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Zwei wie Dynamit und Feuer: Western

Timothy Stahl

Zwei wie Dynamit und Feuer: Western

Cassiopeiapress Spannung





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Zwei wie Dynamit und Feuer

Western von Timothy Stahl

 

Ein CassiopeiaPress E-Book

© by Author

© der Digitalausgabe 2014 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

www.postmaster@alfredbekker.de

 

 

 

"Mama Rosita's Roses" war weit über die Grenzen von Fresno hinaus berühmt und berüchtigt. Manche sahen in dem Etablissement einen Sündenpfuhl ohnegleichen, andere hielten es für ein Geschenk des Himmels.

Randy Chase zählte zu Letzteren, und gerade jetzt meinte er, die Engel singen zu hören – wieder einmal…

Woche für Woche haute Randy einen beträchtlichen Teil seines Lohns, den er als Cowboy draußen auf der Four-T-Ranch verdiente, unter Mama Rositas Dach – oder genauer gesagt in ihren Betten – auf den Kopf. Kameraden und Kollegen waren sich einig darüber, dass Randy Chase deshalb so ein mageres Bürschlein war – weil er sein Geld, anstatt sich regelmäßig ein ordentliches Stück Rindfleisch zu gönnen, lieber für fleischliche Gelüste ausgab.

Vielleicht hatten sie Recht. Es kümmerte Randy nicht. Denn für sein warmes Stammplätzchen zwischen Lauras Schenkeln würde er sogar für alle Zeit aufs Essen verzichten! Damned, es würde ihn nicht einmal kratzen, in den Armen dieses Mädchens zu sterben!

Das dachte Randy Chase jedenfalls…

In der Zimmerluft hing noch der süße Duft von Lauras Parfüm, den ihr heißer Körper auf dem Gipfel der Lust verströmt hatte, verschwenderisch wie eine Blume, die in voller Blüte stand. Randy Chase spürte noch immer den Nachklang des Kribbelns in seinen Lenden und den fordernden Druck von Lauras samtweichen, schlanken Beinen, die sie ihm um die Hüfte geschlungen hatte wie einem wilden Hengst, den es zuzureiten galt.

Eigentlich wäre es für Chase danach an der Zeit gewesen, sich anzuziehen und zu gehen. Aber er hatte noch ein paar Scheine zusammengekratzt für eine zweite Runde.

Herrgott, für Laura hätte er seinen letzten Dollar gegeben und sein letztes Hemd versetzt!

Nicht nur, weil es für ihn nichts Schöneres geben konnte, als mit diesem Mädchen zusammen zu sein. Nicht nur, weil es ihm jedes Mal fast das Herz brach, wenn er seinen Hut aufsetzte und sich mit einem galanten Handkuss verabschiedete.

Sondern, vor allem, weil es ihm in der Seele wehtat, sich vorzustellen, dass Laura nach ihm andere Kunden empfing.

Und an nichts anderes konnte Randy Chase denken, wenn er nach einem Besuch bei "Mama Rosita's" durch die Nacht zurück zur Four-T ritt, Lauras Duft noch auf seiner Haut, aber in der Gewissheit, dass ihn gerade jetzt, in diesem Augenblick ein anderer atmen durfte. Irgendein stinkender Kerl, der des Girls nicht würdig war!

Also verbrachte Randy Chase so viel Zeit wie nur möglich (und wie er sich leisten konnte) mit Laura. Was leider Gottes nicht so viel war, wie er es sich wünschte…

Genau genommen wünschte er sich nichts sehnlicher, als seine ganze Zeit mit Laura zu teilen. Dass sie ihren Job aufgab und nur noch ihm gehörte, in guten wie in schlechten Zeiten.

O ja, er würde sie lieben und ehren, bis dass der Tod sie schied. Und, nein, es würde ihn stören, niemals, dass sie eine Hure war. Er würde sie zu einer ehrbaren Frau machen.

Und wenn sie fürchtete, ihre anrüchige Vergangenheit würde ihr anhängen, so lange sie in oder auch nur in der Nähe von Fresno blieb, dann könnten sie anderswo hingehen. Randy Chase sah sich selbst als tüchtigen jungen Mann, und es gab ganz sicher schlechtere Cowboys als ihn; er würde überall Arbeit finden.

Die Zukunft hätte so schön sein können. Randy sah sie in strahlendem Glanz und prächtigen Farben.

Laura brauchte nur noch zuzugreifen, nur "Ja, ich will!" zu sagen…

…aber sie lachte nur. Ihr herrliches, erfrischendes Lachen. Hell wie das Klingeln eines Silberglöckchens. So rein und unschuldig wie Laura tief in ihrem Herzen immer noch war, trotz ihres Jobs.

"Ach Randy", seufzte sie dann, "du bist so süß, wenn du träumst."

Chase lag bäuchlings und nackt auf den seidigen Laken des Betts.

Laura saß, gleichfalls nackt, auf seinem Rücken – er fühlte die feuchte Wärme ihres Schoßes – und massierte seine knochigen Schultern, an ihren Händen ein Öl, dessen Duft mit ihrem Parfüm harmonierte.

"Es könnte unser Traum sein", sagte Randy. "Warum nur willst du ihn nicht mit mir träumen?"

"Ich kann nicht", sagte Laura, und der mädchenhafte Ton schwand aus ihrer Stimme. "Vielleicht… weil ich das Träumen verlernt habe."

Das Mädchen war gut und gerne fünf Jahre jünger als Randy. Trotzdem, manchmal klang sie so alt, als könne sie seine Mutter sein. Und er wusste nur zu gut, dass Lauras hübsches Gesicht diese Verwandlung jedes Mal ein Stück weit mitmachte. Dass dann dunkle und harte Linien darin auftauchten wie hineingemalt.

"Das verlernt man nicht", behauptete er. "Man muss nur wollen, dann kann jeder Traum wahr werden – oder wenigstens so nahe rücken, dass er greifbar wird."

"Wenn ich dich so reden höre…"

Laura beugte sich vor und schmiegte sich gegen Randy. Er spürte ihre kleinen festen Brüste im Rücken, ihren warmen Atem im Nacken und dann ihre Lippen ganz nah an seinem Ohr

"…dann möchte ich dir so gerne glauben."

"Das kannst du." Randys Stimme klang mit einem Mal rau. "Du kannst mir vertrauen, Laura. Ich meine es ernst, jedes Wort. Ich würde dich auf Händen durchs Leben tragen –"

"Das weiß ich –"

"Aber?", fragte Randy.

Laura zögerte, und als sie endlich antwortete, tat sie es so leise, dass Chase Mühe hatte, sie zu verstehen, obwohl ihr Mund dicht an seinem Ohr war.

"Ich weiß nicht, ob ich es wert bin, Randy. Ob ich einen Mann wie dich überhaupt verdiene."

"Red keinen Unsinn!"

Randy wurde so laut, dass man ihn vermutlich noch in den Zimmern nebenan hören konnte. Schließlich bestanden die Wände aus kaum mehr als ein paar Brettern, dünner Tapete und ein bisschen Spucke.

Entrüstet drehte er sich um.

Laura rutschte von seinem Rücken, kam neben ihm zu liegen, und Chase schob sich über das Mädchen, sein Gesicht nur mehr eine knappe Handbreite von ihrem entfernt.

"Sag das nicht, Laura, bitte. Ich bin es, der sich fragen muss, ob er gut genug für dich ist."

"Jetzt redest du Unsinn", meinte Laura, aber es klang nicht so leichthin, wie sie es beabsichtigt hatte. Es wollte ihr nicht gelingen, den Ernst der Lage herunterzuspielen.

Den Ernst der Lage… Laura schauderte. Wohlig.

Ja, dachte sie, die Sache ist ernst. Sie wusste, dass sie einen Schritt in eine Richtung getan hatte, in die es sie insgeheim zog, seit Randy Chase ihr seine Gefühle offenbart hatte. Und sie war sich fast sicher, dass sie diesen einen Schritt nicht mehr zurückgehen wollte – im Gegenteil…

"Laura, ich bin nur ein einfacher Cowboy und ich habe keine Reichtümer, aber –"

Jetzt schaffte sie doch ein kleines Lächeln.

"Natürlich hast du die nicht, Süßer. Weil du dein ganzes Geld bei mir lässt."

"Und du bist jeden Cent wert", grinste Randy und küsste ihre Nasenspitze.

"Aber auch ehrlich genug, mir jeden Cent hart zu verdienen", gab Laura zurück. "Und weil wir gerade von 'hart' sprechen…"

Ihre Hand ging auf Wanderschaft und fand, wonach sie suchte.

"Oh", machte Randy. "Hätte ja beinah vergessen, dass ich noch einmal gut habe." Er grinste jungenhaft.

Laura verstärkte ihren Griff um eine Winzigkeit. Randys Männlichkeit reagierte.

"Dann sollten wir keine Zeit verlieren, so lange der kleine Mann willig ist." Laura schnurrte wie ein Kätzchen. "Reden können wir hinterher…"

"Oh, ich hab nichts dagegen, wenn du zwischendurch ein bisschen redest", sagte Randy und glitt zwischen Lauras einladend geöffnete Knie. "Ein paar schmutzige Worte spornen mich zu Höchstleistungen an."

"Ich weiß", gurrte ihm das Mädchen ins Ohr. "Aber die kosten extra. Obwohl –"

"Ja?"

"Ich überlege, ob ich mich mit dir in Zukunft nicht umsonst vergnügen soll – und exklusiv."

Randy hielt inne. "Heißt das –?"

Laura schenkte ihm ein Lächeln, wie sie es noch niemandem geschenkt hatte.

"Hinterher", flüsterte sie. "Erst musst du mir deine Liebe beweisen, Randy Chase."

Und das tat er. Er liebte Laura, wie sie noch ein Mann geliebt hatte.

Sie vergaßen die Welt um sich her.

Vergaßen, wo sie und wer sie waren. Nicht länger Hure und Freier in einem abgenutzten Bordellbett, sondern frei und glücklich im siebten Himmel.

Lust und Leidenschaft machten sie taub für den Tumult, der jenseits ihrer Tür und drunten im Salon ausbrach.

Sie spürten glühende Hitze und hielten sie für das Feuer ihrer just entfachten Liebe zueinander.

Erst als sie schweißnass und keuchend nebeneinander lagen, hörten sie die Schreie und das Prasseln der Flammen, das Krachen, mit dem Wände und Decken einstürzten.

Sekunden später machte sengender Gluthauch jeden Atemzug zur Höllenqual. Und schon leckte das Feuer mit gierigen Zungen auch in dieses Zimmer. Breitete sich rasend schnell aus, verwandelte das Separee in eine Falle, aus der es kein Entkommen gab.

Randy Chase und Laura versuchten es. Aber sie kamen nicht einmal bis zur Tür.

Ihr junges Glück verging, kaum dass es begonnen hatte.

Doch nicht einmal der Tod vermochte sie zu scheiden.

Sie starben Arm in Arm, eng umschlungen in der Feuerhölle, die "Mama Rosita's" in Schutt und Asche legte.

 

*

 

Die Sonne berührte fast schon den Horizont hinter Remy Deveraux. Sein Schatten streckte sich lang zwischen den ersten Häusern hin, tief und schwarz wie eine Grube – als stünde er vor seinem eigenen Grab.

Ein sachter, aber steter Wind wirbelte feinen Staub auf und ließ ihn wie schmutzigen Bodennebel über der Straße wogen.

Aus den dunklen Fenstern in den Fassaden und den Schatten unter den Vordächern links und rechts schienen ihn unsichtbare Augen kalt und starr zu mustern.

Wieder einmal fragte sich Remy Deveraux, was er hier eigentlich verloren und zu suchen hatte.

Und wieder einmal wünschte er sich zurück nach Paris.

Wo er nicht über staubige Straßen geschlichen war wie ein Jäger auf der Pirsch, die Hand nicht ständig auf Hüfthöhe, die Finger nicht dauernd am Griff eines Revolvers. Wo die Sonne nicht wie durch ein Brennglas vom Himmel gestochen und nicht bei jedem Atemzug Sand zwischen seinen Zähnen geknirscht hatte.

Nein, daheim in Paris war er am Ufer der Seine entlang und über die Boulevards mit ihren Cafés flaniert, hatte dort mit den hübschen Mademoiselles geflirtet, und die einzigen Abenteuer, in die er sich gestürzt hatte, waren durch die Bank amouröser Natur gewesen.

Und vor allem hatte Remy Deveraux dort nie jemand nach dem Leben getrachtet.

Oh, naturellement, ab und an hatte er den Unmut eines Nebenbuhlers auf sich gezogen, wenn er sich in dessen Liebste verguckte (und in den allermeisten Fällen waren seine Avancen auf Gegenliebe gestoßen). Aber niemals hatte einer dieser Gentlemen versucht, ihm eine Kugel zu verpassen.

Hier jedoch, Remy seufzte still, war das an der Tagesordnung.

Nicht von ungefähr sprach man in seiner alten Heimat meist nur vom Wilden Westen, wenn die Rede auf die Neue Welt kam…

Wie um Himmels willen also war er nur hierher geraten? Und warum blieb er hier, anstatt in die Stadt der Liebe zurückzukehren?

Auf beide Fragen ließ sich dieselbe Antwort geben.

Er hatte Paris den Rücken gekehrt und war Hals über Kopf nach Amerika gereist – einer betörend schönen Miss wegen… und ihretwegen war Remy Deveraux immer noch hier. Letzteres indes hätte er nie und nimmer zugegeben, nicht einmal in Gedanken und sich selbst gegenüber.

Seine Liaison mit dem hübschen Fräulein aus Amerika war vorbei gewesen, kaum dass er ein paar Wochen in ihrer Heimat zugebracht hatte.

Sie hatten nicht zueinander gepasst, oder vielmehr, die Mademoiselle hatte sich letztlich doch nicht als das anschmiegsame Kätzchen erwiesen, das Remy in ihr sehen wollte – nein, eine Wildkatze war sie, mit Krallen und Zähnen, und beides hatte er zu spüren gekommen.

Und das nur, weil ihn fürderhin sein altes Leiden geplagt hatte – jenes, das ihn dazu zwang, jedem Weiberrock nachzuschauen und bisweilen auch –zustellen, wenn sich unter besagtem Rock ein Paar langer Beine und ein knackiger Hintern verbargen.

Remys Erklärung des Unterschieds zwischen wahrer Liebe und harmloser erotischer Neugierde hatte die einzige Dame seines Herzens leider nicht nachvollziehen können… Er schob es der anderen Mentalität der Amerikaner zu.

Ein prüdes Völkchen, wahrlich!

Aber andererseits jederzeit zur Gewalt bereit und schnell mit der Waffe bei der Hand –

Rechts von ihm krachte ein Schuss.

Aus dem Augenwinkel registrierte er das Mündungsfeuer.

Das Geräusch war noch nicht verklungen, als Remy Deveraux schon lang gestreckt nach vorne sprang. Noch in der Bewegung zog er den Revolver und abdrückte.

Er rollte über die Schulter ab, kam in die Hocke und warf sich nach links, wo zwei weitere Schüsse krachten.

Deveraux lupfte seine zweite Waffe aus dem Holster und feuerte zwei Kugeln zurück.

Aber der Tanz ging jetzt erst so richtig los – und es war nicht Remy Deveraux, der den Takt vorgab!

Ein Gewitter aus Schüssen brach über ihn herein.

Zwar fielen sie nicht so schnell hintereinander, dass es ihm nicht möglich gewesen wäre, sie voneinander zu unterscheiden und ihre Richtung zu orten, aber er konnte nicht auf jeden einzelnen reagieren. Auch die Trommeln seiner Revolver fassten nur je sechs Patronen. Im Schlagschatten einer Pferdetränke lud er mit fliegenden Fingern nach, derweil das Krachen ringsum unvermindert anhielt. Beißender Pulverschmauch senkte sich auf die Straße herab wie giftiger Nebel.

Deveraux spannte sich, atmete tief durch. Dann schnellte er hoch und warf sich nach hinten. Im Flug feuerte er aus beiden Waffen. Die Revolver ruckten in seinen Fäusten.

Hart prallte er mit dem Rücken auf die Bretter eines Sidewalks. Die komplette Konstruktion schien unter seinem Gewicht aufzuächzen und zu schwanken. Ihm selbst trieb der Aufprall pfeifend die Luft aus den Lungen.

Trotzdem brachte er es fertig, seinen Schwung zu nutzen und eine Rückwärtsrolle zu vollführen, die ihn direkt bis an den Fuß der Gebäudewand brachte.

Hier war er sich vor den Schüssen, die entlang dieser Seite der Straße fielen; er befand sich im toten Winkel.

Die gegenüberliegende Seite bestrich Deveraux mit weitgefächerten Salven, die er so dosierte, dass ihm Zeit blieb, bis zur offenen Tür des Hauses zu robben. Erst als er über die Schwelle und in die trügerische Sicherheit der Schatten jenseits davon rollte, schlugen die Hämmer seiner Revolver klickend ins Leere.

Im Dunkeln hinter ihm sagte jemand gelassen und eiskalt:

"Peng!"

Und: "Du bist tot, Deveraux."

 

*

 

"Merde!", knirschte Remy Deveraux inbrünstig, stand auf und rammte die Revolver zurück in die Holster.

A

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