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Zeilen deiner Liebe

Inhalt

  1. Cover
  2. Über den Autor
  3. Titel
  4. Impressum
  5. Widmung
  6. Zitat
  7. Prolog
  8. Eins
  9. Zwei
  10. Drei
  11. Vier
  12. Fünf
  13. Sechs
  14. Sieben
  15. Acht
  16. Neun
  17. Zehn
  18. Elf
  19. Zwölf
  20. Dreizehn
  21. Vierzehn
  22. Fünfzehn
  23. Sechzehn
  24. Siebzehn
  25. Achtzehn
  26. Neunzehn
  27. Zwanzig
  28. Einundzwanzig
  29. Zweiundzwanzig
  30. Dreiundzwanzig
  31. Vierundzwanzig
  32. Fünfundzwanzig
  33. Danksagung
  34. Anmerkung

Über den Autor

Timothy Lewis, Autor und Dramatiker, hat zahlreiche Theaterstücke, Musicals und Gedichte geschrieben und unterrichtet kreatives Schreiben an einer Universität in Texas. Außerdem arbeitet er als Redner, Schauspieler und Songwriter. Zu seinem Debütroman ZEILEN DEINER LIEBEhaben ihn die Postkarten inspiriert, die sich sein Großonkel und seine Großtante über sechzig Jahre hinweg geschrieben haben.

Die Hoffnung ist weder ein gewährter Wunsch noch ein erwiesener Gefallen; nein, sie ist weit mehr als das. Hoffnung ist die verrückte, unberechenbare Abhängigkeit von einem Gott, der uns gerne so überrascht, dass wir aus den Socken kippen.

Max Lucado, God came near

PROLOG

SOMMER 2006 – ADAM COLBY

Manche großen Romanzen, die es wert wären, erzählt zu werden, bleiben unbemerkt. Wie die Liebenden verschwinden sie leise in den Rissen vergangener Zeiten und werden einfach mit dem alten Plunder weggeworfen. Als Besitzer eines kleinen Maklerbüros war ich im Lauf der Jahre auf die Spuren der Liebesgeschichten vieler Paare gestoßen. Als ich anfing, mich durch die Berge vergessener Erinnerungen zu graben, merkte ich bald, dass sich ein genauerer Blick lohnte … und sei es, um meinen Schmerz zu lindern.

So entdeckte ich die Postkarten.

Die Schnäppchenjäger und Schatzsucher, die sich schon früh durch die schwere Haustür von Gabe und Pearl Alexanders geliebtem Heim drängten, warfen nur einen kurzen Blick in das Haus, bevor sie zum nächsten Geheimtipp weitereilten. Die Antiquitätenhändler, die meist etwas aufmerksamer hinsehen, fanden die Alben mit den Karten nicht, weil sie sich zwischen mehreren Dutzend gleich aussehender Fotoalben aus braunem Kunstleder verbargen. Nur befanden sich in den besagten Alben nicht die üblichen verblassten Familienschnappschüsse, sondern Hunderte bunter Ansichtskarten, auf denen neben abgestempelten Briefmarken sechs Jahrzehnte Eheglück in Versen festgehalten waren.

In den Alben anstelle von Fotos Postkarten mit Gedichten zu finden, hatte mich überrascht, und so fing ich an, sie zwischen den Hausführungen und den Gesprächen mit meinen Kunden zu lesen. Ich war achtunddreißig, hatte mich früher einmal auf das »Bis dass der Tod euch scheide« eingelassen und war neugierig geworden. Was war das Geheimnis dieses Paares? Mit welchem übernatürlichen Zaubertrank hatten es Gabe und Pearl geschafft, in einer Fast-Food-Welt voller zerbrechlicher Beziehungen ihre Liebe zueinander über ein halbes Jahrhundert zu bewahren?

Ich las die Mittagspause hindurch bis zum schleppenderen Nachmittagsbetrieb. Ich bin nicht sicher, ob ich damals noch an die Liebe glaubte, insbesondere an eheliches Glück, aber die Postkarten verzauberten mich mit jeder Minute mehr. Obwohl die Alexanders all die Jahre gemeinsam in diesem Haus gelebt hatten, schickte Gabe von 1926 an diese Karten an seine Frau Pearl. Jede war mit »Für immer, Gabe« unterzeichnet, und die Kartenmotive bezogen sich auf gemeinsame Erlebnisse.

Vermutlich war Gabe Mitte der 1980er-Jahre gestorben, denn da hörten die Karten auf.

Eine der frühesten datierte vom 4. September 1927. Auf der Vorderseite war ein Bild von zwei farbenprächtigen Muscheln, und auf der Rückseite stand dieses Gedicht:

Zwei winzige Muscheln, Seite an Seite geborgen,
Wandern hin und her in der Flut am Morgen.
Zwei winzige Muscheln nahm ich in die Hand
Und legte sie zum Trocknen auf den glitzernden Sand.
Zwei winzige Muscheln, so stolz und so schön,
Zwei Werke des Schöpfers, der herrscht in den Höh’n.
Ich sende die winzigen Muscheln an dich,
Die du Gottes Wunder so liebst wie ich.
Für immer, Gabe

Ich fragte mich, ob er Pearl mit der Karte auch zwei richtige Muscheln geschickt hatte und, falls ja, was daraus geworden war. Pearl hätte sie bestimmt aufbewahrt, aber die einzigen Muscheln, die ich unter ihren Sachen fand, waren groß und stammten eindeutig aus einem Souvenirladen. Das Meer musste den beiden viel bedeutet haben, denn es gab zahlreiche Karten mit Segelbooten oder Strandszenen. Andererseits war es ja auch nicht weit nach Galveston.

»Was für ein Mann investiert so viel Zeit in seine Ehe?«, fragte ich mich laut und fühlte mich ein bisschen vorgeführt von einem Menschen, dem ich nie begegnet war. Die Liebe ist zwar kein Wettkampf, aber Gabe Alexander übertraf mich und die meisten anderen Männer bei Weitem. Männer, die ihre Frauen lieben oder zumindest sagen, dass es so wäre – obwohl sie sich oft nicht entsprechend verhalten.

Wenigstens war ich kein Heuchler.

Oder doch?

Kurz vor Ende der Besichtigung erschien ein Kunde, der sich mir als der direkte Nachbar vorstellte. Ich sprach ihn diskret auf die Begeisterung der beiden für das Meer an.

»Weiß ich nichts drüber«, sagte er und zuckte mit den Schultern. »Gabe ist gestorben, kurz nachdem ich mein Haus gekauft hab. Und Pearl hat manchmal am Gartenzaun mit mir geredet, aber sie hatte keine Lust auf eine ausführliche Unterhaltung.«

»Warum?«

»Schätze, sie hat Wert auf ihre Privatsphäre gelegt«, antwortete er und zuckte wieder mit den Schultern. »War in den letzten Jahren verwirrt und lebte in einem Pflegeheim.«

»Können Sie mir sonst noch was über das Paar erzählen?«, fragte ich.

»Pearl hatte einen ungewöhnlichen Spitznamen.«

»Einen Spitznamen?«

»Ja, klang wie ein Männername, aber ich kann mich nicht dran erinnern.« Der Nachbar schaute sich um. »Wissen Sie, was aus dem Wagen geworden ist? Ein großer 1940er Oldsmobile. Super in Schuss.«

Ich schüttelte den Kopf und fragte mich, ob Pearls Spitzname wohl auf einer der Karten stand.

»Wahrscheinlich hat das alte Mädchen das Geld gebraucht und ihn verkauft«, fuhr der Mann fort. »Jammerschade. Ich hätte ihn gekauft.« Er rieb sich das Kinn. »Ist noch was vom Werkzeug da?«

»Draußen in der Garage«, antwortete ich.

»Die Alexanders waren nette Leute«, sagte er im Gehen. »Schade, dass Sie sie nicht gekannt haben.«

Der Nachbar hatte recht. Ich war ihnen zwar nie begegnet, hatte aber von dem Anwalt, der mich beauftragt hatte, schon gehört, dass sie kinderlos gewesen waren und den Großteil ihres Vermögens für wohltätige Zwecke spendeten. Allerdings enthielt ihr Testament auch detaillierte Anweisungen, laut denen bestimmte Erinnerungsstücke an verschiedene Verwandte in der Gegend um Houston, Texas, gehen sollten. Normalerweise überließ ich solche Dinge einem Umzugsunternehmen, doch weil das Haus der Alexanders nur wenige Meilen von meinem entfernt lag und es sich um kleine Gegenstände handelte, beschloss ich, sie selbst zu den Erben zu bringen. Nachdem ich die Postkarten gelesen hatte, fühlte ich mich Gabe und Pearl auf seltsame Weise verbunden und wollte ihnen gerne diesen kleinen Dienst erweisen.

Im Laufe der nächsten Wochen lieferte ich die Erinnerungsstücke ab und stellte Fragen. Manche der Erben fanden es merkwürdig, dass ein Wildfremder solches Interesse an ihren Verwandten hatte. Andere erzählten mir freimütig alles, was sie wussten, und kramten sogar alte, vergilbte Briefe hervor. Egoistischerweise beschloss ich, die Alben mit den Postkarten nicht zu erwähnen, solange mich nicht jemand danach fragte. Und das tat keiner. Daraus schloss ich, dass sie geheim gehalten worden waren. In gewisser Weise kam es mir so vor, als wären die Karten für mich geschrieben worden. Dennoch konnte ich sie nicht behalten, jedenfalls nicht guten Gewissens. Am Ende meiner Nachforschungen würde ich sie zu einem Verwandten bringen und behaupten, man hätte sie »unabsichtlich übersehen«.

Gabes Schreibmaschine ging an Alice Davis, die Nichte der Alexanders. Alice hatte vor Kurzem ein neues Knie bekommen und war, wie sie sagte, »auf dem Wege der Besserung«. Ich verbrachte einen verregneten Nachmittag bei ihr und lauschte ihren bedächtigen Erinnerungen. Sie erzählte mir auch von Priscilla Galloway, der langjährigen Haushaltshilfe der Alexanders. Ihre Tochter Yevette hatte sich in Pearls letztem Lebensjahr um sie gekümmert. Ich schrieb Yevette eine E-Mail und schlug ihr ein Treffen in der folgenden Woche vor.

Ich glaube, mein großes Interesse an den Postkarten beruhte vor allem auf dem Zeitpunkt, zu dem ich sie gefunden hatte. Das stechende Gefühl der Einsamkeit nach meiner Scheidung klang noch nach, der dumpfe Schmerz einer gescheiterten Ehe. Als ich meine Bestätigungs-E-Mail an die eher widerstrebende Yevette schickte, fiel mein Blick auf einen Ordner mit Nachrichten von meiner Ex-Frau. Ich öffnete ihn und klickte die letzte Mail an. Obwohl die Nachricht fast zwei Jahre alt war, überkam mich beim Lesen eine solche Wehmut, als würde ich sie zum ersten Mal lesen.

Adam,
heute sind wir offiziell geschieden. Danke, dass du meine Wünsche respektiert hast. Falls du immer noch hoffst, ich würde meine Meinung ändern, lass es. Ich brauche mein eigenes Leben. Du musst nach vorn schauen. Also bitte keine Fragen mehr. Wann ich aufgehört habe, dich zu lieben? Ich weiß es nicht genau. Ob es einen anderen gibt? Ja. Deshalb habe ich keinen Anspruch auf das Haus erhoben. Ich hatte nie die Absicht, dir wehzutun.
Haley

Die Worte »einen anderen« taten, wie nicht anders zu erwarten, noch am meisten weh.

Jemand anderes?

In den zwölf Jahren unserer Ehe hatten wir unsere Probleme gehabt, aber wer hatte die nicht? Ich hatte nie an unserer Liebe gezweifelt und mir ein Leben ohne Haley nicht vorstellen können. Was war, abgesehen von unvermeidlichen Dingen, schiefgegangen? Was hätten wir tun können, um die Katastrophe zu verhindern?

In jeder Stunde, die ich mich in die Postkarten der Alexanders vertiefte, fragte ich mich, ob ich je eine andere Frau lieben könnte. Schlimmer noch: Verdiente ich überhaupt eine zweite Chance, nachdem ich in meiner ersten Ehe so versagt hatte?

Ich wusste es nicht. Ich hatte geglaubt, mir stünde das Beste im Leben zu, bis mich die Frau, die ich liebte, verließ. Zuerst gab ich ihr die Schuld. Dann mir selbst. Eines aber war klar: Pearl und Gabe wussten etwas, das Haley und mir entgangen war. Ich machte mich auf die Suche nach der Quelle der Weisheit dieses Paares und wollte aus früheren Fehlern lernen. Mein Bauch sagte mir, dass die Zeit sowohl für als auch gegen mich war. Wenn meine Suche im Sumpf endete, würde meine Verzweiflung womöglich in Verbitterung umschlagen.

Vor Jahren hatte ich entdeckt, dass es mir half, meine Gedanken aufzuschreiben. Später half es mir, sie zu sortieren, wenn ich sie in den Computer hämmerte. Es half mir, die Dinge aufzuarbeiten. Als ich mich daranmachte, die Geschichte der Alexanders aufzuschreiben, hoffte ich, ihr Geheimnis zu lüften. Ich vermutete, dass das, worauf Gabe in seinen Gedichten als »Reduzierung auf den kleinsten gemeinsamen Nenner« anspielte, der Schlüssel zu ihrer langen, glücklichen Ehe gewesen war. Aber noch hatte ich reichlich Postkarten zu lesen, neben einigen ausgeliehenen Briefen und dem, was ich eventuell aus Yevette herausbekommen würde. Und sollte ich mich ganz mutig fühlen, würde ich die verbleibenden Lücken in der Geschichte eben mit meinen eigenen Deutungen füllen … oder meinen Wunschvorstellungen.

Kann ein Mann umkehren, nachdem er über zwölf Jahre in die falsche Richtung marschiert ist?

Vorerst durfte ich nur darauf hoffen.

EINS

BAYSHORE-PFLEGEHEIM, 2004 – MRS. ALEXANDER

Mrs. Alexander lag im Krankenhausbett im Bayshore-Pflegeheim und träumte sich mit offenen Augen fort. Sie war das fade Essen, ihr beige gestrichenes Zimmer und den ewigen Talkshow-Mist aus dem Fernseher an der gegenüberliegenden Wand des Raumes gründlich leid. In einem Haus voller alter Menschen zu leben, war, gelinde gesagt, eine Prüfung.

Und als wäre es noch nicht schlimm genug, führte man sie auf der Patientenliste auch noch als Pearl Garnet Alexander. Den Großteil ihrer neunundneunzig Jahre hatte sie den Namen gehasst. Nicht das Alexander. Das war seit 1926 ihr Nachname. Davor hatte sie Huckabee geheißen.

Pearl Garnet Huckabee.

Ein einzelner mit Schmuck besetzter Vorname mochte schon eine Zumutung sein, aber sie musste gleich zwei davon ertragen – den für Perle und den für Granat. Allerdings nur bis zu ihrem siebten Geburtstag, denn da beschloss sie, dass ihre Familie sie künftig Huck nennen sollte.

Huck Huckabee.

Ihre Mutter Annise weigerte sich anfangs und sagte, sie hätte viele kostbare Stunden mit der Suche nach hübschen Namen für jedes ihrer dreizehn Kinder verbracht. Und jetzt bestand ihre Jüngste auf einem schlichten Kurznamen wie Huck! Einem Jungennamen! Alle Leute würden an das arme Waisenkind aus Mark Twains Roman denken, das rauchte, trank und mit einem entflohenen Sklaven den Mississippi rauf und runter schipperte.

Aber Pearl hielt dagegen, dass die Sklaverei zum Glück im letzten Jahrhundert abgeschafft worden sei und dass ein Name aus einem großartigen Buch wie Huckleberry Finn zwangsläufig auch sie selbst ein bisschen großartig erscheinen ließe.

Also trug sie, seit sie siebeneinhalb Jahre alt war, den Namen Huck.

Er haftete an ihr wie ein kleiner Klumpen Knetgummi: Anfangs war er weich und formbar, doch mit der Zeit wurde er immer härter. Irgendwann in diesem ersten halben Jahr fand die wunderbare Umbenennung statt, zuerst in der Familie, dann bei den Freunden. Bis Thanksgiving war es undenkbar geworden, ihren Taufnamen zu benutzen.

Huck setzte sich im Bett auf. Sie liebte den Namen Huck, weil dessen sorglose, abenteuerlustige Aura zu ihr passte. Lamar, ihr sechs Minuten älterer Zwillingsbruder mit dem sonnigen Gemüt, wollte auch einen Spitznamen haben, aber keine Version hielt sich lange, bis sie auf die Highschool kamen. Lamar erwies sich als Naturbegabung im Baseball, vor allem was das Schlagen der niedrigen Bälle anging. Und weil ein schneller niedriger Ball daisy cutter hieß, hatte Huck ihren Bruder umgehend in Cutter umgetauft. Ein paar von ihren Klassenkameraden versuchten boshafterweise, »Daisy« für Lamar durchzusetzen, jedoch ohne Erfolg. Er blieb für den Rest seines Lebens Cutter. Nach der Hochzeit von Huck und Gabe Alexander hatten die beiden Cutters Aufstieg von der unteren in die obere Liga verfolgt.

Wo steckte eigentlich Mr. Gabe Alexander? Es war Freitag. Da machte er früher Feierabend, und sie musste sich bereit halten. Die Schwestern hatten geschwindelt, als Huck sie nach der Karte von letzter Woche fragte. Sie hatten ihr gesagt, dass keine Post gekommen wäre. Aber später hatte Huck kleine Fetzen von ihrem Getuschel aufgeschnappt, die sie eindeutig der Flunkerei überführten. Und jetzt war wieder Freitag. Eine neue Karte mit einem reizenden Bild vorne drauf würde ankommen – und mit wunderschönen, nur für sie gedichteten Versen auf der Rückseite. In all den Jahren hatte Gabe nur einen einzigen Freitag verpasst – in der schrecklichen Woche, als er auf der Intensivstation lag.

Huck sah aus dem Fenster. Weiße und rosa Azaleen kündeten das Ende des milden Winters in Houston an. Lächelnd dachte sie an einen herrlichen Frühlingstag vor langer Zeit zurück. Als Verlobte von Clark Richards war sie in die Straßenbahn ein- und für Gabe schwärmend wieder ausgestiegen. An jenem Abend hatte sie sich am menschenleeren Strand von Galveston bis über beide Ohren in ihn verliebt. Jedes Mal, wenn er ihren Namen hauchte, funkelten seine Augen. Das war auch nach sechzig Jahren noch so, als er kaum noch Luft bekam.

Huck wandte den Blick vom Fenster ab und griff nach dem Telefon. Ein Glück, dass sie es wiederhatte! Die Schwestern hatten es ihr weggenommen, bis sie ihnen – und Yevette – versprach, künftig nur noch wohlüberlegte Anrufe zu tätigen. Es war beschämend, dass sie das gute Kind mit solch trivialen Angelegenheiten belästigen musste. Allerdings war ein ganzer Monat ohne einen Ausflug zu ihrem Friseur doch wirklich ein Notfall gewesen. Frisur und Haarfarbe waren schließlich das A und O einer wahren Dame.

Die gegenwärtige Postkartensituation war nicht minder bitter, was Yevette ihr gewiss bestätigen würde. Die private Post anderer Leute zu verstecken, grenzte an Diebstahl. Es war eine Straftat, und folglich blieb nur eines zu tun.

Zum zweiten Mal in dieser Woche wählte Huck Alexander die 911.

Minuten später hörte sie das Heulen der Sirenen. Sie lehnte sich zurück und lächelte … sie erinnerte sich daran, wie sie Gabe zum ersten Mal gesehen hatte.

ZWEI

Ein erster Blick, gewechselt scheu,
so strahlend schön, so rein, so neu.
Solange die Sehnsucht in uns blüht
Und das Feuer der Liebe nicht verglüht,
Sind zwei Herzen eng miteinander verbunden,
heute, morgen und in fernen Stunden.
Für immer, Gabe

MÄRZ 1926, HOUSTON, TEXAS – HUCK

»Verzeihen Sie, Sir. Haben Sie Austern?«

Der junge Mann hinter der Theke lächelte freundlich. »Austern? Selbstverständlich. Mit oder ohne Perlen?«

»Ohne«, antwortete Huck, die wegen ihres Namens noch nie Perlen gemocht hatte.

»Zu schwer zu beißen?«

Sie nickte. »Und noch schwerer zu schlucken.«

»Wie günstig, dass in Austern keine Diamanten wachsen.« Er schaute auf ihren Ringfinger. »Nicht, dass Sie welche bräuchten, oder gar wollten … ähm …« Er räusperte sich.

Huck musste sich ein Kichern über die Berechenbarkeit von Männern verkneifen. Der schlagfertige Verkäufer mit dem glattrasierten Lächeln gefiel ihr, auch wenn seine Bemerkung ein wenig zu persönlich gewesen war. Als Englischlehrerin an der angesehenen neuen Sidney Lanier Junior Highschool musste sie auf ihren Ruf achten. Und wenngleich sie keinen Diamanten trug, war sie sehr wohl verlobt.

Dann bemerkte sie seine Augen. Augen wie der Horizont. Augen im Farbton des Himmels, der das Meer berührt.

Sie hätte durch die offene Tür von Cecil’s Fish Market & Seafood Emporium fliehen sollen. Ja, sie hätte zur Straßenbahnhaltestelle am Market Square laufen und nie wieder zurückblicken sollen. Das tat sie aber nicht. Gekonnt hätte sie es, aber sie wollte nicht.

Der Mann grinste wieder, und diesmal fiel es betörend schief aus. »Ich heiße übrigens Gabe Alexander.«

»Nun, Gabe Alexander, ich hätte gerne ein paar von Ihren Austern, bitte.«

Die meer-und-himmelfarbenen Augen musterten sie. »Ich hab Sie hier noch nie gesehen, Miss …?«

»Frisch.«

»Ein Pint Austern für Miss Frisch!«, rief Gabe einem schmunzelnden Kollegen zu.

»Da hat wohl jemand einen kleinen Humorfisch geangelt, was?«, erwiderte Huck. »Welchen Köder haben Sie genommen?«

»Den allerschönsten.« Gebannt von ihrem Blick, steckte er das Glas mit den Austern in eine Papiertüte und schob es langsam über die emaillierte Theke.

Hucks Wangen wurden warm. »Was schulde ich Ihnen?«

»Ihren Namen. Danach verhandeln wir über den Preis.«

Sie öffnete ihre Handtasche, um ein wenig Zeit zu schinden. Was machte schon ein harmloses Geplänkel? Es wäre ihr erster und letzter Flirt. »Der ist Huck. Huck Huckabee.«

»Wie wäre es, wenn ich Sie heute Abend zum Essen einlade, Miss Huck Huckabee?«

Sie machte ihre Handtasche wieder zu, nahm die Tüte und lächelte. »Nun, Mr. Gabe Alexander, das haben Sie bereits.«

*

In den folgenden Wochen wich das stürmisch kühle Frühjahr dem lauen Aprilregen, und immer wieder drängte sich die Erinnerung an Gabe Alexander in Hucks Gedanken. Seine glatte, helle Stirn unter jungenhaften braunen Locken. Sein sanftes Gesicht mit dem kantigen Kinn. Doch es waren Gabes Augen, die ihr am meisten zu schaffen machten, weil sie sich in ihre Träume einschlichen. Nicht nur wegen ihrer Farbe, sondern weil sie Ehrlichkeit und Güte ausstrahlten. Ein Blick, so tief wie der von Mister Jack in ihrer Erinnerung, bei dem Herz auf Herz und Seele auf Seele traf.

Huck war zehn gewesen, als sie Mister Jack begegnet war. Ein paar Wochen zuvor hatte sie die kleine, im Wald versteckte Bucht am Ufer des Baches entdeckt, der zwischen dem Grundstück ihrer Eltern und der Heimat des texanischen Helden General Sam Houston verlief. In klares Sonnenlicht getaucht, wurde diese Bucht zu Hucks privater Shakespeare-Bühne. Auf dem ringförmigen, mit weichem Sauerklee bewachsenen Boden spielte sie Szenen aus dem Mittsommernachtstraum oder aus Romeo und Julia nach.

Eines Tages, nach einer besonders inbrünstigen Darbietung von Julias Sterbemonolog, erspähte Huck am Rande der Bucht einen kleinen Strauch voller blassrosa Blüten. Sie ging langsam darauf zu und wunderte sich, dass ihr dieser Strauch vorher nie aufgefallen war, denn seine schlichte Schönheit hatte etwas Bezauberndes.

»Das ist Orchideen«, sagte plötzlich eine freundliche Stimme von der anderen Seite.

Erschrocken drehte Huck sich um und sah sich einem Mann mit einem vertrauenswürdigen Gesicht und klaren Augen gegenüber. Unter seiner Latzhose trug er kein Hemd. Sie starrte ihn mit offenem Mund an.

Der Fremde nahm seinen breitkrempigen Strohhut ab und lachte. »Hast keine Stimme mehr über, was, nach die vielen hochtrabenden Wörter von Mister Shakespeare?«

»Es heißt, nach den vielen Wörtern«, antwortete Huck. Sie wusste zwar, dass es unhöflich war, einen Erwachsenen zu verbessern, aber sie konnte nicht anders. »Und das sind Orchideen.«

»Sag ich doch!« Barfuß kam er über die kleine Lichtung und hockte sich vor die Orchideen. »Anacacho-Orchideen ist denen ihr Name. Nur, falls du das wissen willst.«

Er hatte einen Stock bei sich, in dessen blankgegriffenen Knauf die Kartensymbole Karo, Pik, Herz und Kreuz geschnitzt waren. Dabei humpelte er nicht einmal. Auf seinem kahlen Schädel glänzten Schweißperlen so dick wie Tautropfen.

Weil sie ein Mädchen war, hatte man Huck eindringlich ermahnt, niemals mit Fremden zu reden. Jedes Jahr nach der Ernte wurde ihr Vater vom Staatsgefängnis in der Nähe als berittene Wache angeheuert. »Ein Mann, den du nicht kennst, kann ein entflohener Sträfling sein«, hatte er gesagt. »Manche der Sträflinge sind Mörder, manche sind Geisteskranke, manche Vergewaltiger.« Als Huck ihn fragte, was ein »Vergewaltiger« sei, grummelte er etwas und murmelte: »Eine Kugel ist das Beste für die.« Huck beschloss, nicht weiter nachzufragen. Allerdings berichtete sie ihrem Zwillingsbruder von dem Gespräch. »Wahrscheinlich darf ich’s dir gar nicht sagen«, hatte Cutter geflüstert, »aber ein Vergewaltiger ist ein Mann, der nichts anhat.«

Da der Fremde eine Latzhose trug, musste Huck sich also darum keine Sorgen machen. Es gab allerdings das Gerücht, dass sich ein seltsamer Mensch in der Gegend herumtreibe. Nur waren die Beschreibungen vage, und keiner wusste genau, wo er sich aufhielt.

Der Fremde zog einen roten Schal von seinem Strohhut. »Wie ich so alt war wie du, war mein Kopf voll mit Locken«, sagte er und wischte sich mit dem Tuch über den Schädel. »Hatten aber nicht dieselbe Farbe wie meine Augen. Dein Haar und deine Augen passen perfekt zusammen.«

Huck runzelte die Stirn. Ihr Haar war nicht bloß glatt, es war auch noch langweilig dunkelbraun. Und sie hätte doch zu gerne blaue Augen gehabt. »Wer sind Sie?«

»Schätze, ich bin so was wie ein Lehrer.«

»Ein Lehrer?«

»Vielleicht. Kommt drauf an, was du von mir lernen willst.« Sein freundlicher Mund verzog sich beim Kichern.

»Haben Sie einen Namen?«, fragte Huck.

»Einen Namen?«

»Wie nennen die Leute Sie?«

Wieder grinste er. »Die Leute geben mir alle möglichen Namen, aber die meisten sind nicht nett genug für die Ohren einer jungen Dame.«

»Das meinte ich doch gar nicht.« Huck rückte näher. »Welcher Name kommt bei Ihnen nach Mister?«

»Ach, der!« Er überlegte einen Moment. »Ich schätze, nach Mister kommt Jack. Ich bin Mister Jack.«

Huck beäugte den Gehstock. Er sah verdächtig nach Gefängnisarbeit aus, denn er war aus dem gleichen gelben Pinienholz, aus dem ein Sträfling ein Nudelholz für ihre Mutter gemacht hatte. »Was sollen die Spielkartenzeichen?«

»Ich dachte schon, du fragst nie.« Mister Jack betrachtete die Schnitzereien. »Dieser Stock hier erinnert mich dran, dass ich mit dem Blatt zufrieden sein soll, das ich ausgeteilt gekriegt habe. Ich soll meine beste Karte so lange behalten, wie ich kann, und nicht dem Geber die Schuld geben, wenn ich verliere. Kann aber ein bisschen haarig sein, die beste Karte zu erkennen. Die Frage ist … wie weiß man, welche man behält und welche man abwirft?«

Wieder kam kein Laut aus Hucks offenem Mund. Sie begriff, dass Mister Jack nicht von Poker sprach, und war stolz, dass sie die Rätsel, in denen Erwachsene Kindern gegenüber sprachen, meistens entschlüsseln konnte. Anstatt Unwissenheit vorzutäuschen, wie sie es sonst tat und dabei fast immer ein Kichern unterdrücken musste, gab sie die Frage zurück. Diese Taktik benutzte ihr Vater, wenn er Geschäfte machte. »Den störrischen Esel umdrehen«, hatte Ethan, ihr Vater, es ihr einmal erklärt. »Das Hinterteil mag nicht hübsch sein, aber es bringt die Leute schneller in Gang.«

»Und woher weiß man, welche man behalten und welche man ablegen soll?«, fragte Huck.

Mister Jack zupfte eine Piniennadel aus dem smaragdgrünen Büschel vorn in seiner Latztasche und stocherte damit in seinen Zähnen. »Guck einem Mann tief in die Augen, und du kannst seine Hoffnungen und Träume sehen. Bei Frauen ist das auch so. Guck tief genug und lange genug, und du weißt, was ihnen die Zukunft bringt, genau wie alles Böse, was sie getan haben.«

»Alles Böse?«

»Oh ja, das ist immer da. Lauert in der Tiefe und versteckt sich hinter dem Guten. Jeder hat irgendwas ausgefressen. Sogar du.«

»Und was ist mit meiner Zukunft?«, fragte Huck. Die Taktik ihres Vaters war nicht in jeder Situation die beste, dachte sie.

»Hmm.« Mister Jack rieb sich das Kinn.

Es war die Frage, die sie Jahr für Jahr der Weissagerin auf dem Jahrmarkt stellte, auch wenn sie wusste, dass die Antwort vollkommener Unfug war. Keiner konnte die Zukunft voraussagen, zumindest kein Mensch.

»Deine Zukunft«, sagte Mister Jack schließlich, »hat was mit dem Anacacho-Orchideenbusch hier zu tun. Tatsache ist, dieser Busch und deine Zukunft sind Verwandte. So wie der Busch solchen Kleinen wie dir was gibt, gibst du mal deinen Kindern was von dir.«

»Da müssen Sie aber genauer hingucken, weil ich gar keine Kinder will.« Huck hatte so viele größere Geschwister, die an ihr herummeckerten – ausgenommen Cutter vielleicht –, dass sie davon träumte, ein Einzelkind zu sein. Ein Haus voller rotznäsiger Trolle war das Letzte, was sie sich wünschte, selbst wenn es ihre eigenen Sprösslinge wären.

Mister Jack inspizierte eine abgefallene Orchideenblüte und steckte sie behutsam vorn in seine Piniennadeltasche. »Bei deiner Zukunft geht’s auch um Hoffnung, weil keiner für immer auf dieser Erde bleibt, und manchmal läuft es andersrum als eigentlich geplant.«

»Wie Kinder, die vor ihren Eltern sterben«, warf Huck ein und wünschte sich sofort, sie hätte es nicht gesagt. Der Tod war etwas, über das sie lieber nicht reden wollte.

»Tja, es gibt keine Garantie für ein langes Leben«, antwortete Mister Jack und fügte leise hinzu: »Nicht mal für Kinder.«

Er hatte recht, und das war der Hauptgrund, weshalb sie keine Kinder wollte. Einer ihrer Brüder war wenige Wochen nach der Geburt gestorben und eine Schwester mit acht Jahren an einem Blinddarmdurchbruch. An den Geburtstagen der beiden musste Hucks Mutter immer noch ab und zu weinen.

Mister Jack fuhr fort: »Aus den meisten Kleinen werden Erwachsene, aber bis dahin haben sie ihren Leuten ein paar Falten eingebracht.« Er grinste wieder.

»Oder ganz schön viele«, erwiderte Huck, die an ihre eigenen Eltern und manche Verwandte denken musste, deren Gesichter wie Dörrpflaumen aussahen. Falten bedeuteten »alt«, und damit wollte sie nichts zu schaffen haben. »Dann will ich nur ein Kind, das schon erwachsen ist, wenn ich es kriege.«

Aus dem Grinsen von Mister Jack wurde ein dröhnendes Lachen. »Was wird wohl dein künftiger Mann dazu sagen?«

Zum dritten Mal in ihren zehn Jahren, überdies am selben Nachmittag, war Huck sprachlos. Von ihrem Künftigen zu träumen war ihr größtes Geheimnis, und Mister Jack kannte es!

»Ein bisschen sehnsüchtig von deinem Seelenverwandten zu träumen, ist völlig in Ordnung.« Mister Jack strich über die Symbole an seinem Stock. »Sieh genau hin, und du findest deine beste Karte. Halt die Hoffnung fest, lass sie nie los. Und vergiss nicht, was ich dir über den Geber und das Spiel gesagt habe.« Wieder lachte er laut. »Jetzt mach den Mund zu, ehe noch Mister und Missis Hausfliege die Adresse wechseln.«

Als sie an jenem Abend im Bett lag, Stunden nachdem das Lachen verhallt war, starrte Huck aus ihrem offenen Fenster und dachte über Mister Jack nach. Sie hatte noch von keinem Mörder gehört, der etwas auf Augen, Shakespeare oder Blumen gab. Und jemand, der geisteskrank war, wäre nicht clever genug, um das Leben mit einem Kartenspiel zu vergleichen und Gott mit dem Geber, auch wenn Huck nicht sicher war, was der Allmächtige von diesem Vergleich hielt.

Ganz besonders fasziniert hatte sie das Wort Seelenverwandter. Sie hatte es zum ersten Mal gehört und war sofort bezaubert von seiner offensichtlichen Bedeutung. Nachdem sie es in dem dicken Familienlexikon – »ungekürzt« betitelt – nachgeschlagen hatte, nahm sie es fest in ihren Wortschatz auf und kam zu einem logischen Schluss: Wenn Mister Jack so viele geheime Dinge über sie wusste, ja, ihre verborgenen Gedanken kannte, war er nicht menschlich. Folglich musste er ein Engel sein. Ihr Schutzengel. Sie hätte nie gedacht, dass Engel Lehrer waren, die Spielkartensymbole in Gehstöcke schnitzten, Latzhosen trugen und Grammatikfehler machten. Und weil Engel – zumindest die guten – immer die Wahrheit sagten, brauchte Huck nicht mehr zu fürchten, eine alte Jungfer wie ihre große Schwester Molly Beninna zu werden. Es war allgemein bekannt, dass sich die meisten Ehemänner Kinder wünschten, und Huck war nach wie vor entschlossen, keine zu bekommen. Doch wenn Mister Jack wirklich der war, für den Huck ihn hielt, könnte er ihre Ansicht noch ändern. Jedenfalls hoffte sie es. Vielleicht war das die »Hoffnung«, von der er geredet hatte.

Beim Einschlafen hörte sie wieder Mister Jacks ungewöhnliches Lachen, diesmal hoch oben im Nachtwind. Hucks Mutter schwor, dass Gott Sinn für Humor besaß, weil er die Hühner erschaffen hatte. Und wenn Gott lachte, taten es seine Engel gewiss auch. Aber Huck und Mister Jack hatten weit ernstere Themen diskutiert als lustig aussehende Vögel. Vielleicht hatte sein Lachen noch eine tiefere, ermutigendere Bedeutung: ein himmlisches Grinsen, das den Spott des Bösen vernichtete.

In den nächsten zwei Jahren kehrte Huck oft zu ihrer geheimen Bucht zurück, sah dort aber weder Mister Jack noch die Anacacho-Orchideen wieder. Grundsätzlich erzählte sie Cutter alles, was in ihrem Leben passierte. Freundinnen waren zu unzuverlässig in ihrer Zuneigung, und Schwestern war schlicht nicht zu trauen. Aber was war, wenn ihr Zwillingsbruder sie für albern hielt oder, schlimmer noch, ihr nicht glaubte? Die Begegnung mit ihrem Schutzengel war viel zu persönlich gewesen, als dass sie riskieren durfte, sie veralbern oder gar als Unsinn abtun zu lassen. Huck beschloss also, dass einzig ihr Seelenverwandter diese Geschichte hören sollte, weshalb die Suche nach ihm absoluten Vorrang bekam.

Sie blieb ihrem Versprechen treu, doch während jeder grüne Sommer zu einem goldenen Herbst heranreifte, entwickelte sich ihr Leben in unterschiedliche Richtungen, und die Grenzen zwischen ihrer jugendlichen Realität und ihrem Kindheitsglauben verschwammen.

Mit sechzehn Jahren stürzte Huck vom ausgeklappten Notsitz eines fahrenden Wagens und brach sich das Schlüsselbein. Da man weitere innere Verletzungen befürchtete, brachte man sie eiligst ins Baptist Sanitarium and Hospital in Houston, wo es ein modernes Röntgengerät gab. Das Krankenhaus hatte sechs Etagen mit insgesamt hundertfünfzehn Betten. Oben über dem fünften Stock waren ein Dachgarten und eine Babystation, in der bis zu fünfzig Säuglinge versorgt werden konnten. Da man Huck zur Genesung viel frische Luft empfahl, lag sie oft oben in der Sonne, und das beständige Gurren, Kichern und Weinen der Babys neben dem Dachgarten brachte ihre Gedanken zurück zur Anacacho-Orchidee und Mister Jacks Worten der Hoffnung: »Du wirst mal deinen Kindern was von dir geben.«

Am Tag vor Hucks Entlassung überbrachte Molly Beninna ihr die Nachricht. »Die Ärzte sagen, dass du keine Kinder bekommen kannst«, sagte sie leise und mit Tränen in den Augen.

»Weine nicht, liebe Schwester«, antwortete Huck, die unbedingt stark sein wollte. »Mutter hat genug für uns beide ausgetragen.«

Sobald Molly Beninna gegangen war, rollte Huck sich in ihrem Krankenhausbett zusammen und weinte.

Nach der Begegnung mit Mister Jack hatte sie sich irgendwie mit der Möglichkeit angefreundet, Mutter zu werden. Dadurch erhielt sie seine hoffnungsvollen Worte am Leben, blieb ihr Schutzengel real.

Bis zu dem Unfall.

Warum war sie so leichtsinnig gewesen? Hatte ihren letzten Tag an der Junior-Highschool oben auf dem Notsitz eines zu schnell fahrenden Roadsters gefeiert und dabei getanzt wie eine waghalsige Flugartistin auf einem Doppeldeckerflugzeug?

An einem windstillen Morgen zwei Tage später machte Huck sich auf den Weg zu ihrer geheimen kleinen Bucht. Die träge Sommersonne linste eben über die Baumkronen, als Huck dort ankam, sodass der hintere Teil noch in tiefem Schatten und feuchtem Dunst lag. »Zu Ihrer Information, ›Mister so was wie ein Lehrer‹«, flüsterte sie verbittert, »es wird keine Kinder geben.« Als sie eben hinzufügen wollte: »Und wohl auch keinen künftigen Ehemann«, bemerkte sie die vertrauten blassrosa Blüten. Es war das erste Mal seit ihrer Begegnung mit Mister Jack, dass sie die Blüten wiedersah. Während sie auf den Strauch zulief, kamen ihr seine Worte wieder in den Sinn: »Anacacho-Orchideen ist denen ihr Name. Nur, falls du das wissen willst.«

Vorsichtig pflückte sie eine vollkommene Blüte und hielt sie mit beiden Händen. Mehrere Momente vergingen, losgelöst aus der Zeit, und Huck verstand. Sie holte tief Luft und sagte feierlich: »So wie diese Orchidee, die ich halte, mir etwas von sich gibt, werde ich meinen Kindern etwas von mir geben.« Die Antwort von ihrem himmlischen »Lehrer« war die ganze Zeit da gewesen. Sie würde ihren Kindern etwas geben, indem sie Lehrerin wurde. Ja, sie würde eifrig lernen und das Lehren zu ihrem Beruf machen.

Und was hoffen?

Hoffen, dass die Trauer über ihre Kinderlosigkeit nicht ewig anhielt.

Hoffen, dass sie einen Mann kennenlernte, der es verstand.

Somit war das Dilemma um die Kinderlosigkeit gelöst, und Huck Huckabee wandte sich wieder ihrem Lieblingszeitvertreib zu, der Suche nach ihrem Seelenverwandten. Einem Zeitvertreib übrigens, von dem allein sie selbst und Mister Jack wussten.

DREI

Dein weibliches Lächeln
Verlockt die Männer,
Doch zu meinem Entzücken
Ist es eine zarte Spur,
Ein Geschenk des Himmels …
Denn bald entzünden unsere Lippen
Das glimmende Feuer
Darin.
Für immer, Gabe

MÄRZ 1926, HOUSTON, TEXAS – GABE

Gabriel Robert Alexander band die schmutzige Schürze ab und beobachtete, wie die aparteste Frau, die er je gesehen hatte, Cecil’s Fish Market & Seafood Emporium durch die Eingangstür verließ. Er atmete tief ein, bezaubert von ihrem Duft. Wenn man viel Glück hatte, blieb das Parfum einer Frau noch ein oder zwei Sekunden hinter ihr zurück. Der Duft von Huck Huckabee lag noch in der Luft und erinnerte ihn an erste Frühlingsblüten. Er war so verlockend, dass Gabe es nie vergessen würde.

»Sie haben sie gehen lassen, ohne zu bezahlen«, sagte der junge Verkäufer ängstlich. »Wenn der alte Cecil nicht in Dallas wäre, würde er …«

»Es dir vom Lohn abziehen, und das mit vollem Recht«, sagte Gabe und warf ihm seine Schürze zu. Der Fußboden war von Fischschuppen bedeckt. »Du hast mich nicht daran gehindert.«

»Aber …«

»Keine Bange, Louie. Cecil interessiert sich weit mehr für die Hochzeit seines Enkels als für deine Nachlässigkeit.« Gabe klopfte dem Jungen grinsend auf die Schulter. »Ich bitte den Buchhalter, es hinzubiegen. Der macht das schon.«

»Mr. Alexander, Sie sind der Buchhalter.«

»Danke für die Schürze, Louie. Du könntest sie hin und wieder mal waschen.«

Gabe ging nach oben in sein Büro, als die große Uhr auf dem Market Square das Ende einer weiteren Arbeitswoche ankündigte. »Überflüssig, gutes Geld für eine modische Uhr rauszuschmeißen«, würde Cecil sagen. »Diese verdammte Turmuhr kann man bis San Antonio hören.«

Der alte Cecil, auch bekannt als Cecil Laborde, hatte seine Karriere mit dem Verkauf von frischem Fisch an gemieteten Ständen in der Stadthalle von Houston am Market Square begonnen. Nachdem er jeden Penny gespart hatte, kauften er und seine Frau Norma ein heruntergekommenes Gebäude zwei Blocks nördlich an der Ecke Main und Commerce am Buffalo Bayou. Es dauerte nicht lange, bis der Buffalo Bayou zum Houston Ship Channel ausgebaut wurde, und plötzlich lag Cecils Geschäft mitten im belebten Hafenzentrum. Der alte Herr gab sich gern als Geizkragen, dabei war er einer der großzügigsten Menschen, die Gabe kannte. Jede Woche wurde ein Teil der Einnahmen abgezweigt und für gute Zwecke gespendet.

Bevor er die Treppe zu seinem Büro hinaufstieg, kam Gabe an einem untersetzten Mann vorbei, der eine letzte Ladung Red Snapper in die große Kühlkammer hievte. Es war Freitag, und Cecil war gerne gut eingedeckt für den Ansturm am Samstagmorgen.

»Tag, Gabe.«

»Hallo, Charlie.« Gabe grinste. »Anscheinend gehen die Snapper gut.«

»Und wie die gehen! Die laufen mich noch in Grund und Boden.« Er knallte die dicke Holztür zu und wischte sich mit einem Taschentuch das Gesicht ab. »Hab schon mehr Kisten von den glitschigen Viechern reingeschleppt, als für eine Landratte gesund ist.«

»Nimm dir ein paar fette Burschen fürs Abendessen mit. Geht aufs Haus.«

Charlie nickte zum Dank, griff in die Brusttasche seines Hemdes und bot Gabe eine selbstgedrehte Zigarette an. »Worüber freust du dich denn so?«

Die Unterhaltung stockte kurz, als beide Männer sich ihre Zigaretten anzündeten und nach draußen auf die Laderampe gingen. Das Hupen und Rumpeln der Automobile im Stadtzentrum vermischte sich mit dem Tuckern der Boote auf dem nahen Kanal. »Schon mal länger über das Lächeln einer Frau nachgedacht, Charlie?«, fragte Gabe in die kühle Märzbrise hinein.

»Bloß ihr Lächeln?«

»Genau.«

»Von welcher Frau?«

»Irgendeiner.« Gabe blies den Rauch aus und sah ihm nach, als er kringelnd gen Himmel stieg.

»Kann ich nicht behaupten … also nur über das Lächeln, meine ich.«

»Das Lächeln einer Frau ist ein Geschenk, Charlie. Das schönste Geschenk, das ein Mann kriegen kann.«

Charlie überlegte einen Moment und schnippte die Asche von seiner Zigarette. »Jedes Mal, wenn meine Frau lächelt, kocht sie ein tolles Abendessen, und wir kriegen noch ein Kind.«

Gabe lachte leise. Chloe, Charlies Frau, liebte das Essen und Kinder und hatte zum Beweis eine ganze Horde von heiseren, lockenköpfigen Jungen hervorgebracht. Chloe sah einfach nicht normal aus, wenn sie nicht schwanger war. Cecil hatte Gabe und Charlie beide als Gehilfen eingestellt, als sie sechzehn waren. Und obwohl sie aus verschiedenen Welten stammten – Charlie war ein Stadtkind, Gabe kam vom Land –, hatten sie die gleiche Arbeitsmoral, und sie wurden schnell Freunde. Zwei Jahre später war Amerika in den Ersten Weltkrieg eingetreten, und die beiden hatten Seite an Seite in den gasgefüllten Schützengräben von Frankreich gekämpft. Von dort hatte Charlie seine französische Ehefrau mitgebracht.

Beide Männer hatten sich nach der öffentlichen Empörung über die Zimmermann-Depesche zum Militärdienst gemeldet. In einem verschlüsselten Telegramm hatte Arthur Zimmermann, Staatssekretär des Reichsaußenministeriums, den Amerikanern Folgendes mitgeteilt: Sollte sich Amerika in den Krieg einmischen, würde sich Mexiko mit den Deutschen verbünden und sich den Südwesten der USA, einschließlich Texas, zurückholen. Die Nachricht wurde von Briten entschlüsselt und war sofort in sämtlichen amerikanischen Zeitungen. Die USA reagierten sofort. Gabes Urgroßvater väterlicherseits hatte in Alamo sein Leben gelassen. Jede Armee, die sich einbildete, den Lone Star State zu erobern – oder den Rest der achtundvierzig Staaten –, durfte direkt in die Hölle marschieren! Doch während sich die meisten Männer in Texas umgehend zum Militärdienst meldeten, hatten Gabe und Charlie noch über ein Jahr warten müssen, bis sie achtzehn geworden waren.

Nach dem Krieg war Gabe zu Cecil zurückgekehrt und zum Buchhalter aufgestiegen. Charlie arbeitete als Fahrer für einen Fischgroßhandel, der den täglichen Fang an der Golfküste auslieferte. Seit fast einem Jahrzehnt rauchten und plauderten die beiden Freunde hier nun schon gemeinsam.

»Und?«, fragte Charlie. »Hat Miss Irgendwer auch einen Namen und eine Nummer?«

Gabe sah zum Himmel und zog ein letztes Mal an seiner Zigarette. »Sie heißt Huck Huckabee«, antwortete er. Ihr Name schwebte federleicht im Rauch. »Nach einer Telefonnummer hab ich nicht gefragt.«

Charlie rollte seine Zigarette zwischen Daumen und Zeigefinger. »Ungewöhnlicher Name für eine Frau. Aber er gefällt mir.«

»Mir auch«, sagte Gabe.

»Und wie lange kennst du Miss Huckabee schon?«

»Ich bin ihr vor ungefähr zehn Minuten begegnet. Sie kam rein, um Austern zu kaufen.« Gabe schnippte den Zigarettenstummel über den Rand der Rampe und drehte sich zu seinem Freund um. »Aber ich kenne sie schon mein ganzes Leben lang.«

»Besser, du würdest ihre Telefonnummer schon dein ganzes Leben lang kennen.«

Gabe zog zwei Zigaretten aus seiner Schachtel Lucky Strike. »Weißt du noch, wie ich drüben in Frankreich immer wusste, dass wir wieder nach Hause kommen?«

Charlie nickte.

»Dasselbe Gefühl hab ich jetzt. Ich werde Huck Huckabee wiedersehen … und zwar bald.«

»Wenn, dann frag sie nach ihrer Telefonnummer.«

Die Männer zündeten sich die Zigaretten an und redeten übers Wetter. Wenn nicht gerade neue Prohibitionsgerüchte umgingen oder Wahlen anstanden, endeten ihre Gespräche mit der zweiten Zigarette. Nachdem sie also festgestellt hatten, dass das Frühjahr kälter war als sonst, schnappte sich Charlie sein Abendessen und fuhr los.

Gabe stieg die Treppe zu seinem Büro hinauf, um die Tageseinnahmen zusammenzurechnen. Der kleine Raum war nichts Besonderes: kahle Wände, zwei harte Drehstühle, ein paar Aktenschränke aus Eichenholz und ein abgenutzter Schreibtisch. Allerdings gab es ein großes Fenster, durch das man hinunter in den Laden sehen konnte. Und genau das hatte Gabe getan, nachdem er um exakt vier Uhr sechsundvierzig auf seine Taschenuhr geschaut und dann diese bemerkenswerte junge Frau entdeckt hatte, die durch die Verkaufsgänge schlenderte. Er war aufgesprungen, die Treppe hinuntergelaufen und hatte dem verblüfften Louie buchstäblich die Schürze vom Leib gerissen.

Wenn Gabe abends um sechs den Laden zumachte, ging er normalerweise zum Abendessen in das Café gegenüber und fuhr anschließend zwei Meilen mit der Straßenbahn nach Hause.

An diesem Abend war er jedoch nicht besonders hungrig und beschloss, bei dem schönen Wetter lieber zu Fuß nach Hause zu gehen, statt die überfüllte Straßenbahn zu nehmen. Außerdem mochte er den pulsierenden Betrieb in der Innenstadt und betrachtete gerne die Schaufenster.

An der Ecke Main und Franklin kam er an der First National Bank vorbei. Die Bank war schon hier, solange er sich erinnern konnte; hier hatten seine Eltern den Kredit für ihre »Viehzüchterträume« aufgenommen. John und Maggie Alexander hatten eine kleine Ranch in Fort Bend County auf der flachen Küstenebene gleich südwestlich von Houston. Sie träumten davon, mehr Weideland hinzuzukaufen, eine riesige Herde aufzubauen und ihren Reichtum einmal ihrem einzigen Kind zu hinterlassen. Als Junge hatte Gabe reiten gelernt, Vieh mit dem Lasso zu fangen und sogar am offenen Feuer zu kochen. Von der ersten bis zur achten Klasse besuchte er eine Dorfschule mit einem einzigen Unterrichtsraum, wo er sich im Schreiben und Rechnen hervortat. Er wollte es seinen Eltern recht machen, fand das Viehhüten jedoch eintönig und interessierte sich weit mehr für Poesie und Zahlen als Sauerteig und Kälber.

Als Gabe fünfzehn war, trieb ein wütender Bulle seinem Vater ein Horn durch die Lunge. John erholte sich nicht wieder und starb im Winter darauf an einer Lungenentzündung. Gabe sorgte sich um die Gesundheit seiner erschöpften Mutter und überredete sie, die Ranch zu verpachten und in die Stadt zu ziehen. Er war gerade mal einen Monat bei Cecil’s Fish Market, als Maggie starb. Wenige Stunden vor ihrem Tod hatte sie ihren goldenen Ehering abgezogen und ihn ihrem Sohn in die Hand gedrückt. »Verwahre ihn in einer Tasche nah an deinem Herzen«, flüsterte sie sehr leise. »Gib ihn dem Mädchen deiner Träume. Ich habe ihn von dem Mann meiner Träume.« Gabe musste schlucken. Seit jenem Tag trug er den Ring immer bei sich.

Gabe ging weiter die Main Street hinunter, als ihm ein flüchtiger Blick auf ein Zeitungsfoto einen Schauer über den Rücken jagte. Auf der Titelseite des Houston Chronicle sah er das Bild einer hiesigen Tennisspielerin, und im ersten Moment glaubte er, es wäre Huck. Aber dann stellte er fest, dass sie es nicht war.

Ihre kurze Unterhaltung hatte etwas von einem Tennisspiel gehabt, dachte er. Als er ihr seine – fast schon unangemessene – Bemerkung zu den Austern servierte, gab sie den Volley zurück, ohne mit der Wimper zu zucken oder gar rot zu werden, und setzte das Gespräch mit intelligentem Witz fort. Vorteil – Huck. Und gerade, als er dachte, er hätte sie mit seinem Charme für ein Abendessen gewonnen, servierte sie ihm einen Schmetterball. Spiel, Satz und Sieg. Er lachte vor sich hin. Tennis war das einzige Spiel, bei dem es den Spielstand »Love« gab.

In der Ferne konnte Gabe das gigantische Rice Hotel sehen. An einem schwülen Sommerabend hatte er einmal eine junge Frau zum Tanz dorthin ausgeführt, weil das Rice Café das einzige Lokal mit Klimaanlage in der Stadt war. Als er ihr stolz erklärte, dass das Hotel an genau der Stelle stünde, an der sich einmal der Regierungssitz der Republik Texas befunden hatte, gähnte die junge Frau nur und sagte: »Gabe, mein Lieber, unser Regierungssitz ist in Austin.« Dann erklärte sie, ihr sei kalt, und bat ihn, ihre Stola zu holen. Gabe machte sich nicht die Mühe, ihr den Unterschied zwischen einer Republik und einem Bundesstaat zu erklären. Ebenso wenig machte er sich die Mühe, sie noch einmal auszuführen.

Ein Stück weiter die Main hinunter, im Fenster des Kaufhauses Foley Brothers, sah Gabe einige Schaufensterpuppen in der neuesten Flapper-Mode – kurze Röcke und kurzes Haar. Die Stadt Houston war berühmt für ihre schönen Frauen, und mit seinen sechsundzwanzig Jahren wollte Gabe sich gern eine von ihnen zum Heiraten suchen. Die meisten seiner weiblichen Bekanntschaften waren »Überraschungen«, die ihm von wohlmeinenden verheirateten Freunden vorgestellt wurden. Sie luden ihn zum Essen ein, und dann schneite eine von diesen Kandidatinnen mit einem Nachtisch herein, den sie nach einem alten Familienrezept perfekt zubereitet hatte.

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