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Zwischen den Stühlen – Alltagsnotizen eines Christen in Israel und Palästina

Titel

INHALT

  1. GELEITWORT
  2. VORWORT
  3. 1. ZWISCHEN JÜDINNEN UND JUDEN
    1. Von Juden lernen – Das Programm Nes Ammims
    2. Weihnachten in Nes Ammim
    3. Trost und Tatkraft – Eine streitbare Israelin aus Großbritannien
    4. Erlösung aus Feindbildern – Erfahrungen mit Haredim
    5. Aufwachen und das Schweigen brechen – Ein mutiger Soldat
    6. Manche schämen sich einfach – Beherzte Frauen
    7. Patriotinnen oder Vaterlandsverräter?
    8. Versöhnung ist harte Arbeit – Erfahrungen eines Sechzehnjährigen
    9. Nicht den leichtesten Weg wählen! – Kritischer Umgang mit jüdischer Tradition
    10. Sichtbares und unsichtbares Judentum
    11. Einer, der seine Feindbilder bestätigt finden möchte
  4. 2. ZWISCHEN VERGANGENHEIT UND ZUKUNFT
    1. Das Wunder, dialogfähig zu werden
    2. Am Leiden der anderen teilnehmen
    3. Wenn ein Palästinenser in Israel der „Kristallnacht” gedenkt
    4. Deutscher Volkstrauertag in Israel
    5. Ein KZ auf Israels Boden?
  5. 3. ZWISCHEN CHRISTINNEN UND CHRISTEN
    1. Weihnachten in Nazaret und Me’ilya
    2. Weihnachten in Bethlehem
    3. Haben oder Sehnsucht haben?
    4. „Hinauf nach Jerusalem!” – Alternative Pilgererfahrung
    5. Erdöl aus Israel
    6. „Messianisches Judentum“ in Israel
    7. Die Jesaja-19-Autobahn
  6. 4. ZWISCHEN JUDEN UND PALÄSTINENSISCHEN CHRISTEN
    1. Palmsonntagsprozession – re-politisiert
    2. „Christus am Kontrollpunkt“
    3. Wenn Juden und Christen in Jerusalem gemeinsam die gleiche Bibel studieren
  7. 5. ZWISCHEN ANDEREN RELIGIONEN
    1. Die Völker werden kommen – der Name „Nes Ammim“
    2. Der barmherzige Gott und die unbarmherzigen Religiösen
    3. Verschiedene Religionen – ein und derselbe Gott
  8. 6. ZWISCHEN JÜDISCHEN UND PALÄSTINENSISCHEN ISRAELI
    1. Mein Fels und meine Burg – Wer findet hier Zuflucht?
    2. Gastfreundschaft
    3. Dem Fremden vertrauen lernen
    4. Wandern in Galiläa – ein Politikum
    5. Wie sich die linke mit der rechten Seite verbindet
    6. Ein palästinensisch-israelischer Zitronenbaum
  9. 7. ZWISCHEN ISRAELI UND PALÄSTINENSERN
    1. Zuflucht finden, ohne andere zu bedrücken
    2. Und was sagt das Völkerrecht?
    3. Wem gehört das Land? – Biblische Antworten
    4. Haben die Palästinenser verspielt oder sind sie beraubt worden?
    5. „Palästina gab es nie – und wird es niemals geben“?
    6. Andere von der anderen Seite sehen
    7. Raum für neue Erfahrungen – ein gemeinsames Seminar in Nes Ammim
    8. Arznei gegen den Kummer – „Die Kämpfer für den Frieden“
    9. Trauer teilen und verarbeiten – Gemeinsames Totengedenken
    10. Wenn der Schmerz fruchtbar wird – Verwaiste Eltern in Palästina und Israel
    11. B D S – Blindheit – Dummheit – Schwachsinn?
    12. Im Kampf gegen Sodom und Gomorrha
    13. In Palästina gehen die Uhren anders
    14. Für Palästinenser eintreten, ohne zu Gegnern Israels zu werden
    15. Endet der Rechtsstaat Israel an der Green Line?
    16. Die Täter zur Rede stellen
    17. Kollektivstrafe – Welch eine Torheit!
    18. „… aber wir können Menschen verändern“
    19. Der Tag wird kommen!
  10. 8. ZWISCHEN ISRAEL UND SEINEN NACHBARN IM KRIEG
    1. Israel ist nicht der Aggressor
    2. Israels Regierung – Urheber der Eskalation der Gewalt
    3. Raketen-Alarm in Nes Ammim …
    4. … und wie darüber in Deutschland berichtet wird
    5. Gegen-Erfahrungen zum Krieg
    6. Der Gaza-Krieg ist kein Krieg gegen das palästinensische Volk
    7. Alternativen zum Gaza-Krieg?
    8. Kommt nach Israel und Palästina!
  11. 9. ZWISCHEN DEN „FREUNDEN ISRAELS“ UND DEN „FREUNDEN PALÄSTINAS“
    1. „Falsche Freunde“
    2. Ein Prominenter unter den Freunden Palästinas
    3. Drei israelische Opfer und unbekannte Täter – und was die Freunde Israels daraus machen
    4. … und dann geschah ein vierter Mord
    5. Die Schlacht um Gaza zwischen den deutschen Sympathisanten
    6. Wie die „Freunde Palästinas“ ihr Feindbild „Israel“ pflegen
    7. Latenter und offener Antisemitismus in der Israel-Kritik
    8. Bin ich ein Antisemit?
    9. Wieder etwas gelernt
  12. ANHANG
    1. Vom Nutzen des jüdischen Neins zum Messias Jesus Predigt über Römer 11, 25-32
    2. Von Juden lernen – das aktuelle Studienprogramm Nes Ammims
  13. BILDTEIL

GELEITWORT

In Nes Ammim materialisiert sich, was wir theologisch erarbeitet haben und vertreten: Das Verhältnis zwischen Christentum und Judentum bedarf der Erneuerung. Dieser Prozess steht nach beinahe zweitausend Jahren Entfremdung, Überlegenheitsansprüchen und auch Feindschaft immer noch am Anfang. Vor allem aber sind wir in der Erneuerung unseres Verhältnisses zum Judentum Lernende und nicht Lehrende. Rainer Stuhlmann redet nicht über solche notwendigen Erneuerungen, er lebt vielmehr in ihnen. Er lebt diese erneuerte Haltung und lässt auch uns daran teilhaben durch die Begegnungen und Erlebnisse, von denen er erzählt.

Eine solche Haltung des Lernens, die wir als Kirche mit Blick auf das Judentum immer neu einzuüben haben, überträgt sich auch auf andere Fragen: Im Streit um das „Heilige Land“, im Nahostkonflikt sitzen wir mit Rainer Stuhlmann oft „zwischen den Stühlen“. Dabei gibt dieses Buch keine einfachen Antworten, sondern lässt uns vielmehr teilhaben an den Fragen der Menschen vor Ort. Es gibt keine Reduzierung auf Schwarz-Weiß-Bilder, auch wenn viele aus der Distanz gerne durch klare und eindeutige Parteinahmen Stellung beziehen möchten. Das Buch mutet uns Bilder mit Farbnuancen und Schattierungen zu. Es bezieht uns als Fragende und Antworten Suchende ein. Und das ist, wie ich finde, die angemessene Haltung!

„Als sie nun Mose aussandte, das Land Kanaan zu erkunden, sprach er zu ihnen: Zieht da hinauf ins Südland und geht auf das Gebirge und seht euch das Land an, wie es ist, und das Volk, das darin wohnt [...]. Seid mutig und bringt mit von den Früchten des Landes!“ (4. Mose 13,17ff) – Rainer Stuhlmann nimmt uns mit in seine alltäglichen Erfahrungen, teilt mit uns Früchte seiner aufmerksamen Beobachtungen. Wie ein Kundschafter erzählt er und gewährt Einblicke in Begegnungen mit jüdischen Israeli, palästinensischen Israeli, christlichen Palästinensern, Muslimen, Christinnen und Christen aus Europa, die nach Israel und Palästina kommen.

Rainer Stuhlmann wünsche ich Gottes Segen für seine wichtige Arbeit und seinen weiteren Weg. Dem Buch möge es gelingen, festgefahrene Bilder zu erneuern und Perspektiven zu eröffnen – als Bereicherung für seine möglichst vielen Leserinnen und Leser.

Dr. h.c. Nikolaus Schneider,

Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland

VORWORT

Ein großes Geschenk war es für mich nach fast vierzig Jahren als Pastor im Rheinland, für einige Jahre meines Ruhestandes im „Land der Bibel“ leben zu können. Seit August 2011 plane und gestalte ich für die Freiwilligen in dem internationalen ökumenischen Dorf Nes Ammim die Studienarbeit. Dabei komme ich viel herum in Israel und Palästina. Je mehr ich sah und hörte, desto mehr wich die Illusion, in diesem verwirrenden Land den Überblick oder gar den Durchblick zu bekommen. Als Kinder spielten wir mit Glaskästchen, in denen farbige Scherben eingeschlossen waren, die ein buntes Bild ergaben. Mit jedem Klick an das Kästchen entstand ein neues Bild. So fühlte ich mich in meiner neuen Heimat. Beinahe jede Woche zerbrach ein Bild, das ich meinte gewonnen zu haben, und machte einer neuen Erfahrung Platz. Meine Irritationen feuerten mich an, weiter zu suchen und zu fragen. Allmählich entstand – kein Film, sondern eine aufregende Kette spannungsvoller Momentaufnahmen.

Nach einigen Monaten hatte ich das Bedürfnis, für meine Verwandten, meine Freundinnen und Freunde aufzuschreiben, was ich erlebt habe. Ich war überrascht, welch großes Interesse meine Geschichten fanden. Mehr und mehr Menschen baten mich, meinen Rundbrief zu bekommen. Ich lernte, ein Blog im Internet und eine damit verlinkte Facebook-Seite zu errichten, auf denen ich meine Geschichten und Überlegungen publizierte. Seit ich in Israel lebe, ergaben sich die Themen für die verschiedenen Radio-Sendungen bei DeutschlandRadio Kultur und beim WDR, an denen ich seit Jahren mitwirke, wie von selbst aus dem, was ich täglich erlebte. Schließlich erreichte mich eine Anfrage des Neukirchener Verlags, daraus ein Buch zu machen. Dafür habe ich die Texte aus meinem Blog gekürzt und überarbeitet. Die chronologische ist zu einer thematischen Ordnung geworden. Das mit dem Wort „zwischen“ angedeutete vielfältige Spannungsfeld ist jetzt systematisch geordnet.

„Zwischen den Stühlen“ fühlte ich mich von Anfang an in Israel und Palästina. Das heißt nicht, dass ich zu beiden Seiten gleichen Abstand halte. Ich bin nicht neutral. Das kann ich nicht sein, denn ich bin als Europäer, als Deutscher und als Christ längst Teil der Konflikte. Ich bin ein Freund von Jüdinnen und Juden und von Palästinenserinnen und Palästinensern, ein Freund Israels und Palästinas. Ich bemühe mich um eine „doppelte Solidarität“. Und darum stehe ich in bestimmten Situationen des Konfliktes an der Seite von Palästinensern zum Ärger der unbeweglichen „Freunde Israels“. Und in anderen Situationen ergreife ich die Partei von Juden zum Ärger der unbeweglichen „Freunde Palästinas“. Ich bin hin und her gerissen und versuche, die Freundschaft zu den einen nicht zur Feindschaft gegen die anderen werden zu lassen. Das ist ziemlich unbequem, aber für mich die einzig mögliche Haltung, in diesem Lande als Christ und Deutscher zu leben.

Die Bibel war es einst, die mich 1962 als Siebzehnjährigen das erste Mal ins „Land der Bibel“ brachte. Die Bibel ist es heute, die sich mir durch meine Erfahrungen hier neu aufschließt und die mir hilft, dieses Land und seine beiden Völker besser zu verstehen. Auch davon lassen meine Geschichten etwas erkennen - und davon, dass ich die Bibel anders lese als viele andere Christinnen und Christen in diesem Land - auch aus Deutschland.

Nicht die Formulierung, wohl aber die Sichtweise „Zwischen den Stühlen“ verdanke ich der jahrzehntelangen Freundschaft mit Katja und Dr. Tobias Kriener, die früher und öfter als ich in diesem Land gelebt haben. Oberkirchenrätin Barbara Rudolph und Landespfarrer Dr. Volker Haarmann haben mich ermutigt, mich im Alter noch einmal auf dieses Abenteuer einzulassen und mich bei meiner nicht immer leichten Aufgabe in Nes Ammim in jeder Weise unermüdlich unterstützt. Ihnen gebührt mein Dank.

Die Namen derer, die keine Personen des Öffentlichen Lebens sind, habe ich anonymisiert. Gewidmet ist das Buch denen, die in und für Nes Ammim leben und arbeiten.

Nes Ammim, im August 2014

Rainer Stuhlmann

1. ZWISCHEN JÜDINNEN UND JUDEN

Von Juden lernen – Das Programm Nes Ammims

Sie war ein Abenteuer – die Gründung von Nes Ammim, dem christlichen Dorf im Norden Israels, im Jahr 1963. Angefangen hat es damals in den Köpfen einiger Menschen in Holland, Deutschland und der Schweiz. Der massenhafte Mord an den Jüdinnen und Juden im Zweiten Weltkrieg hatte sie erschreckt. Und sie fragten sich: Wie konnte es dazu kommen? Wo liegen die Wurzeln für die Schoah, den Holocaust?

Eine Wurzel des modernen Antisemitismus und damit der Schoah ist der christliche Antijudaismus. Fast zweitausend Jahre lang erstrahlte das Christentum umso heller, je mehr es sich vom Judentum abhob, das es in schwärzesten Farben malte. Die Christen meinten, sie wüssten mehr als die Juden, sie wüssten es besser und hätten deshalb das Recht, ja die Pflicht, Juden zu belehren, zu missionieren und, wenn es gelingt, zu Christen zu machen. Im Mittelalter wurde diese Sichtweise von Christentum und Judentum symbolisch durch zwei einander gegenüber angeordnete Figuren dargestellt (siehe Bildteil). Die triumphierende Kirche als Königin mit Zepter und Krone, den Insignien der Macht, schaute herab auf die gedemütigte Synagoge als Magd mit zerbrochenem Stab und verbundenen Augen. Dieses christliche Überlegenheitsgefühl muss gründlich zerstört werden, damit es nicht noch einmal zu einer solchen Katastrophe kommen kann, sagten sich die Gründer von Nes Ammim. Eine radikale Umkehr war nötig.

„Kehrt nun um von euren bösen Wegen! Warum wollt ihr sterben?“, heißt es beim Propheten Ezechiel in der Bibel. (Ezechiel 33,11) Die Gründer Nes Ammims waren davon überzeugt, dass das christliche Überlegenheitsgefühl gegenüber den Juden nicht nur korrigiert, sondern um 180 Grad gewendet werden musste. Von jetzt an hieß das Programm: „Von Juden lernen“. Mit diesem Lernprogramm ging eine radikale Absage an jede Form der Judenmission einher.

Nes Ammim ist ein Lernort inmitten der jüdischen Welt. Hier sind die Juden in der Mehrheit und die Christen Minderheit und wir Gäste. Und so lebe ich dort in anderen Rhythmen, als in der christlich geprägten deutschen Gesellschaft. Der freie Tag ist der Schabbat, der am Freitagabend beginnt und bis zum Einbruch der Dunkelheit am Samstag dauert. Am Sonntagmorgen beginnt der harte Alltag einer geschäftigen Arbeitswoche, an dem die Straßen verstopft sind, weil alle aus dem Wochenende kommen. Nicht Weihnachten und Ostern bestimmen, wann Ferien sind, sondern Pessach und Sukkot. Die koschere Küche ist der Normalfall. Schweinefleisch sucht man vergeblich.

Wir Christinnen und Christen in Nes Ammim lernen von Juden, um unsere eigene Religion, das Christentum, besser zu verstehen. Denn das meiste in der christlichen Religion ist Judentum: der Glaube an den einen Gott, der uns in allem zuvorkommt, der gnädig und barmherzig ist, der Gerechtigkeit will. Von den Juden haben wir die Zehn Gebote, das Liebesgebot, das Gebot der Feindesliebe. Mit den Juden warten wir auf das Kommen des Messias. Die Frage, wer der Messias ist, der Retter der Welt aus Not und Leid, ist zwischen Juden und Christen strittig. Christen warten auf den Messias Jesus, auf sein Wiederkommen, Juden auf einen Messias, der noch nicht hier war. Aber darum streiten wir heute nicht mehr.

Wir warten ab – Juden und Christen. Ich bin als Christ ja auch darauf angewiesen, dass Jesus sich am Ende aller Tage tatsächlich als der erweist, als den ich an ihn glaube. Wenn ich das weiß, muss ich nicht streiten, sondern kann in souveräner Gelassenheit sagen: Soll der Messias doch selber sagen, wer er ist! Der jüdische Gelehrte Franz Rosenzweig hat noch eins drauf gesetzt und gesagt: „Wenn der Messias kommt, dann möchte ich ganz in seiner Nähe stehen, und noch bevor er irgendetwas sagen kann, möchte ich ihm ins Ohr flüstern: ‚Verrate es nicht!‘“ Auch am Ende soll nicht eine Religion über die andere triumphieren. Der einzige, der hier triumphieren soll, ist der Messias selbst – nicht die, die an ihn glauben und ihn erwarten.

Die Geschichte von Nes Ammim ist seit über fünfzig Jahren ein Weg der Umkehr und Erneuerung und des Lernens der Menschen unterschiedlicher Religionen.

Weihnachten in Nes Ammim

Selbst für das Verständnis dessen, was Christen zu Weihnachten feiern, können wir von Juden lernen. Zum Studienprogramm gehört auch ein Abend unter der Frage, was Christen von Juden für das Weihnachtsfest lernen können. Dabei werden manche irrigen Vorstellungen ausgeräumt. Ist Gott mit der Geburt Jesu „zur Welt gekommen“? Ja, aber er ist schon vorher in Israel zur Welt gekommen und darum auch an Weihnachten in Israel zur Welt gekommen. Ist Weihnachten die „Erfüllung“ von Gottes Verheißungen? Nein. Es ist die Bekräftigung von Gottes Verheißungen, die nach wie vor auf Erfüllung warten. Ist Gott Mensch geworden? Nein. Gottes Wort ist Fleisch geworden, der Messias ist Mensch geworden. Das meint etwas anderes1. In den Nuancen kommt das Wesentliche zum Ausdruck, was wir von Juden lernen können und hier in Nes Ammim wird deutlich, dass es wirklich wesentlich ist.

Höhepunkt des Weihnachtsgottesdienstes war in diesem Jahr die Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium, die abschnittweise in allen in Nes Ammim zur Zeit gesprochenen Sprachen gelesen wurde: Holländisch, Deutsch, Ungarisch, Litauisch und Italienisch. Schöne Verfremdungseffekte in einer internationalen Lebensgemeinschaft, wenn ich dabei von Maria, Guiseppe und Bambino höre!

Trost und Tatkraft – Eine streitbare Israelin aus Großbritannien

„Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.“ (Psalm 139, 3) In diesen Worten finden Menschen Trost. Auch in Situationen, in denen sie sich fragen: Warum lässt Gott dem Bösen seinen Lauf? Dass Gott das Unrecht wenigstens sieht, nährt die Hoffnung, dass er ihm irgendwann ein Ende setzen und Recht schaffen wird. Und gleichzeitig motiviert mich dieser Gedanke, dass Gott meine Wege sieht, dann auch dazu, das mir Mögliche zu tun.

Vor kurzem traf ich Ruth, eine jüdische Israelin, Jahrgang 1945, in deren Lebensgeschichte ich beides entdecken konnte: die Kraft der Hoffnung, dass es am Ende gut wird, und die Tatkraft, das ihr Mögliche zu tun.

Ruth ist eine unermüdliche Aktivistin, die für die Rechte der Palästinenser in Israel und den von Israel besetzten Gebieten in einem Maße eintritt, das manches europäische Engagement für Palästinenser in den Schatten stellt. Woher kommt diese Tatkraft?

Ruth ist in Großbritannien aufgewachsen. Sie war die einzige Jüdin in ihrer Schule. Mit elf Jahren wurde sie von ihrer Lehrerin vor die Klasse gestellt, und sollte erklären, warum die Juden den Heiland gekreuzigt haben. Noch heute spürt sie die beiden Stellen auf ihrer Stirn, die ihre Mitschülerinnen ständig befühlten, um zu spüren, ob ihr schon Hörner wachsen. Als sie mit achtzehn in London ein Zimmer suchte, scheiterte sie lange an der Regel der Vermieter „Keine Hunde, keine Schwarzen, keine Juden“. Sie entstellte ihren Zunamen, um nicht als Jüdin erkannt zu werden, bis sie das nicht länger aushielt und zwei Jahre später nach Israel auswanderte.

Das war in den fünfziger und sechziger Jahren des 20., nicht des 19. Jahrhunderts. Das war nicht in Nazi-Deutschland. Wenn Juden und Jüdinnen solche Erfahrungen in unseren Tagen schon in einem westeuropäischen Rechtsstaat machen, wie viel mehr in Staaten und Gesellschaften der ehemaligen Sowjetunion, Osteuropas oder der arabischen und muslimischen Welt.

Mir wurde einmal mehr klar, warum es den Staat Israel geben muss. Nicht nur die Erfahrung der Schoah, des Holocausts, sondern auch der banale alltägliche Antisemitismus treibt Juden aus aller Welt nach Israel. Wie Ruth sind Millionen nach Palästina gekommen, um wenigstens an einem Platz dieser Erde geschützt und ungestört einfach jüdisch leben zu können.

Nur hier ist Judentum Leitkultur. Nur hier kann man unkompliziert koscher essen, alle jüdischen Feiertage und den Schabbat halten. Nur hier ist die Landessprache Hebräisch. Nur hier können Jungen Kippa und Schläfenlocken tragen, ohne gehänselt zu werden. Nur hier können sie sicher sein, dass nicht über Nacht der Ritus der Beschneidung männlicher Säuglinge zum Straftatbestand der Körperverletzung erklärt wird.

Angesichts der vielfachen Leidensgeschichten können die Verfolgten heute schon darin, dass sie in diesem säkularen Rechtsstaat Zuflucht gefunden haben, ein Zeichen der Treue Gottes zu seinem Volk Israel sehen. Und in der Hoffnung, dass Gott es am Ende für alle gut machen wird, setzen viele wie Ruth alles daran, dass in diesem Staat Völkerrecht und Menschenrechte eingehalten werden.

Erlösung aus Feindbildern – Erfahrungen mit Haredim

An einem Samstagnachmittag eilte ich zu Fuß durch Jerusalem zum Busbahnhof. Die Sonne stand schon ziemlich tief. Ich wollte den ersten Bus nehmen, um noch nach Hause in den Norden Israels zu kommen. Der startet kurz nach Sonnenuntergang.

In ganz Israel fahren am Schabbat, von Freitagabend bis Samstagabend, weder Busse noch Bahnen. Das haben vor Jahrzehnten die Haredim, die Ultraorthodoxen, durchgesetzt, obwohl sie nur eine Minderheit sind. Die säkulare Mehrheit bedauert das und nutzt am Schabbat umso mehr Taxis und Privatwagen.

Ich nahm die Prophetenstraße, eine der auch am Schabbat vielbefahrenen Straßen in Jerusalem, die den palästinensischen Teil mit dem Zentrum des jüdischen Teils verbindet. An einer Kreuzung bot sich mir ein bizarres Bild: Eine Traube von circa hundert Teenagern und einige erwachsene Männer; die Jungen und Männer sämtlich mit weißen Hemden, schwarzen Anzügen und großen schwarzen Hüten auf dem Kopf, unter denen die Schläfenlocken herausquollen, die Mädchen in knöchellangen Kleidern.

Die Jungen, angefeuert von den Mädchen, warfen ziegelsteingroße Steine auf die vorbeifahrenden Autos. Zwischendrin querten einzelne Übermütige die Straße und schlugen palästinensische Familien, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite gingen, mit Steinen und Stockhieben in die Flucht. Die Erwachsenen applaudierten ihnen. Das war ihre Art, den Schabbat zu heiligen.

Mir blieb der Mund offen stehen. Ich spürte, wie in mir, ja, mein Antisemitismus aufstieg. Da bemerkte ich, dass um mich herum andere standen, die nicht weniger entsetzt waren als ich: eine Gruppe jüdischer Israeli. Einer holte gerade per Handy die Polizei herbei.

Ich schämte mich, dass mein Abscheu gegen die Untaten der extremen Eiferer einen Moment lang zum Abscheu gegen Juden geworden war. Als ob es nicht ähnliche Phänomene in jeder Religion gäbe. Wenn extreme Christen gegen Schwule und Lesben zu Felde ziehen zum Beispiel. Und gerade eine Woche vorher hatten muslimische Palästinenser in der Jerusalemer Altstadt Juden mit Steinen und Stöcken malträtiert.

„Gott wird Israel erlösen aus allen seinen Sünden.“ (Psalm 130,8) heißt es in der Bibel. Die Haredim denken bei „Israels Sünden“ an die, die am Schabbat Auto fahren. Ich denke eher an sie, die andere mit Steinen und Stöcken traktieren.

Dieser 130. Psalm war übrigens einer von Martin Luthers Lieblingspsalmen. Luther hat sich hier mit Israel identifiziert, um sich seine eigenen Sünden vor Augen zu führen. Der Balken im eigenen Auge macht bescheiden, die Splitter in den Augen der anderen zu kritisieren. Und stärkt die Sehnsucht, dass Gott nicht nur Israel, sondern alle Welt erlösen wird vom Zwang zum Bösen. Diese Sehnsucht kann helfen, das Böse zu meiden und das Gute zu suchen.

Aufwachen und das Schweigen brechen – Ein mutiger Soldat

„Ich habe drei Jahre gebraucht, um meinen Militärdienst kritisch zu sehen“, sagt Alon. Er ist ein Sohn russischer Einwanderer nach Israel, religiös und politisch konservativer Eltern. Alon ist in einer Siedlung auf der Westbank aufgewachsen. Natürlich will er dann als Achtzehnjähriger nicht nur zur Armee, sondern zur kämpfenden Truppe. Schon bald wird er Commander, übernimmt als Zwanzigjähriger Verantwortung für jüngere Soldaten und bildet sie aus.

„Wie übt man die Erstürmung eines palästinensischen Hauses? Man erkundigt sich“, sagt er, „beim Inlandsgeheimdienst Shin Bet nach einer unbescholtenen ungefährlichen Familie, um seine unerfahrenen Jungs nicht unnötig in Gefahr zu bringen. Und dann umstellt man nachts um zwei deren Haus, tritt die Türe ein, wenn sie nicht gleich nach dem Klopfen geöffnet wird, isoliert Frauen und Kinder in einem, Männern in einem anderen Raum, durchsucht das Haus Zimmer für Zimmer, Stockwerk für Stockwerk, hinterlässt unermessliche Verwüstungen, verhaftet den Vater und die älteren Söhne, die dann nach einiger Zeit freigelassen werden, weil nichts gegen sie vorliegt.“

Mit diesen wenigen Sätzen macht der junge Israeli deutlich, wie Besatzung funktioniert, was sie für das palästinensische Volk bedeutet und warum die Kritik in Israel so leise ist. Natürlich werden die Soldaten nie erfahren, dass es sich nur um eine Übung gehandelt hat. In der Logik des Systems kommen auch dem Commander keine Zweifel an der Rechtmäßigkeit seines Tuns. Jede Nacht passieren solche Übergriffe – begründet und unbegründet, auf Verdacht oder zur Übung. Den Zynismus können diejenigen nicht spüren, die sich vom Terror bedroht fühlen. Und sie können nicht sehen, wie solche Aktionen langfristig Terror mehr produzieren als verhindern. Die Fragwürdigkeit dieses Systems der Abschreckung und Terror-Abwehr wird erst von außen sichtbar und durchschaubar.

Alon braucht drei Jahre, um seine Erfahrungen in der Armee zu verarbeiten. Dann bricht er sein Schweigen. Er trifft auf eine Gruppe Gleichgesinnter, für die er seither ehrenamtlich arbeitet. Sie nennen sich: „Schweigen brechen!“

„Wach auf, meine Seele!“, lesen wir oft in der Bibel. Einmal heißt es: „Wach auf, meine Ehre!“ (Psalm 108,2). Rappel dich auf! Steh auf! Mach die Augen auf! Werde wach und wecke andere! Solche Selbstgespräche haben wir Menschen nötig.

„Ich musste aufwachen“, sagt Alon. Er ist darüber nicht zum Kriegsdienstverweigerer oder zu einem Gegner Israels geworden. Im Gegenteil. Er fühlt sich als israelischer Patriot, der seinen Landsleuten die Augen öffnet, der wagt, das System aufzubrechen, das Sicherheit suggeriert, aber in Wahrheit Menschen in Hass und Gewalt gefangen hält. „Wach auf, meine Ehre! Meine Seele, wach auf!“

Manche schämen sich einfach – Beherzte Frauen

„Glauben Sie, dass er die Wahrheit sagt oder dass er lügt?“ Ein israelisches Ehepaar stellt uns Europäern diese Frage, während wir wieder in den Bus einsteigen. Früher waren sie bei „Schalom Achschaw“, der israelischen Friedensbewegung, engagiert. Sie sind neugierig auf Nes Ammim, von dem sie vorher noch nichts gehört hatten. Wir machen mit ihnen – einer Handvoll anderer Israeli und etwa fünfundzwanzig anderen Ausländern – eine Tour durch die Westbank, geführt von Dalia und einer anderen Dame von der Menschenrechtsorganisation „Machsom Watch“, einer Initiative israelischer Frauen. Wir besuchen gerade das palästinensische Dorf Qaddum, wenige Kilometer von Nablus entfernt, das seit einigen Wochen Schlagzeilen macht.

Das Dorf liegt rund 20 km von der Green Line entfernt, der Waffenstillstandslinie, die seit 1949 israelisches von arabischem Gebiet trennt. Es ist Israels Staatsgrenze. Das arabische Gebiet hält Israel seit 1967 besetzt. Seine rechtmäßigen Bewohner nennen es heute Palästina. Einen Staat Palästina dürfen sie darin aber nicht errichten (Zur Begrifflichkeit Palästina, palästinensisch siehe Abschnitt „Palästina gab es nie – und wird es niemals geben“?).

Auf Betreiben Prominenter aus der nahegelegenen jüdischen Siedlung, die die etwa dreihundert Meter lange Zufahrtstraße zur Hauptstraße nicht länger mit den Bewohnern des palästinensischen Dorfes gemeinsam nutzen wollen, hat die Armee den Dorfeingang kurzer Hand durch eine Metallbarriere abgeriegelt. Statt der dreihundert Meter müssen die Dorfbewohner nun einen Umweg von vierzehn Kilometern machen, um auf die Hauptstraße zu kommen.

Dagegen protestieren sie seit einigen Wochen jeden Freitag. Absolut gewaltfrei. Keine Stöcke, keine Steine. Unterstützt von internationaler Presse und Menschenrechtsaktivisten. Demonstrationen aber sind in der vom israelischen Militär kontrollierten Westbank nicht vorgesehen. Sie gelten als „Störung der öffentlichen Ordnung“. Die Armee geht brutal gegen sie vor. Achmed erzählt uns davon. Er hat die Demonstrationen am Dorfeingang organisiert. Während der Demonstration haben die Soldaten sich sein Haus vorgenommen. Um es nicht betreten zu müssen, haben sie Reizgaspatronen durch die Fenster geschossen, um so alle zu zwingen, das Haus zu verlassen. Aber die einzige Person, die sich zu dieser Zeit im Haus aufhielt, konnte es nicht verlassen. Sie war dem Reizgas schutzlos ausgeliefert. Es war seine zwei Monate alte Tochter. Mit lebensgefährlichen Verletzungen wurde sie später ins Krankenhaus eingeliefert. „Sie ist jetzt außer Lebensgefahr“. Mit Erleichterung nimmt Dalia die Nachricht auf. Sie kennt Achmed gut, weil sie regelmäßig Gruppen ins Dorf führt.

Mindestens ebenso aufregend wie die Tour sind die Reaktionen der mitfahrenden Israeli. „Glauben Sie, dass er die Wahrheit sagt oder dass er lügt?“ Ich versuche, diese völlig überraschende Frage zu entschlüsseln. Es gibt keinen Grund, Achmeds Schilderungen zu bezweifeln. Aber ich kann die Scham spüren, wenn ich mich in die Haut dieser sympathischen Israeli versetze. Das kann doch nicht wahr sein, was wir hier hören und sehen! Zwei jüdische Damen aus Jerusalem fühlen sich immer wieder herausgefordert, die Schilderungen Dalias zu unterbrechen mit Sätzen wie: „Aber 1967 sind wir angegriffen worden … Die Soldaten sind nur hier, weil sie uns verteidigen müssen …“

Fassungslos stehen sie in einem anderen Dorf vor der grünen Landkarte Palästinas, auf der es kein Israel gibt. Dass diese Landkarte mit exakt den gleichen Grenzen, auf der es kein Palästina gibt, in fast jedem Klassenzimmer fast jeder jüdischen Schule in Israel hängt, können sie damit gar nicht in Verbindung bringen. Es gibt ja auch kein Palästina, beteuern sie immer wieder … Als wir in Tel Aviv aussteigen, höre ich, wie die eine zur anderen sagt: „Solche Touren machen auf die Ausländer einen ganz schlechten Eindruck.“ Vielleicht ist es wirklich geschickter, wenn Israeli die Schattenseiten Israels unter sich anschauen? Machsom Watch bietet ja auch viele Touren in Hebräisch an. Mich befiel das peinliche Gefühl, ungewollt Zeuge eines innerfamiliären Streites geworden zu sein, der besser ohne Außenstehende ausgetragen wird.

Bei einer anderen Tour zwei Monate später erfahren wir, dass die Demonstrationen in Qaddum inzwischen an einem anderen Platz stattfinden müssen, mehr den Hügel abwärts inmitten des Dorfes. Die jüdischen Siedler haben diesen Wechsel erzwungen, weil der Wind die freitägliche Tränengaswolke in ihre Siedlung trieb und ihre Augen, Nasen und Rachen belästigte.

Achmed, engagiert im gewaltfreien Widerstand, ist inzwischen in einem israelischen Gefängnis eingesperrt. Er war einer der über dreihundert Palästinenser, die nach dem Mord an den drei Teenagern verhaftet, aber nach der Verhaftung der Mörder nicht wieder entlassen wurden (siehe Abschnitt Kollektivstrafe – Welch eine Torheit!).

Patriotinnen oder Vaterlandsverräter?

Die Frauen von Machsom Watch sind israelische Patriotinnen. Eben deshalb setzen sie sich für die Menschenrechte in ihrem Lande ein. Das gilt für die Soldaten von „Das Schweigen brechen“ genauso. Sie bleiben Reservisten der israelischen Armee und sind nicht etwa Kriegsdienstverweigerer geworden. Am Rande zu der für Palästinenser verbotenen Zone in Hebron treffen wir eine jüdisch-israelische Gruppe, die für die Rechte der Palästinenser eintritt. Sie heißt „Juden gegen Siedler“ und kooperiert mit palästinensischen Aktivisten.

Wir als Ausländer sind also Zeugen eines innerisraelischen Konfliktes. Wenn wir uns in diesem Konflikt auf die eine Seite stellen – und das von Fall zu Fall zu tun, scheue ich mich nicht –, haben wir sorgfältig darauf zu achten, dass in unserem Munde nicht aus der innerisraelischen Kritik eine generelle Kritik an Israel von außen wird. Das genau ist der Punkt, an dem ich mich von vielen deutschen „Solidaritätsgruppen für Palästina“ unterscheide, die ich für „die falschen Freunde Palästinas“ halte.

Ich übertrage dabei auf die politische Situation, was ich in der Biblischen Hermeneutik gelernt habe, die den Antijudaismus überwinden hilft: Innerjüdische Kritik in der Bibel (z. B. der jüdischen Propheten im Alten Testament oder der des Juden Jesus im Neuen Testament) darf nicht zur Kritik Israels durch Nichtjuden werden, sondern ist von Christen als Selbstkritik und als Kirchenkritik zu hören. So versuche ich nach wie vor, für Palästinenser einzutreten, ohne zu einem Gegner Israels zu werden.

Natürlich werden solche Gruppen und Personen, die für die Rechte der Palästinenser eintreten, von der gesamten politischen Rechten in Israel als „Vaterlandsverräter“ eingestuft. Ich halte diese Bezeichnung für eine Ehre. Für mich sind es die wahren Patrioten. Bekamen nicht auch Willy Brandt und andere von der deutschen Rechten dieses Etikett angehängt? Und welche Wirkung hatte der Kniefall dieses „Vaterlandverräters“ in Warschau für den Friedensprozess in Gesamteuropa!

Jüdische Nationalisten gibt es übrigens auch in Nes Ammim. Am Schwarzen Brett hatte jemand die Ankündigung unserer Fahrt in die „besetzten Gebiete“ handschriftlich in „befreite Gebiete“ korrigiert. Ein Hotelgast? Ein Angestellter? Ein Mieter? Ein Freiwilliger?

Versöhnung ist harte Arbeit – Erfahrungen eines Sechzehnjährigen

Ein Vater mit gebrochenem Herzen. So redet die jüdische Bibel von Gott. „Ist nicht Ephraim mein teurer Sohn und mein liebes Kind? Denn sooft ich ihm auch drohe, muss ich doch seiner gedenken; darum bricht mir mein Herz, dass ich mich seiner erbarmen muss, spricht der Herr.“ (Jeremia 31,20) Gott kämpft um seine geliebten Menschen, um sie vom Bösen zum Guten zu leiten. Der Gott Israels ist die Liebe. Der Name Ephraim steht hier für das ganze Volk Israel.

Ich denke an einen anderen Ephraim. Er ist 17, Israeli; er besucht in Haifa ein jüdisches Gymnasium. Araber, sagt er, waren für ihn nur dumme und gefährliche Leute gewesen. Er hatte allerdings auch noch nie mit einem gesprochen, obwohl sie in Haifa bei ihm gleich um die Ecke wohnen. Als an seiner Schule zu einem besonderen Projekt eingeladen wurde, hat Ephraim lange gezögert. Ein Musical zum Thema „Versöhnung und Freundschaft“ sollte erarbeitet werden – zusammen mit Gleichaltrigen eines palästinensischen Gymnasiums.

„Meine Entscheidung, am Ende doch mitzumachen“, sagt er, „habe ich nie bereut. Ich habe im letzten Jahr mehr Wichtiges gelernt, als in den 16 Jahren zuvor. Manchmal schäme ich mich dafür, wie ich noch vor einem Jahr über die Palästinenser gedacht habe, die jetzt meine Freunde geworden sind.“ In England und Deutschland wurden sie mit ihrem Musical ganz groß gefeiert.

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