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Zwischen Liebe und Leid

1. KAPITEL

Tanja stand am Treppenaufgang vor dem Blauen Salon, hielt sich am Geländer fest und atmete tief durch. Da kam auch schon Michael hinter ihr her gerannt. Sie wollte vor ihm davonlaufen, doch er hielt sie zurück.

„Es tut mir leid!“, beteuerte er aufgewühlt.

„Ich glaube, du spinnst!“ Sie war noch immer fassungslos. Was hatte er sich nur dabei gedacht, sie einfach so zu küssen?

„Ich weiß auch nicht, was in mich gefahren ist“, entschuldigte er sich kläglich.

„Ich kann’s dir sagen: Du bist total durchgeknallt!“ Er schüttelte den Kopf.

„Es war deine Stimme, dein Gesang, der Zauber des Moments …“ versuchte er, sich zu rechtfertigen. „Nichts weiter. Können wir den kleinen Ausrutscher nicht einfach vergessen?“ In diesem Augenblick kam Werner die Treppe herunter und blieb sofort stehen, als er die beiden bemerkte. Argwöhnisch lauschte er ihrer Unterhaltung.

„Du bist zu weit gegangen.“ Tanja schien ernsthaft verärgert zu sein. „Wie soll ich dir denn jetzt noch vertrauen? Du hast alles kaputt gemacht!“ Mit diesen Worten wandte sie sich ab und machte sich auf den Weg nach Hause.

„Wie läuft es eigentlich zwischen dir und deinem Verlobten?“ Werner nutzte eine kurze Besprechung mit Charlotte im Büro, um ihr diese Frage zu stellen.

„Möchtest du die Antwort wirklich hören?“, entgegnete sie milde.

„Du weißt, niemand wünscht dir dein Glück mehr als ich …“, sagte der Senior. „Aber ich möchte dich trotzdem bitten, vorsichtig zu sein.“ Fragend zog sie die Augenbrauen nach oben. „Ich will nicht, dass du verletzt wirst.“

„Da dürfte ich mit Michael das erste Mal in meinem Leben auf der sicheren Seite sein“, bemerkte sie spitz.

„Ich würde dir nur zu gerne recht geben. Aber anscheinend hat dein Arzt ein Auge auf die Mutter seines Kindes geworfen.“ Charlotte stutzte, brach dann allerdings in lautes Lachen aus.

„Tanja Liebertz? Mach dich nicht lächerlich!“ Ihr Lachen war ein wenig zu laut, das hörte auch Werner.

„Ich würde es nicht sagen, wenn ich es nicht gerade selbst gesehen hätte“, meinte er.

„Natürlich.“ Sie schnaubte. „Nichts liegt dir ferner, als einen Keil zwischen Michael und mich treiben zu wollen.“

„Charlotte, bitte …“, sagte er. „Mach die Augen auf: Dein Verlobter tanzt ganz offensichtlich auf zwei Hochzeiten.“

„Halt den Mund!“, fuhr sie ihn wütend an. Es war nicht das erste Mal, dass er versuchte, Michael und sie auseinanderzubringen. „Warum also sollte ich dir auch nur ein Wort glauben?“

Marie und ihre Eltern, Sandra und Lukas saßen besorgt in der Stube der Sonnbichlers. Sie alle vermuteten, dass Hendrik entführt worden war – von Harry Lugauer. Aber was sollten sie jetzt tun? Lukas schlug vor, die Polizei zu benachrichtigen, aber Marie hielt das für vollkommen sinnlos.

„Die tut doch nichts“, meinte sie. „Nur weil wir einen Verdacht haben? Wegen eines Klingeltons?“ Die Reaktion der Polizeibeamten darauf konnte sie sich jetzt schon vorstellen. „Außerdem – Harry ist ein Psychopath! Was, wenn sie ihn festnehmen?“

„Dann muss er deinen Freund freilassen“, meinte Alfons.

„Und wenn nicht?!“, hielt sie dagegen. „Wenn er nicht sagt, wo er ist? Wenn er ihn irgendwo gefangen hält – wie sollen wir ihn finden?“ Ein Mensch verdurstet schon nach drei Tagen, das wussten sie alle. „Harry ist nicht dumm. Er wird sonst was erzählen. Und jeder wird ihm glauben.“

„Wenn Herr Lugauer wirklich so gerissen ist …“ Nachdenklich sah Lukas in die Ferne. „Dann wird es schwer sein, ihn zu überführen.“

„Was schlägst du also vor?“, fragte Sandra leise.

„Wenn er seine Sachen hier hat, wird er irgendwann wieder auftauchen. Und dann müsste man herauskriegen, was er als Nächstes vorhat.“ Die anderen nickten.

„Das mache ich!“, erklärte Marie dann entschlossen.„Keine Widerrede! Hendrik ist mein Freund!“

Harry hatte Hendrik nach seinem gescheiterten Fluchtversuch zurück in die Almhütte gebracht und wieder gefesselt. Nun kam Hendrik langsam zu sich. Harry hatte ihn mit einem Elektroschocker niedergestreckt.

„Na, wieder wach?“ Enttäuscht und vorwurfsvoll schaute Harry ihn an. „Behandelt man so einen Freund?“ Hendrik blieb stumm. „Du bist kein bisschen besser als Timo.“ Hendrik schluckte. Das konnte nichts Gutes bedeuten. „Was soll ich denn jetzt mit dir machen?“

„Lass mich frei. Bitte.“ Doch Harry schüttelte nur den Kopf.

„Sei still!“, verlangte er dann. „Das macht alles nur noch schlimmer. Ich wollte nie, dass es so kommt … Aber ich muss dich zum Schweigen bringen – für immer. Ich muss es tun.“ Die Panik schnürte Hendrik die Kehle zusammen. Er war ganz allein. Gefesselt. Und einem Verrückten ausgeliefert.

„Das musst du nicht!“, versuchte Hendrik, ihn zu beschwichtigen. „Du bist doch kein Mörder. Das mit deinem Bruder, das war doch etwas ganz anderes … Du bist kein schlechter Mensch.“

„Nein, das bin ich nicht“, pflichtete Harry ihm bei.

„Du hast jetzt die Chance, es anders zu machen“, fuhr Hendrik fort. „Anders als damals. Timo musstest du töten, weil er dich im Stich lassen wollte. Aber mich? Wir haben doch andere Möglichkeiten. Wir finden eine Lösung, bestimmt.“

Was musste diese arme Familie denn noch alles aushalten? Sandra saß in ihrem Zimmer und blickte aus dem Fenster. Die Mutter schwer krank und in einer Anstalt, Annika tot … Und jetzt auch noch Hendrik. Entführt. Zumindest mit großer Wahrscheinlichkeit. Wenn sie daran dachte, wäre es ihr sehr viel lieber gewesen, er hätte wirklich etwas mit dieser Headhunterin angefangen. Aber das passte gar nicht zu ihm. Als er sich damals eingeredet hatte, in Sandra verliebt zu sein, war er auch nicht einfach davongelaufen. Und wenn es stimmte, was Marie sagte – dass Harry Lugauer ein Psychopath war, der Hendrik von Anfang an nur für sich allein haben wollte … Es gefiel Sandra gar nicht, dass Marie allein vor dem Hotel auf Harry Lugauer wartete. Das war doch viel zu gefährlich. Kurz entschlossen streifte Sandra ihre Jacke über und lief nach draußen.

Harry war zurück ins Hotel gekommen! Marie hatte Sandra, ihren Eltern und Lukas eine SMS geschickt, dann war sie ihm gefolgt. Er ging sofort in die Fürstensuite. Sie lauschte an der Tür.

Harry hatte sich aufs Bett gesetzt und schnitzte an einem Pfeil herum. Späne fielen dabei zu Boden.

„So, das müsste passen“, murmelte er. Da klopfte es an der Tür. Eilig versteckte er den Pfeil in einem Karton. Dann öffnete er die Tür, vor der Marie stand.

„Hallo.“ Er bat sie herein. Sie schaute sich um, in der Hoffnung, Hendrik irgendwo zu entdecken, aber ihr Freund war nirgendwo zu sehen.

„Ich wollte nur fragen, ob du inzwischen was von Hendrik gehört hast?“, fragte sie.

„Bei mir hat er sich nicht gemeldet.“ Harry verneinte mit gespieltem Bedauern. „Und den Hausmeister in London konnte ich noch nicht erreichen. Aber glaub mir, ich finde es auch schwach von ihm, einfach abzuhauen. Ohne sich von dir zu verabschieden.“ Sie tat so, als würde sie ihm zustimmen. Spontan nahm Harry sie in die Arme – nur mit äußerstem Widerwillen ließ sie es geschehen. „Wenn ich irgendetwas für dich tun kann?“

„Danke, ich wüsste nicht, was“, seufzte sie.

„Gut, dann …“ Er erklärte, dass er noch packen müsse.

„Du reist ab?“, fragte sie erschrocken.

„Morgen“, nickte er.

Lukas telefonierte unterdessen mit dem Mietwagenunternehmen, bei dem Herr Lugauer ein Auto gemietet hatte. Aber man wollte ihm nicht sagen, für wie lange der Kunde den Vertrag abgeschlossen hatte. Wütend legte Lukas auf.

Da betrat Rosalie das Büro.

„Wir haben gestern eine Menge geschafft …“, flötete sie. Sie hatten gemeinsam an einem neuen Prospekt für den Fürstenhof gearbeitet. „Ich finde es toll, wenn wir zusammenarbeiten.“ Lukas brummte etwas Zustimmendes, war in Gedanken aber ganz woanders. Sie sagte, dass es bezüglich des Prospektes noch ein paar Dinge zu klären gäbe, die sie nicht allein entscheiden wolle. „Vielleicht heute Abend?“ Skeptisch sah Lukas sie an – er wusste ja, dass das ein Annäherungsversuch war. „Niemand hat gesagt, dass Arbeit keinen Spaß machen darf“, erklärte sie leichthin. „Wir könnten die ausstehenden Punkte doch beim Abendessen besprechen. Ich lasse uns was vom Thai kommen.“

„Okay“, erwiderte er seufzend. Ein hoffnungsvolles Strahlen ging über Rosalies Gesicht.

Harry hatte unterdessen wieder seine Kamera aufgestellt. Nun saß er vor dem Objektiv. In der Hand hielt er den Pfeil, den er gekürzt hatte. Und eine Armbrust.

„Das wird womöglich mein letzter Eintrag, die letzte Aufzeichnung werden.“ Feierlich sprach er in die Kamera und hielt dann den Pfeil hoch. „Mit diesem Pfeil hat alles angefangen. Mit diesem Pfeil hat Hendrik die Weltmeisterschaft für seine Zwillingsschwester Annika gewonnen. Und mit diesem Pfeil wird auch alles enden. Durch diesen Pfeil wird Hendrik sterben. Aber ich werde es nicht tun. Marie wird ihn hinrichten. Es ist ja auch alles ihre Schuld.“ Mit einem zufriedenen Lächeln schaltete er die Kamera wieder aus.

Marie, Sandra und Lukas berieten unterdessen, was zu tun sei. Wenn Harry morgen abreiste, würden sie Hendrik niemals finden.

„Wir müssen ihn beschatten“, meinte Lukas. „Und verfolgen. Wenn Lugauer Hendrik wirklich entführt hat, dann wird er höchstwahrscheinlich zu ihm fahren. Zu seinem Versteck.“

„Ich bin dabei“, erklärte Sandra sofort. Natürlich schloss sich Marie an – nur ihre Eltern durften von der ganzen Sache nichts wissen, die machten sich schon jetzt schreckliche Sorgen.

„Gut, überlegen wir, wie wir vorgehen.“ Eines hatten sie noch gar nicht bedacht: Was war, wenn Harry schon heute Nacht abhauen wollte? „Wir werden die Hotelausgänge rund um die Uhr bewachen“, entschied Lukas, und Marie und Sandra pflichteten ihm bei.

In der Tat hatte Harry vor, bei Einbruch der Dunkelheit das Hotel zu verlassen. Ausgerüstet mit einem Koffer und einem Karton, in dem sich Armbrust und Pfeil befanden, trat er vor die Tür. Da war ein Husten zu hören. Harry blickte sich um und entdeckte Lukas Zastrow, der im Schatten eines Baumes stand und Harrys Leihwagen zu beobachten schien. Lukas Zastrow … Der hatte doch den Klingelton aus dem Schrankkoffer gehört! Harry kombinierte blitzschnell: Man war ihm auf den Fersen! Unbemerkt schlich er Richtung Terrasse. Er würde seinen Beobachter erst einmal im Auge behalten.

Sandra hockte von Büschen verborgen am Hintereingang des Hotels. Es war kalt. Da kam Lukas zu ihr geschlichen, er brachte ihr eine Tasse heißen Tee.

„Hoffentlich erwischen wir diesen Mistkerl“, flüsterte er.

„Wir können gar nicht anders“, erwiderte sie. Die beiden tauschten ein Lächeln. „Ich finde es toll, dass du das für Hendrik tust“, meinte sie dann. Er zuckte die Achseln. Hendrik und er würden in diesem Leben wahrscheinlich keine Freunde mehr werden.

„Aber das hier ist was anderes, oder?“ Sie gab ihm recht. „Ich gehe jetzt mal wieder nach vorne.“ Sie sah ihm in der Dunkelheit nach. Er war nun mal einfach ein toller Mann. Und wenn er … Sie riss sich am Riemen und verbot sich den Gedanken. Nein, sie beide hatten ihre Chance gehabt. Vorbei war vorbei.

Rosalie saß einsam vor dem Abendessen, das sie für Lukas und sich bestellt hatte. Er hatte ihr nicht einmal abgesagt. Er hatte sie einfach so versetzt. Nicht einmal Cosima gelang es, die Geschäftsführerin zu trösten.

„Hast du eigentlich die Schnapsflasche gesehen?“, wollte Lukas’ Mutter vor dem Zubettgehen noch wissen. „Den selbst gebrannten Schnaps von meinem Großvater?“

„Den hat Lukas mitgenommen“, gab Rosalie tonlos zur Antwort und schenkte sich noch ein Glas Wein ein.

Von alldem unbehelligt verbrachten Tanja und Nils einen Abend zu Hause. Aber Tanja konnte sich nicht auf den Film konzentrieren, den sie gerade gemeinsam im Fernsehen guckten. Ihre Gedanken kreisten um Michael. Und um diesen unseligen Kuss. Davon konnte sie Nils nicht erzählen. Aber morgen war sie eigentlich mit Michael verabredet – sie hatten mit Fabien ins Schwimmbad gehen wollen. Sie behauptete, keine Zeit zu haben, und bat Nils, an ihrer Stelle mit Dr. Niederbühl und dem Kleinen schwimmen zu gehen.

„Ich? Mit Doktor Niederbühl?“ Nils wirkte etwas überrascht.

„Warum nicht?“, entgegnete Tanja.

„Wenn du meinst, dass ihm das gefällt?“

„Michael ist froh, wenn er was mit dem Kleinen machen kann“, erklärte sie schnell. „Dem ist Fabien wichtig, nicht ich.“

„Klar.“ Nils grinste. „Doktor Niederbühl, Fabien und ich – eine moderne kleine Familie.“

„Spinner!“ Sie knuffte ihn in die Seite. „Fabien, du und ich – wir sind die kleine Familie.“

Charlotte berichtete ihrem Verlobten derweil von Werners Bemerkungen von vorhin.

„Er kann es einfach nicht lassen“, beklagte sie sich. „Er gibt erst Ruhe, wenn er uns auseinandergebracht hat. Aber das wird ihm nicht gelingen.“ Sie griff nach Michaels Hand.

„Nein, natürlich nicht“, versicherte der hastig. Ihm saß das schlechte Gewissen im Nacken. Dann erkundigte sich Charlotte danach, wie die Proben mit Frau Liebertz liefen. „Tanja hat beschlossen, das Projekt auf Eis zu legen“, log er überfordert. „Ich glaube, sie hat sich jetzt doch eine andere Überraschung für ihren Freund überlegt.“ Dann wechselte er das Thema. „Stimmt es eigentlich, dass dein Exschwager und Cosima Saalfeld eine Affäre haben?“

„Cosima und André?“ Die Fassungslosigkeit stand Charlotte ins Gesicht geschrieben. „Das ist doch nicht wahr, oder?“

2. KAPITEL

Werner und sein Bruder spielten eine späte Partie Schach. Aber der Senior war nicht bei der Sache: Dauernd musste er an Charlotte und an Dr. Niederbühl denken.

„Sie wirft mir vor, dass ich eifersüchtig wäre auf ihren Leibarzt“, empörte er sich. „Aber darum geht es doch gar nicht. Wenn ich sehe, dass sich Niederbühl an Tanja ranmacht …“

„Die kleine Liebertz?“, wunderte sich André. Werner nickte.

„Der Kerl bestellt mehrere Äcker“, vermutete er. „Aber Charlotte ist so was von verblendet, dass sie es nicht wahrhaben will. Ich möchte nicht, dass sie verletzt wird.“ Er fragte sich, ob er Dr. Niederbühl selbst mal ein bisschen auf den Zahn fühlen sollte.

„Dafür wäre dir Charlotte sicher sehr dankbar“, meinte der Chefkoch ironisch.

„Soll ich sie blindlings in ihr Unglück laufen lassen?“, erwiderte sein Bruder aufgewühlt.

„Sie ist alt genug, um ihre eigenen Erfahrungen zu machen“, fand André.

„Du meinst, so wie du?“ Die Stimme des Seniors wurde anzüglich. „Mit Cosima Zastrow?“

„Du wirst noch auf die Knie fallen vor lauter Dankbarkeit, dass ich dir deinen Fürstenhof gerettet habe“, konterte der Chefkoch und schlug grinsend Werners Dame.

Katja litt sehr darunter, dass Ben ihr die Freundschaft gekündigt hatte. Und das alles wegen eines dämlichen T-Shirts. Aber im Moment war da nichts mehr zu machen. Wann immer sie versuchte, mit ihm ins Gespräch zu kommen, wies er sie zurück.

Simon gegenüber beschwerte sich Ben vor allem über den Igel, den er wegen Kai Krone nun in der Dachkammer versorgen musste. Das Tier war voller Ungeziefer und machte nachts so einen Krach, dass man dabei kaum schlafen konnte.

„Ich wollte diesen Igel nicht, sondern Kai“, beschwerte sich Ben bei seinem Mitbewohner. „Jetzt habe ich nichts mehr mit ihm zu tun, aber die Verantwortung für das blöde Vieh bleibt trotzdem an mir hängen.“

„So ein Mist!“ Lukas, Sandra und Marie standen dort, wo vorher Harry Lugauers Leihwagen geparkt gewesen war. Nun war das Auto verschwunden – Harry war ihnen entwischt! „Er muss abgehauen sein, als ich kurz bei dir war“, sagte Lukas zu Sandra. „Anscheinend hat auch er uns beobachtet.“

„Und jetzt?“, fragte Sandra.

„Jetzt ist Hendrik verloren.“ Maries Stimme zitterte. Wie sollten sie ihren Freund denn jetzt noch finden?

„Wenn wir so etwas wie einen Peilsender hätten …“, überlegte Lukas.

„Einen Peilsender?“ Marie war auf einmal hellwach. „Das ist die Idee! Ich kenne da jemanden, der uns vielleicht helfen könnte.“

Nils schlief schon, als es an der Wohnungstür Sturm klingelte. Tanja übernachtete heute zu Hause. Verschlafen öffnete er die Tür. Marie stand davor.

„Ist Kai da?“, fragte sie atemlos.

„Woher weißt du, dass er hier wohnt?“, erwiderte Nils irritiert. Marie hatte in Kai Krones Personalakte nachgesehen.

„Ich muss ihn was fragen“, erklärte sie gehetzt. „Es geht um Leben und Tod. Holst du ihn bitte?“ Nils lief ins Schlafzimmer seiner Schwester und bat Katja, die gerade zu Bett gehen wollte, sich schnell als Kai herzurichten. Marie dauerte das alles viel zu lange, aber Nils hielt sie davon ab, in Katjas Schlafzimmer zu stürmen.

„Sorry, hat etwas länger gedauert …“ Katja rieb sich – scheinbar verschlafen – die Augen. „Was gibt’s denn?“

„Hendrik ist entführt worden“, platzte Marie heraus. „Von Harry Lugauer. Wir haben ihn zwar beschattet, aber er ist uns entwischt.“ Das mussten Nils und Katja erst einmal verdauen. Aber Marie hatte keine Zeit für lange Erklärungen.

„Du kennst dich doch mit Computern aus.“ Sie sprach jetzt nur zu Kai. „Kannst du ein Handy orten?“

„Theoretisch kein Problem.“ Man brauchte nur die richtige Software. Und die konnte man sich aus dem Internet herunterladen. „Aber legal ist das nicht.“ Das war Marie vollkommen gleichgültig.

Sandra und Lukas untersuchten zur selben Zeit die Fürstensuite. Vielleicht hatte Harry Lugauer ja etwas zurückgelassen, das ihnen weiterhalf. Aber sie fanden nur die rätselhaften Späne am Boden. Als hätte er etwas gesägt oder geschnitzt …

„Und alles nur, weil ich meinen Posten verlassen habe.“ Lukas quälte sich mit Selbstvorwürfen.

„Das bringt uns jetzt nicht weiter“, meinte Sandra ruhig. „Außerdem glaube ich nicht, dass er zufällig in den paar Minuten entwischt ist, in denen du bei mir warst.“ Harry musste schon vorher etwas gemerkt haben. „Und er hätte immer einen Weg gefunden, uns zu entkommen. Du kannst nichts dafür, okay?“

Am nächsten Morgen wartete Michael schon seit geraumer Zeit auf Tanja und Fabien. Statt des Zimmermädchens und ihres Sohnes kam jetzt aber Nils Heinemann auf ihn zugerannt.

„Ich soll Ihnen ausrichten …“, keuchte der. „Tanja kann Sie leider nicht zum Schwimmen begleiten.“ Michaels Miene verdüsterte sich. „Eigentlich sollte ich mit Ihnen und Fabien … Aber mir ist was dazwischengekommen“, fuhr Nils fort. „Und Tanja und ich haben beschlossen, dass der Kleine heute bei mir bleibt.“

„Verstehe …“ Die Enttäuschung war Dr. Niederbühl nun deutlich anzusehen.

„Das Schwimmbad läuft ja nicht weg.“ Kumpelhaft klopfte Nils dem Arzt auf die Schulter. „Und was uns beide angeht: Ich schieße vielleicht ab und zu übers Ziel hinaus, aber ich weiß, Sie sind ein guter Typ. Und ein Spitzenvater für Fabien.“ Michael schluckte und zwang sich dann zu einem gequälten Lächeln.

Es war ihm klar, dass er etwas tun musste, wenn sich die Situation mit Tanja wieder normalisieren sollte. Also setzte er sich an seinen Schreibtisch und begann, einen Brief zu schreiben.

„Ich hätte dich nicht küssen dürfen“, schrieb er. „Es war das Gefühl, eine Familie zu haben, das mich kurz verwirrt hat. Aber ich weiß, dass du glücklich bist mit deinem Lebensgefährten. Und ich weiß, wohin ich gehöre. Trotz allem bleibe ich Fabiens Vater. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Ich verspreche dir, ich werde mich nicht mehr dazu hinreißen lassen …“ Das Telefon klingelte, er wurde zu einem Notfall gerufen. Eilig vollendete er den letzten Satz, unterschrieb den Brief und steckte ihn in ein Kuvert, das er an Tanja adressierte. Dann schob er es unter die anderen Unterlagen, die sich auf seinem Schreibtisch befanden, griff nach seiner Arzttasche und machte sich auf den Weg zu seinem Patienten.

Es hatte die ganze Nacht gedauert, bis es Katja gelungen war, die nötige Software zu installieren. Weder Marie noch ihre Freunde hatten ein Auge zugemacht, auch Nils war bei ihnen geblieben und hatte immer mal wieder einen Kaffee gekocht. Auch nachdem er am Morgen Dr. Niederbühl wegen Fabien Bescheid gesagt hatte, war er sofort zurückgekommen. Tanja würde den Kleinen in einer halben Stunde bei ihm abliefern.

Zu Harry Lugauers Handy ließ sich keine Verbindung herstellen.

„Sein Handy wird ausgeschaltet sein“, vermutete Lukas. „Versuch’s mal mit Hendriks!“ Und tatsächlich: Es klappte. Katja sah die Koordinaten von Hendriks Aufenthaltsort auf ihrem Bildschirm. Es dauerte eine Weile, bis sich die Landkarte aufbaute. Aber dann erkannten sie es: Hendrik befand sich auf der Almwiese! Es konnte nur die Hütte sein, in der er gefangen gehalten wurde!

Nils erklärte sich dazu bereit, vor dem Bildschirm sitzen zu bleiben, damit er sofort Bescheid geben konnte, falls sich etwas an der Handyposition veränderte. Katja – oder vielmehr Kai – musste zur Arbeit. Die anderen drei stürzten los, um zur Almwiese zu fahren.

Hendrik beobachtete derweil ohnmächtig, wie Harry seine Hinrichtung vorbereitete. Harry hatte die Armbrust fest auf den Boden montiert und sie mit Hilfe einer Schnur mit der Hüttentür verbunden. Sobald jemand die Tür öffnete, würde der präparierte Pfeil abgeschossen werden und Hendrik treffen.

„Weißt du, was das Beste ist?“ Harry strahlte seinen Gefangenen an, der Wahnsinn stand in seinen Augen. „Wenn ich längst über alle Berge bin, kriegt deine Marie eine SMS – wo du steckst. Und wenn sie dann kommt, um dich zu retten …“ Er machte ein zischendes Geräusch.

„Du gehörst in die Klapsmühle“, flüsterte Hendrik verzweifelt. „Du bist ein Psychopath. Total übergeschnappt!“

„Jetzt redest du wie Timo …“, erwiderte Harry böse.

„Verdammt!“ Hendrik schrie auf. „Ich will hier raus!“

„Halt’s Maul, sonst …“ Hendrik begann, laut zu lachen.

„Was sonst? Wie viel schlimmer kann es denn noch werden?“

Werner war in Michaels Praxis gekommen. Der Doktor war nicht da, und der Arzthelferin gefiel es gar nicht, dass Herr Saalfeld trotzdem ins Sprechzimmer ging, aber immerhin war er der Vermieter der Praxisräume, also hielt sie ihn nicht davon ab. Er bat sie, ihm eine Liste der rezeptfreien Grippemedikamente auszudrucken. Kaum hatte sie das Zimmer verlassen, sah er sich auf Michaels Schreibtisch um. Es dauerte nicht lange, bis ihm der Brief an Tanja Liebertz in die Hände fiel. Ohne zu zögern, öffnete er das Kuvert und las. Da stand plötzlich Charlotte im Raum.

„Was willst du hier?“, fragte sie unfreundlich.

„Bei mir ist ein grippaler Infekt im Anmarsch“, log er.

„Unsinn!“, fauchte sie. „Du bist hier, um meine Beziehung zu Michael zu torpedieren! Gib es doch wenigstens zu!“ Seine Gesichtszüge verhärteten sich. Am liebsten hätte er ihr den Brief ihres Verlobten unter die Nase gehalten. Aber im letzten Augenblick besann er sich eines Besseren. „Jetzt schnüffelst du schon in seiner Praxis herum!“, empörte sie sich weiter. „Begreif es endlich: Michael und ich, wir lieben uns. Und nichts und niemand wird sich zwischen uns stellen, auch du nicht!“ Da kam die Arzthelferin herein und überreichte Werner die gewünschte Liste.

„Eine Liste mit rezeptfreien Grippemedikamenten“, sagte er und zeigte Charlotte den Ausdruck. „Bist du nun zufrieden?“ Wütend verließ er die Praxis. Und sie schaute ihm äußerst irritiert hinterher.

Marie, Sandra und Lukas hatten die Almwiese erreicht und schlichen nun zur Hütte. Lukas spähte durch eines der Fenster – da saß Hendrik auf dem Boden, gefesselt. Eine glückliche Fügung ließ ihn in diesem Moment zum Fenster blicken. Überrascht verzog er das Gesicht, als er Lukas bemerkte. Dann nickte er Richtung Tür und schüttelte den Kopf.

„Er ist da drin“, berichtete Lukas flüsternd den beiden Frauen. „Und Lugauer ist auch da. Er packt gerade seine Sachen.“

„Wir gehen da jetzt rein!“, beschloss Marie. Lukas war sich nicht sicher. Er konnte das Zeichen, das Hendrik ihm gegeben hatte, nicht richtig deuten. Irgendetwas da drinnen war faul. Aber Marie war nicht mehr zu bremsen. Also griff sich Lukas einen kräftigen Stock, holte tief Luft und trat dann die Tür ein. Ein zischendes Geräusch war zu hören, gefolgt von einem lauten Schmerzensschrei.

„Hendrik!“ Marie und Sandra stürmten in die Hütte. Erleichtert sahen sie, dass Hendrik nichts passiert war. Aber in Harry Lugauers Arm steckte ein Pfeil. Hendrik war es gelungen, Harry so zu provozieren, dass er sich genau im rechten Augenblick in die Schussbahn des Pfeils gestellt hatte. Jetzt schrie Harry vor Schmerzen.

„Holt die Polizei! Und einen Krankenwagen!“, rief Lukas den Frauen zu. Als Erstes kümmerte er sich um Harry und legte ihm Fesseln an. Dann befreite er Hendrik, der sichtlich unter Schock stand.

„Bist du verletzt?“ Marie kniete sich neben ihren Freund.

„Nein, nein“, erwiderte der tonlos. „Alles gut.“ Neben den beiden fielen sich Sandra und Lukas in die Arme. Sie hatten Hendrik gerettet, in allerletzter Sekunde.

Die Polizei führte Harry ab. Als er an Marie und Hendrik vorbeikam, spuckte er noch einmal verächtlich vor ihnen aus. Aber dann war er verschwunden.

Sanitäter kümmerten sich um Hendrik, der noch immer leichenblass war. Marie wich nicht von seiner Seite.

Lukas hatte beim Stürmen der Hütte eine kleine Schnittwunde an der Stirn davongetragen. Sandra bestand darauf, sie eigenhändig zu versorgen. Sie tat Desinfektionsspray und eine Kompresse darauf. Dankbar lehnte Lukas seinen Kopf an ihre Schulter. Und trotz der ganzen Aufregung genossen beide die Intimität dieses Moments.

Nils hatte inzwischen Tanja in die Geschehnisse der letzten Nacht eingeweiht. Und natürlich war das Zimmermädchen außer sich vor Sorge um ihre Freunde. Doch da kam auch schon der erlösende Anruf: Hendrik ging es gut, sie hatten ihn befreit. Und Harry Lugauer war verhaftet worden.

„Gibt’s schon was Neues?“ Katja steckte ihren Kopf durch die Wohnungstür. Auch sie reagierte erleichtert, als sie hörte, dass alles ein gutes Ende genommen hatte.

„Deine Handyortung hat prima geklappt“, lobte ihr Bruder. Sie lächelte. Und zog dann einen Karton hervor.

„Was ist denn da drin?“, fragte Tanja neugierig.

„Der Igel.“ Ben hatte Katja heute Morgen im Personalraum den Karton mit dem Igel in die Hand gedrückt. Er würde sich nicht weiter um das Tier kümmern, hatte der Page erklärt. Schließlich war es Kai gewesen, der darauf bestanden hatte, den Igel zu retten. „Er muss irgendwo überwintern.“

„Bestimmt nicht hier.“ Da waren sich Nils und Tanja einig. Der Igel war voller Ungeziefer, und immerhin hielt sich Fabien häufig in der Wohnung auf. Außerdem war es in der Wohnung viel zu hell und zu warm für das Tier. Zum Überwintern gehörte ein Igel in den Keller. Und den gab es hier nicht.

„Rate mal, was mein Sohn gerade gemacht hat!“ Cosima war ins Wohnzimmer gestürmt, wo Rosalie am Tisch saß und offenbar unter einem heftigen Kater litt.

„Interessiert mich nicht“, stöhnte die Geschäftsführerin und hielt sich den Kopf. „Und kannst du bitte etwas leiser sein?“ Weil sie so frustriert gewesen war, dass Lukas sie versetzt hatte, hatte sie die ganze Flasche Rotwein allein ausgetrunken.

„Lukas hatte etwas Besseres vor!“, verkündete Cosima triumphierend.

„Ich will diesen Kerl niemals wiedersehen!“, schnaubte Rosalie.

„Dann wird ihn wohl eine andere Frau zu seinen Heldentaten beglückwünschen“, entgegnete ihre Schwiegermutter schnippisch. „Er hat nämlich einen Mörder überwältigt. Jedenfalls einen potenziellen.“ Rosalie fiel die Kinnlade herunter. „Dieser Harry Lugauer … Offenbar hatte er Hendrik Bruckner entführt. Und Lukas hat ihn aufgespürt. Zusammen mit der Ostermeyer und der kleinen Sonnbichler …“

„Was?!“ Rosalie sprang auf. Sie wollte auf der Stelle zu Lukas.

Draußen warteten schon Hildegard und Alfons auf die Rückkehr ihrer Tochter.

„Die drei ganz allein gegen so einen Bekloppten …“ Hildegard schüttelte immer wieder den Kopf. Aber es war ja zum Glück niemandem etwas geschehen. Und da kamen die vier auch schon.

„Marie! Geht’s dir gut?!“ Besorgt schloss Hildegard ihre Tochter in den Arm.

„Alles okay, Mama“, sagte Marie. Alfons legte dem immer noch blassen Hendrik väterlich eine Hand auf die Schulter.

„Da haben Sie wohl ein ganzes Heer von Schutzengeln gehabt“, meinte er. Hendrik nickte.

„Einer war besonders fleißig …“ Er warf Marie einen zärtlichen Blick zu.

„Geht’s dir gut?“ Auch Simon hatte inzwischen gehört, was passiert war. Nun nahm er Sandra in die Arme.

„Alles bestens.“ Tief durchatmend lehnte sie sich an die Brust ihres Cousins. „Aber jeden Tag muss ich das nicht haben.“ Lukas warf dem vermeintlichen Paar einen schmerzlichen Blick zu. Aber da tauchte schon Rosalie auf und fiel ihm um den Hals.

„Lukas!“, rief sie. „Wenn dir etwas passiert wäre … Ich darf gar nicht daran denken …“

„Halb so wild“, behauptete er. Aber Rosalie schmiegte sich vollkommen außer sich an ihn. Und das versetzte wiederum Sandra einen Stich ins Herz.

3. KAPITEL

Michael kam von seinem Notfall zurück und wurde im Hotel von Werner Saalfeld abgefangen. Der hielt ihm wortlos den Brief an Tanja entgegen.

„Warum haben Sie …?“ Überfordert brach Dr. Niederbühl ab.

„Sie verraten mir jetzt erst mal die Hintergründe Ihrer Korrespondenz mit Frau Liebertz“, verlangte der Senior wütend. „Planen Sie vielleicht eine Neuauflage Ihres fröhlichen Techtelmechtels auf dem Waldfest vor drei Jahren?“

„Kümmern Sie sich um Ihre eigenen Angelegenheiten!“, knurrte Michael.

„Das ist meine Angelegenheit!“, konterte Werner. „Hier geht es nämlich um meine Exfrau.“

„Betonung liegt auf Ex!“, erwiderte der Arzt.

„Charlotte liegt mir immer noch sehr am Herzen.“ Die Stimme des Seniors war nun sanfter geworden. „Und ich möchte nicht, dass sie enttäuscht und verletzt wird.“

„Ich auch nicht“, versicherte Michael.

„Dann sind wir uns ja einig“, stellte Werner fest. „Ich hoffe also, es ist wahr, was Sie in dem Brief schreiben: dass der Kuss nur ein Ausrutscher war. Denn wenn Sie Charlotte unglücklich machen, kriegen Sie es mit mir zu tun.“ Dr. Niederbühl war sichtlich zerknirscht.

Marie und Hendrik saßen inzwischen im Personalraum und versuchten, die Ereignisse zu verarbeiten.

„Hätte ich bloß von Anfang an auf dich gehört“, seufzte er. „Du hast gleich geahnt, dass mit Harry was nicht stimmt.“ Marie zuckte nur die Achseln – jetzt waren sie ja in Sicherheit. „Weißt du, was für mich das Schlimmste war? Als ich dich anlügen musste. Und dir erzählt habe, dass ich mit dieser Valerie durchgebrannt sei …“ Er hatte es tun müssen, um Harrys Vertrauen zu gewinnen.

„Ich habe gespürt, dass etwas anderes dahintersteckt“, entgegnete sie lächelnd. Er strich ihr zart über die Wange.

„Meine Retterin …“, flüsterte er.

„Aber wenn Lukas Zastrow nicht den Klingelton gehört hätte, wären wir nie auf Harrys Spur gekommen“, gab Marie zu bedenken.

„Wie dumm war ich nur, dass ich auf diesen Freak reingefallen bin.“ Erschöpft schüttelte Hendrik den Kopf.

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