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Zimmerservice inklusive

Inhalt

Einleitung: Sex-Magie

Einweg von Ariel Graham

Egoistisch von Donna George Storey

Klimaanlage. Farbfernsehen. Live-Nixen. von Anna Meadows

Beweis der Begierde von Remittance Girl

Schalldicht von Emily Moreton

Ein Inspektor kommt von Suzanne Fox

Unterwerfung mit Hindernissen von Suleikha Snyder

Entfesselt im Holiday Inn von Lily K. Cho

Travelodge Tess von Justine Elyot

Reisespesen von Elizabeth Silver

Rückkehr zum Nonchalant Inn von Erobintica

Deacon von Tahira Iqbal

Liebe – laut wie eine Bombe von Steve Isaak

Abendschule von Valerie Alexander

Schmutzig von Andrea Dale

Bitte komm wieder von Tenille Brown

Schmutzig weißer Briefumschlag von Ellie Vokes

Parkplatzparty vor dem Cedar Inn von Delilah Devlin

Stilettos Volltreffer von Michael A. Gonzales

Sonderwünsche von Rachel Kramer Bussel

Rachel Kramer Bussel

Zimmerservice
inklusive

Erotische Hotel-Storys

Aus dem amerikanischen Englisch von
Irma Motte

Einleitung: Sex-Magie

Hotelzimmer haben etwas Magisches an sich. Alles Mögliche kann hier passieren. Die Reisenden in diesen Geschichten wissen darüber bestens Bescheid, denn in ihren Hotel- und Motelzimmern kommt es zu vielen heißen Begegnungen.

Natürlich darf beim Sex im Hotel die käufliche Liebe nicht unerwähnt bleiben, doch in diesem Sammelband bekommt das Thema eine besondere Note. In der Geschichte »Abendschule« von Valerie Alexander beispielsweise treffen ein Callboy und eine Rezeptionistin aufeinander, und in »Sonderwünsche« dreht sich alles um eine sehr engagierte Hotelangestellte. Die Mitarbeiter des Hotels spielen eine ebenso große Rolle wie die Männer und Frauen, die ohnehin im sinnlichen Gewerbe arbeiten.

Hotels geben uns die wunderbare Möglichkeit, unsere Lieblingsfantasien auf riesigen, weichen Betten auszuleben, auf denen sich unzählige Kissen türmen, die sich hervorragend als Kopfstütze oder zur Dämpfung von Lustschreien eignen. Wir können dem heimlichen Vergnügen nachgehen, die Gäste im Nachbarzimmer zu belauschen oder den Flur hinunterschleichen, um vielleicht einen Blick auf etwas Pikantes zu erhaschen. Viele Figuren in diesem Buch benutzen das Hotel, um ihrem Alltag zu entfliehen, und lassen sich auf erotische Abenteuer ein, von denen sie immer schon heimlich geträumt haben. Hotels lassen uns alle Ängste vergessen, sie bringen uns dazu, bei geöffneten Vorhängen die Hüllen fallen zu lassen, bei einer Orgie mitzumachen und andere ausgefallene Sexpraktiken auszuprobieren.

In »Einweg« von Ariel Graham entdeckt ein Pärchen die eigene Leidenschaft für Hotel-Sex und Exhibitionismus wieder. In Donna George Storeys Geschichte »Egoistisch« nimmt sich die Mittvierzigerin Isabel vor, etwas Neues, Risikoreiches zu wagen – ein mutiger Schritt, der sich für sie mehr als bezahlt macht. Der Titel von Anna Meadows Geschichte »Klimaanlage. Farbfernsehen. Live-Nixen.« lässt bereits ahnen, was darin passiert. Trotzdem: In dieser modernen Adaption der kleinen Meerjungfrau steckt so viel Zärtlichkeit und Verlangen, dass sich eine vollständige Lektüre auf jeden Fall lohnt.

Die Figuren in »Beweis der Begierde« von Remittance Girl bekommen ganz genau das, und in den Worten der Autorin ist dieser Beweis heiß, wild und leidenschaftlich: »Da war es. Verlangen. Eine Sehnsucht, die so stark pulsierte, dass sie die Stille des Zimmers übertönte. Ja, es schmerzte. Es war ein schöner Schmerz, ihm so nah zu sein, die Schweißperlen auf seiner Brust zu sehen, den schwachen Duft von Seife auf seiner Haut zu riechen, und das süße Öl, mit dem er seinen Schwanz eingerieben hatte. Und dann war da noch der üppige Moschus-Duft, den sein Körper verströmte.«

Das Hotel in Emily Moretons »Schalldicht« ist alles andere als das, was bei Sam in einer schweißtreibenden, heißen Angelegenheit mündet, als er dem Pärchen im Nebenzimmer beim Sex zuhört. Suzanne Fox reizt den Leser mit einem humorvollen und doch sexy Krimi-Wochenende in »Ein Inspektor kommt« – ja, genau, den Titel dürfen Sie gern zweideutig verstehen. »Unterwerfung mit Hindernissen« von Suleikha Snyder entführt uns passenderweise nach Las Vegas – kein Buch über Erotik im Hotel wäre vollständig ohne Sex in der Stadt der Sünde. Lily K. Cho widmet sich den ungewöhnlichen Vorlieben eines Ehepaares in »Entfesselt im Holiday Inn«. In dieser Geschichte macht die Ehe zwischen Mark und Angie einen gewaltigen Schritt nach vorn, als Mark seinen Hintern für ein bisschen Spanking entblößt und damit ihrer Beziehung neues Leben einhaucht. »Travelodge Tess« aus Justine Elyot’s cleverer Geschichte ist bei der Arbeit, was sie jedoch nicht davon abhält, eine Menge Spaß zu haben. Elizabeth Silver zeigt uns einen glühenden Dreier in »Reisespesen«: Margo, Tonya und Javier spielen ausgiebig mit Sexspielzeug – und miteinander.

Nostalgie ist angesagt in Erobinticas »Rückkehr zum Nonchalant Inn«, denn Gerald und Jillian besuchen noch einmal das kleine Inselhotel, in dem sie bereits vor zwanzig Jahren abgestiegen waren. Sie wollen herausfinden, ob sie an ihre Leidenschaft von damals anknüpfen können. Tahira Iqbal beschäftigt sich mit dem Besitzer eines Hotelimperiums, einem modernen Conrad Hilton namens Mark Deacon, in »Deacon«. Dieser Immobilienkönig lässt es sich nicht nehmen, seine Hotels und eine ganz besondere Angestellte eigenhändig zu inspizieren. Steve Isaaks kurze, aber eindrucksvolle Geschichte »Liebe – laut wie eine Bombe« handelt von der Angst, die ein Tsunami auf Hawaii auslöst, und einer Hellseherin, die ihren Orgasmus mit einer Katastrophe zeitlich abstimmt.

Geschichten über Frauen, die beruflich mit Erotik zu tun haben, gibt es zuhauf. »Abendschule« wartet mit einer überraschenden Wendung auf, denn hier erfährt ein Callboy die Freuden der lustvollen Unterwerfung. Eine Kundin entpuppt sich als Domina, und die beiden üben eine Macht aufeinander aus, die zugleich beunruhigend und belebend ist: »Er starrte die Wand an und lächelte dieses verlegene Lächeln. Da erst verstand ich, was wirklich in ihm vorging: Ich war diejenige, die man gerufen hatte, und er war derjenige, der dies getan hatte. Er wusste nicht, wer von uns beiden der Kunde war, er oder ich, und diese Unklarheit raubte ihm alles Selbstvertrauen.«

In »Schmutzig« von Andrea Dale kommt es wegen eines Sturms zum Stromausfall, aber der hält Lea und Jon nicht davon ab, die Grenzen ihrer heimlichen Affäre auszuloten. Tenille Brown gelingt es in »Bitte komm wieder« das Thema Obdachlosigkeit nicht als ein problematisches zu behandeln, sondern als etwas Menschliches. Denn Randall hat seine Sehnsucht nach Wärme und Zuwendung nicht verloren und ist überglücklich, als Simone sie ihm schenkt.

Rollenspiele rücken in den Mittelpunkt in »Schmutzig weißer Briefumschlag«, die mit folgendem Satz beginnt: »Ich habe drei Jahre gebraucht, um Ron zu gestehen, dass ich wie eine Hure behandelt werden möchte.« Die erfolgreiche Autorin Delilah Devlin schenkt uns »Parkplatzparty vor dem Cedar Inn«, in der die schamlose Kelsey sich gleich um zwei Kerle kümmert, die von ihr nicht genug bekommen können. Michael A. Gonzales macht uns mit seiner sexy Heldin Miki Jamison bekannt, einer 45jährigen Schwarzen, die vor langer Zeit als Schauspielerin in zweifelhaften Streifen zu gewisser Berühmtheit gelangt ist und sich in einem luxuriösen Hotelzimmer und in den Armen ihres Co-Stars rekelt. Zu guter Letzt lernen wir Francine in »Sonderwünsche« kennen. Sie ist berühmt dafür, ihren Gästen jeden Wunsch zu erfüllen, und als Claudine sich von ihr eine Orgie wünscht, an der sie ebenfalls teilnehmen soll, nimmt Francine die Herausforderung gerne an.

Jede dieser Geschichten fängt etwas von dem Nervenkitzel ein, der Sex im Hotel eigen ist, und ich hoffe, Sie genießen sie zu Hause, in einem Hotel oder wo immer Sie sich auch aufhalten mögen. Vielleicht lassen Sie sich durch diese Geschichten sogar inspirieren, wenn Sie das nächste Mal im Urlaub, auf Geschäftsreise oder auf einem Wochenendausflug sind.

Rachel Kramer Bussel

Einweg

»Sind wir hier vorher schon mal abgestiegen?«, fragte Mia, während Tom damit kämpfte, den Koffer aus dem Fahrstuhl zu bekommen. Der Koffer war blau und seine Rollen schienen von einem verrosteten Einkaufswagen zu stammen, zumindest blockierten sie bei jeder kleinsten Unebenheit und quietschten so laut, dass es in den Ohren wehtat.

Tom sah sie erschöpft an, bis ein anderer Hotelgast im Fahrstuhl die Nase voll hatte und dem Koffer einen Stoß gab, sodass dieser samt Tom endlich aus dem Aufzug plumpsten.

»Ach richtig. Ich hab total vergessen, was Hotels mit dir anstellen.« Er grinste, und seine dunklen Haare fielen ihm ins Gesicht. Mit fünfunddreißig und nach sieben Jahren Ehe sah er immer noch aus wie der Achtundzwanzigjährige, den sie damals beim Baseball spielen beobachtet hatte. Tom und Mia arbeiteten für dasselbe Software-Unternehmen, und Tom war einer der Stars der firmeneigenen Baseballmannschaft. Um ihn kennenzulernen, hatte sie nicht einmal davor zurückgeschreckt, dem Team beizutreten, obwohl sie Baseball hasste wie die Pest. Daher endete ihre »Leidenschaft« für Baseball bereits nach kurzer Zeit, und zwar an dem Tag, als Tom sie das erste Mal nach einem Date fragte. Niemand im Team versuchte, sie zum Bleiben zu bewegen.

Sie verabscheute Baseball, doch sie liebte Tom. Und Schokolade. Und Reisen. Und die Unabhängigkeit, die sie in Menschenmassen bei großen Tagungen spürte: Ein Namensschildchen und eine Anmeldegebühr genügten, und sie konnte sein, wer auch immer sie sein wollte. Große Menschenansammlungen stimulierten ihre exhibitionistische Ader – Hotelzimmer ebenfalls.

Wann immer sie einen Hotelzimmerschlüssel berührte, genügte die Vorstellung, dass ihn zuvor unzählige andere Gäste in den Händen gehalten hatten, um in Mia das Gefühl zu wecken, sie sei auf einer Bühne. Sie stellte sich einen Erzähler vor, der jede ihrer Bewegungen beschrieb, während sie den Koffer auspackte, sich an- oder auszog, telefonierte oder Cornflakes aß. Das Gefühl, beobachtet zu werden, störte sie nicht im Geringsten. Im Gegenteil.

Sie und Tom schritten gemeinsam durch die schnurgeraden Gänge des Hotels, an den Wänden hingen Bilder von weiten Wüstenlandschaften. Mia grinste unwillkürlich. Die beiden kamen gerade erst aus der Wüste, genauer gesagt von ihrer Firmenzentrale in Phoenix, und hatten hier in Los Angeles, weiß Gott nicht mit solch einem Dekor gerechnet.

Sie begegnete Toms Blick und wollte gerade etwas sagen, als er schon losprustete.

»Ich hab’s bemerkt. Und weißt du was, ich bin mir sicher, das Hotel in Phoenix hat Bilder vom Pazifischen Ozean an den Wänden.«

Mia lachte und fuhr sich durch die glatten, blonden Haare, die ihr bis in den Nacken reichten. »Was ich noch besser fände, wäre, wenn sie alles zusammenwürfeln würden – Wälder, Wüsten, Berge, Palmeninseln – wie ein großes Multiple-Choice-Quiz, bei dem man dann erraten müsste, welches Dekor passt zu welchem Standort, und …«

Tom hielt an und presste die zierliche Mia mit seinem großen, muskelbepackten Körper gegen die Wand. »Bitte, bitte, hör auf damit. Ich verspreche dir auch, dass ich dich ordentlich durchvögeln werde, sobald wir in unserem Zimmer sind.«

Sein Grinsen reichte von einem Ohr zum anderen, und Mia, die staunend zu ihm hochblickte, leckte sich über die Lippen und hakte die Zeigefinger in seine vorderen Gürtelschlaufen ein.

»Und ja, wir waren hier schon mal. Vor ungefähr zwei Jahren, bei der Einweihungsparty von Enterprise Fox. Ich hab dir noch meinen Kumpel aus dem College vorgestellt. Derrick, der Manager?«

Sie nickte, obwohl sie sich nicht erinnern konnte.

Tom grinste erneut. »Na ja, egal, dir hat es auf jeden Fall gefallen.« An einem seiner Vorderzähne fehlte ein Stück, und er war ein wenig schief. Wenn Tom den Mund geschlossen hatte, sah er aus wie ein männliches Supermodel; wenn er grinste, war er einfach nur ihr Tom.

Um ihn zu ärgern, fragte sie: »Hingen denn diese Bilder damals auch schon?«

»Na, na, na. Hatten wir nicht eine Abmachung?« Sein Blick wurde hungriger.

»Hört sich vielversprechend an.« Sie machte sich von ihm los. »Komm schon, beeilen wir uns.« Ohne auf ihn zu warten, stürmte sie den Gang hinunter, schaute nach rechts, schaute nach links und suchte vergeblich nach ihrer Zimmernummer. Plötzlich hörte sie einen Pfiff. Tom! Er lachte und deutete mit dem Kopf in die entgegengesetzte Richtung des Gangs. Mia liebte Hotels, aber sie fand sich einfach nie in ihnen zurecht.

Als sie endlich im richtigen Zimmer waren, erinnerte Mia sich. Ja, das hier kam ihr bekannt vor. Während Tom sich auf die Suche nach Eiswürfeln und Getränken machte, packte Mia aus und sah sich im Geiste dabei zu. Immer wenn sie sich in der Öffentlichkeit bewegten, war sie sich Toms groß gewachsener, muskulöser Gestalt bewusst, seiner gebräunten Haut, seiner dunklen Augen und Haare. Sie schmiegte sich dann gern an ihn, um seinen Körper zu spüren. Ihr war es egal, wenn ihr die Leute dabei zusahen. Sie mochte es sogar.

Wenn man das Hotelzimmer betrat, gab es zur Linken einen winzigen Kleiderschrank und zur Rechten den Eingang zum Bad, das mit kaltem Linoleum ausgelegt und ziemlich spärlich eingerichtet war … Mit den Badezimmern in Hotels konnte Mia absolut nichts anfangen.

Ging man an dem Schrank vorbei, so erreichte man eine zweite Tür, die der Gast noch mit einem normalen Schlüssel öffnen musste und nicht mit einer elektronischen Schlüsselkarte. Diese Tür führte offenbar ins Nebenzimmer. Ihr Zimmer war ein großer Raum mit Schreibtisch, Sessel, Fußbank und Balkontüren aus Glas. Gegenüber dem Schreibtisch stand ein Doppelbett.

Es war der gedrungene, quadratische Spiegel über dem Schreibtisch, an den Mia sich erinnerte. Sie musste grinsen, stieß den störrischen Koffer beiseite und setzte sich aufs Bett. Ihr Spiegelbild lachte ihr frech ins Gesicht, und sie dachte daran, wie Tom ihr damals mehrere Kissen unter den Kopf geschoben hatte, damit sie hoch genug lag, um sie beide im Spiegel zu sehen. Danach hatte er sie zur Seite gedreht und beide hatten beobachtet, wie er sie von hinten vögelte. Das war zwei Jahre her, und seitdem war viel passiert. Heute ging es ihnen besser. Viel besser. Trotzdem spürte sie bei der Erinnerung an damals eine Hitze, die in ihrem Dekolleté begann und bis hinunter zwischen ihre Beine strahlte.

Sie atmete tief ein und aus, beobachtete, wie sich ihre Brust hob und senkte. Dann ließ sie beide Hände langsam über ihre Brüste wandern, umfasste sie und stellte sich vor, wie jemand ihr von der anderen Seite des Spiegels zusah. Einweg oder Zweiweg? Mia vergaß immer wieder, wie es richtig heißen musste, wenn man auf der einen Seite einen Spiegel hatte, auf der anderen jedoch ein Fenster. An was sie sich noch gut erinnerte, war eine Fernsehreportage, die die Machenschaften eines skrupellosen Vermieters aufdeckte. Dieser hatte hinter jedem Spiegel im Haus eine Kamera installiert, um seine Mieter zu filmen, vorzugsweise die Ehefrau und Töchter der Familie. Für die Frauen war das Ganze eine traumatische Erfahrung; für Mia hingegen war es eine erotische Fantasie.

Gerade als sie sich fragte, wo Tom abgeblieben war, und ob ihre eigene Orientierungslosigkeit wohl auf ihn abgefärbt hatte, betrat der Vermisste das Zimmer.

»Ich hab dir eine Cola Light mitgebracht. Und Eis.« Tom stutze einen Moment und begann dann laut zu lachen. »Was treibst du denn da?«

Sie stand dicht vor dem Spiegel und versuchte herauszufinden, ob die Münze, die sie dicht vor die reflektierende Oberfläche hielt, eine doppelte Münze innerhalb des Spiegels erzeugte. Nicht, dass sie mit dem Ergebnis viel würde anfangen können. Sie vergaß nämlich ständig, ob eine doppelte Reflexion »Spiegel/Spiegel« oder eben »Spiegel/Fenster« bedeutete.

Mia drehte sich um, grinste und warf die Münze in die Luft. »Beschleicht dich in Hotelzimmern nicht auch immer das Gefühl, dass dich irgendjemand von irgendwo beobachtet?«

Tom stellte die Coladosen und den Eiswürfelbehälter auf einem der Nachttische ab. »Nein«, antwortete er in seinem »Du-bist-total-verrückt-aber-ich-liebe-dich-trotzdem«-Tonfall. »Dich beschleicht dieses Gefühl. Ich fühle mich in Hotelzimmern immer nur verdammt unanständig.« Langsam kam er auf sie zu und umarmte sie. Mias Hände arbeiteten flink: Zuerst rissen sie die Tagesdecke vom Bett, dann knöpften sie Toms Jeans auf, worauf Tom sich ihrer entledigte und sich aufs Bettende setzte. Mia stand nun vor ihm, vollständig angezogen und mit einem lustvollen Grinsen im Gesicht. Nach einem langen, intensiven Kuss ließ sie ihre Lippen langsam hinab über seine breite Brust wandern. An seinen Bauchmuskeln verweilte sie, zeichnete sie mit ihrer Zunge nach, bevor ihre Lippen der Spur aus dunklem Haar folgten, die sie geradewegs zu seinem dicken, harten Schwanz führte. Kleine, feuchte Perlen der Vorfreude bedeckten die Eichel. Mia schaute zu Tom hinauf, grinste spitzbübisch und berührte seine Erektion kurz mit der Zungenspitze. Tom knurrte leise, lachte anschließend, umfasste ihren Hinterkopf und drängte seinen Schwanz in ihren Mund, bis er vollständig verschwunden war. Dann stieß er genussvoll zu, immer und immer wieder, während er abwechselnd stöhnte und etwas vor sich hinmurmelte, was Mia nicht verstand. Nun ja, sie konnte nicht fragen – schließlich hatte sie den Mund voll –, dennoch schien ihr fragender Blick genug zu sagen, denn Tom wiederholte seine Worte.

»Das sieht so gut aus.« Und ein paar Momente und Stöße später: »Zieh dich aus, komm aufs Bett und dann mach da weiter, wo du aufgehört hast. Ich will aus einer anderen Perspektive zuschauen.«

Seine Worte trafen Mias Muschi wie ein Blitzschlag. Sie wurde feuchter, holte tief Luft und saugte und leckte Toms Schwanz für eine Minute besonders heftig. Dann ließ sie ihn los, zog sich Oberteil und BH aus, während Tom alle Kissen auf dem Bett aufeinanderstapelte. Als Nächstes war ihre Jeans an der Reihe, dann ihr Tanga. Ein durchtriebenes Grinsen huschte über ihr Gesicht, als Tom sich nach hinten fallen ließ und sie leicht aufgestützt erwartete. Sie kroch zwischen seine Beine, kniete sich hin, sodass ihr Hintern weit nach oben ragte, und nahm den prallen Schwanz, der sich ihr entgegenreckte, tief in den Mund. Tom stöhnte.

»Das ist fantastisch. Gott, ich kann von hier sehen, wie feucht du bist. Spiel mit dir.«

Das ließ Mia sich nicht zweimal sagen. Doch zuerst vergnügte sie sich noch mit seinen Eiern. Mit einer Hand streichelte sie seine Hoden, die andere Hand führte sie zwischen die eigenen Beine, streichelte und rieb sich die rasierte Muschi, wobei sie ihren Saft über die heißen, geschwollen Schamlippen verteilte. Als sie mit zwei Fingern um ihre Klit kreiste, konnte Tom sich nicht mehr zurückhalten. Mia wusste, wonach ihm verlangte, und sie kam dem Wunsch nur zu gern nach. Die zwei Finger, die eben noch ihre pulsierende Knospe umspielt hatten, fanden nun den Weg in ihre Pussy. Im gleichen Takt, wie ihre Lippen an Toms Schwanz rauf- und runterfuhren, fuhren ihre glitschigen Finger in und aus ihrer Muschi. Dann kam sie, ihr Innerstes umschloss krampfhaft ihre zwei Finger, ihr Schoß pulsierte und sandte Stromschläge durch ihren gesamten Unterleib. Auch Tom bemerkte es, lachte vor Freude und musste tief Luft holen, als er sah, dass Mia bereits zur nächsten Runde ausholte. »Nein, komm zu mir hoch.« Er zog sie auf sich und küsste sie innig, während sie schon ihr Becken über seinem besten Stück kreisen ließ. Sie war geil wie ein College-Luder, das sich auf dem Autorücksitz vergnügt.

»Dreh dich um«, flüsterte er, knabberte noch einmal an ihrer Unterlippe und ließ sie dann los. Mia drehte sich um, sodass sie ihm den Rücken zukehrte und in den Spiegel sah. Was für ein Anblick! Langsam ließ Mia sich auf Toms Schwanz nieder, umschloss ihn ganz mit ihrer heißen, nassen und gierigen Pussy. Sie ritt auf ihm und sah sich dabei im Spiegel an: die Wangen gerötet, die Beinmuskeln angespannt, die Nippel hart und rot. Sie sah, wie ihre Spalte sich öffnete, als Tom tief in sie hineinstieß, sah die von ihrem Saft glänzenden Schamlippen und die feuchten Innenseiten ihrer Schenkel.

»Komm, reite weiter, Cowgirl.« Toms Gesicht war lustverzerrt. Sie bewegte ihre Hüften heftiger, beobachtete, wie ihre Brüste von der Wucht von Toms Stößen auf- und abschwangen und wie Toms dicker Schwanz wieder und wieder in ihr verschwand. Sie konnte alles sehen – und das konnte jeder, der vielleicht zusah. Kein Spiegel, sondern ein Fenster. In Mias Vorstellung saß hinter dem Spiegel eine Gruppe von Leuten: Produzenten, Regisseure oder Kameramänner; Leute, die sie filmten. Obwohl das Arbeit für sie wäre, so wären sie trotzdem ziemlich angetörnt. Mia bewegte sich schneller und dachte an die Kameras, an das Video, das alle Welt zu sehen bekommen würde. Ihre Finger der rechten Hand massierten ihre Klitoris, sie beobachtete noch, wie ihr Kopf nach hinten fiel, dann verlor sich alles in einem heftigen Höhepunkt, und Tom übernahm das Tempo. Und er nahm sie hart.

»Von hier kann ich alles genau sehen«, sagte er hinter ihr. »Einfach geil!«

Sie grinste und protestierte auch nicht, als er sich ein paar Minuten später aus ihr herauszog, sie auf den Rücken warf, ihre Beine über seine Schultern legte und sich kniend so tief und so fest er konnte in sie versenkte.

Mia drehte den Kopf Richtung Spiegel, erblickte das eigene ekstatische Gesicht, als sie und Tom kurz vor dem Höhepunkt waren. Dann schloss sie die Augen und gab sich ganz dem himmlischen Gefühl hin, von Tom gevögelt zu werden.

Danach schliefen sie eng umschlungen ein – ein friedliches Bild, das auch im Spiegel über dem Schreibtisch zu sehen war.

Als sie die Augen öffnete, waren nur Minuten vergangen. Ihr Körper glühte und strahlte eine ungeheure Hitze aus. Tom wachte ebenfalls auf, sah Mias geöffnete Augen, beugte sich zu ihr und küsste sie lange. Danach setzte er sich auf und grinste wie eine Katze, die gerade einen Kanarienvogel verspeist hatte – obwohl es doch eigentlich Mia war, die eben noch eine Menge zu schlucken gehabt hatte.

»Was ist?«, fragte sie und ahnte schon, dass etwas faul war.

»Tja«, antwortete Tom, während er aufstand und seine Boxershorts anzog, »ich dachte, du würdest vielleicht gern das Video sehen.«

Mia fiel die Kinnlade herunter. »Wie bitte?«

Er grinste breit und hielt ihr einen Schlüssel aus Metall unter die Nase. Verwirrt schüttelte Mia den Kopf.

Daraufhin deutete er auf die Wand, wo der Schreibtisch stand. Daneben befand sich die Verbindungstür zu einem anderen Hotelzimmer. Die besaß ein Schloss.

Mia schaute erst Tom an, dann die Tür und schließlich den Schreibtisch und den Spiegel darüber. Langsam machte es klick, und der anfängliche Schock verwandelte sich in pure Freude.

»Ich war mir sicher, du hättest auf dem Weg hierher den Getränkeautomaten am Ende des Ganges gesehen und dich gewundert, wo zum Henker ich hingegangen bin.« Wieder grinste er. »Es hat ein klein wenig gekostet, doch dann hat der Hotel-Manager sein Okay gegeben.«

Jetzt hielt Mia nichts mehr. Sie sprang in seine Arme, verschränkte die Hände hinter seinem Nacken und küsste ihn stürmisch. »Ich wette, das Video ist grandios«, sagte Tom nach einer Weile, setzte Mia aufs Bett und verschwand im Zimmer nebenan.

»Und ich wette, es ist so gut, dass es nach sofortiger Wiederholung schreit«, sagte Mia, während sie darauf wartete, dass Tom mit dem Video zurückkam. Ausnahmsweise freute sie sich darüber, dass es nur sie beide waren, die es zu sehen bekommen würden.

Egoistisch

Es gibt für alles ein erstes Mal.

Isabel richtete den Gurt ihrer Umhängetasche. Die Tasche war schwerer als sonst, was nicht verwunderlich war, schließlich enthielt sie eine Menge extra »Zubehör«. Noch einmal straffte sie die Schultern, dann sprach sie Christine an, die heute an der Kasse arbeitete.

»Ich hab einen Termin bei der Bank und muss danach noch was erledigen. Bis drei sollte ich aber zurück sein.«

Christine runzelte die Stirn.

»Also, die haben nicht vor, mir den Gerichtsvollzieher auf den Hals zu hetzen oder so was«, sagte Isabel leichthin. Es war eine Schande, die Sorge im perfekten Gesicht ihrer vierundzwanzigjährigen Kollegin zu sehen. »Alles Routine. Keine große Sache.«

Aber natürlich war es das. Eine verdammt große Sache sogar.

Tu einmal am Tag etwas für dich. Etwas Egoistisches. Einfach, weil du es willst.

Als Isabel in die Tiefgarage des Hyatt fuhr, dachte sie, dass sie bestimmt nicht die einzige Frau auf dem Planeten war, der unter Stress plötzlich die Stimme ihrer Therapeutin im Kopf herumspukte. Und war das nicht schließlich der Sinn einer Therapie: negative Selbstgespräche durch positive, lebensbejahende Monologe zu ersetzen?

Bis jetzt war sie Tracys Anweisungen für die Woche ohne Fehl und Tadel nachgekommen. Sie hatte ihren Mann gebeten, Abendessen zu machen und danach den Abwasch zu erledigen, als sie selbst wegen einer Lesung im Buchladen verhindert war. Sie hatte ihre Tochter dazu überredet, auf dem Weg vom Training im Bioladen vorbeizuschauen und dort die bestellte Lieferung abzuholen – eine große Zeitersparnis. Und sie hatte sich eine neue Kaffeetasse gegönnt, und das nur, weil ihr die helle Farbe gute Laune bereitete.

Das Geschenk, das sie sich heute machen wollte, war allerdings ziemlich anspruchsvoll: ein Hotelzimmer mieten, einen waschechten Banker verführen und sich danach neue, unanständige Reizwäsche zulegen. Sie bezweifelte, dass ihre Therapeutin das gut finden würde.

Isabel fuhr bis zum Parkservice-Bereich, wo ein Hotelmitarbeiter bereits darauf wartete, den nächsten Wagen einzuparken. Dort machte sie den Motor aus. Ihr Herz raste. Und sie war noch nicht mal beim schwierigen Teil angelangt.

Aber es gab für alles ein erstes Mal. Sogar mit vierundvierzig.

Obwohl sie sich in dem Moment, als sie dem jungen Pagen den Autoschlüssel übergab, eher wie achtzehn fühlte. Mit achtzehn hatte sie das erste Mal einen Mann verführt, weil sie vor dem College noch unbedingt ihre Jungfräulichkeit loswerden wollte. Dave war neunundzwanzig gewesen, lebte getrennt und war ein Freund ihres Schwagers. Sie hatte bemerkt, dass er sie attraktiv fand, und ihn kurzerhand zu sich nach Hause eingeladen, wo sie ihn zuerst küsste und dann fragte, ob er ihr Erster sein wollte. Nach einer längeren Pause, in der Isabel das Herz aus der Brust springen wollte, antworte Dave schließlich in seiner weisen, reifen Art: »Natürlich, Isabel. Ich würde mich geehrt fühlen, mit dir zu schlafen.«

Alles, was danach passierte, war irgendwie verschwommen, wie Bilderschnipsel aus einem Film, die in warmes, goldenes Sommerlicht getaucht waren: Daves geschlossene Augen, als seine Lippen ihre berührten. Der sanfte Druck seines Fingers zwischen ihren Brüsten. Als ob er ihr Herz streichelte. Doch heute wusste sie es besser: Obwohl er ihre Brüste geküsst und an ihren Nippeln geknabbert hatte, sodass ihre Muschi ganz feucht geworden war, und obwohl er sie ganz vorsichtig genommen hatte, hatte er sie doch niemals wirklich berührt. Beide waren nur mit sich selbst beschäftigt gewesen. Isabel, die vor sich hingestarrt und gedacht hatte: Das ist also vögeln … Ist das alles?, und Dave, der sich wie in Trance in ihr bewegte, wahrscheinlich – so vermutete sie heute – weil er deprimiert war und mit seinen eigenen Dämonen und Trieben genug zu tun hatte.

Es gab allerdings auch einen wertvollen Moment: der Anblick des Gesichts ihres ersten Liebhabers, als sie sich rittlings auf ihn setzte und ihre Pussy seinen harten Schwanz ohne Widerstände aufnahm und ihre geschwollenen Nippel vor seinen Lippen tanzten. Er hatte so unwahrscheinlich glücklich ausgesehen, und bei dem Gedanken daran machte ihr Herz einen Sprung.

War es das, was sie wollte? Noch einmal diese Macht fühlen?

Als Isabel die Hotelrezeption erreichte, schenkte sie dem jungen Angestellten dort ein kurzes Lächeln. Jeder, der ihr heute über den Weg lief, schien so verdammt jung zu sein. Bei genauerem Hinsehen bemerkte sie allerdings, dass der Rezeptionist doch schon Ende zwanzig sein musste, genauso alt wie Dave damals gewesen war. Sie spürte einen Anflug von nostalgischer Lust.

»Ich habe auf den Namen Isabel O’Shea reserviert. Mir wurde gesagt, dass Sie mir auch ein Zimmer vor der offiziellen Check-in-Zeit geben können.«

»Ja, das stimmt. Heute ist das auf jeden Fall möglich.«

Mit erhobenem Kopf sah Isabel sich in der Lobby um. Im Gegensatz zu den Leuten in Kinofilmen, die sich zum ersten Mal ein Hotelzimmer für das nachmittägliche Vergnügen nahmen, spürte sie absolute Zuversicht.

»Wie viele Zimmerschlüssel benötigen Sie?«

»Natürlich zwei«, antwortete sie und musterte ihn.

Er senkte den Blick. »Selbstverständlich.«

Im mittleren Lebensalter zu sein hatte durchaus seine Vorteile. Sie konnte viel besser flirten als früher, vor allem, wenn es nichts zu bedeuten hatte. Mit dem knackigen Rezeptionisten zu flirten war ein gutes Vorspiel für das, was sie später am Tag erwartete. Er reichte ihr die Schlüsselkarten, und ihre Finger berührten sich kurz. Sie lächelte vielsagend, bevor sie sich umdrehte und zu den Fahrstühlen schlenderte. Mit ihr betraten drei Geschäftsmänner den Aufzug, und schnell roch es in der kleinen Kabine nach einer Mischung aus Aftershave und Männerschweiß.

Isabel schluckte und spürte ihre Knie schwächer werden, so sehr berauschte sie dieser Duft. Vielleicht sollte sie den Banker sausen lassen und es stattdessen mit diesen drei Kerlen treiben? Von einem Gangbang hatte sie schon lange geträumt. Die drei müssten sich um sie herumstellen, sich ausziehen und dann würde sie sich an jedem einzelnen Schwanz laben. Was für ein Fest! Sie würde sie vergleichen: Wer hat den prallsten Schwanz, wer den längsten und wer die schönste Eichel? Anschließend würden sie sie kräftig durchficken, jeder in ein anderes Loch. Doch sie allein würde das Tempo bestimmen, bis zum endgültigen Kontrollverlust …

Tu einmal am Tag etwas für dich. Einfach, weil du es willst.

Der Fahrstuhl hielt im sechsten Stock, und die drei Anzugträger stiegen aus. Der Letzte von ihnen, ein braungelockter Adonis, drehte sich noch mal um, nickte ihr zu und lächelte keck. Als ob er Bescheid wüsste.

Ja, ganz genau. Ich bin eine geile Schlampe, die den Nachmittag im Bett mit einem schicken Anzugträger wie dir verbringen wird … Neidisch?

Isabel sprach ihre Gedanken jedoch nicht laut aus. Vielmehr lächelte sie dezent zurück, und zwar ihr Buchhändlerinnen-Lächeln, das auf Fremde höflich, aber nicht zu distanziert wirkte. Sie glaubte fest daran, dass ihr Laden so erfolgreich lief, weil sie sich intensiv um jeden Kunden kümmerte, immer bemüht, ihre Träume zu erfüllen. Denn nichts anderes waren Bücher schließlich: die Tür in eine andere Welt.

Ihr Zimmer befand sich im achten Stock, Nummer 815. Als sie vor der Tür stand, hatte sie eine genaue Vorstellung davon, welche Welt dahinter lag: ein Kingsize-Bett mit einem schwarz-weißen Poster darüber, das eine Häuserschlucht zeigte. Noch war das Zimmer leer und ruhig, aber später … Würde ein anderer Hotelgast, der zufällig hier vorbeiging, quietschende Bettfedern hören und das lustvolle Stöhnen von zwei Liebenden, die sich einander hingaben?

Sie konnte es nur hoffen.

Das Zimmer war tatsächlich geschmackvoll, wenn auch unaufdringlich eingerichtet. Genau so, wie sie es sich ausgemalt hatte. Sie zog die Korsage aus ihrer Umhängetasche und drapierte es auf dem Bett. Es war das Mieder einer Hure, aus rotem Satin und schwarzer Spitze und tief ausgeschnitten. Als Nächstes kramte sie die Strapse und die Seidenstrümpfe hervor, als Letztes die genoppten Kondome. Die bereiteten ihr besonders viel Vergnügen.

Und das war schließlich Sinn und Zweck des ganzen Unternehmens.

Während sie ein Kleidungsstück nach dem anderen auszog, bis sie nur noch ihre schlichte, weiße Ehefrauen-Unterwäsche trug, musste Isabell unwillkürlich an ihre erste Liebesnacht im Hotel mit ihrem Ehemann zurückdenken. Beide hatten bereits zwei Jahre voller Blümchensex hinter sich, deshalb hatte sie auch nicht damit gerechnet, dass ihre Hochzeitsnacht besonders spektakulär werden würde. Damals war sie noch davon überzeugt gewesen, sie würden nach der Hochzeitsfeier ohnehin zu erschöpft sein, um noch irgendwas zustande zu bringen. Vielen ihrer verheirateten Freunde war es jedenfalls so ergangen.

Isabel und ihr Mann hatten tatsächlich einen extrem anstrengenden Tag gehabt, trotzdem fragte sie sich später, ob in dem Hotel von damals jemals ein Pärchen abgestiegen war, das glühender gevögelt hatte als sie und ihr Mann in dieser Nacht. »Ich stelle mir vor, wir beide treiben es zum ersten Mal«, hatte sie zu ihrem Mann gesagt, als sie aufs Bett fielen. »Ich bin noch ganz unschuldig, ein verschämter Teenager.«

Er hatte gelächelt und sie auf sich gezogen. »Ja, das würde mir gefallen. Hab keine Angst, es wird gar nicht wehtun. Im Gegenteil: Es wird dir gefallen. Ich werd’s dir ordentlich besorgen. Und ich hab auch schon eine Idee, wie ich das anstelle.«

Isabell musste zugeben, dass sie niemals einen intensiveren Höhepunkt erlebt hatte als den, den ihr Mann ihr in der Hochzeitsnacht bescherte. Es war das erste Mal gewesen, dass ein Mann die Sachen, die er mit ihr anstellte, laut aussprach. Die verbotenen Worte hatten sie genauso erregt wie seine Berührungen. Gleich lecke ich deine Muschi. Mmmh, du schmeckst himmlisch. Deine Muschilippen sind verdammt nass und geschwollen – und deine Klit erst. Hart wie ein kleiner Diamant. Magst du das? Magst du es, wie ich deine Muschi lecke?

Oh ja. Ja. Hör nicht auf.

Dass er sie aufforderte, ebenfalls zu reden, hatte sie noch mehr angemacht. Aus ihrem Mund sprudelten plötzlich obszöne Wörter, sie fluchte und schrie: Fick meine Fotze, fick sie so richtig hart! und wunderte sich, wie sie es jemals vorher fertig gebracht hatte, beim Sex so ruhig und brav zu sein. Als sie kam, brüllte sie wie ein Tier, ließ sich dann erschöpft zurücksinken und weinte beinahe, so glücklich war sie.

Hatte der Trauschein diese Veränderung bewirkt? Oder war es einfach die Gewissheit, dass sie beide jetzt zueinandergehörten?

War es das, wonach sie heute suchte? Das Neue? Das völlige Loslassen?

Davon gab es nicht mehr viel in ihrem Leben. Ihr Mann und sie waren andere Menschen als damals. Sie führten unterschiedliche Leben. Isabels Therapeutin versicherte ihr, das wäre normal. Eine Ehe erforderte Arbeit. Aber in Isabels Augen war die Arbeit das Problem. Ihr Ehemann war ein wichtiger, viel beschäftigter Mann, der oft verreiste, und wer wusste schon, was er dort so trieb? Sie fragte nie danach. Sie sprachen nicht mehr so viel miteinander wie früher.

Wie groß war ihre eigene Schuld daran? Isabel presste die Lippen zusammen und verfluchte das schlechte Gewissen, das sich auf ihre Brust legen wollte. Nach allem, was sie ertragen hatte, schuldete er ihr einfach diese eine kleine Sünde. Bis zum heutigen Tag war sie eine vorbildliche Ehefrau gewesen. Manch einer würde sogar sagen, dass sie sich viel zu nett und entgegenkommend verhalten hatte. Durfte sie egoistisch sein und verlangen, dass etwas Neues passierte?

Es gab für alles ein erstes Mal.

Die Assistentin schenkte ihr ein breites Lächeln, als Isabel das Vorzimmer des Bankers betrat. Isabel glaubte allerdings auch, einen abfälligen Ausdruck auf dem Gesicht der jungen Frau zu entdecken, doch das war vermutlich Unsinn. Woher sollte sie schließlich wissen, dass Isabel unter dem einfachen blauen Kleid eine Korsage, Strapse, Seidenstrümpfe und keinerlei Unterwäsche trug? Sie rümpfte die Nase und versuchte sich zu entspannen. Sie verabscheute diesen Ort mit seinem Duft nach Metall, wo die Gier nach Geld größer war als jedes andere menschliche Bedürfnis.

Das würde sich heute ändern. Denn darum war sie hier.

»Er kann Sie nun empfangen, Ms O’Shea.«

Das Erste, was Isabel im Büro des Bankers auffiel, war das gravierte Namensschild auf dem Schreibtisch: Alexander K. Talbot. Der perfekte Name für einen Banker. Genauso passend für einen Banker war auch das Aussehen des groß gewachsenen Mannes, der hinter dem Schreibtisch saß: gepflegtes, blondes Haar, das an den Schläfen grau wurde, eine goldene Uhr am Handgelenk sowie ein teurer, maßgeschneiderter Anzug.

Sie musste sich ein Schmunzeln verkneifen und wurde sofort wieder ernst. Schließlich wartete ein Hotelzimmer auf sie.

»Die Quartalszahlen sind heute gekommen.« Ihre Stimme klang ernst.

Alexander K. Talbot runzelte die Stirn. »Von der Buchhandlung? Gibt’s ein Problem?«

»Wir müssen reden.«

Er neigte den Kopf, und in seinen Augen stand Sorge. Ärger wegen Geld. Sie wusste, damit hatte sie seine Aufmerksamkeit. Die Zeit war gekommen, zum Todesstoß auszuholen.

Es war einfacher, als sie es sich vorgestellt hatte. Die hemmungslose achtzehnjährige Abenteurerin lebte offenbar immer noch irgendwo in ihr.

Tu etwas Egoistisches. Einfach, weil du es willst.

Sie schritt hinter den Schreibtisch und blieb nur ein paar Zentimeter von seinem Arm entfernt stehen. »Mr Talbot, finden Sie mich attraktiv?«

Sein Kopf schnellte nach oben vor Überraschung.

Sie hielt den Atem an. Im nächsten Moment würde sich alles entscheiden.

Schließlich verzog sich sein Mund zu einem Lächeln. Er drehte seinen Stuhl, sodass er ihr ins Gesicht sehen konnte. In seinen Augen bemerkte Isabel ein Funkeln.

Sie atmete aus.

»Wer würde Sie denn nicht attraktiv finden?«, antwortete er galant. »Sie sind eine hinreißende Frau.«

Er dachte wahrscheinlich, mit banaler Schmeichelei käme er davon, doch da hatte er sich geirrt. »Ich muss unbedingt mit Ihnen sprechen, Mr Talbot, und zwar unter vier Augen. Haben Sie noch irgendwelche wichtigen Verabredungen heute? Treffen Sie jemanden zum Mittagessen?«

»Nein«, antwortete er vorsichtig.

Daraufhin schob sie ihm die Schlüsselkarte zu. »Gut. Kommen Sie ins Hyatt, Zimmer 815. Da warte ich auf Sie.«

Er zögerte kurz. »Alles klar.«

So einfach war das. Nach drei Tagen voller Pläne und Bedenken, dass es nicht funktionieren könnte.

Seine schnelle Zustimmung ermutigte sie. Sie nahm seine Hand und legte sie auf ihr Knie. Dann führte sie sie weiter nach oben, sodass er die Strapse fühlen konnte.

Er schluckte schwer und starrte auf ihren Schenkel.

»Sie werden doch kommen, oder?« Es klang mehr wie ein Befehl als eine Frage.

»Ich werde da sein. Geben Sie mir dreißig Minuten.«

Isabel ließ seine Hand los. Kurz musterte sie seinen Ehering. Was bedeutete ihm dieser Ring wohl noch?

Sie würde es schon bald herausfinden.

Das Hotelbett war kaum vorgewärmt, als sie das leise Klicken des Schlosses vernahm und jemand die Tür öffnete. Im nächsten Moment stand ihr Liebhaber für diesen Nachmittag am Fußende des Bettes. Er kniff die Augen zusammen, so wenig sah er im schummrigen Licht des Zimmers. Ein Tier, das überraschend aus seinem Käfig gelassen wurde.

»Sie sagten, Sie möchten etwas mit mir besprechen?«

Sie mochte das Zögern in seiner Stimme. Ein Hauch von Angst vielleicht? Sie setzte sich auf und entblößte ihre nackten Brüste, die aus dem Mieder quollen. Ein Augenblick verstrich, in dem sie seinen überraschten Gesichtsausdruck genoss, dann erst antwortete sie.

»W

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