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.... aus den Tagebüchern

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© 2016 Thomas Michels

Umschlaggestaltung / Illustration: Thomas Michels

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN: 978-3-7345-7866-3(Paperback
978-3-7345-7867-0 (Hardcover)
978-3-7345-7868-7 (eBook)

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Inhaltsverzeichnis

Veneto

4/2002 Valencia, La Rotonda

Venedig, Isola Vignole

Venedig, Canale grande

Valzansibo, Irrgarten aus

Padua, Antonio hilf

Euganeische Hügel, Una festa

Florida

2/2003 North Captiva, Schneller Segler

Thou Felix USA

Irland

6/2003 Kilcar, Zufällig Zaungast

St. Gallen

4/2004 Bahnstation Bangor

Madeira

5/2005

Köln

6/2005 Große Verfugung

7/2007 Outlet Gesine Moritz

Schmitzhöhe, abgebrannt

Florenz

3/2008 Markthalle

Köln

6/2008 Dein Lachen, so metastasenfrei

Ägypten

2/2009 Cheops

Frau Morin

Nancy

10/2009

Kopenhagen

3/2010 Jalousielamellen

Paris

4/2010 escaliers d´argent

Prag

6/2010

Stockholm

3/2011 Blick ohne Augen

Teneriffa

9/2011 Zweitausend und elf

Urlaub im Schall

Venedig

10/2011 Isola San Michele

Isola Murano

Isola San Erasmo

Teatro Malibran

Köln

11/2011 Der Weg so schwer

Touraine

6/2012 La Devinière

La Moulonière

Köln

7/2012 Renzo Piano

Istanbul

10/2012 Stephans 40.

Florida

11/2012 Dels 90.

S. Petersburg

12/2012 Literaturnoie

Mihailowski Theater

Toskana

4/2013 Pienza

Spanien

10/2013 Madrid Caixa Forum

Guadalupe

Salamanca

Köln

11/2013 Tür, Weißquadrat

Rumänien

4/2014 Sibiu Hermannstadt, Bogdan

Czernowitz, Celan

Durch weiche Wattewolken

Friendship

7/2014 Never before

Köln

7/2014 Mit Montaigne einen Sommer

Spanien

10/2014 Pulsierende Fülle

Valencia, Callatrava

Stierkampf

Portbou, Hoffnungsferne

Norwegen

3/2015 Rondane, Es glitzern die Fernen

Hunde im Schnee

Hinein in die Spur

Fahl leuchtendes Nordlicht

Alles weiß, das Licht diffus

Stabskirche Ringebu

Holmenkollen

Balkan

4/2015 Thessaloniki, Stadt im Dunkel

Vergina, Persephone

Kastoria, Nachtfalter am Tag

Köln

6/2015 Franziska

Schweiz

6/2015 Ittingen, Kartause

Köln

7/2015 Bebaucis

Leipzig

7/2015 Thomas Kirche, Bach

Gohliser Schlösschen

Dinslaken

8/2015 Zeche Lohberg, Accattone

Essen

8/2015 Zeche Zollverein, Orfeo

Köln

8/2015 Dom, Orgelkonzert

Zillertal

9/2015 Herr Ebermann

Innsbruck

9/2015 Café Sacher

Köln

11/2015 Wie ein Ghasel

Jürgen

Klaus Brauch

Köln

1/2016 Schnell dahin ins neue Jahr

Der Tod ist ein Meister aus

Norwegen

3/2016 Hundeschlitten im Rondane

Edward Snowden Ballad

Zürichsee

3/2016 Ufnau, Haiku, Osterspaziergang

West Sizilien

5/2016 ICE 5513

Palermo, Zisa

Marsalla, Zwischenstopp

Colle di Sant´Angelo

Starnberger See

6/2016 München, Kunsthalle, Sorollas Licht

Roseninsel

Dießen, Marien Kirche

Nord Jüttland

7/2016 Rubjerg Knude, Wanderdüne

Köln

8/2016 Spielplatz, Sebastian

Provence

9/2016 Malaucène

Berlin

10/2016 Krausnick Park

Köln Hürth

11/2016 Böhm Chapel, Philip Glass

Freitag, 12.4.2002, Bassano di Grappa, Veneto

...aus dem Badezimmer heute Morgen:

„muss man denn so grässlich alt werden?“

Beate lässt mich 60 Kerzen pusten,

Pu – Pu – Pu – Pu – Pusteblume!

Es regnet; ab nach Vicenza:

Teatro Olimpico di Andrea Palladio,

erstes freistehendes, autonomes Theatergebäude

seit der Antike in Europa;

Piazza dei Signori mit Blick auf die Basilika

mit den Arkaden von Palladio;

und nochmals Palladio:

La Rotonda! wenn auch nur von außen!

Kreis und Quadrat
Quadrate zum Kreis
Kreis deckt Quadrat
Quadratur im Kreis
Kreisquadrat

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Goethe in Vicenza, Italienreise 1786-88:

>Heute besuchte ich das Prachthaus, die Rotonda genannt. Es ist ein viereckiges Gebäude, das einen runden, von oben erleuchteten Saal in sich schließt. Vielleicht hat die Baukunst ihren Luxus niemals höher getrieben.<

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Samstag, 13.4.2002, Venedig

Aufbruch nach Venedig! Endlich Sonne! Über die Ponte de la Liberta zum Piazzale Roma; das Auto auf den 10. Stock; 13-14 Millionen Besucher pro Jahr! Zunächst ein Wochen-Abo auf alle öffentlichen Verkehrsmittel; dann mit dem Vaporetto zur Ponte Giuglio am Canale Cannaregio. Dort liegt unsere Wohnung im ersten Stock: Blick auf das gegenüberliegende, große Gymnasium mit seinen Massen an Schülern und auf den Canale, voller Verkehr und gluckernd, in der Sonne!

Nachdem wir uns eingerichtet haben, folgt ein Bummel durch Cannaregio. Gleich hinter dem Haus das Ghetto, das erste in Europa, bzw. der Namensgeber für jüdische Viertel überhaupt, genannt nach den Eisengießereien, die hier direkt an das Viertel angrenzten (ghettare = gießen!). Hier wollte sonst niemand wohnen!

Dann in der Sonne träumerisch, wässrig verfallender Alltag. Plötzlich stehen wir vor Tintorettos Haus mit seinen Steinmohren. Um die Ecke liegt Santa Maria di Orto, voller Tintorettos. Ich mag ihn eigentlich nicht. Die Giovanni Bellini Madonna, derentwegen Josef Brodsky (Ufer der Verlorenen) diese Kirche sogar nachts aufsuchte, wurde leider gestohlen.

Abends noch einmal mit der linea cinquantuno zum Lido und zurück zum Anleger San Pietro – ma, linea quarantuno non va! Ritorniamo con l´ultima cinquantuno vorbei am Ospedale und am Cimitero San Michèle zur Ponte Giuglio!

Venedig

Nacht

Schwankender Ponton
San Pietro
fehlender Anschluss
auf diesen Felsen
nicht betätigte Haltestelle!

Sonntag, 14.4.2002, Isola Vignole

Sonne! Mit dem Vaporetto, Linea tredici, nach Vignole: das ist Frühling; aufbrechendes, duftendes, frisches Grün, Wärme, Amselsang, Venedig weit weg über das Wasser, in einem Garten auf Gänseblümchenwiesen das Mittagessen. Beate ist glücklich! Danach Burano con la sua ricamatrice, touristisch, schrecklich und Torcello mit dem ältesten Bau der Lagune, Santa Maria Assunta, 639!, und der sehr schönen, romanischen Rundkirche, Santa Fosca, die sehr an die Rotonda erinnert.

Isola Vignole
al pieno sole
nel un giardino
piacevole
heute

30 Jahre mit Beate
durchwachsen, glückhaft
plötzlich bewusst
an einem grünen Wasserkanal
wieder im Frühling

Donnerstag, 18.4.2002, Venedig

Strahlendes Wetter, passend zur herrlichen Ca`d´Oro mit seiner erholsam geschmackvollen Galleria des Giorgio Franchetti. Besonders erinnerlich Tizians Venus. Später vorbei an der großartig streng gegliederten Fassade der Fabbriche Nuove, zwischen Fischmarkt und Rialto-Brücke von Jacopo Sansovino (1486-1570); dann Einkaufsbummel im sestiere San Polo; später in Cannaregio am Fondamento degli Ormesini hinter de Campo des Ghetto Nuovo italienisch-familiäres Abendessen mit Pollo in Rosmarin.

Canale grande

al buio

im Dunkel

müde zurück

Barken

in Schräglage

i vaporetti

beladen mit Menschen

wie damals

am Ganges

Benares

vergänglich

verwesend

Freitag, 19.4.2002, Venedig

Kaffee trinken im Museo Correr mit Blick auf den Markusplatz wie weiland Nietzsche:

Die Tauben von San Marco seh ich wieder:

still ist der Platz, Vormittag ruht darauf,

in sanfter Kühle send ich müßig Lieder

gleich Taubenschwärmen in das Blau hinauf –

und locke sie zurück,

noch einen Reim zu stecken ins Gefieder:

– mein Glück! mein Glück!

Partenza di Venezia,
auch der feste Boden
schwankt schon
unter den Füssen,
all über all

Motorenlärm und Wassergluckern
in der Luft.

Samstag, 20.4.2002, La Montecchia

Vom Schlafzimmer aus sehen wir nun veramente auf die Zinnen der Villa Emo Capodilista di Dario Varotari, und das Wappen der Capodilista prangt auf unserer Schlafzimmertruhe. Alles ist sehr gepflegt und ordentlich. Am Abend noch durch die Colli Euganei zum höchsten Aussichtsgipfel, der Madonna della Salute.

Sui prati, davanti la casa del prete
al castello della Montecchia
siamo arrivati finalemente
Entspannung beginnt,

Venedig lässt los.

Sonntag, 21.4.2002, Valsanzibo

Von Montecchio fahren wir zur Villa dei Vescovi in Luvigliano. Doch sie ist geschlossen. Also weiter in Richtung Villa Emo in Rivella, Monselice („the villa belongs to a cousin of ours!“). Doch auf dem Weg dorthin plötzlich rechter Hand auffallend prachtvoll das Wassertor zur Villa Barbarigo in Valsanzibo; in voller Sonne die parkartige Gartenlandschaft mit ihrer Renaissance-Villa, den Wasserspielen und dem rechtwinkligem Buchsbaum-Labyrinth, ein unerwartetes Ereignis.

 

Irrgarten aus Buchsbaum

im Nachbargang Du

zwischen uns laufen

die Bäume uns zu

noch ein Eck

noch ein Eck

noch ein Eck

doch Du

Du bist nie

nie bist Du weg

die Hecke trennt räumlich

nicht Sprache

nicht Sicht

so sehn wir uns ständig

im Heckenzwielicht

ich will Dir begegnen

wir gehen gleichauf

die Hecke jedoch

sie trennt unsren Lauf

von Ecke zu Ecke

im Heckengeviert

bis eine der Ecken

mich zu dir führt.

 

Montag, 22.4.2002, Padua

Heute ging es nach Padua. Erstes Ziel, die frisch renovierten Giotto Fresken in der Capella degli Scrovegni. Aber dort ist kein Hineinkommen! Also ein Bummel durch die Stadt mit Marktbesuch, Einkauf und zur San Antonio Basilika. Hinter seinem steinernen Sarkophag stehen die Leute, legen ihre Hand fest auf den Stein und schütten ihr Herz aus und die Augen.

Antonio

hilf

hilf meiner Pein

wer hilft mir sonst

nur Du allein

zu Dir flieh ich

verberge mich

an Deinem Stein

und wein

Zum Kaffee, den wir an einem der Tische vor dem Restaurant irgendwo in Padua genossen, stellte uns der Wirt mit grandezza einen Teller mit 4 Mini-„Berlinern“ auf den Tisch und den Worten: „un regalo di San Antonio“! Wir ließen sie uns schmecken und wurden abschließend dafür abkassiert. So beschenkt man sich selbst nach dem frommen Spruch: „gebet, und Euch wird gegeben!“

Donnerstag, 25.4.2002, Euganeische Hügel

Heute war italienischer Nationalfeiertag. Man war auf den Beinen, sprich Reifen: una festa sui prati! Una bella compagnia in den Euganeischen Hügeln; alla familiare: die Autos stehen im grünen Grund, daneben, drum herum wird gelagert, gelebt... der Kuckuck ruft!

Una festa sui prati,

Freunde, Freude, fröhlich, feiern,

Friede, Freiheit, Phantasie,

lachen, loben,

lächeln, lieben,

trinken, treten, turnen, tollen,

treiben, trudeln, tändeln, tanzen,

schmausen, schmatzen, schmecken,

schlecken, schnalzen, schnüffeln,

schmusen, schlafen.

Montag, 24.2.2003, North Captiva, Westküste Floridas

Die Betten sind gut; überall Moskitonetze in den Fenstern und rundum die überdachte, große Terrasse im 2. Stock über den Palmenwipfeln. Parterre steht das Haus auf hohen Stelzen; im 1. Stock, in Höhe der Palmenwedel, wird geschlafen, darüber gewohnt. Alles ist sehr gepflegt. Es gibt keine Autos, nur Elektro-Golfkarren. Wir haben auch einen und damit eine Besichtigungstour absolviert und schon alles gesehen. Entspannung tritt ein.

Mittags Spaziergang entlang der Karibikküste nach Süden – Sandstrand – Lagerung im Schatten lichter Tamariskenwälder – traumhaft ruhig. Seemöwen, weiß, elegant, schlank mit spitzen, langen Flügeln, immer in Bewegung, schnell in die Luft, plötzlich abbrechend, kippend drehend, senkrecht nach unten wie ein Pfeil, ein glattes Geschoss, ins Wasser und sofort wieder heraus und geflogen, ohne Ermüdung und Pause, wie fremdbestimmt.

schneller Segler

denk nicht

flieg

schieß dahin

denk nicht

stürz

hinab

denk nicht

tauch

hinauf

denk nicht

flieg

erfüll dich

Dienstag, 25.2.2003, North Captiva

Ich könnte schon wieder dämmern und schlafen in dieser tropisch lauwarmen Luft auf der Loggia in Mitten der Palmen, im grünen Gewoge mischt sich das Rauschen der Palmenwedel im Wind mit handwerklichem Klopfen und Hämmern aus Nähe und Ferne

king size

Komfort

zwei Nummern zu groß

wie alles hier

wenn’s nicht klappt

machen wir’s größer!

if you fail
try it again
make it bigger!

Montag, 3.3.2003, Miami

Seit 3:30 Uhr am Steuer dieses gemieteten Reiseschiffs, dieses amerikanischen „Kleinwagens“; die Mitbesatzung schläft tief. Ich, Kapitän am Steuer, in fremdem Land und dunkler Nacht, das Tempo auf 80 Meilen per hour festgemacht. Um 7:30 Uhr müde in Miami; pancakes with blueberries and coffee; Koffer zum Aqua Hotel; dann Geld besorgen: armes Amerika, wie bist du doch erbärmlich auf unterster Stufe organisiert? Jetzt schlummern wir entspannt im Schatten von Palmen.

thou felix USA

country of contrasts

highly sophisticated

touching

even the moon

with it’s toe

but from the desk

of a bank office reigned

in analphabetic performance

Sonntag, 22.6.2003, Sligo, Irland

Um 12:15 Uhr Aufbruch zum Benbulben, dem majestätischen Tafelberg hinter unserem Haus: blühende Fuchsienhecken, Fingerhut, Lonicera/Geisblatt, Lerchen in der Luft und Schafsmeckern aller Orten, Kaninchen, grüne Matten, Binsenbüschelinseln, knorrige Rotdornbäumchen und ein Vogelperspektivenblick!

Weit im Norden hinter dem Meer hoch in den Wolken eine Fata Morgana, eine Gebirgssilhouette, losgelöst, unwirklich, wie ein schwarzer Wolkenkamm – eine Insel? So gewaltig gibt es dort keine! Nein, es ist der Slieve League Kamm, 600 m hoch, westlich von Killybegs. So weit springt Irland im Norden noch mal gen Westen vor! Vielleicht werden wir morgen dort sein?

Auf dem Rückweg: Pullover auf der Strecke, ebenso Handschuh und ein Häschen auf dem Weg mit offenen Augen, wie tot, aber noch zuckend – es stirbt gerade.

brechenden Auges

noch zucken die Glieder

preisgegeben

auf offenem Weg

Körperlichkeit

erbarmungslos

bald aber

 

Montag, 23.6.2003, Trinity College Dublin, Book of Kells

Pangur Ban
written by an Irish monk at St. Gallen in the 9
th century

I and Pangur Ban my cat

’tis a like task we are at:

hunting mice is his delight,

hunting words I sit all night.

Better far than praise of men

’tis to sit with book and pen;

Pangur bears me no ill will

he too plies his simple skill.

Often times a mouse will stay

in the hero Pangurs way;

often times my keen thought set

takes a meaning in its net.

’Gainst the wall he sets his eye

full and fierce and sharp and sly;

’gainst the wall of knowledge I

all my little wisdom try.

Practice every day has made

Pangur perfect in his trade;

I get wisdom day and night

turning darknes into light.

Dienstag, 1.7.2003, Kilcar

Das Wetter leicht bewölkt bis sonnig: wir entschließen uns zu einer Tour, und den geplanten Ruhetag zu verschieben; wie gut!

Wir fahren nach Osten. Vor Kilcar ist die Straße wegen eines Beerdigungszugs gesperrt, der gerade des Wegs kommt. Wir stehen ganz vorne: Hunderte!!! von Menschen aller Altersgruppen folgen dem Sarg. So eine riesige Beerdigung haben wir noch nicht gesehen und fragen einen Polizisten, welche Persönlichkeit gestorben sei? Es war Buddy, ein Jugendlicher von 20 J., in a road accident! Die Anteilnahme ist hier größer als in anderen Teilen Irlands, wie wir später im Museum von Gleann Cholm Cille – Glencolumbkille lesen. Die Namen der Orte – ob gälisch oder englisch sind nicht festgeschrieben – es empfehlen sich genaue Karten! So fahren wir zunächst an Teelin vorbei direkt zum Museum (s. o.), das sehr eindrucksvoll von Father McDyer errichtet wurde.

Bei tollstem Sonnenwetter dann zurück nach Teelin zu den Cliffs mit phantastischem Ausblick auf die Steilabbrüche des Slieve League in´s Meer – und jenseits des Meers auf die Hügelketten der Irischen Nordküste inclusive den Benbulben, von dem aus uns am 22.6.2003 der Slieve League Kamm wie eine Fata Morgana aus vorgelagerten Wolken auftauchte.

Wir laufen noch etwa auf 350 m an den Klippen hoch auf federndem Torfboden und kehren erfüllt zurück nach Grange.

zufällig Zaungast

warten Sie

gleich geht es weiter

so dicht gesteckt all die Blumen

so viele Füße auf dem Asphalt

der Zug so lang

so blau der Himmel

wem gilt das

nur einen Augenblick

ein Hauch nur

ein Lebenshauch

Mittwoch, 2.7.2003, Sligo

Äußerst später und liebreicher Tagesbeginn – wie gut, dass wir gestern das Traumwetter beim Schopfe ergriffen.

Heute ist es irisch bedeckt; Benbulben drohend bewölkten Haupts und krauser Stirn. Wir feuern den Kamin, fahren später nach Drumclif zu Yeats Grab, nehmen versteckt mit Hand und Fingern Maß an seiner Grabinschrift, weil aus dem horseman, der doch gar nicht mehr zeitgemäß (und ja auch bypassen soll), würden wir gerne einen walkman machen. Gestern Abend, leicht alkoholisiert, konnten wir uns darob ausschütten vor Lachen.

Wir entschließen uns dann doch stattdessen, pietätsvoller zu milkcoffee mit rewbarb crumble cake in der Sonne vor dem Café mit Blick auf das Grab. Später in Sligo in einer herrlichen Buchhandlung gebrauchter Bücher kauf ich Robinson Crusoe und „the poets manual and rhiming dictiona“ von Francis Stillmann. Noch später am Kamin Rotwein und Lammkotelette mit Röstbrot, Halmaspielen und liebreichem Tagesabschluss.

Cast a cold eye
on life, on death,
horseman pass by!

William Butler Yeats

Mittwoch, 7.4.2004, Köln, gen Süden!

Um 7:10 Uhr sitzen wir ohne Frühstück im Auto gen Süden. Als wir den Hunsrück hinab in die Rheinebene verlassen, blaut der Himmel, und Fernweh beseelt, und – oh Glück! – wir kommen ihm in unserem schnellen Gefährt voll nach! Wann denn kann man das schon, diesen Wunsch auch erfüllen? Vorbei an den schneebedeckten Vogesen nach Schopfheim zur Schwester und später nach Kandern zu Kerstan. Drei sehr schöne Vasen werden gekauft. Kerstan selber in verhaltener Bauernschläue, der Künstler in Raten, fast knauserig, lugt aus seinem Loch wie ein Fuchs.

Donnerstag, 8.4.2004, St. Gallen

Wir trafen Christoph in der Uni St. Gallen, Block B, Cafeteria um 15:30 Uhr, ein Neubau: Wabenstirnganzraumverglasung; jede Wabenscheibe in einem anderen Stellwinkel in einer Fassade, zigfach zerhöckert und geknickt, ab und an auch uns Vorübergehende reflektierend. Das Ganze, zentrifugal geschleudert, entweicht ihm tropfend das Hirnschmalz wie Honig! Später von den drei Weihern oberhalb der Mühlenbachschlucht der Blick hinab auf St. Gallen und den Bodensee in voller Sonne.

Bahnstation Bangor

Mühlenschluchtwucht

Unmutter Ur-

nackte Gewalt

kinetische Kraft

Betonrohr bändigt

Statik erstarrt

sanft das Alphorn

am Weiher

melodisch

Dienstag nach Pfingsten, 17.5.2005, Madeira

Unser Haus: portugiesisch klein gequadert, streng, bescheiden aber selbstbewusst, klar gegliedert, zurückhaltend, in Mitten hoher Bananenstauden, die ihre samtsatten, grünen Blattovale bis an das Haus entrollen, und in deren Grün ich vom Balkon aus meine Nase riechend reibe. Wir schwelgen in Genüssen mit den Augen, mit den Ohren, der Nase und dem Gaumen. Die Hähne krähen, Unken tönen klagend, und vorher, als es noch hell war, erfreuten uns Kanarienvögel rund um das Haus. Gegenüber die Hänge über Ribeira Brava baden in der Abendsonne, deren Glut von einem Fenster der Häuser vor den Klippen des Cabo Girão auf uns geworfen wird, erstaunlich lang bis in die Dämmerung hinein, als schon längst die orangenen Straßenlaternen zwischen den Häusern der gegenüberliegenden Hänge herüberglänzten, sodass man plötzlich glauben musste, es könne nur ein Feuer diesen anhaltend hellen Glanz verursacht haben. Ob wir das Haus zu diesem Fenster drüben aufstöbern könnten?

Während ich das auf dem Bett liegend schreibe, klingt durch das offene Fenster Hundegekläff von den Häusern weit unter uns am Hang herauf. Ich fühle mich ländlich geborgen.

Mittwoch, 18.5.2005, Funchal, Madeira

Im Café waren uns 17 € für die Seilbahntalfahrt angekündigt worden. Dann stießen wir aber auf einen seit einer Viertelstunde schon geschlossenen Fahrkartenschalter. Die Bahn lief aber noch im „Leerlauf“, und ein Angestellter der Bahn erklärte uns freundlich, dass wir leider keine Tickets mehr lösen könnten, wozu er eigens für uns Erkundigungen einziehen ging und uns bedeutete, wir müssten wohl den Bus nach Funchal nehmen. Da das nicht einfach erschien, vor allem da dieser nur selten fuhr, wagte ich noch einen zweiten Versuch, ob wir denn nicht das Fahrgeld einfach ihm selbst entrichten dürften, ausnahmsweise, um doch noch in den Gondelgenuss zu gelangen. Er zögerte, holte nochmals Erkundigungen ein und erklärte zurückkommend dann strahlend, wir dürften ...

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