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Zeitalter der Urwesen

ZAUBERBUCH DES ZIERA-CLANS

BAND I - KAPITEL I

Die Meisten sagen, dass jeder gleich sei. Es ist egal, aus welchem Land er kommt, ob er schwarz oder weiß, arm oder reich ist oder welcher Religion er angehört. Er hat die gleichen Rechte wie alle anderen auch.

Trotzdem ist er ein Mensch.

Aber es gibt Menschen, die anders sind. Ganz anders und viel gefährlicher.

Sie gehören zu den uralten Rassen, die neben den heutigen existieren und sich frei unter ihnen bewegen. Doch sie bleiben immer verborgen.

Dir wird niemals auffallen, dass sie da sind ...

Du wirst sie niemals bemerken ...

Denn sie sind die Schatten der Nacht – die vollkommene Finsternis.

Sie sind Wesen, die unendlich lang leben können und übermenschliche Kräfte besitzen.

Sie sind Wesen, die in der Dunkelheit lauern und sich unauffällig unter euch bewegen – ohne ihre wahre Identität preiszugeben.

Denn sie verstecken ihre Male. Sie verstecken ihre wahre Natur.

Immer wenn sie in Kampflust sind oder wenn sie Blut riechen, erscheinen feine dunkle Linien auf ihrem Oberkörper – als Zeichen ihres Stammes. Ihre Augen nehmen die Farbe des Feuers an und ihre zwei Eckzähne fahren scharf und tödlich aus dem Zahnfleisch hervor, länger und länger, bis sie ihnen unübersehbar über die Lippen ragen.

Die ganze Welt fürchtet sich vor ihnen. Alle Normalsterblichen, die an ihre Existenz glauben, zittern vor Angst, ihnen über den Weg zu laufen. Für sie sind sie Monstren – Raubtiere – in menschlicher Gestalt, die ... das Blut lebender Menschen trinken.

Trotzdem sind sie nach wie vor Menschen.

Sie sind ein Teil der Urwesen, Menschen der alten Stämme, die schon seit über Jahrtausenden existieren.

Ja, sie sind real und können vielleicht sogar ganz in deiner Nähe sein ...

Vampire ...

PROLOG

Villingen-Schwenningen, Süddeutschland

Januar vor 4 Jahren

Eisig kalt ...

Es schneite ...

Die weißen Schneeflocken fielen ganz langsam und stumm vom Himmel hinunter, mehr und mehr.

Eine Frau in einem großen schwarzen Wintermantel zog die Kapuze tief ins Gesicht, damit niemand sie erkennen konnte, und hetzte über die leere Straße. Mit einem Baby in den Armen lief sie wie eine Verrückte in Richtung östlicher Seite des Waldes.

Sie floh!

Die seelenlosen Kreaturen verfolgten sie, jagten sie, schossen auf sie, trafen aber glücklicherweise nicht. Die Schreie von Befehlen und die Laufschritte der Männer hallten durch das ganze Viertel der Stadt.

Panisch mischte sich die Frau unter die herbeilaufende Nonnengruppe, versuchte zu entkommen. Und schließlich gelang ihr die Flucht. Für einen Moment auf jeden Fall. Keuchend drückte sie ihren Rücken an eine Mauer und lauschte den Schritten der Männer, die immer näher kamen.

Scheiße, nein!

Tief Luft holend drückte sie das Kind, ihr kleines Töchterchen, fest an die Brust. Sie musste ihre Tochter verstecken oder sie so schnell wie möglich zu ihrem Rudel bringen – in Sicherheit. Sie verfluchte sich selbst, dass sie ohne Begleiter in die Innenstadt gelaufen war, obwohl sie wusste, dass sie von der Geburt noch sehr geschwächt war. Somit war sie eine leichte Beute für diese Kreaturen.

Ein Kracken ertönte. Nicht weit von ihr.

Sofort hielt die Frau den Atem an und rutschte noch tiefer in die Nische der Mauer. Mehrere Minuten vergingen, bis die Schritte dieser Wesen sich von ihr weg bewegten. Sie unterdrückte einen Seufzer und begann dann zu rennen. Rannte schnell und heimlich davon, in Richtung Wald zu ihrem Rudel, blieb nicht stehen.

Minuten vergingen wie Stunden, als sie sich schließlich ihrem Revier näherte. Unsicher schaute sie hin und her, bevor sie durch den Energiewall schlüpfte, der ihr Rudel vor anderen Stämmen und Menschen schützte.

Nun, wo sie endlich zu Hause war, sollte sie sich doch sicher fühlen ... Doch das tat sie komischerweise nicht.

Sie versteifte sich und schaute nervös und ängstlich um sich. Niemand war hier. Keine einzige Stimme drang durch die Bäume oder Hütten in der Nähe. Nichts. Etwas stimmte hier nicht.

Es war still. Viel, viel zu still.

Sie holte tief Luft und schnupperte herum. Erschrocken riss sie die Augen weit auf. Nein, das konnte nicht sein. Unmöglich!

„Nein“, flüsterte sie, schüttelte ungläubig den Kopf.

In diesem Augenblick kreischte ihr Töchterchen laut los. Erschrocken drückte sie ihre Tochter an die Brust, wirbelte herum und wollte weglaufen.

Die Kreaturen der Schatten!

Sie waren hier in ihrem Revier. Alle Bewohner ihres Rudels waren verschwunden. Alle waren weg ... Weg!

Ihre Tochter wollte nicht aufhören zu schreien und nun schrie sie noch lauter und lauter. Die Mutter biss sich auf die Lippen, Panik ergriff sie. Sie musste schleunigst von hier fort. Jetzt war sie nicht mehr sicher – auch ihre Tochter nicht.

Doch bevor sie sich in Bewegung setzen konnte, sprang eine Gestalt mit glühenden blutroten Augen sie an.

Und ihr Kreischen und das ihrer Tochter zerrissen die Nacht.

* * *

1. Kapitel

Starnberger See, Süddeutschland

Dezember, Gegenwart ...

„Kalt“, murmelte Irene Stevens vor sich hin.

Zitternd zog sie die Handschuhe an und rieb die Hände aneinander, um sich – oder zumindest die Hände – warmzuhalten. Die Heizung des Wagens war zwar ganz aufgedreht, aber warum zum Teufel war es immer noch so kalt? Kurz warf sie einen Blick aus dem Fenster. Endlich waren sie am Starnberger See angekommen. Die Autofahrt dauerte zwar nur dreißig Minuten, aber die Kälte war kaum noch auszuhalten. Ganz genau begutachtete Irene die Gegend. Ihre Augen erblickten alle Winkel, die perfekt zum Fotografieren waren.

Es könnte gut hinkommen.

„Okay, du kannst mich hier absetzen, Mina“, sagte sie zu ihrer Schwester.

„Wie du meinst“, brummte Aramina Stevens mürrisch und hielt an.

Irene konnte die Verärgerung ihrer jüngeren Schwester Aramina verstehen. Schließlich war die Arme gezwungen, die Fahrerin zu spielen, und das an so einem kalten Tag. Seufzend öffnete Irene die Tür und stieg aus.

So, ab in die Schlacht – nun ja, Kälte.

Vorsichtshalber zog sie zusätzlich noch die Kapuze über den Kopf, um diesen und ihre Ohren zu schützen. Dann trat sie auf das Ufer des Sees zu. Es war mitten im Winter und es schneite. Schneeflocken tanzten und schwebten schön in der Luft, um sich dann ganz langsam und stumm auf den Boden fallen zu lassen. Sie bedeckten das Land mit ihrem Weiß ... einfach wunderschön.

Ein perfekter Platz zum Fotografieren.

„Danke fürs Hinfahren.“ Irene lachte leise. Während sie sprach, bildete sich eine dichte Atemwolke vor ihrem Mund.

Aramina antwortete mit einem grimmigen Schnauben, dass Irene die Lippen zusammenpressen musste, um nicht zu lachen.

„Sehr witzig. Hör mal, Schwesterherz, wir haben heute unter null Grad. Und falls du es noch nicht bemerkt hast, ich friere mir hier den Arsch ab“, sagte Aramina hinter ihr im Wagen. „Du schuldest mir also was!“

Irene hätte beinahe gelacht. Ja, es war wirklich schwierig gewesen, Aramina zu überreden, sie hierher zu fahren. Aber da Aramina ungern ihren Autoschlüssel hergab, blieb ihr nichts anderes übrig, als mitzufahren. Außerdem befand sich Irenes Wagen noch in der Werkstatt.

Pech gehabt.

„Kalt, kalt, kalt. Wären wir doch in Florida geblieben.“ Aramina kauerte sich auf ihrem Sitz zusammen. „So, Irene, ich bleibe keine Sekunde länger hier und fahre jetzt nach Hause. Ich hole dich in drei Stunden wieder ab, klar? Wir treffen uns hier und SEI PÜNKTLICH! Mutter will und mag es nicht, wenn du dich verspätest.“

„Ja, ja.“ Irene winkte ab. „Und du willst mir wirklich nicht Gesellschaft leisten? Ein kleiner Spaziergang wäre doch ganz nett. Du willst mich doch nicht allein lassen, oder?“ Sie warf ihrer Schwester einen Hundeblick zu. „Ich lade dich auch zu einer Tasse Kaffee und einem Stück Kuchen ein.“

Aramina machte ein Gesicht, als würde sie gleich vor Kälte zu Eis verwandelt. Na schön, dann eben nicht. Wenn Aramina schon Kaffee und Kuchen ignorierte, dann hieß es: aufgeben. Die Schultern zuckend holte Irene ihren Fotoapparat aus dem Wagen und begann schon zu knipsen, als Aramina den Motor startete.

„Ein andermal, ja?“, versprach sie und fuhr weg, noch bevor Irene etwas erwidern konnte.

Grinsend winkte Irene ihrer jüngeren Schwester kurz zum Abschied, dann machte sie sich wieder an die Arbeit.

Lange wanderte sie am See und am Waldrand entlang, knipste Fotos von See, Wald, Häusern, Menschen und Tieren in der Nähe. Irgendwann machten ihre Beine nicht mehr mit und sie gönnte sich eine kleine Pause in einem Café, um einen heißen Tee zu trinken und ein Stück Kuchen zu essen.

Gut gelaunt betrat sie das Café „Redmood“ und musste sofort innehalten, als die Stimmung abrupt auf den Nullpunkt sank, kaum, dass sie einen Fuß in den Laden gesetzt hatte. So gut wie alle Menschen sahen sie ernst an. Was war denn jetzt schon wieder? Nur weil sie aus Florida kam und eine Ausländerin war, mussten diese Leute nicht so schauen. Eine Sekunde lang spielte Irene mit dem Gedanken, wieder zu verschwinden, aber sie standen doch in einem freien Land, oder? Stolz hob Irene das Kinn, setzte sich an einen Einzeltisch am Fenster.

Auch die Kellnerin schien misstrauisch zu sein. Na toll! Die Frau verdrehte gelangweilt die Augen und holte ihren Notizblock aus der Tasche.

„Was darf’s denn sein, Mikain?“, knurrte sie und deutete mit einem Nicken auf den Glasschrank, in dem mehrere Kuchensorten zur Schau standen. „Wie Sie sehen, haben wir heute mehrere Kuchen zur Auswahl.“

...

Moment mal! „Mikain“? Was sollte das jetzt schon wieder? Sollte das etwa eine Beleidigung sein?

Einfach ignorieren.

„Ein Jasmin-Tee und ein Stück Himbeerkuchen“, sagte Irene mit fester und selbstsicherer Stimme. „Und übrigens: Ich heiße nicht ,Mikain‘?“

Die blonde Kellnerin behielt ihre Arroganz, blies eine Kaugummiblase und ließ sie platzen. „Aber Sie sind eine“, sagte sie schmatzend, als sie wieder zu kauen begann.

„Nein, ich bin aus Florida. Aus den USA!“, entgegnete Irene energisch. „Außerdem wo liegt dieses Land überhaupt? Wie haben Sie das gesagt? ,Mikain‘.“

Stille.

Mit verwirrter und überraschter Miene tauschten die Leute im Laden Blicke aus und einen Augenblick später begannen sie auch, untereinander zu tuscheln. Nerviges Getuschel! Konnten sie denn nicht etwas leiser sein?

„Sie wissen nicht, was ,Mikain‘ ist?“ Auch die Kellnerin schien sehr verblüfft zu sein, aber warum?

Irene schüttelte den Kopf. „Nein. Sollte ich das denn überhaupt?“, fragte sie scharf.

„Ich ... Eigentlich doch schon, aber ... ähm also –“

Anscheinend ahnungslos, was sie weiter sagen sollte, eilte die Kellnerin davon und zog ihren Kollegen mit in die Küche. Kurz darauf hörte Irene, wie die beiden zu reden begannen. Aber sie verstand nicht so richtig, was die da redeten. Nur etwas davon, dass sie – Irene – doch wissen müsste, was ein – wie war das noch mal? – ,Mikain‘ war, denn sie sei ja eine.

Himmel, das musste ja kommen.

Was hatten die alle hier gegen sie?

Was hatte sie ihnen denn angetan?

Irene verdrehte die Augen gen Himmel. Dann holte sie ihre Kamera hervor und begann die geschossenen Bilder durchzuschauen. Immer noch hörte sie im Hintergrund Getuschel über sich. Aber Irene war viel zu stolz, einfach abzuhauen.

Oh Mann, das würde aber ein langer Abend sein ...

Das schrille Klingeln ihres Handys schreckte Irene aus ihrer Konzentration. Sie schaltete ihre Kamera aus und blickte zur Wanduhr.

Oh, Mist.

Sie war zu spät – viel zu spät.

Das musste hundertprozentig Aramina sein, die da gerade anrief. Ihre Schwester wartete bestimmt schon sehr lange auf sie und fror zweifellos bei dieser Kälte. Und ihre Mutter würde sie einen Kopf kürzer machen. Seufzend fischte sie ihr Handy aus der Hosentasche und ging ran.

,Verdammt, wo bist du denn? Mutter ist schon ungeduldig! Weißt du nicht, wie spät es schon ist?‘, fuhr Aramina sie statt einer Begrüßung an. Ihre Stimme klang zittrig, das bedeutete, Irene hatte recht: Mina fror. ,Wo zum Henker steckst du?!

„Halt noch ein bisschen durch. Ich mach mich sofort auf den Weg!“, versicherte Irene. „Ich komm gleich.“ Sofort legte sie auf.

Dann sprang sie auf die Beine, legte einen Fünfeuroschein und eine Zweieuromünze auf den Tisch, schnappte sich ihren Rucksack und eilte aus dem Laden. Sie war ja sehr weit von dem Treffpunkt weg gelaufen, während sie fotografiert hatte. Also würde sie in ungefähr ... zwanzig Minuten da sein – auch wenn sie sprintete.

Ach je.

Das würde Aramina ihr nie verzeihen.

Ein Glück, dass sie eine gute Marathonläuferin war. So schnell es ging, lief Irene durch die Kälte und fluchte zischend, wenn kalte Luftzüge oder – falls sie nicht aufpasste – die nassen Zweige und Äste ihr beim Laufen in das Gesicht peitschten. Vielleicht sollte sie beim nächsten Mal mehr auf die Zeit achten.

Als sie endlich bei ihrer Schwester ankam, hätte sie wirklich beinahe gelacht, als sie sah, wie diese wie ein Raubtier im Käfig hin und her um ihren Wagen lief. Schließlich konnte Irene ihr Lachen nicht unterdrücken.

„Tut mir leid für die Verspätung“, rief sie von weitem. „Komm, lass uns nach Hause fahren.“

Mit finsterer Miene murmelte Aramina eine Beleidigung und stieg ohne ein weiteres Wort in den Wagen. Ah gut, die Heizung funktionierte jetzt besser. Endlich in der Wärme seufzte Aramina erleichtert auf, drehte aber die Heizung noch weiter auf.

„Ist doch ganz warm hier“, kicherte Irene. „Du hättest doch im Wagen warten können.“

Aramina biss die Zähne verärgert zusammen. „Ja, ich habe ja auch seit knapp einer Stunde diese Heizung aufgedreht. Und am Anfang ist es im Wagen noch kälter als draußen!“ Diesmal klang ihre Stimme wirklich sehr aufgebracht.

Die Lippen zusammengepresst lehnte Irene sich zurück. Vielleicht sollte sie für eine kurze Weile die Klappe halten, um Aramina nicht noch weiter zu verärgern. Zugegeben, sie hasste es, mit ihrer geliebten Schwester zu streiten.

Während der Fahrt nach Hause auf einer leeren Straße schwiegen die Schwestern. Das Radio wurde nach kaum zehn Minuten wieder ausgemacht, da nur unsinnige Kanäle liefen, ja, sogar die Musik war nicht hörenswert. Also hatte Irene beschlossen, ihre Bilder noch einmal durchzuschauen, um sich die Zeit zu vertreiben, und löschte dabei die unschönen und nicht gut gelungenen Bilder aus dem Memorystick.

Einmal hatte das Handy ihrer Schwester geklingelt. Ihre Mutter war dran gewesen und hatte sie lauthals beschimpft. Kein Wunder, so eine strenge Mutter fand man ja nicht jeden Tag.

Irene hatte nie verstanden, wieso ihre Mutter sich immer so viele Sorgen machte. Sie war schließlich schon dreiundzwanzig Jahre alt und Mina einundzwanzig, also alt genug, um auf sich selbst aufzupassen.

„Ich verstehe nicht, wieso Mutter sich ständig Sorgen um uns macht“, sagte Irene leicht genervt, legte ihren Fotoapparat weg und verschränkte die Arme vor der Brust. „Wie alt sind wir? Zehn?“

Aramina zuckte lässig mit den Schultern. Gott sei gedankt, dass ihre Wut schon vergessen war. „Du weißt doch, dass überall kranke und irre Typen rum laufen. Und wir sind junge Frauen. Ein leichtes Opfer.“

Irene schnalzte mit der Zunge. Das konnte doch nicht der einzige Grund sein. In Florida war ihre Mutter zwar auch sehr streng gewesen, aber nicht so streng wie jetzt in Deutschland. Wenn das so weiter ging, würde sie sogar mit dreißig noch von Mutter herumkommandiert.

Auweia! Sie wollte nicht einmal darüber nachdenken, wenn das wirklich passieren würde!

„Ach ja, mir ist heute etwas Blödes passiert“, erzählte Irene auf einmal, um das Thema zu wechseln ... oder um die Stimmung unter ihnen wieder aufzubauen. Eigentlich wollte sie das Geschehen im Café einfach vergessen und für sich behalten, aber na ja.

„Was denn? Hast du etwa wieder den netten Liebespaaren nachgeguckt?“, neckte ihre Schwester sie und kicherte amüsiert.

„Ich bitte dich!“, schnaubte Irene brummig.

Aber es stimmte. Immer wenn ein nettes Liebespaar an ihr vorbei lief, musste sie einfach neidisch nachschauen, besonders bei einer Familie mit einem Kleinkind. Sie wusste nicht, aber irgendwie hatte sie das komische Gefühl, als würde ihr jemand fehlen. Jemand, der neben ihr stand und sie von ganzem Herzen liebte, und vielleicht sogar auch ein Kind ...

Ja, manchmal spinne ich! Einfach so.

Sowohl ihre Mutter als auch Aramina meinten, es käme davon, weil Irene noch nie eine richtige Beziehung im Leben hatte, aber schon alt genug sei, eine Familie zu gründen. Sie behaupteten, vielleicht sehnte sie sich einfach nach einer eigenen Familie.

Den Kopf schüttelnd vertrieb sie diesen Gedanken und kam auf das jetzige Thema zurück. „Nein. Ich war in einem Café. Ich glaube, „Redmoon“ heißt es. Auf jeden Fall wollte ich einen Tee trinken, aber die Leute dort haben mich angeschaut, als wäre ich eine Serienmörderin!“ Na ja, ein bisschen übertrieben, aber sie hatte sich wirklich so gefühlt.

Aramina schwieg einen Moment lang. „Café Redmoon?“, fragte sie dann vorsichtig.

Irene nickte. „Ja, du weißt schon, dieses Café an ...“

„Ja, ja, ich weiß schon, wo es ist“, schnitt Aramina ihr das Wort ab, ohne den Blick von der Straße zu wenden. „Was haben die denn gemacht?“

Kaum dachte Irene an diese Leute zurück, schon kam ihr erneut die Galle hoch und sie hatte ein drängendes Gefühl, als wollte sie auf irgendetwas einschlagen. Diese Leute waren so unverschämt und hatten laut über sie gelästert, als wäre sie gar nicht da gewesen.

„Also, kaum betrete ich dieses verdammte Café, schon schauen mich alle mit grimmigen und misstrauischen Blicken an“, erzählte Irene verärgert. „Und dann hat die Kellnerin mich sogar – ich weiß noch nicht einmal, was das ist – Miken ... Mikeil oder irgendwas Ähnliches genannt.“

Mikain?“ Jetzt schaute ihre Schwester sie an.

„Ja, genau!“, rief Irene und ein Finger schoss in die Höhe. Sofort wusste sie, dass es dieses Wort war, mit dem die Kellnerin sie angesprochen hatte. Aber ...

Stille.

Mehrere Herzschläge lang herrschte Schweigen zwischen den Schwestern. Moment mal!

„Woher – woher weißt du das, Mina?“ Irene runzelte die Stirn und schaute ihre Schwester verwirrt an. Ja, wieso wusste Aramina, wie die Kellnerin sie genannt hatte? Wusste sie etwas, das Irene nicht wusste?

Aber Aramina schwieg. Etwas zu lange!

„Aramina?“, drängte Irene.

Aramina schluckte und schien Schwierigkeiten zu haben, die richtigen Worte zu finden. „Ähm ... ich bin gerade am Überlegen, Irene.“ Diese Stimme sagte Irene sofort, dass Aramina ihr etwas verheimlichte. „Ich ... glaube, ich wurde auch mal so genannt.“

„A-ha?“, sagte Irene langsam, unsicher, ob sie das glauben sollte oder nicht.

„Von dieser blonden, Kaugummi kauenden Kellnerin, oder?“, fragte Aramina noch.

„Ja –?“

Ihre Schwester nickte dann. „Jep, auch mich hat es mal erwischt. Ich weiß auch nicht. Als ich in dieses Café ging und alle mich so schief angeschaut haben, denke ich: Okay, durchgeknallte Leute gibt’s!“ Sie lachte leise, aber es wirkte kaum echt ... oder täuschte Irene sich?

Irene kniff die Augen zusammen. „Und du weißt wirklich nicht, was dieses Wort bedeutet? Ich kann mir vorstellen, dass es irgendein Schimpfwort ist. ,Mikain‘ klingt für mich so …“, sie zuckte mit den Schultern, „keine Ahnung … vertraut. Es könnte sein, dass ich es mal im Fernsehen gehört habe, oder so.“

Wieder Schweigen. Dann schüttelte Mina den Kopf. „Nö, das glaub ich nicht. Also, ich verstehe auch nicht, was dieses Wort bedeutet, aber wie ein Schimpfwort hört es sich nicht an.“

„Für mich klingt es aber irgendwie so“, murmelte Irene und schaute aus dem Fenster.

Nach einer Weile schaute sie ihre Schwester mit einem Seitenblick an. Mina sah geradewegs auf die Straße, als konzentrierte sie sich auf das Fahren. Doch Irene kannte sie zu gut, um das zu glauben und wusste, dass sie nachgrübelte, so als wüsste sie nicht, was sie sagen sollte.

Komisch.

Als Aramina ihren Blick schließlich nach einigen Minuten bemerkte, lächelte sie dümmlich.

„Was ist denn los? Wieso starrst du mich so an? Ich weiß es wirklich nicht, Irene“, sagte sie sofort, ohne, dass Irene sie etwas gefragt hatte. „Du solltest ab jetzt dieses Café meiden.“

Ja, irgendwie hatte Irene das eigenartige Gefühl, dass Aramina ihr nicht die ganze Wahrheit sagte. Nun, vielleicht täuschte sie sich auch nur.

Oder?

* * *

2. Kapitel

München, Süddeutschland

Hauptquartier der Bruderschaft der Schattenkämpfer

Vampire ...

Sie gehörten zu der Gattung der Urwesen. Menschen der uralten Magie.

Ihr werdet sie niemals bemerken, aber sie sind unter euch.

„Und wieder sind viele Nize spurlos aus dem Schattenorden und aus ihrem Clan verschwunden.“ Conrad Lopez seufzte schwer, während er auf seiner Tastatur herumtippte. „Insgesamt vierunddreißig schon.“

„Und es werden immer mehr“, sagte Vincent McRaven und sah ebenfalls in den Bildschirm. „Wer ist heute dran mit Patrouillengang, Niko?“

Nikolai Wilson, der Anführer der Bruderschaft der Schattenkämpfer, schaute sich in der Runde seiner Männer um. Der schwarzhaarige, große und athletische Vampir am Kopf des großen Tisches aus Washington gehörte zu der zweiten Generation des Vampirvolkes aus diesem Zeitalter. Somit zählte er zu den Stärksten unter den Vampiren des vorherigen Zeitalters.

Für die heutige Mission – oder ,Jagd‘ wie sie es immer nannten – konnte Con sich vorstellen, wen Nikolai heute nach draußen schickte: seinen Vize Richard Miller und den Neuling, Christian Chase, der erst vor einigen Monaten der Bruderschaft beigetreten war.

„Gut, Ric und Chase, ihr beide geht heute rauf“, befahl Nikolai.

Na bitte, er hatte recht.

Ernst nickten die zwei Vampire der dritten Generation, während sie schon angefangen hatten, ihre Waffen zu polieren. Die beiden waren Schwager, denn die Gefährtin von Richard war Christians Cousine. Die zwei bildeten ein perfektes Team – kalt und heiß. Das passte. Wenn einer zu heiß angelaufen war, konnte der andere ihn leicht abkühlen, und umgekehrt. Zu kalt zu sein, ist auch nicht so gut.

„Ihr beide schaut euch mal wegen der Nize um. Und Chase, du kannst mal im Orden anrufen und nachfragen, ob noch weitere Nize fehlen“, fuhr Nikolai fort.

Die sterblichen Frauen der Vampire waren die sogenannten ,Nize‘. Diese waren Frauen, die das Blut der Urwesen in sich trugen und dadurch fähig waren, mit einem Vampir Nachkommen zu zeugen. Diese Frauen waren beinahe wie Göttinnen für die Vampire, da die weiblichen Vampire unfruchtbar waren.

Alle Frauen, die das Blut der Urwesen in sich trugen und die keine Vampirinnen waren, waren automatisch ,Nize‘. Leider waren die Urwesensgene der Nize so gering, dass es nicht reichte, ihre Stammart zu erkennen. Doch in einigen großen Städten – auch in München – hatten sie sich bereits zu einem eigenen Clan zusammengeschlossen.

Um das Vampirvolk vom Aussterben zu bewahren, wurde erwartet, dass alle Vampire sich mit den Nize in der Ewigkeit ihres Lebens verbanden und die nächste Generation hervorbrachten.

Doch für die Bruderschaft sah Niko die Verbindung als unnötig und als Ablenkung. Und das brauchten sie nicht. Ein Kämpfer sollte nicht in Versuchung geraten, Gefühle für eine Nize zu haben. Denn sie würden alle Verpflichtungen gegenüber der Bruderschaft für ihre Gefährtinnen infrage stellen. In der Bruderschaft waren nur Richard und Vincent verheiratet. Und sie hatten bereits mehrere Male ihre Arbeit vernachlässigt oder waren für mehrere Tage verschwunden, ohne sich zu melden.

Tja, Pech.

Alle Mitglieder der Bruderschaft waren die sogenannten Schattenkämpfer – allesamt Vampire. Männer, die nicht mehr zu dem Schattenorden gehören wollten. Sie hassten die Gesetze des Vampirvolkes und waren Kämpfer, die die Endlevels bekämpften. Alle Schattenkämpfer waren früher Krieger der Orden gewesen – starke Männer mit außergewöhnlichen Gaben.

Conrad sah in die Runde, winkte dann Vincent zu sich und stand langsam auf. „Machst du mal weiter, Vinny“, befahl er. „Wartet mal, ihr beiden, ich komme auch mit. Natürlich, wenn du nichts dagegen hast, Niko“, sagte er zu Niko gewandt.

Ohne etwas zu sagen, nickte der Anführer nur.

„Wir sollten mal am Starnberger See schauen“, sagte Conrad zu Ric und Chase. „Seth, der Mikain, hat angerufen. Mehrere Vampire treiben sich dort unnatürlich herum. Komm, auf geht’s!“

* * *

Zum Glück war es heute etwas wärmer als am gestrigen Abend. Trotzdem immer noch zwischen null Grad und plus fünf Grad. Doch das hielt Irene nicht davon ab, weiter zu arbeiten. Sie liebte das Fotografieren, deswegen studierte sie ja auch Kunst.

Heute wollte sie Abend- und Nachtbilder machen.

Ihre Schwester Aramina spazierte neben ihr her und schlang die Arme um den Oberkörper, um sich warmzuhalten. Die Arme musste wieder einmal die Fahrerin spielen und diesmal leistete sie Irene Gesellschaft. Nun eigentlich, um zu verhindern, dass Irene wieder einmal zu spät zum Treffpunkt kam.

War ja klar.

„Mach schnell, ich will hier weg!“, rief Aramina ihr zu und rieb sich die Arme. „Ich habe ein ungutes Gefühl.“

Mit einem amüsierten Lächeln im Gesicht stellte sich Irene auf den richtigen Platz und begann zu fotografieren. Auch wenn Mina versuchte, es zu verbergen, wusste Irene doch, dass ihr irgendetwas auf dem Herzen lag. Oder weil es tatsächlich schon etwas spät war. Vielleicht sollte sie sich wirklich beeilen.

„Sei kein Spielverderber, Mina. Ich brauche noch ein bis zwei Stunden – mindestens. Ich kann mir die Plätze nicht so ganz aussuchen“, neckte sie ihre Schwester, um diese aufzumuntern.

Hinter ihr hörte sie, wie Aramina aufschnaubte. „Ich bin kein Spielverderber!“, protestierte sie, dann seufzte sie tief.

Irene lachte leise und betrachtete die ganze nächtliche Landschaft. Es war schon etwas Besonderes ... etwas sehr Schönes auf seine Art. Bunte Landschaft mit schönen Blumen war für alle ein herrlicher Anblick, doch nur, weil viele die Schönheit der Nacht nicht kannten. Die Menschen waren nicht nachtaktiv, weswegen sie auch nicht so viel von den schwarzen Aussichten mit schwachem oder starkem Mondlicht kannten.

Oh, sie konnte stundenlang hier draußen bleiben.

Aramina stampfte ungeduldig mit den Füßen und rief nach ihr. Sie gab wohl nie auf. Irene verdrehte genervt die Augen und unterdrückte einen Seufzer.

„Ich meine es ernst, Schwesterherz. Wenn du wirklich so lange brauchst, können wir dann irgendwo anders hinfahren?“, versuchte Aramina immer noch sie zu überreden, von hier weg zu kommen.

„Du bekommst doch keine kalten Füße, oder, Mina?“ Irene unterdrückte ein Glucksen, was aber nichts brachte, und drehte sich halb zu ihrer jüngeren Schwester um.

„Um meine Füße mache ich mir im Moment weniger Sorgen“, entgegnete Aramina. „Ich weiß nicht, ich habe kein gutes Gefühl bei der Sache. Wir sollten verschwinden, und zwar jetzt sofort. Komm schon.“

Mannomann, was war denn jetzt schon wieder? Wie alt war sie denn? Zehn? Sie würde sich doch nicht vor der Dunkelheit fürchten, oder? Es sei denn ...

„Hast du gestern Nacht schon wieder einen Horrorfilm angeschaut?“, wollte Irene wissen, ohne sich umzudrehen. „Also bitte, Schwesterherz!“

Gestern lief doch gegen zehn Uhr ein Horrorfilm. „American Werwolf in Paris“ war das. Und Irene wusste ganz genau, dass Aramina solche blutigen Filme gerne anschaute. Sie kannte absolut jeden Horrorfilm. Besonders, wenn Werwölfe darin vorkamen. Ach je, wieso konnte Aramina nicht die Serien wie „Vampire Diaries“ anschauen. Da kamen ja auch Werwölfe vor und die waren nicht so gespenstisch. Eher nur spannend und sehr lustig.

„Ich doch nicht!“, stritt Aramina aber ab, wieder einmal. Wusste sie denn nicht, dass es so offensichtlich war, dass sie es getan hatte?

„Und wieso hast du jetzt Angst?“

„Ich habe keine Angst!“

Irene verdrehte die Augen. Also sie glaubte nicht, dass Aramina den Film ausgelassen hatte. „Du hast gestern American Werwolf in Paris angeschaut, nicht wahr?“

Aramina stöhnte. „Schon gut, ich habe es angeschaut, ja und? Ich habe doch keine Angst vor Werwölfen. Ich werde sofort zurückfauchen, wenn sie angreifen. Ich bin bereit, mich ihnen gegenüberzustellen. Schließlich wird es nicht mehr lange dauern, dann werde ich endlich eine Wächterin des Rudels! Lass sie nur kommen!“ Sie klang so siegessicher, zumindest das.

Aber … wie bitte?

„Eine Wächterin des Rudels?“ Jetzt drehte Irene sich ganz zu ihr um. Entweder hatte Aramina nur Spaß gemacht oder sie hatte den Verstand verloren. „Von welchem Film ist das jetzt schon wieder?“

Aramina lachte, aber es klang, als lachte sie sich selbst aus. „In dem Film „Das Zeitalter der Urwesen“! Kennst du das nicht? Ist ziemlich gut. Da drin kommen Werwölfe, Vampire und vieles mehr vor!“ Als Irene ein missbilligendes Gesicht machte, lachte sie wieder.

Was konnte das denn schaden? Spielte sie eben mit, ein bisschen Spaß würde Aramina gut tun, um nicht davon laufen zu wollen. Den Kopf schüttelnd drehte sich Irene wieder um und begann zu knipsen.

Doch dann hielt Aramina plötzlich inne. „Aber jetzt mal Spaß beiseite. Hier kriege ich irgendwie das große Gruseln.“

„Wieso? Hast du Angst, dass hinter dir ein hungriger Vampir heranschleicht? Und auf die beste Gelegenheit wartet, dich anzugreifen?“, neckte Irene sie.

Aramina schwieg.

Wieder einmal zu lange.

Fragend sah Irene nach hinten. Ihre Schwester schaute mit besorgter Miene um sich. Das konnte doch nicht wahr sein! Daran glaubte sie doch nicht wirklich, oder? War also doch keine gute Idee mitzuspielen.

„Hey, Mina, das war ein Scherz!“, sagte Irene seufzend und lenkte somit die Aufmerksamkeit ihrer Schwester wieder auf sich. „Ein dummer Scherz, okay? Vampire gibt es doch gar nicht, das weiß doch jeder – außer Kleinkindern. Und wenn du schon mal keine Angst von Werwölfen hast, dann sind Vampire auch keine Schwierigkeit für dich.“

Je mehr sie das sagte, desto mehr dachte sie, sie würde langsam kindisch werden. Vampire und Werwölfe gab es nur in Horrorfilmen oder Märchen, um kleinen Kindern Angst einzujagen.

„Ha ha, wie witzig. Um mich mache ich mir keine Sorge. Vampire jagen mir so viel Angst ein wie eine Spinne!“ Aramina seufzte. „Ich mach mir eher Sorgen um dich“, murmelte sie dann kaum hörbar.

Die Schultern zuckend und nicht weiter nachdenkend trat Irene noch näher an den Abgrund, wo es dann für ungefähr knapp einen Meter steil runter ins Wasser ging. Aber sie musste einfach näher ran, denn die Äste verdeckten ihr ganzes Bild, und das brauchte sie am wenigsten.

„Pass auf, dass du nicht hineinfällst“, warnte Aramina sie von hinten. „Ich will nicht, dass du dann Morgen mit Fieber im Bett liegst.“

Irene lachte leise. Sollten nicht eigentlich die großen Schwestern sich um die Jüngeren kümmern? In diesem Fall war dies anscheinend umgekehrt. Oder sie musste mal wirklich die Geburtsurkunde durchchecken. Wer von ihnen war noch mal die Ältere?

„Wieso? Dann hast du doch Ruhe von mir, wenn ich krank und völlig fertig im Bett liege.“ Irene stellte etwas mehr Kontrast für das nächste Bild ein. „Und jetzt halt die Klappe, das bringt Unglück!“

„Von wegen, ich bekomme Ruhe! Ich muss dann die Krankenschwester spielen. Mutter wird morgen nicht zu Hause sein.“

Ohne etwas zu erwidern, stellte Irene ihre Kamera auf ,Zoom‘ und wollte die schlafenden Schwäne auf der linken Uferseite – ungefähr fünfzig Meter weiter weg – fotografieren, als sie plötzlich einen Mann sah, der ins Wasser fiel. So plötzlich, dass die Schwäne vor Schreck auseinander flatterten.

„Ach je“, murmelte sie und schaute auf, um besser sehen zu können, was passiert war.

Aber das Geschehen war zu weit weg, dass sie es nur durch ihre Kamera sehen konnte. Zwei Männer – völlig schwarz bekleidet – zerrten den wimmernden und nassen Mann aus dem Wasser und drängten ihn in den dunklen Wald eines Privatgrundes. Wenn Irene jetzt noch näher hinzoomte, dann sah sie, dass der ins Wasser gefallene Mann voll mit ... Blut bespritzt war.

„Mina“, rief sie. „Ruf die Polizei, sofort!“

Fragend trat ihre Schwester näher. „Was ist denn los?“ Sie spähte in die Richtung, in die Irene schaute.

Gerade wollte Irene ihr die Kamera geben und ihr sagen, dass sie die Prügelei nur mit der eingestellten Kamera sehen konnte. Doch Aramina weitete die Augen vor Schreck und trat eilig einige Schritte zurück.

„Ich hab dir doch gesagt, dass ich diese Gegend ungeheuer finde.“ Sie drehte sich auf dem Absatz um, steuerte direkt auf das Auto zu und suchte in den Jackentaschen anscheinend nach ihrem Handy.

Mit klopfendem Herzen schaute Irene erneut durch ihre Kamera zu dem Geschehen. Jetzt war ein weiterer Mann aufgetaucht, der gerade versuchte, wegzulaufen. Die beiden Männer in Schwarz kümmerten sich nicht um ihn, aber dann kamen plötzlich noch drei weitere Männer aus dem Wald und stürzten sich auf den fliehenden Mann.

Ohne nachzudenken, begann Irene zu knipsen und fotografierte die Gesichter der Angreifer und der Opfer. Der Tatort war so weit weg, dass es noch nicht einmal mit dem Zoomsystem gelang, die Gesichter deutlich zu erkennen. Aber zuhause hatte sie ein Verschärfungsprogramm. Vielleicht könnte es helfen. Und wenn nicht, dann konnte die Polizei bestimmt etwas damit anfangen.

Plötzlich packte Aramina sie am Arm. Erschrocken verlor Irene kurz das Gleichgewicht und wäre fast ins Wasser gefallen, wenn Aramina sie nicht festgehalten hätte. Erleichtert atmete sie auf.

„Was ist?“, zischte sie dann. „Hast du schon die Polizei gerufen? Und einen Krankenwagen auch?“

„Ja, habe ich“, antwortete Aramina und zog sie zu sich.

Dieser Ton ... Log sie etwa?

„Komm, lass uns verschwinden.“ Aramina schubste sie in den Wagen und stieg selbst hinein. „Alles andere können wir später klären. Jetzt soll die Polizei sich um die kümmern. Wir müssen zusehen, dass wir von hier weg kommen. Wenn diese Angreifer uns bemerken, kann es brenzlig werden.“ Sie schnallte sich an, startete den Motor und fuhr auf die offene und leere Straße. „Zeigst du mir zuhause die Bilder?“, fragte sie, als sie schon ungefähr fünf Minuten gefahren waren.

„Wir müssen die zur Polizei bringen!“, erinnerte Irene sie daran.

Ihre jüngere Schwester nickte leicht. „Ja, aber ich will sie mir erst anschauen. Kannst du bei solcher Entfernung überhaupt eine Aufnahme machen?“

„Nicht so deutlich“, sagte Irene und ließ die Bilder durchlaufen. Sie hatte mindesten zehn Fotos geschossen. „Zuhause kann ich dann das Verschärfungsprogramm benutzen, um sie deutlicher zu machen.“

Sie hatte, so gut es nur ging, das ganze Geschehen aufgenommen. Aber ... wieso hatten die fünf Hünen – Angreifer – denn ... rote Augen? Fragend versuchte Irene die Bilder noch mit verstärktem Kontrast und verschiedenen Schärfen besser zu sehen bekommen.

„Ach, Mann. Meine Kamera ist anscheinend kaputt und dabei ist sie doch fast neu. Wie kann das denn passieren? Bin ich irgendwo dagegen gestoßen?“ Irene kniff die Augen zusammen. Auf allen Bildern hatten diese fünf Männer rote Augen, doch die beiden Opfer nicht. „Also das verstehe ich nicht.“

„Was denn?“, wollte Aramina wissen. Klang ihre Stimme wirklich so ernst und ... kalt?

„Ähm, also, auf den Bildern – auf allen – haben die fünf Angreifer rot glühende Augen“, sagte Irene und spielte weiter mit den Einstellungen, die ihre Kamera ihr zur Verfügung stellte.

Aramina schaute kurz zu ihr, fuhr dann kurz an den Straßenrand und hielt an. „Zeig mir mal“, forderte sie und lehnte sich mit plötzlich ernster Miene zu Irene.

Da stimmte doch etwas nicht. Wieso interessierte sich Aramina so sehr für die Bilder? Und wieso war sie nicht so in Panik wie Irene selbst? Da wurden gerade zwei Männer – oder vielleicht sogar noch mehr – von fünf in schwarz gekleideten Hünen fast tot geprügelt!

„Irene!“, drängte Aramina und streckte die Hand aus.

Die Stirn runzelnd zeigte Irene ihr die Bilder. Aramina nahm ihr die Kamera aus der Hand und begutachtete die Bilder mit schmalen Augen. Dann nickte sie und gab ihr die Kamera, ohne ein weiteres Wort, zurück. Was sollte das jetzt?

Das plötzliche Klingeln von Araminas Handy schreckte Irene unwillkürlich auf. Fast wäre sie aufgesprungen und mit dem Kopf gegen die Autodecke geknallt. Mit großen Augen sah sie zu, wie Aramina seelenruhig das Handy aus der Jackentasche holte und ran ging.

„Talrak?“, sagte sie, dann redete sie plötzlich in einer ganz anderen Sprache, die Irene nicht verstand.

Was ging denn hier vor sich?

Dann legte Aramina auf und fuhr erneut auf die Straße, ohne etwas zu sagen, ja, ohne irgendetwas zu erklären.

3. Kapitel

„Ah, da seid ihr ja!“ Fröhlich wie immer begrüßte der dunkelhaarige Mikain die drei Vampire der Bruderschaft mit einem Grinsen, als sie aus ihrem Wagen stiegen. „Schönes Wetter, um auf die Jagd zu gehen.“

„Es ist verdammt noch mal kalt!“, stöhnte Conrad und zog den Reißverschluss seiner Jacke zu.

Die Mikain waren unter den Menschen als Werwölfe oder Wolfsmenschen bekannt. Doch obwohl der Mythos und die Legende besagten, dass sie sich bei Vollmond verwandeln – mal zum Halbmenschen, Halbwolf oder mal ganz zum Wolf –, bei den Urwesen war es nicht so. Vielleicht gab es wirklich andere Werwölfe, aber wer wusste das denn schon? Bei den Urwesen wuchsen die Kräfte der Mikains um das Dreifache, wenn sie sich verwandelten.

Und das besondere und bekannteste Merkmal bei den Mikains war die hohe Körpertemperatur.

Neidisch schnitt Conrad eine Grimasse. Während er und seine Freunde hier zitternd in der Kälte standen, war der Mikain nur mit einer dünnen Herbstjacke bekleidet, keine Mütze, kein Schal ... so als wäre es hier fünfzehn bis zwanzig Grad warm und nicht null Grad.

„Ich bitte dich, Seth. Zieh dir mal was Wärmeres an“, bat Conrad. „Nicht, dass es mir um deine Gesundheit geht“, ergänzte er rasch. „Aber bei deinem Anblick mit einer Herbstjacke friere ich für dich!“

Der Werwolf lachte schallend und schüttelte dabei den Kopf. Bedauerlicherweise machte er keinerlei Anstalten, den Pullover über den Kopf zu ziehen, den er neben sich auf die Bank gelegt hatte.

„Also, Seth? Gibt’s was Neues? Irgendwelche Action?“, wollte Richard wissen.

Conrad schaute kurz zu ihm, musste dann erneut zurückdrehen, als er feststellte, dass Chase wieder zurück ins Auto gestiegen war und nun seelenruhig da drin saß. Und der Motor war noch an – besonders die Heizung. Ric schien seinen Blick zu bemerken, denn er drehte sich um und schnaubte frustriert auf, während Seth plötzlich amüsiert auflachte.

„Christ, das gibt’s doch gar nicht!“ Ric trampelte zurück zum Wagen.

Ganz wenig – nur, dass man ihn hören konnte – ließ der Halbspanier das Fenster runterfahren.

„An die Kälte werde ich mich niemals gewöhnen. In Spanien ist es viel wärmer“, sagte der Mann und seine Stimme klang viel, viel kälter als die Temperatur da draußen.

Die kalten, ausdruckslosen Augen des Halbspaniers waren auch wirklich furchteinflößend – sogar für Conrad und Richard. Auch wenn der Mann zu der dritten Generation gehörte, konnte keiner richtig sagen, wozu dieser Vampir wirklich fähig war. Aber eins stand fest: Er könnte Vincent, der nur um einige Jahrzehnte älter war als er, einfach in der Luft zerreißen.

Das wollte er auch schon mal machen, wenn Niko und Vincents Gefährtin nicht dazwischen gegangen wären.

Seth unterdrückte ein weiteres Lachen. „Komm, wir können dann auch gleich rüberfahren. Es gab einen Angriff auf zwei Menschen in der Nähe. Eine Freundin von mir hat den Angriff gemeldet, aber die Menschen waren schon tot, als wir – meine Schwester und ich – angekommen sind. Der Tatort ist noch frisch.“

Wie auf Kommando bellte etwas hinter ihm auf. Ein grauer Wolf kam hinter Seth angetrottet und setzte sich auf die Hinterbeine. Er grinste frech wie der Besitzer, als wollte er die Vampire mit Vergnügen auffordern.

„Nimm den Hund an die Leine“, fauchte Conrad, machte kehrt und ging auf das Auto zu.

„Bitte nicht persönlich werden, Conrad. Und es tut mir leid, dass ich dich enttäuschen muss, Conrad Lopez. Aber einen Wolf nimm man nicht an die Leine“, sagte Seth kichernd und folgte ihm. „Und mich werdet ihr hoffentlich nicht auch an der Leine führen wollen, oder?“

Freches Mundwerk wie immer. Der Mikain konnte wirklich noch frecher werden als Christian Chase. Und Chase genügte eigentlich völlig.

Am Tatort – an einem Ufer des Starnberger Sees, ein Ort, wo Menschen sich ungern aufhalten – angekommen, begannen die Vampire und Seth, um den Ort herum nach Spuren zu suchen. Seths Schwester hatte ihnen, bevor sie ging, noch gesagt, dass sie Spuren von vier Männern gefunden hatte, die in Richtung Norden führten.

„Meine Schwester hatte Recht. Es sind vier Männer“, sagte Seth ernst. „Es scheint, sie gehen zur Schnellstraße, und zwar Richtung Café Redmoon, wo einige Halbblüter der Urwesen arbeiten und hingehen. Besonders beliebt bei den Nize und ihren männlichen Menschennachkommen.“

Richard nickte. „Dann müssen wir sie warnen.“

Doch Seth winkte ab. „Keine Sorge, meine Schwester ist schon unterwegs. Außerdem, sind es fast nur Nize oder Menschen mit leichtem Urwesensblut. Sie verabscheuen uns Reinblüter – Vampire und Mikain. Sie akzeptieren nur Nize und die Jä ... ähm, ich meine ... ja, nur die Nize.“

„Wieso denn das?“, wollte Chase wissen, während er sich am Waldrand hinkniete und dort die Erde prüfte. „Sehr frisch“, murmelte er vor sich hin. „Kann kaum eine halbe Stunde her sein.“

Seth gesellte sich daneben. „Nun ja, sie kommen nicht mit den anderen Urwesen klar. Nur diejenigen, die genug normal menschliches Blut in sich tragen, akzeptieren sie, weil sie einfach gleich sind. Vampire und Mikain sind etwas anders, kaum menschlich, meinen sie.“

Chase schnaubte leise. „Das ist doch Unsinn. Sie sind doch auch so wie wir. Hier sind noch andere Spuren von drei weiteren Männern.“ Plötzlich hielt der Halbspanier inne, seine Nasenflügel blähten sich und plötzlich sprang er auf. „Ach verdammte, seelenlose Viecher! Das waren Endlevels!“

Die anderen fluchten laut.

„War wirklich klar“, zischte Seth und schüttelte angeekelt den Kopf.

Die Endlevels waren Vampire, die der Blutgier verfallen waren. Eine schlimme Krankheit unter den Vampiren. Vampire waren normalerweise eigentlich keine Untoten, wie es in den Mythen beschrieben wurde, aber wenn sie der Blutgier verfielen, zerfiel auch ihre Seele Stück für Stück und sie wurden zu Untoten: Tot, aber noch ein Hauch von Seele, um weiter zu wandern. Das bedeutete, alle Endlevels hatten innerlich noch ihr altes Ich. Doch bei vielen kam jede Hilfe schon zu spät.

Wie alle gesunden Vampire oder andere Urwesensleute verabscheuten die drei Schattenkämpfer und Seth diese mutierten, kranken Kreaturen.

„Komm, die sind noch frisch.“ Chase klopfte Seth auf die Schulter, sprang auf die Füße und folgte den neuen Spuren.

Seth ging ihm nach, während Conrad und Richard nach weiteren Spuren suchten. Aber nichts war mehr zu finden. Und es dauerte kaum drei Minuten, als der scharfe Geruch von Blut und der Lärm eines Kampfes zu ihnen durchdrangen. Auf der Stelle schossen Conrad und Richard in die Richtung, in der der Mikain und der Halbspanier verschwunden waren. Kaum waren sie durch die dichten Bäume gedrungen, waren Fauchen, Zischen und Gebrüll zu hören.

Drei Endlevels standen in einem Kreis und beäugten ihre Gegner, die sie amüsiert beobachteten. Ja, es würde ein Kinderspiel für Chase und Seth werden. Die beiden wollten nur etwas Spaß mit ihrer Beute haben. Das brutale Aussehen der Endlevels war schlimm – wie Irre: Die Fangzähne hatten sich vollständig scharf, lang und tödlich ausgefahren; die Augen glühten blutrot und brannten wie ein Blutmeer um die kohlenschwarzen kleinen Pupillen; die Krallen hatten sich verlängert, um Fleisch zu zerfleischen.

Diese Endlevels waren bestimmt erst vor kurzem mutiert, doch die Krankheit war bereits fortgeschritten.

Tja, wirklich Pech für sie.

Conrad grinste. Diese Endlevels waren blind vor Gier und Wahnsinn. Sie erkannten nicht, dass sie dem Tod ins Auge sahen, wenn sie wirklich dachten, es mit Seth und Chase aufnehmen zu können.

Dann begann der Kampf. Die Endlevels sprangen die beiden an, benutzten Krallen und Fänge, um sie zu erwischen ... vergeblich. Chase leckte sich über die Lippen, seine Fangzähne waren ausgefahren; die Stammessiegel zeichneten sich deutlich auf dem Oberkörper, den Armen und dem Hals ab; die Augen brannten in grellen Flammen voller Kampfdurst. Er schlug zuerst zu, gefolgt von Seth, dessen scharfe Eckzähne oben und unten ausfuhren, auch bei ihm zeichneten sich die Stammessiegel glühend auf der Haut ab und tödliche Krallen wuchsen ihm. Sofort wurde die ganze Gegend von dem Knacken brechender Knochen und zerfetztem Fleisch erfüllt.

Schließlich, als die drei Endlevels nacheinander den Kämpfern zum Opfer fielen und sich nun in ihrer Blutlache mit Todesqualen auf dem Boden wälzten, hatten die beiden ihren Spaß. Rasch zogen Chase und Seth ihre Dolche mit Himmelsklinge. Während Seth den Dolch sofort auf den ersten Endlevel warf, ließ Chase sich Zeit und beobachtete mit einem zufriedenen Lächeln die Qualen seiner Beute.

Conrad und Richard tauschten Blicke aus. Oh, so eiskalt und kaltblütig! Kälter und Kaltblütiger ging wirklich nichts mehr. Das war zum Fürchten. Der Halbspanier konnte sogar als Serienkiller gelten.

„Christian, komm schon“, drängte Ric ihn. „Genug gespielt. Wir haben zu tun.“

Chase schnalzte lächelnd mit der Zunge. Er spielte noch kurz mit seinem Dolch mit Himmelsklinge und begann seine Arbeit fortzusetzen. Er stellte sich neben sein erstes Opfer und warf ihm den Dolch senkrecht direkt auf die Brust. Der Kuss der Himmelsklinge seines Dolches, die lange genug in Fleisch und Blut eines Endlevels blieb, tobte wie Gift durch den Körper des Endlevels und sofort begann sein Körper zu zischen. Ohne einen weiteren Blick auf den Ersten zog Chase seinen Dolch wieder heraus und warf ihn zu dem letzten Endlevel.

Himmelsklingen waren silbrige Klingen, die die Vampire der Bruderschaft für das Töten von Endlevels benutzten. Die Eisen waren mit dem Blut der Ältesten vermischt, und beim Schmieden wurden auch die alten Zaubersprüche gesprochen. Die Klingen funktionierten nur gegen die Endlevels und verwandelten den Körper in Staub, Sand und Asche.

Seth schüttelte den Kopf, allerdings in Richards und Conrads Richtung. Jeder in der Bruderschaft wusste, dass er im Kampf gegen die Endlevels genauso kaltblütig war wie Chase – zwar weniger, aber wirklich viel mehr als alle anderen.

Der Mikain zuckte mit den Schultern. „Wir sollen ...“

Er konnte seinen Satz nicht beenden, als er anscheinend von weitem einen Geruch erkannte. Fauchend spannte er seine Muskeln an und so weit waren auch die Vampire, um zu erkennen, dass sich ihnen noch einige Endlevels nähten. Und tatsächlich sprangen zwei weitere Ric und Conrad an. Der graue Wolf sprang in hohem Bogen auf und vergrub die Zähne und Krallen in den Endlevel bei Richard.

Der Endlevel bei Conrad riss ihm mit seinen Krallen leicht die Haut an den Armen auf. Vier blutige Striemen zeichneten sich auf seinem Arm ab, während gleichzeitig seine Stammessiegel zum Vorschein kamen. Seine Augenfarbe wurde flammenrot und die Fänge fuhren vor.

Seth und Chase sprangen vor, wurden aber von zwei weiteren Endlevels zu Boden gerissen. Ein Bellen vor Schmerz ertönte, als ein Vampir die Zähne in die Schulter von Seths Wolf vergrub. Auch der Wolf schnappte nach ihm, doch der Untote wich zurück und sprang auf die Beine. Zu aller Überraschung ergriffen die vier Endlevels ... die Flucht. Mit einer Geschwindigkeit, die man mit bloßen Augen nicht erkennen konnte, rannten sie davon und bald darauf hörte man das Quietschen der Autoreifen, die mit einem schnellen Ruck zum Fahren gebracht wurden.

„Verdammte Scheiße!“, fluchte Conrad und rappelte sich hoch. „Na los, kommt! Die entkommen uns!“, brüllte er die anderen an und ebenfalls mit hoher Geschwindigkeit rannten sie alle zurück zum Wagen.

Zu Fuß wären sie zwar viel schneller, aber alles hatte seine Grenze. Alle Urwesen hatten keine sonderliche Ausdauer, wenn sie ständig in Übergeschwindigkeit rannten. Auch die Schattenkämpfer konnten nicht einmal fünf Sekunden in dieser Geschwindigkeit laufen und dann würden sie so fertig sein, dass sie nicht mehr weiter kämpfen könnten.

„Sie haben einen Wagen dabei und sind die Straßen raus gefahren. Der schwarze Van“, sagte Seth atemlos, während er in den Wagen stieg.

Alle knallten die Türen mit Wucht zu und Chase trat sofort aufs Gaspedal. Seth ließ noch schnell das Fenster runter und sandte einen telepathischen Befehl zu dem Wolf. Mit einem Bellen rannte der Wolf los.

„Er soll die Abkürzung durch den Wald nehmen, der hat mehr Ausdauer als wir“, sagte Seth knapp.

Conrad versuchte sich zu entspannen, um wieder zu Kräften zu kommen. Sie dürften diese Endlevels nicht entkommen lassen. Diese Kreaturen würden weitere Menschen umbringen, wenn sie frei herumliefen. Und das durfte auf keinen Fall passieren!

* * *

Irene verstand absolut nichts mehr. Seit dem Angriff vorhin war ihre kleine Schwester plötzlich wie verwandelt. Sie war so ernst geworden. So hatte sie sie noch nie gesehen. Mina wirkte jetzt wie eine aus diesen Actionfilmen, wie eine kühle Kämpferin oder so.

Während sie auf der leeren Straße fuhren, versuchte Irene, das ganze Geschehen von vorhin zu durchdenken und es vielleicht auch irgendwie zu verstehen. Aber sie konnte schwer die Puzzleteile zusammensetzen, denn es gab so viele Lücken! Lücken, die sie nicht verstehen konnte.

Was war denn passiert? Was hatte denn diese plötzliche Veränderung ausgelöst? Das war doch nur eine normale Prügelei zwischen Männern. So selten gab es solche Auseinandersetzungen unter den Männern auch wieder nicht. Und wieso hatte Irene denn so ein Gefühl, dass Aramina gar nicht die Polizei gerufen hat, sondern jemand anderen ... diesen Talrak, oder wie der hieß. Außerdem! Welche Sprache hatte Aramina denn vorhin gesprochen? Beherrschte sie denn so viele Sprachen?

Und ... Mina meinte, sie habe auch den Krankenwagen gerufen, aber warum hörte sie noch keine Sirene?

„Mina, sei doch mal ganz ehrlich, hast du überhaupt die Polizei angerufen?!“

„Ja.“

„Und warum höre ich noch keine Sirene?“, fragte Irene scharf. Keine Antwort. Sie biss vor Verärgerung die Zähne zusammen. „Mina, da werden Leute verprügelt. Wie kannst du einfach so tun, als sei nicht passiert? Hast du den Verstand verloren? Wie kannst du so herzlos sein?“

Da machte Mina ein leises Geräusch, dass Irene vor Schreck fast zusammen zuckte. Ein Knurren! Mina hatte geknurrt. Wie ging das denn? Konnte ein Mensch überhaupt knurren?

Und Minas Knurren klang fast schon ... animalisch.

Eine plötzliche Vollbremsung und Araminas kurzer Aufschrei riss sie erschrocken aus ihren Gedanken. Auch sie musste kurz aufschreien, als das Auto scharf nach links bog und einen heftigen Ruck nach vorne machte, als der Wagen heftig gegen einen Baum krachte.

Was war das denn? Wie konnte das passieren?

„Oh Gott“, murmelte Irene atemlos und dankbar, dass sie sich angeschnallt hatte. „Aramina, liebstes Schwesterchen, wenn du das wieder tust, werde ich dir den Hals umdrehen, das verspreche ich.“

Aramina holte tief Luft, um sich von ihrem Schock zu erholen. „Tut mir wirklich leid, Schwesterherz“, sagte sie, obwohl ihre Stimme kein bisschen reuevoll klang. Sie schüttelte leicht den Kopf und beugte sich vor, um nach irgendetwas zu schauen. „Aber da war ein ... grauer Wolf! Der ist mir direkt vor den Wagen gerannt. Ich konnte nicht rechzeitig bremsen.“

„Ein Wolf?“ Irene zog fragend eine Augenbraue hoch. Das klang überhaupt nicht logisch. „Wohl eher ein Hund. Wölfe gibt es gar nicht in dieser Gegend. Du träumst. Das Mondlicht spielt dir vermutlich einen Streich.“

So wie es mit ihr gespielt hatte.

„Es ist aber so!“, rief Aramina in Panik und stieg jammernd aus dem Wagen. Vergessen war die kühle und ernste Frau von vorhin. „Mutter wird mich einen Kopf kürzer machen, wenn sie das sieht.“

Den Kopf schüttelnd stieg auch Irene aus dem Wagen und beäugte den Schaden. Puh, Totalschaden konnte man erfreulicherweise nicht sagen, aber es war etwas mehr als gestreift: Die vordere linke Seite war halb zerstört, Lackfarben waren abgekratzt, das linke Licht zerbrochen.

„Scheiße“, murmelte Irene ungläubig und fuhr sich mit einer Hand über das Haar.

Ihre Schwester nickte. Sie sah aus, als wäre gerade ihre halbe Welt mit dem Unfall hinunter gekracht. Aber das stimmte allerdings doch zum Teil. Das war nämlich nicht das erste Mal, dass Aramina mit dem Auto versehentlich einen Baum streifte oder gegen eine Mauer fuhr. Und jedes Mal hatte ihre Mutter die Reparatur bezahlt, da Aramina noch nicht arbeitete.

„Das kannst du laut sagen, Schwesterherz. Mutter bringt uns erst recht um. Ich glaube, das machst lieber du, Irene. Von uns beiden kannst du sie am meisten beruhigen.“

Irene stieß pfeifend Luft aus. Aber als sie gerade ihr Handy raus holen konnte, um ihre Mutter anzurufen, bemerkte sie ein Geräusch am Waldrand hinter den dichten Bäumen. Neugierig ging Irene einige Schritte näher hin.

Es klang eher wie ein Keuchen in Todesqual.

„Was ist los, Irene?“ Ihre Schwester stellte sich neben sie und hielt plötzlich inne, als auch sie dieses Keuchen bemerkte. „Oh ... Ach je, vielleicht habe ich den Wolf doch erwischt.“ Sie biss sich auf die Lippe und ging um einen Baum herum. Doch sie blieb stehen und warf ihr einen unsicheren Blick über die Schulter zu. „Kommst du mit? Es ist schließlich schon stockdunkel.“

Nickend folgte Irene ihr und war froh, dass die Lichter des Wagens ausreichten, um einige Meter des Waldrandes leicht zu erhellen, damit sie zumindest etwas sehen konnten. Einige Meter von der Straße entfernt lag tatsächlich ein grauer Wolf da, schwer keuchend und blutend an der Schulter.

„Oh Mann, das darf doch nicht wahr sein, oder?“ Aramina rückte noch näher an Irene. „Und jetzt? Einen Tierarzt rufen? Hast du eine Nummer?“

„Nein“, antwortete Irene knapp und schüttelte den Kopf. „Also, so können wir ihn auf jeden Fall nicht lassen. Hol lieber Verbandszeug vom Wagen. Wir nehmen ihn lieber mit nach Hause. Wir haben ja ein Telefonbuch daheim.“

„Das heißt, wenn der nicht beißt!“, korrigierte Aramina, war aber schon dabei, zurück zum Wagen zu gehen.

Als sie außer Sicht war, kniete sich Irene neben den Wolf und beäugte die blutenden Wunden. Der Wolf hechelte und knurrte sie leise an.

„Ich will dir helfen, Kleiner!“ Was tat sie da? Sie konnte auch gleich mit einer Mauer sprechen, der würde sie doch nicht verstehen.

Doch dann starrte er sie für einen Moment lang an und gab endlich Ruhe. Irene schluckte und streckte zitternd eine Hand nach seiner Wunde aus. Er biss sie nicht und blieb ganz ruhig liegen und dafür war sie ihm dankbar. Anscheinend war dem Wolf klar, dass sie helfen wollte.

„Was denke ich denn da? Das kann doch nicht sein, der versteht mich doch nicht“, flüsterte sie überrascht.

Seine Wunde kam nicht von dem Unfall. Es schien so, als habe ihn irgendwas ... gebissen. Vielleicht ein anderer Wolf oder ein Raubtier. Der Wolf winselte schmerzhaft und begann sich zu winden. Er blutete immer noch und das war schlecht. Wo zum Henker blieb Aramina mit dem Verbandszeug?

„Mina“, rief Irene verärgert und ungeduldig.

Keine Antwort.

„Hey, Aramina! Wo bleibst du denn?“, rief sie erneut, diesmal lauter.

Wieder keine Antwort.

Das konnte nicht sein, dass Aramina sie nicht gehört hatte. Es waren doch nur einige Meter bis zum Wagen. Irene stand langsam auf und starrte in die Richtung des Wagens.

Da stimmte doch etwas nicht.

Und sofort begann der Wolf neben ihr zu knurren, dann biss er in ihr Hosenbein und zerrte sie zurück.

„Hey, lass das!“ Sie streckte eine Hand nach dem Wolf aus, musste aber abrupt innehalten, als sie die strampelnden und raschelnden Geräusche von Schnee und Blättern hörte.

Eilige Bewegungen. Wieso hatte Aramina es so eilig? Natürlich, hier lag ja ein verletzter Wolf, aber ...

„Irene!“, kreischte ihre Schwester so laut vor Schock und Panik, dass es ihr durch Mark und Bein ging.

„Scheiße!“, zischte Irene laut und rannte zum Wagen zurück. „Mina?“

Was sie dort sah, ließ sie erschrocken zurücktaumeln. Drei riesenhafte Männer, muskelbepackt und mit Tätowierungen, packten ihre Schwester an der Taille und zerrten diese in einen schwarzen Van. Aber es war das Aussehen der Männer, das Irene zutiefst schockierte: glühende rote Augen, wie ein Blutmeer flammend um die dünnen Pupillen; blutbespritzte Gesichter und ... Fänge! Lange, spitze und scharfe Eckzähne ragten aus ihren Mündern ... Fangzähne!

„Oh Gott“, keuchte Irene.

Mit weit aufgerissenen Augen starrte sie auf einen der Männer, der langsam auf sie zuging. Er hob eine Hand. Klauen!

Klauen eines Raubtieres!

Vampire!

Erneut kreischte Aramina auf, ein herzzerreißender Schrei. Die zwei anderen Männer hatten sie brutal in den Van geworfen und sprangen dann in den Wagen. Irene konnte kaum die Gedanken ordnen. Sie packte einen Stein und warf diesen nach dem Vampir von ihr. Doch mit einer Bewegung, die sie nicht sehen konnte, wich er aus und war plötzlich direkt von ihr. Es blieb ihr kaum Zeit zum Schreien, als er sie am Kopf packte, ihn leicht – aber brutal – zur Seite neigte, um ihren Hals zu entblößen. Er riss den Mund weit auf, dass sie die blutigen Fangzähne sehen konnte und ...

Plötzlich warf sich etwas Graues auf den Mann, so heftig, dass er mitgerissen wurde und sie selbst ebenfalls umfiel. Der Wolf?

Das konnte doch nicht sein!

Heftig den Kopf schüttelnd vertrieb sie das Erstaunen, rappelte sich auf und rannte auf den Van zu.

„Mina!“, rief sie laut, doch mit lautem Reifenquietschen fuhr der verdammte Van weg. Oh nein! „Scheiße!“, schrie sie und wirbelte herum und zum zweiten Mal in nur zwei Minuten stockte ihr der Atem.

Der Mann – der Vampir – war verschwunden. Was blieb, war ein Sandhaufen im Schnee. Der Wolf nieste, schüttelte den Kopf und trottete zu ihr. Völlig erstaunt starrte Irene auf den Sandhaufen.

Woher kam dieser Sandhaufen denn auf einmal?

Dann riss sie sich aber los und stieg in den Wagen. Sie musste hinter her, weiß Gott, was die mit ihrer Schwester anstellen würden!

Doch bevor sie die Tür zuknallen konnte, sprang der graue Wolf in den Wagen, hüpfte über ihren Schoß und landete auf dem Beifahrersitz. Wie ein Zeichen, dass es losgehen konnte, bellte er einmal.

„Okay, ich habe keine Zeit für Spielchen“, murmelte sie leise vor sich hin, während sie den Motor startete und auf die Straße fuhr. Zum Glück gab es hier fast nur gerade Fahrstrecken, weit vorne sah sie schon den Van und gab automatisch Gas. Ich sollte Mutter anrufen, dachte sie nervös.

Nein, sie wird die Polizei alarmieren! Und das können wir nicht riskieren!

Irene zuckte angesichts dieser plötzlichen Stimme in ihrem Kopf zurück. Eine Stimme wie aus dem Nichts? Schluckend versuchte sie, ihre Gedanken zu ordnen. Sie sollte also ihre Mutter nicht verständigen, weil diese die Polizei alarmieren konnte. Was bitte war denn daran so schlimm?

Mit solchen Sachen hat menschliche Polizei nichts zu tun! Merk dir das, die Menschen dürfen nicht erfahren, was diese Männer sind.

Schon wieder! Redete diese Stimme mit ihr? Hörte die ihre Gedanken?

Ja, meine kleine Wölfin. Ich rede mit dir! Wer denn sonst? Etwa mit dem grauen Wolf neben dir? Wohl kaum –, antwortete die Stimme ihr sogleich. – Jetzt konzentriere dich auf die Verfolgung und bleibe an den Typen dran. Ach, und fass das Handy ja nicht an!

Obwohl Irene zutiefst erschrocken über diese neue, eigenartige Stimme in ihrem Kopf war, gehorchte sie dieser komischerweise aufs Wort. Nun konzentrierte sie sich voll und ganz auf den Van vor ihr.

Und was als Nächstes passierte, geschah einfach viel zu schnell, dass sie kaum die Details zusammenfassen konnte: Auf einmal wurde der Van mit einem Ruck wie von Geisteshand nach rechts an den Straßenrand geschleudert und knallte mit einer heftigen Wucht gegen die dichten Bäume. Der Van blieb auf der Seite liegen.

„Mein Gott, nein! Mina!“ Irene trat auf die Bremse, als sie am Unfallort ankam, sprang aus dem Wagen und rannte zu dem zerstörten Van, der nun wie eine nutzlos zerdrückte Coladose aussah.

Scheiße, was war denn jetzt mit dieser Welt los. Was geschah denn nun mit ihrem Leben? Alles war verkehrt! Konnte es denn noch schlimmer werden.

Leider, ja.

Wieder diese Stimme. Aber das steckte Irene jetzt weg. Durch diese Vorwarnung gelang es ihr, rechtzeitig aufzupassen, als die zwei Entführer aus dem Van kletterten – Moment mal ... Nein. Da kamen noch zwei Weitere aus dem Wagen. Es waren vier Männer! Anscheinend waren zwei von Anfang an im Wagen gewesen.

Irene wich zurück, aber glücklicherweise schenkten die Vier ihr keine Beachtung, sie starrten in die Dunkelheit und auf einmal wurden alle drei nach hinten in den Wald geschleudert, als wäre jemand gegen sie gerammt. Der Wolf sprang aus dem Wagen und mit gefletschten Zähnen und lautem Knurren stürzte er sich schnell auf die Männer.

„Aramina“, rief Irene laut und riss mühelos die Tür auf.

Mühelos?

Ihre Schwester lag völlig erschöpft auf dem Sitz am Fenster, und schon war diese Frage vergessen. Mina stöhnte vor Schmerz. Blaue Wunden zeichneten sich über ihren Armen ab, eine blutige Platzwunde war auf ihrem Kopf zu sehen.

„Oh, Mina, Liebes ...“ Irene kletterte halb in den Van und half ihrer Schwester so gut es ging aus diesem beschissenen Wagen heraus.

Ihre Schwester schluchzte heftig. „Es tut so weh, Irene“, jammerte sie.

Glücklicherweise war sie nicht in den Sitz geklemmt oder bewusstlos, so kam sie mit etwas Mühe aus dem Wagen. Irene bettete den Kopf ihrer Schwester auf den Schoß, kümmerte sich um ihre Platzwunde und ließ sie ruhen. Mit zitternden Händen fischte sie ihr Handy aus der Hosentasche und rief einen Krankenwagen an.

Diesmal widersprach die Stimme in ihrem Kopf ihr nicht und darüber war Irene wirklich verdammt froh. Konnte sie auch nicht, Aramina musste ärztlich behandelt werden, und zwar dringend. Das war hier schließlich ein Autounfall.

Aber was war denn mit den vier Männern? Waren sie denn nicht verletzt? Irene biss sich heftig auf die Unterlippe, um ihre Wut unter Kontrolle zu kriegen. Die vier Arschlöcher hatten sich anscheinend verdrückt, nachdem sie eine harmlose Studentin entführen wollten.

Nein!

Keine Männer – zumindest keine normalen.

Es waren Vampire ...

Gott, sie wurde langsam wirklich verrückt.

* * *

4. Kapitel

Das war wirklich blöd, dass Seths Wolf fast von einem Auto überrollt wurde und nun wurden zwei Frauen in diese Sachen mit reingezogen. Während Chase, Seth und Richard sich um die letzten vier Endlevel-Vampire kümmerten, kehrte Conrad zu dem Unfallort zurück.

Eine der beiden Frauen hatte einen Krankenwagen gerufen.

Ach, Scheiße!

Conrad nutzte die Sicherheit des Schattens und bewegte sich geschmeidig und stumm näher an den Ort des Geschehens heran. Eine Frau, die Jüngere, war durch den Crash des Vans verletzt.

Der Blödmann Chase war plötzlich aus dem Wagen gesprungen, als sie den Van gefunden hatten, und war mit voller Pulle gegen den Van gerammt – und zwar mit Übergeschwindigkeit.

Aber was konnte er denn dafür? Er wusste ja nicht, dass eine Frau darin steckte.

Tja, jetzt wo die Frauen in Sicherheit waren, konnte er nun beruhigt zurück zu den anderen gehen.

„Fahren Sie nach Hause, Frau Stevens“, empfahl ein Polizist der unverletzten Frau.

Diese nickte, aber Conrad sah, dass sie log. Was hatte diese Frau denn noch vor? Man sah ihr die Sorge um die andere Frau an, aber auch, dass sie noch etwas tun wollte, bevor sie nach Hause fahren würde. Das konnte Conrad nicht riskieren, noch hatten sie nicht alle Endlevels. So weit er sehen konnte, waren es insgesamt sieben Endlevels, zuerst dachte er, es wären acht, aber es waren nur vier aus dem Wagen gekrochen. Drei hatten sie schon erledigt und vier waren noch am Leben, hinter denen Chase, Ric und Seth gerade her waren.

Doch solange die Frau nicht in Sicherheit war, konnte Conrad sich ihnen auch nicht anschließen. Die Sicherheit dieser Menschenfrau war momentan wirklich sehr gefährdet. Kurz wartete Conrad, dass der Krankenwagen und die Polizisten wegfuhren. Und tatsächlich ging die Frau in Richtung Wald und nicht zum Wagen zurück.

Also gut, dann musste er eben die Maßnahme ergreifen. Er würde in ihren Kopf eindringen, ihr die Erinnerung von diesen zehn Minuten löschen und sie nach Hause schicken.

Die Frau näherte sich zögernd dem Ort, wo er gerade gestanden hatte. Schluckend und doch etwas ängstlich schlich sie immer näher. Conrad versuchte, die Farbe seiner Augen zu verbergen. Denn in der Dunkelheit würde man von ihm höchstens die glühenden roten Augen sehen. Und das wollte er ja verhindern.

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