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Zurück auf der Jacht des Millionärs

1. KAPITEL

Nachdem Megan Simmons vor vier Jahren aus Miami fortgegangen war, hatte sie jeden Tag darum gekämpft, ihr inneres Gleichgewicht wiederzufinden und die Vergangenheit hinter sich zu lassen. Heute machte Megan sich nichts vor: Es hatte nichts genützt; die Vergangenheit verfolgte sie auf Schritt und Tritt.

Plötzlich klopfte jemand an die Tür ihres Büros.

Megan sah von ihren Unterlagen auf – und blickte direkt in die Augen des Mannes, den sie geglaubt hatte, nie wiederzusehen.

Ihr stockte der Atem. Ohne dass es ihr bewusst wurde, ließ sie die Hand sinken und legte die Papiere auf den Schreibtisch.

„Deine neue Partnerin ist schon fleißig bei der Arbeit, Conrad.“

Beim Klang seiner Stimme ging eine Wärme durch ihren Körper, als hätte sie an einem seltenen Cognac genippt.

Er hatte schon immer diese betörende Wirkung auf sie gehabt – besonders im Bett. Doch dieses Mal spürte Megan, dass eine Gefahr von ihm ausging. Stephen klang zwar amüsiert, aber auch spöttisch.

Sie richtete den Blick auf den Mann, der neben ihm stand. Früher hatte sie für Conrad Elkind gearbeitet. Weil er ihr angeboten hatte, in seiner Innendekorationsfirma Partnerin zu werden, lebte Megan jetzt wieder in Miami.

„Ich habe gute Neuigkeiten, Megan“, sagte er herzlich. „Wir haben den Auftrag, einen Teil des ‚Garrison Grand‘ umzudekorieren. Stephen war so beeindruckt von deiner Arbeit in der ‚Garrison Incorporated‘ vor vier Jahren, dass er dich für den Job haben möchte.“

Misstrauisch sah sie Stephen an. An seinem Gesichtsausdruck erkannte sie deutlich, dass er mit dem Angebot bestimmte Hintergedanken verband.

Er verzog nachsichtig den Mund. „Ich hatte Conrad eigentlich gebeten, die Details so lange geheim zu halten, bis wir den Vertrag unterschreiben.“

Sie spürte, wie sie blass wurde. Hätte sie nicht an ihrem Schreibtisch gesessen, hätte sie sich schnell irgendwo gesetzt, so sehr zitterten ihr die Knie. Als sie nach Miami gezogen war, hatte sie selbstverständlich damit gerechnet, Stephen irgendwann über den Weg zu laufen. Dass sie jedoch für ihn arbeiten würde, kaum dass sie den neuen Job angenommen hatte – das wäre Megan nicht einmal im Traum eingefallen.

Sie hoffte nur, schon bald zur Seniorpartnerin aufsteigen zu können – Elkind, Ross, Gardner und Simmons. Klang doch nicht schlecht.

Im Augenblick stand ihr Stephen auf dem Weg zu ihrem Ziel wie ein riesiges, unverrückbares Hindernis im Weg.

Mühsam nahm sie sich zusammen und stand auf, obwohl sie den Mann, der ihr Tag und – vor allem – Nacht nicht aus dem Sinn ging, am liebsten eisern ignoriert hätte.

„Was für ein unerwartetes Kompliment“, erwiderte sie und kam um den Schreibtisch herum.

Sie trug ein sandfarbenes Kostüm und eine smaragdgrüne Bluse, die ihre grünen Augen betonte. Das kühle Bürooutfit empfand Megan in diesem Moment wie einen Schutzschild. Sie war froh, dass sie sich heute Morgen dafür entschieden hatte. Dazu trug sie Riemchensandaletten. Obwohl schon September war, blieb das Wetter in Miami noch sommerlich.

Trotz der zwei Zentimeter hohen Absätze kam sich Megan mit ihren ein Meter fünfundsiebzig klein und hilflos vor. Stephens Gegenwart war einschüchternd. Es lag nicht nur daran, dass er knapp einen Meter neunzig groß war. Er hatte Sex-Appeal, eine erotische Ausstrahlung, die ihr die Knie weich werden ließ.

Für sie war er schon immer der Inbegriff des hochgewachsenen, attraktiven Mannes gewesen – mit seinem dunklen Haar und einem Körper, der wie für sündige Nächte geschaffen war. Wer immer behauptet hatte, dunkelhaarige Männer seien besonders sexy, musste an Stephen gedacht haben.

Megan hatte vor vier Jahren mit ansehen müssen, was für eine Anziehungskraft er auf Frauen ausübte. Sie fielen reihenweise beinah in Ohnmacht, wenn er ihnen einen Blick schenkte. Und leider war Megan dumm genug gewesen, es ihnen nachzumachen. Auch jetzt verspürte sie ein seltsames, aufregendes Kribbeln im Bauch.

Sie fragte sich, ob es an dem Kinngrübchen lag, das charakteristische Merkmal der Garrisons, das viele Frauen faszinierte. Unwillkürlich betrachtete sie seine Hand und stellte fest, dass er keinen Ehering trug.

Conrad sah auf die Uhr. „Ich habe in fünf Minuten eine Telefonkonferenz und muss euch jetzt verlassen. Aber ihr kommt sicher ohne mich zurecht.“

Mit Stephen Garrison allein in einem Raum sein, das war das Letzte, was sie sich gerade wünschte. Trotzdem nickte Megan ruhig und sagte nur: „Danke, Conrad.“

Als ihr Partner gegangen war, straffte sie die Schultern und hob leicht das Kinn, bevor sie Stephen einen herablassenden Blick zuwarf. Dann sagte sie sich, dass sie gar keinen Grund hatte, sich zu verteidigen. Schließlich war nicht sie diejenige, die ihn damals betrogen hatte.

„Hallo, Stephen. Möchtest du dich nicht setzen?“ Bewusst langsam trat sie hinter ihren Schreibtisch. „Ich bin überzeugt, wir können dir geben, was du möchtest.“

„Damit rechne ich fest“, entgegnete er vielsagend.

Sie atmete tief ein. „Wahrscheinlich muss ich mir keine Hoffnungen machen, dass dein Erscheinen heute reiner Zufall ist?“

„Nein, das musst du wirklich nicht“, erwiderte er gedehnt. „Es hat eine Weile gedauert. Aber jetzt bin ich entschlossen, nicht ohne ein paar Antworten von dir zu gehen.“

„Irgendwie habe ich den Eindruck, dass wir nicht über das ‚Garrison Grand‘ sprechen.“

„Vor vier Jahren hast du Miami ohne ein Wort verlassen.“

„Du meinst, ich habe dich verlassen.“

Sekundenlang presste er die Lippen zusammen.

„Keine Frau verlässt einen Garrison. Liegt da das Problem?“, fragte sie provokant und stützte die Hände auf die Hüften, die seit der Geburt ihres Kindes etwas runder waren.

Ihre Tochter großzuziehen hatte Megan verändert. Sie war heute mutiger als früher und ähnelte kaum noch der zaghaften Frau, die sie vor vier Jahren gewesen war. Heute würde sie alles tun, um ihrem Kind eine Zukunft zu ermöglichen, die es verdiente. Auch wenn es bedeutete, alleinerziehende Mutter zu sein.

Sogar wenn sie dafür nach Miami zurückkehren musste.

Im vergangenen Monat hatten sie und Jade Indianapolis verlassen und waren nach Miami umgezogen, obwohl hier die Garrisons lebten. Conrads Angebot war einfach zu großzügig gewesen. Megan hatte eine vernünftige Entscheidung gefällt.

Sie musterte Stephen eingehend und stellte fest, dass er sich in den letzten Jahren auch verändert hatte. Er war jetzt einunddreißig Jahre alt, nur ein Jahr älter als sie. Doch irgendwie wirkte er reifer als damals. Dabei war er immer noch genauso atemberaubend sexy. Nur die Macht und Autorität, die er schon früher ausgestrahlt hatte, waren nicht mehr aufgesetzt, sondern schienen ihm zur zweiten Natur geworden zu sein. Er wirkte wie ein selbstsicherer Mann, der die eigenen Fähigkeiten und Schwächen genau kannte und nicht nötig hatte, etwas darzustellen.

Umso gefährlicher für jede Frau, dachte Megan und fragte impulsiv: „Woher weißt du, dass ich wieder hier bin?“

Er steckte die Hände in die Hosentaschen seines maßgeschneiderten Anzugs und schlenderte auf Megan zu, als wäre es sein Büro.

Zum Glück hatte sie noch keine Zeit gefunden, private Fotos aufzustellen. Und hoffentlich hatte Conrad ihm nichts verraten.

„Woher ich das weiß?“, wiederholte er, als müsste er über eine Antwort nachdenken. „Das ist natürlich eine wichtige Frage“, meinte er spöttisch.

Ein Blick in seine dunklen Augen ließ Megan erschauern. Er war sehr wütend, das war unverkennbar – auch wenn er versuchte, es zu verbergen.

„Allem Anschein nach hast du deiner Freundin Linda gegenüber nie erwähnt, dass wir beide ein Paar waren.“

Oh, Linda, dachte Megan und stöhnte innerlich auf. Warum musste sie ausgerechnet im Gespräch mit Stephen ihren Namen erwähnen?

Allerdings konnte sie Linda keinen Vorwurf machen. Megan hatte weder Freunde noch Bekannte eingeweiht. Niemand wusste etwas über ihre Affäre mit Stephen – über die Katastrophe ihres Lebens.

Er verzog den Mund zu einem schiefen Lächeln. „Wenn du deine Rückkehr geheim halten wolltest, hättest du der neuen Mrs. Parker Garrison eben den Mund verbieten müssen.“

Natürlich hatte er damit recht. Diese Einsicht machte jedoch auch nichts besser.

„Weißt du, es war schon komisch“, fuhr Stephen in einem Ton fort, der alles andere als amüsiert klang, „da saßen wir alle vor einigen Wochen beim Sonntagsdinner auf dem Gut meiner Eltern in Bal Harbour. Ich erwähnte zufällig, dass ich plane, das Hotel neu einrichten zu lassen.“

Er hielt kurz inne. „Rate mal, was Linda sofort vorgeschlagen hat?“

Schweigend presste sie die Lippen aufeinander. Stephen wartete auf keine Antwort.

„Sie hat uns von ihrer Freundin Megan Simmons erzählt, die gerade wieder nach Miami gezogen und von ihrer alten Firma als Partnerin aufgenommen worden ist.“ Er betrachtete sie einen Moment nachdenklich. „Ich hatte nicht einmal gewusst, dass du und Linda befreundet seid.“

„Durch mich ist Linda vor vier Jahren zu ihrem Job in der ‚Garrison Incorporated‘ gekommen“, erklärte sie kühl. „Als ich dort die Geschäftsräume gestaltet habe, lernte ich einige Leute aus der Personalabteilung kennen. Ich habe Linda für den Job vorgeschlagen. Sie wollte damals aus Indianapolis wegziehen.“

Sie umklammerte den Rand der Schreibtischplatte, um sich irgendwo festzuhalten. Megan waren vor Nervosität die Knie weich geworden. Dass Stephen nicht nach ihrer Tochter fragte, bedeutete wohl, Linda hatte Jade nicht erwähnt. Zumindest hoffte Megan es.

„Stimmt“, sagte Stephen und kam noch näher. „Vor vier Jahren hast du auch fluchtartig die Stadt verlassen.“

„Ich hatte nach reiflicher Überlegung beschlossen, woanders zu leben“, widersprach sie ihm kühl. Wenn sie ehrlich war, musste sie ihm jedoch recht geben. Sie war geflohen. Das würde sie heute nicht mehr. Jetzt lief sie vor nichts mehr davon und hatte gelernt, sich schwierigen Situationen zu stellen.

„Wenn du allerdings“, fuhr er fort, als hätte er sie nicht gehört, „vor Kurzem nicht davongelaufen wärst wie ein verängstigtes Kaninchen, als ich auf Parkers und Lindas Hochzeitsfeier auf dich zugegangen bin – dann hätten wir dieses Gespräch woanders und auch früher führen können.“

An dem Tag hatte sie sich so davor gefürchtet, Stephen zu begegnen, dass sie fast abgesagt und die Hochzeit ihrer besten Freundin verpasst hätte. Am Ende hatte sie das Linda nicht antun wollen. Aber ganz gleich, was in ihr vorgegangen war, jetzt war Megan nicht bereit, auch nur einen Zentimeter nachzugeben. „Ich bin nicht davongelaufen, ich wollte Linda und Parker nur nicht den Abend verderben. Wir hätten uns gestritten …“

Er lachte freudlos auf. „Erspar mir die Krokodilstränen, Megan.“

„Kannst du dir wirklich nicht vorstellen, dass es Frauen gibt, die nicht mit dir flirten wollen?“, konterte sie gereizt.

„Ich habe jedenfalls noch keine kennengelernt, die mich abgewiesen hätte – und das schließt dich ein.“

„Ja, mit nur einem feinen Unterschied. Ich bin die Einzige, die dich verlassen hat. Ist es das, was dich so stört, Stephen? Habe ich dir den Rekord verdorben, was deinen Erfolg bei Frauen angeht?“

Gereizt schloss er die Augen.

Sie lächelte. „Ich verspreche dir, es niemandem zu verraten.“

Auf seinem Gesicht spiegelte sich so tiefer Zorn wider, dass sie einen Moment fürchtete, zu weit gegangen zu sein. Sie hatten schon immer gewusst, wie sie einander am besten zur Weißglut treiben konnten. Und das war einer der Gründe, aus denen ihre Beziehung so aufregend gewesen war …

Bevor sie ein schlechtes Gewissen bekommen konnte, rief Megan sich ins Gedächtnis, dass sie kaum etwas tun könnte, das schlimmer wäre als Stephens Verrat.

Er beobachtete sie nachdenklich. „Bist du damals weggegangen, weil ich dir zu sehr unter die Haut ging?“, fragte er leise. „Wurde es dir im Bett mit mir zu heiß? War es etwa die Gefahr, deine kühle Fassade zu verlieren? Bist du deshalb gegangen, Megan?“

Sie holte tief Luft.

„Du weißt, dass es wirklich gut war zwischen uns“, fuhr er fort.

„Schmeichle dir nicht.“

Um eine hässliche Auseinandersetzung zu vermeiden, war sie vor vier Jahren ohne ein Abschiedswort abgereist. Megan hatte befürchtet, dass Stephen sie doch noch überredet hätte zu bleiben, wenn sie ihn konfrontiert hätte – wenn sie ihm gesagt hätte, dass sie es wusste.

Unvermittelt trat er einen Schritt zurück. Megan atmete schon erleichtert auf. „Warum bist du gegangen?“, fragte er dann geradeheraus.

„Ich habe dir schon bei unserem letzten Gespräch gesagt …“

„Eine SMS!“

„Ich wollte einen sauberen Bruch“, erwiderte sie kurz angebunden.

„Nachdem du meine Anrufe tagelang ignoriert hattest“, warf er ihr vor.

„Du warst geschäftlich unterwegs.“

„Ja. Und dann warst du geschäftlich unterwegs – jedenfalls hast du das behauptet.“

„Ich war nie besonders gut darin, eine Beziehung zu beenden“, brachte sie hervor, so gelassen sie konnte. „Und ich hatte glasklar begriffen, dass unser kleines Abenteuer zu Ende war.“

Genauso klar und deutlich hatte sie auch die Frau gesehen, die von seiner Jacht geklettert war.

Zweifellos gefiel Stephen die Antwort nicht, er protestierte allerdings auch nicht. Megan wertete sein Schweigen als Zustimmung, und ihr Magen zog sich schmerzlich zusammen. Hätte sie keinen Schlussstrich gezogen, hätte Stephen ihr über kurz oder lang den Laufpass gegeben, so wie schon vielen Frauen vor ihr.

„Siehst du, so schlimm war es doch gar nicht, oder?“, erwiderte er schließlich spöttisch. „Eine schlichte Erklärung dafür, warum du die Beziehung beendet hast. Das hättest du mir auch auf Lindas Hochzeit sagen können, ohne eine hässliche Szene zu befürchten.“

Obwohl ihre Wut jeder Logik widersprach, gelang es Megan nicht, sie zu bezähmen. „Willst du damit sagen, dass du unserer Firma den Auftrag nicht geben würdest, wenn du schon vorher mit mir gesprochen hättest?“, wollte sie wissen. „Denn das würde ich dir nicht glauben. Dazu kenne ich dich zu gut, Stephen.“

„Du kanntest mich einmal gut, Süße“, entgegnete er gelassen. „So gut wie jede Frau, die mal das Bett mit mir geteilt hat.“

Sie war tatsächlich nur eine von vielen. Megan hoffte, er sah ihr die enttäuschten Gefühle nicht an. Aber sie hatte es ja gewusst. Und war gerade nur bestätigt worden: Stephen durfte niemals von Jades Existenz erfahren.

Vielleicht konnte sie gerade noch ertragen, für ihn zu arbeiten, wenn es sein musste.

Niemals könnte sie tatenlos zusehen, wenn er genauso herzlos mit ihrer Tochter umging wie mit ihr.

Stephen sah die Frau, die vor vier Jahren sang- und klanglos aus seinem Leben verschwunden war, eindringlich an. Von jenem Moment an, als er sie aus einem Konferenzraum der „Garrison Incorporated“ hatte kommen sehen, hatte Stephen sie begehrt. In dem Augenblick damals hatte Megan über etwas gelacht, das Parker zu ihr gesagt hatte.

Ihr Lachen, und auch alles andere an ihr, hatten ihn verzaubert.

Sie war umwerfend gewesen – eine rothaarige Schönheit mit langen, anscheinend unendlich langen Beinen und einem perfekt gerundeten Körper. Er hatte sich sofort vorgestellt, wie sie im Bett diese unglaublichen Beine um ihn schlang, während er sie liebte.

Und die Wirklichkeit hatte seiner Fantasie in nichts nachgestanden – zum ersten Mal in seiner langen, öden Karriere als Liebhaber. Die fünf Monate mit Megan waren geradezu explosiv gewesen. Sie hatten die Wochenenden auf seiner Jacht verbracht und sich an Arbeitstagen während der Mittagspause heimlich in ein Hotelzimmer geschlichen. Sie hatten nicht genug voneinander bekommen können.

Praktischerweise besaß er eins der luxuriösesten Hotels in Miami und hielt sich dort eine private Suite frei. Wann immer ihm danach zumute war, übernachtete er einfach im Hotel.

Stephen war wütend auf sich, weil Megan immer noch dieselbe elektrisierende Wirkung auf ihn hatte. Der Wunsch, sie zu berühren, wurde allmählich nahezu unwiderstehlich – und das, obwohl sie ihre Beziehung vor vier Jahren mit einer knappen SMS beendet hatte.

Alle Versuche, sich mit ihr in Verbindung zu setzen, waren erfolglos geblieben. Bis zu dem Tag, als er von einer Empfangsdame erfahren hatte, dass Megan gekündigt und die Stadt verlassen hatte, um nach Indianapolis zurückzukehren.

Sein Stolz war verletzt worden. Noch nie hatte eine Frau ihm den Laufpass gegeben. Im Gegenteil, er war es gewohnt, irgendwann Schluss zu machen. Bei Megan hatte er zum ersten Mal erfahren, wie es sich anfühlte, fallen gelassen zu werden. Und es war absolut nicht nach seinem Geschmack.

„Warum bist du gekommen?“, fragte sie ihn jetzt und warf ihm einen misstrauischen Blick aus ihren grünen Augen zu.

Ich will Antworten, dachte er aufgebracht. Und zufällig brauchte er auch eine Innendekorateurin. Er hatte fast ungeduldig auf diesen Tag gewartet, an dem er Megan beauftragte. Denn er hatte sich fest vorgenommen, die Gelegenheit zu nutzen und ihr einige der Fragen zu stellen. Sie blieb ihm immer noch Antworten schuldig. Und sie würde noch bedauern, ihn je verlassen zu haben.

„Ist das nicht offensichtlich?“, antwortete er mit einer Gegenfrage. „Ich brauche eine Innenausstatterin für das ‚Garrison Grand‘.“

„Und warum gerade mich?“ Sie wies mit einer Handbewegung auf die Tür ihres Büros. „Jeder andere Mitarbeiter der Firma käme genauso gut infrage.“

Weil es mir großen Spaß bringen wird, dich wieder in mein Bett zu locken, dachte Stephen. „Weil du eine der Besten deines Fachs bist.“

Zuerst hatte er nicht daran gedacht, ihre Affäre wieder aufleben zu lassen. Doch jetzt, da Megan vor ihm stand, erschien ihm die Idee immer besser.

Und in jedem Fall verlangte er eine ausführlichere Antwort auf die Frage, warum sie ihn verlassen hatte.

Megan schienen die Worte zu fehlen. Sie runzelte die Stirn. „Aber wir …“

„… haben miteinander geschlafen?“, beendete er den Satz und zog die Augenbrauen hoch. „Du hast ein Problem damit, für einen ehemaligen Geliebten zu arbeiten?“

„Es ist jedenfalls das erste Mal, dass ich in eine solche Situation komme!“

„Und? Hast du Angst, du könntest dich nicht auf die Arbeit konzentrieren?“

„Ich mache mir bestimmt keine Sorgen um meine Professionalität.“

Langsam ließ er den Blick über sie gleiten, verweilte einen Moment bei ihren Brüsten und sah ihr dann wieder in die Augen. „Dann hast du nichts zu befürchten.“

Trotzig hob sie das Kinn. „Ich werde dafür sorgen, dass sie dir eine Kollegin von mir schicken.“

„Vorsicht, Süße. Die Garrisons gehören zu den besten Kunden deiner Firma. Du willst doch nicht dafür verantwortlich sein, dass ihr uns verliert?“

Sie sah ihn entsetzt an, eine feine Röte überzog ihre Wangen. Trotzdem entdeckte er ihre Sommersprossen. Stephen erinnerte sich noch sehr gut an eine denkwürdige Nacht, in der er jede einzelne geküsst hatte.

„Das würdest du nicht wagen“, fuhr sie ihn an.

Er zuckte die Achseln. „Du hast gerade erst in der Firma angefangen, und ich gehe davon aus, dass du die meiste Zeit auf unseren Auftrag verwenden sollst. Es wird dir schwerfallen, deinen Partnern zu erklären, warum du unmöglich daran arbeiten kannst.“

Sie atmete tief ein. „Na schön“, sagte sie schließlich widerwillig.

Abwartend betrachtete er sie.

„Aber unsere Beziehung wird dieses Mal streng geschäftlich bleiben.“

Er nickte. „Wie du möchtest … Meggikins.“

Es würde ihm große Freude bereiten, Megan Simmons zu verführen. Und dieses Mal würde sie erst gehen, wenn er die Beziehung für beendet erklärte.

2. KAPITEL

Sie ging an einem livrierten Portier vorbei und betrat die Lobby des „Garrison Grand“. Die angenehm kühle Luft empfand Megan als willkommene Abwechslung zu der Hitze, die draußen herrschte. Gut, dass sie sich an diesem Morgen für ein hellgrünes Etuikleid mit dem passenden kurzärmligen Jäckchen entschieden hatte. Dazu trug sie Riemchensandaletten.

Einige der anwesenden Männer warfen ihr anerkennende Blicke zu. Megan wusste, dass sie wegen der roten Haare und ihrer Größe auffiel, selbst wenn sie sich wie heute das Haar zu einem Zopf band. Weitaus weniger war sie gewohnt, von einem Mann mit einem Ausdruck kühler Belustigung gemustert zu werden – wie Stephen es in diesem Moment tat.

Sie hatte fast vergessen, wie es in der Geschäftswelt zuging. Kein Wunder, in den letzten Jahren hatte sie sich hauptsächlich mit anderen Dingen beschäftigt: sich Babybrei von der Bluse zu wischen, Kinderlieder vorzusingen und Jade beizubringen, sich aufs Töpfchen zu setzen.

Die Frauen um sie herum bewegten sich elegant in ihren schulterfreien und noch knapperen Kleidern, waren sonnengebräunt und sehr selbstsicher. Und die Männer trugen edle Designersachen. Megan wusste, dass sie für das heutige Meeting alle Kräfte zusammennehmen musste.

Stephen kam mit langen Schritten auf sie zu.

„Ich dachte, ich würde mit einem deiner Angestellten reden“, sagte sie, statt ihn höflich zu begrüßen.

„Nein, wie du siehst, habe ich den Plan geändert“, erwiderte er, umfasste sanft ihren Ellbogen und führte sie durch die Lobby. „Es sei denn, du hast etwas dagegen, mit mir zusammenzuarbeiten.“

„Nein“, antwortete sie sofort. Sie hatten von einer rein geschäftlichen Beziehung gesprochen. Solange es nur darum ging, wollte Megan ihm nicht unterstellen, dass er etwas anderes beabsichtigte. „Natürlich nicht.“

Tatsächlich wollte sie immer noch am liebsten vermeiden, mit ihm im selben Raum zu sein. In Stephens Nähe wurde sie nervös und unruhig … Schon die leiseste Berührung ließ sie erschauern. Dabei war seine Geste völlig harmlos.

Sie gingen durch die imposante Lobby und auf die Aufzüge zu. Neu ankommende Gäste betraten das Hotel von der Straßenseite aus. Sicher stockte vielen der Atem beim Anblick der weißen Säulen. Die zarten, sich in der Brise bauschenden Vorhänge dahinter öffneten sich zum hoteleigenen Privatstrand. Jetzt wehte der Duft nach Meer und Sand zu ihnen herein.

In den vergangenen Jahren hatte Megan nicht widerstehen können. Sie hatte die Berichte über Stephen und das „Garrison Grand“ verfolgt. Als damals ihre Affäre begann, verfügte das Hotel bereits über einen ausgezeichneten Ruf. Inzwischen hatte Stephen hart an weiteren Verbesserungen gearbeitet; das „Garrison Grand“ zählte zu den beliebtesten Hotels für die Reichen und Berühmten dieser Welt, die in Scharen nach South Beach kamen.

Während sie die Lobby durchquerten, wurde Megan klar, warum Stephen so erfolgreich war: Er achtete auf allerbeste Qualität und war seinen Konkurrenten in jeder Hinsicht voraus.

„Ich möchte einige der Konferenzräume im zweiten Stock neu einrichten“, erklärte er. „Danach können wir über weitere Veränderungen reden. Vielleicht fällt dir etwas auf, das ebenfalls verbessert und modernisiert werden könnte.“

Seine tiefe Stimme hatte wieder einmal eine verheerende Wirkung auf Megan. Ein wohliger Schauer rann ihr durch den Körper. Wie sollte sie es schaffen, in seiner Nähe ungerührt und gelassen zu bleiben? Sie bezweifelte stark, dass ihr das jemals gelingen konnte.

Andererseits blieb ihr keine Wahl. Nachdem Stephen sich am vergangenen Abend verabschiedet hatte, war sie direkt zu Conrad gegangen. Und er hatte Stephens Worte bestätigt: Die anderen Mitarbeiter waren mit Arbeit eingedeckt. Keiner der Kollegen konnte den Auftrag für das „Garrison Grand“ übernehmen, und von Megan erwarteten die anderen Partner selbstverständlich Teamgeist.

Als Stephen und sie jetzt den Aufzug betraten, spürte Megan die angespannte Atmosphäre zwischen ihnen deutlich. Auch Unbeteiligten konnte nicht entgehen, dass sie alles andere als entspannt miteinander umgingen.

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