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Zünftig Lachen: 2 Bayern-Komödien in einem Bundle (Haderlump / Brezensalzer)

Inhalt

Cover

Impressum

Haderlump

Brezensalzer

Über den Autor

A. A. Reichelt

Haderlump

Eine Bayernkomödie

Für meine über alles geliebte Familie

Der Haderlump

1. pfiffiger, frecher Mensch. Synonyme: Spitzbube, Schlitzohr, Schelm, Bazi.

Findet mit liebevollem Unterton auch auf Kinder oder Jungtiere Anwendung: „Du bist aber ein kleiner Haderlump!“

2. ein Kleinkrimineller. Synonyme: Missetäter, Schurke, Taugenichts.

Nur ein einz’ges Mal

Dieses eine Mal

werde ich nicht nachgeben.

Dieses eine Mal

werde für mich selbst ich leben.

Dieses eine Mal

werde ich mein Nächster sein.

Nur dieses eine Mal

gehe ich meinen Weg allein.

Ein einz’ges Mal im Leben

möcht ich meines Glückes Schmied gern sein.

Nur um schließlich zuzugeben:

Gut schmieden sollt gelernt auch sein.

Dieses eine Mal

hab ich mich durchgesetzt.

Den Dreck im Schachterl

hab ich jetzt.

Das ätzt!

Prolog

Er würde sterben, ohne dass es jemand bemerkte, Hilfe holte oder wenigstens versuchte, sein Leben zu retten.

Kämpfend wollte er dahinscheiden, wie diese Weltenretter aus amerikanischen Actionfilmen, auch wenn seine jüngsten figürlichen Veränderungen eher den Tod durch Herzkranzverfettung nahelegten.

Ohne Gegenwehr durch eine Kugel zu sterben, hatte er jedenfalls nicht auf dem Plan.

Er wollte reagieren, aber es gab nichts, was er unternehmen konnte. Sprachlos, bewegungslos und hoffnungslos saß er da und sah dem Tod ins Auge.

Man hörte ja oft, dass Menschen nach lebensgefährlichen Situationen erzählten, keine Angst empfunden zu haben.

ER hatte nicht nur Angst, nein, er war in Panik.

Kapitel I

Die Schöpfung.

So sollte es heißen. Sein Projekt für die nächsten Jahre.

Eigentlich toll.

Jahrelang hatte er jeden Morgen und jeden Abend im Auto verbracht. War an den schönsten Orten, die Niederbayern zu bieten hatte, mit einhundert Kilometern pro Stunde vorbeigebraust. Und hatte dabei irgendwann den Blick für die Natur verloren.

Manche Menschen hatten diese spezielle Wahrnehmungsfähigkeit ja nie gehabt. Er schon.

Deshalb tat ihm dieser Verlust leid.

Interessanterweise bedurfte es eines Urlaubs auf Sylt, um den großen Vorteil der Natur gegenüber der Zivilisation wahrzunehmen. Denn nirgends war die Natur präsenter als auf Sylt. Zwei Wochen auf der Insel. Mit Kind und Kegel.

Sein Plan war es, gut zu essen. Sandburgen zu bauen. Und abzuschalten.

Aus der rückwärtigen Perspektive betrachtet, fühlte es sich an, als hätte der Schöpfer eingreifen wollen. Er hörte dessen Stimme hinter sich sagen: „Mein Freund, dies ist der Weg. Schau dir an, was ich gemacht habe. Genieße es. Komm zu dir.“ Zuerst war es die Begegnung mit der See. Sollte es je einen Menschen gegeben haben, der sich im Angesicht des Meeres nicht klein und unbedeutend vorkam, so war dieser wohl verloren.

Diese Empfindung, selbst völlig unwichtig zu sein, diesen Kontext des Universums wahrzunehmen, ja, dieses Gefühl, die Größe Gottes erahnen zu können, hatte er viel zu lange nicht mehr verspürt.

Er war so fokussiert auf seine kleinen Problemchen in der Arbeit. Seine Projekte.

Seine Wünsche.

Dann traf es ihn wie ein Blitz.

Wie unbedeutend sie doch alle waren!

Damit wurde eine Grundlage gelegt.

Für Ausflüge zu den Seehundbänken. Wattwanderungen. Wattwürmer und Austern. Seeluft. Schweinswale und Möwen. Für die Majestät der Schöpfung. Für einen Vorsatz, der sein Leben veränderte.

Zurück zur Natur. Zum Schöpfer.

Zu dem, was wirklich zählte.

Er verfolgte diesen Weg konsequent.

Zunächst wechselte er die Anstellung.

Aus Pfarrkirchen – Füssing wurde Pfarrkirchen – Pfarrkirchen. Aus einer halben Stunde Autofahrt wurden dreihundertzwanzig Meter zu Fuß. Durch die Natur. Vorbei an der niederbayerischen Variante der Schöpfung. Spatzen und Blindschleichen. Hundehaufen und Jauchefässer. Der unglaubliche Gestank „frischer“ Landluft, den man tagelang nicht loswird …

Vielleicht wäre positives Denken ein weiteres notwendiges Projekt für die Zukunft.

Als Nächstes änderte er die Wohnsituation seiner Familie.

Wie sehr freute er sich, als sie das wundervolle Hanghaus am Rande Pfarrkirchens fanden.

Hier war es fast unmöglich, ein „Nicht-Hanghaus“ zu finden.

War es doch so etwas wie das Nepal des Rottals. Radfahren war ein echter Aufwand hier. Keine hundert Meter konnten zurückgelegt werden, ohne bergauf zu fahren. „Auffi aufn Berg“, wie man sagt.

Doch dies machte auch den besonderen Charme der Kreisstadt aus.

Sich des Abends von Simbach kommend dem Ort zu nähern, bot einen Anblick, der schöner nicht sein konnte. All die Lichter an den Hängen und Bergen. Als Widerlager zu den Sternen des Nachthimmels.

Es hatte durchaus etwas ähnlich Majestätisches wie das Meer. Heimat eben. Mit dem jetzigen Haus war er nun frei von Nachbarn in zwei der vier Himmelsrichtungen. Nur ein Feld, dahinter Wald. Das Feld. Eine Problematik, die er nicht bedacht hatte. Auch in Niederbayern waren die meisten Bauern im Nebenerwerb tätig. Was bedeutete, dass sie ihre Äcker mit einer übelriechenden Jauche düngen mussten, wenn sie dafür Zeit hatten. Am Wochenende. An Feiertagen. Seltsamerweise immer dann, wenn er mit seiner Familie auf der Terrasse essen wollte. Ein Geschick, dessen Zufälligkeit immer mehr an Glaubwürdigkeit verlor.

Trotzdem: Früher war es das eklatante PiepPiepPiep seines Weckers gewesen, das ihn morgens aus dem Tiefschlaf geholt und desillusioniert in die Tagesvorbereitungen geschickt hatte.

Doch jetzt war es ein ganzes Piep-Konzert, erzeugt durch Vogelkehlen unterschiedlicher Couleur, die in einen Gesang mündeten, der schöner nicht sein konnte.

Zaunkönig, Singdrossel und Dompfaff. Blaumeise, Buchfink und Pirol. Und wie sie alle hießen, diese Meister ihres Faches. Künstler auf allerhöchstem Niveau.

Doch längst nicht alle Vogelarten vermochten solch angenehme Klänge zu erzeugen. Es gab da zum Beispiel Krähenvögel. Dohlen, um genau zu sein. Die Heavy-Metal-Bands des Vogelgesangs. Bei Singvögeln wusste man sofort, warum Gott sie morgens besonders laut pfeifen ließ: Weil es die Seele pflegte. Krähen hingegen konnten dazu nicht geschaffen worden sein. Für ihre Existenz musste es einen anderen Grund geben. Sonst hätte Gott ja gleich Elefanten alle Kontinente besiedeln lassen können, damit sie bei Tagesanbruch Menschen wach trompeteten.

Letztlich würde sich dieses kreationistische Mysterium nicht vollends klären lassen.

Heute jedenfalls waren es nicht Vögel, die die letzte Traumphase der Nacht beendeten. Es waren nicht einmal Geräusche irgendeiner Art. Nein, an diesem Tag waren es optische Sensationen.

Die Einfahrt der Nachbarn lag exakt vor seinem Schlafzimmerfenster. Wieder einmal hatte er im Nachgang des Fernsehsofa-Schlafes vergessen, die Jalousien zu schließen. Als er deshalb von Lichtblitzen geweckt wurde, die jede Diskothek in den buchstäblichen Schatten gestellt hätten, wusste er zunächst nicht, was eigentlich los war. Nach ungefähr einer Minute wurde ihm klar, wo er tatsächlich war. Im Schlafzimmer. Er hatte gerade vom Camping geträumt, weshalb es etwas gedauert hatte, bis er zu dieser Erkenntnis gelangte. Seine Frau schlief noch. Kissen über dem Gesicht. Die Glückliche.

So weit, so gut. Aber warum blinkten die Wand und das Kopfteil blau? Ein Traum? Nein, dafür brummte der Schädel zu sehr. Langsam driftete er wieder in den Schlaf.

Rumms!

Irgendjemand hatte direkt neben seinem Bett, nein, eher in seinem Bett eine Lieferwagentür zugeworfen.

Jetzt war er endgültig wach.

Sein Wecker zeigte 1:07 Uhr morgens an. Mitten in der Nacht.

Als er sich erhob und aus dem Fenster blickte, wurde ihm die Tragweite der Wahrnehmungen bewusst. In der Einfahrt der Nachbarn standen drei Polizeifahrzeuge.

Wobei sich ihm nicht erschließen wollte, warum sie in sicherer Parkposition ihr Blaulicht eingeschaltet hatten. Beamte!

Als er seine volle Sehfähigkeit erlangt hatte, bemerkte er sämtliche Anwohner der Siedlung vor seinem Fenster. Langsam wanderten seine Augen von links nach rechts. Dort angekommen hätte ihn beinahe der Schlag getroffen. Einen halben Meter vor dem Schlafzimmerfenster stand der nervige Nachbar von Hausnummer 5 c und schaute ihm mitten ins Gesicht.

„Ahh“, entfuhr es ihm.

Jetzt wurde auch seine Frau wach.

„Bleib unter der Decke! Der dammische1 Obermeier schaut bei uns zum Fenster rein!“ Erst nach diesem Satz wurden ihm drei schreckliche Fakten bewusst. Erstens: Er stand in der Unterhose da. Zweitens: Der dammische Obermeier hatte dies auch gerade bemerkt. Drittens: Das Fenster war gekippt. Der dammische Obermeier wusste nun um seinen hausinternen Rufnamen. Also waren es im Grunde zwei schreckliche Fakten und eine längst verspätete Klärung der Fronten.

„Pscht, spinnst du, das Fenster ist offen“, zischte seine Frau.

Es gab jetzt nur noch den Weg in die Offensive.

„Mir wurscht.“

Nun an den ungeliebten Nachbarn gerichtet: „Schau bei wem anderen zum Fenster eini. Geht’s noch, oder was?!“

Nun erst fühlte sich der Nachbar ertappt und drehte sich sofort um.

Ein Lob von seiner Frau erwartend, wandte er sich dieser zu, ein triumphales Lächeln auf den Lippen.

„Hast du einen Vogel? Mach die Jalousien zu!“, wurde sein Triumph in ein Gefühl der dunklen Vorahnung auf einen drohenden Diskussionsbedarf verwandelt.

Nachdem er leichte Kleidung übergestreift hatte, war der nächste Schritt der nächtlichen Aktion schnell festgelegt. Er musste herausfinden, warum die Polizei bei dem Ehepaar Grube in der Einfahrt stand. Idealerweise, ohne dabei auf den Obermeier zu treffen. Solch ein nächtliches Kommando war eigentlich ganz und gar nicht sein Geschmack. Selbst den Weg zur Toilette wog er meistens lange ab. Erst wenn kein Ignorieren mehr möglich war, trat er die drei Meter Richtung Blasenentleerung an. Aber ins Freie gehen? Das war eine ganz andere Geschichte. Irrsinn geradezu. Nachts auch noch. Also im Finstern. Ein Glück, dass die Polizei schon da war!

Als er durch die Haustür in den Garten trat, blickte er sich erst einmal sorgfältig um. Er hatte Angst im Dunkeln. Er würde es nie zugeben, aber hinter jedem Schatten, jedem Strauch, ja sogar hinter jeder Mücke wähnte er den drohenden Tod. Ohne den Blick nun von der Scheinzypresse mitten im Garten zu lassen (wer weiß, was sich dahinter verbarg), machte er sich auf den Weg um das Haus herum.

Als er gerade um die Hausecke biegen wollte, packte ihn jemand am Fuß. Panisch versuchte er, sich loszureißen. Er verhedderte sich nun auch mit dem zweiten Bein und stürzte ungebremst auf die Terrasse. Bereit, sich gegen jeden Feind zu verteidigen. Doch es kamen keine weiteren Angriffe. Als er sich aufgerappelt hatte, aktivierte der Bewegungsmelder die Hofbeleuchtung. Wenigstens konnte er sich nun von dem Springseil befreien, mit dem seine Töchter tagsüber den Tretbulldog mit dem dazugehörigen Anhänger verbunden hatten. Er hatte schon zur Vorsicht gemahnt. Dass er selbst aber das Opfer dieses gefährlichen Unterfangens werden würde, hätte er nicht gedacht.

Leicht humpelnd bewegte er sich weiter um das Haus herum Richtung Blaulichtgewitter.

Auf ihn wirkte es wie eine amerikanische Kriminalsendung. Polizeifahrzeuge. Uniformierte. Schaulustige. Und er selbst als hinkender Nachbar, der durch die Nacht stolpert.

Zunächst fühlte er sich dadurch etwas verstört.

Als er aber die Grubes – sie heulend, er tröstend – auf einer Bank vor dem Haus sitzen sah, verschaffte sich ein Gefühl von Mitleid die Oberhand.

Und Neugier.

Aber hauptsächlich Mitleid.

Beinahe hätte er versehentlich den Obermeier gefragt, was denn los sei, aber dieser sollte ihn nach dem buchstäblichen Ereignis nicht auch noch im übertragenen Sinn mit heruntergelassenen Hosen erwischen.

Also wandte er sich an eine beistehende Nachbarin.

„Resi, was ist denn los?“

„Bei den Grubes habens eingebrochen. Wie der Alfons bieseln gehen wollte, hat er zwei dawischt, wies alles durchsucht haben. Gott sei Dank sans gleich davon“, erzählte sie übereifrig mit etwas zittriger Stimme.

„Öha!“, war die einzige Antwort, die ihm einfiel.

„Hab ich eigentlich die Haustür zugesperrt?“, musste er unweigerlich denken.

„Polizei ist ja da. I geh dann wieder. Servus!“

Er war kein typischer Schaulustiger. Nein, er wollte gar nichts Schlimmes sehen. Nicht dass er noch davon träumte. Nachts war sein Gehirn so schon viel zu kreativ.

Vorbei am dammischen Obermeier humpelte er wieder Richtung eigener Haustür.

Dort stand schon sein Schatz und wartete auf ihn. Nachdem sie informiert war, wurde klar, dass an Schlaf heute nicht mehr zu denken war.

Ein Einbruch in Pfarrkirchen.

Wohl keine Seltenheit.

Aber wenn die Einschläge näher kamen, war man nie wirklich darauf vorbereitet.

Es traf nun eben doch nicht immer nur die anderen.

dammisch = bayerisch für „dämlich, dumm, verrückt“

Kapitel II

Am nächsten Morgen regierte Schweigen.

Geschlossene Fenster bei heruntergelassenen Jalousien hielten das Vogelzwitschern draußen.

Die Kinder hatten wohl auch nicht gut geschlafen und waren am Frühstückstisch eher schweigsam. Er war nicht sicher, ob er das schon mal erlebt hatte.

Aber sie spiegelten den Bewusstseinszustand ihrer Eltern: sterbensmüde.

Die Atmosphäre hätte jederzeit für eine perfekte Definition des bayerischen „Goaßgschaus“2 herhalten können.

Selbst Kaffee konnte diesen Zustand nicht beheben.

Er hätte auch gerne mit seinem Schatz über die Ereignisse der Nacht gesprochen, aber die Kinder sollten davon erst einmal nichts erfahren. Mit fünf und sieben Jahren waren sie in einem Alter, wo die Schlechtigkeit der heutigen Welt sie noch nicht belasten sollte.

Es reichte durchaus, wenn er selbst damit zu kämpfen hatte.

Dann war da noch der dammische Obermeier.

Sollte er sich bei ihm entschuldigen? Eigentlich sah er dafür keine wirkliche Veranlassung, bloß dass bei jeder Begegnung seine Worte der letzten Nacht zwischen ihnen stehen würden. Klar, eine gepflegte Trennwand zwischen Menschen, die sich nicht leiden konnten, würde zuweilen recht gute Dienste leisten können. Aber das für seinen Geschmack übersteigerte Harmoniebedürfnis seiner Frau stand dem natürlich entgegen.

Er würde die nächsten Tage noch etwas darüber nachdenken müssen.

Als die Kinder aus dem Haus waren – die Große in der Schule, die Kleine im Kindergarten – konnten die Ereignisse der Nacht erörtert werden.

Beim dritten Haferl Kaffee bot sich dazu eine wunderbar entspannte Gelegenheit.

Seine Frau war damit beschäftigt, den Tisch abzuräumen.

„Mir geht das mit dem Einbruch einfach nicht aus dem Kopf. Der Wahnsinn, ha?“, eröffnete er den Dialog.

„Mir auch nicht. Wie kannst du den Obermeier so blöd anreden?!“

Mist! Schon lief das Gespräch in eine völlig falsche Richtung.

„Ja mei, was schaut der auch bei unserem Fenster eini?“

„Ja schon. Aber das kann man auch anders formulieren!“

„Vielleicht hat er es ja nicht gehört?“ Er hoffte, damit beschwichtigen zu können.

„Ja genau! So hat es ausgeschaut!“

Sein Schatz war immer darum bemüht, es allen recht zu machen. Grundsätzlich handelte es sich dabei um eine gute Eigenschaft, war es demgemäß ja auch ihr Ziel, ihn selbst glücklich zu wissen. Aber es führte auch zu Konflikten, da es ihm wiederum völlig egal war, wie Menschen, die er nicht mochte, über ihn dachten.

„Mal schauen, wie er sich beim nächsten Mal verhält, wenn wir uns begegnen. Dann kann ich ja immer noch mit ihm reden.“

Problem vertagt.

Nur dass nun auch der Gesprächsfaden gerissen war. Heute würde er seine Bedenken über die kriminalistische Sicherheitslage am Rande Pfarrkirchens nicht mehr thematisieren können. Dachte er zumindest.

Eine halbe Stunde später trat er aus dem Haus und begab sich auf den Weg in die Arbeit.

Die Vögel zwitscherten und die Bienen summten. Er nahm einen tiefen Atemzug der Frühlingsluft. Es schien ein Tag zum Heldenzeugen. Und zum Felderdüngen. Er hatte den Güllegeruch so tief inhaliert, dass er husten musste.

„Pfui Deifi!“3, entfuhr es ihm zwischen zwei Hustenattacken. „Seit wann odelt der Kerl mitten unter der Woche?“

Als er gerade weitergehen wollte, fuhr der Bauer mit seiner atmosphärischen Todesmaschine an seinem Grundstück vorbei und winkte recht freundlich. Er lächelte zurück, winkte und presste kaum hörbar zwischen den Zähnen hindurch: „Griasdi, vielleicht fahrst deinen Gestank woandershin!“ Den ganzen Tag würde er nun so eine Nuance von Jauche in der Nase haben. Trotz alledem genoss er seinen Weg in die Arbeit. Er führte ihn jeden Tag ein ganzes Stück weit mitten durch die eigene Kindheit, folgte er doch partiell seinem früheren Schulweg. Damit verband er die schönsten Erinnerungen an seine Freunde, seine Zeit in der Basketballmannschaft der Schule und nicht zuletzt an die vielen Ferien. Zu viel an die Vergangenheit zu denken, machte ihn aber manchmal traurig.

„Vergangenem nachtrauern heißt Gegenwärtiges versäumen“, hatte er einmal gelesen.

Dieser Satz hatte es in sich.

Die gute alte Zeit war meistens nur alt und selten gut.

Und sich übermäßig damit zu beschäftigen, war nicht immer vorteilhaft.

Natürlich dachte er trotzdem gerne daran zurück. Da sein Arbeitsweg in wenigen Minuten zu bewältigen war, wurde er eher zu früh als zu spät in die Gegenwart zurückgeholt.

Die hatte sich vor Kurzem gravierend verändert. Auch beruflich. Die Praxis, in der er nun arbeitete, hatte komplett andere Gegebenheiten. Es war keine Praxis für kurortspezifische Heilmittel, sondern eine Osteopathiepraxis. Es gab also weder Thermalbad noch Krankengymnastik.

Dafür aber eine Stunde Zeit pro Patient.

Also mehr Zeit und weniger Menschen zum Tratschen.

Die Patienten reisten auch nicht mehr nach einer Woche ab. Meist blieben sie ihrem Therapeuten über Jahre treu. Daran musste er sich noch gewöhnen.

Aber welch ein Vorteil: Nun konnte er endlich die Früchte seiner Arbeit sehen. Zuvor war schlichtweg der Urlaub der meisten Gäste zu kurz, um wirklich etwas zu bewirken.

Ein weiterer Bonus bestand darin, dass er nun über Pfarrkirchen immer blendend im Bilde war. Er behandelte zwar nicht nur Einheimische, aber doch ausreichend viele, um den gesamten Klatsch des Ortes zuzüglich wahrer Ereignisse erzählt zu bekommen. Natürlich mit dem Stille-Post-Bonus.

Schon seine erste Patientin gehörte zu dieser Gruppe von Menschen.

Auf Frau Bernreuther war er schon ein paarmal hereingefallen. Sie pflegte frühmorgens die Zeitung zu lesen. Oder zumindest die Überschriften eines Käseblattes, das eher als Comic zu verstehen war. Diese Schlagzeilen hatten aber im Durchschnitt wenig mit dem tatsächlich Geschehenen zu tun.

Frau Bernreuther nun hatte eine Gabe: Sie konnte die Lücken, die sich durch Konzentration auf die großen Buchstaben unter Weglassung des Kleingedruckten ergaben, wunderbar logisch und gleichermaßen spektakulär füllen. Die Realität blieb dagegen eher blass und unbedeutend.

Als er darauf beim ersten Mal noch hereingefallen war, hatte er eine völlig abstruse Geschichte auch noch weitererzählt. Und sich schrecklich blamiert, als er am selben Tag zum ersten Mal auf jemanden traf, der den Artikel wirklich gelesen hatte.

Trotz dieser Schwäche mochte er Frau Bernreuther recht gerne, hatte er doch seit jeher ein Faible für fantasievoll ersonnene Geschichten.

Heute jedoch war er es, der mit einem beeindruckenden Geschehnis punkten konnte. Ein Einbruch in Pfarrkirchen – natürlich ohne den dammischen Obermeier, seine Unterhosenparade und die Todesangst im Angesicht eines Kinderspringseils. Als daher die Begrüßung und das Erheben des aktuellen Befundes abgeschlossen waren, ging er in die Offensive. „Heute Nacht ist was Übles passiert. Bei meinem Nachbarn wurde eingebrochen. Richtig mit Polizeieinsatz und Schaulustigen.“

Weiter kam er nicht.

„Ja, ich habe es schon im Radio gehört. Da wurde gemeldet, dass das gar nicht so selten ist bei uns. Das sind bestimmt rumänische Schleuserbanden. Diese Haderlumpen!“

„Ja, aber Frau Bernreuther, wieso sollen denn Schleuser wo einbrechen?“

„Weil die einfach alles machen, was verboten ist. Und außerdem haben die im Radio mal die Zahlen genannt …“

Jetzt ging es los. Eine lückenlose Aufzählung aller Fakten zum Thema Kriminalität in Pfarrkirchen. Wobei es durchaus zu bezweifeln war, dass man sich so viele Zahlen wirklich merken konnte.

„Ich glaub da nicht mal die Hälfte …“, beschloss er im Stillen.

Trotzdem wurde ihm Minute um Minute unwohler.

Dass in einer Kleinstadt auch mal was passierte, war ja klar.

Aber handfeste Kriminalität schien hier fehl am Platze. Nun wurde er eines Besseren belehrt.

Auch nachdem er eine Stunde später Frau Bernreuther aus dem Kopf verdrängt hatte, verblieb ein dumpfer Schatten der Unsicherheit. Schon seit Längerem dachte er darüber nach, sein Haus sicherer zu gestalten. Seine Kinder waren in einem Alter, wo man noch verstärkt auf sie aufpassen musste. Zwar hatte er nichts von großem materiellen Wert in seinem Hause, aber das wussten Einbrecher erst, nachdem sie im Wohnraum gewesen waren. Und da würde es unter Umständen zu spät sein.

Als er sich nach einem sonst recht angenehmen Arbeitstag auf den Heimweg machte, stellte er mit großer Freude fest, dass der unangenehme Geruch der morgendlichen Jaucheüberflutung verschwunden war.

Nicht nur das.

Bayern zeigte sich nun von seiner allerbesten Seite.

Grillgeruch.

Das Wetter hatte wohl einige Anwohner seines Arbeitsweges dazu bewogen, Würste und Fleisch glühender Kohle preiszugeben, um den schönsten Geruch auf dem Planeten Erde zu erzeugen. Er konnte sie fast schmecken: Halsgrat, Holzfällersteak und Forellen, all das Getier, dessen Verzehr seinen schönen Körper geformt hatte. Natürlich nur wirklich erträglich mit einem kühlen Weißbier und eine Stunde später mit einem lauwarmen Basenpulvergemisch. Er erfreute sich zutiefst an den Raucharomen, die nur durch die männlichen Varianten des Grillens erzeugt werden konnten: Holz und Kohle. Seit jeher hatte er ein Problem mit dem Umstand, dass manche Gas vorzogen. Oder noch schlimmer: Elektrogrills. ‚Mädchenhaft‘ war der richtige Begriff für die Empfindungen, die er diesbezüglich hatte. Vegetarier lösten sogar noch größeres Unverständnis bei ihm aus. Gas statt Holzkohle war aus praktischen Gründen vertretbar. Aber dass es Menschen gab, die gänzlich auf den Verzehr von Fleisch verzichteten, konnte er so gar nicht nachvollziehen. Insbesondere, da diese Haltung oft recht militant vertreten wurde. Er hatte kürzlich gelesen, „Vegetarier“ sei das indianische Wort für „zu blöd zum Jagen“, aber dabei handelte es sich wohl eher um einen Witz.

Als er zu Hause angekommen war, hatte sich durch die olfaktorischen Einflüsse eine solche Flut in seinem Mund eingestellt, dass er sich ernsthaft die Frage stellte, ob man an seinem eigenen Speichel ertrinken konnte. Hoffentlich hatte seine Frau den Wohlgeruch auch wahrgenommen und für entsprechende Metzgereiprodukte gesorgt. Wie so viele Male hatte sie sogar diese Wünsche noch übertroffen.

Gemeinhin sagte man ja in Bayern, Weißwürste dürften das Zwölf-Uhr-Läuten nicht erleben. Er würde einem Preußen gegenüber diesen Umstand unter Einsatz seines Lebens verteidigen.

Doch in Wirklichkeit genoss er sie auch lieber abends.

Umso glücklicher war er nun, als es beim Eintreten in sein Haus nach Weißwurstsud roch.

Es ging noch wundervoller.

Just in dem Moment, in dem er die Küche betrat, hob sein Schatz den Kronkorken von einer Flasche Weißbier-Doppelbock.

Gott hatte den Hörsinn wohl doch nicht für das Geräusch singender Vögel geschaffen, nein, es musste das Zischen eines Bieres sein, das eines Bayern Lebensglück besiegelte. Keine Blüte konnte sich mit dem Geruch der Blume in einem Weißbierglas messen.

Zumindest am Feierabend. Im Esszimmer.

Der Anblick sprudelnden Bieres, dessen Kälte das Kondenswasser außen am Glas herabfließen ließ. Daneben eine Brezel. Süßer Senf. Und Weißwürste. Sein Haus hatte also doch etwas zu bieten, wofür sich ein Einbruch lohnte!

Es war ein wundervoller Abend. Mit vollem Wanst auf dem Sofa sitzend, dachte er darüber nach, wie glücklich er hier in Bayern war. Auch wenn der regelmäßige abendliche Konsum von Hopfen und Malz bei ihm für die männliche Scheinschwangerschaft gesorgt hatte, so war er hier einfach der richtige Mann mit dem richtigen Geschmack am richtigen Ort. Nachdem er, den jüngsten Ereignissen Tribut zollend, zweimal den Schließzustand seiner Haustür kontrolliert hatte, fand er in einen wohlverdienten Schlaf.

frühmorgendliche Blickstarre

Deifi = Teufel

Kapitel III

Des Nachts bot Pfarrkirchen einen wundervollen Anblick. Die Hangstraßen an den vielen Hügeln und Bergen waren durchgehend mit Laternen versehen. Dadurch wirkten diese Lichter aus der Distanz wie lange Kolonnen von Glühwürmchen, die die Erhebungen zu beleuchten gedachten und dabei ganz beiläufig wunderbare Muster bildeten.

Diese Helligkeit flößte Sicherheit ein.

Doch führte Licht unweigerlich zu Schatten. Gerade in Siedlungsgebieten war dies nicht ohne Tücken. Versuchten doch viele Menschen, die eigene Privatsphäre durch hohe Hecken, eine Pergola oder gar Mauern zu bewahren. Leider konnte eben dies dunkle Ecken erzeugen, die solchen Gestalten gerade recht kamen, die Unheilvolles zu schmieden gedachten.

Diesen Umstand nutzten zwei dunkel gekleidete Männer. Sie stießen abseits einer Straßenlaterne durch eine Hecke, spurteten zu einer Balkontür und machten sich an der heruntergelassenen Jalousie einer Terrassentür zu schaffen, als täten sie dies nicht zum ersten Mal. Innerhalb von wenigen Sekunden war die Tür offen und sie traten in das Haus. Sich kurz nach etwaigen Wohnungsinhabern umblickend, schalteten sie ihre Taschenlampen an und begannen nach Wertgegenständen zu suchen. Raum für Raum schlichen sie sich zunächst an die Zimmertür, horchten, lugten und traten dann ein, um weiterzusuchen. Sie schienen die üblichen Verstecke für Kostbarkeiten zu kennen und durchforsteten diese jeweils zuerst. Und sie wurden fündig.

Uhren.

Geldbörsen.

Schmuck.

Elektronik.

Entgegen der Darstellung in TV-Krimis hatten sie keinen Schnappsack à la Räuber Hotzenplotz4, sondern Adventure-Rucksäcke dabei. Doch auch diese waren in kürzester Zeit prall gefüllt.

Genauso unbemerkt, wie sie eingestiegen waren, verschwanden sie wieder. Und hinterließen weit weniger Chaos, als man es aus dem Fernsehen kennt.

Wie Profis eben.

Räuber Hotzenplotz – Otfried Preußler

Kapitel IV

Er wandelte langsam durch einen weißen Raum. Nicht einmal seine Schritte konnte er hören. Nur ein hochfrequentes, wirres Pfeifen drang an seine Ohren.

Während er versuchte, dessen Ursprung zu ergründen, gelangte er an ein großes Fenster, hinter dem nur Rauch zu sehen war.

Er versuchte, durch die Scheibe im Qualm etwas zu erkennen, doch wurde er dabei vom immer schriller werdenden Pfeifen abgelenkt. Gerade als er sich umwenden wollte, zersprang das Glas mit einem lauten Knall.

Er erschrak sich dermaßen, dass sein ganzer Körper zuckte.

„Alles klar?“, hörte er seine Frau neben ihm fragen.

Völlig außer Atem antwortete er: „Ja, hab bloß was Blödes geträumt! Hab ich dich aufgeweckt?“

„Nein, ich kann auch nimmer schlafen, die Vögel pfeifen so laut heute.“

Das erklärte die seltsame Geräuschkulisse in seinem Traum. Seit Jahren hatte er mit sehr realistischen Träumen zu kämpfen, aus denen er morgens nur schwer in die Wirklichkeit fand. Doch daran hatte er sich mittlerweile gewöhnt. Ein Blick auf den Wecker ließ ihn hochfahren.

„Was, schon fast sieben Uhr!?“

„Ganz ruhig, Schatz, heute ist Samstag.“

„Ah, okay.“

Als seine Panik verflogen war, verschlafen zu haben, drang ein anderes Gefühl an die Oberfläche. Gewissermaßen ein überwältigender Handlungsdrang. Er musste auf die Toilette. Obwohl er diese nachts zweimal aufgesucht hatte, war es schon wieder so weit.

„Ich werde langsam echt alt“, musste er sich traurigerweise eingestehen.

Früher hatte er solch einen Harndrang nur dann gehabt, wenn er am Abend zuvor mehr als fünf Halbe getrunken hatte. Doch nun reichte dazu sein abendlicher Einschlaftee.

„Welcher Mann trinkt abends Tee“, ging es ihm durch den Kopf.

Würde er aktuell mehr als ein Bier im Laufe eines Feierabends trinken, hätte er wahrscheinlich drei Tage lang Kopfschmerzen.

Langsam begann er zu verstehen, was die Leute meinten, wenn sie sich über das Altwerden beklagten. Auch wenn er mit seinen knapp fünfzig ja noch nicht ganz über den Jordan war.

Als er in Bad Füssing gearbeitet hatte, war der Morgen recht rationell organisiert gewesen. Während er sich wusch und startklar machte, bereitete seine Frau das Frühstück und die Brotzeitbox. Letztere füllte sie auf unmännliche, aber sehr angenehme Art: mit in mundgerechte Stücke geschnittenem Gemüse und Brot, das ihm so manches Hohnwort seiner Kollegen eingebracht hatte.

Doch jetzt, wo er erst um halb neun losgehen musste, um ein paar Minuten später schon anzukommen, wurde alles deutlich entzerrt.

Es war unbeschreiblich, was morgendliche Ruhe für eine Auswirkung auf seinen restlichen Tag hatte. Er stand schlichtweg unter komplett anderen Vorzeichen.

Dies hatte ihn regelrecht zu einem neuen Menschen gemacht.

Nachdem er also dem gestrigen Tee die Freiheit wiedergegeben hatte, schlurfte er in Zeitlupe Richtung Küche, um sich den ersten Kaffee zu brühen.

Seit Jahren träumte er ja von einer Handhebel-Espressomaschine. Aber die Ausführung, die er sich wünschte, kostete um die tausend Euro. In seinem Beruf quasi ein Vermögen.

Insbesondere da er noch ein weiteres Projekt zu finanzieren hatte: Er plante, in ein paar Jahren für vier bis sechs Wochen nach Australien zu reisen. Dafür legte er jeden Monat etwas Geld beiseite. Zusätzlich zum gesamten Trinkgeld. Welches aber jetzt in der Osteopathiepraxis in Pfarrkirchen deutlich geringer ausfiel als in Bad Füssing. In Kurorten waren die Patienten daran gewöhnt, Trinkgeld zu geben. Zehn bis zwanzig Prozent des Rechnungsbetrages waren üblich. So bekam man pro ärztlicher Verordnung zehn bis zwanzig Euro als Beigabe. Doch in der Praxis, in der er jetzt therapierte, waren die Kunden und Patienten dessen nicht gewahr. Selten gab es mal ein paar Münzen als Bonus. Dies warf ihn in seinen Lebenstraumplanungen ordentlich zurück. Handhebel und Australien mussten also noch etwas warten.

Doch wenn er morgens das bereitwillige Opfer eines richtig ausgeprägten „Kaffeedurschtes“ war, würde er zur Not auch frisch geröstete Bohnen kauen.

Er fand es selbst sehr interessant, wie sehr sich die Ansprüche oft verschoben.

Vor einem Jahr hatte er einen kurzen Campingurlaub mit seiner Familie an einem österreichischen See organisiert. Mit Zelt und Gaskocher hatten sie ein dermaßen entspanntes Wochenende verbracht, dass sie beschlossen hatten, dies öfter zu tun. Damals bestand ihre Ausrüstung aus einer Gasflamme und einem Topf. Darin wurden Nudeln gekocht, Kakao heiß gemacht und Wasser für löslichen Kaffee erhitzt. Löslicher Kaffee. Eigentlich ein No-Go. Aber des Morgens am See sitzend, nach einer Nacht auf einer Isomatte, in der das eine Kind halb auf einem drauf gelegen und das andere einen bei jeder Bewegung in die Flanke gestoßen hatte, war ein Haferl löslicher Kaffee das Wohlschmeckendste, was er je gekostet hatte. Dazu trugen natürlich das schöne Wetter und der Dunst, der von der Wasseroberfläche aufstieg, nicht unwesentlich bei. Er konnte sich nicht erinnern, davor oder danach jemals so entspannt gewesen zu sein.

In seiner Erinnerung konnte er die Sonnenstrahlen noch sehen, die durch die Uferpflanzen stießen, und die Wärme spüren, als sie auf sein Gesicht trafen. Jedes Mal, wenn er daran zurückdachte, wurde er ganz selig.

Obwohl solch idyllische Gegebenheiten heute nicht sein Herz erfreuten, war er doch froh, wenigstens frisch gebrühten Kaffee zur Verfügung zu haben.

Während er diesen bereitete, schaltete er das Lokalradio ein. Punkt sieben Uhr. Nachrichten.

Beiläufig lauschte er der Berichterstattung über die nächsten Länder, die in eine finanzielle Schieflage geraten waren. Doch nun war das erste Wort: „Pfarrkirchen.“

„Was?“ Er drehte lauter.

„Eine Einbruchserie erschüttert seit Wochen die Kreisstadt. Heute Nacht wurde wieder in zwei Wohnungen eingebrochen. Die Täter verschafften sich jeweils durch die Terrassentür Zutritt und stahlen alle auffindbaren Wertgegenstände. Es entstand ein Schaden von circa zehntausend Euro. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Bisher fehlt jede Spur.“

Er bemerkte, dass er die gesamte Nachricht über die Luft angehalten hatte.

Seine Ängste schienen nicht unbegründet.

Er wusste nur noch nicht so recht, was er mit dieser Information anfangen sollte.

Am besten konnte er solche inneren Prozesse in der Natur verarbeiten. Kurzerhand gab er seinem Schatz Bescheid und trat einen Waldspaziergang an. Die Sonne schien, die Vögel stimmten ihren Gesang an und – was er besonders mochte – das Gras war noch feucht vom Tau. Womit auch klar wurde, dass die Schuhe zu Hause blieben.

In der Jugend wäre es eher ein Waldlauf geworden, aber mit den Jahren war sein Wammerl5 so weit angewachsen, dass es beim Laufen unangenehm mitwippte. Dadurch fühlte er sich noch viel dicker, als er wirklich war. Außerdem konnte im Gehen die Schöpfung besser betrachtet werden und das war ja der Kontext, unter den er sein Leben zu stellen gedachte.

Das Wetter war herrlich.

Von seiner Terrasse aus schritt er durch den Rasen Richtung Wald. Das nebenliegende Feld hatte sein Parfum des Grauens verloren, wahrscheinlich hatte der Bauer den Gestank endlich in den Boden eingearbeitet.

Als er den Waldrand erreichte, hüpfte etwas vor seinen Füßen davon. Er konnte es nicht genau sagen, aber es sah nach einer Kröte aus. Langsam schlich er sich an.

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