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Zu Hause in Prag - manchmal auch anderswo

Inhaltsübersicht

Zu Hause in Prag – manchmal auch anderswo

Mein Hausengel

Die Schiffskarte

Das halbe Gesicht

Wie sie wirklich heißt, weiß ich nicht. Aber als ich die junge Frau mit dem unwahrscheinlich weißen Gesicht in eine ziemlich saubere Decke gehüllt auf einem Treppenabsatz am Weg zur Londoner Royal Festival Hall kauern sah, still, ein bißchen abweisend, offensichtlich auf Almosen wartend, aber keineswegs (oder noch nicht?) bettelnd, fiel mir ein, sie könnte Virginia heißen. Vielleicht wegen einer gewissen Ähnlichkeit mit dem schönen, durchgeistigten Antlitz und den traurigen Augen der Schriftstellerin Virginia Woolf.

Ich liebe dieses Stückchen London am südlichen Ufer der Themse mit dem Blick auf den respekteinflößenden, von jahrhundertealter Geschichte imprägnierten Komplex des Parlamentes, vor allem aber mag ich den unruhigen Fluß mit seinem Auf und Ab von Ebbe und Flut, den geschäftig dahinziehenden Handelskähnen und Schleppern und den Dampfern mit laut in verschiedenen Sprachen plappernden Touristen. Hier rieche ich, schmecke ich geradezu schon die Nähe des Meeres, die Aufgeschlossenheit der Welt.

Während man diese Aussicht genießt, hat man eine Konzerthalle, Ausstellungsräumlichkeiten, Cafeterias, ein Filmmuseum, einen Buchladen und fliegende Kioske – auch solche mit Büchern – hinter sich. Auf der asphaltierten Flußpromenade rasen Kinder und Jugendliche auf Rollschuhen und ständig perfektionierten Rollplanken vorbei, während ihrer Mittagspause hetzen männliche und weibliche Jogger in sportlicher Aufmachung am Wasser entlang. An seiner Uferböschung sind in regelmäßigen Abständen Rettungsringe befestigt, mit dem strikten Hinweis, sie dürften nur im Notfall benützt werden. Im Notfall? Heißt das, wenn, Gott bewahre, ein Dampfer strandet, oder sollten hier manchmal Menschen ...

Ich sehe Virginia vor mir, ihr weißes Gesicht, die traurigen Augen. Aber nicht nur sie. Auf den Stufen zur Waterloo-Brücke gehe ich oft an einem Mann vorbei, der hier meistens mit einem Hund sitzt und die Passanten um »Kleingeld« anbettelt. Oben auf der Brücke verkaufen Obdachlose ihre Zeitschrift »Issue«.

Dieses Nebeneinander, dieses Auf und Ab, Ebbe und Flut, in unser aller Leben zwingt zum Nachdenken. Seit ich auf der Welt bin, und das ist schon ziemlich lang, gibt es für viele Menschen keine Arbeit. Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre, ist vor allem in den Jahren nach dem letzten großen Krieg in erschreckendem Ausmaß noch etwas neues Böses hinzugekommen: Obdachlose. Virginia in ihrer dünnen Jacke. Auch nachts?

Einmal mußte ich mich in London für die hiesigen Verhältnisse früh, das heißt kurz vor neun Uhr, zum Zahnarzt begeben. Auf der tagsüber pulsierenden Verkehrsader Strand im Zentrum der Riesenmetropole war es noch relativ ruhig. Fast geräuschlos und fließend glitten nur einige elegante Limousinen vorbei, die unbeirrbar an ihrer Tradition festhaltenden kastenartigen Taxis und zweistöckige Stadtbusse. Unter den großen Schaufenstern feiner Geschäfte mit zauberhaften Toiletten, vielversprechender Kosmetik und dem märchenhaften Angebot von köstlichen Früchten und Leckerbissen aus nahezu aller Herren Länder lagen und schliefen noch die Londoner Obdachlosen. In Decken eingewickelt, manche in Schlafsäcken, andere nur in Zeitungen und Plastikhüllen verpackt. Sie waren von Kopf bis Fuß vermummt, diese Menschengestalten unter den Schaufenstern des Überflusses, man konnte nur ungefähr ahnen, ob hier ein Mann oder eine Frau schlief. Als ich unwillkürlich stehenblieb, machte mich jemand darauf aufmerksam, daß diese Menschen oft auf Gittern lagen, durch die heißer Dampf aus den Heizanlagen hochstieg. Die Zentralheizung der Obdachlosen.

Gleich allen anderen Passanten setzte auch ich meinen Weg fort, blickte nur immer wieder bestürzt zu den abgelegten Paketen ähnelnden Häuflein unter den großen blitzenden Glasscheiben hin und machte dabei mit einemmal eine ganz persönliche überraschende Entdeckung. Wo immer ich gewesen bin, wohin mich auch meine unruhigen Geschicke verschlagen haben, stets und überall war ich mit einem Dach über meinem Kopf versehen. Sie waren zwar recht verschiedenartig, meine vier Wände auf dieser Welt, mitunter nicht gerade einladend, manchmal ein wenig kurios, aber selbst wenn sie keineswegs wohnlich waren, erklärte ich sie dennoch zu meinem privaten Winkel und – sei es auch nur vorübergehend – zu meinem freiwilligen oder auch aufgezwungenen Zuhause. Das konnte eine Freude sein oder wenigstens ein Spaß, notfalls ein letzter Rettungsanker.

Du hockst auf der Straße, Virginia. Wenn ich an dir vorbeigehe, schnürt mir etwas das Herz zu. Mitleid, Scham? Wer weiß. Dabei ist mir nicht einmal bekannt, ob das dein hartes Schicksal ist, ob es so sein muß oder ob du es gar so haben willst. Auch so etwas gibt es. Wie auch immer. Ich möchte dir von meinen verschiedenartigen vier Wänden erzählen. Denn so, wie ich mich geborgen fühle, wenn ich mich in Gedanken mit guten Menschen umgebe, unter denen ich mich einmal wirklich bewegt habe – neben all den neuen, die wunderbarerweise immer noch hinzukommen – , so will ich versuchen, für dich, obdachlose Virginia, aber auch für mich selbst manche der Haltestellen zu beleben, die es auf meinem Weg gegeben hat und die mich zweifellos ein wenig mitgeprägt haben.

Mein erstes Zuhause war in Prag. Ich habe es nicht gewählt, ich wurde dort hineingeboren. Und zwar in das Vorstadtviertel Karlín (Karolinenthal), in eine sehr lange Vorstadtstraße an der Grenze zu den Industrievierteln Libeň und Vysočany. Wir waren eine bürgerliche Familie, die Menschen ringsum waren es auch. In Libeň und Vysočany dagegen lebten vorwiegend Arbeiter. Wenn von ihnen die Rede war, wurden sie oft als Proletarier bezeichnet. Darunter konnte ich mir nichts Richtiges vorstellen, fand das Wort jedoch fremdartig schön, versuchte es zu singen. Denn was eine Arie ist, das hatte mir meine musikliebende Mutter schon sehr bald erklärt; über Proletarier äußerte sie sich eher zurückhaltend. Die Erläuterung meines Vaters, der besser tschechisch sprach – aber »proletář« klang anders –, war dürftig und für mich keineswegs zufriedenstellend. Es handle sich um Männer und Frauen, die arbeiten, bemerkte er kurz. Ich staunte. Vater und Mutter arbeiteten doch auch, und sie bezeichnete niemand mit diesem sonderbaren Namen.

»Gilt das auch für die Frauen in der Sodawasser- und Keksfabrik hier im Hof?« wollte ich wissen.

»Ja, oder nein. Frag nicht soviel.«

Also fragte ich nicht mehr und hielt mich lieber an das musikalisch klingende deutsche Wort. (Daß es auch Arier gab, entging damals noch völlig meiner Kenntnis.) Die Nähe der Proletarierviertel machte sich allerdings von Zeit zu Zeit durchaus unmusisch, laut und ungestüm bemerkbar. Auf ihrem Weg zu Arbeitslosendemonstrationen im Zentrum der Stadt – und die gab es im Laufe der zwanziger und frühen dreißiger Jahre immer häufiger – oder zu den großen Manifestationen am Feiertag der Arbeit, dem 1. Mai, zogen Schulter an Schulter lärmende, wie mir schien, geradezu unbändige Menschenmengen, aus den Proletariervierteln kommend, an unserem Haus vorbei. Ich durfte sie aus dem Fenster betrachten, mußte aber den Mund halten, und wenn ich verstohlen, wie ich glaubte, denen dort unten begeistert zuwinkte, wurde mir das Fenster sofort energisch vor der Nase zugeschlagen. Die aufgebrachte Straße war für mich jedoch ungemein anziehend, um mein Leben gern wäre ich mit den krakeelenden Menschen mitmarschiert. Und weil man mir das zügellose Geschehen dort unten so gut wie nicht erklärte, versuchte ich schon als Kind über diese aufregend interessanten, überdies scheinbar eine unbestimmte und unbekannte Gefahr und unheimliche Kraft darstellenden Männer und Frauen mehr zu erfahren. Die Schule kam für solche Erkundungen nicht in Frage, das hatte ich bald heraus. Da hielt ich mich schon lieber an die Frauen aus der Sodawasserfabrik im Hof unseres Wohnhauses. Die waren immer sehr freundlich, steckten mir, wenn ich ihnen auf ihrem Heimweg begegnete, mitunter ein paar Kekse zu, und so entschloß ich mich eines Tages zu der Frage: »Bist du auch eine Proletarierin?«

Die so angesprochene Frau lachte. »Selbstverständlich«, sagte sie belustigt, »warum willst du das wissen?«

»Weil ich dich am ersten Mai vom Fenster aus gesehen habe. Warum singt ihr auf der Straße (Prolet-Arien?), tragt bedruckte Fahnen (damit meinte ich die Spruchbänder), haltet euch an den Händen und zieht alle irgendwohin?«

Sie lachte noch ein wenig, erklärte dann aber ganz ernst: »Weil wir um ein besseres Dasein kämpfen.«

Das war nun wieder einmal typischer Erwachsenenjargon. Ich war zwar ein bißchen stolz, daß die Frau mit mir wie mit einem Erwachsenen sprach, hatte aber kaum eine Vorstellung davon, was hinter diesen Worten steckte.

Und doch, so glaube ich heute, fing damals bei mir allerhand an. Ich begann nachzudenken. Denn daß da etwas mit dem Neben- und Miteinander der Menschen in meinem nächsten Umkreis nicht stimmte, fühlte ich. Es gab Dinge, Geschehnisse und Menschen in meiner Umgebung, die mir rätselhaft und somit verlockend erschienen und die ich kennen und verstehen wollte.

»Du bist keine Proletarierin?« fragte ich einmal meine Mutter.

»Um Gottes willen«, beunruhigte sie sich, »natürlich nicht. Warum fragst du danach?«

»So«, sagte ich kurz, denn manchmal kam ich auch mit meiner an sich verständnisvollen und klugen Mutter nicht zu Rande. Auch konnte ich nicht verstehen, warum unüberhörbar Angst in ihrer Stimme mitschwang.

»Macht nichts«, fügte ich deshalb noch beschwichtigend hinzu, »in unserer Klasse sind auch keine.«

Da lachte meine Mutti, und mir fiel ein Stein vom Herzen, weil ihre Angst wieder weg war.

Mancher vorerst unverständlichen Erscheinung konnte ich, als ich heranwuchs, auf den Grund kommen, anderen nicht. Geblieben ist mir die Unruhe.

Auch heute noch glaube ich, daß die Nähe dieser »um ein besseres Dasein« kämpfenden Menschen mir, obwohl ich wohlbehütet in einem Kinderzimmer mit gesticktem Tischtuch und guten Eßmanieren aufwuchs, offenbar von Kindheit an ihren Stempel aufgedrückt hat. Allmählich vermeinte ich, mehr zu wissen, erklärte mich, als ich heranreifte, mit den Wunschvorstellungen benachteiligter Menschen spontan solidarisch. Erst viel später mußte ich mir entgeistert und zutiefst verletzt eingestehen, daß mir die Kehrseite der angestrebten gerechten Sache allzulange verheimlicht und verschlossen geblieben war. Ich war in meiner Jugend schneller und lieber begeistert als sachlich und vernünftig abwägend.

Aber was ist dir widerfahren, Virginia? Hat dich Ungerechtigkeit oder Gleichgültigkeit aus der Bahn geworfen? Hast du dich mit einem bitteren Los resigniert abgefunden? Ist es über dich hereingebrochen, oder hast du etwa (dein so weißes Gesicht) selbst daran mitgewirkt? Sah ich doch manchmal einen glühenden Glimmstengel zwischen deinen dünnen zitternden Fingern. Gewiß, ich habe kein Recht, danach zu fragen, bin ja nur einer der hastig an dir vorübereilenden Passanten. Bist du jedoch imstande, dir selbst solche Fragen zu stellen? Kannst du das noch?

Meine Kindheit in der elterlichen Wohnung hat noch eine weitere ganz andersartige, zwar bedauerliche, aber nicht unbedingt schicksalhafte Spur an mir hinterlassen. Meine Mutter war, wie schon gesagt, musikliebend. Und so war sie froh, daß wenigstens eine ihrer drei Töchter, nämlich ich, diese Veranlagung von ihr mitbekommen hatte. Sie beschloß, mir Klavierunterricht erteilen zu lassen. Zu diesem Zweck wurde ein gleichfalls musikalisch begabter entfernter Verwandter engagiert. Dieser junge Mann war mir – ich war damals ungefähr zehn, zwölf Jahre alt – von allem Anfang an herzlich unsympathisch. Ich fand ihn pedantisch, langweilig und ständig mißgelaunt. Auch war er ein bißchen plump und hatte für meinen Geschmack zu große Hände. Das Klavier meiner Mutter, ein Flügel, stand in unserem sogenannten Speisezimmer, das nur bei festlichen Anlässen benützt und ansonsten im Winter nicht beheizt wurde. Deshalb mußte ich zum Üben und zu den freudlosen Unterrichtsstunden wenigstens zwei Wolljacken anziehen, was ich weder schön noch bequem fand, weil ich, so ausgestattet, nur beschwerlich die Arme bewegen konnte. Da es in den Nachmittagsstunden in der Stube mit den massiven dunklen Möbeln bald finster wurde, befand sich auf dem Klavier eine kleine Tischlampe, um die Tasten und vor allem das Notenblatt zu beleuchten. Auch diese Lampe war dunkel, aus brauner Bronze, und sie besaß zudem die Eigenheit, jedesmal, wenn ich sie anknipste, meiner kalten Hand einen leichten elektrischen Schlag zu versetzen. Ich kam mir in dem unterkühlten Zimmer neben dem unfreundlichen Verwandten, der mir auch noch unentwegt mit dem Fuß klopfend den (seinen) Takt angab, in meine Wolljacken gepreßt und den elektrischen Schlägen der Lampe ausgesetzt, wie verwunschen vor. Im angenehm erwärmten Kinderzimmer konnten meine beiden Schwestern inzwischen lesen, spielen oder gar nichts tun. Während ich in dieser frostigen Einöde ...

Dem konnte meine Musikliebe nicht standhalten. Meine Mutter hielt meine Klagen für übertrieben, und so kam es, daß ich nie Klavierspielen erlernt habe.

Dein Kollege, Virginia, der Obdachlose mit dem schönen dunklen Gesicht auf der Waterloo-Brücke, zupft manchmal auf einer Gitarre Cowboy-Melodien. Du bist immer reglos und still. In ihm spürt man noch Leben, von dir geht uferlose Traurigkeit aus. Hast du schon alles aufgegeben? Weil in unsere Karolinenthaler Wohnung auch noch meine inzwischen verheiratete ältere Schwester mit ihrem arbeitslos gewordenen Mann und einem kleinen Söhnchen einzog, wollte ich, kaum war ich achtzehn Jahre alt, diese übervölkerte Behausung tunlichst schnell verlassen. Mitbestimmend war dabei mein dringender Wunsch nach Selbständigkeit. Infolge der verschlechterten finanziellen Lage der Familie war ich bereits längere Zeit angestellt und somit für mein bestehendes und, wie ich hoffte, einmal auch »besseres« Dasein verantwortlich. Stand, wie man sagt, schon auf eigenen, wiewohl noch ein bißchen unsicheren Füßen. Überdies vollzog sich in meinem Leben gerade noch eine weitere grundlegende Veränderung: Ich erhielt meinen ersten journalistischen Posten in der aus Hitlers Drittem Reich in unsere Stadt emigrierten AIZ-Arbeiter-Illustrierten-Zeitung.

Auf der Suche nach eigenen vier Wänden, denn eine Untermiete kam nicht in Frage, da hätte ich ja gleich in der elterlichen Obhut bleiben können, zog ich kreuz und quer durch Prag. Eines Tages hatte ich dann endlich Glück. Mitten in der Altstadt, in unmittelbarer Nähe des geschäftigen Zentrums und nur wenige Schritte vom historischen Kern entfernt, fand ich in der Melantrichgasse Nr. 7 unter dem Dach eine winzige Mansarde mit fließendem Wasser und einem großen Fenster. Die Lage, vor allem aber dieses nicht auf die Straße, sondern nach hinten ins Freie ausgerichtete Fenster gaben den Ausschlag. Auch war das Zimmerchen so klein, daß ich die Miete dafür problemlos aufbringen konnte. Meine Einrichtung bestand aus einer schmalen Couch, die mir Freunde überlassen hatten, einem kleinen Schreibtisch, einem Stuhl, einem elektrischen Kocher und einem einflügeligen Kleiderschrank. Wollte ich diesen Kasten öffnen, mußte die Zimmertür zu sein. Wollte ich sie aufmachen, mußte der Schrank geschlossen bleiben. Mein Frühstück servierte ich mir auf dem Schreibtisch, die Toilette befand sich in einem Miniaturvorraum und wurde auch von meiner Nachbarin aus dem etwas größeren Zimmer zur Straße hin benützt. Der begegnete ich nur selten.

All das war gut, aber nicht allzu wichtig. Wunderbar war es, im Herzen der Stadt und nicht mehr an ihrer Peripherie in der endlos langen Vorstadtstraße zu wohnen. Und dann der Blick aus dem Fenster! Kaum war ich eingezogen, kaufte ich einen Blumentopf mit einer dunkelrosa blühenden Zyklame und stellte ihn auf den Schreibtisch. Nun war ich hier zu Hause.

Meine Übersiedlung in die Melantrichgasse fand im Frühling statt. Aus meinem Fenster über den Dächern, Giebeln und Türmen der Altstadt konnte ich bis zu den hellgrünen Hängen des einstigen Laurenziberges und nunmehrigen Petřínhügels blicken. Wenn man scharf hinschaute, konnte man die groben, zackigen Umrisse der sogenannten Hungermauer erkennen, die den Hang in zwei Teile trennt und von Karl IV., dem gütigen »Vater Böhmens«, errichtet wurde. Durch diesen Eingriff sollen der Prager Kleinseite etliche Weinberge zugefallen sein. Die gibt es leider längst nicht mehr, inzwischen ist der Petřín vor allem zum ersten Mai – aber durchaus nicht nur dann – zum gern und traditionell aufgesuchten Ort für Stelldicheins von Prager Liebespaaren geworden. Symbolisch muß dabei dem dortigen Denkmal des Dichters Karel Hynek Mácha ein Besuch abgestattet werden. Auch Václav Havel hat mit seiner Frau Olga an dieser Tradition festgehalten.

Auf dem Petřín duftete der Flieder, dort steckten die Kastanienbäume voll weißer und rosa Blütenkerzen, und die Rasenflächen waren mit unzähligen kleinen Sonnen des Löwenzahns gesprenkelt. So genau konnte ich all das aus meinem Fenster natürlich nicht wahrnehmen, aber ich wußte davon, und an lauen Abenden segelten die Duftwolken bis zu mir herüber; ich lag im Fenster, schaute in das Dämmerlicht und war ganz eingesponnen in meine Prager Traumwelt.

Das Haus Nr. 7, in dem ich wohnte, ist das schmalste in der kurzen Melantrichgasse. Das gefiel mir, und dabei war ich froh, daß mich – was überraschend war – in dem alten Bau ein Aufzug bis hinauf zu meinem Dachzimmer transportierte. Wenn ich jedoch aus der kleinen Haustür trat und nach wenigen Schritten vor dem Altstädter Rathaus stand, tauchte ich manchmal, wie von unsichtbarer Hand gelenkt, in der Welt von Gestern und Vorgestern unter, in der Prager Judenstadt. Hier vermeinte ich geradezu das Rascheln langer Gewänder, auch das eilige Trippeln ständig um ihre Lieben besorgter, ausnahmslos mit einer Kopfbedeckung ausgestatteter Familienmütter zu hören. Dieses Bekleidungsstück besagte, daß die Frau verheiratet war und nur mehr ihrem angetrauten Gatten gefallen durfte. Porträts aus jener Zeit verraten allerdings, daß so mancher von ihnen das oft recht kunstvoll verzierte Häubchen außerordentlich gut stand und ihre Schönheit – gewollt oder ungewollt – verführerisch unterstrich.

Auch das unverständliche Raunen betender Männer aus den verschiedenen Synagogen schien hier auf mich einzudringen, all das Schwerverständliche, mit Mystik und Legenden, auch Verständnislosigkeit und bösen Verleumdungen behaftete, nur zum Teil enträtselte Geheimnisvolle, das in diesen engen Straßen in der Luft hing, als ob inzwischen nicht Jahrhunderte vergangen wären. Weiß denn heute überhaupt noch jemand, daß die jüdischen Bürger der Stadt im 17. Jahrhundert Ferdinand III. bei der Verteidigung Prags gegen die schwedischen Eindringlinge geholfen haben? Zum Dank widmete er ihnen eine Fahne, die mehrere Kriege und Regimes überlebt hat und die man nunmehr in der Alt-Neuschule besichtigen kann.

Ich betrat allerdings fast nie eine Synagoge, war dazu von Haus aus nicht angeleitet worden. Was mich jedoch faszinierte, waren die Spuren des Lebens, die ringsum verankert blieben, die Zeichen der Zugehörigkeit zur Gemeinschaft der Menschen, die nur auf diesem begrenzten Stückchen unserer Stadt hausen durften – und die hier nicht nur hausten, sondern so lebten, daß man ihrer noch heute mit Respekt, aber auch ein wenig erschaudernd, vielleicht sogar beschämt und betroffen gedenkt. Wie oft wurden die Bewohner dieser Gassen und Plätze nicht verfolgt, aus ihren Heimen verjagt und umgebracht.

Als ich Mitte der dreißiger Jahre in nächster Nachbarschaft des einstigen Prager Ghettos wohnte, bildete es noch keine Touristenattraktion und wurde nur sporadisch von Ausländern aufgesucht. Wenn ich den Alten Jüdischen Friedhof betrat, wo die Menschen schon in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts bestattet worden waren, war ich zumeist ganz allein. Nur große schwarze Raben flogen laut krächzend von den Bäumen auf die Grabsteine nieder und dann wieder zurück in die dichten Baumkronen. Waren auch sie uralt? Was hatten sie hier schon gesehen, wen hatten sie schon begleitet? Kennen sie etwa das Geheimnis des an diesem Ort gleichfalls begrabenen Rabbi Löw, der den wandelnden Homunkulus Golem erschaffen haben soll? Haben sie später, in jüngster Vergangenheit, gesehen, was mit den Menschen aus ihrer Umgebung geschah? Sie stehen zu Recht unter Denkmalschutz, diese schwarzen Zeugen von einst, die von all dem nichts verraten.

Einmal schloß sich mir ein alter Mann an, der hier eine Art Wächter und Fremdenführer in einer Person darstellte. Da nur selten jemand kam, den er herumführen konnte, begann er wohl wenigstens mit mir ein kleines Gespräch.

»Bist du Jüdin?« fragte er und nahm seine Hornbrille ab, vielleicht, um mich besser betrachten zu können.

»Ja.«

»Wo wohnst du?«

Merkwürdige Frage. »In der Melantrichgasse.«

»Also in der Nähe. Kommst du öfters hierher, ich habe dich noch nie gesehen.«

»Nein, nur manchmal.«

»Warum?«

»So. Man geht nicht oft auf einen Friedhof.«

»Nein? Auch wenn er dir erzählen kann, was du sonst nicht erfährst?«

Ich stutzte. Verstand den unausgesprochenen Vorwurf, aber auch das blaß angedeutete Angebot.

»Ich weiß nur sehr wenig«, sagte ich in der Hoffnung, den alten Mann zum Erzählen anzuregen.

»Das habe ich schon erkannt«, bemerkte er trocken, »also hör jetzt zu.«

Er setzte die Brille wieder auf, strich ein paar weiße Haarsträhnen unter seinen runden schwarzen Hut, blickte gleichsam über mich hinweg und erklärte mir zuerst die Zeichen der verschiedenen jüdischen Stämme auf den verwitterten Grabsteinen: Hände für die Aron und Kohein, eine Kanne für die Löwi, für die Jehuda ein Löwe usw. Auch den Beruf der Verstorbenen könne man von den uralten Steinen ablesen, sagte er und blickte mich nun wieder an, selbst wenn die Zeichen oft erheblich verwaschen seien.

»Schau genau hin«, forderte er mich auf, »eine Schere besagt, daß hier ein Schneider ruht, ein Mörser deutet einen Apotheker an, eine Pinzette einen Arzt.« Nach diesen Ausführungen machte er eine Pause, hustete ein wenig, schneuzte sich gewaltig und fuhr dann fort:

»Merk dir«, er legte mir eine knochige, von blauen Adern durchwirkte Hand auf den Arm, »diese Menschen haben etwas Ordentliches vollbracht und können über ihren Tod hinaus darauf zurückblicken. Das sollten wir nicht vergessen. – Studierst du, oder hast du schon einen Beruf?«

»Ich arbeite in einer Redaktion.«

Er hielt in seiner Bewegung inne und musterte mich kritisch.

»Und da sagst du ganz ruhig, daß du nur wenig weißt? Eine Zeitung, liebes Kind, ist doch für viele gedacht. Also sieh zu, daß du nicht weniger weißt, sondern eher mehr als die Menschen, die dein Zeug lesen werden. – Und komm auch öfters hierher, damit du spürst, wohin du gehörst. Damit meine ich natürlich nicht unter die Toten. – Schalom.«

Mit diesem Gruß, der Frieden heißt, ließ er mich stehen und stapfte gemächlich davon. Ich blieb wieder allein mit den Raben, lief noch ein bißchen zwischen den Grabsteinen mit den eingemeißelten, wie mir schien beschwörend erhobenen Händen umher, versuchte nun allein, die Zeichen von einst zu lesen, und verließ dann gleichfalls den Friedhof. Auf dem Heimweg in die Melantrichgasse kaufte ich mir ein Täfelchen Schokolade, um auf andere, fröhlichere Gedanken zu kommen.

Wohin gehörst wohl du, Virginia? Von irgendwo mußt du doch kommen. Was ist mit dir geschehen, was hat dich auf diesen Treppenabsatz am Weg zur Royal Festival Hall gebracht?

Du schweigst, blickst abweisend vor dich hin, verharrst in deiner bitteren Verschlossenheit. Da geht jemand an dir vorbei, eine Gestalt von Tausenden, das ficht dich kaum noch an. Die sollen ein paar Pennies neben dich fallen lassen. Mehr erwartest du nicht.

Das Jahr 1939 war für mich ein Scheidepunkt; ein Kapitel meines Lebens fand ein jähes Ende. Von einem Tag auf den anderen ging alles drunter und drüber. Prag war mit einemmal nicht mehr die Hauptstadt der Tschechoslowakei, die gab es nicht mehr, sondern eines »Protektorats Böhmen und Mähren« und mußte den triumphalen Blick des »Führers aller Deutschen« vom Balkon seiner stolzen Burg auf dem Hradschin ertragen. Aber das war nur der Anfang. Ich wage gar nicht, daran zu denken, was meinem klugen Begleiter auf dem Alten Jüdischen Friedhof widerfahren sein mußte. Hätte ich seinen Namen gekannt, würde ich ihn wohl unter den Tausenden finden, die nunmehr an den Wänden der Pinkas-Synagoge am unteren Ende des Friedhofs, den er liebte und hütete, angeschrieben stehen. Die Namen der Menschen aus unserem geradezu höhnisch »Protektorat« betitelten Land, die in giftigen Flammen aufgegangen sind.

Mir blieb dieses Schicksal wundersamerweise erspart. Mein Los waren Jahre des Exils. Auch das klingt beinahe tragisch; was ich erlebt und überlebt habe, war jedoch vor allem dramatisch. Gewiß, mitunter auch tragisch, doch immer aufregend, neu und also im Grunde genommen bereichernd. Denn ich war jung und wurde sozusagen über Nacht in die große Welt versetzt. Zuerst landete ich in Paris.

Über das Exil in der französischen Hauptstadt hatte ich schon zu Hause allerhand gehört. Nach der Machtübernahme Hitlers im benachbarten Deutschland suchten zahlreiche Menschen in Prag Zuflucht. Es gab unter ihnen politisch Verfolgte und rassisch Verfolgte, Arbeiter und Studenten, Künstler und solche, die es erst werden sollten, manche waren schon im Dritten Reich verhaftet gewesen, andere konnten gerade noch der Festnahme entkommen. Für die bereits prominenten Schriftsteller, Künstler und Journalisten war meine Heimatstadt oft nur ein Umsteigplatz. Ihr endgültiges Ziel war Paris.

Das dortige Leben, von dem sie erwartungsvoll und für meine Ohren in schillernden Farben sprachen, versuchte ich mir in meiner Melantrichmansarde oft ein wenig vorzustellen. Die Cafés auf den großen Boulevards, wo man anscheinend auf Schritt und Tritt über Berühmtheiten stolperte, die Galerie Lafayette, die gar keine Galerie war, sondern angeblich ein riesiges Kaufhaus, den Eiffelturm, unvergleichlich höher als unser bescheidenes Eiffelchen auf dem Petřín, die vielen Museen und historischen Denkmäler, die eleganten Pariserinnen, das ganze tolle Geschehen in der französischen Metropole.

Und da wurde ich mit einemmal, ohne darauf vorbereitet zu sein, in diese sagenhafte Lichterstadt katapultiert. Jetzt war ich selbst Emigrantin.

Meine erste Nacht in Paris. Ich verbrachte sie in einem winzigen Hotelzimmer – hier wohnte man auch dauerhaft in Hotels – und keineswegs allein, obwohl niemand mit mir Tisch und Bett teilte. Die Katastrophe der Besetzung meiner Heimat durch Hitlers Wehrmacht hatte ich aus der Ferne bei einem zufälligen journalistischen Kurzaufenthalt in Rumänien erlebt. Der zog sich etwas in die Länge, weil ich nicht mehr nach Hause zurückkehren konnte und infolgedessen allerhand Stempel, Bewilligungen, Fahrkarten besorgen und andere notwendige Gänge erledigen mußte. Erst dann konnte ich aufbrechen und landete nach einem längeren Umweg über Italien in Frankreich und in dem winzigen Pariser Hotelzimmer.

Ich warf mein bißchen Gepäck in den Kasten, hing meine Tasche, in der sich noch Reste meines Reiseproviants befanden, an die Klinke des ungewöhnlich hohen Fensters, fiel völlig durchgedreht und todmüde auf das französisch breite Bett und schlief wohl sofort ein.

Nach einiger Zeit weckte mich ein lautloses und zugleich doch geräuschvolles Rascheln, verbunden mit einem gewissen Luftzug. Erst lauschte ich ein wenig in der unruhigen Dunkelheit, ob nicht etwa ein bedrohliches Wesen um mein Bett strich, dann faßte ich mir ein Herz und knipste das Licht auf dem Nachttischchen an. Du meine Güte!

Meine Reisetasche schaukelte gewaltig hin und her (das hatte offenbar den Luftzug hervorgerufen, den ich verspürt hatte), und auf einer Leiste, die über die wildgemusterte Tapete bis zum Griff des Fensters führte, marschierten in beiden Richtungen munter, fast in geschlossenen Reihen, kleine und größere Mäuse. Sie schlüpften in die Tasche, dort piepsten sie ein bißchen, wahrscheinlich im Kampf um einen ordentlichen Brocken, dann erschienen sie wieder, manche noch mit einem Krümel zwischen den kurzen Barthaaren, und kehrten flink in ihre unsichtbaren Schlupflöcher zurück. Es hatte den Anschein, als ob die Mäuse aus dem ganzen Hotel bei mir zu Gast waren, denn so viele konnten kaum in dem kleinen Zimmer hausen.

So also sah meine erste Nacht in Paris aus. In der Mäuseresidenz blieb ich allerdings nur wenige Tage, wobei sich die folgenden Nächte dort schon ruhiger gestalteten, weil ja auch von meinem Reiseproviant nichts mehr übrig war.

Emigranten haben immer und überall ständig mit den Behörden ihres Gastlandes zu tun. Oder genauer, sie werden ständig von seinen Behörden mit Verwarnungen, Vorladungen, Verboten und Anweisungen heimgesucht. Ich erhielt in Frankreich Aufenthaltsverbot im Departement Seine, in dem sich Paris befindet. Das war schlimm, denn wo in der Provinz hätte ich mich mutterseelenallein zurechtfinden und tunlichst auch noch einen Lebensunterhalt auftreiben können? Ganz abgesehen davon, daß ich, wenn schon hierher verschlagen, den Wunsch hatte, Paris auch auszukosten und zu genießen. Und nun wollte man mich aus dieser Märchenstadt verjagen. Jemand riet mir, im benachbarten Departement Seine-et-Oise um Aufenthaltsbewilligung nachzusuchen, da sei man schon weniger streng. Ich versuchte es, und – o Wunder! – es gelang. Man gab mir den ersehnten Stempel, und so konnte ich mich in Versailles etablieren, das eine elektrische Zugverbindung mit Paris hatte, die kaum eine halbe Stunde in Anspruch nahm. Überdies lebte dort mein Prager Freund und Nachbar aus der Melantrichgasse, der Rasende Reporter Egon Erwin Kisch, mit seiner Frau Gisl. Hier war ich nicht allein.

Das Hotel, in dem ich einzog, hieß Moderne, was es freilich bei weitem nicht war. Aber das bereitete mir keine Sorgen. Wiederum bekam ich eine Mansarde und hatte, wie in der Melantrichgasse, eine schräge Zimmerdecke über dem Kopf, was auf mich anheimelnd wirkte. Nur gab es hier kein großes, sondern eher ein recht kleines Fenster, und die Aussicht war ganz anderer Art als die zu Hause.

Was sich jetzt meinem Blick darbot, waren nicht Dächer und Türme wie in Prag, sondern das niedrige Gebäude des Ballhauses, das als Jeu-de-Paume in die französische Geschichte eingegangen ist. Dort haben in stürmischer Zeit die Abgeordneten des Dritten Standes am 20. Juni 1789 den Schwur geleistet, bis zur Schaffung einer Verfassung für ganz Frankreich gerade hier als Nationalversammlung auszuharren und zu funktionieren.

In der besonderen Atmosphäre von Versailles lernte ich nun einen neuen Egon Erwin Kisch kennen. Hier waren es nicht die Prager Legenden und Pariser Histörchen, die aus ihm hervorsprudelten, sondern wahre Begebenheiten, auch Anekdoten, aus der revolutionären Geschichte Frankreichs.

»Warst du schon im Ballhaus?« erkundigte sich mein Versailler Hausgenosse am zweiten Tag nach meinem Einzug.

»Aber Egonek, ich bin ja noch kaum da, muß mir vor allem einen Kocher besorgen.«

»Kocher ist wichtig, das sehe ich ein, aber Umschauen ebenso. Komm am Abend hinunter, die Gisl serviert uns ein Prachtmenü, und dabei sage ich dir, was du dir als erstes anschauen sollst und wohin wir dann zusammen gehen werden.«

Das Prachtmenü bestand aus Kartoffeln mit Ei, die Gisl Kisch unentwegt und unverdrossen für jede beliebige Anzahl von Gästen an jedem beliebigen Tag produzierte. In den nächsten Wochen wunderte ich mich, wie sie und Egon diese Speise überhaupt noch zu sich nehmen konnten. Aber in ihrem Emigrantenhaushalt mußte immer sehr gespart werden.

Viel später, etliche Jahre nach Kriegsende, las ich unter anderem Erinnerungsbücher der Gattin Franz Werfels und der Sekretärin Lion Feuchtwangers. Dabei erstaunte mich, wie relativ gut, sogar sehr gut die finanziellen Verhältnisse dieser Schriftstellerkollegen unseres Prager Egonek in der schwierigen Zeit im französischen Exil waren, wobei Kisch damals doch auch schon lange einen klanghaften Namen hatte, seine Bücher erzielten große Auflagen in verschiedenen Sprachen, aber Frau Gisl konnte neben den eleganten Damen in literarischen Kreisen bestenfalls durch ihre sprichwörtliche Bescheidenheit auffallen. Die kümmerlichen Verhältnisse der beiden im Versailler Hotel Moderne waren mir ein Rätsel. Aber auch solche Unterschiede bildeten einen Bestandteil der Emigration der »verbrannten deutschen Schriftsteller« in den bewegten und oft unüberschaubaren dreißiger Jahren.

»Warst du schon im Ballhaus?« wiederholte Kisch zwei Tage später seine Frage, und diesmal nickte ich. »Und hast du das Bild des Mannes rechts oben nicht übersehen? Das vom Arzt Doktor Guillotin, der das Fallbeil erfunden haben soll, nach ihm Guillotine benannt. Man bezeichnete es, weil es blitzschnell funktioniert, sogar als fortschrittliche Einrichtung. Für das 18. Jahrhundert mag das vielleicht gegolten haben, obwohl auch damals ... Aber heute, im zwanzigsten, ist es ein Verbrechen und eine Schande für uns alle, daß es die Nazis skrupellos gebrauchen. Schau ihn dir gut an, den Doktor Guillotin, wenn nun mal sein Porträt in unserer Gasse hängt. – Hast du übrigens schon einen Kocher?«

Den besaß ich bereits, und als ich ihn zum erstenmal –

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