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Zeitenzauber | Das verborgene Tor

BASTEI ENTERTAINMENT

I’ve looked around enough to know that you’re the one I want to go through time with
(
aus »Time in a bottle« by Jim Croce)

London, 1813

Da drüben ist es«, sagte Sebastiano, nachdem wir vom Kutschbock des Fuhrwerks gestiegen und ein Stück die nächtliche Harley Street entlanggeschlendert waren.

»Du meinst das Haus mit den steinernen Löwen vor der Tür?«

»Das sind Sphinxe.«

»Aha.« Ich gab mich locker, obwohl mir das Herz bis zum Hals klopfte. »Ich habe mich schon gewundert, warum sie Flügel und Menschengesichter haben und so komisch grinsen.«

Sebastiano blieb vor der Pforte des ehrwürdig wirkenden Gebäudes stehen. »Lass uns noch mal rasch den Plan durchgehen«, sagte er, die Hand schon am Türklopfer. »Nur für alle Fälle.«

»Schon gut«, erwiderte ich. »Ich werde ihn nicht fragen, ob er mir ein Autogramm gibt. Okay, ich streite nicht ab, dass ich gern eins hätte, und ich bin sicher, er wäre für so was aufgeschlossen, aber ich sehe ein, dass es die Dinge komplizierter machen könnte. Also lasse ich es sein. Das müssen wir nicht noch mal durchgehen.« Vor lauter Aufregung redete ich ein bisschen zu viel. Das war eine Art Nebenwirkung der Zeitreise. Es fühlte sich einfach merkwürdig an, als Mensch aus dem Jahr 2013 auf einmal im Jahr 1813 herumzulaufen. Doch Sebastiano war die Geduld in Person – einer der vielen Gründe, warum ich ihn so liebte.

»Nein, ich meinte nicht, dass du ein Autogramm von ihm möchtest«, erklärte er. »Sondern die ganze zeitliche Abfolge.«

»Ach so. Also, du klopfst gleich mit diesem Löwenkopf. Als Nächstes warten wir, bis Mr Turner aufmacht. Dann lenke ich ihn ab, und du gehst rein und siehst nach, wo genau der Brand ausgebrochen ist. Anschließend folgt sofort Teil zwei des Plans.«

Teil zwei sah vor, dass wir das Fuhrwerk vorfahren ließen, das hinter der nächsten Straßenecke wartete – vollbeladen mit Wasserfässern und ein paar Eimern, die wir zum Löschen des Feuers benutzen konnten. Unser Einsatz hier wäre sehr viel einfacher gewesen, wenn es im Jahr 1813 schon eine vernünftige Feuerwehr gegeben hätte, doch alles, was man bisher auf diesem Sektor aufzubieten hatte, brauchte einfach viel zu lange für die Anfahrt. Bis sich genügend Löschkräfte versammelt hätten, wäre das ganze Haus bis auf die Grundmauern abgebrannt, mitsamt einer angebauten Galerie und jeder Menge wunderschöner Gemälde im Gegenwert von schätzungsweise einer Milliarde Pfund. Natürlich waren die Bilder hier und jetzt noch nicht so viel wert, aber in zweihundert Jahren würden sie es sein, vor allem, wenn man die vielen tausend zukünftigen Meisterwerke dazuzählte, die Mr Turner, der Maler, im Laufe seines restlichen Lebens noch anfertigen würde. Deshalb mussten wir dafür sorgen, dass nicht nur sein bisheriges Werk, sondern ganz besonders auch er selbst diesen Brand unbeschadet überstand.

Sebastiano betätigte den Türklopfer. »Am besten überlässt du das Reden mir«, schlug er vor.

»Wieso? Hast du Angst, ich würde ihn doch um ein Autogramm bitten? Traust du mir nicht zu, dass ich mich an unsere Absprache halte?«

»So wie letztes Jahr in Florenz, als du geschworen hast, dich von Michelangelo fernzuhalten und ihn dann trotzdem gefragt hast, ob du ihm für eine Skizze Modell sitzen darfst?«

»Oh, aber Michelangelo wollte mich zeichnen! Und außerdem gab es für dich nicht den geringsten Grund zur Eifersucht, denn der Typ war komplett schwul!«

»Ja, und genau deshalb wurde sein Lover sauer und hat die berühmteste Marmorstatue der Welt verstümmelt.«

»Es ist gar nicht gesagt, dass der das war – jeder hätte die Bank aus dem Fenster des Palastes werfen und den David damit treffen können«, verteidigte ich mich. »Außerdem ist er längst restauriert.« Ich wurde vom Klang einer nahen Glocke unterbrochen und hielt die Luft an, während die Schläge dicht aufeinander folgten, mit unerbittlicher Regelmäßigkeit. Zwölfmal.

»Das ist das Zeichen«, wisperte ich. »Es geht los.«

Kurz nach Mitternacht, so lautete die zeitliche Eingrenzung unseres Auftrages. Der Beginn des Brandes. Ich wandte den Kopf zur Tür und schnüffelte beunruhigt. »Riecht es hier nicht schon nach Rauch? Sind wir etwa zu spät?«

»Still!«, kam es leise von Sebastiano. »Da kommt jemand!« Er wich zurück und versteckte sich hinter einer der fetten, geflügelten Sphinxen.

Tatsächlich, es waren Schritte zu hören, und dann ging die Tür auf. Vor mir stand ein verschlafen wirkender Mann in einem langen Morgenmantel. Er war ungefähr Ende dreißig und hatte ein nettes, schmales Gesicht, das aber im Moment ziemlich mürrisch aussah.

»Wer stört meine Ruhe zu so später Stunde?« Er hielt eine Öllampe in der Hand, und in dem flackernden Licht erkannte ich die Farbkleckse an seinen Fingern.

»Oh«, hauchte ich ehrfürchtig. Das war er. William Turner persönlich. Der größte englische Impressionist aller Zeiten. Ich brauchte ein paar Augenblicke, bis ich mich an meine Aufgabe erinnerte. »Oh«, wiederholte ich, diesmal allerdings absichtlich. »Mir ist so … ich weiß nicht …« Ich legte den Handrücken an meine Stirn, vollführte eine anmutige Drehung und sank vor seine Füße.

»Um Himmels willen! Miss, was fehlt Ihnen?«

Mr Turner reagierte genau wie erwartet. Er kniete sich neben mich und tätschelte mir die Wangen. Ein bisschen zu fest vielleicht, aber es war ja gut gemeint. Stöhnend schlug ich die Augen auf. »Was ist geschehen? Bin ich ohnmächtig geworden?«

»In der Tat, das sind Sie«, stammelte Mr Turner, während er mir half, mich aufzurichten. »Wie kann ich … Was soll ich …«

»Ein Glas Wasser, bitte«, seufzte ich mit ersterbender Stimme, und wieder tat Mr Turner genau das, was er sollte: Er sprang hektisch auf und verschwand im Haus. Sebastiano kam hinter der Sphinx hervor und schlich ihm hinterher.

Kurz darauf kehrte Mr Turner zurück und reichte mir ein Glas. Von Sebastianos Eindringen hatte er offensichtlich nichts bemerkt. Teil eins des Plans hatte schon mal geklappt, zumindest der Anfang davon.

»Wie geht es Ihnen, Miss?« Verunsichert sah Mr Turner mich an. »Oder Mrs?«

»Miss, bitte.« Ich ließ mir von ihm aufhelfen, trank einen Schluck Wasser und tat dann so, als sei mir furchtbar schwindlig, worauf Mr Turner mich festhalten musste, weil ich sonst wieder zusammengebrochen wäre.

»Wo ist denn … Haben Sie niemanden …« Er sah sich panisch um. »Sind Sie etwa allein unterwegs?«

»Oh, nein.« Ich entsann mich, dass es in dieser Zeit für anständige Mädchen völlig undenkbar war, allein loszuziehen. »Ich war in Begleitung meines …« Gatte ging nicht, weil ich ja eine Miss war. »Meines Bruders. Und dann wurde unsere Kutsche angehalten, von einem … Räuber. Ich konnte fliehen, und da bin ich.«

»Du liebe Zeit! Du liebe Zeit!« Mr Turner wiederholte den Satz noch ein paarmal und rang dabei die Hände. »Die Polizei muss her! Ich werde die Haushälterin aus dem Bett klingeln und sie in die Bow Street schicken.«

»Ach, das wird nicht nötig sein.« Ich schnüffelte unauffällig, doch es roch immer noch nicht nach Rauch. Anscheinend war das Feuer noch nicht ausgebrochen. Hoffentlich entdeckte Sebastiano den Brandherd sofort. Es war lebenswichtig, dass es uns gelang, das Feuer rechtzeitig zu löschen. Vor allem für Mr Turner, denn sonst wäre er morgen tot. Eine Abweichung im Kausalverlauf der Zeit, die wir unbedingt verhindern mussten.

»Vielleicht bleiben Sie einfach kurz bei mir stehen, hier an der frischen Luft«, schlug ich Mr Turner vor. Solange er draußen stand, konnte er nicht Opfer eines Großbrandes werden.

»Aber der Räuber … Wir sollten die Obrigkeit …«

Prompt tat ich, als würde ich wieder in Ohnmacht fallen, worauf Mr Turner gezwungen war, bei mir zu bleiben und mich zu stützen.

Dann kam ein unerwartetes Geräusch aus dem Inneren des Hauses. Es klang nach einem unterdrückten Schrei. Mr Turner ließ mich los, anscheinend hatte seine Hilfsbereitschaft Grenzen. »Das war mein Vater!«

Er ergriff die Lampe und verschwand im Haus, und weil ich nicht untätig herumstehen wollte, lief ich hinterher und folgte ihm in die Eingangshalle, in der Dutzende von Gemälden an den Wänden hingen. Lauter echte Turner! Doch mir blieb keine Zeit, sie zu bewundern. Ein alter Mann kam vorbeigestolpert, von einem weiten Nachthemd umweht, die Füße in viel zu großen Pantoffeln steckend.

»Diebe! Einbrecher! Brandstifter!«, rief er mit aufgebrachter Fistelstimme. Er wurde von Sebastiano verfolgt, der beruhigend auf ihn einredete. »Aber Sir, so hören Sie mich doch an …«

Mr Turner, der dicht vor mir war, schrie beim Anblick des vermeintlichen Einbrechers nicht nur erschrocken auf, sondern ließ im selben Moment auch seine Lampe fallen, die klirrend auf dem Boden zerbrach und auslief. Die brennende Flüssigkeit leckte als Flammenzunge über den Boden und erreichte den langen Samtvorhang an einem der Fenster. Der Stoff fing sofort Feuer – und brannte binnen weniger Augenblicke lichterloh. Flackernd schlugen die Flammen hoch bis zu den hölzernen Deckenbalken. Qualm trieb in Schwaden durch die Halle und vernebelte die Sicht.

Jetzt roch es eindeutig nach Rauch!

Es dauerte einen Augenblick, bis ich kapiert hatte, was hier gerade geschah. Wir waren an dem Feuer schuld! Und dabei waren wir doch mit dem Auftrag gekommen, es zu verhindern! Fassungslos starrte ich den brennenden Vorhang an.

Sebastiano riss ihn aus der Halterung und trampelte in einer Art verrücktem Stepptanz darauf herum, doch die Flammen sprangen auf einen Teppich über und setzten ihn ebenfalls in Brand.

»Höchste Zeit für Teil zwei. Ich hole das Fuhrwerk.« Sebastiano rannte zur Haustür. »Bring Turner nach draußen!«, rief er mir noch über die Schulter zu, bevor er in der Nacht verschwand.

»Mr Turner?« Suchend blickte ich mich um, sah jedoch nur Rauch und Feuer. »Sir? Sir, Sie müssen sich in Sicherheit bringen!«

»Vater!«, hörte ich ihn irgendwo am anderen Ende der Halle rufen. »Vater, wo bist du?«

Ich drückte mir meinen spitzenverzierten Ärmel vors Gesicht und stolperte kreuz und quer durch die Halle, doch bei dem Rauch konnte man kaum was sehen. Nur wenig später tauchte wie aus dem Nichts Sebastiano vor mir auf, in jeder Hand einen vollen Eimer, die er nacheinander auskippte, direkt auf den brennenden Teppich, worauf die Flammen auf einen Schlag verloschen. Gott sei Dank! Er hatte es geschafft!

Doch das war ganz offensichtlich ein Irrtum.

»Wir brauchen mehr Wasser!«, rief Sebastiano. »Du musst mir löschen helfen! Im Obergeschoss!« Und schon war er wieder weg. Ich raffte mit beiden Händen mein Kleid und lief ihm nach, vorbei an Mr Turner, der endlich seinen Vater gefunden und ihn zur offenen Haustür geführt hatte, wo die beiden nach Luft schnappend stehen geblieben waren.

»Wer ist dieses blonde Mädchen?«, wollte der alte Mann von Mr Turner wissen. »Und warum läuft sie in unserem Haus herum? Ist sie eine neue Bekanntschaft von dir?«

»Sie dürfen nicht wieder hinein, und schon gar nicht nach oben!«, japste ich im Vorbeirennen. »Denn da brennt es auch!«

»Fürwahr, ein liebliches Geschöpf«, hörte ich den Alten sagen. »Wenngleich sie etwas in Eile zu sein scheint.«

Das Fuhrwerk kam rumpelnd um die Ecke gerollt, Sebastiano brachte den Gaul direkt vor dem Haus zum Stehen und sprang vom Kutschbock. Auf der Ladefläche stand José neben einem offenen Fass und füllte mehrere Kübel mit Wasser. Zwei davon reichte er Sebastiano, einen dritten drückte er mir in die Hand. Sein hageres, zerfurchtes Gesicht war ausdruckslos, genau wie sein Auge, mit dem er alles im Blick hatte. Das andere Auge war wie immer unter der schwarzen Klappe verborgen, die ihm das Aussehen eines alten, aber noch kampftüchtigen Piraten verlieh.

Sebastiano rannte mit den zwei randvollen Wassereimern ins Haus, und ich folgte ihm mit meinem überschwappenden Kübel, allerdings deutlich langsamer. Das war einer jener Augenblicke, in denen ich mir eingestehen musste, dass ich, wenn es drauf ankam, nur halb so effizient arbeitete wie Sebastiano. Er konnte zwei volle Wassereimer tragen, ich bloß einen. Und außerdem rannte er doppelt so schnell die Treppe hoch. Zum Teil lag das natürlich daran, dass ich ständig über den Saum meines Kleides stolperte. Es sah zwar toll aus, vor allem die schöne Spitze an den Ärmeln und am Ausschnitt, aber für einen rustikalen Feuerwehreinsatz war es eindeutig zu lang.

Schnaufend erreichte ich den ersten Stock, wo ich den Eimer durch einen mit persischen Teppichen ausgelegten Gang schleppte, bis ich unversehens von Mr Turner überholt wurde, der sich ebenfalls zwei volle Kübel bei José abgeholt hatte. Aus einem Zimmer am Ende des Flurs drangen Rauchwolken. Mr Turner stolperte mit seinen beiden Eimern hinein, und ich folgte ihm ohne zu zögern, obwohl ich kaum noch Luft bekam.

In dem von Qualm erfüllten Zimmer erkannte ich schemenhaft die Gestalten von Sebastiano und Mr Turner, und dazwischen flackernde Flammen. Gleich darauf ertönte ein Zischen: Mr Turner schüttete in hohem Bogen Wasser ins Feuer, und Sebastiano nahm mir den Kübel aus der Hand und tat es ihm gleich, dann stürzte er zum Fenster und riss es weit auf.

»Geschafft!«, rief er, laut genug, dass José es unten auf der Straße hören konnte. Der Brand war gelöscht.

»Komm her!«, befahl Sebastiano mir. »Hier ist frische Luft. Atme nichts von dem Rauch ein, hörst du!«

Ich nickte hustend und taumelte an seine Seite, um tief Luft zu holen. Es war dunkel im Zimmer, bis auf den schwachen Widerschein einer Straßenlaterne, die in einiger Entfernung vom Haus brannte.

»Großer Gott«, stieß Mr Turner keuchend hervor, während er sich zu uns gesellte und gierig die milde Nachtluft von draußen einsog. Er deutete auf den Umriss eines großen Pfostenbettes, das eben noch in Flammen gestanden hatte und von dem immer noch dünne Rauchfäden aufstiegen. »Mein Vater hätte sterben können!« Seine Stimme bebte vor Entsetzen. »Dies hier ist sein Zimmer!« Er schien das Geschehene kaum fassen zu können. Mit hastigen Schritten verließ er den Raum.

»Ah, Mrs Thackerey, Sie sind aufgewacht«, hörte ich ihn auf dem Gang sagen. »Keine Sorge, der Brand ist gelöscht, wir hatten tapfere Helfer. Aber Sie müssen sich um Vater kümmern. Er ist bestimmt völlig außer sich.«

Eine Frau – wahrscheinlich die Haushälterin – antwortete ihm mit aufgeregter Stimme, doch ich konnte nicht verstehen, was sie sagte, denn die beiden entfernten sich.

Sebastiano legte mir die Hände auf die Schultern und sah mir eindringlich ins Gesicht. »Alles in Ordnung?«

Ich nickte stumm. Im Moment war ich noch voller Adrenalin, aber in ein paar Minuten würde ich vermutlich einen Heulkrampf kriegen. Wie schon bei einigen früheren Zeitwächter-Missionen hatte ich das Gefühl, restlos versagt zu haben. Dabei hatte ich diesmal eigentlich alles richtig gemacht. Na ja, fast. Ich hatte zwar den blöden Eimer hierhergeschleppt, aber irgendwie vergessen, das Wasser ins Feuer zu schütten. Das hatte Sebastiano für mich erledigen müssen. Und mit meinen Haaren hätte ich mir vor dem Einsatz besser auch ein bisschen mehr Mühe gegeben. Mein Zopf, vorhin noch schön ordentlich geflochten, hatte sich zu wirren Strähnen aufgelöst, die giftig nach Qualm stanken, genau wie der Rest von mir. Sebastiano schien sich nicht daran zu stören. Er beugte sich vor und küsste mich zärtlich. »Du hast dich gut geschlagen«, sagte er leise.

Ich schüttelte den Kopf und merkte, wie ich anfing zu zittern. »Ich muss mehr Kraftsport machen. Dieser dämliche Eimer – ich hab ihn kaum die Treppe hochgekriegt.«

»Es war ja auch ein sehr großer Eimer.«

»Trotzdem.«

»Du hast es doch geschafft. Ohne was zu verschütten. Es war genau die Menge Wasser, die noch zum Löschen des Feuers gefehlt hat. Ehrlich, du hast das ganz großartig gemacht!«

In der Tür wurde es hell. Mr Turner hatte für Beleuchtung gesorgt, er trat mit einem fünfarmigen Kerzenhalter ins Zimmer – und stolperte. Die Kerzen flackerten, und einen Augenblick lang fürchtete ich, gleich würde der nächste Brand ausbrechen, doch Mr Turner hielt den Leuchter sicher in der Hand. Er bückte sich und hob den Gegenstand auf, über den er beinahe gefallen wäre.

»Ich ahnte es. Vater hat schon wieder im Bett geraucht. Wie oft habe ich ihm gesagt, dass ihn das eines Tages umbringt!« Seufzend inspizierte er das Beweisstück – eine geschnitzte, noch qualmende Tabakspfeife.

Anschließend betrachtete er zuerst Sebastiano, dann mich. Der Kerzenhalter in seiner Hand zitterte ein wenig, und seine Augen waren von dem überstandenen Schreck immer noch weit aufgerissen, doch davon abgesehen hatte er sich bewunderungswürdig gut unter Kontrolle.

»Wer sind Sie?«, wollte er unverblümt wissen.

Das war eine absolut berechtigte Frage. Die wir allerdings nicht wahrheitsgemäß beantworten konnten, denn das hätte ziemlich verrückt geklungen, etwa: »Mr Turner, wir sind Zeitreisende aus der Zukunft, genau genommen aus dem Jahr 2013, und wir sind mit dem Auftrag hergekommen, diesen Brand zu verhindern. Der sich in null Komma nichts zu einer schrecklichen Feuersbrunst entwickelt hätte, in der Sie leider umgekommen wären, wenn wir nicht rechtzeitig zur Stelle gewesen wären.«

Das stimmte zwar alles, aber kein Mensch hätte es uns geglaubt. Außerdem hätte die Sperre sowieso verhindert, dass wir es aussprachen. Die Sperre war eine Art automatische Barriere, die jede Information unterband, mit der wir auch nur ansatzweise hätten verraten können, wer wir waren und was wir taten. Versuchten wir es trotzdem, standen wir einfach bloß mit aufgeklapptem Mund da und bekamen keinen Ton heraus. Deshalb half in solchen Situationen nur eins: eine gute Ausrede. Oder Zeit zu gewinnen, bis wir wieder verschwinden konnten.

Sebastiano verneigte sich kurz. »Mein Name ist Sebastian Foscary.« Das war nicht mal gelogen, jedenfalls nicht richtig. In Wahrheit hieß er Sebastiano Foscari, weil er waschechter Italiener war und aus Venedig stammte, aber die englische Variante – Sebäästschen gesprochen – klang auch sehr nett.

»Und diese junge Dame hier ist vermutlich Ihre Schwester?«

»Genau«, warf ich schnell ein, bevor Sebastiano das richtigstellen konnte. »Ich bin seine Schwester, und wir waren gerade mit unserer Kutsche unterwegs, als der Räuber uns anhielt, aber zum Glück konnte ich fliehen und kam so hierher zu Mr Turner …«

Ich hätte meine Version gern noch ein bisschen ausgeschmückt, damit sie glaubhafter klang, doch Sebastiano brachte mich mit einem Blick zum Schweigen, und gleich darauf wurde mir auch klar, warum.

»Sie kennen meinen Namen, obwohl wir einander nie vorgestellt wurden?«, fragte Mr Turner mit einem Hauch von Misstrauen in der Stimme.

Sebastiano bügelte meinen Ausrutscher glücklicherweise sofort aus. »Wir erkannten Ihre Bilder unten in der Halle. Ihr Ruhm eilt Ihnen allerorten voraus, es gibt kaum einen Menschen in London, der Ihre Kunst nicht bewundert. So viele Ihrer Meisterwerke in einer einzigen Nacht zu sehen, ist wohl selten jemandem vergönnt. Sogar hier über dem Bett hängt eines.« Er deutete auf ein Bild von einer sturmgepeitschten See, das mir bekannt vorkam. Ich bildete mir sogar ein, es schon mal gesehen zu haben – in einer Ausstellung in zweihundert Jahren.

Sebastiano hatte vielleicht ein bisschen dick aufgetragen, um Mr Turners Argwohn zu zerstreuen, aber im Grunde stimmte jedes Wort. Dieser Maler war ein Genie. Und genau deshalb war er auch alles andere als dumm. Er merkte genau, dass die ganze Angelegenheit vor Ungereimtheiten nur so wimmelte.

»Es erscheint mir höchst befremdlich, dass Sie heute Nacht in meinem Haus waren, just zum Zeitpunkt des Brandes. Und dass obendrein im selben Augenblick dieser mit Wasser vollgeladene Leiterwagen hier auftauchte, ist erst recht nicht nachvollziehbar. Streng genommen ist es so weit von jeglichem Zufall entfernt wie nur irgend möglich.« Mr Turners Augen nahmen einen bohrenden Ausdruck an. »Ich hoffe doch, Sie haben für all das eine plausible Erklärung, Sir?«

»Selbstverständlich habe ich die«, gab Sebastiano gelassen zurück.

Bewundernd sah ich ihn an, und dabei wurde mir mal wieder bewusst, wie viele Gründe ich hatte, ihn zu lieben. Ich machte mir nicht oft Gedanken darüber, sondern tat es ganz einfach (also ihn lieben), aber manchmal gab es Momente wie diesen, in denen ich mit leuchtender Klarheit begriff, was für ein außergewöhnlicher Mensch er war und was für ein Glück ich hatte, mit ihm zusammen zu sein. Nicht nur, dass er toll aussah, er war auch unglaublich intelligent und besonnen. Das zeigte schon die Tatsache, dass er sich auf die Schnelle eine logische Erklärung für Mr Turner ausgedacht hatte. Das hätte ich nie hingekriegt!

»Ich fürchte nur, mir bleibt keine Zeit dafür«, meinte Sebastiano bedauernd. Er nahm meinen Arm und geleitete mich zur Tür, als wäre ich reif für die Notaufnahme. »Meine Schwester ist von all dem sehr mitgenommen. Sie braucht dringend Ruhe. Sie sehen doch selbst, wie schlecht es ihr geht. Der Rauch ist ihr auf die Lunge geschlagen.«

Na gut, so eine Erklärung hätte ich mir vielleicht auch ausdenken können. Ich überwand meine Verblüffung und hustete rasch, um den maroden Zustand meiner Lunge zu untermalen.

»Mein Bruder hat leider recht«, brachte ich angemessen krächzend hervor – wobei das Krächzen nicht mal gespielt war. Mein Hals fühlte sich wund an, und meine Augen brannten ziemlich. Und mir war, wie ich gerade merkte, ein bisschen schlecht. Ich hatte wohl tatsächlich zu viel Rauch eingeatmet. Und dass ich Ruhe brauchte, war sogar noch untertrieben, denn mit einem Mal fühlte ich mich so schlapp wie nach einem Zirkeltraining bei Herrn Schindelmeier. Ich war zwar seit zwei Jahren mit der Schule fertig (und deshalb zum Glück auch für alle Zeiten mit Herrn Schindelmeiers Sport-GK), doch im Moment taten mir die Muskeln fast so weh wie damals.

»Ich würde mich wirklich gern ein bisschen ausruhen«, gab ich zu.

»Aber gewiss«, sagte Mr Turner erschrocken. »Wenn ich … Soll ich …« Ein wenig hilflos wedelte er mit der Hand herum. »Vielleicht noch ein Glas Wasser?«, schlug er vor.

»Nicht nötig, danke«, antwortete Sebastiano. »Glauben Sie uns einfach nur, dass wir Ihnen wohlgesonnen sind, auch wenn Ihnen die Umstände ein wenig eigenartig vorkommen mögen.«

»Ich glaube Ihnen!« Mr Turners Antwort kam spontan, aber ihm war deutlich anzumerken, dass er mit der Entwicklung des Gesprächs nicht zufrieden war. Er sah aus wie ein einziges großes Fragezeichen.

Sebastiano führte mich die Treppe hinunter, und ich war froh, dass ich mich an seinem Arm festhalten konnte.

Es stank überall nach Rauch, aber Mrs Thackerey, eine resolut wirkende Person in einem zeltartigen Nachtgewand, hatte alle Türen und Fenster aufgerissen und die verkohlten Überreste des Vorhangs und des Teppichs auf den Gehweg hinausbefördert. Außerdem hatte sie Mr Turners Vater in einen Morgenmantel gesteckt und ihm eine zerknitterte Schlafmütze auf den Kopf gestülpt. Er saß in der Halle in einem Lehnstuhl und sah ein wenig verloren aus, während Mrs Thackerey mit energischen Bewegungen den Ruß zusammenkehrte.

»Da ist das blonde Mädchen wieder«, sagte er, als Sebastiano mich an ihm vorbeiführte. »Und diesen jungen Mann habe ich vorhin auch schon gesehen. Ist er nicht der Brandstifter?« Sinnend betrachtete er seine Pantoffeln, als wüssten die eine Antwort. »Hm, ich glaube, so war es nicht. Mir war heiß, weil mein Bett brannte, und plötzlich kam er in mein Zimmer, zerrte mich heraus und schleppte mich nach unten. Und auf einmal brannte es hier unten auch. Sehr, sehr seltsam. Fast so merkwürdig wie eine deiner Visionen, Will. Du solltest ein Bild davon malen. Oder gibt es schon eins? Hattest du nicht von diesem Brand auch eine Vision? Und eine von dem blonden Mädchen? Oh, ich habe übrigens auch etwas geträumt. Sehr farbenfroh. Von diesem indischen Elefanten. Du weißt schon, der in der Menagerie von Exeter Change. Leider habe ich seinen Namen vergessen.« Er verstummte und versank in tiefes Nachdenken, das nach wenigen Augenblicken in leises Schnarchen überging.

Mr Turner räusperte sich und setzte zu einer Bemerkung an, vermutlich, um die verworrenen Äußerungen seines Vaters zu kommentieren, doch Sebastiano ließ ihm keine Gelegenheit dazu.

»Leben Sie wohl, Mr Turner.«

»Aber bitte nennen Sie mir doch wenigstens Ihre Anschrift, bevor Sie gehen! Es ist mir ein Anliegen, mich für Ihre Hilfe erkenntlich zu zeigen!«

Am liebsten hätte ich ihm vorgeschlagen, uns doch einfach eines seiner Gemälde mitzugeben – ein klitzekleines hätte mir schon gereicht! –, aber als hätte Sebastiano es geahnt, kam er mir mit seiner Antwort zuvor.

»Ihre Unversehrtheit ist uns Dank genug. Eine Anschrift haben wir in London nicht, denn wir sind nur zu Besuch in der Stadt.«

»Wir sind bloß Reisende«, stimmte ich zu. Genau genommen hatte ich Touristen gesagt, doch der intergalaktische Translator hatte es umgewandelt. Natürlich war intergalaktischer Translator nicht die offizielle Bezeichnung dafür. Ich nannte es bloß so, denn ich hatte immer noch nicht herausgefunden, wie es richtig hieß. Aber dafür wusste ich genau, wie es funktionierte: wie ein eingebauter Übersetzer. Er wandelte alles, was man sagte, in die zur jeweiligen Epoche passende Landessprache um. Ich konnte fröhlich auf Deutsch reden und Sebastiano italienisch – für die Leute, mit denen wir uns hier unterhielten, klang es wie perfektes Englisch. Moderne Wörter wurden bei der Gelegenheit gleich mit angepasst und auf historisch getrimmt – aus Touristen wurden Reisende, Autos verwandelten sich in Fuhrwerke, BHs mutierten zu Schnürleibchen.

Solange wir als Zeitwächter in der Vergangenheit unterwegs waren, liefen wir nie Gefahr, uns aus Versehen zu verplappern: Die Sperre hinderte uns daran, den Menschen in der Vergangenheit Dinge aus der Zukunft zu verraten, und der Translator sorgte dafür, dass wir uns verständigen konnten, ohne aufzufallen. Eigentlich zwei sehr praktische Einrichtungen, auch wenn es manchmal zu komischen Wort-Umwandlungen führte.

Eine zweispännige Kutsche kam die Straße entlanggerollt und blieb hinter dem Fuhrwerk stehen. Auf der Kutschbank saß ein halbwüchsiger Junge. Er stieg ab, zog sich die Kappe vom Kopf und verneigte sich vor José. Sogar im matten Laternenlicht sah man, dass er feuerrote Haare hatte. José besprach sich leise mit ihm, dann winkte er uns ungeduldig heran.

»Seltsam, dieser einäugige alte Mann«, hörte ich Mr Turner sagen, während ich mit Sebastiano zu der Kutsche ging. »Es ist überhaupt alles sehr seltsam.«

»Malen Sie doch einfach ein Bild davon«, schlug Mrs Thackerey ihm vor. »Das tun Sie doch sowieso immer.«

Sebastiano half mir in die Kutsche und stieg dann selbst ein. José erklomm den Kutschbock, während der Junge den Leiterwagen übernahm und damit wegfuhr. Wahrscheinlich war er ein Bote – so nannten wir die Helfer der Zeitwächter in den jeweiligen Epochen der Vergangenheit. Sie waren weitestgehend in unsere Aufgaben eingeweiht und wussten, dass sie es mit Zeitreisenden zu tun hatten, auch wenn die Sperre verhinderte, dass man ihnen Ereignisse aus der Zukunft verriet.

Unsere Kutsche fuhr mit einem Ruck an. Durch den nur halb zugezogenen Vorhang am Türschlag sah ich Mr Turner vor dem Haus stehen, eingerahmt von den beiden geheimnisvoll grinsenden Sphinxen. Unvermittelt musste ich daran denken, was der alte Mann über Visionen gesagt hatte, und dabei überkam mich eine Vorahnung, dass ich nicht zum letzten Mal hier gewesen war.

Stern

Eine Weile rumpelte die Kutsche durch die nächtliche City of Westminster. Sebastiano hatte den Arm um mich gelegt und fragte ungefähr alle zwei Minuten, wie ich mich fühlte, und ich beteuerte jedes Mal, dass es mir super gehe. Was er mir allerdings nicht glaubte. Ich selber glaubte es mir auch nicht, vor allem nicht, nachdem wir angehalten hatten, weil ich mich übergeben musste.

»Es gibt zwei Möglichkeiten.« José war vom Kutschbock gestiegen und sah mich prüfend mit seinem Auge an. »Wir können in der Herberge die fünf Tage bis Neumond abwarten und dann das Haupttor am Trafalgar Square benutzen. Oder wir nehmen gleich heute Nacht ein einfaches Zeitfenster. Es gibt eins in Spitalfields.«

»Wir fahren nach Spitalfields«, sagte Sebastiano sofort.

»Aber wir wollten uns doch hier noch ein paar schöne Tage machen«, protestierte ich.

»Kommt nicht infrage. Ich will, dass du zum Arzt gehst. Und zwar zu einem richtigen Arzt.«

»Mir fehlt doch gar nichts«, wandte ich ein, obwohl mir immer noch übel und schwindlig war. Außerdem tat mir inzwischen auch der Kopf weh.

»Das soll der Arzt entscheiden«, erklärte Sebastiano.

»Sicher ist sicher«, pflichtete José ihm bei. »Wahrscheinlich hast du nur eine leichte Rauchvergiftung, aber mit der richtigen Behandlung bist du schnell wieder auf dem Damm.«

Damit war ich überstimmt und gab meinen Widerstand auf, schon in meinem eigenen Interesse. Momentan hatte ich ein starkes Bedürfnis nach Aspirin, aber das würde erst in ungefähr hundert Jahren oder so erfunden werden.

Die Fahrt ging zügig weiter, und ich dachte trübsinnig darüber nach, was wir nun alles verpassen würden. Die fünf Tage, die wir hier in der Vergangenheit auf den nächsten Mondwechsel hätten warten müssen, hatte ich mir schon in leuchtenden Farben ausgemalt – Sightseeing im Jahr 1813. Wir hätten einen der legendären Bälle im Almack’s besuchen können, dem angesagtesten Tanzclub dieser Epoche. Oder die berühmten Vauxhall Gardens, wo sich abends halb London zum Feiern traf. Vielleicht hätte ich mir auch einen dieser niedlichen, mit Seidenbändern verzierten Hüte kaufen können, die Frauen in diesem Jahrzehnt trugen. Ich war zwar nicht besonders modebewusst, aber die Dinger sahen einfach süß aus.

Und das Beste an alldem wären die zusätzlichen Tage gewesen, die wir dadurch im Jahr 2013 gewonnen hätten. Wären wir nämlich beim nächsten Mondwechsel ins Jahr 2013 zurückgereist, wären wir in derselben Sekunde wieder dort gelandet, in der wir von da gestartet waren. So als wären wir überhaupt nicht weg gewesen. Das war ein toller Nebeneffekt bei diesen Einsätzen: Man bekam die Zeit, die man in der Vergangenheit verbracht hatte, bei der Rückkehr geschenkt.

Das funktionierte allerdings nur, wenn man bei Vollmond oder Neumond durch eines der Haupttore zurückreiste. Benutzte man ein einfaches Portal, war die Zeit in der Zukunft weitergelaufen – in unserem Fall zwei volle Tage. Damit blieb uns nur noch ein einziger Tag bis zu unserem Rückflug nach Venedig. Mit anderen Worten, wir verpassten auch den kompletten Resturlaub im Jahr 2013. Goodbye, London …

»Wir kommen einfach in ein paar Monaten noch mal her«, sagte Sebastiano, als hätte er meine Gedanken gelesen (manchmal glaube ich, dass er das wirklich kann!). »Dann nehmen wir uns richtig Zeit für London. Was hältst du davon?«

»Guter Plan«, murmelte ich, die Hand vor dem Mund, weil es mir schon wieder hochkam. »Aber können wir vielleicht noch mal eben rechts ranfahren?«

Stern

Spitalfields im Londoner Eastend schien eine verrufene Gegend zu sein. Nach allem, was ich vorher darüber gelesen hatte, galt es früher – also jetzt – als das übelste Viertel der Stadt. Jack the Ripper hatte dort Ende des 19. Jahrhunderts sein Unwesen getrieben, und die Ärmsten der Armen hausten hier in Elendsquartieren.

Wir mussten langsamer fahren, weil die Straßen deutlich schlechter wurden. Überall gab es Schlaglöcher, und an manchen Stellen fehlte die Pflasterung ganz. Die Häuser waren windschief und heruntergekommen, und an einigen Ecken lauerten zweifelhafte Gestalten – von denen aber bestimmt niemand wagen würde, uns mit bösen Absichten anzuhalten. Sebastiano hatte sich nämlich nach dem letzten Stopp neben José auf den Kutschbock gesetzt und seinen Waffengurt angelegt, an dem gut sichtbar eine tödlich aussehende Pistole und ein Degen hingen.

Mir machte es immer ein bisschen Angst, wenn er sich dieses ganze gefährliche Zeug umhängte, aber gleichzeitig war es auch irgendwie beruhigend, denn ich wusste, dass es uns im Ernstfall das Leben retten konnte. Ein paarmal hatte Sebastiano seine Fähigkeiten auf diesem Gebiet schon unter Beweis stellen müssen, auch wenn er die Waffen normalerweise bloß wegen des Abschreckungseffekts trug.

Schließlich hielt die Kutsche an. Der schwankende Lichtschein der Wagenlaterne fiel auf eine kleine Kirche. Sebastiano öffnete mir die Tür und half mir beim Aussteigen, dann folgten wir José, der einen Schlüssel zückte und eine versteckt liegende Seitentür der Kirche aufsperrte. Es wunderte mich nicht, dass sich das Zeitfenster, das wir gleich benutzen würden, in einem Gotteshaus befand. In Venedig gab es auch so eins, in Santo Stefano. Man konnte solche einfachen Fenster allerdings nur benutzen, wenn gerade niemand zuschaute – sobald sich Leute dort aufhielten, die nicht eingeweiht waren, funktionierte es nicht. Deshalb befanden sich diese Durchgänge oft an abgelegenen Orten, entweder außerhalb der Stadt oder eben auch in Kirchen. Denn wenn dort gerade kein Gottesdienst stattfand, waren sie meist menschenleer – bis auf den einen oder anderen Priester, aber José hatte so seine Methoden, deren plötzliches Auftauchen zu verhindern, beispielsweise mit einer großzügigen Spende für die Kollekte.

Es roch nach Weihrauch und feuchtem, altem Gemäuer. Der Fußboden war mit groben Marmorplatten ausgelegt, und als Sitzgelegenheiten gab es ein paar wurmstichige Bänke. In den Nischen der Seitenaltäre standen einige unheimlich aussehende Sarkophage, eingerahmt von rußgeschwärzten Kerzen, die jetzt allerdings nicht brannten. Unsere einzige Lichtquelle war die Wagenlaterne, die José mitgenommen hatte.

José umrundete eine Säule, setzte sich auf eine Bank und blickte mit düsterer Miene zum Hauptaltar, über dem eine lebensgroße hölzerne Christusfigur am Kreuz hing und mit weit aufgerissenen Augen zurückstarrte. Mir lief ein kalter Schauer über den Rücken, weil es so unheimlich aussah. Meinetwegen konnten wir sofort von hier verschwinden.

»Wieso setzt du dich?« Sebastiano war José gefolgt und blickte ihn fragend an. »Worauf warten wir?«

»Auf den Boten. Jeremy. Ich habe ihn herbestellt.«

»Den rothaarigen Jungen? Was soll er hier? Die Kutsche und das Gespann holen?«

»Nein, er soll darauf aufpassen, bis ich wieder da bin.«

»Du willst noch mal in dieses Jahr zurück?«

»Ja. Ich hab hier noch ein paar Dinge zu erledigen.«

Ein ungutes Gefühl beschlich mich bei Josés Worten. Ich war davon ausgegangen, dass er in unserer eigenen Zeit mit uns nach Venedig zurückfliegen würde, schließlich arbeitete er dort. Er war Leiter des historischen Archivs an der Uni, und abgesehen von gelegentlichen Abstechern in vergangene Epochen war da sein fester Standort. Normalerweise fanden unsere Einsätze als Zeitwächter alle in Venedig statt, außer wenn irgendwo anders eine Vertretung übernommen werden musste – so wie jetzt gerade in London. Jedenfalls hatte José gesagt, es sei eine Vertretung.

Sebastiano und ich wechselten Blicke. Etwas war hier ganz und gar nicht in Ordnung. Erschöpft ließ ich mich ebenfalls auf eine Bank sinken.

»Was genau hast du denn hier noch zu tun?«, fragte Sebastiano nach.

José zuckte nur die Achseln. Das war typisch für ihn, bloß keinen Ton zu viel sagen. Obwohl ich ihn schon genauso lange kannte wie Sebastiano, wurde ich immer noch nicht richtig schlau aus ihm. Als einer der Alten war er mit Mächten im Bunde, über die Sebastiano und ich rein gar nichts wussten. Nicht mal genug, um Mutmaßungen anstellen zu können.

Die Bezeichnung Alter orientierte sich keineswegs bloß an Josés faltenzerfurchtem Gesicht und dem ausgemergelten Körper, obwohl beides leicht den irrigen Eindruck erwecken konnte, einen schon etwas tattrigen Rentner vor sich zu haben. Die Alten waren wirklich alt, vielleicht älter als die Zeit. José hüllte sich stets in Schweigen, wenn man ihn direkt danach fragte, und bisher war es uns auch nicht gelungen, auf Umwegen mehr darüber herauszufinden. Außer dass es von seiner Sorte noch ein paar andere gab, deren Bekanntschaft wir schon gemacht hatten – darunter auch zwei oder drei, vor denen man richtig Angst haben musste.

Die Alten, auch als Bewahrer bezeichnet, reisten durch die Tore von einer Epoche in die andere und gingen dort allen möglichen geheimnisvollen Aufgaben nach. Manchmal setzten sie dafür Zeitwächter ein, also Leute wie Sebastiano und mich, die man auch Beschützer nannte. Doch bestimmte Dinge erledigten sie lieber selbst, ohne je zu verraten, warum und für wen sie es taten.

Sie besaßen seltsame, magische Spiegel, in denen sie falsche Zeitläufe erkannten, und wo immer es ihnen nötig erschien, verhinderten sie mithilfe von uns Zeitwächtern unerwünschte Ereignisse, damit die von ihnen im Spiegel gesehenen Abweichungen nicht eintreten konnten.

Meist waren heimliche Manipulationen der Grund für solche Abweichungen. Ich hatte bereits mehrmals selbst erlebt, dass andere Alte dahintersteckten. Manche schienen sich die Zeit so zurechtbiegen zu wollen, wie es ihnen gefiel. Hin und wieder fragte ich mich, wie man wissen sollte, wer im Recht war. Sebastiano und ich waren bisher immer stillschweigend davon ausgegangen, dass José in diesen Dingen die letzte und verlässlichste Instanz war und dass alle anderen, die eigene Pläne verfolgten, mit unlauteren Motiven am Zeitstrom herumpfuschen wollten. Etwa, weil sie unbedingt die Welt beherrschen oder jemandem etwas heimzahlen wollten. Oder um zu beweisen, dass sie mehr draufhatten als andere. So genau hatte ich das bis jetzt nicht herausfinden können, denn José ließ sich auch zu den übrigen Alten kaum Informationen entlocken. Wir wussten nicht, woher sie kamen, wohin sie gingen und wer wessen Freund oder Feind war.

Was immer dahinterstecken mochte – in meinen Ohren klang es gar nicht gut, dass José hier noch ein paar Dinge zu erledigen hatte. Es hörte sich nach dunklen Verschwörungen und drohenden Gefahren an.

Sebastiano schien genauso zu empfinden, denn er setzte erneut zu einer Frage an, doch da öffnete sich knarrend die Kirchentür und der rothaarige Junge erschien.

»Ich bin so schnell gekommen, wie es ging.« Mit einem scheuen Blick auf mich zog er die Kappe von seinen nach allen Seiten abstehenden Locken. »Mylady.« Er verneigte sich ein wenig linkisch.

»Einfach bloß Anna«, sagte ich.

Trotz der dürftigen Beleuchtung sah ich, dass er rot wurde. Er nickte verlegen und trat von einem Fuß auf den anderen. »Ich bin Jeremy. Sie können mich Jerry nennen.«

Jerry trug derbe, aber saubere Kniehosen, eine etwas zu große Jacke aus blauem Tuch und ein weißes, ziemlich kunstvoll geschlungenes Halstuch. Anscheinend war es etwas zu eng gebunden, denn er zerrte daran herum und machte dabei keinen sonderlich glücklichen Eindruck.

José erhob sich. »Du kannst draußen bei der Kutsche warten. Ich bin in ungefähr fünf Minuten so weit.«

Jerry zerrte heftiger an seinem Halstuch. »Ich würde lieber hier drin auf Sie warten.«

»Warum?«

»Draußen ist eine Frau. Sie riecht nach Schnaps und sagt, sie heißt Molly. Sie meint, ich hätte ein verflucht elegantes Halstuch und sähe aus wie ein echter Gentleman.«

Sebastiano zog sofort die richtigen Schlüsse aus dieser leicht panisch klingenden Aussage. »Ich schätze, sie wollte dir nicht das Tuch vom Hals ziehen, sondern nur ein paar Schillinge aus deiner Börse.«

»Ich weiß, Sir. Aber ich würde lieber nicht wieder raus, solange sie da ist.«

»Das musst du auch nicht«, sagte ich. Es sollte tröstend klingen, kam aber als eine Art Bellen heraus, weil ich wieder husten musste. Mein Kopfweh war auch schlimmer geworden.

Ungeduldig wandte Sebastiano sich an José. »Anna muss zum Arzt. Lass uns endlich von hier verschwinden. Wenn Jerry ein Bote ist, kann er doch bei dem Sprung zusehen.«

»O ja! Ich möchte bitte dabei sein und es mir anschauen!« Jerrys Augen leuchteten vor Neugier.

José schüttelte den Kopf. »Ich kann das Fenster womöglich nicht öffnen, wenn du zusiehst, Jerry. Es ist nicht besonders stabil. Nun fass dir ein Herz und geh nach draußen! Gib der Dame einen Schilling und sag ihr, sie soll verschwinden.«

Jerry nickte niedergeschlagen und ging mit schleppenden Schritten zum Ausgang. Dabei sah er aus, als müsste er gegen eine tödliche Bestie zu Felde ziehen.

In diesem Moment schwang die Tür auf, und in einer Wolke aus Schnapsdunst kam eine dralle, stark geschminkte Frau herein. Das musste Molly sein. Sie trug ein schreiend gelbes Kleid, war um die dreißig und hatte eindeutige Absichten.

»Da ist ja mein reizender junger Gentleman! Bist du fertig mit Beten? Wie wär’s jetzt mit einem netten kleinen Stelldichein?«

Jerry zog bei dieser fröhlichen, leicht nuschelnd vorgebrachten Einladung den Kopf ein, dann drehte er sich langsam zu uns herum. Seht ihr?!, schienen seine anklagenden Augen zu sagen.

Ich musste schon wieder husten, diesmal heftiger, womit ich Molly auf mich aufmerksam machte. Sie rauschte an Jerry vorbei auf mich zu.

»Oh, du armes Ding! Du siehst ja grauenhaft aus! So schmutzig und heruntergekommen! Und krank bist du auch, wie? Hat dich die Schwindsucht in den Klauen? Suchst du deshalb Gottes nächtlichen Segen?« Sie warf dem glotzenden Jesus über dem Altar einen kurzen Blick zu und bekreuzigte sich beiläufig. »Herr, bitte heile diese Kleine von der Schwindsucht!« Dann unterzog sie mich genauerer Betrachtung. »Hübsch bist du. Und gar nicht so verhungert, wie ich auf den ersten Blick dachte.« Sie fasste nach meinem rußbeschmierten Ärmel und rieb die Spitze zwischen den Fingern. »Das war mal ein schönes Kleid. Wer hat es dir geschenkt?« Erst jetzt bemerkte sie José und Sebastiano. »Was sind das für Kerle?« Ihre Augen verengten sich. Plötzlich verschwand ihre Hand in den Falten ihres Kleides und kam mit einer Pistole wieder hervor. »Was habt ihr Schurken mit diesem armen geschundenen Kind vor?« (Eigentlich sagte sie nicht Schurken, sondern etwas sehr Unanständiges, das man jedoch nicht wiederholen kann und wobei sogar Sebastiano zusammenzuckte.)

Sie wedelte mit dem Lauf der Pistole, die ziemlich groß und bedrohlich wirkte. »Lass besser die Hand von deinem Waffengurt, Freundchen, sonst muss ich dir den Schädel wegpusten.« Sebastiano ließ gehorsam die Hände sinken.

Mollys Misstrauen war deutlich spürbar, als sie nun José genauer in Augenschein nahm. »Wer bist du? Du siehst aus wie ein verfluchter spanischer Seeräuber. Wolltet ihr zwei das Kind auf ein Schiff verschleppen und es an einen von diesen perversen orientalischen Haremsherrschern verschachern?«

»Frau, Sie haben eine blühende Fantasie.«

»Es ist alles in Ordnung«, warf ich ein. »Das sind gute Freunde von mir. Wir wollten hier bloß zusammen … beten.«

»Verstehe«, sagte Molly, aber es klang nicht überzeugt. Sie senkte die Pistole keinen Zentimeter.

»Was halten Sie von zwei Pfund Sterling für eine kleine Gefälligkeit?«, erkundigte José sich bei ihr.

»Welche Gefälligkeit?«

»Zu verschwinden.«

Jerry ließ einen entrüsteten Laut hören. »So viel?«

Molly drehte sich mitsamt der Pistole zu ihm um. »Findest du, dass eine Gefälligkeit von mir weniger wert ist?«

»Äh … nein«, beteuerte er hastig. Doch sein Missfallen war ihm deutlich anzumerken, als José ihn aufforderte, Molly hinauszubegleiten und ihr die vereinbarte Summe auszuhändigen. Sie steckte die Pistole weg und sah José mit frisch erwachtem Wohlwollen an. »Du siehst aus, als wäre deine letzte Reise verdammt lang und einsam gewesen, alter Seemann. Ich könnte ein bisschen nett zu dir sein.«

»Besten Dank, aber nein.«

»Und was ist mit dir, Bursche?«, fragte sie Sebastiano. Ich hatte den Eindruck, dass ein interessiertes kleines Funkeln in ihren Augen stand.

»Nein, auf keinen Fall«, sagte ich.

Molly schien nicht sonderlich überrascht. »Gut, dann lass ich euch Hübschen jetzt mal bei eurer Andacht allein.« Sie grinste mich an. »Pass gut auf dich auf, Kindchen. Und auf den da auch.« Sie deutete auf Sebastiano. »Männer verschwinden oft schneller, als du Gin sagen kannst.« Als hätte sie sich damit selbst ein Stichwort gegeben, holte sie aus einer anderen Tasche ihres Kleides eine Flasche, entkorkte sie und gönnte sich ein paar ordentliche Schlucke. Leise rülpsend verstaute sie die Flasche anschließend wieder. »Falls ihr wieder mal eine Gefälligkeit braucht, kommt in die Brick Lane zu Molly Flanders! Meine Tür steht immer für euch offen! Und nun los, mein Füchslein, wir haben noch Geschäfte zu erledigen.« Mit einer schwungvollen Geste hängte sie sich bei Jerry ein, ehe er zurückweichen konnte, und spazierte mit ihm zusammen nach draußen.

»Endlich.« Sebastiano kam zu mir, legte den Arm um mich und führte mich zu der Säule, wo José uns erwartete.

»Kann’s losgehen?« Sein unbedecktes Auge musterte mich fragend.

Ich nickte und unterdrückte ein weiteres Husten, während Sebastiano mich fest in die Arme schloss. Ich lehnte mich an ihn und atmete seinen vertrauten, tröstlichen Geruch ein – nach Wolle, Leder und Sandelholz. Und nach ihm selbst. Und, na ja, ziemlich viel Rauch, aber das war nach Lage der Dinge nicht anders zu erwarten. Um uns herum begann ein Flimmern, zuerst eine dünne Linie aus Licht, die rasch breiter wurde und schließlich alles in blendende Helligkeit tauchte. Gleichzeitig fing die Luft an zu vibrieren, der Boden schien sich zu heben und dann unter meinen Füßen einzubrechen. Ich klammerte mich an Sebastiano fest und kniff die Augen zu, denn vor dem, was als Nächstes kam, hatte ich immer am meisten Angst: der ohrenbetäubende Knall, der uns in die Unendlichkeit der Zeit schleuderte.

London, 2013

Ich kam in einer seltsamen, auf und ab schwankenden Umgebung zu mir – Neonlicht und verdreckte und bekritzelte Kacheln. Sebastiano hielt mich in seinen Armen, ich sah sein besorgtes Gesicht über mir. Er trug mich durch eine Art Tunnel.

»Lass mich runter, mir ist schlecht«, brachte ich würgend heraus.

Er stellte mich gerade noch rechtzeitig auf die Füße. Ich gab den Rest meines Mageninhalts von mir (viel war es zum Glück nicht mehr), bevor ich mich stöhnend zu orientieren versuchte. Ich blinzelte ungläubig, als ich erkannte, dass wir nicht allein waren. Auf einer Länge von ungefähr zehn Metern lagen fast ebenso viele menschliche Gestalten auf dem Boden, eingehüllt in Schlafsäcke oder schäbige Decken. In dem unbarmherzig grellen Licht sah ich verfilzte Haarschöpfe und ab und zu ein graues Gesicht. Es stank stechend nach Urin und Schweiß.

»Wo sind wir hier?«, wollte ich entsetzt wissen.

»In einer Unterführung.«

»Was machen all diese Typen hier?«

»Übernachten«, erwiderte Sebastiano. Er wollte mich wieder hochheben, doch ich wehrte ab.

»Ich kann allein gehen. Wo ist José?«

»Schon wieder zurückgesprungen.« Sebastiano sah besorgt aus. »Bist du sicher, dass du alleine laufen kannst?«

»Ganz sicher.« Trotzdem war ich wacklig auf den Beinen, und er musste mich beim Weitergehen stützen. Vorsichtig bewegten wir uns an der Reihe der schlafenden Obdachlosen entlang. Als wir das Ende der Unterführung schon fast erreicht hatten, wurde einer der Männer wach und betrachtete uns mit trüben Augen.

»Happ ihr was ssu trinken?«, lallte er. »Oder ein bissn Geld?«

»Leider nein, Kumpel«, antwortete Sebastiano.

»Okay, ssön Tag euch sswei.«

Er drehte sich um und schlief weiter. An unserem historischen Outfit schien er sich nicht zu stören. Genauso wenig wie der Fahrer des Taxis, in das wir kurz darauf stiegen. Mehr als ein beiläufiger Blick wurde uns nicht zuteil. Das war London. Hier liefen zu viele Leute in ungewöhnlicher Kleidung herum, als dass unser Aufzug irgendwen irritiert hätte.

Wir fuhren durch die nächtliche Innenstadt nach Westminster zu unserem Hotel. Ich wartete im Wagen, während Sebastiano rasch aufs Zimmer ging und Geld holte, um den Taxifahrer bezahlen zu können, der uns gleich weiterbeförderte, zur nächstgelegenen Klinik, wo ein überarbeiteter Arzt mich nach ein paar kurzen Erklärungen an einen Tropf und ein Sauerstoffgerät hängte. Ich musste mich auf ein Bett legen und ausruhen.

»Ich bin so müde«, murmelte ich, doch weil ich die Maske über dem Gesicht hatte, bekam es keiner mit. Im Wegdämmern hörte ich noch, wie Sebastiano der Krankenschwester irgendeine Story über eine Kostümparty und einen Küchenbrand erzählte, die sich so plausibel anhörte, dass ich sie beinahe selber glaubte.

Als ich wieder aufwachte, war es heller Tag, und es ging mir wesentlich besser. Der Hustenreiz war so gut wie weg, die Übelkeit war verschwunden, und die Kopfschmerzen hatten sich bis auf ein mildes Ziehen hinter den Schläfen ebenfalls verflüchtigt. Was immer in dem Tropf für ein Mittel gewesen war, es hatte super geholfen. Der Arzt checkte mich kurz durch und unterschrieb dann die Entlassungspapiere. Es ging eindeutig aufwärts mit mir. Sebastiano dagegen wirkte erschöpft und übernächtigt. Er hatte stundenlang neben meinem Bett gesessen und meinen Schlaf bewacht.

Wir fuhren zurück zum Hotel, warfen unsere verdreckten und verqualmten Regency-Klamotten in den Müll, duschten ausgiebig und schliefen noch ein paar Stunden. Anschließend fühlte ich mich wie neu geboren – und war hungrig wie ein Löwe. Wir zogen frische Sachen an und gingen in einem Pret a Manger um die Ecke was essen. Wir wählten Salat und Sandwiches, und zum Nachtisch holte ich mir noch einen köstlichen Brownie, den ich in heißen Milchkaffee tunkte.

»Schade, dass wir morgen schon wieder nach Hause müssen«, seufzte ich, den Mund voller eingeweichtem Kuchen.

»Kleine Planänderung. Wir bleiben noch ein paar Tage.«

»Aber unser Flug geht morgen früh!«

Sebastiano schüttelte den Kopf. »Das ist ja die Planänderung. Kurz bevor José zurücksprang, meinte er, wir sollen auf ihn warten. Wir müssen noch einen Job erledigen.«

»Welchen denn?«

»Das hat er nicht gesagt. Aber es klang … dringend.«

Sebastiano wirkte ernst, als er das sagte. Ich hatte insgeheim schon Mutmaßungen angestellt, was wohl hinter Josés Geheimniskrämerei stecken mochte, aber brauchbare Ideen waren mir dabei nicht gekommen.

Sebastiano ging es offenbar genauso. »Ich habe wirklich nicht die blasseste Ahnung, was da gerade los ist, aber ich bin davon überzeugt, dass es sich um was ziemlich Gravierendes handelt.«

»Hat er denn gesagt, wann er wiederkommt?«, fragte ich.

»Er meinte, in zwei, drei Tagen.«

»Hm. Das sind ja Neuigkeiten.« Die ich bei genauerem Nachdenken gar nicht so übel fand. Natürlich machte ich mir leichte Sorgen darüber, mit welchem Job José wohl als Nächstes ankommen würde, doch ich sah auch das Positive daran: Wir konnten uns hier noch ein paar wirklich schöne Tage machen!

»Solltest du nicht bei dir auf der Arbeit Bescheid sagen, dass du nicht kommst?«, fragte ich Sebastiano.

»Schon erledigt.«

»Was hast du denen erzählt?«

»Die Wahrheit. Dass du eine Rauchvergiftung hast und wir deshalb noch hierbleiben müssen. Ich hab ein bisschen übertrieben«, setzte er hinzu. »Begeistert waren sie nicht, aber was wollen sie machen?«

Nach seinem Abschluss an der Uni hatte er im vergangenen Jahr einen Job bei der Biennale-Verwaltung angetreten. Im Herbst würde wieder eine Ausstellung stattfinden, was eine Menge Arbeit mit sich brachte, aber bestimmt würden sie auch mal einige Tage ohne ihn auskommen.

Ich selbst verpasste arbeitsmäßig nicht viel. Das war der Vorteil, wenn man noch studierte. Momentan war keine Vorlesungszeit an der Uni, ich musste nur noch bis zum Ende des Monats eine Seminararbeit über Giacomo Casanova fertig schreiben – den ich zufällig bei einem Job im Jahr 1756 bereits persönlich kennengelernt hatte und deshalb ein paar interessante Zusatzperspektiven einbringen konnte. Natürlich so, dass niemand etwas merkte.

Ich mochte mein Studium. Es war eine gute Entscheidung gewesen, mich in Venedig für italienische Literatur einzuschreiben. Nicht nur, weil ich dadurch mit Sebastiano zusammenleben konnte, sondern weil ich Spaß an dem Fach hatte und gern dafür lernte. Und nebenher blieb immer noch genug Freiraum, um mit Sebastiano und José auf Zeitreise zu gehen. Alles in allem führte ich ein abwechslungsreiches und aufregendes Leben, und das auch noch mit dem Mann, den ich liebte. Und jetzt waren wir hier zusammen in einer der schönsten Städte Europas. Wunderbare Tage lagen vor uns, genau so, wie ich es mir gewünscht hatte. Eigentlich hätte ich glücklich sein müssen, doch irgendetwas störte mich. Ich konnte nicht genau sagen, was es war, dafür war es zu diffus und zu wenig fassbar. Entschlossen verdrängte ich das seltsame Unbehagen. »Lass uns was unternehmen!«

»Was schlägst du vor?«

Das war eine sehr gute Frage. Ich holte den Reiseführer aus meiner Handtasche und klappte ihn auf. »Mal sehen, was es hier in der Nähe so gibt.« Gleich darauf wurde ich fündig und zeigte mit dem Finger auf mein Wunschziel. »Ich glaube, da möchte ich jetzt gern hin.«

Stern

Schon am Anfang unseres Spaziergangs hatte ich ein ungutes Gefühl. Dabei fing alles ganz harmlos an. Arm in Arm schlenderten wir durch den St. James Park in Richtung Buckingham Palace. Es war angenehm warm, der Himmel wolkenlos blau. Der Sommer zeigte sich von seiner schönsten Seite. Schwäne glitten über den See, der an unserem Weg lag. Am Ufer watschelten ein paar Pelikane einher und stritten sich mit vereinzelt herumpickenden Tauben um das Futter. Zwischen den mächtigen Bäumen flitzten Eichhörnchen herum, die auch ihren Anteil wollten. Gleich mehrere der berühmtesten Sehenswürdigkeiten der Stadt waren in Sichtweite: Westminster Abbey, das gigantische Riesenrad London Eye, der Buckingham-Palast. Auf dem Rasen sonnten sich verliebte Pärchen, auf den Bänken ruhten sich Rentner aus, und immer wieder trabten Jogger vorbei. Davon abgesehen bevölkerten natürlich auch Scharen von Touristen die Gegend, vor allem vor dem Palast, den wir bald darauf erreicht hatten. Aber die idyllische Schönheit der Umgebung wurde nicht einmal durch die ungezählten Besucher getrübt. Ich knipste die monumentale, golden in der Sonne leuchtende Siegesgöttin auf dem Victoria Memorial und ging dann mit Sebastiano weiter zum Zaun vor dem Palastgelände, weil ich unbedingt die Scots Guards sehen wollte.

»Was machen wir als Nächstes?«, fragte Sebastiano, nachdem ich ein paar Fotos von den stoisch dreinblickenden Palastwachen geschossen und mich damit abgefunden hatte, dass in absehbarer Zeit wohl leider weder Prinz William noch Kate noch sonst irgendeiner der Royals auftauchen würden.

»Ich weiß nicht«, sagte ich geistesabwesend, denn das ungute Gefühl hatte begonnen, stärker zu werden. Genau in diesem Moment spürte ich das Jucken. Ich rieb mir den Nacken, weil ich zuerst dachte, der Rand von meinem T-Shirt würde auf der Haut scheuern, doch schon während ich das tat, begriff ich, dass es genau das war, was mir schon von jeher eine Heidenangst eingejagt hatte: Das Nackenjucken war eine Art übersinnliche Gabe, die ich schon lange besaß und die sich immer dann meldete, wenn mir von irgendwoher Gefahr drohte. Die Alten hatten mir diese besondere Fähigkeit verpasst, als ich noch klein gewesen war. Ein paarmal hatte dieses Jucken mich schon vor schlimmeren Unannehmlichkeiten bewahrt, aber manchmal setzte es auch quasi erst auf den letzten Drücker ein, sodass ich die brenzlige Situation erst bemerkte, wenn ich bereits mittendrin steckte.

Sebastiano sah, dass ich mich kratzte. »Anna?« Er blieb abrupt stehen, fasste mich bei den Schultern und starrte mich an.

Im nächsten Moment zischte ein Radfahrer an uns vorbei, so dicht, dass er uns um ein Haar gerammt hätte. Was er vielleicht auch getan hätte, wenn wir nicht gerade beide stehen geblieben wären. Sebastiano rief dem Typen ein italienisches Schimpfwort hinterher, dann blickte er mir eindringlich in die Augen. »War es das?«, fragte er angespannt. »Ist es vorbei?«

Ich ließ die Hand sinken und nickte stumm. Tatsächlich hatte das Jucken wieder aufgehört.

Trotzdem blieb eine leise Beklemmung zurück. Eine Art vage Ahnung, dass mich das Jucken vor mehr warnen wollte als bloß vor einem rasenden Radfahrer. Es dauerte eine Weile, bis ich dieses latente Unbehagen näher einordnen konnte.

Es war das Gefühl, beobachtet zu werden.

Stern

Ich sprach nicht mit Sebastiano darüber, denn im Laufe des restlichen Tages verschwand das Gefühl, bis ich schließlich davon überzeugt war, dass es bloß eine Nachwirkung von dem ganzen Stress der letzten Nacht gewesen war. Wir klapperten zu Fuß noch ein paar Touristenattraktionen im näheren Umkreis ab – Westminster Abbey, Downing Street Nr. 10, die Horse Guards und Trafalgar Square. Den Platz kannte ich schon, denn da befand sich direkt neben Nelson’s Column das große Zeitreise-Portal, durch das wir vor ein paar Tagen ins Jahr 1813 gesprungen waren, um Mr Turner und seine Bilder zu retten. Die Siegessäule hatte es damals allerdings noch nicht gegeben, obwohl Admiral Nelson die berühmte Seeschlacht gegen die Franzosen bereits ein paar Jahre zuvor gewonnen hatte.

Wir kauften uns ein Eis, setzten uns auf die Umrandung des Brunnens und sahen eine Weile dem bunten Treiben auf dem Platz zu. Ein waghalsiger Typ in karierten Bermudas kletterte auf einen der riesigen Bronzelöwen zu Füßen des Ehrenmals und posierte für seine Freundin, die ihn aus allen möglichen Perspektiven knipste. Im Hintergrund fuhren die doppelstöckigen roten Busse vorbei, Londoner Wahrzeichen, die zum Stadtbild gehörten wie der endlose, niemals abreißende Strom der Touristen. Der Brunnen war umlagert von Leuten, ebenso das Spektakel, das ein Stück weiter von Straßenkünstlern auf riesigen Einrädern aufgeführt wurde. Es wimmelte nur so von Menschen, so ähnlich wie an einem sonnigen Tag auf der Piazza San Marco in Venedig.

Nur ein paar Schritte entfernt befand sich das Tor. Ich meinte, beim Betrachten der Stelle einen leisen Schauer zu spüren. Aber solange keiner von den Alten es öffnete, war es so gut wie nicht existent. Davon abgesehen wurde es von Außenstehenden nicht mal dann bemerkt, wenn es in Betrieb war. Das war das Besondere an diesen Haupttoren. Man konnte – vorausgesetzt einer der Alten war dabei – mitten am Tag und vor aller Augen hindurchwechseln. Die Menschen drumherum konnten einen zwar verschwinden oder wieder auftauchen sehen, aber es kam ihnen nicht weiter ungewöhnlich vor – sie vergaßen es ganz einfach sofort wieder.

Gerade stand ein verschlafen aussehender Typ mit Rastalocken genau an der Stelle, wo sich das Tor befand, und blätterte müßig in einem Stadtführer, was mich daran erinnerte, dass Sebastiano und ich noch ein umfangreiches Besichtigungsprogramm vor uns hatten.

Da wir nun schon hier waren, hätte sich ein Besuch der benachbarten National Gallery angeboten, denn dort gab es unter anderem auch Bilder von Mr Turner zu bewundern. Aber für einen Marsch durch das weitläufige Museum war ich dann doch zu erledigt, weshalb ich auch sofort zustimmte, als Sebastiano vorschlug, zum Hotel zurückzukehren. Schließlich war morgen auch noch ein Tag.

Am Abend aßen wir in einem indischen Restaurant das beste Hähnchencurry aller Zeiten, und hinterher gingen wir auf einen Absacker in einen Pub am Ufer der Themse. Wir saßen an einem kleinen Tisch am Fenster, tranken Guinness vom Fass und unterhielten uns. Dabei dachte ich, wie seltsam es doch war – jetzt kannten wir uns schon bald vier Jahre, und manchmal kam es mir vor, als müssten wir einander nur ansehen, um zu wissen, was der andere gerade dachte. Trotzdem ging uns nie der Gesprächsstoff aus. Ebenso gut konnten wir aber auch bloß gemeinsam dasitzen und kein Wort sagen, minutenlang, ohne dass uns das Schweigen gestört hätte. Es fühlte sich einfach gut an. Vertraut und richtig.

An diesem Abend war allerdings eher Reden angesagt. Zum Beispiel über Vanessa, die seit Grundschulzeiten meine beste Freundin war. Wir hatten im Abstand von nur zwei Tagen Geburtstag und auch sonst viel gemeinsam, zum Beispiel, dass wir beide immer unfassbar schlecht in Mathe gewesen waren und deshalb gleichzeitig eine Klasse wiederholt hatten. Leider sahen wir uns nicht mehr so häufig, seit ich in Venedig lebte, denn Vanessa war nach dem Abi in unserer beider Heimatstadt Frankfurt geblieben. Sie studierte dort Jura und war todunglücklich, vor allem, seit sie an der Uni einen Typen namens Manuel kennengelernt hatte.

In dem Pub gab es offenes WLAN, und seit wir reingekommen waren, hatte sie mir schon mindestens zehnmal geschrieben und ihren neuesten Beziehungsfrust abgeladen.

»Wieso schießt sie den Typen nicht in den Wind, wenn er sie dermaßen beleidigt?«, erkundigte Sebastiano sich.

»Sie fühlt sich nicht beleidigt, sondern denkt, er hätte ihr bloß die Wahrheit gesagt.«

»Er hat gesagt, sie sei fett!«

»Na ja, sie glaubt ja selbst, sie sei fett.«

»Hat sie zugenommen, seit wir sie das letzte Mal gesehen haben?«

»Nicht, dass ich wüsste.«

»Was hat sie für eine Kleidergröße? Achtunddreißig?«

»Exakt«, stimmte ich zu.

»Na also. Sie ist nicht dicker als du.«

Ich starrte ihn an. »Was genau soll das denn jetzt heißen? Ich habe Größe sechsunddreißig!«

Er machte ein erschrockenes Gesicht. »Damit meinte ich nicht, dass …«

Ich grinste ihn an. »War nur ein Scherz.«

Er erwiderte mein Grinsen auf seine unwiderstehliche Art und ließ den Latin Lover heraushängen. »Für mich kannst du gar nicht rundlich genug sein, piccina. Eigentlich darfst du ruhig noch was zulegen.«

Wir alberten ein bisschen herum, während die nächste Nachricht von Vanessa auf meinem iPhone plingte.

Wäre jetzt gerne bei euch und würde zu eurem nächsten Einsatz mitkommen. Kannst du nicht mal mit diesem einäugigen Typen reden, ob sie vielleicht noch Ferienjobs anbieten?

»Es war definitiv ein Fehler, es ihr zu erzählen«, sagte Sebastiano, der neben mir saß und mitlas.

»Sie ist meine beste Freundin, ich hätte es sowieso nicht mehr ewig vor ihr geheim halten können. Und irgendwas musste ich ihr doch sagen, nach der Sache mit dem Brillantcollier. Sie kennt mich genau, eine Lüge hätte sie auf keinen Fall geschluckt.«

Das Collier hatte Sebastiano nach einem denkwürdigen Abenteuer in Paris aus dem Jahr 1625 mitgebracht. Tragen konnte ich es nicht, weil es viel zu wertvoll und auffällig war, also hatte ich es gut versteckt. Das dachte ich jedenfalls – bis Vanessa auf der großen Party, die wir letztes Jahr zusammen zu unserem 20. Geburtstag veranstaltet hatten, Eiswürfel aus dem Gefrierfach holen wollte. Da war ihr dann die blinkende Pracht in die Hände gefallen, und ich hatte ihr notgedrungen ein paar Erklärungen liefern müssen.

»Vielleicht sollte ich José wirklich mal fragen, ob sie mitmachen kann«, sagte ich. »Du bist schließlich damals auch durch einen Freund an den Zeitwächter-Job gekommen.«

Pling. Noch eine Nachricht von Vanessa.

Aber eigentlich hab ich gar keine Zeit, denn übermorgen will Manuel nach Ibiza. Seine Eltern haben da ein Ferienhaus. Wenn ich nicht mitfahre, wird er wieder eine Woche nicht mit mir reden. Ich bin sowieso schon so fertig. Hab ich dir schon erzählt, dass ich durch die Zwischenprüfung gefallen bin?

»Damit hat es sich wohl erledigt«, sagte Sebastiano.

Ich schrieb Vanessa was Nettes zurück und tröstete sie wegen der vergeigten Zwischenprüfung. Zum Glück konnte sie die wiederholen. Falls sie das überhaupt wollte. Sie hatte schon ein paarmal angedeutet, dass sie mit Jura vielleicht danebengegriffen hatte und eventuell lieber auf irgendwas mit Kunst oder Mode umschwenken wollte.

Der Kellner brachte eine zweite Runde Guinness, aber ich machte nach einem halben Glas schlapp und kam aus dem Gähnen nicht mehr heraus. Sebastiano zahlte, und wir spazierten durch die laue Sommernacht zurück zum Hotel. Überall brauste der Verkehr, es war fast so viel los wie tagsüber. Man musste höllisch aufpassen, weil die Autos alle von rechts angeschossen kamen statt von links. Riesige aufgemalte Pfeile auf der Fahrbahn – wahrscheinlich extra für Touristen angebracht – stellten klar, wohin man schauen musste, bevor man sich rüber traute.

Wir gingen eng umschlungen, und genauso schliefen wir später auch ein. Ich hatte den Kopf auf Sebastianos Brust gebettet und hörte seinen Herzschlag. In diesem Augenblick war ich wunschlos glücklich.

Stern

Im Traum fiel ich durch einen dunklen Schacht in die Tiefe. Nicht schnell wie ein Stein, sondern langsam, wie ein wirbelndes Blatt, hin und her geworfen von Strömungen, die ich nicht kontrollieren konnte. Ich wusste, dass dies nicht die Realität war; trotzdem spürte ich die Kälte, die mich von allen Seiten umgab, ebenso wie die furchterregende Unendlichkeit, der ich entgegenfiel. Es war ein bisschen wie der Sturz bei Alice im Wunderland, nur dass dort unten keine Märchenwelt auf mich wartete, sondern etwas viel Schlimmeres.

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