Logo weiterlesen.de
Zeugenkussprogramm – Bonus-Story

Über dieses Buch

Pascal ist Personenschützer beim LKA, und es gehört zu seinen festen Grundsätzen, dass Gefühle im Job nichts verloren haben. Doch als er den Auftrag erhält, die 17 jährige Emily und ihre Familie zu überwachen, ist es um ihn geschehen. Schnell überschlagen sich nicht nur die Ereignisse, sondern auch die Gefühle …

In dieser Bonusstory erfährst Du den Beginn der spannenden Liebesgeschichte aus Pascals Sicht – eine völlig neue Perspektive für alle Fans von »Kiss & Crime«!

Dieses E-Book enthält außerdem eine XXL-Leseprobe des ersten Romans »Zeugenkussprogramm« aus der Serie »Kiss & Crime« von Eva Völler.

Über die Autorin

Eva Völler hat sich als Autorin von Jugendbüchern, Frauenromanen und historischen Romanen einen Namen gemacht. Nach dem Erfolg ihrer Zeitenzauber-Trilogie schreibt sie jetzt wieder an einer neuen Serie für Jugendliche. Kiss & Crime. Zeugenkussprogramm ist der erste Titel. Weitere Bände werden folgen.

Weitere Titel der Autorin:

Zeitenzauber – Die magische Gondel

Zeitenzauber – Die goldene Brücke

Zeitenzauber – Das verborgene Tor

Leg dich nicht mit Mutti an

Der Montagsmann/Hände weg oder wir heiraten

Wenn Frauen Männer buchen

Ich bin alt und brauche das Geld

Kiss & Crime 1: Zeugenkussprogramm

EVA VÖLLER

ZEUGEN
KUSS
PROGRAMM

Bonus-Story zum Roman
»Kiss & Crime 1: Zeugenkussprogramm«

BASTEI ENTERTAINMENT

Zeugenkussprogramm

Pascal – Wie alles begann

Ich parkte ein Stück weit entfernt von dem Wagen, den ich verfolgt hatte. Dann stieg ich aus und schlenderte unauffällig die Straße entlang. Der Typ, den ich überwachte, war ebenfalls ausgestiegen und strebte zum Eingang des Gebäudes, vor dem der Wagen gehalten hatte. Während ich gewohnheitsmäßig die Uhrzeit checkte und in der Nähe des Eingangs stehen blieb, ging er hinein.

Ich nahm das Firmenschild neben der Tür genauer ins Visier. Nach all den Abstechern zum Friseur, zum Joggen, zum Zahnarzt und zum Shoppen schien das heute mal was ganz anderes zu sein: eine Anwaltskanzlei. Und zwar nicht irgendeine, sondern eine mit Patentanwälten. Ich hatte keine Ahnung, was der Typ hier wollte, aber ich würde es noch herausfinden.

In diesem Moment stellte ich fest, dass ich ein unerwartetes Problem hatte. Das Problem war sie. Das blonde Mädchen saß am Steuer des Wagens, mit dem der Typ hergekommen war. Offensichtlich hatte sie mich bemerkt, denn sie starrte mich im Rückspiegel an, und zwar so, als hätte sie mich wiedererkannt. Dummerweise entsprach das nicht dem Plan. Bisher hatte ich immer geglaubt, ich würde einen ordentlichen Job machen, auch wenn verdeckte Aktionen eher selten zu meinen Aufgaben zählen. Normalerweise gehe ich ganz offensiv an meine Fälle heran. Die Leute, die unter meiner Beobachtung stehen, wissen, wer ich bin, denn ich sage ihnen alles Wichtige über mich. Zumindest die nötigen Basics, die sie unmittelbar betreffen und relevant für ihre Sicherheit und ihr Überleben sind – ich bin Zeugenschützer beim LKA und passe auf, dass ihnen nichts passiert.

Das blonde Mädchen kannte mich nicht, obwohl sich unsere Wege bereits gekreuzt hatten. Sie war nämlich so was wie der private Fahrdienst des Typen, den ich beschattete. Er hatte wegen diverser Geschwindigkeitsübertretungen den Führerschein abgeben müssen und ließ sich seitdem regelmäßig von ihr durch die Gegend chauffieren. Ab und zu fuhr ihn auch seine Freundin – die Mutter des blonden Mädchens. Aber die hatte nur am Wochenende Zeit, weil sie berufstätig war, deshalb musste meist das Mädchen für ihn Taxi spielen.

Sein Name war Jonas Plessberg, und er schien in üble Machenschaften verstrickt zu sein. Vor zwei Wochen war er ziemlich verängstigt beim LKA aufgekreuzt und hatte sich nach einer Kronzeugenregelung erkundigt. Ich selbst war bei dem Gespräch nicht dabei gewesen, aber Hagemann, mein Chef, hatte mir hinterher erzählt, worum es ging – dieser Jonas Plessberg steckte anscheinend in einem groß angelegten Deal mit verbotener Software und hatte wohl kalte Füße gekriegt, bevor es richtig ernst werden konnte. Er wollte aus der Sache aussteigen, weil ihm das alles zu gefährlich wurde, hatte aber Sorge, dass seine Geschäftspartner ihm das richtig übelnehmen könnten. Seinen Schilderungen zufolge waren diese Geschäftspartner echte Killer. Bisher hatte er allerdings weder ihre Namen noch sonstige Informationen über den geplanten Deal herausgerückt. Bevor er dazu bereit war, wollte er eine wasserdichte Zusage für das volle Kronzeugenprogramm.

Hagemann hatte bei den zuständigen Justizbehörden wegen einer möglichen Kronzeugenregelung vorgefühlt. Und ich sollte unterdessen herausfinden, mit wem sich Jonas Plessberg so herumtrieb. Auf die Weise konnten wir nicht nur ein Auge auf ihn haben, sondern kamen seinen Geschäftspartnern vielleicht auch ohne seine Hilfe auf die Spur. Das konnte sich durchaus als wichtig erweisen, denn häufig hielt die Bereitschaft, gegen Schwerverbrecher auszusagen, nicht lange vor, weil am Ende dann doch die Angst siegte.

Allerdings beschränkten sich meine bisherigen Beobachtungen auf dämliche Nebensächlichkeiten. Etwa, dass seine hellen Haarsträhnen vom Friseur stammten und seine unnatürlich weißen Zähne vom Zahnarzt, und dass er beim Joggen so langsam lief, dass man es kaum schaffte, genug Abstand einzuhalten, um nicht aufzufallen.

Über seine privaten Kontakte war mir bislang nur wenig bekannt. Vor Kurzem war er bei seiner Freundin eingezogen, der Mutter des blonden Mädchens. Sie wohnten in einem netten kleinen Haus in Wilmersdorf. Zur Familie gehörte außerdem die Oma, die immer als Beifahrerin mit von der Partie war, wenn Plessberg von ihrer Enkelin durch die Gegend gefahren wurde. Der Wagen war auf sie zugelassen, und sie war als Begleitperson in der Fahrerlaubnis des Mädchens eingetragen.

Das Mädchen hieß Emily und war siebzehn Jahre alt. In diesem Augenblick hatte sie mich ganz genau auf dem Radar und starrte mich im Rückspiegel an, während sie langsam wieder anfuhr und sich in den fließenden Verkehr einreihte. Wenige Sekunden darauf musste sie abrupt bremsen, weil sie sonst den Wagen vor ihr gerammt hätte, der an einer roten Ampel hielt. Die Wartezeit gab ihr erneut Gelegenheit, mich im Rückspiegel zu betrachten.

Ich beschloss, rasch von der Bildfläche zu verschwinden, bevor sie richtig misstrauisch werden konnte. Eilig zog ich mich in die Eingangshalle des Gebäudes zurück und wartete dort, bis sie weggefahren war.

*

Tags darauf war ich wieder im Einsatz und folgte Plessberg von Wilmersdorf nach Lichterfelde, wo er einen Bekannten besuchte, der dort in einem Mietshaus wohnte. Diesmal fuhr er mit dem Taxi hin, woraus ich den Schluss zog, dass Emily anderweitige Verpflichtungen hatte. Ich hätte deswegen erleichtert sein sollen, denn wenn sie nicht dabei war, konnte ich ihr auch nicht auffallen. Aber stattdessen empfand ich Bedauern. Fast so, als hätte ich mich darauf gefreut, sie wiederzusehen, weil die Observierung dann weniger langweilig war. Als mir klar wurde, wie unprofessionell solche Gedanken waren, rief ich kurz entschlossen Hagemann an und informierte ihn, dass ich für die Beschattung Plessbergs nicht mehr einsetzbar war, weil das Mädchen mich möglicherweise bereits wiedererkannt hatte.

»Er selber merkt nicht, dass ich ihm folge. Aber sie kriegt es mit. Heute fährt sie ihn ausnahmsweise mal nicht, doch beim nächsten Mal sitzt sie vielleicht wieder am Steuer und erkennt mich.«

»Sie sind eine recht auffällige Erscheinung. Könnte es daran liegen?«

»Ich finde mich eigentlich nicht auffällig.«

»Es gibt Leute hier im Büro, die der Meinung sind, dass Sie wie eine Art Cowboy aussehen.«

»Ich hatte die Stiefel nur ein paarmal an«, stellte ich klar. »Und in der letzten Zeit überhaupt nicht mehr.«

»Hm. Sie tragen sehr häufig diese Lederjacke. Eigentlich immer.«

»Es ist meine Lieblingsjacke. Und es ist die einzige, bei der das Pistolenholster nicht so ausbeult. Davon abgesehen sieht die Jacke absolut normal aus.«

Hagemann hatte zum Glück nicht den Ehrgeiz, weiter mit mir über mein Äußeres zu diskutieren. »Na gut«, meinte er. »Observieren Sie ihn einfach noch bis zum Ende Ihrer Schicht. Im Anschluss brechen wir diese Aktion bis auf Weiteres ab. Ich habe den Eindruck, dass es sowieso nichts bringt. Wenn es ihm wirklich unter den Nägeln brennt, wird er sich schon melden. Zwischenzeitlich sollte auch unser Antrag zum Abhören seines Anschlusses genehmigt sein, dann schauen wir mal, was dabei rauskommt. Möglicherweise hat er einfach nur viel Wind um nichts gemacht.«

Damit war der Fall für mich erledigt. Ich war – abgesehen von der Sache mit der Lederjacke – mit Hagemann völlig einer Meinung. Die Beschattung war überflüssig. Falls Jonas Plessberg wirklich mit zweifelhaften Leuten unter einer Decke steckte oder sich von ihnen bedroht fühlte, war davon nichts festzustellen. Anzeichen für Begegnungen mit irgendwelchen Verbrechern hatten sich bislang jedenfalls nicht ergeben, auch an diesem Nachmittag nicht. In dem Mietshaus wohnte ein Kumpel von ihm, mit dem er sich letzte Woche schon auf ein Bier getroffen hatte und der noch nie strafrechtlich in Erscheinung getreten war. Also wieder Fehlanzeige, genau wie die ganzen Tage zuvor.

Ich war ausgestiegen, um ein bisschen frische Luft zu schnappen. In der Nähe des Mietshauses ging ich auf und ab, bis Plessberg endlich nach etwa einer Stunde wieder herauskam. Er blieb am Straßenrand stehen und sah ungeduldig auf die Uhr. Dann machte er sich daran, in irgendwelchen Papieren zu lesen. Wie üblich warf er keinen einzigen Blick in meine Richtung, obwohl er höchstens dreißig Meter von mir entfernt stand. Ich musste mich nicht mal ansatzweise tarnen. Ihn zu observieren war geradezu lachhaft einfach, weil er ständig entweder was zum Blättern oder sein Smartphone vor der Nase hatte und damit praktisch blind und taub für seine Umgebung war.

Ein Auto kam um die Ecke und hielt bei ihm an. Es war kein Taxi, sondern Emily. Sie wollte ihn abholen!

Ich fluchte lautlos und blieb stocksteif stehen. Erst, als Plessberg eingestiegen war, beeilte ich mich, zu meinem Wagen zurückzukehren. Ich setzte mich hinters Steuer und wartete darauf, dass Emily losfuhr, doch das tat sie nicht. Trotz der Entfernung konnte ich erkennen, dass sie mich wieder im Außenspiegel beobachtete. Die starre Haltung ihres Kopfes sprach Bände. Sie hatte mich definitiv wiedererkannt.

Ein paar Augenblicke später setzte sich der Wagen endlich in Bewegung, doch sie schaute über die Schulter zurück, als wollte sie sich vergewissern, ob ich ihr folgte. Keine Ahnung, welcher Teufel mich in dem Moment ritt, aber ich fuhr los und blieb an ihr dran.

Unterwegs versuchte sie doch tatsächlich, mich auszutricksen und abzuhängen. Sie blinkte links und bog rechts ab. Ich unterdrückte ein Grinsen und blieb dicht hinter ihr. An dieser Stelle hätte ich es gut sein lassen und die Verfolgung abbrechen sollen, doch ich fuhr ihr trotzdem noch ein Stück hinterher. Es machte mir Spaß, sie ein bisschen zu verunsichern. An der nächsten Kreuzung besann ich mich dann endlich und nahm einen Umweg, sorgte aber dafür, dass ich noch vor ihr in Wilmersdorf ankam. Bis zum Ende meiner Schicht war ich noch für Plessberg verantwortlich. Was er danach tat, brauchte mich nicht mehr zu interessieren.

Ich parkte den Wagen ein Stück vom Haus entfernt und wartete, bis sie eintrafen. Meiner Ansicht nach hatte ich mir dafür eine ganz unauffällige Stelle ausgesucht – in Sichtweite zum Haus, aber nicht so nah, dass man mich von da aus gleich bemerkte. Dort hatte ich, eingereiht zwischen anderen parkenden Fahrzeugen, schon ein paarmal auf Plessbergs Erscheinen gewartet, ohne dass ich dabei irgendwem aufgefallen wäre.

Ich beobachtete Emily im Außenspiegel. Sie hatte den Wagen vor dem Carport abgestellt, in dem allerhand Gerümpel lagerte. Während ihre Oma und Plessberg an ihr vorbei ins Haus gingen, holte sie die Post aus dem Briefkasten und schickte sich an, ebenfalls reinzugehen. Doch dann hielt sie inne und blickte unvermittelt über die Schulter zurück – geradewegs in meine Richtung. Sie erstarrte, dann setzte sie sich mit energischen Schritten in Bewegung. Mit der Post in der Hand kam sie auf mich zu marschiert und baute sich neben der Fahrertür meines Wagens auf. In diesem Moment war ich sehr dankbar für die getönten Scheiben des Passats.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Zeugenkussprogramm" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen