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Zurück im Bett des Milliardärs

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1. KAPITEL

Zane Atraeus trifft sich mit Flittchen …

Gabriel Messena, milliardenschwerer Banker und Unternehmer, stutzte. Er blieb vor dem Zeitungsstand auf dem Auckland International Airport stehen und kaufte sich das Boulevardblatt mit dieser Schlagzeile.

Offenbar schlug sein wilder Cousin Zane wieder mal über die Stränge. Um welchen Flirt es wohl diesmal ging?

Gabriel fixierte das Foto und erstarrte. Es zeigte eine faszinierende Schönheit mit roten Haaren, heller Haut und dunklen Augen – ihre Figur war schlank und doch sinnlich. Sie besaß die Geschmeidigkeit und Anmut einer Tänzerin.

Das war nicht irgendeine Frau! Durfte das wahr sein? Schon wieder kam Zane ihm ins Gehege! Mit zusammengekniffenen Augen betrachtete Gabriel Gemma O’Neills strahlendes Lächeln.

Ein nie gekanntes Gefühl schmerzlicher Klarheit durchströmte ihn. Als er herausgefunden hatte, dass Zane sich mit Gemma traf, war er den Dingen auf den Grund gegangen. Und zum Glück hatte sich herausgestellt, dass die Treffen rein geschäftlicher Natur waren.

Nur irgendwann schien sich das geändert zu haben.

Gabriel atmete tief ein. Dass er sich zu Gemma hingezogen fühlte, war kein Wunder. Sie war umwerfend schön und klug, dazu temperamentvoll und entwaffnend ehrlich. Das hatte ihn von Anfang an angesprochen, schon als sie auf dem Anwesen der Messenas als Gärtnerin gearbeitet hatte.

Was sie, die nun wirklich kein Partygirl war, ausgerechnet an seinem wilden jüngeren Cousin fand, blieb ihm ein Rätsel. Gabriel presste die Kiefer aufeinander.

Nur zu deutlich spürte er, dass er diese Frau besitzen wollte. Ihm allein sollte sie gehören. An seiner tief empfundenen Sehnsucht kam er nicht vorbei – und das, obwohl er sie fast sechs Jahre lang nicht gesehen hatte.

Wut stieg in ihm hoch. Darüber, dass Zane, der Womanizer, auch vor seiner früheren Sekretärin nicht haltgemacht hatte.

Verdammt! dachte Gabriel, als er begriff, was ihm daran so zusetzte: Er war eifersüchtig auf Zane – brennend und auf einer ursprünglich-primitiven Ebene eifersüchtig.

Nach der langen Zeit ergab das keinen Sinn! Außerdem verband ihn mit Gemma nichts weiter als ein heißes Abenteuer für ein paar Stunden.

Diese Stunden allerdings hatte er bis zum heutigen Tag nicht vergessen. Was sicher auch daran lag, dass sie den letzten Flirt seiner unbeschwerten Jugendzeit bedeuteten. Zwei Tage später war sein Vater bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Zusammen mit seiner Freundin, der schönen Katherine Lyon, die auch seine Haushälterin gewesen war.

Von da an hatte alles bleischwer auf Gabriels Schultern gelastet: die Trauer und der Skandal, die Leitung der Bank und die Unberechenbarkeit der Familienmitglieder. Jeden Gedanken an eine Liaison mit einer Angestellten, und sei sie noch so attraktiv, hatte er weit von sich geschoben, um den Fehler seines Vaters auf jeden Fall zu vermeiden.

Bis zu diesem Moment.

Gabriel runzelte die Stirn und faltete die Zeitung zusammen. Ergriff da dieselbe fatale Art von Sehnsucht von ihm Besitz, die seinen Dad zu Fall gebracht hatte?

Er ging zum Erste-Klasse-Schalter, checkte sein Gepäck ein und legte der Angestellten seinen Ausweis vor. Während er auf seine Bordkarte wartete, sah er sich wieder den Zeitungsartikel an. Auch einige von Zanes früheren Affären waren darin aufgezählt. Und währenddessen hatte der sich offenbar die ganze Zeit über Gemma warmgehalten …

Gabriel wurde immer gereizter. Wo war nur Gemmas Stolz geblieben? Warum hatte sie sich mit Zane eingelassen? Dabei behandelte er sie sicher nicht halb so gut, wie sie es verdient hätte. Das passte nicht zu ihrem unabhängigen Wesen, das ihre Persönlichkeit so anziehend machte.

Ein Satz ließ ihn erstarren. Darin also lag der Grund für ihr untypisches Verhalten: Sie war nicht mehr wirklich Single. Sie hatte ein Kind. Vermutlich von Zane.

Gabriel versuchte, ruhig durchzuatmen – doch gegen das Herzklopfen und ein seltsames Gefühl der Leere konnte er nichts tun.

Hätte er nur dem, was die Boulevardzeitungen seit zwei Jahren schrieben, mehr Beachtung geschenkt! Nun war es zu spät. Irgendwann hatte es Zane nicht gereicht, dass Gemma als Sekretärin für ihn arbeitete. Nein, er hatte sie in seinem Bett haben müssen!

Gabriel zerrte an seiner dunkelblauen Seidenkrawatte. Er brauchte Luft. Musste versuchen, sich zu konzentrieren. Musste seine mühsam erarbeitete Selbstbeherrschung zurückgewinnen. Heißblütige Leidenschaft war der Fluch aller Messena-Männer.

Dass Gemma einem Kind das Leben geschenkt hatte, war ein Ausdruck solcher Intimität, dass die Vorstellung regelrecht wehtat. Aber dass es Zanes Baby war, schmerzte unerträglich.

Gabriel mit seinen dreißig Jahren hatte eine vergleichbare Intimität noch nie erlebt – und würde auch noch länger darauf verzichten müssen.

Zane dagegen schon, trotz oder gerade wegen seiner jugendlichen Verantwortungslosigkeit. Und jetzt interessierte er sich nicht mehr für die Frau, die er mit einem Kind an sich gebunden hatte.

Ganz anders er selbst. Gabriel strich sich durch die Haare. Er interessierte sich sehr für Gemma. Schon der Gedanke an sie zog in seiner Gefühlswelt weite Kreise – wie ein Stein, der in ruhiges Wasser geworfen wurde.

Sechs Jahre waren vergangen, und doch erschien ihm diese Zeitspanne wie nur ein einziger Tag. Es war ihm, als wäre er nach dem Tod des Vaters eingeschlafen und gerade erst aufgewacht. All seine Sinne belebten sich aufs Neue, und verdrängte Gefühle kämpften sich mit Macht an die Oberfläche.

Wieder betrachtete er das Foto. Diesmal fiel ihm auf, wie Gemma buchstäblich an Zanes Arm hing. In dieser Pose lag etwas Vertrautes, Entspanntes …

Neue Wut stieg in ihm auf. Wut, die stärker wurde als alle Bedenken, dass er die Frau begehrte, die er damals zugunsten von Familie und Geschäft aufgegeben hatte.

Gemma hatte ein Kind!

So langsam wurde ihm bewusst, dass er etwas sehr Wichtiges versäumt hatte, für das er blind gewesen war. Eigentlich sollte es ihn nicht überraschen, dass er von der Veränderung in Gemmas Leben nichts mitbekommen hatte. Ein Imperium zu führen, das unter einem alternden Treuhänder zu leiden hatte, der die ersten Anzeichen beginnender Demenz zeigte, reichte aus für schlaflose Nächte.

Für persönliche Beziehungen fehlte ihm schlichtweg die Zeit. Wenn er sich verabredete, dann nur aus geschäftlichen Gründen oder in Wohltätigkeitsangelegenheiten. Dass er, wenn er nicht reiste, Abend für Abend in sein leeres Apartment zurückkehrte, hatte ihn nie gestört.

Bis jetzt.

Dankend nahm er die Bordkarte entgegen und bahnte sich einen Weg durch die vielen Menschen, ohne das Gedränge wirklich wahrzunehmen. Inmitten der Menge allein zu sein fühlte sich seltsam an. Und als noch seltsamer empfand er die plötzliche Erkenntnis, dass er, obwohl geschäftlich ein gefragter Mann, nicht die Spur eines erfüllten Privatlebens besaß.

Aber das würde sich jetzt ändern. Er war unterwegs zur Mittelmeerinsel Medinos, dem Stammsitz der Messenas. Und Gemmas künftigem Wohnsitz.

Auch ohne jeden Hang zum Mystischen, das ganz und gar nicht zum Charakter seiner Familie passte, empfand er es doch als glückliche Fügung, Gemma schon bald so nahe zu sein. Abgesehen von der Leidenschaft war noch etwas typisch für die Messena-Männer, das sich bis zu den Kreuzzügen zurückverfolgen ließ: Strategisch denkend und rückhaltlos hatten sie für Richard ­Löwenherz gekämpft. Aus fast allen Schlachten waren sie siegreich hervorgegangen, hatten Länder und Festungen eingenommen. Das Siegen hatten sie sich nie wieder abgewöhnt, denn in allen folgenden Generationen hatte es viele Söhne gegeben. So waren immer mehr Ländereien und unvergleichlicher Reichtum zusammengekommen.

Da Plündern und Brandschatzen inzwischen aus der Mode gekommen waren, hatten sich die Messena-Männer darauf verlegt, ihr Interesse am Planungstisch und in Konferenzsälen durchzusetzen. Was sie ebenfalls meisterlich verstanden. Am Prinzip jedoch hatte sich nichts geändert: sich ein Ziel zu setzen, planvoll vorzugehen und den Preis einzustreichen.

In diesem Fall war der Plan einfach. Er musste Gemma aus Zanes Armen reißen, um sie wieder in sein eigenes Bett zu locken.

„Gabriel Messena … schon nach einem Monat verlobt …“

Gesprächsfetzen drangen von der Sonnenterrasse des luxuriösen Atraeus-Resorts. Gemma O’Neill blieb im Saal stehen und fasste unwillkürlich den Griff des Servierwagens fester. Erinnerungen stiegen in ihr auf wie Strandgut, das im Meer nach oben treibt.

Mit einem Mal fühlte sie sich an Plätze versetzt, die sie seit sechs Jahren mied. Lange unterdrückte Gefühle brachen sich unaufhaltsam Bahn.

Eine ruhige Bucht unter klarem Sternenhimmel mit einer schmalen Mondsichel. Gabriel Messena, groß und schlank, mit nachtschwarzen Haaren. Sein edel geschnittenes Gesicht mit den hohen Wangenknochen verleiht ihm etwas Exotisches. Etwas, das an das lebhafte Treiben arabischer Souks erinnert, an kühle Alkoven maurischer Paläste …

Woher kamen diese Bilder? Vielleicht lag es daran, dass sie sich hier auf Medinos befand, der romantischen Insel, die Brautpaare in Scharen anzog.

Verstört – statt nur angespannt wie vorher – rollte sie den Servierwagen zu einem der Tische, die sie eindecken wollte. Das Geräusch ließ die Gäste auf der Terrasse, zwei Frauen, aufhorchen. Sie waren VIPs im allerbesten Sinne hier auf Medinos, denn sie standen mit der Atraeus-Familie in Verbindung.

Eine davon spielte darüber hinaus in Gemmas Vergangenheit eine besondere Rolle. Selbst wenn Luisa Messena, Gabriels Mutter, nicht ahnte, dass die Frau, die den Nachmittagstee servierte, eine ihrer früheren Gärtnerinnen war.

Und die Exgeliebte ihres Sohnes.

Mit einem professionellen Lächeln in die Richtung der beiden Frauen entschuldigte sie sich. Dabei vermied sie direkten Blickkontakt, um nicht erkannt zu werden.

Gewandt faltete sie eine Damastdecke auf und legte sie auf die glänzende Oberfläche. Dann deckte sie den kleinen Tisch mit Tellern und Servietten ein. Sie platzierte eine geschwungene silberne Teekanne, die vermutlich mehr Wert war als das Auto, das sie kaufen musste, sich aber als alleinerziehende Mutter nicht leisten konnte. In diesem Moment wünschte sie, nicht angeboten zu haben, dem Hotelpersonal bei der Bewirtung illustrer Gäste zu helfen.

„Er hat lang genug auf sie gewartet … Sie passt hervorragend zu ihm … Kommt aus gutem Hause, wohlhabend natürlich …“

Auch wenn sie sich Mühe gab, nicht hinzuhören – denn schließlich war das mit Gabriel Messena längst Vergangenheit –, ärgerte sie sich doch. Offensichtlich stand er kurz davor, einer makellosen handverlesenen Schönheit einen Antrag zu machen.

Gemma öffnete eine Flasche spritziges Mineralwasser und warf den Verschluss in den kleinen Abfallbehälter unten im Servierwagen. Ein leises Klimpern verriet, dass sie nicht getroffen hatte. Mit gemessenen Bewegungen bückte sie sich, hob den Verschluss auf und legte ihn in den Behälter. Dann goss sie Wasser in zwei Gläser. Sie erschrak, als eines davon überlief.

Eigentlich sollte es ihr nichts ausmachen, dass Gabriel nach Jahren sein Junggesellenleben aufgab und innerhalb der beispiellos reichen Kreise, in denen er sich bewegte, heiraten wollte. Ja, sie freute sich für ihn. Wirklich. Sie durfte nicht vergessen, ihm eine Glückwunschkarte zu schreiben.

Kein Problem, schließlich waren inzwischen sechs lange Jahre vergangen.

Inzwischen hatte sich das Gespräch der beiden Frauen anderen Themen zugewandt.

Dass sie eines Tages gar nichts mehr für Gabriel empfand, war unwahrscheinlich, denn schon als Teenager war er ihr Traummann gewesen, ihre erste große Liebe. Doch ihre sehnsüchtige Hoffnung hatte sich nicht erfüllt, denn ohne Geld und Beziehungen war sie nie Teil seiner Welt geworden.

Eines Nachts hatte Gabriel der Leidenschaft, die sie verband, ein jähes Ende bereitet. Und zwar mit einer Konsequenz, als würde er unrentable Aktien abstoßen. Bei aller Höflichkeit hatte er klargemacht, dass es für sie beide keine gemeinsame Zukunft gab. Eine Begründung hatte er keine geliefert; das war auch nicht nötig gewesen. Als kurz darauf der Skandal um seinen Vater in den Boulevardblättern breitgetreten worden war, hatte sie begriffen, warum er sie hatte fallen lassen wie die sprichwörtliche heiße Kartoffel.

Die Affäre seines Vaters mit der Haushälterin hatte das Vertrauen der reichen konservativen Kunden in die familieneigene Bank in den Grundfesten erschüttert. Gabriel hatte sich um Schadensbegrenzung bemüht. Um keinen neuen Skandal zu verursachen, hatte er unbedingt vermeiden müssen, dass sein Verhältnis mit der Gärtnerin bekannt wurde.

Es hatte wehgetan, aber sie hatte sich bemüht, die Dinge mit seinen Augen zu sehen. Hatte versucht, seinen inneren Kampf nachzuvollziehen. Dennoch … die Zurückweisung und die Einsicht, dass sie nicht gut genug gewesen war für eine offizielle Beziehung, hatten sie verletzt und tief enttäuscht.

Nach diesem kurzen schrecklichen Gespräch war es ihr gelungen, nach außen hin optimistisch zu bleiben, und sie hatte beschlossen, nie wieder zurückzuschauen. Dieses Kopf-in-den-Sand-Stecken hatte sechs Jahre lang seinen Zweck erfüllt.

Mit besonderer Sorgfalt stellte sie das Geschirr aus Bone China auf den Tisch. Trotzdem stürzte eines der zarten Tässchen auf der Untertasse um, wodurch ein silberner Teelöffel klimpernd auf einen Teller fiel.

Die entstandene Anspannung und Missbilligung konnte sie beinahe fühlen. Gemma biss die Zähne zusammen. Sie arbeitete seit ein paar Jahren für die Atraeus-Gruppe, und wenn Not am Mann war, machte es ihr nichts aus, einzuspringen. Die Familie Atraeus hatte ihr einen Job gegeben, als sie ihn dringend gebraucht hatte, und sie immer gut behandelt. Aber in diesem Augenblick kam ihr ihre Rolle als Dienstbotin besonders schmerzlich zu Bewusstsein.

Etwas zu schwungvoll stellte sie Milchkännchen und Zuckerdose aus Silber auf den Tisch, woraufhin ein verirrter Tropfen Milch das ehedem makellose Tischtuch verunzierte.

Nicht dass sie Probleme damit hatte, ihre Arbeit gut zu machen, aber sie war nun einmal keine Serviererin. Und auch nicht mehr die Tochter des Gärtners auf dem Anwesen der Messenas.

Sie war eine überaus fähige und hoch qualifizierte Sekretärin – zusätzlich mit einem Abschluss im Fach Darstellende Kunst. Irgendwie begriff sie noch immer nicht, welche Laune des Schicksals sie zu einer Angestellten der Messenas gemacht hatte.

Heiter und topgepflegt sah Luisa noch genauso aus wie damals bei ihrer letzten Begegnung in Dolphin Bay in Neuseeland. Auch ihre Freundin wirkte wohlhabend und distinguiert, mit sorgfältig manikürten Händen und glatten dunklen Haaren.

Unwillkürlich dachte Gemma an ihre eigenen Haare. Da sie nachts mit Neuseeland telefoniert und kaum geschlafen hatte, war sie morgens zu müde gewesen, um sich aufwendig zu frisieren. Also hatte sie lediglich die schweren Wellen zu einem lockeren Knoten geschlungen.

Nun kam die Krönung des nachmittäglichen Teetisches: eine dreistöckige Etagere mit Minisandwiches und winzigen Gebäckstückchen wie Scones und Pastries. Während Gemma die kunstvolle Anordnung exakt in der Mitte platzierte, fiel ihr Blick zufällig auf den Spiegel gegenüber.

Kein Wunder, dass Luisa sie nicht erkannte! Der hellblaue Kittel des Bedienpersonals war ihr mindestens eine Nummer zu groß, und die unvorteilhafte hellblaue Farbe stand ihr nicht. Auch der Haarknoten wirkte nicht gerade stylish …

Sicherlich kein Vergleich zu dem zarten Treibhauspflänzchen, das, wenn man den Gerüchten Glauben schenkte, bald Gabriels Frau werden sollte.

Dabei habe ich doch sein Kind geboren! schoss es Gemma durch den Kopf. Ein unangemessener, überdramatischer Gedanke, den sie sofort bereute. Schließlich war sie längst mit sich ins Reine gekommen, und Gabriel würde bald heiraten. Bestimmt hatte er seine Braut ebenso wohlüberlegt ausgewählt, wie er Geschäfte abzuschließen pflegte.

Das mit ihnen war verrückt gewesen und schlecht für sie beide. Die Schuld daran hatten Mondschein und Champagner gehabt – und die Tatsache, dass Gabriel sie ritterlich aus einer peinlich werdenden Verabredung gerettet hatte.

Als ihr drei Monate später klar geworden war, dass sie ein Baby bekommen würde, hatte es außer Frage gestanden, Gabriel nichts zu erzählen. Schließlich hatte er ihr ja unmissverständlich mitgeteilt, dass er keine Beziehung mit ihr wollte. Und dass er sich nur aus Pflichtbewusstsein um das Kind kümmerte, kam für sie nicht infrage. Also hatte sie beschlossen, allein die Verantwortung für Sanchia zu übernehmen.

Und noch aus einem weiteren Grund hatte sie geschwiegen: Weil sie die Folgen scheute. Denn als Mutter eines Messena-Kindes war es unmöglich, sich von der Verbindung zu dieser Familie jemals frei zu machen. Ein Leben lang hätte sie das Gefühl gehabt, auf deren Unterstützung angewiesen zu sein. Immer wäre sie die Angestellte geblieben, die Gabriel Messena zwar geschwängert, aber aus Standesgründen nicht geheiratet hatte.

Die Schwangerschaft hatte sie ruhig und einsam verbracht, während die Kränkung durch Gabriel allmählich verblasst war. Um weiteres Leiden zu vermeiden, hatte sie beschlossen, dass Sanchia ihr allein gehören sollte. Das war ihr als der einfachste und leichteste Weg erschienen.

Sie legte die Kuchengabeln auf. Was sie an Gabriels Verlobung besonders wütend machte, war die Tatsache, dass er offenbar auf seine Auserwählte gewartet hatte. Wenn das stimmte, bedeutete es, dass sie selbst für ihn nie mehr als ein Zeitvertreib gewesen war, eine Lückenbüßerin.

Noch mehr Erinnerungen stürzten auf sie ein, die es ihr fast unmöglich machten, den Tisch fertig zu decken.

Gabriels Lippen auf ihre gepresst, seine Finger in ihren ­Haaren …

Warum hatte er damals nur so schnell aufgegeben? War er wirklich so oberflächlich, dass es ihn nicht störte, sich seine Frau rein nach Vernunftgründen auszusuchen? Statt sich leidenschaftlich zu verlieben?

Gemma presste die Fingerspitzen an die Schläfen. Der Kopf tat ihr weh. Mit mehr Schwung als nötig rollte sie den Servierwagen zur Tür – und streifte dabei die Seite eines Sofas.

Luisa Messena, die gerade von der Terrasse hereinkam, sah sie verwirrt an und überlegte stirnrunzelnd, woher sie sie kannte. Hoffentlich würde sie sich nicht erinnern!

In der verzweifelten Hoffnung, nicht erkannt zu werden, beeilte sich Gemma, den Wagen neben der Tür abzustellen. Damals, im Sommer vor sechs Jahren, hatte sie jede Vorsicht über Bord geworfen, all ihre Regeln in den Wind geschossen – und mit Luisas schwerreichem Sohn geschlafen.

Entgegen allen Höflichkeitsregeln goss Gemma keinen Tee ein. Stattdessen lächelte sie nur starr in Luisas Richtung, öffnete die Tür und schob den Servierwagen hinaus.

Als sie die Tür hinter sich geschlossen hatte, atmete sie erleichtert auf und schob den Wagen weiter zum Serviceaufzug am anderen Ende des Korridors. In diesem Moment klingelte ihr Handy.

Sie vergewisserte sich, dass niemand in der Nähe war, und nahm das Gespräch an. Die ernste Stimme ihrer fünfjährigen Tochter erklang.

Während sie sich unterhielten, quietschte ab und zu ein Stofftier, ein kleiner flauschiger Hund.

Gemma seufzte leise. Wie gerne wäre sie jetzt bei ihr gewesen, um sie in die Arme zu nehmen. Als sie noch kleiner gewesen war, hatte sie den Stoffhund über die Maßen geliebt – wenn sie ihn jetzt an sich drückte, dann meist, wenn sie müde oder durch­einander war.

Schon immer war Sanchia weit gewesen für ihr Alter, und sie hatte Fragen und Wünsche. Sie wollte wissen, wo ihre Mom war und was sie tat. Wann sie kommen und sie abholen würde. Und ob sie ihr ein Geschenk mitbringen würde.

Dann entstand eine kleine Pause, und mit fester Stimme, als wäre sie nun zum wichtigsten Punkt des gesamten Telefonats gekommen, fragte Sanchia:

„Und wann bringst du mir den Dad mit?“

2. KAPITEL

Gemma verließ der Mut. Anscheinend hatte ihre Tochter ein Gespräch mit angehört, das sie, halb verzweifelt und halb im Spaß, mit ihrer jüngeren Schwester Lauren geführt hatte.

Der Wunsch nach „dem Dad“ war herzergreifend. Aber ein Ehemann und Vater ließ sich nun einmal nicht so einfach besorgen wie ein Paar Schuhe oder eine Handtasche.

Gemma kannte sich selbst als selbstbeherrscht, konzentriert und gut organisiert. Als alleinerziehende Mutter blieb ihr auch gar nichts anders übrig.

In letzter Zeit allerdings drohten ihr die Dinge zu entgleiten. Es hatte mit einer Nanny begonnen, die Sanchia im Auto gelassen hatte, um das Casino in Sydney zu besuchen. Zum Glück war das Kind einem Passanten aufgefallen, der sofort die Polizei gerufen hatte.

Gemma hatte die Lage klären können, aber in derselben Woche hatten die Medien über ein angebliches Verhältnis zwischen ihr und ihrem früheren Boss, Zane Atraeus, berichtet.

Nach diesem Skandal war es noch schlimmer gekommen! Nachdem sie die Nanny entlassen hatte, hatte diese den Spieß herumgedreht und den Zeitungen eine Lügengeschichte verkauft, die Gemma als Mutter in ein denkbar schlechtes Licht gerückt hatte.

Auf Seite eins der Boulevardblätter hatte es diese Story zwar nicht geschafft, aber es waren schon ein paar Wochen vergangen, bis sich das Medieninteresse wieder anderen Themen zugewandt hatte.

Doch … die Jugendämter von Australien und Neuseeland waren aufmerksam geworden.

Als Gemma mit Sanchia Australien hatte verlassen wollen, um ihren Job in Medinos anzutreten, hatte die Situation eine bestürzende Wendung genommen:

Man beschuldigte sie, sich und das Kind durch Flucht entziehen zu wollen, ehe der Fall abgeschlossen war, und hielt sie beide fest! Daraufhin flog ihre Mom nach Sydney, um zu helfen. Sie wollte vorübergehend das Sorgerecht für Sanchia ausüben und sie mit zu sich nach Neuseeland nehmen.

Doch zu allem Übel – mit ihrer Gesundheit stand es nicht zum Besten – bekam sie einen Herzinfarkt und benötigte eine Bypass­operation.

Zu Gemmas Entsetzen war Sanchia in einer Pflegefamilie untergebracht worden!

Vor Angst und Sorge konnte Gemma weder schlafen noch essen. Würde sie ihre Tochter je wieder zurückbekommen? Und wenn sie noch so viele Beweise beibrachte, dass sie eine gute Mutter war – würden die Behörden sie je wieder aus ihren Klauen lassen?

Zum Glück erbot sich Lauren, die selbst einen Stall voll Kinder hatte, Sanchia mit amtlichem Einverständnis bei sich aufzunehmen, bis Gemma selbst wieder im Lande war.

Aber auch, wenn Lauren betonte, dass sie es gern machte – ewig konnte es nicht so weitergehen. Vier eigene Kinder, jede Menge Arbeit und ein schmales Budget setzten den Möglichkeiten der Schwester Grenzen.

Gemma hatte zwar ihre Ersparnisse angegriffen, um eine ordentliche Summe zu überweisen, aber das konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass ihre Mittel knapp wurden und die Zeit ihr davonlief.

Nach all diesen Jahren des Kampfes als alleinerziehende Mutter stand sie nun kurz davor, ihr Kind zu verlieren. Jetzt gab es nur ein einziges Ziel: Sie musste das Jugendamt überzeugen, ihr Sanchia zurückzugeben!

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