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Zwei Western: Eine Stadt voller Abschaum/ Wer tötete den Marshal?

Thomas West

Zwei Western: Eine Stadt voller Abschaum/ Wer tötete den Marshal?

Cassiopeiapress Spannung





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Zwei Western: Eine Stadt voll Abschaum / Wer tötete den Marshal?

von Thomas West

Ein CassiopeiaPress E-Book

© by Author

© der Digitalausgabe 2014 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

postmaster@alfredbekker.de

Der Umfang dieses Ebook entspricht 232 Taschenbuchseiten.

Eine Stadt voller Abschaum

Harte Männer und Frauen, die alle um den Verstand und manche um ihr Leben bringen.
Ein pralles Sittengemälde aus der Zeit des Wilden Westens - ein echter Thomas West. Hart, schonungslos und ohne Tabus.

1

Bear River, Wyoming, September 1868

Wie ein großer, schmutziger Fleck schmiegte sich die Ansammlung grauer Holzhäuser an den bewaldeten Hang. Virgil Potter lenkte seinen Schimmel durch den Fluss und ritt in den schmutzigen Fleck hinein.

Die einzige Straße des Ortes war erfüllt vom Hufschlag vieler Pferde und Maultiere, vom Geschepper Dutzender Karren und vom Gelächter und Geschrei unzähliger Männer. Lauter abgerissene, schmutzige Gestalten in fleckigen, blauen Nietenhosen mit Picken und Schaufeln auf den Schultern und großen Blechpfannen unter den Armen. Goldsucher, die aus ihren Claims in die Stadt zurückkehrten.

Das Goldfieber hatte Bear City in jenen Tagen im Griff. Die Stadt pulsierte vor Geschäftigkeit und vor Gier.

Virgil Potter ritt langsam durch die Menge der Pferde, Gespanne und Goldsucher. Kaum jemand nahm Notiz von dem jungen Reiter, dessen blonde Lockenpracht unter einem schwarzen Hut hervorquoll. Die wachen, blauen Augen in seinem glattrasierten, sonnenverbranntem Gesicht spähten aufmerksam über die Menge und zu den grauen Fassaden der aus dem Boden gestampften Häuser. Virgil Potter war damals, als die vier sich zum ersten Mal begegneten, gerade mal sechsundzwanzig Jahre alt.

Saloons, Hotels, Stores und Friseurläden wechselten sich ab. Die Goldsucher zogen eine Menge Geschäftemacher in die nördlichen Rockys.

Virgil zog die Zügel an, der Schimmel blieb stehen. Er blickte über die Dächer der Häuser links und rechts der Straße. Wolken hingen über den Gipfeln der Rocky Mountains. Das Licht der untergehenden Sonne lag auf ihnen, wie ein rötlicher Seidenschleider.

Unschlüssig blickte Virgil von einer Straßenseite auf die andere. In welchem Saloon sollte absteigen? >Riverside Billard Room< oder >Mountain Hall<. Er entschied sich für den >Riverside Billard Room<, der ihm größer erschien und nach ein paar Zimmern aussah.

Eine schicksalsträchtige Entscheidung, wie sich zeigen sollte. Zwei Jahre später würde Virgil sich an diesen Augenblick erinnern.

Er band den Schimmel am Geländer des Bürgersteigs fest, warf sich seine abgeschabte Mochila über die Schulter und zog seinen Sattelkarabiner aus dem Holster. Seine Sporen klirrten, als er den Bürgersteig hochstieg und über die staubigen Holzbohlen schritt.

Er stieß die Schwungtür auf und betrat den Saloon. Auf dem kurzen Weg zur Theke wanderten seine Augen über Tische, Barhocker und Wände.

Sechs Männer hockten an der Theke, Goldsucher in schäbiger Kleidung zumeist. Nur die Hälfte der Tische war besetzt. An einem, nicht weit von der Schmalseite der Theke, saß eine junge Frau - blond, scharfgeschnittene Nase, schmales Gesicht. Sie trug ein dunkelblaues Reisekleid mit weißem Rüschenkragen. Neben ihr stand ein großer, geflochtener Bastkoffer.

In der linken Ecke des quadratischen Raumes, am Pokertisch, sah er vier Männer sitzen. Drei weitere standen hinter ihren Stühlen und sahen ihnen beim Pokern zu.

Virgil registrierte beiläufig den konzentrierten Blick eines der Männer. Ein wuchtiger Bursche mit dichten, schwarzen Brauen und einem gewaltigen Schnurrbart. Und Virgil registrierte die angespannte Körperhaltung des Spielers, von dem er nur den Rücken sehen konnte. Ein Mann mit langem, etwas schütterem Blondhaar. Er trug einen eleganten Frack, ein weißer Hut lag neben ihm auf dem Tisch, und er mischte die Karten so flink, dass man Hände und Karten kaum unterscheiden konnte.

Es war Virgil Potter zur zweiten Natur geworden solche Einzelheiten wahrzunehmen. Sie hatte ihm mehr als einmal das Leben gerettet, diese zweite Natur - als Scout und Jäger in der Wildnis, als Späher bei der sechsten US-Kavallerie während des Bürgerkriegs.

Das, was am äußersten Rand seines Blickfeldes lag, sah er genauso scharf, wie die Dinge im Zentrum seines Gesichtskreises. Die Shoshonen hatten ihm das beigebracht. Er hatte eine Zeitlang Pferde an die Indianer im Norden Wyomings verkauft.

Der silberbeschlagene Kolben seines Revolvers schlug gegen den Barhocker, als er sich auf die Sitzfläche schwang. Ein .32er Smith&Wesson Armeerevolver, Modell No. 2. "'Nabend, Ma'am." Er lüftete seinen schwarzen Hut und setzte sein charmantestes Lächeln auf. Die Frau nickte, doch ihr schmales Gesicht blieb verschlossen.

"'N Kaffee würd mich glücklich machen", wandte er sich an den Wirt. "Und 'n Teller Bohnen wär auch nicht verkehrt."

"Kein Problem", knurrte der Wirt - ein ziemlich gewichtiger Bursche mit langem, weißem Bart.

"Na prächtig! Und wie stehts mit 'nem Zimmer?"

Der Wirt musterte ihn aus kleinen, verschlagenen Augen. "Schwein gehabt, Mister - hab nur noch ein freies Bett. Für einen Quarter können Sie's haben."

Virgil grinste die Frau an. "So gehts mir immer, Ma'am - ich komm in irgendein Kaff am Ende der Welt, und das Glück ist schon da und drückt mich an seinen Busen." Er wandte sich wieder dem Wirt zu. "Darauf trink ich doch glatt einen Whisky!"

Die Frau dachte nicht daran zu reagieren. Kühl und ohne Scheu taxierte sie ihn. Virgil bemerkte den energischen Zug um ihre grünen Augen und um den großen Mund. Er schätzte, dass sie ein, zwei Jahre jünger sein mochte, als er. Vielleicht auch drei. Was treibst du in diesem schmutzigen Bergnest, dachte er...

Sein Blick wanderte zum Pokertisch. Immer noch die stechenden Augen des großen Mannes mit dem Walrossschnauzer. Trotz des mächtigen Schädels und der buschigen Brauen hatte sein Gesicht etwas Mildes, fast Kindliches. Er war merkwürdig korrekt frisiert und trug ein Jackett aus dunkler, grober Baumwolle.

Unablässig beobachtete er sein Gegenüber, den Mann mit dem dünnen, langen Blondhaar und dem teuren Anzug. Der wandte plötzlich den Kopf zur Seite. "Einen Doppelten, Jason!", rief er dem Wirt zu.

In dem Augenblick sah Virgil den blonden Schnurrbart des Mannes und sein Raubvogelprofil. Und in dem Augenblick wusste er, dass er den Mann kannte - Bill Henning, ein Kartenhai von der übelsten Sorte.

O Mann..., dachte Virgil, grast du seit neustem die Goldgräbersiedlungen ab?

Er hatte vor noch nicht einmal einem Jahr zwanzig Dollar an Henning verloren. Ein ausgekochter Fuchs. Unten, in Santa Fe. Auch in Denver und in Fort Smith war er ihm schon begegnet.

Seine Augen wanderten zwischen dem glühenden Blick des Schwarzhaarigen und dem drahtigen Rücken des Kartenhais hin und her. Virgil bedauerte schon Essen und Trinken bestellt zu haben. Fast körperlich konnte er jetzt die Spannung spüren, die sich vom Pokertisch aus im Saloon ausbreitete. Und er begriff, dass es Ärger geben würde...

Virgil rutschte vom Hocker und schlenderte an der kühlen Schönheit vorbei zum Pokertisch. Dort lehnte er sich vor einem leeren Stuhl gegen die Wand und beobachtete die vier Kartenspieler. Einer der drei Männer, die hinter ihnen standen, musterte ihn feindselig. Ein unrasierter, struppiger Bursche mit einem Strohhut und einer zu großen, speckigen Jacke. Virgil grinste ihn an. Die Augen des Typs verengten sich.

Der Perlmuttgriff von Hennings .45er Colt ragte aus dessen Holster. Virgil spähte zu den Hüften des Schwarzhaarigen mit den glühenden Augen. Er konnte keinen Waffengurt entdecken. Seh ich recht, oder trägt das Rindvieh keinen Revolver...?



2

Tom Smith warf einen Blick auf seine Münzen. Die letzten beiden Türme schrumpften jetzt auch schon zusammen. Gut dreißig Dollar hatte er in den letzten beiden Stunden verloren. Dass die Männer links und rechts von ihm noch mehr Federn hatten lassen müssen, tröstete ihn wenig. Im Gegenteil - es machte ihn misstrauisch. Der drahtige Mann ihm gegenüber mischte die Karten. Ein Wirbel aus Fingern und Karten tanzte vor Toms Augen.

Links sah er die Gestalt eines jungen Burschen auftauchen. Ganz in schwarz gekleidet und dichte, blonde Locken. Tom beachtete ihn nicht weiter. Auch die in kleinen Gruppen hereinströmenden Goldsucher und Minenarbeiter nahm er kaum wahr.

Er starrte die Hände des Mannes an, der ihm gegenüber saß. Das Gefühl, der propere Gentleman könnte falsch spielen, hatte ihn beschlichen. Doch so aufmerksam er ihn auch beobachtete - er konnte keine faulen Tricks erkennen.

Wie er die Karten mischte! Wie ein Profi. Aber dass er hier mit keinem Greenhorn am Tisch saß, wusste Tom schon seit zwei Stunden. "Sie machen einen unglücklichen Eindruck, Smith", sagte der Spieler. Er hieß Bill Henning, und sein Gesicht erinnerte Tom an einen Habicht. "Der Abend ist noch lang, und das Glück eine launische Frau." Ein spöttisches Grinsen flog über das hagere Gesicht des blonden Gentlemans.

"Da mögen Sie Recht haben", grollte Tom mit seinem tiefen Bass. Er ließ den Mann keinen Moment aus den Augen. Der Kerl schien gut bei Kasse zu sein. Jedenfalls sprach seine teure Garderobe dafür. Und seine hohen Einsätze. Tom schätzte, dass Henning in seinem Alter war, Ende dreißig also.

Tom konnte den Bewegungen seiner Hände kaum folgen, als Bill Henning austeilte. Nacheinander nahm er die Karten auf. Die vierte, die Henning ihm über den Tisch warf, rutschte über die Tischkante und fiel zugedeckt auf den Boden.

Blitzschnell stieß sich der blonde Lockenkopf von der Wand ab, bückte sich und griff nach der Karte. Mit dem Bild nach unten legte er sie auf den Tisch. Langsam schob er sie zu Tom. Der sah auf, und für Sekunden begegneten sich ihre Blicke. Tom sah in blaue, listige Augen. Eindringlich hielten sie seinen Blick fest, als wollten sie ihm etwas sagen.

"Danke, Mister", brummte Tom und wollte sich die Karte greifen. Der junge Bursche hielt sie fest, und Tom betrachtete die Hand des Mannes auf dem Kartenrücken. Der Zeigefinger war ausgestreckt, und sein schmutziger Nagel schien auf eine ganz bestimmte Stelle im unteren Viertel des Kartenrandes zu deuten.

Tom sah genauer hin - und dann entdeckte er die kleine, kaum sichtbare Kerbe am Rand der Karte. Endlich ließ der Mann los, und Tom steckte die Karte in sein Blatt. "Wollen Sie eine andere, Smith?", erkundigte Henning sich höflich.

Tom schüttelte stumm seinen mächtigen Schädel. Aufmerksam flogen seine Augen über die Karten der Mitspieler. Und plötzlich entdeckte er auf vier Karten die haarfeinen Kerben. Immer in einem anderen Abschnitt des Kartenrandes, mal unten, mal oben, mal in der Mitte.

Schweigend ordnete er seine Karten. Er hatte drei Damen. Die anderen beiden warf er auf den Tisch. "Ich kauf zwei", knurrte er. Nacheinander kauften die Männer ihre Karten. Henning nahm nur eine neue.

Von der Seite spürte Tom den Blick des Blonden. Der Bursche musste Augen wie ein Adler haben, dass er die gezinkten Karten entdecken konnte. Tom nahm die erste der neuen Karten auf. Eine Pik Sieben. Und dann die zweite. Eine Karo Sieben. Foulhouse.

Gespannt beobachtete er Henning. Noch immer das hintergründige Grinsen auf seinem Habichtgesicht. Vermutlich grinste der Mann selbst im Schlaf.

Tom schob zwei Dollar in den Pott. Der Spieler links von ihm zog mit, Henning legte noch einmal fünf drauf, und der vierte Mann stieg aus. Ohne Henning aus den Augen zu lassen, warf Tom eine Fünf-Dollar-Note in die Mitte. Jetzt stieg auch der Spieler links von Tom aus. Henning aber zog gleich und legte gleich noch einmal zwanzig Dollar drauf.

Tom betrachtete seine beiden Münztürme. Dann zählte er sie durch. Zweiundzwanzig Dollar, fast der Wochenlohn eines Cowboys. Er nahm zwei Dollarmünzen von dem Turm und schob den Rest in den Pott. "Ich will sehen."

"Wie Sie wünschen, Smith", grinste Henning und legte sein Blatt auf den Tisch. Vier Asse und eine Herzacht. Tom ließ sein Foulhouse fallen. "Wirklich schade." Henning mimte den Mitfühlenden. "Aber das reicht wohl nicht ganz." Er streckte die Arme aus, um das Geld einzustreichen.

"Sie spielen falsch, Sir." Toms dunkler Bass dröhnte durch den ganzen Saloon. "Es tut mir leid, dass ich das sagen muss. Sie markieren die Karten mit dem Fingernagel." Er griff nach den drei Damen seines Foulhouse', drehte sie um und reichte sie seinem Nachbarn. "Sie werden uns unser Geld zurückgeben müssen."

Totenstille im Saloon. Alle Gäste reckten die Hälse und stierten zum Pokertisch. Die Hände auf dem Geld verharrte Bill Henning mitten in der Bewegung. Er machte ein Gesicht, als würde er sich zum ersten Mal im Spiegel sehen. Dann lehnte er sich zurück und lachte. Lachte laut und wiehernd...



3

Virgil sah das dreckige Grinsen der drei Kerle hinter Bill Henning. Besonders der Struppige mit dem Strohhut gefiel sich darin wie ein Gockel zu krähen, während er feixte. Smith war jedenfalls nicht allein.

Virgil blickte sich um. Der Saloon hatte sich inzwischen gefüllt. Unzählige Augenpaare hingen an dem lachenden Kartenhai. Und an Smith, der ihn ungerührt betrachtete. Die blonde Frau war aufgestanden. Langsam wich sie ans andere Ende der Theke zurück. Plötzlich standen alle auf, die an den Nachbartischen saßen und versuchten möglichst viele Schritte zwischen sich und den Pokertisch zu bringen.

Auch die beiden Pokerspieler zwischen Henning und Smith erhoben sich, und selbst Hennings feixende Parteigänger suchten das Weite. Schließlich saßen der Kartenhai und Smith allein an dem runden Tisch. Henning lachte noch immer.

"Ich bin erleichtert, dass meine Feststellung ihre Laune hebt." Smiths Bass dröhnte durch den Saloon. Henning hörte auf zu lachen. "Ich hatte schon befürchtet, Sie würden mir böse sein." Smith wirkte so ungerührt und gelassen, dass Virgil sich fragte, ob der Mann überhaupt Nerven hatte.

"Machen wir's kurz." Smiths Hände lagen völlig entspannt neben seinen Karten auf dem Tisch. "Sie geben uns unser Geld zurück, und wir vergessen das Ganze."

Hennings Lippen wurden schmal. Wut zerrte an seinen Gesichtszügen. Ohne Vorwarnung glitt seine Rechte zum Griff seines Colts hinab und riss ihn aus dem Halfter. Im gleichen Moment prallte Smiths Stuhl an die Wand und sein wuchtiger Körper schoss über den Tisch. Noch bevor der Kartenhai seine Waffe in Anschlag bringen konnte, packte Smith ihn an den Aufschlägen seines Jacketts und zerrte ihn zu sich über den Tisch.

Karten fielen herunter, Münzen klimperten auf dem Holzboden, Gläser zersprangen vor Virgils Stiefelspitzen. Er spannte den Hahn seines Revolvers.

Smith zog Hennings Oberkörper ein Stück hoch und schlug ihm die Faust mit solcher Wucht gegen die Wangenknochen, dass der Mann vom Tisch geschleudert wurde und zu Virgils Füßen am Boden aufschlug. Sofort war Smith bei ihm, riss ihm den Revolver aus der Hand und schleuderte ihn Richtung Theke. Dort schlug er im Flaschenregal ein.

Smith zog den Mann auf die Beine, als wäre er ein mit Stroh ausgestopfter Sack. Ein rechter Haken landete in der Magengrube des Kartenhais. Ächzend krümmte er sich zusammen. Eine linke Gerade traf ihn an der Stirn und schleuderte ihn weit in den Saloon hinein.

Die Leute wichen zurück, Virgil hörte die ersten Bravo-Rufe. "Mach Maisbrei aus dem Ganoven!", schrie eine raue Männerstimme aus der Menge der Goldgräber.

Mit Fausthieben trieb Smith den Falschspieler vor sich her Richtung Ausgang. Vorbei an Tischen und Stühlen, vorbei an Goldgräbern und Minenarbeitern, vorbei auch an den drei Gefährten Bill Hennings. Virgil sah, wie der Struppige seinen Revolver zog und auf Smith anlegte.

Es ging blitzschnell. Virgil zog, ein Schuss explodierte, eine Waffe polterte auf den Boden, und der Kerl mit dem Strohhut hielt sich schreiend den Unterarm fest. Die anderen beiden starrten Virgil an wie eine Erscheinung.

Mit einem letzten Fausthieb beförderte Smith den Kartenhai durch die Schwungtür. Virgil hörte den dumpfen Aufprall seines Körpers draußen auf dem Bürgersteig. Den Rest erledigten die Bürger Bear Rivers - die Goldgräber und Geschäftsleute. Sie legten den bewusstlosen Henning auf sein Pferd und trieben es mitsamt seinen drei Kumpanen aus der Stadt.

Tom Smith kam zurück an die Theke. "Vielen Dank, Sir." Er meint mich, dachte Virgil, den noch nie jemanden mit >Sir< angesprochen hat. Er grinste.

"Bringen sie uns zwei Doppelte, Jason!", rief Smith dem Wirt zu. "Einen für den Gentleman und einen für mich!"

"Und einen dritten für die Lady!", schickte Virgil hinterher. Die blonde Frau in dem blauen Reisekleid tauchte plötzlich neben ihm auf. Sie war aschfahl. "Sie sehen aus, als könnten sie einen gebrauchen auf diesen Schreck!"

Diesmal lächelte sie...



4

Am nächsten Morgen saßen sie zusammen beim Frühstück. Genau wie Virgil Potter hatte Tom Smith im >Riverside Billard Room< übernachtet. Er beugte sich über seinen Teller und sog genießerisch den Duft gebratener Eier ein. "Ohne dich hätte ich gestern mein letztes Frühstück gegessen." Er hängte sein Jackett über die Stuhllehne. Sein graues Hemd und seine schwarze Lederweste wirkten gepflegt, fast wie neu. "Und ich hätte es nicht mal gewusst." Der Anblick eines Mannes ohne Revolver befremdete Virgil.

"Du kannst verteufelt gut mit deinen Fäusten umgehen", sagte er.

"Hatte auch eine hervorragende Ausbildung."

"Ausbildung?" Fragend runzelte Virgil die Stirn. "Wo?"

"In den Slums von New York City." Tom Smith sagte das ohne Anflug von Sarkasmus. "Dort lernt ein kleiner Junge seine Fäuste gebrauchen, oder er verhungert." Er brach sich ein Stück Maisfladen ab, griff zur Gabel und begann die Eier in sich hineinzustopfen. "Was treibt dich in diese gottverlassene Gegend?"

"Ich hörte, man könnte hier zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang fünfzig Dollar machen, wenn man eine Pfanne hat und bereit ist auf den Knien durch den Bear Creek zu rutschen." Er sah den Älteren an. "Und was willst du hier?"

"Das Gleiche. Gold." Schritte auf der Treppe ließen sie aufhorchen. Sie sahen sich um. Schmale Stiefel wurden auf den Stufen sichtbar, dann eine weite Reithose und schließlich ein schwarzes Baumwollhemd um der engen Taille einer Frau. Suzanne Jefferson. So hatte sich die blonde Frau gestern Abend vorgestellt. Virgils Herzschlag beschleunigte sich.

Ohne zu zögern kam sie zu ihnen an den Tisch. "Guten Morgen." Die Männer grüßten zurück. Zu Virgils Verblüffung stand Tom sogar auf.

Sie bestellte Milch und gebratene Eier, dann setzte sie sich. "Ich habe eine große Bitte an Sie, Mr. Smith."

Aus seinen großen dunklen Augen blickte der Mann sie an. "Jetzt bin ich gespannt."

"Ich war hier in Bear River verabredet..." Sie unterbrach sich, als würde sie nach Worten suchen. "Mit meinem Bruder. Er schürft seit zwei Jahren nach Gold in dieser Gegend. Gestern wollten wir uns hier treffen. Er ist nicht gekommen."

"Und wie kann ich Ihnen da helfen, Miss Jefferson?"

Sie zog einen Bogen Papier aus ihrer Stofftasche. "Henry hat mir eine Karte geschickt, auf der sein Claim eingezeichnet ist." Virgil fiel der flehende Ausdruck auf ihrem sonst so selbstbewussten Gesicht auf. "Ich bin völlig fremd hier. Sie wissen ja - ich komme aus Boston... ich wollte Sie bitten, mich durch die Wildnis zum Claim meines Bruders zu begleiten..."

Smith betrachtete die Karte. Ein steile Falte erschien zwischen seinen dichten, schwarzen Brauen.

"Aber natürlich bringen wir Sie dorthin", sagte Virgil. "Gar keine Frage. Ist doch so, Tom, oder?" Er erntete einen rätselhaften Blick des Älteren. Virgil fühlte sich durchschaut.

"Ich würde Sie selbstverständlich bezahlen..."

"Der Claim liegt zwei bis drei Tagesritte flussaufwärts", sagte Tom. "Ziemlich zerklüftete Gegend dort."

"Kein Problem für uns, Ma'am", beteuerte Virgil. Die Aussicht zwei oder gar drei Tage mit der berauschend schönen Frau zusammen zu sein, hatte ihn hellwach gemacht. Smith musterte ihn aus dunklen Kinderaugen, während er sein Okay gab. Virgil meinte ein spöttisches Funkeln in diesen unergründlichen Augen zu sehen.

Eine Stunde später standen sie vor dem Saloon und packten ihre Sachen auf die Pferde. Suzanne hatte sich von ihrem letzten Geld einen Rappen gekauft. Und ein nicht mehr ganz neues Spencer-Gewehr. "Lernt man in Boston denn, mit so einem Schießprügel umzugehen?"

"Nein", sagte sie kühl. "In Boston nicht."

Die Morgensonne schob sich schon über die Bergrücken, und die Stadt schien wie ausgestorben. Die meisten Männer waren längst unten am Fluss, um dem Traum vom schnellen Reichtum nachzujagen.

Um so mehr wunderte sich Virgil, als er plötzlich eine Gruppe von etwa vierzehn Männern die Straße herunterkommen sah. Angeführt wurden sie von einem dürren Greis in dunkelbraunem Frack und Zylinder gleicher Farbe. Vor Smith, der schon im Sattel saß, blieben sie stehen.

Der Greis stellte sich als Bürgermeister von Bear River vor. "Sind Sie Thomas J. Smith?", wollte er wissen.

"Der bin ich, Sir."

"Wir haben gehört..." Der Alte fuchtelte mit seinen dürren Fingern in der Luft herum. "Nun ja... wie sie diesen Schurken gestern verdroschen haben. Viele solcher Scheißkerle kommen bei uns vorbei, und machen Schwierigkeiten... Viel zu viele. Nun ja... was soll ich sagen...?" Er drehte sich zu seinen grimmig dreinschauenden Begleitern um. Die nickten ihm ermutigend zu. "Jedenfalls bräuchten wir einen Mann wie Sie, Mr. Smith."

"Einen Mann, wie mich?" Smith schien sich auf den Wortschwall des Bürgermeisters genauso wenig einen Reim machen zu können, wie Virgil.

"Ja. Als Townmarshal." Der greise Bürgermeister hakte die Daumen im Hosenbund ein und machte ein wichtiges Gesicht. Die Blicke seiner Begleiter hingen erwartungsvoll an Smith.

"Ich danke Ihnen für Ihr Vertrauen, Gentlemen", sagte Smith. "Ich habe gerade einen anderen Auftrag angenommen. "In einer Woche bin ich zurück, dann teile ich Ihnen meine Entscheidung mit..."



5

Am Ufer des Bear Creek entlang ritten sie in die Wildnis der Rocky Mountains hinein. Sie kamen langsam voran, und am zweiten Tag mussten sie die Pferde oft stundenlang über schmale Felspfade entlang des Steilufers führen.

"Womit haben Sie in New York City Ihr Geld verdient?", wollte Suzanne von Tom wissen, als sie in der Abenddämmerung um ein Feuer saßen. Vier ausgenommene Fische garten auf Steinen, die sie in die Glut gelegte hatten.

"Ich war ein paar Jahre lang bei der Polizei", sagte Tom. Beiläufig registrierte er Virgils Blicke. Seit sie von Bear River aufgebrochen waren hingen seine Augen an der schlanken Gestalt der Frau. "Danach habe ich meine Dollars als Boxer verdient."

"Als Boxer!?" Sie schlug sich auf die Schenkel und lachte. "Ich glaub es nicht!"

"Seh ich so harmlos aus?"

"Nein." Übergangslos wurde sie ernst. "Ich weiß, dass Sie alles andere als harmlos sind, Tom." Er bemerkte die Heiserkeit in ihrer Stimme. Wenn er bloß gewusst hätte, wie er all diese kleinen Zeichen zu deuten hatte - die versehentlichen Berührungen, wenn sie nebeneinander gingen, die respektvolle Art, mit der sie ihn behandelte, das weiche Lächeln auf ihrem sonst so energischen Gesicht, wenn er sie anschaute.

"Warum sind Sie nicht in New York geblieben", fragte sie. "Als Polizist verdient man doch nicht schlecht und ist ein angesehener Mann?"

"Das ist eine lange Geschichte." Virgils Schweigen gefiel ihm nicht. Tom wusste genau, dass der blonde Junge es auf Suzanne abgesehen hatte. Und zwar ernsthaft. Mindestens so ernsthaft, wie er selbst. "Vielleicht erzähle ich Sie Ihnen gelegentlich."

"Und warum tragen Sie keinen Revolver?" Suzanne musterte den großen Mann mit prüfendem Blick. "Alle Männer im Westen tragen Waffen." Sie lachte. "Das ist einfach gesünder."

"Auch das gehört zu dieser langen Geschichte." Tom senkte unwillig den Kopf. "Ich erzähl sie nicht jedem. Aber Ihnen erzähle ich sie vielleicht mal." Sein Blick blieb an ihrer Brust hängen. Unter dem Stoff des Hemdes zeichneten sich ihre Brustwarzen ab. Als wären sie hart geworden. Als würde das Gespräch mit ihm sie erregen...

Ihre Augen begegneten sich. Tom sah die Röte über ihr Gesicht fliegen. Und er sah die Sehnsucht in ihren Augen.

"Und nun machen wir ein Spielchen!", mischte Virgil sich ein. Er holte Würfel heraus und setzte sich neben Suzanne. Etwas zu dicht für Toms Geschmack. Bis zur Dunkelheit würfelten sie. Virgil ließ seinen Charme spielen, gab sein ganzes Witzrepertoire zum Besten und sorgte dafür, dass Suzanne eine Menge Grund zum Lachen hatte. Zwei oder dreimal legte er sogar den Arm um sie.

Tom mochte den blonden Burschen. Er war jünger als er. Und sah besser aus, ohne Zweifel. Aber er dachte nicht daran, ihm die Frau zu überlassen.

Später, als die Nacht über den Wald und die Berge gefallen war, lauschte er Suzannes Atemzügen. Sie lag so nah bei ihm, dass er sie trotz des Rauschens des Flusses hören konnte. Lange fand er keinen Schlaf. Sein Schwanz pochte ihm unter der Decke.

Am nächsten Morgen war Suzannes Lager leer. Etwas abseits hockte Virgil im Gras und spähte hinunter zum Fluss. Tom schälte sich aus seinen Decken und setzte sich neben ihn. Etwa zweihundert Schritte entfernt von ihnen badete Suzanne im Fluss. Nackt.

"Sie ist schön", flüsterte Virgil. "Unglaublich schön." Tom schwieg. Wie gebannt blickte er auf den nackten Körper der Frau. Auf ihre schmalen, festen Schenkel, auf ihren runden Hintern, auf ihr blondes Haar, das in der Morgensonne schimmerte. Ihre Brüste konnte er auf diese Entfernung kaum erkennen. Aber in seiner Fantasie hatte er sie mehr als einmal geküsst.

"Du bist scharf auf sie, stimmts?" Virgils Blick hatte etwas Lauerndes.

"Wie kommst du darauf?"

"Ich hab Augen im Kopf." Virgil hob den Zeigefinger, als wollte er drohen. "Wenn du sie mir wegschnappst, bring ich dich um." Es war wohl scherzhaft gemeint, aber ganz sicher war Tom nicht.

Eine halbe Stunde später brachen sie auf. Gegen Mittag kamen sie an eine brüchige Hängebrücke, auf der sie den Fluss überqueren mussten. Die Steilufer links und rechts waren gut fünf Meter hoch oder mehr. Und glatt wie die Wand eines Fabrikschornsteins. Sie waren nicht sicher, wie viel Gewicht sie der Brücke noch zumuten konnten.

Suzanne tastete sich als erste über die Brücke. Dann kamen die Pferde an die Reihe. Tom schug ihnen mit der flachen Hand auf die Flanken und trieb sie über den Abgrund. Eines nach dem anderen. Nach den Pferden ging er selbst über die Brücke. Er hörte es Knarren, und seine Nackenhaare stellten sich auf.

"Vorsicht, Virgil - sie hält nicht mehr viel aus!", schrie er, um das Tosen des Wassers unter ihnen zu übertönen.

Virgil stellte es ganz geschickt an - wie ein junger Hengst spurtete er über das alte Ding. Als er gerade die Mitte hinter sich gelassen hatte, brach sie krachend zusammen und riss ihn in die Tiefe.

"Virgil!" Suzanne schlug die Hände vors Gesicht. Tom warf sich auf den Boden, kroch an den Rand des Abgrunds und spähte in die Tiefe. Virgil klammerte sich an einem großen Stein fest und zog sich hinauf.

"Bist du okay?!" Tom brüllte gegen das Tosen der Fluten an.

"Sieht so aus, was?!" Virgil hockte sich auf den Stein. Die Seile der Brückenreste hingen in einem verkrüppelten Baum in der Steilwand. Unerreichbar für ihn.

"Warte!", rief Tom. "Ich werf dir ein Lasso hinunter."

"Kein Problem!", winkte Virgil. "Ich verlass mich auf dich!"

Tom stand auf. Suzanne stand vor ihm. Wieder dieser sehnsüchtige Blick. Toms Augen wanderten zwischen ihrem Gesicht und dem Lasso hinter dem Sattel seines Pferdes hin und her. Sekundenlang standen sie sich gegenüber. Keiner sprach ein Wort. Das Rauschen des Flusses erfüllte die Luft.

Langsam ging Tom auf sie zu. Er strich ihr zärtlich über das Haar. Sie ließ es geschehen. Er küsste sie auf den Mund. Sie ließ es geschehen. Er küsste ihren Hals und ihre Augen. Sie schlang die Arme um seinen Nacken und ließ es geschehen.

"Du bist die schönste Frau, die mir begegnet ist, seit ich den Mississippi überquert habe", flüsterte er ihr ins Ohr. "Und das ist verdammt lange her."

Er zog ihr das Hemd aus der Hose. "Wie nennt man das, wenn einem beim Anblick einer Frau das Herz klopft, wenn einem in ihrer Nähe die Hände feucht werden, wenn man nicht einschlafen kann, weil ihr Bild einem vor Augen steht." Knopf für Knopf löste er. "Ich glaub man nennt das Liebe, oder täusch ich mich?"

Sie antwortete nicht. Er streifte ihr das Unterhemd über die Brüste. Brüste wie heiße, geschwollene Pfirsiche - rund und prall. Er berührte sie, wie man wertvolles Porzellan berührt, oder empfindliche Blüten. Sie schloss die Augen und bog ihren Körper zurück, als wollte sie ihre herrlichen Brüste seinen Lippen darbieten.

Tom beugte den Kopf. Seine Zunge leckte zärtlich über die braunen, harten Stiele der großen Pfirsiche. Sie stöhnte. "Als ich dich am Pokertisch sah..." Er schloss seine großen, starken Hände um ihre Brüste. "...als ich sah, wie du den Mistkerl verprügelt hast..." Sie drängte ihr Becken an ihn heran, und endlich knetete er ihre Brüste durch, als wollte er das Geheimnis ihre Anziehungskraft ergründen. "...da wusste ich, dass du es bist..."

Seine Hände fuhren auf ihren Rücken, strichen ihre Wirbelsäule entlang, tasteten ihre Schulterblätter und rutschten tief nach unten in ihren Hosenbund hinein, bis seine Finger die Kerbe zwischen ihren Gesäßbacken fühlten. Sie rieb ihr Becken an seinem harten, pochenden Schwanz und er spürte die Wölbung ihrer Weiblichkeit.

"Hey, was ist los da oben?!" Virgils Stimme hinter ihnen hob sich schwach vom Gebrüll des Wassers ab. "Wo bleibt das verdammte Seil?!"

Es gab kein Halten mehr. Toms Hände machten sich selbstständig. Öffneten ihren Gürtel, öffneten die Knöpfe ihrer Hose und streiften sie ihr über Schenkel und Knie. Gott! Wie warmes Wildleder fühlte sich die Haut ihrer Schenkel an. Sie lachte, setzte sich ins Gras und zog Stiefel und Hosen und Schlüpfer aus.

Er kniete vor ihr, während sie die Schnalle seines Gurtes löste. Ihre Knie waren geschlossen, als würde sie sich zieren, aber in ihren Augen sah er nichts als Verlangen.

Sanft öffnete er ihre Knie, strich mit den Fingerbeeren über die unglaublich weiche Haut ihrer Schenkel und berührte schließlich den blonden, weichen Pelz zwischen ihren Beinen.

Seine Augen glitten über die weichen, runden Linien ihres Körpers, über ihre Brüste, ihre Taille, ihren Bauch und ihre Hüften. "Wie schön du bist", flüsterte er und ließ seinen Finger in die Spalte zwischen ihren Schamlippen rutschen. "Schöner als ein Traum." Sie legte den Kopf in den Nacken und seufzte tief.

Kreisend erforschte er die feuchte Höhle zwischen ihren Lippen, rutschte tiefer und tiefer in sie hinein, und Suzanne öffnete ihre Schenkel weiter und weiter.

Während sein Finger in ihr kreiste, beugte er sich erneut über die prallen Wunderwerke ihrer Brüste, schloss die Lippen um ihre Spitzen und saugte sie in seinen großen Mund. "O Gott!", rief sie. "O Gott!", und hob ihr Becken aus dem Gras, um es seinem tanzenden Finger entgegen zu stoßen.

Seine Zunge glitt über ihre Brustwarzen, über ihren Hals, über ihre Arme und Schenkel, seine Rechte massierte ihr kreisendes Gesäß, und der Finger seiner Linken streichelte sie von innen.

Als ihre Feuchtigkeit ihm über das Handgelenk floss, kniete er sich zwischen ihre Schenkel, öffnete seine Hose und holte seine Schwanz heraus. Der glühte, als würde er brennen.

Suzanne packte ihn, wie Virgil da unten nach dem rettenden Fels gegriffen hatte und bog ihn ihrer nassen Spalte entgegen.

Tom schob seine großen Hände unter ihr Gesäß hob sie hoch und versenkte seinen glühenden Stab in ihre weiche Feuchtigkeit. Sie schrie laut.

"Was treibt ihr da oben?!" Wieder Virgils Geschrei aus der Schlucht. "Der Teufel soll euch holen, wenn ihr mir nicht endlich das Seil 'runterwerft!"

Sie achteten nicht auf seine Flüche. Zwischen ihren weit geöffneten Schenkeln kniend, die Hände fest um ihre Gesäßbacken geschlossen stemmte er ihren leichten Körper gegen seine Lenden. Wieder und wieder. Erst behutsam und geschmeidig, dann schneller und fester, und schließlich fordernd und hart. Sie schrie und schrie - Tom war überwältigt von ihrer Lust.

Ihre Arme, ihr Oberkörper und ihr Kopf sanken ins Gras. Wie ein goldener, zerfasernder Schleier hing ihr Haar zwischen den Halmen. Und ihr Becken und ihr Gesäß überließ sie seinen starken Händen. Und der Kraft seiner Stöße.

Irgendwann hörten sie weder das Tosen des Flusses noch Virgils Gebrüll, noch das Rauschen des Herbstwindes in den Baumwipfeln. Sie versanken in der Glut ihrer Lust und zuckten aneinander, als wollten sich verschlingen.

Danach lagen sie keuchend im Gras. Suzanne presste sich an ihn. "Daran werde ich mein Leben lang denken", flüsterte sie. "Ich werde dich nie vergessen."

Er verstand nicht ganz. "Dafür werd ich schon sorgen, dass du mich nie vergisst."

Später löste er endlich das Lasso vom Sattelknauf. Gemeinsam traten sie an den Rand des Steilufers. Virgil schwang beide Fäuste und machte ein wütendes Gesicht. "Seid ihr komplett übergeschnappt?!", brüllte er. "Mich eine Stunde auf diesem beschissenen Stein hocken zu lassen?!"

"Ich hätte nie gedacht, dass er so böse werden kann", sagte Suzanne.

"Wir mussten erst die Pferde einfangen!", schrie Tom zurück. Er warf ihm das Seil zu. Während Virgil es um seine Handgelenke schlang, wandte Tom sich zu Suzanne, die neben ihm stand und seinen Arm festhielt. "Ich will, dass du mich heiratest", sagte er. Sie lächelte rätselfhaft und antwortete nicht.



6

Die Herbstsonne stand im Zenit eines wolkenlosen Himmels, als sie am Mittag des nächsten Tages rasteten. Sie hatten inzwischen das auf der Karte eingezeichnete Gebiet erreicht. Schroffe Felsen erhoben sich links und rechts des Bear Rivers. Der Claim von Suzannes war nirgends zu entdecken.

"Er muss irgendwo hier in dieser Gegend sein", sagte sie, "Henry schrieb, dass er seine Hütte vom Fluss aus zu sehen ist."

"Dann werden wir sie auch finden." Tom streckte sich auf seiner Decke aus. "Erstmal ein Nickerchen."

Virgil beobachtete die beiden mit wachsendem Misstrauen. Er war nicht nachtragend. Aber seit sie ihn gestern nach seinem Absturz eine Stunde lang im Fluss hatten warten lassen, spürte er die Nähe, die zwischen Tom und Suzanne gewachsen war. Von jetzt auf nun, wie es schien. Sie sprachen sich mit Vornamen an, sie lächelten einander verliebt an, sie berührten sich zärtlich, wenn sie glaubten, er würde sie nicht beobachten.

Aber er beobachtete sie genau. Und ein ungeheurer Verdacht wuchs in ihm - Suzanne und Tom hatten ihn gestern bewusst so lange in der Patsche sitzen lassen. Um ungestört vögeln zu können. Während einer schlaflosen Nacht kreisten Virgils Gedanken um nichts anderes, als um diesen ungeheuerlichen Verdacht. Und nun wuchs seine Verbitterung von Stunde zu Stunde. Seine Verbitterung und seine Wut.

Suzanne blickte zum Fluss hinunter. "Ich vertrete mir ein wenig die Füße",

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