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Zwei Finger und ein halbes Gesicht

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Dieses eBook wurde mit StreetLib Write (https://write.streetlib.com) erstellt.

Inhaltsverzeichnis

  • Zwei Finger und ein halbes Gesicht
  • Copyright
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • ​DREI FRAGEN: “Das Universum selbst ist ein Spukhaus, und wir können es nicht verlassen.“

Zwei Finger und ein halbes Gesicht

von Michael Minnis



...ich fragte ihn danach, was ihm bloß widerfahren wäre.

Es dauerte eine ganze Weile, bis ich durch sein zerstörtes Gesicht eine Antwort bekam.

Da war etwas an der Brücke“. Wie ein Narr fragte ich: „Welche Brücke?“

Und er sagte: „Die hölzerne über dem Cabot Creek. Etwas folgte mir.“

Was ist dir gefolgt?“

Ich weiß es nicht. Es erschreckte mein Pferd und ich wurde, ehe ich mich versah, abgeworfen und dann war es auch schon auf mir. Ich wäre beinahe gar nicht mehr weggekommen.“

Der amerikanische Pulpautor Michael Minnis versteht es wie kein Zweiter, naturgegebene Schrecken und übernatürliche Ereignisse zu spannenden Geschichten zu verweben. Das Jahr 1900 ist noch in weiter Ferne und die Weiten des amerikanischen Westens voller makabrer Schrecknisse für die Abenteurer und Siedler, welche mit ihren bescheidenen Möglichkeiten versuchen, die letzten weißen Flecken auf der weltlichen Landkarte zu tilgen.


Erzählung mit einem kleinen Interview mit Michael Minnis.



1

Es war eine so einzigartige, seltsame Aussage, dass der junge Miles Masteron darum bat, sie doch zu wiederholen.

„Zwei Finger und die Hälfte eines Gesichts“, beschwor van der Groot feierlich. Er stellte ein zweites Glas dunkles Bier vor Masterson hin.

„Nur für ein Glas Bier?“, fragte Masterson den humorlosen Gastwirt mit einem charmanten Lächeln.

„Das ist dafür ein ziemlich hoher Preis, guter Mann.“

„Nein, nein... nein“, der Gastwirt quittierte den Witz mit einem leicht gequältem Lächeln. Er zeigte mit dem Zeigefinger auf den obskuren Reporter aus Boston - und Masterson fand, dass der Gastwirt des HAGUE, ein Holländer, wirklich keinen Sinn für Humor hatte.

„Nicht das Bier. Die Brücke. Ich rede von der Brücke am Bach.“

„Cabot Creek?“, fragte Masterson und nippte an seinem Bier.

„Ja“, bestätigte van der Groot. Seine Augen waren im spärlichen Licht an der Bar fast schwarz. „Soviel hat es einem jungen Mann wie Sie es einer sind, vor vielen Jahren gekostet, sie zu überqueren.“

„Elf Jahre, um genau zu sein“, fügte der Kerl neben Masterson hinzu, ein Trapper, zumindest sah er wegen seiner verschlissenen Kleidung und dem breitkrempigen Hut danach aus.

Mit seinen kräftigen Fingern strich er über seinen Bart. Sein Hals wirkte fleckig und ein schwacher Geruch von feuchter Erde und Leder umgab ihn.

Aus einem Gürtelbeutel nahm er eine Tonpfeife heraus.

Er schlug ein Schwefelstreichholz an und saugte heftig an der Pfeife.

„Es war 1847 oder '48, wenn ich mich nicht irre“, überlegte er.

„Ja, vor etlichen Jahren“, nickte der Gastwirt zustimmend.

Er wischte unnötigerweise über die glänzende Stange an seinem Bartresen.

„Verdammt ja, da war ich selbst noch ein junger Mann, der sein Handwerk erst noch erlernen musste, aye, und... oh, ich heiße Tyler. Ewell Tyler.“

Masterson schüttelte die angebotene Hand.

„Miles Masterson.“

„Lehrer? Sie sehen zumindest wie einer aus.“

„Ich war einmal... heute bin ich Reporter für den The Boston American. Davor war ich eine Zeit lang bei der Tribune in New York und arbeitete für Horace Greeley.“

„Mmm. Was führt Sie denn nach Arkham?“

„Ich besuche einen Freund in Aylesbury“, antwortete Masterson. „Wir haben uns schon im vergangenen Jahr treffen wollen und jetzt haben wir endlich die Zeit dafür gefunden.“

Tyler nickte bedächtig, sein Gesichtsausdruck war zu gleichen Teilen wissend, selbstbewusst und leicht amüsiert, was Masterson etwas beunruhigte.

„Mmm. Aylesbury, also...“ meinte Tylor und schob hinterher „früher gab es dort eine Art religiöse Gemeinschaft - die Quäker - soweit ich mich erinnere. Hübsche junge Dinger, die alle in den Mühlen arbeiten... und Sonntags ging es in der Kirche. Ich erinnere mich an sie. Es ist heute ganz anders. Hauptsächlich gibt es dort jetzt Iren und Frankokanadier. Stimmt's, Mijnheer?“
Der holländische Gastwirt polierte am äußersten Ende der Bar und runzelte die Stirn über Tylers Frage.

„Paddies und Canucks, Mijnheer.“ Tyler erhob die Stimme.

Ein verächtliches Grinsen – der Gastwirt winkte ab. Tyler schlug sich auf das Knie und lachte über die gelungene Anspielung.

„Er ist ein guter Kerl, der Mijnheer ein guter Kerl“, stellte er mit einem hörbaren Seufzer fest. Er klopfte eine Prise Tabak in den kleinen Napf vor seiner Pfeife.

„Möchten Sie rauchen?“, bot Tyler an. „Ich habe noch eine andere Pfeife, wenn Sie möchten.“

„Nein, danke“, lehnte Masterson knapp ab.

„Mmm. Schade. Ich habe hier eine gute Mischung dabei, aus Virginia. Aber so wie es im Süden heutzutage aussieht, werde ich den Tabak wohl nicht mehr lange bekommen. Mit ihren Sklavenhändlern, den Abolitionisten und dem Ärger in Kansas...“
Tyler verstummte.

Im Hintergrund, im Halbdunkel saßen weitere Männer, die zugehört hatten und sich so ihre eigenen Gedanken machten und das Gespräch an der Bar leise kommentierten. Einer von ihnen, ein Kerl mit rundem Gesicht blauer Weste und einem Biberhut auf dem Kopf, forderte einen weiteren Whisky.

„Mister Tyler“, setzte Masterson an und rückte ungeschickt seine Brille zu recht.

„Wegen der Brücke...“

„Mmm? Oh, aye. Die Brücke. Waren Sie schon mal in Aylesbury, Mister Masterson?“
Das dünne Lächeln war wieder da.

Es machte Masterson leicht nervös, und wieder strich sich der Trapper dabei mit einer Fingerspitze über seinen kleinen Schnurrbart.

„Nein, dort war ich noch nicht. Aber ich bin weiter gereist, als sie sich vorstellen können“,

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