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Zwölf Vorlesungen

Inhalt:

Vorwort

Erste Vorlesung

Affe, das war einmal

Zweite Vorlesung

Ich esse für mein Leben gern

Dritte Vorlesung

Sprache, Sprechen und was dazugehört

Vierte Vorlesung

Des Menschen Bürde, meine Last

Fünfte Vorlesung

Glaube, Religiosität und Sinnfindung

Sechste Vorlesung

Wissen wollen

Siebte Vorlesung

Alle reden von der Umwelt

Achte Vorlesung

Bitte nicht quälen und töten!

Neunte Vorlesung

Ich, mein Gehirn

Zehnte Vorlesung

Leben, das größte Wunder

Elfte Vorlesung

Mit der Zeit gehen

Zwölfte Vorlesung

Menschentum

… und Affentum

Schlusswort

Erläuterungen

Vorwort

Ein gewesener Affe berichtet vor der Akademie. Was für ein unglaubliches Geschehen! Er berichtet leibhaftig darüber, wie es ihm gelang, in einer beispiellosen, »vorwärtsgepeitschten Entwicklung« in die Menschenwelt einzudringen.

Diese Erzählung von Franz Kafka ist vor einhundert Jahren mit dem Titel Ein Bericht für eine Akademie in der Zeitschrift Der Jude veröffentlicht worden. Wegen ihres fantastischen Inhalts erregte sie vielerorts Aufsehen.

Der menschgewordene Affe berichtet, dass er sich nach seiner Gefangennahme durch eine hagenbecksche Jagdexpedition kühn dafür entschieden hatte, sein Affendasein hinter sich zu lassen, um nicht im engen Käfig zu verrecken. Er wollte »weiterkommen, weiterkommen … nur nicht stillestehen«, nahm alles Menschenaffenmögliche auf sich, überwand sogar seine Abscheu gegen die Schnapsflasche und hatte mit seinen Auftritten im Varieté »kaum noch zu steigernde Erfolge.«

Für ihn bedeutete das nicht Freiheit, aber er hatte so seinen Ausweg gefunden, den Menschenausweg. Das »Eindringen der Wissensstrahlen von allen Seiten ins erwachende Hirn« beglückte ihn und angetrieben von bis zu fünf Lehrern gleichzeitig, erreichte er schließlich die Durchschnittsbildung eines Europäers. Das verleitete ihn in seinem Bericht für eine Akademie zu der Feststellung: »Ihr Affentum, meine Herren, sofern sie etwas Derartiges hinter sich haben, kann ihnen nicht ferner sein als mir das meine.«

Die Zeilen Kafkas hatten mich in meiner Wahlheimat Bolivien beflügelt, sie ins Spanische zu übersetzen, durch einen ökologischen Zusatzteil1 zu ergänzen und in Sucre und anderen Städten des Landes als Monolog aufzuführen. Und sie haben mich schließlich dazu inspiriert, den in die Menschenwelt eingedrungenen und in sie integrierten früheren Affen neu erzählen zu lassen – offen berichten zu lassen über seine heutigen, oftmals seltsamen und skurrilen Erfahrungen mit den Menschen. Und das längst als außergewöhnlicher Mit-Mensch, als Homo sapiens milagrensis, also als weiser wundersamer Mensch, der mittlerweile zum erlauchten Kreis der Gelehrten gehört, das menschliche Treiben aufmerksam beobachtet und bedächtig und freimütig beurteilt. Sein noch feines, ursprüngliches Gespür und Empfinden verhelfen ihm dazu, die Menschenwelt heute scharfsinnig zu ergründen und ganzheitlich wahrzunehmen.

Daraus sind Zwölf Vorlesungen für eine Akademie geworden.

Sucre, Bolivien im März 2019

Erste Vorlesung

Affe, das war einmal

Meine sehr verehrten Damen und Herren von der Akademie. Ich betrachte es als eine große Ehre, meine Vorlesungsreihe heute hier mit Ihnen beginnen zu dürfen. Mein aufrichtiger Dank gilt Ihnen und den zahllosen Menschen, die dazu beigetragen haben, dass ich es so weit bringen konnte. Und lassen Sie es mich gleich zu Anfang sagen: Ich, gewesener Affe, bin endgültig in der Menschenwelt angekommen! Und ich fühle mich wohl in ihr; ja, ausgesprochen wohl, auch hier bei Ihnen und mit Ihnen.

Aber zehn Jahre mussten vergehen – zehn lange und beschwerliche Jahre nach meiner Gefangennahme an der Goldküste durch die Jagdexpedition Hagenbeck – bis zu diesem denkwürdigen Entwicklungspunkt. An ein Zurück zu meinem Affendasein ist jetzt nicht mehr zu denken. Selbst äußerlich bin ich ziemlich Mensch. Also, mein Aussehen, meine Erscheinung, mein kaum noch äffisches Benehmen, ja sogar meine spontanen Reaktionen erscheinen mittlerweile so angepasst und vermenschlicht, dass heute nur noch der aufmerksame Beobachter meine überwundene Affennatur erkennen kann. Ich bin sicher, Sie werden mir da beipflichten!

Und das alles, obwohl ich mich nicht verstelle. Ich bin nämlich vorangerast, so wie das keiner meiner ersten menschlichen Aufpasser und Lehrer, nicht einmal in seinen kühnsten Träumen, hatte erwarten können. Meine persönliche Evolution war eben sprunghaft. Sie als ehrenwerte Mitglieder der Akademie werden sagen: Meine Entwicklung war ontogenetisch und phylogenetisch zugleich. Und sie hat wunderbarerweise nicht vor meiner intellektuellen Entfaltung Halt gemacht.

Hatte ich seinerzeit beim Vortragen meines ersten Berichts für die Akademie schon die Durchschnittsbildung eines Europäers erreicht, gehöre ich heute längst zum erlauchten Kreis der Gelehrten. Und das gerade einmal eine Dekade nach den frevelhaften Schüssen auf unsere Schimpansengruppe und meine Gefangennahme. Ich habe eben viel gelernt und in meinem Fall so rücksichtslos, dass die Affennatur, sich geradezu überkugelnd, aus mir hinausraste, wie ich es schon seinerzeit erläutert hatte.

Das alles erscheint mir rückblickend so verrückt, dass es mich drängt, mich Ihnen mitzuteilen. Das hilft mir auch, meine Situation besser zu verstehen. Entsprechend halte ich regelmäßig Vorträge, meist vor gelehrigem Publikum, vor allem zu meiner Biografie, und das tue ich für mein Leben gern. Da bin ich unter Leuten. Und wenn die Zuhörerschaft aufmerksam bei der Sache ist und einfach interessiert nachfragt oder gar meine Darstellungen kritisch hinterfragt, sprudeln meine Gedanken und Ideen nur so aus mir heraus. In solchen Momenten fühle ich mich wohlig in der Menschenwelt des Verstandes und der Vernunft. Ich gehe sogar so weit zu sagen, dass ich die Menschen lieben gelernt habe; ich bin ein richtiger Philanthrop geworden. Wer hätte das gedacht?

Für heute erwarte ich allemal interessante Diskussionsbeiträge zu meiner ersten Vorlesung. Jedenfalls sagte mir eben noch ein Kollege vom Hamburger Tierschutzverein an der Garderobe des Auditoriums, dass mir meine freudige Erwartung auf die akademische Runde schon deutlich anzumerken sei.

Doch ich möchte weiter ausholen: Niemand konnte ernsthaft damit rechnen, was mir widerfahren ist und was ich erreicht habe – am wenigsten ich. Als Affe im Käfig war es zuerst wohl auch nicht mehr als eine wahnwitzige Idee von mir, den Menschenausweg zu suchen. Kein Affe vor mir und keiner nach mir hat Ähnliches auch nur gewagt zu denken.

Aber, warum eigentlich nicht? Es heißt doch, dass bei Schimpansen und Menschen nahezu 99 Prozent der Gene übereinstimmten. Somit könnte man schlussfolgern, dass die Artgrenzen zwischen Affe und Mensch gleichsam verschwimmen und Schimpansen eigentlich fast Menschen sind beziehungsweise Menschen fast Schimpansen.

In diesem Sinne argumentierte auch mein Doktorvater aus Berlin2, wenn er anmerkte: »Nein, der Mensch stammt nicht vom Affen ab – er ist einer.« Der abgeleitete Schimpansenname nach dem Bantuwort Kivili-chimpenze deutet ja auch darauf hin: Schein-Mensch heißt es da übersetzt.

Könnten sich somit im Prinzip alle meine alten Artgenossen auf meinen Entwicklungsweg begeben? Nein, dem ist dann doch nicht so! Da hat es genügend, allesamt gescheiterte Versuche gegeben, Affen genuin menschliche Eigenschaften anzutrainieren, wenn auch schon erstaunlich viel Menschentypisches an Affen zu erkennen ist. Beliebt sind bei Verhaltensforschern Experimente zum Spracherwerb bei Schimpansen. Mit ihnen und anderen Verfahren wollen die Forscher ergründen, bis zu welchem Maß den nächsten Verwandten des Menschen Vernunft, Bewusstsein und Gewissen zugerechnet werden kann. Zwar konnten einige meiner Affenfreunde schließlich Hunderte von Symbolen beziehungsweise Wörter erlernen, doch kaum bedeutungsträchtig miteinander verbinden. Es handelt sich in der Regel um konditionierten Spracherwerb.

Die Erwartungshaltung der Versuchsleiter geht oft unkontrolliert in die Versuchsbedingungen mit ein. Hier wird deutlich: Die Artunterschiede sind fundamental; die Trennung der Entwicklungslinien zwischen Affe und Mensch liegt ja wohl auch mehr als sechs Millionen Jahre zurück. Neben den gut einprozentigen Unterschieden in der Genstruktur muss man auch bedenken, dass verschiedene Erbgutabschnitte eine unterschiedliche Expressivität haben, wie meine Kollegen betonen, die sich mit Epigenetik beschäftigen. Es kommt somit nicht allein auf die Gene an, sondern auch darauf, wie stoffwechselaktiv bestimmte Genabschnitte sind. Bei allem tun sich zwischen Schimpanse, Pan troglodytes, und Mensch, Homo sapiens, jedenfalls noch Abgründe auf, wenngleich ich persönlich diese durch unendliche Mühen und Qualen auf fantastische Weise überbrücken konnte.

Aber ich bin eindeutig ein Sonderfall, ein einzigartiger Mensch. Bei mir haben sich Anthropologen und Taxonomen darauf geeinigt, von einem gänzlich ungewöhnlichen, ja einmaligen evolutiven Zeitsprung in meinem Dasein zu sprechen und mich als Homo sapiens milagrensis, also als weisen wundersamen Menschen zu bezeichnen.

So wie andere Menschen habe auch ich meine Lieblingsbeschäftigungen. Zu denen gehört bei mir natürlich der Zoobesuch. Allerdings nur dann, wenn ich in Städten verweile und wenig Gelegenheit habe, Tiere und Pflanzen in ihrer eigentlichen Umgebung zu erleben. Ich kenne mittlerweile eine beträchtliche Anzahl von Zoos weltweit. Neben unserem Hamburger Tierpark Hagenbeck kenne ich den Bronx Zoo in New York, den Zoológico Municipal von Santa Cruz in Bolivien, den Accra Zoo in Ghana und viele andere. Wie magisch werde ich immer wieder von den Tiergehegen angezogen und habe auf diese Weise schon manch wichtigen Termin in verschiedenen Städten versäumt. Wenn ich unter Tieren und tierliebenden Menschen bin, sind wir dort sozusagen unter uns. Die Affengehege haben es mir besonders angetan. Von dort müssen mich die Aufpasser abends nach den Öffnungszeiten oftmals regelrecht wegzerren. Einmal habe ich dabei in meiner Erregung einem Zoowärter in die Hand gebissen, bis sie blutete. Das war in Santa Cruz. Zwei Aufseher schleppten mich im Polizeigriff ins Büro des Zoodirektors – aufgebracht und wild gestikulierend. Der Alte wetterte fürchterlich hinter seinem großen Schreibtisch und ich schlitterte haarscharf an einer Anzeige vorbei. Doch es ging nicht ohne lebenslanges Hausverbot. Schade, Pech gehabt, dachte ich noch bei mir. Allein durch die Fürsprache einiger guter einheimischer Cruzeños, die den peinlichen Vorfall mit meiner beispiellosen Tiernähe erklärten, und durch die Zahlung eines Schmiergeldes konnte die Sache schließlich doch noch menschenwürdig bereinigt werden. Bei meinen Schimpansen erkenne ich eben alle Regungen und Bewegungen und weiß ihr differenziertes Minenspiel leicht zu deuten. Sie sind zuweilen unbändig und laut. Sie schreien, bellen und grunzen; das entspricht meiner Natur. Ich versetze mich in ihre Lage, wenn sie sich balgen, um ihren Rang streiten, Futter gegen Kuscheln eintauschen und bedauere dabei insgeheim, dass sie keinen Ausweg gefunden haben, so wie ich – von Freiheit ganz zu schweigen.

Doch mir missfällt in den meisten Zoos, wie eng und monoton die Gehege sind. Menschen, die nie Affen waren, haben keinen richtigen Blick dafür. Ich hingegen weiß gut, was Schimpansen behagt: die unermessliche Fülle von pflanzlichem Grün und wildem Leben wohin man schaut, vom dunklem Urwaldboden bis zu den lichten Baumwipfeln, die ewige Feuchtigkeit des Regenwaldes, die sich auf den Blättern und Blüten in Tropfen fängt, das einzigartige Konzert von Insekten, tropischen Vögeln und all den anderen Tieren des Urwalds, das blinkende Sonnenlicht, wo es seinen Weg durch die Baumkronen findet …

Auffälliges Verhalten der Zootiere in kargen Gehegen ist somit vorprogrammiert. Wie oft musste ich mit ansehen, dass meine Affenbrüder und -schwestern in stereotype Verhaltensweisen verfielen. So liefen sie zum Beispiel an Gittern und Wänden auf und ab, wippten ihre Körper ständig hin und her und zeigten ungewöhnlich aggressives Benehmen. Ich litt mit ihnen, besonders mit denjenigen, die sich selbst schlugen, sich ihre Haare ausrissen oder sich sogar Selbstverstümmelungen zufügten. Dabei ist es ein offenes Geheimnis, dass viele Leidensgefährten medikamentös eingestellt werden, wie es im Fachjargon der Mediziner heißt. Ihre geschwollenen roten Augen verraten es mir. Die Tierärzte wollen so einer Zoose vorbeugen, einer Psychose bei Zootieren.

Indes, Drogen bieten keine Lösung. Grundsätzlich sollten endlich mehr Rechte für Menschenaffen verabschiedet und respektiert werden. Das internationale Great Ape Project, das in den letzten Jahren auch in Deutschland in Schwung gekommen ist, fordert ebendies und ich unterstütze die Initiative, wo ich kann.

Doch bei alledem bleibe ich kritisch. Ich bestehe nicht auf dem Prinzip der Gleichstellung aller Menschenaffen mit dem Menschen, denn ich weiß jetzt, wie anders es ist, Mensch zu sein. Ich fordere vielmehr echte Menschlichkeit beim Umgang mit unseren nächsten Verwandten und wahrhaften Tierschutz.

Beim Beobachten meiner tierischen Gefährten kommen oft alte Erinnerungen aus meiner früheren Affenzeit im Regenwald hoch. Dabei wird mir oft erschreckend klar, dass ich mein tierisches Vorleben fast vollständig verdrängt hatte. Doch es ist nicht unwiederbringlich aus meinem Gedächtnis gelöscht. Erinnerungsfetzen setzen sich langsam wieder zu Bildern aus meiner Kindheit und Jugend zusammen, spannende Bilder, ja Filme, in guten Momenten, wie aus einem anderen Leben. Selbstverständlich vergleiche ich die Affennatur mit meiner, jetzt aus der veränderten Menschenperspektive, und meine Gefühle reichen von Verblüffung bis Bestürzung.

Ich betrachte zum Beispiel die Visage meiner Schimpansenfreunde, ihre fliehende Stirn und die großen Augenwülste. Das missbehagt mir. Wohl deshalb, weil ich schon als junger Affe durch einen vergleichsweise hohen Kopf aufgefallen war. Dadurch war ich anders; ich war gleichsam Außenseiter in meiner Gruppe und schon von klein auf gehänselt worden.3 Doch heute weiß ich, dass ich einfach schlau reagiert hatte: Ich suchte mir ranghohe Tiere in unserer Schimpansengruppe zur Fellpflege aus. Somit war ich automatisch geschützt. Heute weiß ich noch mehr: Meine hohe Stirn hat die Entwicklung meines Frontalhirns und der gesamten Hirnrinde befördert. Meine Vermenschlichung ging somit einher mit dem außergewöhnlichen Sprießen und Vermehren meiner Nervenzellen und deren Verbindungen untereinander in den Hirnregionen, die eine ausgefeilte Sprache und ein ausgeprägtes Gedächtnis ermöglichen. Mein Glück und mein Schicksal.

Als Vierbeiner hatte ich noch eine Art horizontaler, leicht gebogener Wirbelsäule. Meine ersten Lehrer zwangen mich recht bald auf unbarmherzige Weise, mich aufzurichten und gleichzeitig meine Knie durchzudrücken. Dabei erlebte ich unendliche Qualen im Rücken und im ganzen Körper und verfluchte meine Ausbilder. Gleichzeitig merkte ich jedoch bald, wie wundervoll es war, auf den hinteren Läufen zu gehen. Ich ergab mich also in mein Schicksal, bekam meine Hände frei und hatte plötzlich einen ganz ungewohnten, ja befreienden Überblick; ich stand gleichsam über allem. Das war erhebend. Meine Perspektive, und nicht zuletzt meine Lebensperspektive, meine ehrenwerten Damen und Herren von der Akademie, bekam eine neue Ausrichtung. Längst hat meine Wirbelsäule die typische Doppel-S-Form ausgebildet, wie mir Anatomen bescheinigen. Sie ist für den aufrechten Gang besser geeignet. Doch meine Rückenschmerzen dauern an; manchmal so schlimm, dass ich es ohne Kortisonspritze nicht aushalte.

Meine äffischen Gefährten haben zwar auch einen opponierbaren Daumen, und das sogar an Händen und Füßen, aber sie bevorzugen meist den Klammergriff, auch Affengriff genannt – wie menschliche Kleinkinder, wenn sie zu greifen beginnen. Den Präzisionsgriff, den sogenannten Pinzettengriff, bei dem Daumen und Zeigefinger gegenübergestellt sind, habe ich mir erst richtig in der Menschenwelt zu Eigen gemacht. Ich wende ihn nunmehr ständig an: beim Hantieren mit Gegenständen, beim Schreiben und natürlich auch bei Tisch. Und ich habe gegenüber meinen Menschenfreunden noch einen deutlichen Vorteil, denn ich kann meine Füße auch noch ansatzweise für den Präzisionsgriff gebrauchen. Das hilft mir in speziellen Alltagssituationen, und das ist nicht zuletzt der Grund dafür, dass ich bei vielen Gelegenheiten barfuß gehe.

Zweite Vorlesung

Ich esse für mein Leben gern

Ja, es ist so, meine sehr verehrten Freunde von der Akademie, beim genussvollen Futtern in netter Menschenrunde fühle ich mich inzwischen tierisch wohl.

Doch heute ist alles anders als früher in der Wildnis: Ich muss die Tischregeln beachten. Das ist mitunter lästig. Schmatzen, Spucken und Furzen darf ich nicht mehr einfach so, und mit Händen essen, das geht gar nicht. Auch meine liebe Angewohnheit, mich zwischendurch vom Nebenteller zu bedienen, konnte ich nicht beibehalten. Dazu musste ich auch noch meinen Futterneid beherrschen lernen. Die Mitmenschen zeigten da wenig Toleranz.

Psychologische Berater unterwiesen mich darin, eine angemessene Selbstbeherrschung beim Essen und Trinken anzunehmen. Sie brachten mir Computerspiele4 bei, mit denen sie mir antrainierten, meine Handlungsimpulse im letzten Moment noch zu stoppen und somit einen Bedürfnisaufschub zu erreichen. Auf diese Weise sollte meine Inhibitionsfähigkeit entwickelt werden, wie sie meinten. Diese sei in allen menschlichen Lebenslagen wichtig und helfe zudem, einer frühzeitigen Demenz vorzubeugen. Aber unterm Strich ging es wohl um meine anrüchigen Tischsitten und darum, zu verhindern, dass ich mich bei jeder Gelegenheit hemmungslos über alles Ess- und Trinkbare hermachte.

Ich lernte also eifrig am Computer. Die Spiele, die ich locker Hemm-Spiele

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