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Zauber der Highlands

Inhalt

  1. Cover
  2. Über die Autorin
  3. Titel
  4. Impressum
  5. Widmung
  6. Danksagungen
  7. Prolog
  8. Kapitel 1
  9. Kapitel 2
  10. Kapitel 3
  11. Kapitel 4
  12. Kapitel 5
  13. Kapitel 6
  14. Kapitel 7
  15. Kapitel 8
  16. Kapitel 9
  17. Kapitel 10
  18. Kapitel 11
  19. Kapitel 12
  20. Kapitel 13
  21. Kapitel 14
  22. Kapitel 15
  23. Kapitel 16
  24. Kapitel 17
  25. Kapitel 18
  26. Kapitel 19
  27. Kapitel 20
  28. Kapitel 21
  29. Kapitel 22
  30. Kapitel 23
  31. Kapitel 24
  32. Kapitel 25
  33. Kapitel 26
  34. Kapitel 27
  35. Kapitel 28
  36. Kapitel 29
  37. Kapitel 30
  38. Kapitel 31
  39. Epilog

Über die Autorin

Kimberly Killion liebt schon seit Schulzeiten alles Tragische, Leidenschaftliche und Historische. Sie war mehr als fünfzehn Jahre lang Grafikdesignerin, bis sie den Farbpinsel gegen den Schreibstift eintauschte. Neben ihrer Schriftstellerei arbeitet sie als College-Dozentin in St. Louis. Sie lebt gemeinsam mit ihrem Ehemann und zwei Kindern in Illinois, USA.

Wenn Sie mehr über die Autorin erfahren möchten, besuchen Sie sie auf ihrer englischsprachigen Website www.kimberlykillion.com.

Für Myah und Hayden.

Lebt eure Träume,

strebt nach Großem

und trefft die richtigen Entscheidungen!

Danksagungen

Mein Dank gilt all jenen, die mich beim Schreiben begleitet haben:

Meiner Familie - weil Ihr Euch mit Müsli zum Abendbrot begnügt und Socken getragen habt, die nicht zueinander passen. Die Opfer, die Ihr gebracht habt, haben es mir möglich gemacht, einen Traum zu verwirklichen.

Meiner Mom und meinem Dad - für Eure innere Kraft und Stärke. Danke dafür, dass Ihr mich stets darin bestärkt habt, kreativ zu sein, auch wenn diese Kreativität dunkle Augenringe mit sich brachte.

Meiner Schwester Jill - weil Du mich ermutigt hast, stark, entschlossen und rebellisch zu sein.

Sug, meiner ersten Leserin, und Wanda, die meinen Sinn fürs künstlerische Schaffen so früh entdeckt hat. Euer Beispiel hat mich gelehrt, wie wichtig eine Familie ist.

Meinem Freund Jeff - dafür, dass er der erste Mann ist, der meine Geschichten liest und sich um mich kümmert, wenn ich mit meinen Gedanken wieder sonst wo bin. Emily kann sich sehr glücklich schätzen.

Den Frauen von MORWA - für die Kameradschaft und die unerschütterliche Unterstützung. Ich werde diese Freundschaften immer aufrechterhalten.

Dem Leser - vergessen Sie nicht, sich jeden Tag zu verlieben!

Und schließlich Hilary Sares: Danke, dass Du es mit mir gewagt hast! Ich werde Dich sehr vermissen.

Prolog

In den schottischen Highlands, 1484

Calin MacLeod stand verborgen hinter der Wandtäfelung und hielt sich mit schweißnassen Händen die Ohren zu. Die Schreie, die durch Brycen Castle gellten, waren so schrill, dass dem Zehnjährigen die Zähne wehtaten.

Lena Kinnon flehte bei jeder schmerzhaften Wehe um Gnade, aber die Männer zeigten nicht das geringste Mitleid mit ihr. Wie ein Opferlamm lag sie in entwürdigender Stellung auf dem großen Tisch, an dem sich sonst der Rat zu seinen Sitzungen versammelte. Das blutgetränkte Wollhemd, das ihre angewinkelten, gespreizten Beine bedeckte, schützte sie kaum vor den Blicken der Anwesenden. Niemand trocknete ihr die Stirn, niemand spendete ihr ein Wort des Trostes.

Eine Frau musste während der Entbindung leiden, um für die Sünden Evas zu sühnen. So jung Calin auch war, er kannte die Gesetze der Kirche. Er wusste aber auch, dass Lena schon mehr erlitten hatte als jede andere Frau des Kinnon-Clans. Die Narben, die ihre blasse Haut übersäten, waren der Beweis für die ständigen Misshandlungen, die sie durch die Hand ihres brutalen Ehemannes erfuhr.

Der schmale Spalt zwischen zwei Brettern der Wandtäfelung, hinter der sich Calin verbarg, war nicht breiter als der Stamm eines jungen Bäumchens. Dennoch ermöglichte er ihm den Blick auf seinen Vater, den Laird der MacLeods. Er stand, an eine Steinsäule gelehnt, Laird Kinnon gegenüber. In den vergangenen Monaten war das dunkle Haar von Calins Vater an den Schläfen grau geworden, sein Gesicht wirkte müde. Doch seine starre Haltung zeugte auch von seiner nur mühsam gebändigten Wut. Er strich über seinen goldenen Siegelring, in den der Kopf eines Stieres graviert war, während er seinen Feind aus zusammengekniffenen Augen anstarrte.

Je zwei Krieger der MacLeods standen rechts und links von Calins Vater; auch Laird Baen Kinnon umringten vier seiner Männer. Alle waren unbewaffnet, wie es von den beiden Lairds zuvor vereinbart worden war.

»Schrei nur, Weib! Das wird deine schwarze englische Seele reinigen.« Laird Kinnon durchquerte das Ratszimmer, und ein höhnisches Grinsen verzerrte sein Gesicht.

Calin hasste den Chieftain des Kinnon-Clans ebenso sehr wie Da, sein Vater. Laird Kinnon war ein kaltherziger Dämon. In den Adern eines jeden Mannes auf dieser Erde, der seine Frau schlug, während sie mit einem Kind schwanger ging, floss das schwarze Blut des Teufels.

»Bring mir noch einmal eine Hexe zur Welt, und es wird deine letzte sein!«

»Bitte, Baen, hast du kein Erbarmen? Schick nach der Hebamme, bitte!« Lena krallte die Hände in ihren Leib und bäumte sich auf.

Laird Kinnon schlug ihr mit der flachen Hand ins Gesicht. Schweiß spritzte über die Tischplatte. »Halt den Mund, Weib, oder ich schneide dir die Zunge heraus!« Er breitete die Arme aus und zeigte auf die anwesenden Männer. »Hier sind genug Hände, die darauf warten, meinen Sohn zu nehmen, sobald dein verdorbener Schoß ihn freigibt.«

Calin biss sich auf die Zunge, um zu verhindern, dass er den Mann ebenso laut verfluchte, wie Da es immer tat. Calin war ohne Mutter aufgewachsen, die ihn auf die Wange küsste oder ihn lobte, aber in den vergangenen Monaten hatte Lena diesen Platz für ihn eingenommen. Sie war freundlich und sanft, und Laird Kinnon sollte im tiefsten Höllenschlund dafür schmoren, dass er sie quälte. Calin musste kein erfahrener Krieger sein, um zu wissen, dass das falsch war. Lenas Kind war für Laird Kinnon nicht mehr als ein Ding, das der Erfüllung eines Vertrages diente.

Eines Vertrages, der Auswirkungen auf Calins Zukunft hatte. Und aus genau diesem Grund hatte er den unmissverständlichen Befehl seines Vaters missachtet, ihm nicht in die Burg der Kinnons zu folgen, nachdem die Nachricht von Lenas bevorstehender Niederkunft überbracht worden war. Sollte Lena eine Tochter zur Welt bringen, würde das Mädchen Calins zukünftige Braut sein.

Calin MacLeod und sein Freund Kendrick Neish, der zum Clan der Kinnons gehörte, hatten die geheime Nische vor zwei Monaten entdeckt, als sie durch die pechschwarzen Gewölbe unter der Burg gestreift waren. Seitdem hatten sie heimlich jedes Ratstreffen ihrer beiden Clans mitangehört. Sie wussten vom Krieg und davon, dass die Engländer über Schottland bestimmen wollten. Beide Jungen hatten den grausamen Berichten gelauscht, denen zufolge ganze Dörfer ausgelöscht und deren Bewohner abgeschlachtet worden waren. Weder Calin noch Kendrick wollten, dass ihren Clans ein solches Schicksal widerfuhr. Calin wusste, dass Kendrick eigentlich sein Feind sein sollte, aber sie beide wollten dasselbe - eine Allianz ihrer Clans.

Seit fünf Stunden verharrte Calin nun schon eingezwängt in der schmalen Nische, während Lena in den Wehen lag. Sein Po tat ihm weh, und die Zehen in den dünnen Lederschuhen waren schon vor einiger Zeit taub geworden. Bis in sein Versteck war der dumpfe Modergeruch der verschimmelten Bodenbinsen zu riechen. Ein Gebet drang an sein Ohr.

»Fàilte dhut a Mhoire, tha thu lan de na gràsan …« Auf Gälisch betete Father Harrald zur Muttergottes, während er auf einer Seite des Zimmers hin und her ging. Die Perlen seines Rosenkranzes klirrten bei jedem Schritt leise. Der junge Geistliche war gerufen worden, um entweder die Taufe vorzunehmen oder dem Kind, sollte es nicht überleben, die Letzte Ölung zu geben - wie es bei den drei Säuglingen gewesen war, die Lena ihrem Mann bisher geboren hatte.

Lena presste wieder, und auch Calin hielt die Luft an.

Er atmete erst wieder aus, als sie ausatmete. Ihr ganzer Körper zuckte, seiner zitterte. Das schwarze Haar klebte ihr in nassen Strähnen an Gesicht und Hals. Sie hatte sich auf die Ellbogen gestützt und den Kopf in den Nacken zurückfallen lassen. Sie öffnete den Mund und schrie vor Schmerz.

Einer der Männer fing das Baby auf, als es aus Lena herausglitt. Calin hielt den Atem an.

»Ein Mädchen, Laird Kinnon!«, verkündete der alte Mann grimmig, während er das Neugeborene an den Knöcheln hochhielt und ihm auf den Rücken schlug. Dann legte er das Kind auf Lenas zitternden Bauch.

Lena zog das schreiende Kind an ihre Brust und streichelte es. Erleichterung war auf ihrem Gesicht zu sehen, und Tränen liefen ihr über die Wangen, als sie Da anlächelte. Jetzt würde alles gut werden.

»Verschließt die Halle und bringt mir das andere Kind!« Die Nabelschnur verband seine neugeborene Tochter noch mit seiner Frau, als Laird Kinnon seinem Seneschall diesen Befehl gab. Seine dunklen Augen sprühten vor Verachtung, als er Da anfunkelte. »Du wirst niemals wieder Anspruch auf mein Land erheben, MacLeod, noch wirst du jemals wieder meine Frau anrühren!«

»Ich habe dein Land nie gewollt.« Da trat näher zu Lena.

»Aber du leugnest nicht, meine Frau berührt zu haben?«

Da sah Lena an.

Ein Dutzend breitschultriger Männer tauchte aus den dunklen Winkeln Brycen Castles auf. Ihre Waffen funkelten im goldenen Licht der Wandfackeln. Eine grobschlächtige Amme betrat, geführt von einem weiteren Krieger, das Zimmer. In ihren eingesunkenen großen Augen spiegelte sich Angst wider. Sie trug ein Baby in den Armen, das in ein Wolltuch eingewickelt war und seine Fäuste in die Luft streckte. Mit zitternden Händen legte die Amme das Kind Laird Kinnon in den Arm.

Verwirrt beobachtete Calin, was dort vor sich ging. Laird Kinnon hatte zugestimmt, seinen Clan mit dem der MacLeods zu einer Allianz zu einen, wenn Lena eine Tochter zur Welt brachte.

Laird Kinnon wandte sich an seine Kriegsmannen. »Schickt ihre elenden Seelen zum Teufel! Alle!« In seiner Stimme lag kein Erbarmen. Kein Mitleid. Keine Regung außer Verachtung.

Er ging zur Tür und trat hinaus auf das Bollwerk. »Ich habe einen Sohn!«, rief er.

Die Bewohner von Dalkirth jubelten ihre Begeisterung heraus, während die Worte in Calins Ohren nachhallten.

Nein! Das ist eine Lüge! Er riss vor Entsetzen den Mund auf, als die Krieger aus dem Schatten hervortraten und seinen Vater und dessen Männer angriffen. Der treue Seneschall der MacLeods griff nach einer brennenden Fackel, um den Angriff abzuwehren, doch seine Bemühungen waren zwecklos. Mit einem Streich seiner Hellebarde schlug ihm der Krieger der Kinnons den Kopf ab. Ein anderer schlitzte einem MacLeod den Leib vom Hals bis zum Nabel auf. Fäuste krallten sich in den Plaid des Feindes, als er vor ihm zusammenbrach.

Calins Herz verkrampfte sich. Er presste die Hände flach gegen die Holzwand. O ihr Heiligen, helft ihnen!

Doch die Heiligen konnten seinen Clanangehörigen ebenso wenig helfen wie das Holz, das sie als Schild und Schwert benutzten. Die Krieger der Kinnons bohrten ihre Waffen in die Leiber der MacLeods, vergossen Seen aus dunklem Blut über deren Plaids. Vor Calins Augen wurde der treueste Gefolgsmann seines Vaters niedergemetzelt. Calins Magen krampfte sich zusammen, und in seinem Mund sammelte sich der Speichel. Er wollte davonlaufen, damit seine Augen diesen Albtraum nicht sehen mussten.

Da stand inmitten seiner vier gefallenen Getreuen. Er saß in der Falle. Seine Hand glitt an seine Hüfte, doch da war keine Waffe. Kein Schwert, um sich gegen diesen hinterhältigen Angriff zu verteidigen. Sechs Kinnons umringten ihn jetzt. Er wandte sich zu Lena.

Calin lief ein eiskalter Schauer über den Rücken. Tränen traten in seine Augen, trübten seinen Blick. Lauf, Da!, schrie er im Stillen, doch stattdessen beugte sich sein Vater über Lena. Er strich ihr die Tränen von den Wangen und presste seine Lippen auf ihren Mund.

Eingehüllt in schwarzen Nebel warf sich der Schatten eines Kinnon-Kriegers wie ein Dämon über Da. Hände umschlossen den Stiel einer Streitaxt, hoben die tödliche Waffe über seinen Kopf. Mit einem Hieb trieb er den Stahl zwischen Das Schulterblätter.

Lena schrie auf. Sein Körper glitt von ihr und sackte auf dem Boden zusammen.

Calin würgte, während sich das Bild des blutigen Massakers für immer in sein Gedächtnis einbrannte. Das Herz schlug ihm bis zum Hals. Starr vor Angst presste er seine heftig zitternden Fäuste auf die Augen klagte sich dabei selbst der Feigheit an. Seine Welt wurde schwarz, zusammen mit seinem Bewusstsein, mit seiner Seele.

Das ersterbende Stöhnen der Leidenden dröhnte in seinen Ohren, aber der Schrei, der die Luft durchstach, brachte ihn dazu, die Augen wieder zu öffnen.

Lena.

Namenloser Schrecken durchströmte Calin, als er beobachtete, wie derselbe Krieger, der seinen Vater getötet hatte, einen schwarzen sgian dubh aus seinem Strumpf zog. Er hielt mit einer Hand Lenas Kinn fest, während er ihr mit dem scharfen Dolch die Kehle durchschnitt. Im Arm die neugeborene Tochter, die an ihrer Brust saugte, fiel Lenas Kopf zur Seite, und Calin schaute zum letzten Mal in ihre kristallblauen Augen, ehe das Entsetzen zusammen mit allem Leben aus ihrem Gesicht verschwand.

Die Hand des Kriegers schwebte über dem Nacken des neugeborenen Mädchens. In der anderen hielt er die Waffe, die ihr kurzes Leben beenden würde. Der kupfrige Geschmack von Blut sammelte sich auf Calins Zunge, als er sich in die Wange biss.

Father Harrald sank zu Füßen des Kriegers auf die Knie. »Rettet Eure Seele und haltet ein! Bitte, haltet ein, ich flehe Euch an! Die anderen Kinder waren getauft. Sie muss noch die Taufe empfangen!«

Der Kinnon-Krieger packte den Priester an der Kapuze und zeigte mit dem Dolch auf einen der anderen Krieger. »Los, beichte!« Die Männer legten einer nach dem anderen die Beichte ab und banden Father Harrald damit an seine Schweigepflicht. Nachdem der letzte Krieger seine Sünden bereut hatte, drängte er den Priester an den Tisch, auf dem die Tote lag. »Du kannst dem Kind jetzt die Letzte Ölung geben. Jemand wird kommen und es holen.«

Die Männer verschwanden im Schatten, aus dem sie gekommen waren.

Die grausame Wendung der Ereignisse machte Calin fast würgen. Er presste die verkrampften Finger auf seinen brennenden Magen und starrte auf das Baby, das noch immer an der Brust seiner toten Mutter lag - die Tochter des Dämons, der seinen Vater ermordet hatte, zugleich aber auch das Mädchen, das ihm als Braut versprochen war. Er wusste nicht, ob er sie hassen oder beschützen sollte. Er bezweifelte keinen Moment lang, dass ihr kurzes Leben tragisch enden würde - auf eine ähnliche Weise wie das von Lenas drei erstgeborenen Töchtern.

Der Widerschein des Kaminfeuers funkelte auf der Klinge, mit der Father Harrald die Nabelschnur durchtrennte, die das Baby mit seiner Mutter verband. Der Priester wusch dem Kind die Spuren der Geburt von der Haut und legte es neben Lena in einen Stapel Leinentücher. Seine Stimme bebte, als er die heiligen Sakramente spendete. »An tAhair, An Mac, An Spiorad Naomh.« Er schlug das Kreuzeszeichen über dem Kind, hauchte es an und taufte es mit dem heiligen Öl.

Calin kroch aus seinem Versteck und wischte sich die Tränen von den Wangen. Er strich sich die Haarsträhne zurück, die ihm in die Stirn gefallen war, während er über das Gemetzel schritt. Unfähig, den Blick von seinem Vater loszureißen, atmete er den übelkeiterregend süßlichen Geruch des Todes ein. Sein Geist schrie nach Rache. Der metallische Geschmack in seiner Kehle verstärkte sich, aber er schluckte seine Angst herunter, seinen Schmerz, seinen neu erwachten Hass. Für ihn gab es jetzt nur noch ein Ziel - den Tod seines Vaters zu rächen. Um das zu können, brauchte er das Kind.

Father Harrald zuckte zusammen. »Du solltest nicht hier sein, mein Junge!«

Calin ignorierte den Priester und kniete sich neben seinen Vater. Er strich ihm das graue Haar aus der feuchten Stirn und richtete den Leichnam auf. Blut quoll aus der Wunde hervor. Blass beugte sich Calin an das Ohr seines Vaters. »Blut meines Blutes. Ich werde dich niemals vergessen, Da! Das schwöre ich.«

Father Harrald legte Calin die Hand auf die Schulter. »Sie werden dich töten, so sicher wie sie das Kind töten werden. Du musst gehen!«

»Father Harrald, Ihr werdet dafür sorgen, dass mein Vater und seine Männer auf MacLeod-Boden zurückgebracht werden. Schickt eine Nachricht an Onkel Kerk! Sagt ihm, dass es mir gut geht und dass ich bald nach Hause kommen werde.« Calin wünschte, seine Stimme würde nicht versagen. Er musste jetzt ein Mann sein, ein Krieger. Er schluckte angestrengt und zog den Siegelring von Das erschlaffter Hand. Dann legte er den Ring mit dem gravierten MacLeod-Wappen in die Glut im Kamin.

Calin konnte dem Priester nicht in die Augen sehen. »Auge um Auge! Sie ist der Schlüssel zu einer Allianz, und sie gehört mir!« Er sprach voller Trotz, während er das schreiende Kind hochnahm. Er trug es an den Kamin und legte es in ein hölzernes Becken. Er benutzte einen Streifen aus dickem Wollstoff, um den glühend heißen Siegelring aus dem Kamin zu nehmen. Er rollte das neugeborene Mädchen auf die Seite und brannte ihr das Wappen der MacLeods in den Po. Sie stieß einen schrillen Schrei aus, gefolgt von tiefen Schluchzern. Er wickelte den Säugling in Leinentücher und schlug ihn in Lenas gestreiften arisaid ein, den der mit ihrer Familienbrosche zusammensteckte. Er hielt die Kleine an sich gedrückt und versuchte, sie zu beruhigen. Eines Tages würde er ihr von ihrer Mutter erzählen und davon, wie freundlich Lena zu ihm gewesen war.

Calin gingen so viele Fragen durch den bedrückten Sinn, aber eine davon hatte Vorrang. »Ich weiß, dass Ihr meinem Vater vor einer Woche die Beichte abgenommen habt. Ich weiß auch, dass Ihr durch das Beichtgeheimnis gebunden seid …«

»Wie lautet deine Frage, mein Sohn?« Father Harralds sorgenvoller Blick wanderte zur Tür.

»Mein Vater hat Lena geliebt.« Calin schwieg und starrte auf das Neugeborene. »Ist dieses Kind von meinem Blut?«

Der Priester lächelte schwach. »Nein, mein Junge. Lena war bereits mit ihrem vierten Kind schwanger, als sie deinem Vater begegnete. Sei versichert, dass deine junge Braut nicht deine Schwester ist. Aber jetzt musst du fort, rasch!«

Calin nahm eine Fackel aus ihrer Halterung und trat zurück in sein Versteck hinter der Wandtäfelung. Das Kind auf seinem Arm wimmerte. Eine winzige Hand streifte sein Kinn. Sie war warm und roch nach Unschuld. Calin schaute über die Schulter zurück auf den Leichnam seines Vaters und senkte den Blick. Er hätte etwas tun müssen. Er hätte wenigstens versuchen müssen, die Mörder aufzuhalten. Er war schwach gewesen, ohne Rückgrat. Ein Feigling.

Calins Blick fand Father Harralds, er war grau vor Kummer. »Was werdet Ihr den Männern sagen, wenn sie kommen, um das Kind zu holen?«

»Ich werde sagen, dass ein Krieger es geholt hat. Und das wird keine Lüge sein.«

Kapitel 1

August 1502

Wie kann es in der Hölle nur so kalt sein?

Akira Neish atmete hastig die eiskalte Luft ein, als sie darum kämpfte, mit den weit ausholenden Schritten des Mannes mitzuhalten. Sie umklammerte das Seil, das sie an ihn fesselte, um den Schmerz an ihren wundgescheuerten Handgelenken zu lindern. Während sie hinter dem Mann die Stufen einer steinernen Treppe hinunterstolperte, betete sie, dass ihre müden Beine nicht unter ihr nachgeben würden. Akira war überzeugt, dass dieser Weg direkt in das Reich Satans führte.

Sie erreichten das Ende des Ganges, an dem der Schein einer einsamen Fackel auf eine Tür fiel. Die aus dem Fels gehauenen Wände glänzten von Feuchtigkeit, und der Geruch von Ruß brannte Akira in der Kehle.

Ihr Bewacher blieb so abrupt stehen, dass Akira nur mit Mühe verhindern konnte, gegen seinen Rücken zu prallen. Das kreischende Eisen jagte ihr einen Angstschauer über den Rücken, als er den Riegel zur Seite schob und die Tür öffnete. Akirab schluckte mühsam und fragte sich voller Angst, welches Schicksal sie auf der anderen Seite der Tür erwarten mochte. Der Mann duckte sich unter dem Türsturz hindurch und zog Akira in ein von Feuerschein erhelltes Gewölbe.

Flüsternde Stimmen schwirrten durch die Luft.

Akira stockte der Atem, als sie die Frauen sah. Alte und junge, mit Ketten an den Boden gefesselt, hockten in Gruppen beieinander. Ihre gehetzten Blicke glühten im Fackellicht, und alle trugen gelbe Hemden, die so dünn waren, dass man durch sie hindurchsehen konnte. Wer waren diese Frauen? An was für einen Ort hatte man sie gebracht?

Ehe sie sich die Frauen genauer ansehen konnte, zerrte der Wächter sie grob an seine Seite. Bei der abrupten Bewegung fiel ihr das Haar in das Gesicht.

Er beugte sich zu ihr herunter. »Hältst du die MacLeods, die dich hierhergebracht haben, für böse? Dann warte nur ab, bis du die MacLeods von den Hebriden kennenlernst!« Damit leckte er über Akiras Wange. Sein widerlicher Geruch ließ Übelkeit in ihrer Kehle aufsteigen, aber sie weigerte sich, ihn ihre Angst merken zu lassen. Seine dunklen Augenbrauen hoben sich, und seine Lippen verzogen sich zu einem hässlichen Grinsen. »Jetzt wirst du dafür bezahlen, dass du mir in die Eier getreten hast, Mädchen.«

Er stellte den Fuß auf eine Tonne, dann zwang er Akira, sich über sein Bein zu beugen. Sie musste sich auf die Zehenspitzen stellen, um den Druck seines Oberschenkels gegen ihre Rippen aushalten zu können. Seine Finger griffen ihr ins Genick, hielten sie fest. Akira wusste, was geschehen würde, und wappnete sich gegen die Demütigung.

»Ich rate euch allen, euch von ihr fernzuhalten! Sie ist eine Hexe«, rief er den Gefangenen zu. Der Hohn in seiner Stimme machte, dass Akira die nur allzu vertrauten Tränen in die Augen schossen. Man hatte sie hinter dem stinkenden Pferd ihres Entführers hergezerrt, und jetzt quälte man sie damit, dass ihr Geheimnis enthüllt wurde.

Kalte Luft kroch ihre Beine hinauf, als der Mann den Rock ihres Kleides hochschob, um allen das Mal auf ihrem Po zu zeigen. Das Mal des Teufels. Ein Keuchen hallte durch die Höhle und warnte Akira. Sie würde hier kein Mitleid finden, weder Freunde noch Verbündete.

Scham erhitzte ihre Haut und ein jahrealter Zorn explodierte in ihr, genauso wie früher, wenn die Kinder ihres Clans ihr Steine und höhnische Sticheleien nachgeworfen hatten. Akira weigerte sich, wie ein Tier zur Schau gestellt zu werden, egal, was es sie kosten würde. Sie hob den Kopf, öffnete den Mund und biss diesem Heiden, der sie festhielt, mit aller Kraft in den Schenkel.

»Verdammt! Du Hexe!« Er packte Akira an den Haaren und zerrte sie hoch. Die Spitze seines Dolches bohrte sich schmerzhaft in die Vertiefung unterhalb ihrer Kehle. »Du hast Glück, dass es gegen den Kodex verstößt, die Gefangenen zu verletzen.«

Er führte sie in den dunkelsten Winkel des Gewölbes. Ihre Versuche, sich zu wehren, waren gegen die Kraft des Kriegers sinnlos. Er schloss eine eiserne Fessel um ihr Fußgelenk und kettete sie an einen in den Steinboden eingelassenen Ring. Dann legte er seine schmutzigen Finger um ihr Kinn. »Vielleicht komme ich wieder, und dann zieh ich dich aus, nicht die alte Nattie.«

Er war Abschaum, ein widerlicher Blutegel. Akira wünschte zutiefst, ihn noch einmal beißen oder, noch besser, ihm seinen eigenen Dolch in den Bauch stoßen zu können. Doch er wandte sich ab und ging zurück zur Tür. Der Riegel kreischte, und die Schritte des Mannes verhallten und ließen sie in willkommener Stille zurück.

Ihr Körper schmerzte. Sie war tagelang gefesselt gewesen, und der Steinboden war hart und kalt. Sie legte die kältestarren Hände vor den Mund und blies hinein. Akira musste sich nicht in der Höhle umschauen, um die Anklagen der Frauen zu fühlen. Es war nicht das erste Mal, dass sie wie eine Aussätzige behandelt wurde, und, so vermutete sie, es würde auch nicht das letzte Mal sein.

Warum widerfuhr ihr dieser Albtraum? Warum hatten die MacLeods sie von ihrem Clan fortgeholt? Sie senkte den Kopf und betete, dass Kendrick ihr zu Hilfe kommen würde. Aber in den drei Tagen, die sie und ihre Entführer bis zu diesem Ort gebraucht hatten, war von ihrem Bruder nichts zu sehen gewesen. Akiras einziger Trost war, dass die MacLeod-Krieger nicht auch ihre Schwester mitgenommen hatten. Isobel hätte diese Reise durch das Land der MacLeods niemals überlebt.

Kendrick würde kommen. Er musste kommen.

Aus dem dichten Grün des Dickichts betrachtete Calin die hochgewachsene Gestalt seines Freundes aus Kindertagen. Der schmächtige Zwerg von damals war inzwischen bullenstark geworden.

Es würde einen Mann von großer Kraft brauchen, Kendrick Neish niederzuringen - er war gut über einen Meter achtzig groß und bepackt mit kraftstrotzenden Muskeln. Als Junge war Calin ihm um einiges an Gewicht überlegen gewesen, aber jetzt glich Kendrick ihm in Größe und Statur. Er könnte ihn besiegen.

Calin trat aus dem Dickicht heraus und schlang seinen Arm um den Nacken des alten Freundes.

Kendrick zuckte zusammen, doch kaum dass er den ersten Schrecken überwunden hatte, umklammerten seine Hände schon Calins Kopf. Blauer Himmel und grüne Kiefernzweige tauchten in dessen Blickfeld auf, als Kendrick ihn über seine Schulter gegen den Stamm einer jungen Birke warf. Der Stamm zerbrach. Zumindest hatte Calin die Schlacht gegen den Baum gewonnen; die Kraft seines alten Freundes jedoch hatte er gründlich unterschätzt.

Er sprang auf die Füße und fuhr herum. Kendricks Aufmerksamkeit war auf seine Schwestern gerichtet, die sich unter dem Sprühnebel eines herabdonnernden Wasserfalls vergnügten. Sobald Kendrick seine Niederlage eingestanden haben würde, wollte Calin herausfinden, welches der Mädchen seine Braut war.

Er hieb seine Faust in Kendricks Magengrube, und Kendrick ging stöhnend zu Boden. Bevor Calin erneut handeln konnte, wurden ihm die Beine weggerissen, und er landete auf seinem Allerwertesten. Die Luft wich aus seinen Lungen. Gerade noch rechtzeitig riss er die Augen auf, um zu sehen, dass Kendrick auf ihn zusprang. Calin duckte sich, rollte sich auf dem Waldboden zur Seite und richtete sich wieder auf. Nur einmal wollte er einen Kampf gegen Kendrick gewinnen! Aber für Calin war dieser Zweikampf ein Spiel, während der Bruder seiner Braut glaubte, seine Schwestern beschützen zu müssen. Laut ihren Briefen waren es insgesamt sechs.

Kendricks Gesicht färbte sich rot, seine Nasenflügel blähten sich. Seine Haltung war jetzt die eines wütenden Kriegers. Wie einen Schild streckte Calin eine Hand aus, aber Kendrick packte sie und drehte ihm den Arm auf den Rücken. Einen Wimpernschlag lang hielt Kendrick Calins Kopf in seiner Armbeuge gefangen und schnürte ihm die Luft ab.

»Du bist auf Kinnon-Land, Freundchen, und es wäre mir ein Leichtes, dir deinen zarten Hals zu brechen!«

Er hatte die Worte so angestrengt hervorgestoßen, dass Calin nicht anders konnte, als den Mann anzulachen.

Kendrick beugte sich zur Seite und starrte ihn an. »Bist du wahnsinnig? Oder ein bisschen verrückt im Kopf?« Kendrick ließ ihn los und schickte ihn mit einem kräftigen Stoß in ein Bett aus pieksenden Kiefernnadeln.

Aus einer hockenden Position grinste Calin ihn schief an. »Du hast mir wehgetan, Kendrick. Hast du etwa das Gesicht eines alten Freundes vergessen?«

»Eher verrotte ich in der Hölle, als einen Mann, der mich angreift, einen Freund zu nennen.« Kendricks Stimme klang angespannt vor Zorn, während er trotzig die Arme über seiner breiten Brust verschränkte.

Calin war aufgestanden und klopfte sich die Kiefernnadeln von den nackten Beinen, dann rümpfte er die Nase und sog schnüffelnd die Luft ein. »Du stinkst wie zwei Tage alter Haggis!«

Kendrick starrte ihn misstrauisch an.

Calin konnte nichts gegen das selbstgefällige Grinsen auf seinem Gesicht tun, während er darauf wartete, dass Kendrick ihn erkennen würde. Schließlich war ein Jahrzehnt vergangen, seit sie sich das letzte Mal gesehen hatten.

Nur Sekunden später warf Kendrick ihn unter Freudengebrüll zu Boden. »Calin MacLeod! Du störrischer kleiner Bastard!«

Calin rang mit dem Riesen, es war ein Durcheinander aus Fäusten und Füßen. Er kassierte drei Schläge. Einen auf die Nase, die anderen beiden in die Rippen. Dabei befand er sich mit seinen achtundzwanzig Jahren eigentlich in einem zu fortgeschrittenen Alter für eine solch alberne Balgerei - besonders an seinem Hochzeitstag.

Kendrick hielt ihn am Boden fest. »Ergibst du dich, mein Freund?«, fragte er, bevor Calin ihn mit den Beinen in die Zange nahm.

»Nein«, keuchte der. »Ich bin damit dran, zu gewinnen!«

Aber Kendrick akzeptierte Niederlagen nicht. Sie wälzten sich auf dem Boden, beiden bluteten die Nasen, ihre Fingerknöchel waren zerschunden und abgeschürft, und die nackten Knie befanden sich in dem gleichen Zustand. Auf dem Rücken liegend hielt Calin sich die lädierten Rippen, die ihm dieses Mal vor Lachen wehtaten.

»Es ist lange her, MacLeod«, sagte Kendrick mit leichtem Unmut in der Stimme. »Viel zu lange!«

»Ich hätte es noch einmal zehn Jahre aushalten können, deine hässliche Visage nicht zu sehen.« Calin ließ ein Lächeln aufblitzen, während er sich erhob und dem Freund dann die Hand hinstreckte.

»Es ist soweit?«, fragte Kendrick.

»Aye. Ich habe mich am Sonntag mit den Donalds getroffen, und wir sind uns einig. Laird Kinnons räuberische Horde hat das letzte Mal mein Hab und Gut gestohlen. Er hat sich im Laufe der Jahre viele Feinde gemacht. Niemand wird ihn dabei unterstützen, seine Grenzen zu schützen, sollten die Engländer unsere Küsten angreifen.«

»Dann werden wir den Rat der Inseln zusammenrufen! Laird Kinnon wird nicht länger herrschen, und der Clan der Kinnons wird von seinen blutbefleckten Händen befreit werden. Bei Einbruch der Dämmerung werde ich einen Reiter mit einer Fackel losschicken, um die Rebellen zusammenzurufen. Wann soll das Treffen sein?«

»Bald, Kendrick. Dein Laird wird schon bald für die Verbrechen bezahlen, die er an uns beiden begangen hat.« Calin schlug Kendrick auf den Rücken. Er war dankbar, dass sein Freund ihrer Sache treu geblieben war. So viele Jahre waren vergangen, seit sie durch die finsteren Gewölbe unter Brycen Castle gestreift waren. Sie hatten ihre Freundschaft immer geheim gehalten; eigentlich hätten sie Feinde sein müssen. Aber damals wie heute hatten sie beide dasselbe gewollt - eine Allianz.

Calin drückte einen Kiefernzweig zur Seite und schaute auf die Schar der Schönheiten, die ausgelassen um den Wasserfall herumtollten. Sie hüpften und tanzten, und es kümmerte sie nicht, dass ihre Röcke dabei nass wurden. Calin konnte sein Hochgefühl kaum beherrschen. Achtzehn Jahre waren vergangen, seit er Kendrick seine damals winzige Braut anvertraut hatte. Und heute, bei Einsetzen der Dämmerung, würde er das Mädchen mit sich nehmen nach Cànwyck Castle und es zu seiner Frau machen. Er betete darum, dass er ihr ins Gesicht sehen konnte und nur seine zukünftige Frau sehen würde, und nicht die Tochter des Mannes, der seinen Vater ermordet hatte. Doch ungeachtet dessen, was er in ihr sehen würde, hatte er einen Schwur zu erfüllen und einen Clan zu beschützen.

Einen Clan, der zu dieser Stunde seine Hochzeit vorbereitete.

In der Burg hatte geschäftiges Treiben geherrscht, als er früh am Tag das Land der MacLeods verlassen hatte. Die alten Frauen des Clans hatten den Morgen damit verbracht, die Kapelle mit Blumen zu schmücken. Und seit zwei Tagen trafen immer mehr MacLeods auf Cànwyck Castle ein, um den Hochzeitsfeierlichkeiten beizuwohnen. Eine Hand voll Draufgänger hatte sich nach dem überreichen Genuss von Whisky mit den Mädchen des Dorfes vergnügt. In neun Monaten würde es eine Baby-Schwemme geben, und Calin hoffte, dass eines davon von ihm und seiner Braut sein würde.

Wildschweinkeulen, Wildbret und Lämmer wurden über großen Feuern geröstet, und das Fett, das von den Spießen tropfte, erfüllte die Hallen von Cànwyck Castle mit einem Duft, der jedem das Wasser im Munde zusammenlaufen ließ. Währenddesen arbeitete Father Harrald fieberhaft daran, den Segensspruch zu verfassen, den er am Abend im Anschluss an die Zeremonie sprechen wollte.

Das Einzige, was noch fehlte, war die Braut. Seine Braut. Akira Neish.

Calin hatte seine Absicht, sie ein oder zwei Tage vor der Hochzeit zu holen, aufgeben müssen, doch er hatte sich mit dem Gedanken beruhigt, dass sie willfährig sein und keine Probleme machen würde. Bis heute hatte sich ihm noch keine Frau verweigert, und er war davon überzeugt, dass seine zukünftige Frau seinem Charme ebenfalls nicht würde widerstehen können. Vielleicht würde sich auf ihrem Rückweg nach Cànwyck Castle die Möglichkeit ergeben, sie ein wenig zu umwerben, bevor er sie zu seiner Ehefrau machte.

»Welches der Mädchen ist Akira?« Calin schaute zu den Schönheiten hinüber, die um den See herumsprangen. »Bitte sag mir, dass nicht sie das ist.« Er zeigte auf eines der Mädchen. »Sie scheint einen gesunden Appetit zu haben.«

Kendrick runzelte verwirrt die Stirn, während er antwortete. »Das«, er zeigte auf die mollige Rothaarige, »ist Maggie. Sie und ihr Mann Logan Donald bekommen im Spätherbst ein Kind.«

»Dann ist es jene dort drüben? Die Hochgewachsene?« Calin zog beide Augenbrauen hoch und hoffte, er hatte die Richtige ausgewählt.

»Das ist Neala. Sie ist die Frau des Bruders unseres Schmieds. Hat Akira …«

»He!« Aus dem Nichts hatte ein Schwall eiskalten Wassers Calins Rücken getroffen. Er schnappte nach Luft. Die Augustwärme hatte nur wenig dazu beigetragen, dem Wasser seine Eiseskälte zu nehmen. Er fuhr herum, um sich den Angreifer zu schnappen. Das Rauschen des Wasserfalls mochte ihre Schritte verschluckt haben, aber die beiden lachenden Nymphen, die, zwei leere Eimer in den Händen, hinter ihm standen, hatten keine Chance, zu entkommen. Kendrick packte die eine am Handgelenk, während Calin den Arm um die Taille der anderen schlang. Die Mädchen befreiten sich aus dem Griff der Männer und steckten kichernd die Köpfe zusammen.

Calin schüttelte verwirrt den Kopf. Die beiden Mädchen sahen absolut gleich aus - von den rotblonden Locken bis zu den schmalen Nasen und den moosgrünen Augen. Hätte er die Zeit gehabt nachzuzählen, so hätte er vermutlich auch dieselbe Zahl von Sommersprossen auf ihren Nasenrücken gefunden. Er erinnerte sich dunkel daran, dass Akira in ihren Briefen von Zwillingen berichtet hatte, aber das lag wenigstens acht Jahre zurück. Er hatte nie erfahren, warum sie aufgehört hatte, ihm zu schreiben.

»Und diese zwei sind Riona und Fiona«, stellte Kendrick die Mädchen vor. »Alle nennen beide einfach Iona, weil keiner die eine von der anderen unterscheiden kann.«

»Es ist mir ein Vergnügen, zwei so schöne Mädchen kennenzulernen!« Calin verbeugte sich tief vor den beiden, bevor er jeder einen keuschen Handkuss gab. Das Kichern steigerte sich, und sie erröten auf dieselbe Weise. Als Calin seine Aufmerksamkeit wieder dem Wasserfall zuwandte, blieb sein Blick an der jungen Frau hängen, die still unter dem schützenden Laubdach einer alten Esche saß. Ihre Knöchel waren sittsam unter ihrem Rock verborgen, und sie las in einem Buch.

Calin zeigte auf sie. »Das ist sie! Ich wusste, dass meine Braut schön und klug ist.«

Kendricks Lächeln verschwand, und er richtete sich auf. »Genug jetzt, MacLeod! Mädchen, holt eure Schwestern! Wir gehen sofort zurück.« Kendricks Stimme klang grimmig. »Warum bist du hergekommen, MacLeod?«

Calin konnte sich Kendricks Stimmungsumschwung nicht erklären. Er hatte gedacht, der Grund seines Kommens wäre bekannt. »Ich habe dir vor einem Monat geschrieben und dir mitgeteilt, dass ich kommen werde, um Akira zu holen.«

»Und vor einem Jahr hast du das schon einmal geschrieben. Ich hatte angefangen, den Aufstand zu organisieren, nachdem du das erste Schreiben geschickt hattest. Laird Kinnons Argwohn ist in der Zwischenzeit noch größer geworden; er vermutet wohl, dass ein Aufstand droht. Hast du eine Ahnung, wie es ist, diesem Bastard etwas vorspielen zu müssen? Wo, bei allen Schotten, hast du im letzten Jahr gesteckt?«

Calin hatte sein erstes Jahr als Chieftain mit Müßiggang verbracht. Er wandte den Blick von Kendrick ab, während er sich an die betrügerische Frau erinnerte, die ihn getäuscht und davon abgehalten hatte, früher nach Hause zurückzukommen. Bitterkeit schwang in seiner Stimme mit. »Ich wurde aufgehalten, aber jetzt bin ich hier und bereit zu unserem Bündnis, wie wir es uns versprochen haben.« Er zeigte noch einmal auf das Mädchen unter dem Baum und fragte mit mehr Nachdruck: »Ist das Akira?«

»Nein. Ihr Name ist Isobel, und sie ist auch nicht deine kostbare Braut, wie du sehr gut weißt. Warum treibst du dein Spiel mit uns, MacLeod?«

Calin versuchte zu begreifen, warum Kendrick noch wütender geworden zu sein schien. »Ich weiß, alter Freund, es war eine lange Zeit, aber …«

»Schluss jetzt damit!«, schnitt Kendrick ihm das Wort ab und sah Calin vorwurfsvoll an. »Vor einer Woche waren zwei MacLeods hier. Ich war draußen bei der Herde, während die Mädchen Beeren gesammelt haben. Deine Männer haben Isobel bedrängt, und als Akira dazugekommen ist, ist sie einem von ihnen auf den Rücken gesprungen. Die Mädchen sagen, sie hat mit einem Stock auf den Mann eingeschlagen wie ein wildes Tier. Der eine hat sie daraufhin an der Taille gepackt und ihr den Rock zerrissen. Als sie das Geburtsmal auf ihrem Po gesehen haben, haben sie sie als Hexe beschimpft, und dann haben sie sie bäuchlings über eines der Pferde geworfen. Isobel sollte mir von ihnen ausrichten, die Zeit sei gekommen.« Kendrick klang bitter. »Du hättest wenigstens ihre Familie zur Hochzeit einladen können!«

Calin starrte den Freund empört an und stieß ihn nicht allzu sanft gegen einen klebrigen Kiefernast. »Du Dummkopf! Es hat keine Hochzeit gegeben. Ich habe sie nicht holen lassen, Hölle und Teufel!«

Kendrick kniff die Augen zusammen und hob das Kinn. Er stieß Calin so heftig von sich weg, dass dieser fast das Gleichgewicht verlor. »Aber es waren MacLeods! Wenn du sie nicht geschickt hast, wer hat dann Akira geholt? Und wohin hat man sie gebracht?«

»Die MacLeods sind mir treu ergeben. Sie würden mich weder verraten noch würde einer von ihnen meine Braut rauben.« Calin verteidigte seine Stammesleute, aber er vertraute auch Kendrick so wie einem der seinen. Was würde ein MacLeod gewinnen, wenn er Akira raubte? Er zermarterte sich den Kopf, fand darauf jedoch weder eine Antwort noch hatte er die Zeit, länger über diese Frage nachzudenken. Akiras Entführer hatten eine Woche Vorsprung, was hieß, dass ihre Spur sich nicht mehr verfolgen ließ. Ein Gefühl von Übelkeit breitete sich in seinem Magen aus, als er an den Ort dachte, an den die Männer sie verschleppt haben könnten. Wie zur Hölle sollte er sie dort jemals finden? Er würde Akira ja nicht einmal erkennen, wenn er sie sah.

Calin hob den Arm und machte eine rasche Handbewegung. Drei seiner Krieger zu Pferde tauchten aus dem Wäldchen auf. Sirius blieb bei Calin stehen, genau wie es dem schwarzen Hengst beigebracht worden war. »Wir müssen sofort aufbrechen. Können deine Schwestern ohne Begleitung nach Hause gehen?«, fragte er und stieg auf das Kriegsross.

»Nein. Das können sie nicht.« Kendrick warf einen Blick auf die Mädchen, die sich um Isobel geschart hatten. Die Älteste hielt die Zügel eines Rotschimmels und wartete.

»Wenn ich richtig informiert bin, dann ist das Haus, in das du gezogen bist, nicht weit von hier. Sie scheinen mir sehr gut in der Lage zu sein, allein dorthin zu finden.«

Kendrick wandte sich ab und ging davon.

Mit wachsender Verärgerung fragte Calin sich, wie Kendrick so gleichgültig gegenüber der Schwester sein konnte, die er seit ihrer Geburt in seiner Obhut hatte. »Interessiert dich das Wohlergehen deiner anderen Schwester gar nicht? Geht sie dich jetzt nichts mehr an?«

Kendrick fuhr herum und sah Calin voller Missbilligung an. »Ich bin kein Idiot! Akiras Wohlergehen kümmert dich doch gar nicht. Für dich hat die Allianz Vorrang, und ohne Akira können wir die Clans nicht zusammenführen. Du kannst also aufhören, mir etwas vorzumachen und es einfach zugeben. Du würdest das Mädchen ja nicht einmal erkennen, wenn sie dir in den Hintern beißen würde!«

Calin ignorierte ihn, auch wenn er sich darüber ärgerte, dass Kendrick im Prinzip nur die Wahrheit ausgesprochen hatte. Er beruhigte Sirius. Das Tier musste gespürt haben, wie gereizt er war.

»Ich werde nur mit dir reiten, weil ich Akira kenne«, brummte Kendrick jetzt. »Außerdem würde sie nicht freiwillig mit dir mitgehen.«

Warum nicht, zur Hölle? Schließlich hatte er in all den Jahren für sie gesorgt und dem Abt des Klosters von Beauly Geld für ihre Erziehung geschickt. Er hatte dafür gesorgt, dass das Geheimnis ihrer Abstammung gewahrt blieb. Außer Onkel Kerk und Tante Wanda wussten nur Kendrick und Akiras Pflegemutter, dass Laird Kinnon ihr leiblicher Vater war. Er hatte gehofft, Akira würde die Ehe mit ihm ohne Protest eingehen. Doch diese Fakten jetzt mit Kendrick zu diskutieren hielt Calin für vergebliche Mühe. »Wir haben nicht die Zeit, herumzutrödeln. Wir reiten sofort los.«

Kendricks Gesicht lief rot an, und er ballte die Fäuste. »Akiras Sicherheit kümmert mich sehr wohl, aber ich muss mich zuerst um die fünf anderen kümmern. Isobel kann nicht gehen. Sie ist schon fast ihr ganzes Leben lang ein Krüppel. Seit Vater tot ist, gibt es niemanden außer mir, der stark genug ist, sie zu tragen.«

Calin kam sich vor wie der absolute Ignorant. Jetzt war ihm klar, warum Isobel nicht mit ihren Schwestern um den See herumgesprungen war. »Dann kümmere dich um deine Schwestern. Ich muss zurück zur Burg und den Rat um Geld bitten. Wir treffen uns bei Einbruch der Dämmerung dort, wo unser Land an das der Donalds grenzt. Aber komm allein. Akira befindet sich auf MacLeod-Land.«

Kendricks harte Gesichtszüge wurden weicher. »Du weißt, wohin man sie gebracht hat?«, fragte er voller Hoffnung.

»Aye. Wenn es stimmt, was du sagst, dann gibt es nur einen Ort, an den ein MacLeod eine Frau bringen würde, die er für eine Hexe hält - Tigh Diabhail.« Calin gab seinem Hengst die Sporen, und das Pferd fiel sofort in einen schnellen Galopp. Calin betete im Stillen darum, dass er nicht zu spät kommen würde. Tigh Diabhail war ein Höllenort und wurde zu Recht das Teufelshaus genannt. Er war erst einmal dort gewesen, und nun trieb ihn das Tun seiner Waffenbrüder zurück an den Ort, an den er nie hatte zurückkehren wollen. In früherer Zeit hatte der geschützt gelegene Hafen den Vorgängern King James' als Umschlagplatz für Waffen gedient, aber jetzt wurden dort nur noch weibliche Gefangene verschachert.

Und was man den Jungfrauen unter ihnen dort antat, war so entsetzlich, dass es alles Vorstellbare überstieg.

Kapitel 2

Wie viele Männer habe ich in Drumchatt getötet? Was denkst du, Cousin?«

»Ich weiß es nicht, Jaime. Aber ich bin sicher, du glaubst, mehr als ich.« Calin verdrehte resigniert die Augen. Nachdem er sich die zehnte Schilderung der Schlacht von Drumchatt angehört hatte, bereute er es, seinen Cousin gebeten zu haben, ihm bei der Rettung seiner Braut zu helfen.

Jaime war für Calin wie ein Bruder, auch wenn es dem drei Jahre Jüngeren noch an jeglicher Disziplin mangelte. Er versuchte ständig, Calin zu übertrumpfen. Erlegte Calin auf der Jagd einen Sechsender, dann musste Jaime einen Zehnender zur Strecke bringen. Das Bestreben, Calin auszustechen, machte Jaime andererseits aber auch zu einem entschlossenen Kämpfer, und Calin gab gern zu, dass er auf diese Qualität seines Cousins stolz war.

»Meinst du, es waren mehr als fünfzig?«, fragte Jaime jetzt und fuhr fort, die ausgeschmückte Geschichte seiner tapferen Heldentaten zu erzählen, während er neben Calin zur Kuppe des Hügels hinaufritt.

Bläulicher Morgennebel bedeckte die kleine Insel Bania. Etliche MacLeod-Männer tummelten sich im Landstrich, der vor ihnen lag, aber diese Sorte von MacLeods zählte Calin nicht zu seiner Sippe. Er parierte sein Kriegsross. Nach dem Drei-Tage-Ritt, der hinter ihm lag, schmerzte jeder Muskel im Leib. Da er an den breiteren Sattel nicht gewöhnt war, fühlte sich sein Hintern an wie taub. Die drei MacLeod-Krieger und Kendrick zügelten neben Calin ihre Pferde, um auf die Zelte hinunterzusehen.

»Ich verwette meine Schneidezähne darauf, dass es fast hundert Männer sind«, sagte Jaime, unbeeindruckt von der Tatsache, dass sie ihr Ziel erreicht hatten. »Glaubst du, dass es mehr sind, als ich bei …«

»Jaime«, schnitt Kendrick ihm das Wort ab und sah ihn ärgerlich an. »Noch ein Wort von dir, und ich schlage dir die Schneidezähne aus, auf die du eben gewettet hast.«

Calin grinste, und Jaime fühlte sich veranlasst, die Stirn zu runzeln. In friedlichem Schweigen legten sie den Weg den Hügel hinunter zurück.

Calin hatte keine Probleme, Zutritt zu den Zelten zu bekommen. Mehr Ermunterung als sein Gold brauchten diese Bastarde nicht, um ihm, seinen drei Stammesangehörigen und Kendrick zu gestatten, sich den Schweinen anzuschließen, die sich in den Zelten eingefunden hatten.

Am späten Nachmittag gingen viele Besucher im Hauptzelt ein und aus. Die meisten von ihnen trugen dicke Highland-Plaids, einige waren aber auch gekleidet, wie es die Mode derzeit in Frankreich und Deutschland verlangte. Waffenröcke, die mit den Farben des Heimatlandes bestickt waren, ließen die Nationalität jedes Mannes erkennen, der keinen Plaid trug. Sie trugen mit Goldborten gesäumte schwere Tuniken über eng sitzenden Hosen.

Obwohl noch Sommer war, stach der salzige Wind, der von der See her wehte, wie Eissplitter unter die Zeltwände. Die Zuschauer fröstelten von Zeit zu Zeit, während sie auf eine Frau nach der anderen boten, die auf das Versteigerungspodest geführt wurde, aber Calin hatte nicht einmal eine Gänsehaut. Die Verderbtheit, die ihn umgab, erhitzte sein Blut und schickte Wellen des Zorns durch seine Seele.

Bei Einbruch der Dämmerung wurde die Versteigerung beendet. Um diese Zeit hatten die Prasser ihr Geld für große Mengen Bier ausgegeben und sich Geschichten über den Krieg erzählt. Mit jedem Fass, das auf das Podium gerollt wurde, wurden ihre Aufschneidereien größer. Calin hätte alles darum gegeben, wieder auf seinem Pferd zu sitzen, seine Braut sicher im Schlepptau, und einer von Jaimes Geschichten zuzuhören. Stattdessen stand er eingezwängt in einer Menge ranzig riechender Highlander und fragte sich, ob deren Gestank ihm wohl in jede seiner Poren kriechen würde.

Bei Tagesanbruch griff der Auktionator wieder zu seinem Hammer und setzte die Versteigerung fort. Nachdem eine Gruppe Frauen mit olivfarbener Haut verkauft worden war, wurde ein blondes Mädchen auf die hölzerne Plattform gezerrt. Sie war die jüngste Frau, die auf das Podest gebracht worden war, seit Calin und seine Begleiter hergekommen waren. Das Mädchen hatte noch Milchzähne und war, wie deutlich durch den dünnen Stoff ihres Hemdes zu sehen war, noch nicht entwickelt. Sie konnte nicht älter als zehn sein. Die Hände hatte man ihr vor dem Bauch zusammengebunden, und ihr Kopf war in Gehorsam gesenkt, während Tränen der Scham ihr über das Gesicht liefen. Calin konnte es nicht ertragen. Er würde für sie einen Platz auf Cànwyck Castle finden, vielleicht als Wäscherin. Er machte seinem Mann im Hintergrund ein Zeichen, das Geld bereitzuhalten.

Das dumpfe Stimmengewirr im Zelt wurde weniger, als der Auktionator mit schriller Stimme die Versteigerung begann. »Wie viel wird geboten? Nun, ihr braven Männer. Was für ein Anblick wird dieses Mädchen in Eurem Bett sein! Wie viel wird mir geboten? Beeilt euch mit eurem Gebot, denn sie wird bestimmt verkauft.« Der Auktionator, der hinter einer Art Pult stand, strich sich die grauen Haarsträhnen über seinen zur Glatze neigenden Schädel, während er auf die Gebote wartete.

»Ist sie Jungfrau?«, fragte einer der Zuschauer derb.

»Antworte dem Herrn, Mädchen«, befahl der Versteigerer.

Dem Mädchen stieg die Röte in die Wangen, und Calin verdammte jeden Einzelnen dieser Männer in die Feuergruben der Hölle.

»Nein.« Ihre Antwort war kaum zu hören.

Enttäuschtes Raunen erfüllte die Luft, was Calin noch weiter abstieß. Die Hälfte dieser Männer waren nicht hergekommen, um sich eine Braut oder ein Dienstmädchen zu kaufen, sondern um Zeuge der Unterhaltung zu sein, die Tigh Diabhail bot.

Wie wohl die meisten der Zuschauer vermutete Calin, dass das Mädchen log. Aber die Statuten verlangten es, dass jede Gefangene diese Frage vor dem Verkauf beantworten musste.

Ein Mann zu Calins Linken schluchzte und erregte damit seine Aufmerksamkeit; das faltige Gesicht des Mannes war nass von Tränen. Mit einer Hand hielt er eine Tasche umklammert, während er mit nassen Augen auf das Mädchen starrte.

Drei Männer boten noch auf die Kleine, und der Auktionator rasselte eine Reihe von Zahlen herunter. Der Mann neben Calin hatte schon früher ein nur geringes Gebot abgegeben.

»Ist sie eine Verwandte?«, fragte Calin, ohne den Mann anzusehen.

»Sie ist meine Tochter«, erwiderte der nach einer langen Pause.

»Bietet, was nötig ist. Ich werde den Rest übernehmen.«

»Ich kann es nicht zurückzahlen.«

»Ihr schuldet mir nichts.«

Binnen Sekunden war die Versteigerung zu Ende, und der Mann hatte das Mädchen für dreißig Groats gekauft, von denen zwanzig von Calin kamen.

»Seid gesegnet, Sir!«, bedankte sich der Mann und schob sich durch die Menge nach vorne. Die Wachen stießen das Mädchen vom Podium, ohne sich um ihre Unversehrtheit zu kümmern, und Calin wollte nichts mehr, als diese Männer am höchsten Baum der Highlands hängen zu sehen. Der Gedanke, dass Akira von diesen üblen Heiden so grob behandelt wurde, machte ihn rasend. Seine Handflächen wurden feucht; Verzweiflung griff nach ihm.

Was, wenn sie schon verkauft worden war? Was, wenn man sie gar nicht hierhergebracht hatte?

Noch während ihm diese Gedanken durch den Kopf gingen, durchdrang das wilde Fluchen der nächsten Gefangenen das Stimmengewirr der Zuschauer. Haar so schwarz wie die Mitternacht umrahmte ihr porzellanzartes Gesicht - ein Gesicht, das jetzt zu einem wütenden Ausdruck des Ekels verzogen war. Flüche in Englisch, Französisch, Gälisch und einer anderen Sprache, die Calin nicht kannte, kamen aus ihrem Mund. Zwei Wachen in Gewändern mit schwarzen Kapuzen hielten sie fest. Anders als bei den Frauen zuvor, waren ihr die Hände auf den Rücken gebunden worden.

»Himmel, das ist Akira!«, flüsterte Kendrick und wollte schon auf das Podest zugehen.

»Nein!« Calin legte die Hand fest auf Kendricks Brust. »Lenk keine Aufmerksamkeit auf uns oder unser Interesse an ihr.« Calin hatte ruhig gesprochen, aber im Innern explodierte er. Er war ganz darauf eingestellt, einen Krieg zu beginnen, wenn die Wachen es wagen würden, Akira zu schlagen.

Sie stürzte sich auf die Männer, die sie auf dem Podest festhielten. Dieser Frau mangelte es gewiss nicht an Feuer und Temperament. Sie war eine Kämpferin. Obwohl Calin erleichtert war, sie unversehrt zu finden, machte er sich Gedanken über ihre erste Begegnung. Sich seiner Braut unter diesen Umständen vorzustellen könnte sich als schwierige Aufgabe erweisen.

Als sie einem der Wächter das Knie in den Unterleib rammte, zuckte Calin zusammen und hielt seine Hände instinktiv vor seine Männlichkeit. Der so angegriffene Wächter packte sie an den Haaren, riss sie zur Seite und zwang sie auf die Knie. Verzweiflung stand in ihren Augen, als sie gellend losschrie. Der schrille Ton hallte von den Zeltwänden wider.

Calin ballte seine Hände zu Fäusten. Wäre es ihm erlaubt gewesen, eine Waffe zu tragen, hätte er diese beiden Männer mit der Spitze seines Schwertes aufgespießt. Er gab seinen Begleitern, die in der Menge verteilt standen, ein Zeichen. Nach diesem stummen Befehl begaben sich die drei Männer zum Ausgang. »Nimm deine Kapuze ab«, sagte er zu Kendrick. »Wenn möglich, will ich, dass Akira dich sieht. Vielleicht beruhigt sie das ein wenig.«

»Habe ich erwähnt, dass Akira recht temperamentvoll ist?«

»Recht?« Calin runzelte die Stirn, aber jetzt war nicht die Zeit für Scherze. »Wir werden Akira auf jeden Fall hier herausholen, auf welchem Wege auch immer. Wenn wir sie haben, wird sie mit mir reiten, und ich werde mich um ihr Temperament kümmern.«

Dieselbe derbe Stimme wie bei dem Mädchen zuvor erklang aus der Menge. »Ist sie Jungfrau?«

Calin hoffte, Akira würde genug Verstand besitzen, die gleiche Antwort zu geben wie alle anderen. Der Atem stockte ihm, während er auf die Antwort wartete. Sag Nein. Sag, dass du keine Jungfrau bist. Er versuchte, sie mit seinen Gedanken zu dieser Antwort zu zwingen.

Die Wachen hielten sie noch fester als zuvor, um sie dazu zu bringen, die Frage zu beantworten. Ihre Augen wurden schmal. Sie hob ihr zierliches Kinn und starrte den Barbaren an, der die Frage gestellt hatte. »Aye, ich bin Jungfrau! Und ich habe vor, das auch zu bleiben.«

Calin stöhnte innerlich.

Über die Zuschauer hatte sich Schweigen gesenkt. Ein Schweigen, das so absolut war, dass man die Wellen hören konnte, die hinter dem Zelt gegen das Kliff schlugen.

Die Stille dauerte zwei Herzschläge lang, dann wurden einige Rufe laut, bevor alle anfingen, laut durcheinander zu schreien. In den Augen eines jeden Mannes flammte Lust auf.

Dieses verdammte dumme Frauenzimmer! Hätte sie nicht einfach lügen können? Wie schwer von Begriff musste diese Frau sein, dass sie nicht die gleiche Antwort gegeben hatte wie alle anderen? Das Geld, das er in ihre Erziehung investiert hatte, war nicht klug angelegt. Um seinen Groll unter Kontrolle zu bekommen, drehte Calin einige Male seinen Kopf hin und her, bis es in seinem Nacken knackte.

Der Auktionator fasste seinen Hammer fester. Schmierig grinste er die alte Frau an, die hinter ihm stand. »Nattie, hol das Öl!«

Die Zuschauer johlten und schrien noch lauter und, auch wenn es unmöglich schien, verdreifachte sich die Menge in der Enge des Zeltes, so, als könnten die Bastarde draußen eine Jungfrau riechen. Die Lautstärke der Zwischenrufe wuchs mit jeder Sekunde, die verging. Zwei weitere Wächter bahnten sich ihren Weg durch die Menge und sammelten Geld ein.

Auf Kendricks Gesicht lag ein Ausdruck des Unbehagens. »Was ist los? Was bedeutet das?«

»Diese Männer zahlen extra, um Zeuge des Verkaufs einer Jungfrau sein zu können. Das Geld geht an den Chieftain, der angesichts einer solchen Gräueltat ein Auge zudrückt. Ich fürchte, meine Braut wird mich nicht nur sehr viel mehr kosten, als ich für sie zahlen wollte, sondern sie wird auch für die Unterhaltung dieser Meute sorgen.« Der dunkle Klang seiner Stimme spiegelte seine Empörung wider. »Deine Schwester hat vermutlich keine Ahnung, was ihr Stolz sie kosten wird.«

Calin sandte ein Stoßgebet an den heiligen Bonifaz, ihm zu helfen, dann rief er laut: »Zwanzig Silberstücke.«

»Zwanzig Silberlinge werden geboten!«, rief der Auktionator. »Wer bietet mehr?«

»Fünfunddreißig«, hielt ein anderer Bieter dagegen.

»Fünfzig.«

»Fünfundsiebzig.«

Die Gebote stiegen sehr schnell und erreichten den Betrag von dreihundert Silberstücken. Calin hatte vor, den Zuschlag zu bekommen, und sollte ihn das jede Münze kosten, die er mitgebracht hatte. Eher würden die Feuer des Hades erlöschen, als dass er zuließ, dass ein anderer Mann seine Frau anfasste. Er hatte viel zu lange darauf gewartet, die Allianz der Clans zu sichern und den Tod seines Vaters zu rächen.

»Ich biete fünfhundert Silberlinge«, rief er laut.

Neugieriges Flüstern zischelte durch die Menge, während Hunderte Augen ihn anstarrten. Das Gebot schockierte nicht nur die Menge, sondern auch Kendrick. »Hast du überhaupt so viel bei dir?«

»Aye«, erwiderte Calin knapp und wartete auf ein Gegengebot. Das Herz hämmerte ihm in der Brust. Er war nie jemand gewesen, der das Geld der MacLeods vergeudet oder verschwendet hatte, aber das Überleben seines Clans hing von der Rettung dieser Frau ab. Seiner Frau.

»Wer bietet mehr als fünfhundert Silberstücke?«, rief der Versteigerer, aber niemand antwortete ihm. Der Schlag seines Hammers beendete die Versteigerung. »Verkauft!«

Calins Männer warteten mit den mit Silberstücken gefüllten Beuteln. Mit einem knappen Kopfnicken wies Calin seinen Seneschall an, das Geschäft mit dem Vogt abzuschließen. Dann drängte er sich durch die Zuschauermenge und stellte sich vor das Podium, wie alle Ersteigerer vor ihm es getan hatten. Doch anstatt ihm Akira über die Schulter zu werfen, führten die Wachen sie an die hintere Ecke der Plattform.

Eine heiße Flamme der Kraft durchströmte ihn - ein überwältigendes Verlangen zu beschützen, zu fordern, zu töten. Die Hände zu Fäusten geballt, war er bereit für eine Schlacht.

»Bringt das Bett! Bringt das Bett!«, skandierte die Menge.

Der Auktionator gab das Zeichen, mit den Vorbereitungen zu beginnen. Die Wachen zogen einen mottenzerfressenen Vorhang beiseite, hinter dem ein rostiger Bettrahmen stand, auf dem eine strohgefüllte Matratze lag. Die Frau, die der Auktionator mit Nattie angesprochen hatte, kehrte auf das Podium zurück. Sie trug einen kleinen Eimer mit dampfendem Öl.

Calin erwiderte den starren Blick des Auktionators, während er voller Verachtung sagte: »Mein Seneschall hat den Handel abgeschlossen. Ich verlange, dass Ihr mir die Frau übergebt!«

»Sie wird so übergeben werden, wie es in den Bedingungen Eurer Kaufurkunde festgehalten steht. Keine Frau verlässt Tigh Diabhail als Jungfrau.«

Akira holte hörbar Luft und zog damit Calins Aufmerksamkeit auf sich. Die heiße Röte der Wut war aus ihrem Gesicht gewichen und hatte einer tödlichen Blässe des Entsetzens Platz gemacht. Sie wankte leicht, ehe sie den Mund wieder schloss und so viel von ihrer Fassung wiedergewann, ihn anzustarren. Obwohl er sich nicht fühlte, als verdiente er einen so wütenden Blick, sah Calin sie unverwandt an, als man ihn auf das Podium zog.

Die Zahl ihrer Wächter wurde verdoppelt, um sie an den Beinen festzuhalten, als Nattie unter Akiras dünnes Hemd fasste, und sie mit einem kleinen ölgetränkten Schwamm zwischen den Beinen wusch. Akira war dem schamlosen Tun der Frau wehrlos ausgeliefert; ihre Hände waren noch immer auf den Rücken gebunden.

Zwei weitere Schergen trugen das Bett in die Mitte des Podiums. Trotz Akiras Widerstand legten die Wachen sie auf die Matratze. Sie versuchte, sich aufzubäumen, aber sie drückten sie zurück auf die schmutzige Matratze, legten einen Ledergurt über ihre Brust und banden sie fest.

Calins Muskeln zogen sich zusammen. Er wollte jeden einzelnen dieser Hundesöhne umbringen. Er könnte enthüllen, wer er war, aber sein Status als Laird würde bei diesen Schweinen nichts nützen. Er würde nur eine Auseinandersetzung provozieren. Calin wusste, dass er kaum eine andere Wahl hatte, als bei dem Geschehen mitzumachen. Er streckte die Arme aus und ließ zu, dass die Wächter ihm seinen Plaid abnahmen und ihm das Hemd auszogen. Zu ihrer offensichtlichen Enttäuschung lehnte er es ab, sich von Nattie ebenfalls mit Öl einreiben zu lassen, und nahm nur das weiße Tuch von ihr entgegen, als er sich dem Bett näherte.

Er stieg auf das Bett und legte sich auf Akira. Er bedeckte sie von Kopf bis Fuß. Wie um ihre Privatheit zu verhöhnen, ließen die Wachen rings um das Bett einen Vorhang aus Gaze herunter - der sie wie Zuchttiere zu öffentlichen Zurschaustellung einsperrte. Akira schlug mit dem Kopf hin und her, und ihr schwarzes Haar verhüllte ihr Gesicht wie ein dunkles Netz.

»Imigh sa diabhail, bastún«, verfluchte sie Calin auf Gälisch. Und dann auf Französisch. »Focal leat! Retournez à la pute qui t'a accouchée!«

»Ich bin kein Bastard, und meine Mutter war keine Hure.« Ruhig berichtigte Calin ihre Kraftausdrücke. Ihr obszönes Vokabular schockierte und beeindruckte ihn gleichermaßen.

»Zum Teufel mit deinem schwarzen Blut! Du sollst neben der bitseach verrotten, die dich geboren hat.«

»Meine Mutter war auch keine Hexe.« Obwohl Calin nur wenig über die Frau wusste, die bei seiner Geburt gestorben war, war es für ihn eine Frage der Ehre, sie vor derart abscheulichen Namen zu schützen. Er schüttelte den Kopf. »Wie können so hässliche Worte aus einem so schönen Mund kommen?«

Als Antwort spuckte Akira ihm ins Gesicht. Dann stieß sie ihm die Stirn gegen das Nasenbein. Er spürte den Stoß gegen seinen Schädel bis in seine Zähne.

Hölle und Verdammnis, seine Braut war ein Wildfang! Calin schüttelte den Kopf, richtete den Blick wieder auf sie und stellte fest, dass sie von dem Stoß völlig unbeeindruckt geblieben war.

»Du bist ein Ochse, und solltest du vorhaben, mich anzufassen, dann wirst du es dein Leben lang bereuen. Gibt es dir ein Gefühl von Macht, dass ich dir zu Willen sein muss, obwohl du doch weißt, dass du doppelt so groß bist wie ich und vermutlich fünfmal so viel wiegst? Ich kenne Männer wie dich! Männer des Teufels. Mein Beschützer wird dich bestrafen und dich zu deinem Vater in die Hölle schicken!« Akira fuhr fort, ihre Drohungen auf Gälisch auszustoßen, wobei ihre Obszönitäten mit jedem Ausspruch der Verdammnis farbiger wurden.

Sie war hysterisch. Er musste etwas tun, damit sie ihm ein wenig vertraute, aber sie schrie, als wäre sie besessen.

»Akira!«, sagte er leise.

Sie erstarrte. Ihre Augen zuckten, und sie sah ihm ins Gesicht, als suche sie nach einem Zeichen von Vertrautheit. »Woher kennst du meinen Namen?«

Sanft strich Calin ihr die wilden schwarzen Strähnen aus dem versteinerten Gesicht. Der johlende Tumult der Zuschauer in seinen Ohren verstummte, als er seine wunderschöne Braut ansah. Ihre Augen die wie Saphire unter einem Fächer pechschwarzer Wimpern funkelten, waren von einem strahlenden Blau. Ihre herzförmigen Lippen waren rosig und voll, und ihr Kinn zeugte von ihrem unbeirrbaren Stolz. Sie war ein Spiegelbild Lenas. Calin gab zu, dass er eine gewisse Erleichterung empfand. Trotzdem hätte er Akira auch geheiratet, hätte sie behaarte Leberflecken und ein drittes Auge gehabt. Die Sicherheit seines Clans hing von ihrer Verbindung ab.

Ihre Abwehr schien nachzulassen, als er ihre Beine unter sich festhielt, aber sie zitterte am ganzen Leib. Er beugte sich zu ihrem Ohr herunter und atmete ihren verlockend weiblichen Duft ein, salzig und feucht. »Dein Name ist Akira Neish vom Clan der Kinnons. Deine Schwestern heißen Neala, Maggie, Isobel, Riona und Fiona. Du bist die Tochter von Murrdock und Vanora Neish. Ich bin mit deinem Bruder Kendrick hier, um dich nach Hause zu holen. Ich werde dir weder wehtun noch werde ich dir deine Jungfräulichkeit nehmen. Du hast keinen Grund, mir zu vertrauen, aber ich habe keine Zeit, darum zu betteln, dass du tust, was ich sage. Du weißt, was sie erwarten, dass ich es mit dir mache?«

Akira nickte, und in ihren weit aufgerissenen Augen flackerte die Angst. »Kenne ich dich?«

»Nein. Aber du wirst mich noch kennenlernen.« Calin grinste leicht und wünschte, er hätte die Zeit, ihre bebenden Lippen zu küssen und ihr zu versichern, alles würde gut werden. Seine Knie spreizten jetzt ihre Beine, und sein Blick richtete sich auf ihre üppigen Brüste. Wenn Akira nicht aufhörte, sich unter ihm zu winden, würden sie noch die Bänder ihres Hemdes sprengen.

Die Wachen standen nicht weiter als drei Armlängen entfernt. Calin wusste, dass er mehr Mitwirkung von Akira fordern musste, wenn das Publikum ihnen glauben sollte, dass die Vereinigung stattgefunden hatte. »Du musst deine Beine für mich öffnen.«

Sie wurde blass. »Das werde ich nicht tun! Mir ist egal, was du über mich weißt. Ich werde nicht tun, was du sagst!«

Der Ausdruck der Rebellion auf ihrem Gesicht sagte Calin, dass sie nicht die Absicht hatte, ihm zu gehorchen. »Bei allen Heiligen, Weib! Du wirst deine Beine spreizen oder die da werden es für dich tun.« Er schaute zu den Wachen hinüber, die es gar nicht abwarten zu können schienen, ihm zu Hilfe zu kommen.

Akira wünschte, sie würde wie ihre Schwestern zu Ohnmachten neigen. Aber so sehr sie es auch versuchte - ihr Bewusstsein weigerte sich, ihr zu helfen. Sie kniff die Augen zusammen, biss sich auf die Unterlippe, und tat dann, was der Heide von ihr verlangt hatte. Er veränderte seine Stellung, dann glitt seine Hand zwischen ihre Körper. Sie bedauerte sofort, ihm vertraut zu haben. Überzeugt, dass er sie auf unzüchtige Weise berühren würde, bäumte sie sich unter ihm auf.

»Wenn du nicht aufhörst zu zappeln, wird mein Körper meine ritterliche Absicht ignorieren, deine Jungfräulichkeit zu beschützen.«

Sein Handrücken strich über ihr Schamhaar, und stechende Angst schnitt durch Akiras Bauch. Sollte sie auf diese Weise ihre Jungfräulichkeit verlieren? An ein Tier, das den höchsten Preis für sie geboten hatte? Würde ihr Wohltäter sie noch haben wollen, wenn sie auf diese Weise verdorben zu ihm käme?

Die obszönen Zurufe der Menge dröhnten ihr ebenso in den Ohren wie der betäubende Schlag ihres Herzens. Sie betete stumm zu Gott, er möge sie retten. In diesem Moment war sie mehr denn je überzeugt, dass der Teufel sie gezeichnet hatte.

Sie war verflucht.

Der Mann schaute sich kurz um, ehe er ein kleines Messer aus seinem Lederarmband zog. »Ich werde mein Blut über deine Beine spritzen«, erklärte er ruhig, als würde er so etwas tagtäglich tun.

Wollte er sich damit etwa selbst verletzen? Würde er sie damit schneiden? »Nein! Bitte.« Der Schraubstock ihrer Knie schloss sich fest um seine Hüften, was ihm nur wenig Raum ließ, zu agieren. Demütigung erfüllte ihre Brust und brannte in ihren Ohren, während der Heide seine Hand auf intime Weise zwischen ihre Körper schob. Leise betete sie um Erlösung.

Er zuckte zusammen, zog Luft durch seine Nase und fuhr damit fort, warmes Blut auf ihre Schenkel zu reiben. Tränen machten ihre Augen blind. Ein unterdrücktes Keuchen war Ausdruck der Furcht, die ihr in die Kehle stieg. Ihr Körper wurde von einem beginnenden Schluchzen geschüttelt.

Sie wandte den Kopf ab.

Der Mann sagte ihren Namen, aber sein Tun stieß sie so sehr ab, dass sie die Augen nicht öffnen konnte.

»Sieh mich an!«, drängte er.

Endlich tat sie es. Und erblickte in seinen bernsteinfarbenen Augen Bedauern und Mitgefühl.

»Schrei, Mädchen!«, befahl er dann und verfluchte die Heiligen. »Schrei so laut, wie du kannst, damit diese Bastarde dich hören!«

Es fiel ihr nicht schwer, diese Forderung zu erfüllen. Akira öffnete den Mund und schrie. Der schrille Ton veranlasste den brutalen Kerl, die Augen zusammenzukneifen. Er wischte mit dem Tuch über ihre Oberschenkel, danach stieg er von ihr herunter und hielt das blutbefleckte Tuch hoch, damit alle es sehen konnten. Der Beweis für die abscheuliche Tat.

Er zog sich rasch an und griff nach dem wollenen Plaid, das ihm aus der Menge zugeworfen wurde. Akira hob ein wenig den Kopf und sah direkt in die Augen ihres Bruders, der sie anlächelte. Der kurze Moment der Erleichterung wurde ihr gestohlen, als der Mann sie von ihren Fesseln befreite, sie in eine karierte Decke wickelte und sie sich dann über die Schulter warf.

Dass sie mit Füßen nach ihm trat, tat wenig, ihre Lage zu verbessern, deshalb schlug sie ihm zusätzlich die Fäuste in seine harten Seiten. »Lass mich runter, du riesiger Ochse!«

Aus ihrem Blickwinkel ...

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