwürdigen, seltsamen Traum.

Ich ziehe mich langsam aus und lege meine Kleider auf den Stuhl neben mir. Jetzt höre ich die schlecht gespielte Live-Musik wieder ein wenig und auch das Gröhlen der Stimmchen und der Stimmbrüchchen ein wenig, auch rieche ich wieder die Luft mit dem verbrauchten Rauchgeschmack und dem fahlen Biergeruch. Auf dem kleinen Schrein neben mir steht eine Vitrine, mit einer Glashaube drüber aus dickem, festen Glas, innen mit rotem Samt ausgeschlagen und mitten drin, so ganz in der Mitte drin, liegt ein kleines Stückchen Etwas, liegt ein kleines Stückchen gepresstes und geknicktes Stroh. Es ist schon merkwürdig - träume ich noch oder bin ich schon wach?

Ich lege mich etwas nachdenklich zurück und krieche mit den Beinen unter die leichte Decke, decke mich langsam zu. Dann strecke ich mich zufrieden in meinem zu großen Bett und spüre mich selbst, recke und strecke mich so richtig. Meine Augen fallen langsam zu, mein Blick wird langsam klar, es ist ganz, ganz still um mich geworden, jetzt, jetzt sind sie wieder da, die Bilder, die so klar und präsent sind. Es herrscht die größte Stille der Stille und da beginnt es wieder, ein wahrlich phantastisches Orchester, eine phantastische Phantasie der Töne, nie Gehörtes und nie Geahntes, nie Gesehenes, nie Gespürtes, Gefühltes bricht da los.

Man könnte meinen, das Weltenorchester setzt ein - spielt in seiner Weise wunderbar. Das Weltenorchester - neben mir die Vitrine mit dem roten Samt und seinem Böschen, drinnen. Das Rauschen des Wassers, die Wellen kratzen zaghaft über mir - über den Sand, Temperaturen mischen sich unter Temperaturen, schieben sich behutsam übereinander, wallen noch einmal auf, die eine will sich der anderen noch nicht so recht ergeben - die Zeit geht mit der Nichtzeit Hand in Hand durch den Pinienwald. Wetter neigen sich zu Wetter und Wetter gegen Wetter, Nass verdrängt das Trockene, Tropfen des Regens mischen sich unter Tropfen des Regens, die Tropfen mischen sich mit der Nichtzeit entlang der Zeit.

Bald legt sich Weihnachten an Silvester und Silvester, der gute, lehnt sich an Weihnachten, das brave. Sie neigen sich beide den Wellen entgegen. Die Wellen des Meeres im Zwielicht, die Wolken folgen dem Zwielicht, Wolkenfetzen treiben Wolkenfetzen, die Sonne ist noch droben, die grauen, schwer behangenen Klumpenwolken ziehen zäh ihren mühsamen Gang, bäumen sich auf und stellen sich zwischen mich und das Licht, stellen sich zwischen die Zeit und die Nichtzeit. Als hätten sie einen Preis zu gewinnen, der keiner ist. Oben sind die Wolken noch schneeweiß, unten fast schwarz, manchmal lassen sie eine leichte, feine Lücke zwischen mir und dem Licht, ich sehe in die blaue, klare Nichtzeit hinaus. Ganz so, als sei es ein Privileg ganz für mich allein.

Die Halle, Abend

Sirenen in S Thala. Die Worte werden durch das Heulen der Sirenen hindurch gesprochen.

Der Reisende

Ich werde nicht wiederkommen.

 

Lange Pause.

Der Junge

Nie?

Der Reisende

Nie.

Die Sirenen hören auf. Setzen wieder ein.

Das kleine Mädchen

Warum?

Keine Antwort des Reisenden. Sirenen.

Der Junge

Warum?

Die Antwort kommt langsam, aber sehr klar.

Der Reisende

Ich will nichts mehr.

Die Sirenen werden lauter, unerträglich.

Die Mutter schreit. Man versteht schlecht.

Die Dame

…was ist das …?

Kinder unbeweglich, dem Vater zu gewand, taub für die Sirenen.

Der Junge

Leute sind gekommen.

Das kleine Mädchen

Das ist wegen dem Brand.

Die Dame

…gehen wir hier weg…kann nicht mehr… Los kommt… ich habe Angst…kommt…aber schließlich… Sie…kommt…Angst…

Nicht exklusive Abdruckgenehmigung für:

Textauszug aus: Marguerite Duras, Nathalie Granger und die Frau vom Ganges.

Aus dem Französischen von Andrea Spingler. S. 170
© Surkampverlag Frankfurt am Main 1994

Was macht er?

1. Stimme

Was macht er?

2. Stimme

Wissen Sie, er hütet.

1. Stimme

Das Meer?

2. Stimme (zögernd)

Nein…

1. Stimme

Die Bewegung des Lichts?

2. Stimme (ebenso)

Nein…

1. Stimme

Die Bewegung des Wassers

2. Stimme (ebenso)

Nein.

1. Stimme

Die Erinnerung…?

2. Stimme

Ach, vielleicht … vielleicht …

Nicht exklusive Abdruckgenehmigung für:

Textauszug aus: Marguerite Duras, Nathalie Granger und die Frau vom Ganges.

Aus dem Französischen von Andrea Spingler. S. 147

© Surkampverlag Frankfurt am Main 1994

Eine sehr denkwürdige Fahrt

11. September 2001

Gerade fahre ich auf der Autobahn Richtung Île d’Oléron, als ich das Radio etwas lauter stelle - plötzlich zieht es meine ganze Aufmerksamkeit auf sich - ein Flugzeug hat das World Trade Center gestreift. Heißt es. Wie, was, wie geht denn das? Unmöglich, denke ich. Das kommt schon sehr komisch daher. Es ist schon viel passiert, aber das kommt mir doch etwas komisch vor. Nochmal, ein Flugzeug streift das World Trade Center. Ich begreife es nicht. Wie ist das möglich? Das gibt’s doch nur im Film, das ist doch nicht die Realität. Eine gute Idee für einen Film, aber mehr auch nicht. Es ist kurz nach 14.00 Uhr. Ein denkwürdiger Tag, denke ich. Ich bin auf dem Weg nach Frankreich und ein Flugzeug streift das World Trade Center. Na ja, gut, in ein paar Tagen ist das wieder vergessen. Die Gazetten haben einen dollen Aufmacher und am nächsten Tag wird wieder über die Haushaltsdebatte diskutiert und geschrieben und gewörtert.

Da wird jetzt ein paar Tage los gewörtert und es endet in der Alltäglichkeit des Alltags. Die Musik dudelt ihr Gedudeltes, längst Gedachtes, so vor sich hin. Gedanken schießen mir durch den Kopf - ich denke an eine kleine Cessna oder so etwas, die vielleicht einen Schaden hatte, und dass es so zu diesem Unglück kam. Es interessiert mich aber doch etwas mehr. Normalerweise stelle ich auf solchen Fahrten all diese äußeren Kommunikationsfaktoren ab, um endlich zur Ruhe zu kommen, damit der ewig andauernde Stress, diese von außen auf mich einprasselnden, ständig bedudelnden Wörter und Töne, Töne und Wörter, dieses geplapperte, inhaltslose Plappern, gedachtes Plappern, endlich ein Ende hat. Damit das Getönte etwas aufhört. Endlich etwas ausruhen, stop it all, and all and all, stop it, nur Ruhe.

In etwa überschlage ich die Stunden, die mir bleiben, damit ich neue Informationen bekomme. Was ist das, was trifft mich da? Mein Wagen fährt mit ruhigen 140 km/h über die Autobahn. In circa zwei Stunden werden die Informationen dann doch etwas, Gott sei Dank, etwas rarer sein - ich bin in einer fröhlichen und ausgelassenen Stimmung, die mir Spaß macht, denke ich - verflucht! In zwei Stunden lassen die deutschsprachigen Informationen nach, schießt es durch meinen Kopf.

Freiburg, Mülhausen, Belfort, Besançon, dann wird es wirklich schwierig, einen Sender zu finden. Ich denke noch mal über meine Route nach. Zwanzig-Uhr-Nachrichten sehen können. Das wäre schon schön. Das klappt aber nicht - ich habe noch 500 km vor mir. Über die Rue Nationale, das ist unmöglich, das schaffe ich nie. Kurze Zeit später, ich drehe den Knopf etwas lauter. Ein zweites Flugzeug streift das World Trade Center, heißt es.

Das gibt’s doch nicht. Jetzt begreife ich gar nichts mehr. Ein Gedanke schießt mir durch den Kopf: Das ist kein Zufall! Nein, ach was, jetzt haben sich die schnellen Nachrichten vertan. Über DPA ist wahrscheinlich die eine Meldung reingekommen und die andere über AFP. Das hat sich jetzt überschnitten und da ist eine Dublette reingerutscht. Eine klassische Feriendublette der Anfänger. In der Ferienzeit ist so was schon mal möglich, denn dann sitzen die Hospitanten an den Tickern und nehmen die Meldungen entgegen. Der unwissende Hospitant kennt doch den Unterschied von DPA und AFP nicht so genau. Der überbordende Eifer und die tolle Schlagzeile der neuesten Nachricht, die Begeisterung des Neuen können schon mal aus eins zwei machen. Es sei ihnen vergeben.

entre dos tierras

te puedes vender

cualquier oferta es buena

si quieres poder

qué fácil es

abrir tanto la boca para opinar

y si te piensas echar atrás

tienes muchas huellas que borrar

déjame

que yo no tengo la culpa de verte caer

si yo no tengo la culpa de verte caer

pierdes la fe

cualquier esperanza es vana

y no sé qué creer

pero olvídame,

que nadie te ha lamado,

y ya estás otra vez

déjame

que yo no tengo la culpa de verte caer

si yo no tengo la culpa de verte caer

entre dos tierras estás

y no dejas aire que respirar

entre dos tierras estás

y no dejas aire que respirar

déjalo ya

no seas membrillo y permite pasar

y si no piensas echar atrás

tienes mucho barro que tragar

déjame

que yo no tengo la culpa de verte caer

si yo no tengo la culpa de verte caer

entre dos tierras estás

y no dejas aire que respirar

entre dos tierras estás

y no dejas aire que respirar

déjame

que yo no tengo la culpa de verte caer

si yo no tengo la culpa de verte caer

entre dos tierras estás

y no dejas aire que respirar

entre dos tierras estás

y no dejas aire que respirar

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