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YUN

Jane D. Kenting studierte Theaterwissenschaft, Komparatistik und Philosophie. Für ihre Promotion erforschte sie die Psyche englischer Dramenfiguren. Nach psychologischen Fortbildungen widmete sie sich in ihrer Beratungspraxis den Problemen echter Menschen. 2019 erschien ihr erster Roman Verkennung.

PROLOG

Sie war unbemerkt in den Park gekommen, in den verwirrenden Sekunden, in denen die ersten Regentropfen fielen. Jarek sah sie, als er sich umdrehte, um mit den Stofftaschen in beiden Händen die nächste Sammelrunde anzutreten. Ein Mädchen mit schwarzer Kurzhaarfrisur und gesenktem Kopf hielt sich auf einer Parkbank nahe dem Denkmal ein Handy ans Ohr. Sie war höchstens vierzehn Jahre alt.

Oh, diese Ähnlichkeit … Mara …

Die Erinnerung erwischte ihn kalt. Er blieb neben dem Mülleimer stehen und sah zu der Bank. Der Nieselregen befeuchtete seine Stirn und Wangen. Launischer Wind strich durch die Birkenkronen. Jarek zog den Reißverschluss seiner Jacke zu. Er wollte in die andere Richtung schleichen, über einen Umweg zum nächsten Sammelpunkt gelangen. Alle Flaschensammler taten so, als mache es ihnen nichts aus, bei der Arbeit gesehen zu werden. Auch er zog nur heimlich die Schultern zusammen, wenn ihn Blicke trafen. Aber nichts war für ihn so beschämend, wie dabei von einem Kind gesehen zu werden.

Bewegungslos saß sie da. Wie sie sich von der Masse unterschied. Sie wirkte anachronistisch, schien zwanzig Jahre zu spät hier zu sein. Jeansrock und Stiefeletten, braune Samtjacke. Das weiße Halstuch verlieh ihr etwas Elitäres, fast Vornehmes. Sie schien aus der Zeit gefallen zu sein. Das Smartphone passte nicht zu ihr. Es war, als hätte ihr jemand ein Stück Technik in die Hand gedrückt, das sie nur duldete.

Plötzlich unterbrach ihre belegte Stimme die Stille des Parks.

»Es ist das Falsche. Es bringt mich um.«

Sie sprach leiser weiter, sodass Jarek kein weiteres Wort verstand. Doch er hörte den Tonfall, ein Flehen, das gegen einen Widerstand ankämpfte. Ihre Lippen bewegten sich schnell. Sie hob den Kopf, straffte den Körper, lauschte ins Telefon. Dabei wandte sie sich einmal in Jareks Richtung. Ihr maskenhaftes Gesicht erschreckte ihn.

Als wäre sie Maras Geist.

»Immer sagst du, bald. Wann ist bald?«

Sie verstaute das Telefon in ihrer Umhängetasche, sprang auf und spannte einen blauen Regenschirm auf. Während sie in Jareks Richtung ging, sah sie ihn mit hoffnungslosem Ausdruck an. Sie schien in Tränen ausbrechen zu wollen. Doch dann griff sie nur in ihre Tasche und zog eine leere Wasserflasche hervor, die sie ihm schweigend entgegenhielt. Die Armbewegung wirkte mechanisch. Aus der Nähe war die Ähnlichkeit mit Mara fast unerträglich. Er starrte sie an. Sie machte eine ungeduldige Handbewegung.

Zögernd nahm er die Flasche. Das Mädchen kehrte ihm den Rücken zu und ging mit gleichförmigen Schritten in Richtung Chaussee, Kopf und Schultern vom Schirm verdeckt.

»Alles in Ordnung mit dir?«, rief er.

Sie lief weiter durch den zunehmenden Regen. Ihre Gestalt wurde dunkler, bis sie sich im Dunst auflöste.

1

JAREK

Er fragte sich schon lange nicht mehr, wodurch die Grüne Allee ihren Namen verdiente. In der ganzen Straße gab es keinen Baum und auch sonst nichts Grünes außer den Glascontainern vor seinem Haus.

Vielleicht war es Zufall, dass er selten Nachbarn im Treppenhaus traf. Doch bei Ava, die zwei Etagen unter ihm wohnte, war er sich sicher: Sie mied ihn. Wenn er ihr begegnete, grüßte sie nicht zurück. Nie öffnete sie die Tür, wenn er hin und wieder wegen einer Hausangelegenheit bei ihr läutete. Zur Mieterversammlung war sie nur einmal erschienen. Das Einzige, was sie an dem Abend gesagt hatte, war »Ja«, als es darum gegangen war, ob alle sich duzen sollten. Und kam Jarek am Laden vorbei, wo Ava an der Kasse arbeitete, sah sie in eine andere Richtung oder trank ein paar Schlucke Wasser aus einer Plastikflasche.

Am letzten Apriltag ließ er auf dem Weg zum Park die Wohnblöcke hinter sich. Wie immer wandte er den Blick vom Friedhof ab. Seit Tagen hing Dunst zwischen den Bäumen. Der Park war menschenleer. Keine halbe Stunde zuvor hatten Schüler auf dem Heimweg ihre Spuren hinterlassen. Die meisten Flaschen kamen von ihnen. Ob er hier heute der erste Sammler war?

Er zog die Kapuze über, froh, sich jetzt nicht umsehen zu müssen, bevor er in einen Mülleimer griff. Die Meinung der Leute war ihm wichtig. Sie sollten das richtige Bild von ihm haben und kein anderes – selbst wenn es besser gewesen wäre als die Realität. Diese bestand aus zwei Dingen: dem Sammeln des Lebensunterhalts und einer festen Tagesstruktur.

Er mochte die Bewegung im Freien. Gleichzeitig hatte er die Hoffnung auf einen neuen Job nicht aufgegeben. Mit Zweiundvierzig war es zum Resignieren zu früh. Am liebsten hätte er wieder als Souffleur am Theater gearbeitet, doch viele Stellen wurden gestrichen – wie seine letzte.

Unter der Hauptbrücke nippte seine wohnungslose Bekannte Edda an einer Bierdose und wickelte den Schlafsack fester um ihren Bauch. »Ich sammle nur das, woraus ich selbst getrunken habe. Mehr steht mir nicht zu«, lautete ihr Prinzip.

»Was gibt es, Shakespeare?« Eddas Lachen ging im Verkehrslärm unter. Der Brückenpfeiler sonderte muffige Gerüche ab. Oder war es der Einkaufswagen mit Eddas Hab und Gut?

»Nichts anderes als sonst«.

»Schwache Inszenierung.« Sie heftete ihre Fuchsaugen auf Jareks Gesicht. Das Haarband war auf die Stirn gerutscht, graue Locken baumelten lustlos herum. Mit Mühe hielt sie die Lider halb geöffnet. Über ihrer Oberlippe glitzerten Biertropfen.

»Für die Regie kann ich nichts«, sagte er.

Edda schloss die Augen. »Es wird Frühling.«

»Kann ich nicht feststellen.«

»Vorhin habe ich drüben im Park spielende Kinder gehört.«

»Nur gehört?«

»Sie haben sich irgendwo hinter dem Denkmal im Grünen versteckt. Manchmal sitze ich dort auf der Bank und denke an früher.«

Die Bank. Das Mädchen.

»Ist dir im Park mal eine Schülerin mit schwarzer Kurzhaarfrisur aufgefallen? Ungefähr vierzehn Jahre?«

Was verspreche ich mir davon? Es ist nicht Mara.

Eddas Augen blieben geschlossen. »So genau achte ich nicht auf die Leute.«

»Samtjacke? Jeansrock?«

»Nein.« Jetzt sah sie ihn erstaunt an.

Jarek versank in Gedanken, umgeben vom fernen Surren der Motoren auf den Straßen, den flüchtigen Schritten der Menschen auf der Promenade, dem Gluckern des Wassers unterhalb der Böschung. Am anderen Flussufer lag hinter hohen Häusern der Park.

Edda drehte sich gähnend auf die Seite. »Viel Erfolg heute«, murmelte sie.

»Danke. Kann ich gebrauchen.«

Er überquerte die Brücke. Trotz des unbeständigen Wetters waren inzwischen mehr Leute unterwegs. Er blendete sie aus, hielt nach Flaschen Ausschau. Nach einer Weile kam er zum Denkmal, wo er horchend stehen blieb.

Der Wind strich durch die Baumkronen. Ein Taubenschwarm flog auf. Dann hörte er sie: Mädchenstimmen. Eine helle, klare und eine belegte, seltsam monotone. Sie kamen aus der Richtung der fünf Birken, die hinter der Buchenhecke in einer Reihe wuchsen.

Er schulterte die Stofftasche und schlich näher. Was sich hinter dem dichten Laub befand, konnte er nicht sehen. Aber er hörte, wie sich die Stimmen in Wispern verwandelten.

Er streifte ein Stück an der Hecke entlang, bis er eine Lücke fand, durch die er etwas sehen konnte. Schatten bewegten sich hinter den Birken auf einem abseitigen Stück Wiese, zwischen hohen Gräsern und wilden Pflanzen. Eine Oase inmitten der Stadt. Warum war ihm das noch nie aufgefallen?

Ein Hund knurrte, Jarek zuckte zusammen. Hinter den Birken kamen zwei Schülerinnen hervor. Die eine mit hellblondem Zopf, die andere mit einem blauen Regenschirm, der ihren Kopf verdeckte. Wofür brauchte sie jetzt einen Schirm?

Beide schienen angespannt zu lauschen. Nachdem der Hund verstummt war, zogen sie sich wieder zwischen die Bäume zurück.

Ein Mann mit einem Dalmatiner baute sich breitbeinig vor ihm auf. »Dass Sie sich nicht schämen.«

»Wofür?«

Der Hundehalter betrachtete ihn aus zusammengekniffenen Augen, spuckte ihm vor die Füße und zog das Tier mit sich fort.

Jarek stand auf dem leeren Parkweg. In seinen Ohren brauste es. Er spürte den Drang, nach Hause zu gehen und billigen Rotwein zu trinken, wie anfangs, wenn er solche Situationen erlebt hatte. Alles maßen die Leute am Beruf. Sogar viele, die keinen Beruf hatten oder einer privaten Arbeit nachgingen, wie er seine Tätigkeit nannte. Es war nicht nur die Lebenssituation, nicht nur das wenige Geld. Es war die Art, auf ein Leben herabzusehen. Was brachte es, ein Leben zu bewerten? Was nützte das Gefühl, versagt zu haben oder zu den Besseren zu gehören, je nachdem, welches Schicksal man zu haben glaubte? Was kam dabei heraus außer Neid oder Arroganz?

Er rieb sich die Stirn und blickte sich um. Niemand war in der Nähe. Rasch stieg er durch eine lichte Stelle der Hecke und schlich näher an die Birken heran, bis er die Gesichter der Schülerinnen erkennen konnte. Die Hellblonde sah lebhaft in die Welt. Die andere, die jetzt unter dem Schirm hervorsah, wirkte apathisch. Sie hatte dunkles, kurzgeschnittenes Haar.

Die Erinnerung an Mara überwältigte ihn.

Das Mädchen von neulich.

Es ist das Falsche. Es bringt mich um.

Sollte er weiter hinsehen? Oder besser in seine Realität zurückkehren, in die kalte, nüchterne Wirklichkeit und den immer gleichen Tag?

»Sie waren noch nie so böse«, sagte die Dunkelhaarige. Ihre Stimme klang belegt.

»Vielleicht kommen wir besser nicht mehr hierher«, antwortete die andere.

Er kam sich vor wie früher am Rand der Bühne.

Stille. Die Hellblonde schien auf eine Antwort ihrer Freundin zu warten.

Dann entdeckte sie Jarek.

Sie stieß einen Pfiff aus und wies mit dem Kinn in seine Richtung. Das Mädchen mit dem Regenschirm sah ihn nun auch, ohne ihn wirklich zu fokussieren. Ihr Blick war leer wie nach schlaflosen Nächten.

»Das ist keiner von denen. Der sammelt nur Pfand«, sagte sie.

Keiner von denen. Als wollte sie einem Kind die Angst vor etwas ausreden. Oder sich selbst?

Langsam hob er eine Hand zum Gruß.

Die Hellblonde packte ihre Freundin am Arm und zog sie Richtung Parkausgang.

Er ging zu der Stelle, an der die Mädchen durch das Gras gestreift waren. Die Birken warfen tiefe Schatten. Unter den Laubschleiern leuchtete weißgraue Rinde. An diesem Ort schien die Stadt nicht zu existieren.

Mit der Schuhspitze bog er Grasbüschel beiseite, schob Steine weg, bohrte Mulden in die Erde. Unter einer Birke wuchsen Pilze in einem Kreis.

Hexenpilze.

Sonst fand er nichts.

2

AVA

Die Schritte der Nachbarn waren ihr vertraut. Das Trampeln des Rentners über ihr, das Trippeln des Paares im dritten Stock, das Schleichen des Flaschensammlers unter dem Dach. Nur in der Erdgeschosswohnung blieb es immer still.

Am letzten Nachmittag im April kam sie von der Arbeit nach Hause. Den Fernsehstimmen, die aus einer der Wohnungen ins Treppenhaus drangen, wich sie mit einer unwilligen Kopfbewegung aus. Sie erschrak: Auf der Fußmatte lag eine Lilie. Eine der weißen Blüten war geschlossen, auf den Blättern schimmerten Wassertropfen.

Lange sah sie auf die Lilie hinab. Schließlich bückte sie sich und hob sie auf. Die Blume fühlte sich kühl und frisch an. Während Ava mit den Fingerspitzen über die Blätter strich, entstand in ihr selbst eine dunkle Stelle, dort, wo im Bauch der Atem ankam. Sie hatte niemandem von ihrem fünfunddreißigsten Geburtstag erzählt. Die Blume konnte, durfte damit nichts zu tun haben.

Ich werde sie nicht mit nach drinnen nehmen. Aber in die Mülltonne gehört sie ebenso wenig.

Sie fröstelte. Einen Moment lang kam es ihr vor, als bekäme sie weniger Luft. Sie lehnte sich gegen die Wand und schloss die Augen. Durch das gekippte Treppenhausfenster streifte ein Windhauch ihr Gesicht.

Es gibt nur einen Ort, an den sie passt. Am besten bringe ich sie gleich hin.

Sie legte die Lilie neben dem Türrahmen ab, drehte den Schlüssel im Schloss, betrat mit Mantel und feuchten Stiefeln ihren Flur, ohne die Tür hinter sich zu schließen, und packte in der Küche die Einkäufe aus. Der schmale Raum war mit Holzschränken vollgestellt, übergestrichenen Küchenmöbeln, von denen die dunkelrote Farbe abblätterte. Neben dem Herd stapelten sich gebrauchte Teller, Tassen und Gläser bis zum nächsten Turnus, dem Zeitpunkt, wo es kein sauberes Geschirr mehr gab.

Sie ging zum Klapptisch am Fenster. Ein matter Himmel verdunkelte die Häuserreihen. Über der Stadt lag feiner Dunst. Die Wiesen dehnten sich bis zum Robinienberg. Im Hinterhaus brannte Licht. Dort, hinter der dünnen Gardine im ersten Stock, putzte der Gebeugte seine Wohnung. Mit sparsamen Schritten führte er den Besen neben sich her. Der Gebeugte war ein ältlicher Herr mit Buckel. Jeden Morgen fuhr er seine Frau im Rollstuhl spazieren, einmal zum Park und zurück. Später hängte er Wäsche auf den Balkon und schälte am Küchentisch Kartoffeln. Unaufhörlich war er beschäftigt, mit krummem Rücken und langsamen, vorsichtigen Bewegungen, denen keine Mühe anzumerken war. Eine große Ruhe ging von ihm aus. Ava sog diese Stimmung jedes Mal dankbar auf, wenn sie ihn sah.

Sie seufzte und spürte die dunkle Stelle im Bauch, bevor sie zurück zur Wohnungstür ging und sie einen Spalt weit öffnete. Sie hörte Schritte im Treppenhaus, feste Sohlen, deren Hall näher kam, sich entfernte und nach zwei Schlüsseldrehungen verschwand. Ava wartete ab. Dann nahm sie die Lilie und zog die Wohnungstür zu.

Stets blieb sie auf ihrer Straßenseite, wo die geraden Hausnummern waren. Hier liefen die wenigsten Leute, hier kamen die meisten flüchtig und ohne aufzublicken vorbei. Auf der linken Seite der Grünen Allee schienen die Häuser bei jedem Wetter im Schatten zu liegen, auch an diesem verhangenen Tag. Sie zog den Kopf ein und sah sich nach allen Seiten um. Niemand war zu sehen, aber das bedeutete nichts. Jemand konnte aus einem Hauseingang kommen, hinter einem Fenster stehen, aus einem Auto steigen, um eine Ecke biegen. Überall waren Nachbarn. Hinter den Mauern der Häuser, unter Dächern, in Kellern, in sauberen oder schmutzigen Wohnungen. Sie lagen unter Bettdecken, saßen auf Polstersesseln oder hockten am Boden und schnürten ihren Kindern die Schuhe zu.

Wer musste zuerst grüßen, wenn man sich kannte? Genügte ein Nicken als Reaktion? Ab wann sollte man stehen bleiben? Musste man sich vorher ein-, zwei- oder dreimal begegnet sein? Wie lange war Augenkontakt zu halten? Wie verhielt man sich, wenn der Abstand noch groß war und der andere gerade erst ins Blickfeld geriet? Ab welcher Entfernung war das Grüßen erlaubt, an welcher geboten? Fragen, die sie bedrängten. Trotzdem zweifelte sie nicht: Es war richtig gewesen, die Therapie abzubrechen. Sie musste das allein schaffen. »Es ist noch zu früh, Frau Luhn«, hatte die Therapeutin gesagt. Doch für Ava stand die Sache fest.

Sie überquerte die Kreuzung und lief durch ein schmiedeeisernes Tor. Der Pfad mit den Gräbern auf beiden Seiten erinnerte sie an einen Dorfweg bei Tagesanbruch, wenn alle noch schliefen und in den Gärten die Vögel zu singen begannen. Sie malte sich aus, wie nachts die Stunden vergingen, wie es Morgen, Mittag und Nachmittag wurde und noch immer keine Leute schwatzten, keine Kinder spielten. Nur hin und wieder durchquerte jemand die Stille, wie jetzt sie selbst, als sie von einem Grabstein zum nächsten ging.

Ihre Schritte führten sie zum nördlichen Rand des Friedhofsgeländes, wo die älteren Gräber lagen. Als von einem Seitenweg eine Frau in ihr Blickfeld trat, zuckte Ava zusammen, aber dann sah sie den Einkaufswagen voller Habseligkeiten und atmete auf. Während die Wohnungslose mit gesenkten Lidern an ihr vorbeiging, nahm Ava das Bild in sich auf: graue, mit einem Tuch zusammengebundene Locken, bis zu den Knöcheln reichender Rock. Sie stellte sich vor, wie die Frau den Einkaufswagen stundenlang durch die Straßen schob und verlegenen Blicken auswich, wie sie am Abend das Tuch aus dem Haar nahm und unter geflüsterten Selbstgesprächen auf einer verschlissenen Matratze einschlief, ohne die Taschenlampe zu löschen. Mit diesen Gedanken lief Ava weiter, vorbei an Kreuzen, Marmorplatten und Immergrün. Am Ende des Weges fiel ihr ein bemooster Grabstein auf. Auf dem Grab wuchs nur Efeu.

MARA

09.03.1999 - 17.09.2013

Ava blieb stehen.

So jung. Wer das wohl war? Seit sechs Jahren tot. Sicher hat sie lange nichts Blühendes bekommen.

Langsam beugte sie sich herunter und legte die Lilie vor den Stein.

3

JAREK

Innerhalb eines Tages hatte warme Luft die Gegend erreicht und alle Regenwolken vertrieben. Die Pfützen auf den Wegen und die Tropfen in den Bäumen waren getrocknet. Jarek schwitzte in seinem langärmeligen Hemd. Ab morgen würde er luftigere Kleidung anziehen. In Erwartung der ertragreicheren Sommersaison suchte er jeden Mülleimer ab. Er war sehr damit beschäftigt, wie ein Spaziergänger zu wirken. Erst als sich hinter der Hecke etwas Buntes bewegte, dachte er wieder an das Mädchen. Die Erinnerung riss ihn sekundenlang in die Vergangenheit.

Menschen in Kirchenbänken, die ihn wie kauernde Gnome aus den Augenwinkeln beobachteten. Ein farbig funkelnder Punkt im Fenster. Blaue Astern auf Maras Sarg. Weiche und feste, warme und kühle Hände. Gesenkte Lider hinter Sonnenbrillen.

Jarek setzte die Stofftasche ab. Die Passanten, die an ihm vorbeigingen, beachteten ihn nicht. Er suchte die Lücke im Gebüsch, trat näher und spähte hindurch.

Auf der Wiese bei den fünf Birken stand ein schlanker Mann mittleren Alters mit gelber Hose. In den Bund war ein blaues Hemd gestopft. In seiner Nickelbrille spiegelte sich das Sonnenlicht. Er bückte sich, was ihm offenbar Mühe machte, denn er verzog das Gesicht und hielt sich mit einer Hand den Rücken. Mit der anderen pflückte er irgendein Kraut. An beiden Händen trug er Handschuhe. Nachdem er sich wieder aufgerichtet hatte, nahm er seinen Rucksack ab und packte das Krautbündel, das er zuvor mit einer Plastiktüte umwickelt hatte, hinein. Zuerst sah es aus, als würde er anschließend weiter über die Wiese streifen, doch dann wischte er sich die Stirn mit einem Taschentuch und kam auf die Hecke zu.

Jarek wich zurück. Mit der Tasche verdrückte er sich hinter die Wegbiegung, aber so, dass er die Hecke gerade noch sehen konnte. Der Mann stieg wie selbstverständlich durch die Sträucher, ging zur Bank am Denkmal und setzte sich hin. Die irritierten Blicke einiger Leute ignorierte er. Stattdessen sah er jetzt in Jareks Richtung, schien ihn aber zwischen den Passanten nicht wahrzunehmen. Aus seinem Rucksack zog er das Krautbündel hervor. Andächtig roch er daran, bevor er es wieder verstaute. Dann streifte er die Handschuhe ab und lehnte sich zurück. Er wirkte erschöpft.

»Hey, hast du eine Erscheinung?«

Jarek fuhr herum und blickte in Eddas wettergegerbtes Gesicht. »Was?«

»Du stehst da vor dem Kräutermann wie vor einem Geist.«

»Musst du mich so erschrecken?«

Edda hob beschwichtigend die Hände. »Sah aus, als würde etwas nicht stimmen.«

»Ach, wo stimmt schon etwas.«

»Mensch Jensen, positiv bleiben. Schwarzsehen hilft nichts.«

»Wenn du das sagst …«

»Sage ich. Ich muss jetzt weiter, die Suppenküche ruft.«

»Dann lass sie nicht warten.«

Als Edda mit ihrem Einkaufswagen weitergegangen war, wandte sich Jarek wieder zur Bank. Sie war leer. Er ging hin und wollte sich setzen, stutzte jedoch. An der Stelle, wo der Mann gesessen hatte, befanden sich grobe Kerben. Sie formten drei Buchstaben.

YUN

4

AVA

Es vergingen mehrere Tage, in denen sie den letzten Apriltag allmählich vergaß. Am Freitag saß sie wie jeden Morgen in ihrer Küche am Klapptisch, stützte den Kopf in die Hände und sah das Hinterhaus an. Sie schaute im Winter, wenn sich drüben ein Fenster nach dem anderen erhellte, und im Sommer, bis auch der letzte Vorhang geöffnet war. Manchmal sah sie so lange hinüber, bis der Gebeugte den Balkon betrat oder bis sein behäbiger Nachbar die Zeitung aus dem Briefkasten nahm. Sie stellte sich vor, wie die Leute in den Zimmern umhergingen, gähnten, sich ankleideten, sich kämmten, aus Kaffeebechern tranken, schimpften, einander küssten und zur Uhr sahen, um sich dem Takt des Tages zu überlassen. Die gleichen Menschen, denen sie aus dem Weg ging, wurden zu Figuren in einem faszinierenden Spiel. Erschien jemand hinter einem Fenster, fragte sie sich, was er gerade dachte und empfand. Seit sie hier wohnte, hatte sie vieles erwogen. Gerne hätte sie das auch jetzt getan, aber die Zeit war zu knapp. Sie stellte den Kaffeebecher zu den anderen in die Spüle und warf den Mantel über. Von der dunklen Stelle war nur ein blasser Punkt zurückgeblieben, den sie nun zur Arbeit mitnahm.

Es war einer der vielen Tage, an denen das Leben um sie herum mehr in Moll als in Dur spielte. Auch in ihr selbst erklang ein düsteres Konzert, mal leise, mal laut, hörbar für sie allein und doch wahrnehmbar für jeden, der sich ihr näherte oder auch nur am Telefon mit ihr sprach. Dann wollte ihre Stimme sich verstecken, erwachte kaum zu vollem Klang, und Ava kam es vor, als drehe sich alles um sie herum und als stehe sie unhörbar in einem Tumult aus Tonarten und Melodien. In ihrer Vorstellung hatte jeder Mensch seine eigene Tonart, in der er sein Leben zum Klingen brachte. Bei manchen Leuten blieb das Konzert ein Leben lang gleich, bei anderen wechselte es. Manchmal verströmte jemand nur einen schwachen Hauch von Dur oder Moll, als bewahre er ein Geheimnis.

Ein solcher Mensch war Jarek, der Flaschensammler aus der Dachwohnung. Obwohl sie auch ihm aus dem Weg ging und ihn darum nur selten sah, war er für sie besonders präsent. Seine Ausstrahlung wehrte jede von außen kommende Frage ab. Vielmehr glaubte sich Ava von ihm selbst zum Gegenstand von Fragen gemacht. Begegnungen mit ihm ließen sich nicht immer vermeiden. Ihre Ausweichmanöver waren vielfältig: Sie schloss rasch die Tür, wenn sie sie einen Spalt geöffnet hatte und seine Schritte hörte. Zum Briefkasten ging sie erst, wenn er das Haus verlassen hatte. An mutigeren Tagen huschte sie an ihm vorbei, indem sie vorgab, zur Arbeit zu müssen, obwohl sie frei hatte. Doch was sie auch unternahm: Von Zeit zu Zeit entstand eine Situation, in der sie sich seiner bohrenden Gegenwart stellen musste. Schon die Art, wie er Hallo sagte, verunsicherte sie. Ebenso seine Gewohnheit, ihren Blick zu suchen, wenn er sie im Hausflur, auf dem Hof oder der Straße grüßte. Für sie war er der irritierendste Bewohner der Grünen Allee. Ihrer Therapeutin hatte sie das nie begreiflich machen können – einer der vielen Gründe, warum sie nicht mehr zu den Sitzungen ging.

Der kleine Supermarkt am Kapuzinerplatz wurde von allen nur Der Laden genannt. Zogen die Kunden an der Kasse entlang, konnte Ava im hellblauen Kittel für ein paar Stunden vergessen, warum sie vor eineinhalb Jahren in diese Stadt gekommen war. Sie mochte die Kunden, und einige von ihnen schienen das zu spüren. Es kam sogar vor, dass jemand sein Herz vor ihr ausschüttete und es anschließend wieder verbarg. Sie dachte an den Pfeifer, einen Mann mit Schnauzbart und funkelnden Augen, der forsche Lieder pfiff, wo immer er ging oder stand. Manchmal wurde ihr unbehaglich, wenn er im Laden war. Es lag nicht am Pfeifen. Es waren jene Momente, in denen er das Pfeifen unterbrach, um ein Fragment aus seinem Leben zu schildern – einem Leben, das komplizierter war, als man es ihm zutraute. Er öffnete Ava nicht nur sein Herz: Er legte es vor sie hin, ohne es wieder mitzunehmen. Es war ihr ein Rätsel, auf welchen Wegen er es jedes Mal zurückbekam, bevor er erneut den Laden betrat.

Kaum hatte sie an diesem Morgen nach ihrer Ankunft die ersten Kunden bedient, bemerkte sie bei den Getränken die Schülerin mit dem Regenschirm, die ein- oder zweimal pro Woche in den Laden kam. Der Schirm war stets aufgespannt. Einen gedankenverlorenen Eindruck hatte sie von Anfang an gemacht, aber in letzter Zeit wirkte sie wie benommen.

Ein betrunkener Mann betrat den Laden. Er hatte Mühe, sich auf den Beinen zu halten, und heftete seinen Blick an die Regale, als suche er Halt. Ava betrachtete seine wettergegerbten Wangen, die Stirn mit den steilen Falten, den rostfarbenen Bart.

Der ist kein Nachbar. Von niemandem.

Sie verließ die Kasse und ging auf ihn zu. Er roch nach Zigaretten und Bier.

»Was brauchen Sie?«, fragte sie.

Er lallte etwas, das wie »Geld, siehste doch« klang.

»Falls Sie etwas Bestimmtes suchen – ich bin da.«

Ava ging zur Kasse zurück. Dort stand ein Mann mit blassem Gesicht, etwa so alt wie sie. Er trug einen grauen Anzug mit weißem Hemd und silbriger, lockerer Krawatte. Einzelne helle Fäden durchzogen sein gescheiteltes Haar. Er war schlank, von mittelgroßer Gestalt, hatte schmale Lippen und neben den Mundwinkeln scharfe Falten wie Risse in einer Eisfläche. Hinter ihm wartete die Schülerin mit dem Schirm. Er drehte sich halb zu ihr um.

»Hallo Yun«, sagte er.

»Hi.« Ihre belegte Stimme war kaum zu hören.

Er legte einen in Zellophan gewickelten Strauß gelber Nelken auf das Warenband. Ava las den Strichcode ein, spürte dabei die Augen des Mannes auf sich gerichtet. Sie verstand nicht, warum sie aufsah und zuließ, dass sein Blick für Sekunden in ihrem versank.

Als sie das Wechselgeld herausgab und die kleine Warze an seiner Nasenspitze betrachtete, verschwammen seine Konturen. Sie stellte sich vor, wie er als nobler Schatten den Parkplatz überquerte, in einer Limousine zur Innenstadt fuhr, hinter der Glastür eines Bürogebäudes verschwand und einen Aufzug mit Aussichtsfenster betrat, um sich in die Obergeschosse befördern zu lassen. Sie hörte das Surren der Telefone um ihn herum. Stimmen tönten aus allen Zimmern und mischten sich auf dem Flur, bis er die Bürotür hinter sich schloss und am Schreibtisch Platz nahm, wo er die Nelken in eine Vase stellte, um sie am Abend seiner Geliebten zu überreichen.

Schwere Schritte entfernten sich. Der Betrunkene verließ den Laden mit leeren Händen. Kratzend schloss sich die elektrische Schiebetür hinter ihm. Der Blasse gewann seine scharfen Umrisse zurück, wandte sich ab und ging mit den Blumen hinaus. Auf dem Warenband blieb ein feuchter Abdruck zurück.

Die Lilie war auch nass.

Um Ava schwankte alles. Die dunkle Stelle war größer geworden, ungefähr haselnussgroß. Zum Glück kam nach Yun erst mal niemand. Eine Flasche Cola war schnell abgerechnet.

5

VASCO

Am Freitag fegte er in Anzug und Krawatte die Einfahrt seines Grundstücks. Das Haus mit den hohen Fenstern, von Eichen umgeben, strahlte den Stolz einer Festung aus. Daran änderte auch die Flamingoskulptur im Vorgarten nichts. Bis vor drei Wochen hatte ein Gärtner für symmetrische Formen gesorgt. Seit Vasco ihm das Geld schuldig blieb, war er nicht mehr gekommen. Gräser, Büsche und Zaunwicken wucherten mit stiller Energie.

Vasco lebte ohne Bedauern allein. In seinem Leben gab es das Haus, das Juweliergeschäft und eine Reihe von Leuten mit exklusivem Geschmack. Haus und Geschäft hatte ihm die Tante überschrieben, die Leute waren im Laufe der Zeit dazugekommen.

Er lehnte den Besen an die Hauswand und zog aus der Hosentasche einen flachen Gegenstand hervor. Oft, wenn niemand in seiner Nähe war, studierte er im spiegelnden Telefondisplay sein blasses Gesicht, um die winzige Warze zu betrachten, die an der Nasenspitze wuchs. Rasch flog jetzt der Zeigefinger dorthin und prüfte, ob die Warze größer geworden war. Eine kleine, exakte Handbewegung, die seine Unruhe dämpfte und ihn den schlingernden Kurs seines Lebens für eine Weile vergessen ließ.

Das Telefon schrillte. Der Besen glitt von der Wand ab und prallte mit einem hellen Knall auf den Boden. Eine unterdrückte Nummer. Vasco nahm den Anruf entgegen. In seinen Ohren begann es zu brausen, er ging in die Knie. Mühsam suchte er nach einer Antwort. »Von dir lasse ich mich nicht erpressen.« Seine Stimme bebte.

Die Verbindung brach ab. Mit der Handfläche schlug er auf den Steinboden, bis der Schmerz zur Schulter zog. Die Wut auf sich selbst war ihm neu, etwas Fremdes, womit er nichts anfangen konnte. Lieber hätte er dieses Gefühl nach außen gelenkt. Er sah zum Nachbarhaus. Hatte Berit ihn von dort angerufen? Hastig blockierte er ihre Nummer.

Im Wind zirpten die ersten Grillen. Er richtete sich auf, fluchte, fegte die Einfahrt zu Ende und mähte den Rasen hinter dem Haus. Das fremde Gefühl blieb. Pressend saß es in seiner Brust.

Nach dem Essen zog er kurze Hosen und ein T-Shirt an und legte sich mit einer Flasche Whisky auf das Bett. Später, als die Sonne untergegangen war, fuhr er das Cabriolet aus der Garage und brauste mit offenem Verdeck und lauter Musik durch die Nacht. Ab und zu klatschte ein Insekt gegen sein Gesicht. Wenn Frauen im Scheinwerferlicht erschienen, schaute er, ob sie dunkelhaarig waren. Wenn ja, hupte er und drehte sich um. Sie sahen dann weg oder taten so, als unterhielten sie sich mit ihren Begleiterinnen.

Nach einer halben Stunde kam er zum Wald. Als er von weitem die Lichter flimmern sah, begann er zu summen. Beim Einparken vor dem Lokal sang er laut. Leute saßen in engen Gruppen zusammen, Paare waren ineinander verschlungen. Zwei Teenagerinnen gingen vorbei, eine hellblonde, eine mit dunkler Kurzhaarfrisur und Regenschirm. Er sah genauer hin. Tatsächlich, schon wieder Berits Tochter. Geschminkt wie eine Erwachsene. Wie alt mochte sie inzwischen sein? Vierzehn? Fünfzehn? Wie damals das Mädchen, als der Unfall …

Wenn ihre verflixte Mutter sie so sehen würde. Aber sie treibt ihr ja nicht mal den Schirmtick aus.

Drinnen mischte er sich unter die Tanzenden, tauschte schwere Blicke mit ihnen. Er konnte nicht genug bekommen. Bewegungen. Körperwärme. Berührungen. Warme Stoffe und Leiber. Für immer hätte er so tanzen können.

Yun stand ohne Begleitung am Rand, den Schaft des offenen Schirms auf die rechte Schulter gelegt. In Ellipsen tanzte Vasco an sie heran. Ihre schmale Gestalt schien nebelhaft wie ein Geist. Ihr linker Arm hing schlaff herunter, sie wirkte bedrückt. Er sah sich um; ihre Freundin war nirgends zu sehen.

Willst du einen Regentanz aufführen?, lag es ihm auf der Zunge. Er riss sich zusammen. »Hey, was ist los?«

Wie fremd sie ihm geworden war. Schon lange hatte sie ihn nicht mehr besucht. Teenager interessierten sich nicht für Nachbarn. Schon gar nicht für einsame Wölfe wie ihn. Manchmal kam ihm Yuns Rückzug trotzdem seltsam vor. Als wüsste sie mehr über ihn und Berit. Oder als gäbe es noch etwas anderes, das sich seiner Wahrnehmung entzog.

»Nichts.« Sie zog die Schultern hoch.

Er wies mit dem Kinn zum Ausgang. »Wie wäre es mit frischer Luft?«

Sie gingen an den Rauchern am Eingang vorbei, über den Parkplatz zum Waldrand, wo es nach Tau und Tannen roch. Beim Jägerhochsitz blieben sie stehen. Yun verbarg sich hinter dem Schirm.

Seine Wut vom Nachmittag kehrte zurück. Er gab sich keine Mühe, sie zu verbergen.

»Wer hat euch in den Club gelassen? Was sucht ihr da überhaupt?«

»Das Gleiche wie Sie«, sagte eine weibliche Stimme hinter ihm.

Er fuhr herum. Die Hellblonde war ihnen gefolgt.

»Ihr seid ja verrückt«, rief er.

Yuns Freundin grinste. »Das sind doch alle.«

Er starrte sie an. »Du sagst es.«

Die Mädchen schwiegen.

»Passt auf euch auf.«

Er ließ die beiden stehen und ging zum Lokal zurück.

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