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Zügellos

Inhalt

  1. Cover
  2. Titel
  3. Impressum
  4. Daddys Spielzeug Stella Black
  5. Der Teppichhändler Kristina Lloyd
  6. Hochkarätig Cal Jago
  7. Nichts geht über die Zufriedenheit des Kunden Maya Hess
  8. Unbezahlbar Mathilde Madden
  9. Der letzte Einkauf Nuala Deuel
  10. Die gute Tante Mish A. D. R. Forte
  11. Nähte und Laufmaschen Fiona Locke
  12. Sweet Charity Monica Belle
  13. Shopping-Derby Heather Towne
  14. Kaufen bis zum Umfallen Carmel Lockyer
  15. Umkleidekabinen Kate Pearce
  16. Großmutters Teekannen Madelynne Ellis
  17. Die Schaufensterpuppe Primula Bond
  18. Sex und Ladendiebstahl Mae Nixon
  19. Designer Outlet Saskia Walker
  20. Spezial-Boutique Portia Da Costa
  21. Der Trödelmarkt Elizabeth Coldwell

Daddys Spielzeug
 
Stella Black

»Stella, was habe ich gesagt? Nur ein Spielzeug!«

»Aber ich will die Ami-Yumi-Puppe und auch die Ami-Yumi-Katze. Wieso kann ich nicht beide haben? Wo ist das Problem?«

»Ich habe dich gewarnt. Nur ein Spielzeug. Falls du wieder mit mir darüber diskutieren willst, dann gehen wir beide sofort zurück zum Parkplatz, und ich verhaue dir den nackten Hintern. Ist das klar?«

Ich überlegte, ob ich mich in der Mitte des Ganges der Abteilung ›Sonderangebote‹ auf den Rücken werfen sollte, bis er mir genau das kaufte, was ich verlangte. Ich bin nicht besonders groß und wiege knapp fünfzig Kilo, die allerdings sehr schwer werden können. Obwohl mir die Vorstellung gefiel, war mir auch klar, dass ein Wutanfall einer 23-jährigen Frau mitten im Spielzeug-Palast den Sicherheits-Dienst auf den Plan riefe.

Er war eine Art Daddy für mich. Ein guter Daddy, ein gemeiner Daddy, ein perfekter Liebhaber, der seine Rolle perfekt beherrschte. Aber das würde er der Außenwelt schlecht vermitteln können, sie würde dafür wenig Verständnis zeigen. Im Augenblick war das auch völlig nebensächlich. Wir befanden uns in unserer eigenen Welt und spielten miteinander. Er war hart. Ich war feucht, und wir segelten auf einer gemeinsamen Welle.

»Aber!«

Ich liebte es, mich ihm zu widersetzen. Obwohl es immer ein Risiko für mich war. Ich wusste, dass ihm die Drohung ernst war. Er konnte sehr böse werden, wenn ich die Sache überzog. Dann verhaute mir Daddy den Hintern, bis er rot war. Keine besonders prickelnde Aussicht, denn er hatte eine harte Handschrift. Wenn er eine Mason&Pearson-Haarbürste oder einen Tischtennisschläger benutzte, war es erst recht unangenehm. Ich hatte schon genug Blutergüsse vorzuweisen.

Aber ich trieb es immer wieder auf die Spitze, bis er mich wirklich verprügelte. Hier im Spielzeug-Palast unterschied er sich mit seinem dunklen Mantel nicht von den anderen gut aussehenden Männern um die Dreißig. Dem Kennerblick würde indes nicht entgehen, dass er einen Mantel von Gaultier trug. Er hatte Geld, eine ganze Menge sogar. Mit achtundzwanzig Jahren hatte er das Glück gehabt, ein Vermögen zu erben, und neigte dazu, darin zu schwelgen. Er war ein Genussmensch, allerdings ohne den Hang zur Selbstzerstörung.

Und jetzt war er mein großer Daddy. Er genoss die Konstellation genauso wie ich, denn ich war ein ungezogenes Mädchen. Wir genossen unsere Freiheiten.

Ich verlor mich in der Faszination des größten Spielzeugladens der Welt. Das behauptete der Spielzeug-­Palast zumindest in seiner Werbung: Der größte Spielzeugladen der Welt. Ein herrliches Königreich aus Plastik, Holz und Farben. Barbie mit Privatflugzeug und der Star-Wars-Republic-Senator mit seiner schlangenartigen Zunge, die seine Feinde vernichten konnte. Es gab Frösche und Hunde, Pferde-Wagen und Playmobil-Spürhunde – ein unendliches Erlebnis-Paradies.

Ich konnte nicht genug davon haben, allerdings wurde Daddy mitunter ein wenig ungeduldig. Dann nahm er mich fest an die Hand und zwang mich, nur ein Spielzeug auszusuchen. Nur eins – wenn auch ohne Preislimit! Nur ein Spielzeug im größten Spielzeug-Palast der Welt? Da probierst du doch, deinen Willen durchzusetzen, oder?

»Ich habe dich zu sehr verwöhnt. Du bist ein böses Mädchen geworden«, würde er sagen.

Regeln waren dazu da, gebrochen zu werden. Er stellte sie auf, und ich brach sie.

Die Regeln sahen vor, dass ich im Laden höflich zu sein hatte, keine Dinge fordern und nicht quengeln oder schmollen durfte.

Er nahm meine Hand und führte mich zu den Kostümen. Masken starrten uns an, Missgeburten mit Giftzähnen, Drachen, einäugige Zombies und narbige Nazis. Eine abscheuliche Ausstellung einfallsreicher Prothetik und unheimlicher Grimassen. Und dann erst diese Outfits! Es gab alles Erdenkliche. Du konntest dein Baby als Affe, Ente oder Kürbis verkleiden, deinen Sohn als Feuerwehrmann, als Bob den Baumeister oder als Wahnsinnigen. Ein Teenager konnte sich in einen geilen Leichenfledderer verwandeln, ein Nachtgespenst oder einem Hochsee-Piraten.

Er schleppte mich entlang all dieser Spukgestalten zur Teenager-Abteilung. Falls er vorhatte, Tinkerbell aus mir zu machen, würde ich nie mehr mit ihm reden.

»Da gibt es auch Nonnen«, insistierte ich.

»Du wirst keine Nonne. Wir sind nicht bei Monty Python. Bleib stehen!«, befahl er.

Ein junger Mann näherte sich. Er war mit einem Gesicht gesegnet, das unter den Halloween-Masken nicht auffiel. Seine grüne Uniform trug auf der Brust das Logo des Spielzeug-Palastes mit einer eingeprägten roten Burg.

»Ich suche eine Hexe«, sagte Daddy.

Ich wollte schon fragen ›Tun wir das nicht alle?‹ Die Miene des Verkäufers blieb trocken und ausdruckslos wie die Wüste Gobi.

»Dort drüben, Sir«, sagte er mit einer Stimme wie Shaggy von Scooby Doo.

Daddy streichelte meinen Nacken. Übermannt von seiner Väterlichkeit, seinem Geruch und meiner Neurose, ihn in mir zu spüren, hätte ich am liebsten laut geheult.

»Ich will kein verdammtes Hexen-Outfit«, maulte ich. »Ich will …«

Der Verkäufer ging voraus und tat so, als ob er nichts hörte.

»Sei nicht so frech«, wies mich Daddy sanft zurecht. »Wir müssen doch etwas für Suzannes Halloween-­Party finden. Ich werde dich in ein schwarzes Netzhemd stecken, kniehohe Stiefel, halterlose Strümpfe und PVC-Höschen. Das Hemd werden wir hier kaufen, auf den Rest musst du ein wenig warten. Und wenn ich noch hinzufügen darf: Ich werde dich verhauen und vögeln, wenn du die Sachen trägst.«

Ich schaute ihn mit unschuldiger Miene an. Das Kostüm würde sich gut machen mit lila Lippenstift, dunkel geschminkten Augen. Ich wusste, dass ich mich überschlagen würde, um ihm zu gefallen. Er würde mir das Netzhemd über den Kopf ziehen und auf mein PVC-Höschen dreschen, bis ich im perversen PVC-Stoff langsam feucht wurde.

»Ich will nicht die Hexe, ich will die Katze!«

Ich steckte mir einen Kaugummi in den Mund, kaute darauf herum und starrte Daddy trotzig an. Dann stolzierte ich in die entgegengesetzte Richtung. Vorbei an all den Regalen, voll gestopft mit Bauernhof-­Figuren, Plüschtieren, Action-Kerlen mit dicken Muskeln und kriminellem Ausdruck.

Ich wusste, dass ihn der Anblick meiner entschwindenden Kehrseite begeistern würde: Kleines weißes Chanel-Höschen, goldener Gürtel um die Taille, punkiges Fischmusterjäckchen, japanische Teenager-­Kniestrümpfe, schwarze Betty-Page-Samtheels mit kleinen Punkten, Peeptoes und einer teuren, kleinen Applikation auf der Rückseite der Absätze. Eine bezaubernde Mixtur aus purer Perversität und hinreißender Unschuld – du kannst es dir nicht vorstellen.

So gefiel es ihm. Sollte es doch. Er hatte schließlich alles bezahlt.

Die Schuhe waren neu. Daddys Chauffeur hatte uns in der Limousine zu den Läden in Bond Street und Mayfair chauffiert. Dort gab es eine ausgefallene Boutique, versteckt in einer Art ehemaliger Stallung, ein spezielles Angebot für Leute wie wir. Ich vermute, dass er die Adresse in einem einschlägigen Magazin entdeckt hatte. Ich war erstaunt, dort auf so viele Gleichgesinnte zu treffen. Ich sah einen anderen Daddy mit einem unartigen Mädchen auf dem Schoß, einer schönen Eurasierin, Mitte der Dreißig.

Sie stellte einen Fuß auf den knienden Verkäufer, während ihr Lover ihren Nacken streichelte. Dann wanderte sie hin und her und posierte ihre kleinen, weißen Stiefelchen. Sie reichten bis zu den Knien ihrer gebräunten Beine. Dazu trug sie einen weißen Hosenrock und einen kurzen Paul-Smith-Blazer. Ich fand die Stiefel bezaubernd, aber ihr Daddy sagte ›Nein‹. Sie heulte, und ich dachte, er würde sie schlagen. Stattdessen küsste er sie auf den Mund und zeigte auf ein paar allerliebste, dunkelgrüne Stilettos mit Killerheels in Krokoleder-Imitation.

Unartige Mädchen wie uns gibt es überall. Wir können uns alles erlauben. Und wir tun es auch.

Er war natürlich nicht mein richtiger Daddy, der verstarb schon vor Jahren. Nennen wir ihn also meinen Pseudo-Daddy. Er verwöhnte mich und schlief mit mir. Er schlug mir die Seele aus dem Leib, wenn ich gemein zu ihm war oder mich weigerte, ihm meine Pussy zu präsentieren, wenn ihm danach war. Trotzdem, wir waren Gleichgesinnte und hatten unseren Spaß miteinander.

Also, ich schlenderte davon, weg von ihm und seinen dämlichen Hexen-Kostümen, und verlor mich in all den Fantasie-Gestalten wie Mermadia Sea Butterflies oder Simpsons Monopoly. Ich war umgeben von den elektronischen Animatronic-Figuren. Und dann sah ich sie: Daleks. O mein Gott: die kriegerischen Außerirdischen. Es gab sie in allen Formen, Größen und Arten. Daleks als Füller, Brotdosen, Ferngesteuerte, als T-Shirts oder Konservendosen. Vernichtende. Vertilgende. Verwüstende. Mich überlief eine Welle wahren Vergnügens. Daleks haben mich immer sehr, sehr glücklich gemacht.

Vielleicht fragst du dich – was ich übrigens auch täte –, wieso diese Angst einflößenden Metall-Irren aus Doctor Who derart die Fantasie von Stella Black beflügeln? Ungebremste, beißende Perversität eines Landeis? Aber, meine Freunde, glaubt mir: Es gibt einen Zusammenhang zwischen Terror und Sicherheit und – Sex.

Tief in der Datenbank unseres Nervensystems schlummern alte Ängste vor gewaltigen Ungeheuern, deren Aufgabe es ist, alles zu zerstören. Und da draußen gab es eine männliche Person, die ausersehen war, mich vor ihnen zu beschützen. Zu einer Zeit, als Doctor Who Gott war und Gott der Vater war, hatte ich schon keinen richtigen Vater mehr. Nur ein fernes Grab und keine Erklärung für sein befremdliches Verschwinden.

Ich hatte ein tiefes Verlangen nach einem Beschützer. Nach einem Mann, den ich bewundern konnte, vor dem alle Feinde einknickten. Einem Mann, dessen Auftreten Selbstbewusstsein und Sorglosigkeit ausstrahlte. Der eine geballte Intelligenz besaß, die er im Wandel der Zeiten auf unzähligen Planeten erworben hatte.

Meine Kindheit, wenn man sie denn so bezeichnen kann, verlief merkwürdig. Die ersten Jahre waren voller Cybermen, Ice Warriors und Yetis, schuppig, pelzig und Angst einflößend. Jemand, an den ich mich aber nicht mehr erinnere, brachte mich in diesen Jahren zu Bett. Er war nett, liebte mich und verschwand dann. Ich suchte ihn und betete zum lieben Gott, dass er zurückkäme. Aber es geschah nicht. Und so musste ich allein in der Welt bestehen.

Dann hatte ich ihn plötzlich zurück, wenn auch in einer anderen Weise. Aber er verstand und liebte mich. Und er spielte mit mir.

Natürlich dachte ich manchmal darüber nach, ob ich meinen Spielzeug-Daddy heiratete oder wo wir zusammen landen würden. Zum Glück musste ich das nicht mit seinen langweiligen Freunden diskutieren. Ich war auch nicht der häusliche Typ. Ruhiges Frühstück zu zweit oder andere Banalitäten waren nicht mein Ding. Letztendlich kam es doch nur darauf an, dass der Sex spektakulär, packend und zufriedenstellend war. Wir hielten Distanz und waren uns trotzdem nahe. Unsere sexuelle Welt war sicher und von absolutem Vertrauen und perfektem Verständnis geprägt.

Die schönsten Momente waren, wenn wir auf der Rückbank seiner Limousine kuschelten, die Gerüche der Nacht schnupperten, Zigaretten aus der Auto-Bar rauchten, ich Paloma Picasso, er Givenchy, seine Hand mit mir spielte und mich erregte. Und ich darauf wartete.

In der Vergangenheit hatten mich die Männer mit Juwelen behängt, anstatt meinen Spielzeug-­Fetischismus zu erkennen. Ich war wirklich nicht scharf auf ihre Klunker; ich verlor sie ohnehin ständig. Ich verlangte nach Liebe wie wir alle, und in diesem Punkt habe ich einiges gelernt. Ich weiß, dass Liebe mehr bedeutet als ein teures Teil von Tiffany. Zeit und Vertrauen sind viel wichtiger.

Daddy tauchte im November im Anwesen eines Earls in Belgravia auf. Anlass war ein Hausball. Ich glaube mich erinnern zu können, mit dem Earl in der Vergangenheit ein- oder zweimal geschlafen zu haben. Am Cap d’Antibes oder sonst wo.

Die meisten der anwesenden Männer lehnten mich ab, weil sie merkten, dass ich ihnen an Klugheit überlegen war.

Mir war entsetzlich langweilig. Deshalb machte ich mich auf, um die prachtvolle Residenz zu erkunden. Sie war eine von diesen Villen mit Hallenbad, ionischen Säulen und etlichen echten Chagalls. In der dritten Etage entdeckte ich einen Badebereich in der Größe eines Appartements, ausgestattet mit zwei Marmorwaschbecken, goldenen Spiegeln und einer freistehenden Badewanne, dekoriert mit sündhaft teuren Badedüften. Wer hätte diesem Angebot widerstehen können? Ich nicht. Mein Kleidchen flog in die Ecke.

Ich entspannte mich im herrlich warmen Wasser, parfümiert mit Geraniumextrakt, als er das Bad betrat. Selbstverständlich war ich nackt, obwohl mich das Wasser sittsam bedeckte.

Er entschuldigte sich nicht. Er nahm kaum Notiz von mir, sondern zog seinen Schwanz aus der Hose und ging zur Toilette. Ich gab ihm nicht die Ehre, sein bestes Stück anzustarren. Obwohl, neugierig war ich schon. So wie man es immer ist. Mein Instinkt sagte mir, dass er brauchbar war. Ich besitze nun mal dieses Gespür und kann anhand der Penisgröße Rückschlüsse auf die Persönlichkeit ziehen. Ich täusche mich selten und werde dir meine Taktik gelegentlich erklären. Mitunter ist sie sehr hilfreich.

Dann setzte er sich auf den Badewannenrand, zündete eine Zigarette an und lächelte mich durch den Rauch an.

Ich seifte mich ein, insbesondere meine Brüste, auch wenn sie nicht besonders schmutzig waren. Ich tat so, als sei es die normalste Sache der Welt. Ich fixierte seine Augen und schäumte mich zwischen den Beinen ein. Dann erhob ich mich, um den Schaum abzuduschen. Dabei präsentierte ich ihm meine provozierende Kehrseite. Nach der Duschvorführung legte ich mich wieder ins Wasser, spreizte die Beine, krallte die Zehen an den Badewannenrand, meine kleinen, roten Nägel blinzelten ihm zu, meine roten Schamlippen waren leicht geöffnet und enthüllten meine Klitty.

Er nahm sich Zeit. Wir wussten aber beide, dass er die Führung übernehmen würde. Das Wasser war fast kalt geworden. Nun bin ich eine ungeduldige Person und sitze für keinen Mann der Welt im kalten Wasser, selbst wenn er einer der bestaussehenden Männer war, die ich jemals gesehen hatte. Endlich stand er auf und nahm ein riesiges weißes Badetuch vom silbernen Handtuchhalter.

»Komm zu Daddy«, sagte er. »Es ist Zeit, ins Bett zu gehen.«

Ich war wieder daheim angekommen.

Wir kamen zwei Wochen lang kaum aus dem Bett, bis wir unsere Mitte gefunden hatten. Dann passierte es nach einer Nacht mit Analsex. Eine befremdliche Sache für mich. Ich fühle mich dabei immer so verletzlich, klein und unterwürfig. Ich muss sehr langsam genommen werden, aber mit ein wenig Dominanz. Er kapierte das sehr schnell. Ich lag auf dem Bauch in seinem Bett. Außer dem pinkfarbenen Höschen mit passenden Söckchen trug ich nichts. Ich las in einem Comic-Heft von Beano, stopfte Süßigkeiten in mich und fühlte mich ein wenig wie Nabokovs Lolita. Aus Versehen kleckerte ich ein wenig Schokolade auf die Tagesdecke. Das machte ihn sehr böse.

»Himmel, Stella«, schimpfte er. »Das ist eine Seidendecke aus dem 18. Jahrhundert, die keine chemische Reinigung verträgt. Es würde sie ruinieren.«

»Dann finde ich es reichlich unvernünftig, sie aufs Bett zu legen«, antwortete ich und schob mir ein weiteres Stück Schokolade in den Mund. »Gib sie in die Kleidersammlung oder schenk sie der Wohlfahrt.«

Ich blätterte in meinem Kindercomic und widmete mich weiter der Nervensäge Dennis und seinem Hund Gnasher.

Daddy sagte nichts, sondern nahm mir einfach das Heft und die Schachtel mit Süßigkeiten weg und stellte alles auf den Tisch neben dem Bett. Dann beugte er sich über die Frisierkommode, auf der eine Reihe antiker Kleiderbürsten lag, darunter auch eine Haarbürste mit einem silbernen Rücken, die ehemals einer betagten Tante gehörte.

Er packte mich, legte mich über seine Knie, zog mein Lolita-Höschen hinunter und versohlte mich mit der silbernen Haarbürste.

Die Schläge schallten als Echo von den Wänden zurück. Gott ja, es hatten mich schon andere Männer zuvor geschlagen. Ich weiß nicht, warum, aber scheinbar löse ich diesen Reiz in ihnen aus. Aber das hier kam überraschend, weil wir zuvor nicht darüber gesprochen hatten. Die Schläge wurden härter, und mein Fleisch brannte. Ich stöhnte. Dann verwandelte sich der erotische Rausch in brennenden Schmerz. Er schlug auf meine Schenkel und dann wieder auf meinen Hintern. Immer und immer wieder. Bestimmt zwanzig Minuten lang, bis Erregung und Schmerz miteinander verschmolzen und ich in Transzendenz und Unterwürfigkeit versank. Er machte einfach weiter, schlug und liebkoste mich abwechselnd, bis ich weinte und sagte: »Es tut mir leid, es tut mir leid. Ich werde es nicht wieder tun.«

Daraufhin zog er mein Höschen ganz aus. Seine Vaselinefinger glitten in meine hintere Passage.

»Mach’s dir selber, Stella. Ich will, dass du dich entspannst«, befahl er.

Ich tat wie befohlen und besorgte mir einen Orgasmus, wie er befohlen hatte. Ausnahmsweise.

Dann küsste er meine Lippen und drückte mich auf den Boden. Ich kniete vor dem Bett, meine Stirn in die schon erwähnte Seidendecke aus dem 18. Jahrhundert gedrückt.

In der Stellung ließ er mich einige Minuten verharren, weil er wusste, dass ich gerne darauf warte. Ich streckte ihm meinen rot geschlagenen Hintern wie eine Hündin entgegen. Meine Pussy war nass. Langsam führte er sein mit einem Kondom bespanntes Glied ein. Sehr behutsam, immer weiter. Bis auf meine Söckchen war ich nackt. Ich wehklagte, stöhnte und war geil – alles zur gleichen Zeit. Ich erlaubte ihm die Passage.

Es gab nur noch ihn und mich. Ich versank ins Nirgendwo, kam wieder zurück und versank erneut. Er verstärkte seine Schübe und gab sich seiner Ejakulation hin.

Später, nachdem wir geräucherten Lachs und Sandwichs gegessen hatten, drückte er mich unter das weiße Bettlaken. Wir waren nackt, wir waren zusammen, und wir waren uns unendlich nahe.

Ab dem Zeitpunkt übernahm er die Führung.

Einmal stellte er mich in einer St. Mary’s Schuluniform vor einen Schulhof. Meine dunklen Haare waren in Büschel geteilt und wurden von rosa Haarspangen gehalten. Einfach toll! Ich trug ein enges, weißes Hemdchen und eine grün-gelb gestreifte Krawatte. Sehr St. Trinians. Sehr ich. Ich sah aus, als ob ich im Labor eine Whiskydestille gebaut und ein Rennpferd im Schlafsaal hätte.

Ich kaute auf einem Kaugummi und schlenkerte meinen Tornister umher, als er mit seinem BMW aufkreuzte. Als ich ihn ankommen sah, ließ ich meinen Lippenstift fallen und bückte mich aufreizend danach. Ich bot ihm das volle Panorama meines runden Hinterns, umrahmt von einem grauen Faltenrock und kaum vom weißen Baumwollschlüpfer verhüllt.

Er öffnete das Fenster und sah mich streng an.

»Steig sofort ein, Stella, und höre auf, dich zur Schau zu stellen.«

Wir fuhren zu seiner Wohnung in Knightsbridge mit dem riesigen Atelier, in dem es von riesigen Portraits seiner Vorfahren wimmelte. Dazu eine Menge Polstermöbel, Gardinenquasten, die Statue eines Pferdes, eine Büste von John Donne und etliche wirklich wertvolle Gegenstände aus dem 19. Jahrhundert. Beispielsweise das Gemälde einer Frau von Reynolds oder ein Piano aus dem Jahr 1820. Es war wie im Museum, allerdings war hier der Eintritt frei.

Wir gönnten uns einen Blow-Job mit ehrlicher Zuneigung. Ich liebte es, ihn mit dem Mund zu quälen, bis er fast platzte und mich dann bumste, bis er fast starb.

»Meine Damen und Herren, der Spielzeug-Palast schließt in zehn Minuten. Bitte begeben Sie sich zu den Ausgängen.«

Ich weiß nicht mehr, wie lange ich mich zwischen all den Tinkleberries und Plastik-Prinzessinnen aufgehalten hatte. Aber mein Einkaufswagen hatte sich mit Daleks gefüllt. Wie sie alle da hineingekommen waren? Nun, wie ich sie kenne, hatten sie das selbst bewerkstelligt.

Wenn Daddy sie mir nicht kaufte, würde ich sie bezahlen. Ich würde den Laden nicht ohne sie verlassen.

Er wartete an der Kasse. Das Hexenkostüm lag in seinem Einkaufswagen. Ich wusste, dass er vor Wut kochte. Es ist mir ein Vergnügen, auf den Knopf der Zündkapsel zu drücken. Ich liebe es, Männer zu ärgern. Ich kann nicht anders, ich muss es einfach tun. Allerdings nur die, die ich auch liebe. Die anderen? Ich bin nicht daran interessiert, mit ihnen zu spielen.

»Wo bist du gewesen? Ich habe dich gewarnt, nicht davonzulaufen!«

»Dann fahr mich doch, trag mich oder mach sonst was.«

»Wage dich, so mit mir zu reden!« Er war rasend. »Je mehr ich dir gebe, desto unverschämter wirst du.«

Beim letzten Mal, als er so böse wurde, waren wir bei Harrods gewesen. Ich hatte ihn mehr als zehn Minuten bei der Handtaschen-Aufbewahrung warten lassen. Er hasste es zu warten und war reich genug, um sich alles liefern zu lassen. Selbst die Schneider kamen ins Haus. Sein Assistent regelte alles für ihn.

Jedenfalls zog er mich bei Harrods in die Damentoilette, ohne dabei die plumpe Klofrau zu beachten. Die Mittfünfzigerin glotzte stumm, als er mich über das Marmorwaschbecken legte, meinen Minirock hochschob, das Höschen runterzog und mich derart verprügelte, dass ich eine Woche lang nicht sitzen konnte. Ich erinnere mich, dass ich während seiner Raserei mein Gesicht im Spiegel über der Goldtapete sehen konnte. Ein schmerzverzerrtes Abbild mit hektischen roten Flecken. Ich wünschte, dass er aufhörte, denn der Schmerz war kaum auszuhalten. Aber er machte wie eine rasende Furie immer weiter. Eine richtige Tracht Prügel, die du so schnell nicht vergisst. Die Hitze spürst du noch nach Stunden in deinem Unterleib. Und erst die Nässe …

Die Klofrau verzog keine Mine, nahm aber wortlos ein Trinkgeld von 50 Pfund.

Daddy hatte eine beachtliche Erektion, als er mich eiligst in den Aufzug und ins wartende Auto bugsierte. Meine Füße berührten bei dem Abgang kaum den Boden. Daheim flog ich über das Sofa im Atelier: Hosen runter, Arsch hoch, Pussy nass, Pobacken rot. Seine Finger in mir, sein Schwanz in mir. Ausfüllend. Wir fanden zueinander in einem dieser seltenen Momente puren gemeinsamen Verständnisses und psychischer Befreiung.

Er nahm meine Hände vom Griff des Einkaufswagens. Sie hatten sich dort so festgekrallt, dass meine Fingerknöchel weiß geworden waren. Er beachtete nicht einmal die Daleks, obwohl bestimmt zwanzig Stück in dem Wagen lagen. Bei einem der Roboter hatte sich der Stimmen-Mechanismus aktiviert. Er sang im mir bekannten und geliebten bedrohlichen Ton:

»Ausrotten.«

»Vertilgen.«

»Zerstören.«

Ich lächelte.

Daddy stieg die Zornesröte ins Gesicht, und seine Augen blitzten gefährlich.

»Ich habe die Nase voll von dir.«

»Aber …«

»Nein.«

»Aber ich will …«

»Nein.«

»Wenn ich die Daleks nicht bekomme, schreie ich dermaßen, dass du wahrscheinlich verhaftet wirst.«

»Falls du noch ein Wort sagst, junge Dame, dann werde ich dir die Hose runterziehen und dir an Ort und Stelle den Blanken versohlen. Ich werde deine rasierte Pussy allen zeigen und nicht eher aufhören, bis du um Gnade flehst und selbst dann vielleicht nicht …«

Wir sahen einander voller sexueller Begierde an, blufften, um zu sehen, wer die stärkeren Nerven hätte, wer am weitesten gehen würde.

Denn immerhin hatte er einen verantwortungsvollen Job und eine gesellschaftliche Stellung.

Ich bin nur ein Ex-Porno-Star. Ich kann immer wieder in mein altes Leben zurück. Meine geschäftliche Reputation könnte ich mir allerdings durch schlechtes Benehmen ruinieren. Schließlich hat sich meine Biografie samt Farbillustrationen Ich, Stella allein in Amerika millionenfach verkauft. Hardcover. Paperback. Ich weiß mich gut zu vermarkten. Weltweit. Zudem besitze ich einen erstklassigen Abschluss in Philosophie und habe einen guten Draht zur Klatschpresse. Besonders, seit ich mit einer der Redakteurinnen geschlafen habe. Falls ich damit aufgefallen wäre, hätte mein Verleger wohl sehr zufrieden an eine geplante PR-Aktion geglaubt.

Daddy gewann unseren Disput. Oder besser gesagt, ich ließ ihn gewinnen. Die Leute starrten uns nach, als wir gingen und ich ausgeschimpft wurde.

Jim, sein Chauffeur, stand in Marine-Uniform mit goldenen Knöpfen und Schirmkappe bei der Limousine und rauchte eine Benson&Hedges-Zigarette, die einer seiner Freunde aus Belgien schmuggelte.

»Erfolgreicher Einkauf, Sir?«

Daddy gab ihm keine Antwort. Er schubste mich wortlos zur Motorhaube des Wagens und drückte meinen Kopf derart brutal nach unten, dass mein Po sich in die Luft reckte.

Jim trat seine Kippe rasch mit einer makellos polierten Schuhspitze aus, rutschte auf den Fahrersitz und beobachtete uns durch die Windschutzscheibe.

Daddy zog meine weißen Shorts nach unten. Kein Slip, nackter Arsch, Kniestrümpfe und Highheels. Er haute mir mit voller Wucht auf die rechte Pobacke. Ohne Vorwarnung, Einleitung oder erotisches Getue – er schlug einfach hart zu. Dann auf die linke Pobacke. Ich schrie laut und konnte die Situation nicht einschätzen: Jim, der uns zuschaute, vielleicht noch andere Zuschauer? Der Schmerz in meinem Hintern raubte mir den Verstand.

Klatsch. Klatsch. Klatsch.

Er verhaute mich mit der flachen Hand mit voller Kraft – sicher zehn Minuten lang. Es war schon sehr grenzwertig, aber ich wusste, dass ich geradezu darum gebeten hatte. Er machte solange weiter, bis er meine aufrichtige Unterwerfung roch und spürte und hörte. Ach, ich.

Es geht doch nichts über Romantik! »Es tut mir leid.«

Er beugte sich vor und hob meine Shorts von der Erde auf. Dann umarmte er mich und half mir behutsam auf den Rücksitz des Wagens. Dort barg ich meinen Kopf in seinem Schoß, tränenüberströmt, mit nacktem Hintern, heiß und nass. Er strich mir übers Haar und küsste mich.

Dann gab er mir den größten Dalek aus der ganzen Kollektion: Fast 30 Zentimeter groß, funkgesteuert, Blinklichter, beweglicher Kopf, Arme und Gewehr, Geräuscheffekte, authentischer Sprachmechanismus und beleuchtete Augen.

»Du hast deinen Daddy sehr, sehr glücklich gemacht.«

Der Teppichhändler
 
Kristina Lloyd

Ich nenne ihn einen Jungen, wenngleich er keiner mehr ist. Er ist so mager wie diese Kinder, die auf den Plätzen rückwärts Salto schlagen, und hat kein einziges Haar auf der flachen braunen Brust. Aber seine grünen Katzenaugen sind alt. Wenn ich ihn betrachte, obwohl wir vor aufdringlichen Touristenfängern, wie er einer ist, gewarnt wurden, sehe ich in Augen, die bestimmt tausend Jahre alt sind.

Er verfolgt uns schon seit einer halben Stunde, schlängelt sich durch die Menge, seine Flip-Flops schlappen durch den Staub der Souk.

»Hey, Mister! Hey, Lady! Wollen Teppich? Teekanne? Safran? Wollen Weihrauch kaufen? Kommt, kommt! Kommt zu meinem Oheim!«

Er hört nicht auf, seine Ware anzupreisen.

Sein penetrantes ›Kommt, kommt!‹ klingt schmutzig und erotisch zugleich. Der Refrain dröhnt wie ein dumpfer Paukenschlag in meinem Kopf. Ich befürchte, davon eine Migräne zu bekommen.

»Hey, Lady, schöne Handtasche? Echtes Leder! Beste Ware! Hey, Mister! Schöne Brieftasche? Sieh! Sei mein Gast. Kommt!«

Der Junge rollt mit den Augen, wackelt mit dem Kopf und wirbelt umher wie ein Derwisch. Seine Drängelei und das Tänzeln gleichen der billigen Anmache eines Strichjungen. Es ähnelt einer Vorstellung ohne Protagonisten. Augenkontakt kann er nicht mit uns aufnehmen, denn wir beachten ihn nicht.

»Ich komme mir vor wie David Niven«, murrt mein Liebster, Tom.

Du kannst dir nicht vorstellen, wie verdammt vornehm, selbstverliebt und selbstbewusst Tom ist! Er ist entspannt und ironisch, ein wenig affektiert, um ehrlich zu sein. Aber ich bewundere jeden ätzenden Zentimeter an ihm. Und ich liebe es, ihn zu malen. Stehend, sitzend, liegend, der Länge nach ausgestreckt. Leider ein nutzloses Unterfangen, ihn in Kohle oder Bleistift einzufangen. Deshalb lernte ich, nicht nur das Objekt zu malen, sondern auch seine Aura. Ich lernte auch, das Nichtvorhandene zu sehen.

»Das Unsichtbare ist ebenso wichtig wie das Sichtbare«, dozierte mein Tutor.

Im Hinblick auf Tom möchte ich das allerdings bestreiten. Ich bin schon ein Fan des Vorhandenen. Von Nacktheit, Blässe und weichen Muskeln. Allerdings auch von starken Schultern eines Schwimmers und Schenkeln wie Schinken. Manchmal zeichne ich auch seinen Schwanz. Groß und geil. Manchmal lümmele ich mich dabei zwischen seinen Schenkeln, eingerahmt von dunklen Schamlöckchen. Wenn ich ihm das Endresultat zeige, zuckt er verständnislos.

»Um Gottes willen! Du bist so vulgär!«, sagt er beleidigt und leicht affektiert. Aber dabei lächelt er, und ich weiß, dass es ihm insgeheim gefällt.

»Pssst!«

Es ist wieder der Junge. Ich kann ihn nicht sehen, nur hören. Das Straßenlabyrinth von Medina ist voller Geräusche, geschwängert von den Düften nach Paraffin, Leder, geröstetem Fleisch, saurem Schweiß, verbrannter Erde und strengem, starkem Tabak. Hier und da fällt Licht in die dunstige Souk und zeigt die schielenden Budenbesitzer unter dem fahlblauen Himmel. Wir zwei ahnungslose Bleichgesichter befinden uns tief im altertümlichen Gewirr von Gassen, umgeben von Bettlern, Hausierern, Käufern, Mopeds, Eselskarren und großen Drahtkäfigen mit kreischenden Hühnern. Das Gezische des Jungen übertönt das Getümmel so klar wie ein Pfiff, aber ich kann ihn nirgends entdecken. Ich bin enttäuscht.

Dabei sollten wir machen, dass wir wegkommen, denn schließlich belästigt er uns aus dem Hinterhalt. Er versteckt sich wie ein frecher Kobold und drängt uns unsichtbar, dies zu kaufen, jenes zu kaufen. Wir wollen tatsächlich einen Teppich kaufen, einen schönen Berberläufer für unsere Diele. Er verlangt wahrscheinlich viel zu viel dafür, und – abgesehen davon – wir wollen den Kauf in Ruhe tätigen.

Meine Enttäuschung, dass ich ihn nicht sehen kann, mischt sich mit Erregung, die ich verschämt zur Kenntnis nehme. Erst war ich mir nicht sicher, ob es sexuelle Erregung war. Dabei hätte ich es wissen müssen, denn so bin ich immer. Und dann signalisierte meine untere Abteilung ihre Bedürfnisse. Ich merkte, wie die Innenseiten meiner Schenkel klamm wurden und sich jetzt feucht beim Gehen aneinanderreiben, während mein Sarong unschuldig um meine Knöchel flattert. Aber es ist schon ein bizarres Gefühl von Geilheit.

Nicht, dass ich etwa Bock auf dieses Stück Stallknecht mit seinen sanften, unheimlichen Augen hätte. Aber ich fühle mich in einer Weise zu ihm hingezogen, die ich nicht erklären kann. Manchmal fällt er hinter uns zurück, verschwindet in der Menge oder schleicht auf Distanz um uns, verstohlen lauernd, wie ein Jäger auf der Pirsch, der seine Beute einkreist. Uns. Ich habe mein Geld sicher im Gürtel versteckt und es schon ein Dutzend Mal überprüft. Obwohl ich ihn nicht kenne, kann ich mir nicht vorstellen, dass er ein Dieb ist. Jedoch weiß ich, dass er in mir etwas ausgelöst hat: einen verstohlenen, geilen Hunger. Ich vertraue mir nicht mehr.

Tom und ich gehen weiter. Mein Höschen ist nass, und ich bin so klebrig und geschwollen wie eine Feige.

»Pssst!«

Sein Ruf klingt so nah, dass ich erschreckt über die Schulter blicke und ihn hinter mir vermute. Aber nichts. Er scheint unsichtbar zu sein. Ein Dschin, ein mystischer arabischer Geist oder ein Golem, ein Kunstgebilde aus dem alten jüdischen Viertel, der sich darüber amüsiert, dass ich zum wiederholten Mal nach meinem Geldgürtel fasse.

»Scheint so, als ob wir das kleine Dreckstück abgeschüttelt haben«, sagt Tom beruhigt und schraubt seine Wasserflasche auf.

Mir wird klar, dass er nicht hört, was ich höre. So langsam beginne ich, an meinem Verstand zu zweifeln. Die Hitze in diesem Viertel ist betäubend, und gut geschlafen habe ich auch nicht. In der Nacht, nach einem Abend mit Jongleuren, Zauberern, Feuerschluckern und Schlangenbeschwörern, schienen sich meine Bettlaken um meine Beine zu winden wie die Kobra vor der Flöte ihres Beschwörers. Mein Kopf schwirrte von den vielen neuen Eindrücken. Um mich zu beruhigen, dachte ich an die schneebedeckten Berge außerhalb der Stadt, an die endlosen Wüsten und an einen schwarzen Samthimmel, bedeckt mit silbernen Sternen.

So geht es jede Nacht. Ich schlafe unruhig und habe verrückte, groteske und geile Träume. Jeden Morgen erwache ich mit schmutziger Gier. Wenn ich schläfrig und schwer auf Toms Penis sinke, fühle ich mich so müde, als ob wir es bereits seit Stunden getrieben hätten. Es ist ein Albtraum. Als ob mich ein schadenfroher Dämon im Schlaf bis zur Besinnungslosigkeit aufs Kreuz gelegt hätte. Ich fühle mich schlapp, wenn ich auf Tom reite. Befinde mich in einem diffusen Nebel, aus dem wilde Kreaturen auftauchen, die mein Fleisch begrapschen. Unzüchtige Monster mit Gasmasken über dem Gesicht steigen aus dem dampfenden Moor.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir heute noch einen Teppich kaufen. Ich habe keine Lust dazu. Um die Wahrheit zu sagen, ich habe eine kleine Neurose, die ich aber gut kaschiere. Vielleicht bekomme ich auch meine Periode.

Und dann ist der Junge wieder da. Ich kann ihn zwar nicht sehen, aber ich rieche ihn. Nur ein beißender, sexueller Hauch, gerade als wir an finsteren Buden vorbeigehen, wo Kupfer, Zinn und Blech verkauft werden. Dann sehe ich aus dem Schatten dahinter zwei grüne Punkte funkeln. Mein Herz schlägt schneller. Zwischen all diesem braunäugigen Volk sind diese Augen unglaublich fremd, fast unmenschlich. Er ist nicht von dieser Welt, denke ich. Vielleicht ein Außerirdischer, der in den Schluchten hoch oben im Atlas-Gebirge in der dünnen Luft haust.

»Da ist wieder dieser widerliche Geruch«, beschwert sich Tom.

Ein paar Meter vor uns springt der Junge unter einer schmutzigen Markise hervor. Er trägt verdreckte, halblange Hosen, seine Beine sind mit dunklen Haaren bedeckt. Ich denke, dass er zwar ein Jugendlicher ist, aber alt genug, um unter meinem Sarong zu schnüffeln.

»Es ist widerlich. Verdammter ekliger Gestank«, schimpft Tom erneut.

Ich vermute, dass er von unserem Verfolger spricht. Vielleicht hat er seinen Appetit gerochen und ist sauer. Dann dämmert es mir, dass Tom von der Gerberei redet. Beim letzten Mal, als wir hier waren, musste ich bei dem Gestank würgen, aber jetzt nehme ich ihn kaum wahr. Es ist das Odor des Jungen, das bei mir ankommt. Es kommt mir vor, als ob sich alle meine Sinne nur noch um seinen Geruch, seinen Klang und sein Aussehen drehen und alles andere dabei versinkt. Langsam macht mich die Sache nervös.

Tom reicht mir die Flasche, bevor er selbst einen Schluck nimmt. Er hat ausgezeichnete Manieren, teils weil er aus Surrey stammt, teils aber auch, weil er einen natürlichen devoten Charakter hat – was er allerdings nie zugeben würde. Dabei ist er beileibe kein Schwächling, das kannst du mir glauben. Aber seine vornehmen Manieren, kombiniert mit einem sonderbaren Intellekt, lassen ihn zu einer devoten oder zumindest faszinierenden Passivität tendieren. Gib ihm ein gutes Buch, und du bist ihn für Stunden los. Gib ihm eine tolle Frau – oder besser eine unartige –, und du bist ihn für Monate los. Ich habe ihn einer anderen ausgespannt. Oder besser noch: Für mich hat er sie ohne Skrupel verlassen. Noch nach zwei Jahren sind wir halb verrückt und ziemlich besoffen aufeinander.

Aber ich bin nicht blöd. Ich weiß verdammt gut, dass er auch mich blitzartig verlassen würde, wenn eine andere Frau sein Herz eroberte. Ich liebe ihn sehr und hänge an ihm. Ich will ihn behalten. Ich kann daher nur hoffen, dass alles so bleibt, wie es ist. Und zwischenzeitlich versuche ich, ihn für mich mit all diesen unmöglichen Kohle- und Bleistiften und all dieser verführerischen Tinte einzufangen und zu verewigen.

Meine Lieblingsskizzen mache ich nachts im Bett. Wenn Tom mit offenem Mund und zitternden Augäpfeln träumt. Ich liebe ihn so sehr, wenn er fest schläft, wenn er nicht mehr weiß, dass er existiert. Tom weiß nichts von meinem Tun. Ich habe die Skizzen gut versteckt, meine Schätze, Beweise all der Stunden, die ich ihm gestohlen habe, während er schlief. Du merkst, ich leide nicht nur unter Schlafstörungen.

»Moment mal. Wir brauchen Batterien«, sagt Tom.

Er verschwindet im Gewusel schleichender, verhüllter Menschen, während ich an einem Gewürzstand warte. Schwarze Bänder von Tamarinde und aufgefädelte Feigen hängen über Säcken mit Nüssen, getrockneten Früchten, Teeblättern und Kräutern. ›Zuverlässig gegen Schnarchen!‹ oder ›Liebestrank für den König – Zuverlässig!‹ preisen die Schilder an. Die Luft ist staubtrocken, und die verwirrenden Gerüche von Farbe, Metallen und Gewürzmischungen kratzen in meiner Kehle. Ich muss husten wie eine alte Vettel.

»Medizin, Lady. Zuverlässig!«, schreit mir ein Mann in einer Djellaba nach.

Ich bange um meine Gesundheit, als ich sehe, was hier alles feilgeboten wird: eine Schildkröte, festgeschnallt auf dem Dach des Verkaufsstandes, Bündel von Ziegenfüßen, getrocknete Igel, Chamäleons, Schlangenhäute und lebende Eidechsen, die in riesigen Gläsern umherflitzen.

»Pssst! Lady!«

Seine Stimme fährt direkt in meinen Schoß. Die Erregung ist so stark, als ob er ihn mit seiner Zunge berührt hätte. Meine Gefühle fahren Achterbahn. Ich wirbele herum und erhasche noch ein Stückchen brauner Schulter, bevor er wieder von der Menge verschluckt wird. Ich entdecke Tom, der mit einem halbblinden Händler um Päckchen Batterien feilscht. Eine Frau mit einem dünnen Bart rempelt mich an. Instinktiv greife ich nach meinem Geldgürtel und sehe dabei, wie sich der Junge vor mir davonmacht und mir dabei einen glänzenden Blick über die Schulter zuwirft. Eine Einladung, ihm zu folgen, der ich nicht widerstehen kann. Welche anderen Optionen hätte ich auch? Ich folge ihm einfach.

Tom dreht sich um, als ich mich in Bewegung setze, und nickt zustimmend. So ist es gut. Er ist einfach cool. Er macht keinen Aufstand. Und sollten wir uns doch verlieren, wir haben unsere Handys dabei. Kurz denke ich daran, das Ding wegzuwerfen und stelle mir vor, wie bärtige Ratten daran schnüffeln, wenn auf dem Screen für niemand sichtbar die Information ›Tom ruft an‹ erscheint. Ich schiebe den Gedanken beiseite, weil er unwichtig ist. Wichtig ist nur der Junge.

Ich drängele mich durch das Gewühl und versuche, seinen kahlgeschorenen Kopf im Blick zu halten. Ein Mann mit einem Affen lenkt mich kurz ab, und einen schrecklichen Moment befürchte ich, das Kerlchen verloren zu haben. Verzweifelt drehe ich mich im Kreis. Gesichter, Gerüche und Geräusche verbinden sich zu einem wilden Crescendo. Er ist weg. Er ist einfach verschwunden. Aber Sekunden später habe ich ihn wieder entdeckt, als er in einem Gässchen verschwindet.

Panisch eile ich darauf zu und mache mir dabei mit meinen Ellbogen Platz. Es ist mir egal, ob die Leute mich beschimpfen und mich aus schwarzen Augen böse anblitzen. Ich habe Angst und keine Erklärung dafür, auf was ich mich hier einlasse. Ich weiß nur, dass ich ihm einfach folgen muss. In meiner Scheide pocht das Blut fast so hart wie mein Herzschlag. Eine höhere Gewalt scheint von mir Besitz ergriffen zu haben, so außergewöhnlich ist meine Begierde. Ich versuche, mich zu erinnern, ob ich etwas Ungewohntes oder Verdorbenes gegessen habe. Vielleicht habe ich mich zu lange bei den getrockneten Igeln aufgehalten? Wer weiß, für welchen Hokuspokus sie gut waren. In der Gasse halte ich kurz an, um wieder zu Atem zu kommen.

Der Junge ist wieder in Sichtweite. In dem Gässchen ist es kühl, es ist weiß verputzt und gerade so breit, dass eine Person hindurchpasst. Nach ein paar Metern verhallen die Geräusche der Souk. Außer uns befindet sich niemand in dem Durchgang. Plötzlich ist es völlig ruhig. Diese Stille! Ich höre meinen eigenen Atem, der wie das Rauschen einer Muschel an meinem Ohr klingt.

Ich gehe weiter, ohne es wahrzunehmen. Ich keuche. Obwohl kein Sonnenlicht in die Gasse fällt, scheint sie ihre eigene Helligkeit zu haben. Die weißen Wände reflektieren und tauchen einander in ein göttliches Strahlen. Was ist das nur? Sterbe ich vielleicht gerade auf einem Operationstisch, und meine Seele segelt in das himmlische Königreich oder klopft zumindest an dessen Pforte? Ich versuche, mich umzudrehen, aber mein Kopf ist plötzlich zu schwer. Es gelingt mir einfach nicht.

Nichts existiert mehr außer mir, meinem Atem und dem Knaben. Eine Erdspalte scheint mich aufgenommen zu haben. Er ist wenige Schritte vor mir und bewegt sich anmutig, halb geduckt. Sein feingliedriger Körper ist so süß und geschmeidig. Unter der buttertoffeebraunen, rußgeschwärzten Haut zeichnen sich seine Rippen ab. Er hinterlässt einen reifen Lockduft nach Zibet, vielleicht auch Moschus. Wie sanft mögen wohl Körper und Haut sein? Wie begierig seine Hände, wie unermüdlich seine herrlichen, pflaumenblauen Lippen?

Während ich ihm folge, halten wir Abstand zueinander. Unvermittelt bleibt er stehen. Sein gebogener Rücken sieht knotig aus. Ein unwirklicher Glanz liegt auf den Stoppeln seines geschorenen Kopfes. Ich glaube zu frösteln, obwohl mir nicht kalt ist, und bemerke, dass ich kaum atme. Dann dreht der Junge mir langsam sein Gesicht zu. Was ich sehe, haut mich fast um. Denn die Augen, die mich anschauen, gehören keinem Irdischen. Ich starre ihn an und kann kaum glauben, was ich sehe.

Es sind Katzenaugen: grün wie Stachelbeeren, mit einem schwarzen Spalt in den Pupillen. Angst schnürt mir die Kehle zu. Aber ich bin unfähig zu schreien, zu gehen, mich irgendwie zu bewegen. Ich bleibe wie angewurzelt stehen und kann nichts anderes tun als ungläubig glotzen.

Er grinst und wendet sich ab. Ich glaube, einen meiner verrückten Träume zu haben. Gleich wache ich in meinem Hotelbett auf und spanne mich wie in Trance über Toms bestes Stück. Ich werde auf ihm wippen, bis im Kopf ein mittelalterlicher Markt geistert. Bevölkert mit Nachkommen einer unbekannten Spezies. Auf den ersten Blick sehen alle völlig normal aus, bis du ihre Schwimmhäute zwischen den Zehen siehst, ihre gespaltenen Zungen, zusammengefalteten Flügel und raubtierähnlichen Reißzähne.

Tom und ich werden einen Orgasmus haben, danach aufstehen, frühstücken, einen Bus besteigen und in eine Stadt fahren mit Mosaik-Plätzen, Koi-Karpfen und Orangenbäumen. Wir werden etwas Schönes kaufen, vielleicht aus spanischem Leder oder Zedernholz – und alles wird gut.

Der Junge schleicht weiter. Trotz meiner Furcht bin ich sehr feucht. Die Feuchtigkeit gewinnt die Oberhand. Ich folge ihm. Um eine Ecke und noch eine Ecke. Schließlich verschwindet er wie ein Geist im Durchgang einer Mauer. Wenig später krieche ich mit eingezogenem Kopf hinterher und steige herzklopfend drei abgenutzte Stufen hinab. Vor mir öffnet sich ein kühler, höhlenartiger Raum. Er ist mit Wandteppichen und Öllampen ausgestattet. An den Seiten lagern Stapel von Teppichen, in einer Ecke befinden sich Tonkrüge und Getreidesäcke.

Aus hohen, verputzten Deckenbogen fallen schräge Sonnenstrahlen, sanft und voller Staubpartikel. Ein friedvolles Licht, einfach zum Anbeten schön. Es riecht nach Stroh und Mäusen.

Ich sehe den Jungen, wie er von einer Steinsäule zur nächsten huscht und sich dahinter versteckt.

Auf einem hohen Teppichstapel hockt ein Mann im Kreuzsitz. Er ist kahlköpfig, muskulös, dunkelhäutig, hat dichte Augenbrauen und ein stoppeliges Kinn. Auf seinen Brustmuskeln und seinem nett gerundeten Bauch kräuseln sich dunkle Haare. Er ähnelt einer Kreuzung aus Ganove und Buddha. Trotz seines ungewohnten Aussehens gefällt er mir. Sein Lächeln ist lieb. Das Kinn auf die Faust gestützt, beobachtet er mich, so als ob er mich erwartet habe.

»Hi«, sage ich und versuche, freundlich zu klingen.

Ich gehe aufrecht über den kühlen Fliesenboden auf ihn zu und weiß, dass dieser Mann mit mir schlafen wird. Ich bin bereit.

Keiner der beiden Männer erwidert meine Begrüßung. Der lächelnde Mann beobachtet mich stumm. Zwar bin ich noch immer verängstigt, werde aber wieder zuversichtlicher. Meine Kraft kehrt zurück, und ich habe das Gefühl, alterslos zu sein, fühle mich wie eine Hure aus dem Alten Testament. Der Junge drückt sich hinter dem Pfeiler hervor und lehnt sich an ihn. Er verschränkt seine Arme und grinst. Sein Verhalten hat sich geändert. Er macht nun den erschöpften, aber rotzigen Eindruck eines Strichjungen, hart und billig. Krankhaft attraktiv.

Seine Augen, die jetzt relativ normal aussehen, haben eine erstaunliche seegrüne Farbe – National- Geografic-Augen. Zumindest einigermaßen die eines Menschen. Vermutlich habe ich mich vorhin nur geirrt. Vielleicht bin ich einer Sinnes- oder Lichttäuschung aufgesessen. So muss es gewesen sein.

Die beiden Männer beobachten mich, als ich auf sie zugehe. Ich fühle mich unglaublich leicht. Ich bin eine Hure, eine Straßendirne, eine Konkubine, eine Sklavin. Ich könnte wie Salome tanzen, ihnen eine Stripshow hinlegen, obwohl ich keine sieben Schleier trage, sondern nur einen Sarong, ein Jäckchen und Birkenstock-Schuhe. Aber ich schätze, sie müssen nicht wirklich verführt werden.

»Du hast eine gute Wahl getroffen«, lobt der Alte den Jüngeren.

Moment mal, denke ich. Bin ich nicht aus eigenem Willen hergekommen? Doch dann korrigiere ich mich. Wen will ich hier verarschen? Ich bin abgeschleppt worden, oder?

»Mein Oheim«, sagt der Junge grinsend und nickt dem Älteren zu.

Oheim hebt sein Kinn zu einem knappen Gruß.

»Bring sie zu mir«, befiehlt er seinem Neffen.

Er schlendert barfuß auf mich zu. Wortlos teilt er meinen Sarong und legt meine Beine frei. Dann presst er eine Hand zwischen meine Schenkel. Die ganze Schwere meines Körpers scheint sich auf meinen Unterleib zu verlagern und ruht auf seiner mageren Hand. Seine Finger erforschen meine feuchte Mitte. Er feixt mich an, als er meine Klitoris findet. Während er sie hart durch mein Höschen reibt, beobachtet er meine Reaktion. Ich möchte unbeteiligt erscheinen, aber sein Körpergeruch und seine Berührung machen mich verrückt vor Begierde. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so geil gewesen zu sein. Dass ich so kühl bleibe, beeindruckt ihn nicht. Er gluckst leise.

»Ah, das magst du, was? Du kleine heiße Hure«, wispert er.

Nun gut, denke ich, du hast mich da, wo du mich haben wolltest.

»Sie ist in Ordnung, Onkel«, stellt der Junge fest. »Sie ist schön und nass.«

Er schiebt meinen Zwickel beiseite und steckt zwei Finger in meine Scheide. Mir knicken fast die Knie weg.

»Richtig nass«, fügt er hinzu und wühlt mit seinen beiden Fingern in mir herum. In der absoluten Stille höre ich das schmatzende Geräusch meiner Säfte.

»Hervorragend«, sagt Oheim mit einer schweren, matten Stimme.

»Eine willige Nutte«, kläfft sein Neffe. »Sie will gefickt werden.« Er scheint seine Worte zu genießen, wie ein frühreifer, verdorbener Jugendlicher.

Mir soll es recht sein, denn ich mag es, als Objekt betrachtet zu werden. Es enthebt dich der Bürde, du selbst sein zu müssen.

Der Neffe befingert mich weiter und schiebt die andere Hand unter mein Top. Er streichelt die Brüste durch den BH, dann schiebt er die Körbchen nach oben, um die Brüste zu massieren und zu kneifen. Meine Nippel sind hart. Er rubbelt und quetscht sie, bis meine Nervenenden kochen. Kurz bevor ich mich verliere und in Ekstase falle, lässt der Junge von mir ab und schlendert zum Onkel.

Ein grausamer, verwirrender Moment. Ich will protestieren. Aber bevor ich ein Wort hervorbringe, ist er schon auf den Teppichstapel, auf dem sein Onkel thront, gesprungen. Leichtfüßig aus dem Stand, wie ein perfekter Balletttänzer. Er hockt auf den Fersen vor seinem Onkel und spreizt dem auf dem Rücken liegenden Mann die Beine. Dann hält er ihm die Hand, die vorher noch meine Scham erforscht hat, übers Gesicht. Er öffnet den Mund und saugt an den Fingern seines Neffen wie an baumelnden Trauben. Entspannt und mit geschlossenen Augen. Der Junge stützt behutsam den kahlen Kopf seines Onkels und erlaubt ihm eine genüssliche Kostprobe meiner Körpersäfte.

Nun, ich habe nichts dagegen, wenn es Kerle miteinander treiben, aber ich fühle mich ein wenig vernachlässigt. Hallo! Ich will mitspielen. Also gehe ich zu ihnen. Als ich näher komme, sehen sie gutmütig blinzelnd auf mich herab. Neugierig, als ob sie mich nie zuvor gesehen hätten. Mann, ist das gruselig. Ein Paar grüner und ein Paar glänzender, brauner Augen.

Der Onkel erwacht aus seiner Starre. Sein Gesicht nimmt einen schurkischen Ausdruck an, so als ob er hinter Gitter gehöre. Schnaufend setzt er sich auf, schwingt seine Beine über den Rand des Teppichstapels und fasst in den Zwickel seiner bauschigen Plunderhose. Sie ist aus schieferblauer Seide, genau in dem Farbton, die ich für den Teppich in meiner Diele haben will. Ich werde ihn um eine Stoffprobe bitten, damit ich einen passenden Webteppich aussuchen kann. Aber dann verpasse ich den richtigen Moment. Jetzt habe ich ein anderes Objekt meiner Begierde.

»Lutsch mal«, fordert der Mann grinsend und holt eine große, fette Erektion hervor und reibt sie behutsam. Die Muskeln seines fleischigen Armes spielen unter der dunklen Haut. Es ist ein herrlicher Schwanz, arrogant und obszön riesig.

»Dreckige Nutte«, fügt der Junge hinzu. Er klingt immer noch wie ein Kind, das versucht, sich wie ein grober Erwachsener zu gebärden. »Saug den Schwanz des Mannes!«

Ich freue mich, ihm entgegenkommen zu können. Der Teppichstapel ist schulterhoch, ich brauche also nur den Kopf zu neigen. Seine Schamhaare kitzeln meine Nase. Tief in meinem Mund fühlt er sich großartig prall und kraftvoll an. Mein Kopf wippt zwischen seinen Schenkeln auf und ab, und ich werde immer feuchter, wenn ich mir das Gefühl vorstelle, wie dieses Biest in mich fährt.

Der Junge springt auf den Boden. Ich fühle ihn an meinen Füßen. Er streichelt meine Fußknöchel und schlüpft unter meinen Sarong. Ich spreize meine Beine für ihn und fühle ihn immer höher kriechen, fühle seine Hitze auf meiner Haut, seinen geschorenen, seidigen Kopf, seine Zunge, die ihren Weg zur Innenseite meiner Schenkel sucht. Er zieht mein Höschen hinunter, und ich fühle zwischen meinen Beinen seinen heißen Atem auf meiner Pussy. Und dann tanzt seine delikate, perfekte Zunge über meine Klitoris und taucht in meine Falten.

Oh, Mann! Diese Zunge ist, wie seine Augen, sicher schon überall gewesen. Sie könnte tausend Jahre alt sein. Eine Zunge, die Geishas, transsexuelle und babylonische Huren entzückt hat. Seine Zunge füllt meine Spalte, ein Daumen reibt über meine Pussy. Ich komme schnell und hart und keuche auf Onkels Schaft. Dafür umklammert er meinen Kopf, damit ich nur nicht vergesse, sein Vergnügen über meins zu stellen.

»Hey, sie ist eine gerissene, kleine Nutte, nicht wahr?«, brüllt Onkel.

Seine Stimme ist laut und beherrscht den ganzen Raum. Er redet mit einem Dritten. Nicht mit dem Neffen und ganz sicher nicht mit mir. Ich wende mich von dem orientalischen Prachtstück ab und sehe mich um, während ich mir Speichel von meinen Lippen wische.

Natürlich Tom. Höllenhund, verdammter. Ich hatte ihn total vergessen. Er steht mitten in dem weißen, kleinen Durchlass und sieht ein wenig verwirrt aus. Wirklich, ich hatte an den Mann, den ich liebe, keinen Gedanken mehr verschwendet. Was kann frisches Fleisch doch so alles mit einem Mädchen anstellen! Tom starrt düpiert, seine Kinnlade ist nach unten gefallen. Einen Augenblick lang fürchte ich, dass mein blauäugiger Junge entsetzt ist, aber dann sehe ich, dass ihn die Situation interessiert.

»Mein Gott!«, höre ich ihn nur sagen. »Was bist du doch versaut.«

»Komm, komm«, schreit Onkel und springt von seiner Teppichburg. »Willkommen, mein Bruder, willkommen!« Er knufft Tom freundschaftlich und schlägt ihm auf die Schulter, so wie es uralte Bekannte machen.

»Soll sie deinen auch lutschen?«, brüllt Onkel selbstzufrieden und lacht schallend.

Ich vermute, dass Tom genauso wie ich von irgendetwas einen Knall bekommen hat. Vielleicht waren es wirklich die getrockneten Igel. Er lächelt, und ich weiß genau, was er in seinem üblichen Singsang sagen wird: ›Ich habe nichts dagegen.‹ Genauso wie er auch sagt: ›Wo wollen wir den Kaffee zu uns nehmen, hier oder dort?‹ Oder: ›Reis oder Nudeln?‹

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