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Zwei Romantic Thriller

Alfred Bekker

Zwei Romantic Thriller

Casino der verlorenen Seelen/ Eishauch der Totengeister/ Cassiopeiapress





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

CASINO DER VERLORENEN SEELEN

von Alfred Bekker (Leslie Garber)

 

Romanthic Thriller

 

 

© by Alfred Bekker

www.AlfredBekker.de

www.Postmaster@AlfredBekker.de

All rights reserved

Ein CassiopeiaPress Ebook

Ausgabejahr dieser Edition: 2014

 

Der Vollmond tauchte die massiven Mauern in ein fahles Licht. Das gewaltige, villenartige Haus war im Kolonialstil errichtet worden.

Gespenstische Schatten tanzten an den glatten Steinwänden. Das Rauschen des nahen Meeres war zu hören und mischte sich mit dem monotonem Rhythmus dumpf klingender Trommeln und einem Singsang sonorer Männerstimmen.

Lara Lopez trat durch die offene Tür ins Freie und erreichte die dem Meer zugewandte Terrasse des Anwesens. Der angenehm kühle Wind, der vom Meer her blies, wehte durch ihr langes, blauschwarzes Haar.

Die Augen der jungen Frau waren dunkel wie die Nacht, das Gesicht feingeschnitten und von exotischer Schönheit. Ein kaltes Lächeln umspielte ihre Lippen.

Es ist wieder eine jener besonderen Nächte! ging es ihr durch den Kopf. Jener Nächte, in denen die Kräfte des Übernatürlichen besonders stark waren...

Die Voodoo-Gläubigen, deren Trommelrhythmus immer wieder das Rauschen des Meeres übertönte, schienen das genauso zu sehen. Nicht von ungefähr hatten sie sich für die archaischen Beschwörungszeremonien diese Nacht ausgesucht - nicht irgendeine andere.

Lara Lopez führte das schlanke Champagnerglas zum Mund und nippte an dem prickelnden Getränk.

"Lara!" sagte eine männliche Stimme in ihrem Rücken. Sie drehte sich herum und blickte in das von einem schwarzen Bart umrahmte Gesicht eines hochgewachsenen Mannes von unbestimmtem Alter.

Das Auffälligste an ihm waren die Augen. Ihr Blick war von geradezu schmerzhafter Intensität.

Stechend.

Lara Lopez schenkte dem düster wirkenden Mann ein geschäftsmäßiges Lächeln.

Er trat zu ihr auf die Terrasse. Die verspielte, von zahlreichen Bögen und Verzierungen gekennzeichnete Hausfassade in seinem Rücken war hell erleuchtet. Das gelbliche Licht, das durch die hohen Fenster nach außen drang, mischte sich mit dem fahlen Schein des Mondes.

 

"Harry...", flüsterte Lara Lopez.

"Hier bist du also", sagte der Mann. "Ich hatte dich schon überall gesucht..."

"Ich habe einfach ein wenig vor mich hingeträumt, Harry."

"Es wird Zeit, Lara..."

"Ist alles bereit für das Spiel?"

"Ja. Die Gäste warten bereits. Nur du fehlst noch, Lara..."

Wie ein düsterer Schatten hob sich Harrys Gestalt vor der erleuchteten Fassade der Villa ab. Einst hatte in diesem Gebäude ein spanischer Sklavenhändler residiert, heute be- fand sich hier ein Casino mit dem aufmunternden Namen BUENA SUERTE, was auf Spanisch soviel wie 'Viel Glück!' bedeutete. Harry Fernandez war der Besitzer. Er hatte dieses Haus in den letzten Jahren zu einem der exklusivsten Glücksspielsa- lons auf San Christobal gemacht, dieser einzigartig schönen, etwa zweihundert Seemeilen südlich von Cuba gelegenen Kari- bikinsel. An diesem Vollmond-Abend jedoch herrschte im BUENA SUERTE kein gewöhnlicher Publikumsverkehr.

Weder ausländische Geschäftsleute noch begüterte Edel-Touristen oder Mitglieder der örtlichen High Society drängten sich an den Roulette-Tischen.

Diese Nacht war für ein ganz besonderes Spiel reserviert.

"Komm, Lara", sagte Harry Fernandez. Er bot Lara den Arm. Sie hakte sich bei ihm unter. Gemeinsam gingen sie durch die Tür in einen von Kronleuchtern erhellten Saal.

Bis auf einen waren sämtliche Roulette-Tische verwaist.

Eine Gruppe von etwa einem Dutzend Personen stand um einen Tisch herum, der sich etwa in der Mitte des Saales befand. Die Damen trugen kostbare Roben.

Schmuck glitzerte im Licht der Kronleuchter. Die Herren trugen Smoking.

Ein Groupier blickte auf Harry Fernandez, als wartete er auf ein Zeichen seines Chefs.

"Ich bin so aufgeregt!" stieß eine hellblonde Frau auf Englisch hervor. Sie hatte sich bei ihrem etwas steif wirkenden Begleiter untergehakt. Der Zeigefinger der anderen Hand spielte nervös an dem Brillantcollier herum, das sie um den Hals trug.

 

"Mir ist nicht wohl bei der Sache, Francine!" erklärte ihr Begleiter.

"Wenn Sie sich Ihre Teilnahme am Spiel der Seelen noch einmal überlegen möchten...", mischte sich jetzt Harry Fernandez in das Gespräch der beiden ein. Das Englisch des Casino-Besitzers war akzentbeladen.

"Nein, nein!" schüttelte Francine den Kopf. "Ich meine: Warum bin ich denn hier? Um ein bißchen Nervenkitzel zu haben... Einen Nervenkitzel, der über den hinausgeht, der einen bei einem gewöhnlichen Spiel erfaßt."

"Es ist Mitternacht", sagte Harry Fernandez. "Wir müssen beginnen.

Wollen Sie die Erste sein, Madam?" Er musterte Francine mit seinem stechenden Blick.

Francine schluckte. Sie nickte leicht. "Ja." Ihre Stimme war in diesem Moment kaum mehr als ein Hauch.

"Die Bedingungen sind eindeutig. Unser Einsatz sind 100 000

Dollar. Ihr Einsatz, Madam..."

"...ist meine Seele", flüsterte Francine.

Harry Fernandez nickte düster. "So ist es."

 

"Lassen wir diesen okkulten Quatsch!" forderte ihr Begleiter nervös.

"Francine, wir hätten nie hier her kommen sollen!"

Francine lachte gezwungen auf, als sie das bleiche Gesicht ihres Begleiters sah. "Paul, nun sei kein Spielverderber!" forderte sie. "Ich wette, es wird eine unvergeßliche Erfahrung..." Sie wandte sich an Fernandez. "Fangen wir an!"

"Wie Sie wünschen", sagte Harry. "Das Spiel der Seelen beginnt...

Auf welche Farbe setzen Sie?"

"Rot", sagte Francine ohne zu überlegen. "Rot - wie die Liebe."

"So ist schwarz die Farbe unseres Hauses", erklärte Harry.

Francine lächelte gezwungen. "Schwarz - die Farbe der Finsternis."

Alle Augen waren auf den Roulette-Tisch gerichtet.

"Rien ne va plus!" ertönte die klirrend kalte Stimme des Groupiers, als die Roulettekugel surrend auf ihren Weg geschickt wurde.

Niemand im Raum sagte ein Wort. Es wurde buchstäblich der Atem angehalten. Der Singsang und das Trommeln der Voodoo-Jünger, die irgendwo am Strand ihre unheimlichen Zeremonien abhielten, schwoll an. Das gelbliche Licht der Kronleuchter begann etwas zu flackern.

 

Lara Lopez schloß die Augen. Ihr Gesicht wirkte angestrengt. Ihr Körper schwankte leicht. Sie machte den Eindruck, sich in einem tranceartigen Zustand zu befinden.

"Schwarz gewinnt!" sagte die monotone Stimme des Groupiers.

"Nein!" stieß Francine hervor. Ihr Gesicht war schreckensbleich.

Schweißperlen standen auf ihrer Stirn.

Lara Lopez hatte unterdessen die Augen wieder geöffnet. Sie wechselte einen kurzen, zufrieden wirkenden Blick mit Harry Fernandez, um dessen dünne Lipeen ein geradezu teuflisches Lächeln spielte.

Fernandez wandte sich an Francine.

"Ich fürchte, Madam, Sie haben gerade Ihre Seele an uns verloren..."

 

*

Jane Ferguson ging fast wie betäubt den langen, hohen Säulenflur des altehrwürdigen Gerichtsgebäudes von Old Baily entlang.

Ich habe es geschafft! ging es ihr - immer noch ungläubig - durch den Kopf. Ich habe es wirklich geschafft!

Die junge Anwältin hatte gerade ihren ersten Prozeß gewonnen und konnte es noch immer nicht fassen. Vor kurzem hatte die junge Frau ihre erste Stellung bei der renommierten Londoner Anwaltskanzlei Jarvis, Toddwood & Goreham angetreten. Diese Anstellung verdankte sie ihren hervorragenden Examensnoten. Immerhin hatte sie als Beste ihres Jahrgangs abgeschlossen und eigentlich hätte das Grund genug für etwas mehr Selbstbewußtsein sein können. Aber Jane hatte schon immer dazu geneigt, etwas zu stark an sich und ihren Fähigkeiten zu zweifeln. Sie glaubte an Erfolge erst dann, wenn sie sie sicher in der Tasche hatte.

Und außerdem war ein gutes Examen noch lange keine Garantie dafür, daß sich ein Absolvent später auch in der Praxis bewährte und vor Gericht eine gute Figur machte.

Jane atmete tief durch.

Ihre hellblauen Augen leuchteten. Mit einer beiläufigen Handbewegung strich sie sich eine Strähne von der Stirn, die sich aus der aparten Frisur herausgestohlen haben mußte, zu der sie ihre schulterlangen Haare aufgesteckt hatte. Seriöses Auftreten war in ihrem Job unerläßlich.

In diesem Augenblick hätte Jane schier in die Luft springen können.

Bleib auf dem Teppich! ermahnte eine innere Stimme sie. Das war kein Strafprozeß oder irgendetwas Weltbewegendes! Nur ein Rechtsstreit im Bereich des Presserechts...

Immerhin - da ihr Mandant ein relativ bekannter Bestseller-Autor gewesen war, würde man über die Sache wenigstens ein paar Zeilen in der Presse lesen können.

 

Presserecht war eines ihrer Spezialgebiete. Und da es bei Jarvis, Toddwood & Goreham zur Zeit keinen Juristen gab, der sich auf diesem Gebiet auskannte, hatte man ihr den Fall überlassen, obwohl sie noch Anfängerin war. Aber der Mandant war langjähriger Kunde der Kanzlei und außerdem recht prozeßfreudig, so daß man ihn unbedingt hatte halten wollen.

"Miss Ferguson!" rief eine männliche Stimme hinter ihr.

Jane beschleunigte unwillkürlich ihre Schritte. Sie war froh, der Schar von Pressefotographen entkommen zu sein, die vor dem Gerichtssaal gewartet hatte.

"Miss Ferguson, so bleiben Sie doch stehen!"

Die Schritte hinter ihr wurden schneller.

Es hat keinen Sinn, dachte Jane seufzend. Sie blieb stehen und drehte sich herum.

Beim Anblick des jungen Mannes, der auf sie zuging, war sie etwas überrascht. Es handelte sich um niemand anderen als Mike Darren, ihren Prozeßgegner.

Darren war hochgewachsen und dunkelhaarig. Seine Augen leuchteten meergrün. Um seine Lippen spielte ein gewinnendes Lächeln.

"Sie, Mr. Darren?" fragte sie leicht überrascht.

"Tun Sie mir einen Gefallen und nennen Sie mich Mike", forderte er. "In meiner Branche ist man normalerweise nicht so förmlich..."

"In meiner schon..."

Jane erwiderte sein Lächeln, wenn auch etwas verhalten.

Mike Darren war Sensationsreporter. Er arbeitete als freier Mitarbeiter für verschiedene Londoner Tageszeitungen und hatte in einer seiner Artikel unter anderem behauptet, mindestens zwei der Romane des Bestseller-Autors Gordon Astley stammten von einem Ghost-Writer. Gegen die weitere Verbreitung dieser Behauptung hatte Jane soeben vor Gericht eine Verfügung erwirkt.

"Sie haben gute Arbeit geleistet", sagte Darren anerkennend.

"Sie nehmen mir das nicht übel?"

"Es wäre ein Fehler, solche Dinge persönlich zu nehmen."

"Nun..."

"Außerdem bin ich Sportsmann genug, um anzuerkennen, wenn ich verloren habe!"

"Schön, daß Sie das so sehen, Mr. Darren."

"Mike! Ich bitte Sie..."

Jane seufzte. "Meinetwegen... Mike!"

"Sie mögen den Prozeß zwar gewonnen haben, wobei Ihr hervorragendes Auftreten vor Gericht sicher viel beigetragen hat, aber..."

Er zögerte und sprach zunächst nicht weiter. Janes Blick traf sich mit dem ihres Gegenübers.

"Aber was?" hakte sie nach.

"In der Sache selbst irren Sie!"

"Ach, ja? Dieser angebliche Ghost-Writer, den Sie als Zeuge aufgeboten haben, war doch eine einzige Enttäuschung für Sie! Und wenn nicht einmal der Ihre Darstellung bestätigen kann, dann..."

"Der Fall liegt doch auf der Hand!"

"So?"

"Der Mann wurde von Astley dafür bezahlt, vor Gericht mit der Wahrheit hinterm Berg zu halten!"

 

"Aber das ist reine Spekulation, nicht wahr? Beweise haben Sie dafür nicht!"

"Leider", gab Mike Darren zu. "Aber das ist jetzt auch gar nicht so wichtig... Ich bin nämlich nicht hier, um Sie im Nachhinein noch von der Version der Geschichte zu überzeugen, die ich recherchiert habe..."

Jane hob die Augenbrauen.

"Ach, nein?"

"Ich möchte einen Kaffee mit Ihnen trinken."

"Es tut mir leid, aber dazu habe ich leider keine Zeit. Man erwartet mich in der Kanzlei..."

"Nachdem Sie diesen Fall gewonnen haben, wird man Ihnen eine Tasse Kaffee zweifellos zugestehen... Und außerdem: Wer sagt denn, ob ich nicht auf der Suche nach einer guten Anwältin bin, die mich in Zukunft vor solchen Raubtieren schützt, denen ich heute zum Fraß vorgeworfen worden bin!"

"Sie Ärmster!" schmunzelte Jane.

Darren hob die Augenbrauen.

 

"Also, was ist?"

Jane verlor sich einen Augenblick in den meergrünen Augen ihres Gegenübers. Sie wußte seinen Blick nicht zu deuten. Er war irgendwie geheimnisvoll. Schon während der Verhandlung waren diese Augen ihr aufgefallen.

Warum nicht? dachte sie. Es ist ja nur eine Tasse Kaffee...

"Meinetwegen", sagte sie also.

 

*

Sie setzten sich in ein kleines Cafe, ganz in der Nähe des Gerichts.

Es gehörte einem der rund 200 000 Italiener, die in London leben und zu einem Großteil in der Gastronomie tätig sind.

"Man bekommt hier den besten Espresso weit und breit", meinte Mike Darren. "Nicht einmal in Rom habe ich einen besseren bekommen."

"Sind Sie öfter hier?"

"Leider nur ab und zu. Immer dann, wenn ich Gerichtsreportagen mache. Aber in letzter Zeit hat es hier in London kaum spektakuläre Fälle gegeben..."

"Wenn Sie den Espresso so loben, werde ich auch einen nehmen", meinte Jane.

"Ihre Argumentation vor Gericht war wirklich gut", sagte Darren dann nach einer kurzen Pause. "Ich bin zwar kein Jurist, aber ich habe genügend Prozesse beobachtet, um das einigermaßen beurteilen zu können."

"Das sagten Sie mir bereits im Gericht", stellte Jane fest. Ihre Blicke begegneten sich für einen kurzen Moment. Ein leichter, angenehmer Schauer ging der jungen Frau über den Rücken. Er hat ein sympathisches Gesicht, dachte sie. Das dunkle Timbre seiner Stimme fesselte sie. Eine unerklärliche Fasziniation ging von diesem Mann aus, der gerade noch ihr Prozeßgegner gewesen war. Schon während der Verhandlung hatte sie sich vorgestellt, wie es gewesen wäre, wenn sie sich unter anderen Umständen begegnet wären.

Mike Darren schien es ebenso ergangen zu sein.

Ein Kellner brachte den Espresso.

Mike wartete, bis er wieder gegangen war. Jane führte die kleine, sehr zierliche Tasse zum Mund und nippte an dem rabenschwarzen Getränk. Für ihren Geschmack war der Espresso etwas zu stark.

Sie verfielen in einen belanglosen Small-talk, aber Jane fühlte sich wohl dabei. Sie hing an seinen Lippen, während er von ein paar lustigen Erlebnissen berichtete, die er bei Recherchen für seine Sensationsstories gehabt hatte. Es war gar nicht so wichtig, was er sagte.

Wahrscheinlich könnte er in diesem Moment das Telefonbuch vorlesen und ich würde ihm immer noch fasziniert zuhören! ging es Jane durch den Kopf.

"Scheint, als hätten Sie eine größere Gerichtserfahrung als ich!"

stellte Jane schließlich amüsiert fest.

Mike lachte.

"Schon möglich... Der Gerichtssaal ist eine wahre Fundgrube für unsereinen. Die Dramen des Lebens spielen sich dort ab..." Er nahm ihre Hand, die neben dem Espresso-Gedeck auf dem Tisch lag. Im ersten Moment wollte Jane sie zurückziehen, aber dann ließ sie es.

"Ich habe die ganze Zeit geredet wie ein Wasserfall", sagte Mike.

"Ich höre Ihnen gerne zu!"

"Erzählen Sie von sich! Ich möchte mehr über Sie erfahren!"

Mike studierte aufmerksam ihr Gesicht.

Jane schluckte. "Ich glaube, ich muß mich bald wieder in meiner Kanzlei melden. Einen Espresso wird man mir nachsehen, aber wenn ich mir einfach den Rest des Nachmittags Urlaub nehme, ist die Toleranzgrenze meiner Arbeitgeber mit Sicherheit überschritten!"

"Die werden sich hüten, Sie auch nur schief anzusehen!" war Mike überzeugt.

Jane hob die Augenbrauen.

Ein amüsiertes Lächeln spielte um ihre vollen Lippen.

"Ach, ja?" Sie schüttelte den Kopf. "Ich glaube, Sie überschätzen die Bedeutung des Prozesses, den ich gerade gewonnen habe!"

"Ist doch nur natürlich! Schließlich war ich der Verlierer! Aber davon abgesehen sind Sie doch eine der Wenigen, die etwas vom Presserecht verstehen..."

"Das stimmt schon. Andererseits gibt es auch nicht allzu viele Fälle in dem Bereich. Zumindest nicht in unserer Kanzlei..."

Eigentlich hatte Jane vorgehabt, sich zu erheben und sich zu verabschieden. Aber sie tat weder das eine noch das andere. Mike hielt immer noch ihre Hand. Sie fühlte, wie ihr das Herz bis zum Hals schlug, als der Blick seiner meergrünen Augen sie traf.

Einige Augenblicke herrschte Schweigen zwischen ihnen.

"Ich will Ihnen die Wahrheit sagen, Jane... So darf ich Sie doch nennen, oder?"

"Ja", murmelte sie. Ihre Stimme war in diesem Moment kaum mehr als ein leiser Hauch.

"Ich habe Sie angesprochen, weil Sie mich vom ersten Augenblick an fasziniert haben, Jane! Schon als Sie den Gerichtssaal betreten haben, wußte ich, daß ich Sie unbedingt näher kennenlernen wollte..."

"Sind Sie immer so direkt?" fragte Jane.

Mike lächelte.

"Möglicherweise eine Berufskrankheit. Genau wie umgekehrt das Ausweichen bei Ihnen..."

"Hören Sie, Mike..."

"Ich möchte Sie einfach nur wiedersehen, Jane. Vielleicht an einem anderen Ort und zu einer Zeit, zu der kein Kanzleichef Sie erwartet."

Er langte in die Innentasche seines Jacketts und holte eine Karte heraus, die er Jane hinschob. "Es würde mich freuen..."

Sie erhoben sich annähernd gleichzeitig.

Jane steckte die Karte in ihre Handtasche. "Auf wiedersehen", murmelte sie.

 

*

Es folgten ein paar hektische Tage für Jane, an denen sie bis abends spät in der Kanzlei beschäftigt war und über den Formulierungen von Anträgen brütete. Aber Mike Darrens meergrüne Augen gingen ihr die ganze Zeit über nicht mehr aus dem Sinn. Immer wieder sah sie sein sympathisches Lächeln vor ihrem inneren Auge.

Ein paar Tage später war sie mit Sheila Jones, ihrer besten Freundin, zum Essen verabredet. Sheila hatte mit ihr zusammen Examen gemacht und eine Stelle in der Rechtsabteilung eines großen Versandhauses bekommen.

"Du bist heute so schweigsam", stellte Sheila irgendwann fest. "Was ist los? Ist der Job so anstrengend?"

"Anstrengend schon, aber eigentlich läuft alles ganz gut für mich..."

"Und vom Job einmal abgesehen?"

"Was meinst du damit?"

"Na, wir haben uns eine ganze Weile nicht gesehen. Ich dachte..."

Jane blickte auf.

"Was dachtest du?"

"...daß du vielleicht jemanden kennengelernt hast... Du wirst mir doch nicht weismachen wollen, daß du auf die Dauer nur für den Job leben willst!"

"Nein, nein...", erwiderte Jane.

"Na, also!"

Jane zögerte zunächst. Dann sprudelte es aus ihr heraus. Sie berichtete von der Begegnung mit Mike Darren. Sheila hörte ihr aufmerksam zu. Schließlich fragte sie: "Na und? Hast du ihn schon angerufen?"

Jane schüttelte den Kopf.

"Bis jetzt noch nicht."

 

"Warum denn nicht?"

"Ich weiß nicht..."

"Also, so wie du von ihm erzählst, wird es höchste Zeit! Mir scheint, du hast dich bis über beide Ohren verliebt - auch, wenn du das selbst noch nicht so richtig gemerkt hast."

Jane hob die Augenbrauen.

"Meinst du?"

"Danach zu urteilen, wie du über ihn sprichst, gibt es da für mich keinen Zweifel..."

Jane seufzte.

Vielleicht hatte Sheila recht. Und möglicherweise sah sie die Dinge aus der Distanz viel klarer als Jane selbst.

"Mal sehen, was ich tun werde", meinte sie, mehr an sich selbst, als an ihre Freundin Sheila gewandt. In Wahrheit wußte sie es natürlich längst...

Noch am selben Abend rief Jane bei Mike Darren an.

"Ich hatte schon befürchtet, Ihnen mit meiner direkten Art so sehr auf die Nerven gegangen zu sein, daß Sie nie wieder etwas von von mir wissen wollten...", hörte sie ihn am anderen Ende der Leitung sagen.

"Ach, Mike...", sagte sie.

Seine Stimme klingt gut, dachte sie. Auch am Telefon.

Sie verabredeten sich für den nächsten Tag zum Essen.

Mike holte sie direkt von der Kanzlei ab, die in der Woodward Street gelegen war. Er mußte etwas auf Jane warten.

"Unsere Arbeitszeit läßt sich leider nicht immer so exakt im Voraus bestimmen", sagte Jane dazu, als sie schlißlich eintraf und sich neben ihn auf den Beifahrersitz seines Coupes setzte.

"Halb so schlimm", meinte Mike.

"Wohin geht es jetzt?"

"Lassen Sie sich überraschen..."

"Ich weiß ganz gerne, was auch mich zukommt!"

"Kennen Sie das Delacroix in der Huntington Road?"

"B

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