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XIBALBAS verfluchte Szeitensprünge

Dies ist das einzige Foto, das angeblich den Autor Battan Lacole zeigen soll. Die Auskunft stammt von Pedro, dem Wirt der Spelunke „Cuchara – Der Löffel“, in der Maya-Stadt Mérida. Pedro hat das Manuskript von Lacole in einem schwachen Moment für eine Flasche Mescal in Zahlung genommen. Lacole soll, wenn überhaupt, in der 80 km entfernten Stadt Uxmal leben, wo er sich bei der Wahrsager-Pyramide den weiblichen Touristen als Schamane andient.

Zeit ist immer JETZT.

Gestern, heute, morgen,

hier und da

sind Karteireiter

für Buchhalter des Lebens.

Wir selbst sind es, die

- vielleicht in Zeitensprüngen? -

kommen und vergehen

in diesem kosmischen Roulette.

Mayanischer Zeitsprung

Mayanischer Zeitsprung

Es schien, als würden sie ihn am Leben lassen. Sie hatten Xibalbas Körper nicht mit blauer Farbe eingerieben, keinen Federschmuck auf seinen Kopf gesetzt und ihn nicht auf den Opferstein gezerrt. Sie ließen ihm sogar seine Waffen, standen aber mit vier Kriegern dicht bei ihm. Xibalba hatte es oft genug erlebt, wenn Gefangene auf den Opferstein gebunden und mit dem schwarzen Steinmesser aus Obsidian entleibt wurden. Der Hohepriester hatte das noch zuckende Herz aus der geöffneten Brust gerissen und ins Feuer geworfen. Xibalba hatte die Liebe der Königstochter Alahom nicht erwidert. Die verschmähte Alahom hatte ihrem Leben ein Ende gesetzt und sich ertränkt. Jetzt kam der Hohepriester, „Der Herr der Schlangen“, aus seinem Ritualraum die Treppe von der Spitze der Pyramide herunter. Er würde Xibalbas Urteil sprechen. Er trug seinen Umhang aus Schlangenleder und den Federhelm, der ihn als Herrn über Leben und Tod auswies. Xibalba senkte den Kopf wie alle anderen, als der Hohepriester ihn ansprach: „Xibalba, du hast als Krieger viele unserer Feinde erschlagen, darum sollst du leben, dich aber nach dem Tode sehnen.“ Er begann stampfend zu tanzen und erstickte Töne auszustoßen, die in einen Singsang übergingen: „Nicht geopfert, aber neunmal verflucht seist du! Höre! Hört ihr alle den neunfachen Fluch! Juñ: Von nun an sollst du durch die Welt und Zeiten irren wie ein gehetzter Schatten. Cha‘: Glauben, im Heute zu leben, aber nirgendwo heimisch werden. Ux: Das Gestern und Morgen soll für dich wechseln wie ein Wimpernschlag. Chäñ: Nie kannst du wissen, ob du in die Maske von Toten oder in das Antlitz von Ungeborenen blickst. Jo‘: Die Sonne wird auch verkehrt für dich über den Himmel laufen und du wirst ihr folgen wie ein herrenloser Hund. Wäk: Jedem, der nach dir winkt, sollst du wie ein Hahn dienen, ohne je selbst Erfüllung zu finden. Wuk: Unsterblich sollst du auch keine Erlösung im Tode finden. Waxäk: Höre deine Qual: mein Fluch ist zu brechen. Bolon: Die Lösung bleibt dir durch den Verstand verborgen. Der Fluch kann nicht durch deine Anstrengung, noch durch die Hilfe anderer gebrochen werden und soll dich so in den Wahnsinn treiben!“ Der Schamane stampfte ein letztes Mal auf und spuckte eine grüne Flüssigkeit auf den Boden. „Deine Waffen werden hier zerbrochen und zu Staub zermahlen!“ Widerstandslos ließ Xibalba sich die Axt und das Messer aus Stein abnehmen. Ein Krieger zerschlug sie vor seinen Augen. „Von jetzt an sollst du das Zeichen des Verfluchten tragen!“ sprach der Hohepriester. Xibalba wusste, dass Kampf oder Flucht sinnlos waren. Der Hohepriester ließ sich ein Eisen aus dem Feuer geben. Xibalba kniete nieder. Dann fühlte er das glühende Brandeisen an der Stirn. Er zuckte nicht, er war als Krieger an Schmerzen gewöhnt. Er kannte das Zeichen, das ihm eingebrannt wurde: eine in zwei Hälften geteilte Schlange. Niemand würde mit ihm ein Wort sprechen oder ihm helfen, sondern ihn eher erschlagen oder vor ihm fliehen. Der Hohepriester ließ sich eine frische Fackel geben. Er hielt sie ins Feuer, bis sie brannte. Er steckte sie in eine Halterung an der Mauer. „Wenn diese Fackel niedergebrannt ist, werden wir den Jaguar auf deine Spur hetzen!“ Xibalba hatte erlebt, wie ein Verbannter nach dieser Ankündigung durch den Schock unfähig war zu fliehen und sich von vornherein dem Tod ergab. Xibalba stürzte sofort zu der riesigen Treppe und eilte die unzähligen Stufen der Pyramiden in Sprüngen hinunter. Er musste den Urwald erreichen. Und den Fluss. Das war seine einzige Rettung. Er wählte einen Umweg. Er hatte am Rande des Urwalds in einer Asthöhle einen Vorrat von Coca-Paste in Blätter eingewickelt versteckt. Das Coca würde ihm bei der Hetzjagd die nötige Ausdauer geben. Als er die Maisfelder erreicht hatte, war er in einen ruhigen gleichmäßigen Schritt wie ein geübter Läufer verfallen, der seine Kraft einteilt. Er übersprang einige Bewässerungsgräben. Sein Atem ging noch ruhig, als er den Urwald erreichte. Er fand den Baum, erkletterte ihn bis zur Asthöhle und fand das Coca. Er biss ein Stück ab und lief jetzt in Richtung des Flusses. Er wusste, noch brannte die Fackel. Vorsichtig glitt er einen Abhang hinunter zum Ufer des Flusses. Er sprang ins Wasser und schwamm mit der Strömung, ehe er am anderen Ufer wieder an Land ging und seinen Lauf fortsetzte. Er wechselte so auf seiner Flucht noch mehrmals das Ufer, um seine Spur zu verwischen. Xibalba wusste, dass er bald den Punkt des Flusses erreicht haben würde, wo der Fluss in eine Höhle stürzte. Er hörte schon das rauschende Gurgeln des Wassers. Diese Stelle hatte den Namen „Wasser ohne Wiederkehr“, weil sie alles verschluckte ohne es an anderer Stelle wieder auszuspülen. In diesem Augenblick sah Xibalba zwei Krieger ihm auf der anderen Uferseite entgegen kommen. Sie hatten seinen Plan durchschaut und eine Abkürzung durch den Dschungel gewählt. Die Krieger hatten ihn entdeckt und ließen den Jaguar von der Leine. Im Dschungel würden sie ihn rasch stellen. Er hatte keine Wahl und sprang ins Wasser. Er tauchte unter, um ihren Speeren kein Ziel zu geben. Schon fühlte er den Sog des Wassers, der ihn zur Höhle riss. Er tauchte noch einmal kurz auf, um Atem zu holen und fühlte, wie ihn ein Speer am Schenkel streifte. Dann riss ihn das Wasser in die dunkle Tiefe. Xibalba wurde im Wasser herumgewirbelt und prallte mehrmals hart gegen die Felswand. Doch selbst jetzt meinte er noch, es sei besser, so zu sterben, als in die Hände der Krieger und Fänge des Jaguars zu geraten und wie zerfleischtes Aas liegen gelassen zu werden. Er spürte, wie der unterirdische Wasserweg breiter wurde, denn er stieß nirgendwo mehr an. Als er den Atem nicht mehr länger anhalten konnte, versuchte er, mit kräftigen Schwimmzügen an die Wasseroberfläche zu tauchen. Zu seiner Erleichterung durchstieß er den Wasserspiegel und rang nach Luft. Er sah im Halbdunkel ein Ufer und versuchte es keuchend mit ein paar Schwimmzügen zu erreichen. Aus den Augenwinkeln konnte er eine Gestalt am Ufer mit einer Fackel auf ihn zueilen sehen. Xibalba griff nach einem Felsvorsprung am Ufer. Er rang immer noch nach Luft, es war ihm unmöglich, wieder abzutauchen. Er ergab sich in sein Schicksal. Die Gestalt hatte ihn jetzt erreicht und Xibalba erwartete einen Schlag oder den Stich eines Speeres. Dann sah er vor seinem Gesicht einen Arm auftauchen, eine gespreizte Hand griff nach ihm. Xibalba blickte der Gestalt ins Gesicht, die in der anderen Hand die Fackel hielt. Im Fackelschein sah er einen weißhaarigen alten Mann, der auf der Stirn das Brandmal des Verfluchten trug. Der Alte legte die Fackel beiseite und zog Xibalba mit beiden Armen aus dem Wasser. Xibalba kroch an das Ufer und drehte sich auf den Rücken. Sein Brustkorb hob und senkte sich keuchend. Im Schein der Fackel sah er hoch über sich die Decke einer Höhle. „Du bist in Sicherheit“, sagte der alte Mann, „lass dir Zeit und ruhe dich aus!“

Als Xibalbas Atem ruhiger ging, setzte er sich auf. „Mein Name ist Imox“, sagte der alte Mann, „ich bin ein Verfluchter wie du! Kannst du jetzt noch eine kurze Strecke mit mir tauchen?“ Xibalba nickte und sagte seinen Namen. „Dann komm, Xibalba!“ Imox ging zurück an das flache Ufer. Er griff nach Xibalbas Hand und gab ihm das Zeichen zum Halten. Er zeigte auf eine etwas dunklere Stelle im Wasser: „Hier führt ein Tunnel in die Tiefe. Nach etwa zwei Körperlängen teilt er sich in zwei Gänge. Der linke Gang führt in die Unterwelt, der rechte zu meiner Zuflucht. Beide Höhlen liegen höher als der Wasserspiegel hier. Fass mich um den Fußknöchel, wenn wir jetzt springen!“ Imox hob den rechten Fuß und Xibalba packte zu. Imox sprang und Xibalba folgte ihm blind. Er versuchte so gut es ging, mit dem linken freien Arm das Tauchen zu unterstützen. Schon spürte er, wie es wieder nach oben ging. Sie tauchten in einem kreisrunden Becken von der Breite einer Baumkrone auf. Imox setzte den linken Fuß auf Stufen, die in den Felsen geschlagen waren. Xibalba folgte ihm und war durch ein blendendes Licht anfangs wie blind. Imox ging in den Schatten der Höhle.

„Ich habe vor langen Zeiten aus der Unterwelt ein Schild aus Gold geholt, mit der ich das wenige Tageslicht, das durch Höhlendecke fällt, spiegele, damit ich nicht nur im Dunkeln sitze. Doch man kann es nur ertragen, wenn man seitwärts zum Licht sitzt!“

Sie saßen eine ganze Weile still da. Imox hatte Xibalba ein paar Früchte gereicht.

„Warum bist du verflucht worden?“ fragte Imox.

„Ich habe die Liebe der Königstochter nicht erwidert!“ „Wie sich die Dinge gleichen und doch verschieden sind“, schüttelte Imox den Kopf, „ich bin aus einem ähnlichen Grund wie du verflucht. Ich habe die Königstochter verehrt und sie mit meiner Liebe verfolgt. Mein Fluch war, zu sterben oder mein Leben in Einsamkeit zu verbringen. Die Tochter des Schamanen hatte alles voraus gesehen und mich schon lange vorher in die geheimen Gänge dieser Unterwelt eingeweiht. So kannte ich schon vor der Zeit meiner Verfluchung den Wassertunnel von der Unterwelt in die große Höhle und auch hierher. Die Krieger mit dem Jaguar verfolgten mich, doch sie hätten es nie gewagt, in den Wassertunnel zu tauchen. Als ich floh, war ich ein junger Mann wie du, mit schwarzem Haar und breiter Brust. Jetzt bin ich mager und weiß geworden. Mein Tod hat sich schon bei mir angekündigt, damit ich mich für die Reise mit ihm bereit mache. Ich habe die vielen Jahre in Einsamkeit verbracht, verkrochen wie ein Käfer in der Tiefe der Erde, der nur bei Nacht an die Oberfläche kommt und hastig nach Fraß Ausschau hält. Mein einziger Wunsch ist, ich möchte nicht in Einsamkeit sterben. Wenn du meine letzten Tage und Nächte an meiner Seite bleibst, Xibalba, dann zeige ich dir einen Weg in ein anderes Leben. Sonst musst du so leben wie ich hier! Von allen gejagt, vor allen versteckt! Glaube mir, es ist ein ängstliches Leben! Nachher zeige ich dir die Unterwelt, dann kannst du dich entscheiden!“

„Ich habe mich bereits entschieden, Imox! Ich bleibe so lange bei dir, wie du willst!“

„Gut, dann warten wir die Nacht ab, um nach oben zu steigen und Nahrung für uns zu holen! Bis dahin lass uns schlafen!“

Imox zeigte auf ein Lager aus Laub und Gras. Xibalba legte sich neben ihn und schlief bald vor Erschöpfung ein.

Xibalba wurde durch den Schein einer Fackel geweckt. „Es ist so weit“, meinte Imox, „jetzt können wir an die Oberwelt. Wir müssen wieder durch den Tunnel tauchen. Aber diesmal nehmen wir die andere Abzweigung und werden in der Unterwelt, dem Ort der Angst, auftauchen. Für uns ist dieser Ort jedoch auch eine Zuflucht, wo wir sicher sind. Unser Volk fürchtet diese dunklen Gänge. Einmal wäre ich fast von ihnen überrascht worden, als sie Opfergaben brachten. Ich wusste mir nicht anders zu helfen, als wie ein Hund zu heulen. Es hört sich in diesen Gängen besonders schaurig an. Sie dachten, dort heulte der Höllenhund und sind geflohen!“ Imox nahm ein Seil aus Lianen vom Boden auf und band es sich um die Fessel seines rechten Beines. „Damit wir uns im Wasser nicht verlieren!“ Xibalba schlang sich die Liane um das rechte Handgelenk. Imox trug das goldene Schild bei sich. Sie stiegen die Stufen zum Wassertunnel hinab. Imox sprang ins Wasser und Xibalba folgte ihm. „Kein Wunder, dass sich niemand in diese Wasserlöcher traut“, dachte Xibalba, „ich kann die Hand nicht vor Augen sehen. Ohne Imox wäre ich verloren!“ Plötzlich fühlte Xibalba, wie sich die Liane straffte. Imox musste schon in der Unterwelt aufgetaucht sein. Xibalba durchstieß die Wasseroberfläche neben ihm. „Hier ist ein Vorsprung, da können wir das Wasserloch verlassen! Gehe du als erster!“ Xibalba ertastete mit den Füßen den Vorsprung, gleichzeitig stützte ihn Imox von hinten, so dass er sich aus dem Wasserloch stemmen konnte. Wenig später hockte Imox neben ihm. „Ich zeige dir später die Höhle genauer mit einer Fackel, wenn wir wieder zurück sind. Gib mir deine Hand, damit ich dich führen kann!“ Sie tasteten sich durch einen Tunnel, der mehrmals einen Bogen machte. Plötzlich spürte Xibalba frische Luft und er atmete tief durch, als sie nach draußen traten. Der Vollmond schien an einigen Stellen durch das Blätterdach des Urwald. Er folgte Imox, der an einem Baum kurz Halt machte. Imox kletterte bis in die erste Astgabel hoch. Als er wieder den Boden erreichte, hielt er einen geflochtenen Korb in der Hand, den man mit Schnüren über die Schulter tragen konnte. „Nimm du ihn, du bist kräftiger als ich!“ Er reichte Xibalba aus dem Korb zwei Gebilde, die wie Beutel aussahen. „Sie sind aus Schlangenhaut, ziehe sie dir über die Füße. Wenn sie unsere Spuren in den Maisfeldern finden, denken sie, wir seien Schlangenmenschen aus der Unterwelt und werden unseren Raub wie ein Opfer behandeln und unsere Spuren nicht verfolgen!“ Xibalba hörte ein Tier durch das Unterholz brechen. Ein Vogel flatterte erschreckt dicht neben ihm in einem Strauch auf. Imox legte ihm beruhigend die Hand auf den Arm. „Hier entlang, es ist nicht mehr weit!“ Sie erreichten nach einiger Zeit eine Lichtung und sahen Feuer brennen. „Das sind Krieger, die den Mais bewachen und ihn vor den Wildschweinen schützen. Sie pendeln immer zwischen den Feuern auf und ab. Wenn ich die Hand hebe, laufen wir in das Feld. Ruhig jetzt, da kommen sie!“ Von links tauchten zwei Männer auf, die am Rande des Feldes zum nächsten Feuer gingen. Sie unterhielten sich.

„Und haben sie Xibalba getötet?“ fragte der eine.

„Nein, er ist in den Fluss gesprungen. Am Ort ohne Wiederkehr!“

„Wieso hat er die Liebe der Königstochter nicht erwidert?“

„Er ist ein Krieger, er hatte nur Augen für Ixtab, die Schutzgöttin der Selbstmörder!“

Das weitere Gespräch ging in einem Gemurmel unter, als sich die Wachen entfernten. Imox hob die Hand. Sie hasteten aus ihrem Versteck über die freie Fläche zum Maisfeld. Unbemerkt verschwanden sie im Dickicht der Pflanzen. Imox führte sie tief in das Feld hinein. Mit seinem Steinmesser trennte er die Maiskolben ab und warf sie in die Korb, den Xibalba auf dem Rücken trug. „Das reicht!“ meinte er, als der Korb halb gefüllt war. Vorsichtig schlichen sie den Weg durch das Feld an den Rand zurück. Imox kroch auf allen

Vieren vorsichtig hinaus. „Der Weg ist frei, komm!“, flüsterte er und huschte in gekauerter Stellung in Richtung des Dschungels. Xibalba folgte ihm so schnell er konnte mit dem Korb auf dem Rücken, der hin und her schaukelte. Imox wählte einen anderen Weg zurück. „Ich habe hier in der Gegend Schlingen ausgelegt, vielleicht haben wir Glück!“ In der dritten Schlinge hatte sich ein Truthahn verfangen. Mit einem raschen Griff schnitt Imox dem Tier den Hals durch. Er packte das Tier an den Füßen und lief weiter und zog eine Blutspur hinter sich bis zum Eingang der Unterwelt. In der Höhle entzündete er mit zwei Hölzern ein Feuer und briet den Truthahn an einem Spieß. Als beide gesättigt waren, erhob sich Imox. „Ich zeige dir jetzt die Stelle, wo du in das Wasser steigen kannst und am Meer wieder ungesehen an die Oberfläche kommst!“ Er nahm die Fackel und ging in einen anderen Gang voran. Plötzlich hörte Xibalba das träge Rauschen des Wassers. Der Gang machte noch eine Biegung, dann sah Xibalba im Fackelschein das Wasser. Der Fluss war hier nur so breit wie ein Mann, der seine Arme ausbreitet.

„Dieses Wasser führt zum Meer. Dort sind die Fremden mit ihren riesigen Schiffen. Sie fahren auf das große Wasser hinaus. Vielleicht können sie dich mitnehmen!“

„Sie haben viele aus unserem Volk getötet und unser Gold und Silber geraubt. Warum sollten sie mich mitnehmen. Sie werden mich töten!“

„Sie haben so viel Gold und Silber erbeutet, wie ihre Schiffe kaum tragen können. Sie werden jetzt satt und zufrieden sein, wie ein Geier, der sich am Aas den Bauch vollgeschlagen hat, dass er sich kaum noch in die Lüfte erheben kann!“

„Ich fürchte mich vor dem dunklen Wasser. Woher weißt du, dass dieser Fluss zum Meer führt?“

„Ich habe es ausprobiert, als ich sterben wollte. Die Einsamkeit hatte mich fast zerbrochen und ich wollte mich hier ertränken. Doch das Wasser reicht dir nur bis zu den Knien. Ich bin im Dunkeln in dieses Wasser gegangen, du wirst aber eine Fackel haben. Wenn du nicht gehst, musst du so leben wie ich! Ich habe mein Leben in Einsamkeit, Dunkelheit und Furcht verbracht wie eine Wanze! Lass uns zum Feuer zurück gehen, - du kennst jetzt den Weg!“

Als sie das Feuer wieder erreicht hatten, setzte sich Imox mit dem Rücken an die Wand, das Gesicht dem Ausgang zugewandt. „Es ist ein sehr glücklicher Tag heute für mich. Du hast meine Einsamkeit durchbrochen, und ich habe gut gegessen. Ich habe dir den Weg gezeigt, Xibalba. Mehr kann ich nicht für dich tun. Nun habe ich eine Bitte an dich!“

„Ich tue, was du von mir verlangst!“

Imox reichte ihm das Steinmesser. „Küsse mich und stoße mir dabei dieses Messer ins Herz, das nie aufgehört hat, für die Mayas zu schlagen. Um die Qualen meiner Einsamkeit noch zu erhöhen, war ich auch verflucht, alle Sprachen zu verstehen und zu sprechen. Bei deinem Todeskuss werde ich dir diese Eigenschaft übertragen. Du wirst diese Fähigkeit gebrauchen können, wenn du mit den Fremden auf das große Wasser fährst. Nimm auch dieses Messer und dieses Schwert aus Stein!“ Imox reichte ihm die beiden Waffen. „Es ist alles gesagt: Nun töte mich, damit ich ehrenvoll wie ein Krieger sterbe und nicht wie ein zahnloser Greis, der wieder kindisch wird. Lass mich so aufrecht sitzend hier zurück mit dem Messer im Herzen. Lege mir mein goldenes Schild, das mir Licht und Trost gespendet hat in meiner ewigen Dunkelheit, in den Schoß. Küsse und töte mich jetzt!“

Xibalba wusste, dass alle Einwände sinnlos waren. Er kniete sich vor Imox hin. Er richtete das Steinmesser auf Imox Herz. Imox hatte ihm sein Gesicht zugewandt. Er lächelte. Xibalba berührte mit seinen Lippen Imox‘ Mund und küsste ihn. Er spürte wie eine Energie auf ihn überging. Dann stieß er ihm das Messer ins Herz. Imox bäumte sich kurz auf, dann hauchte er mit einem Seufzer sein Leben aus.

Xibalba richtete Imox so her, wie er es gewünscht hat. Er legte ihm sein goldenes Schild in den Schoß zwischen seine Hände. Seine Züge sahen entspannt und glücklich aus, wie jemand, dem man allen Kummer genommen hatte. Dann legte sich Xibalba zum Schlafen an das langsam erlöschende Feuer, dessen letzte Flammen in dem goldenen Schild funkelten.

Spanischer Zeitsprung

Spanischer Zeitsprung

Am nächsten Morgen wurde Xibalba durch das Geschrei der Vögel im Dschungel geweckt. Er nahm das restliche Fleisch vom Truthahn und ging vor die Höhle. Dort setzte er sich auf einen Felsbrocken und aß in aller Ruhe. Sein Entschluss stand fest, er würde versuchen, durch den Tunnel zum Meer zu gelangen. Er war für ein Leben, wie es Imox geführt hatte, nicht geschaffen. In der Höhle entzündete er eine Fackel aus Baumharz. Er leuchtete noch einmal zu Imox hin, der im Tod sein goldenes Schild hielt wie der Wächter der Unterwelt, nahm das Schwert an sich und schlug den Gang zum Wasser ein. Als er den Fluss zum Meer erreichte, stieg er sofort, ohne weiter zu überlegen, in das Wasser. Das Wasser umspülte seine Knie, wie Imox es gesagt hatte. Er vertraute seinen Worten. Er kam gut voran. Manchmal fühlte er für Augenblicke eine rutschige Stelle unter seinen Füßen. Ab und zu wurde der Tunnel so niedrig, dass er sich bücken musste. Er sah das Wasser im Schein der Fackel schäumend an ihm vorbei ins Dunkle stürzen. Xibalba war ohne Angst. Die Fackel war schon mehr als zur Hälfte herunter gebrannt, als ein großes Tier unter Wasser wie ein dunkler Schatten dicht an ihm vorbei schoss, ihn streifte und ihn ins Straucheln brachte. Xibalba glitt aus und stürzte rückwärts ins Wasser. Er war rasch wieder auf den Beinen, doch die Fackel war erloschen. „Dann muss ich eben in völliger Dunkelheit weitergehen“, sagte er sich, „viel mehr als die Tunnelwände und das Wasser konnte ich sowieso nicht sehen!“ Er hielt jetzt den linken Arm hoch über die Schulter, um nicht mit dem Kopf anzustoßen, und den rechten Arm zur Seite ausgestreckt, um sich an der Tunnelwand voranzutasten. Nach einer Weile fühlte er, dass der Boden unter seinen Füßen sich neigte. Wie zur Belohnung für seinen Schrecken, sah er plötzlich weit vor sich etwas Helles im Wasser schimmern. „Vielleicht habe ich es wirklich geschafft und bin gleich am Meer!“ machte er sich Mut. Xibalba beschleunigte seine Schritte, da das Licht immer stärker wurde. Er meinte schon, ein Stück Himmel über dem Wasser zu sehen, als er den Halt verlor. Er war im tiefen Wasser. Er schwamm auf das grelle Licht zu, das ihn nach dem langen Aufenthalt in der Dunkelheit stark blendete. Xibalba hörte das Rauschen des Meeres und das Geschrei von Seemöwen. Er sah, dass er in einer Grotte schwamm mit einem Zugang zum Meer. Zum Glück war der Wellengang nicht stark und Xibalba schwamm dem Ausgang der Grotte zu. Er spürte beglückt die frische salzige Luft und fühlte sich wie ein Gefangener, der seinem dunklen Gefängnis endlich entronnen war. Für Augenblicke war er wie blind, als er nun im grellen Sonnenlicht schwamm. Als er sich wieder orientieren konnte, sah er zu seiner Linken ein riesiges Schiff mit baumhohen Masten, wie Imox es ihm beschrieben hatte. Er sah Männer, die vom Strand aus kleinere Boote mit Kisten beluden. „Das müssen die Fremden sein, von denen Imox gesprochen hatten“, dachte Xibalba, „die nur für Gold und Silber die Menschen mordeten, aber nicht wie wir sie feierlich opferten, um mit ihrem Blut die Götter gnädig zu stimmen!“ Xibalba erreichte unbemerkt den Strand, stieg aus dem Wasser und kroch das Ufer hinauf, bis er im trockenen Sand lag, wo die Wellen ihn nicht mehr erreichen konnten. Er musste sich von den Anstrengungen erholen. Er schloss für Augenblicke die Augen, fühlte aber plötzlich, wie sich ein Schatten über sein Gesicht legte. Er riss die Augen auf. Vor ihm stand einer der Fremden, der auf ihn herabschaute. Er trug einen Bart und einen goldenen Ohrring. Xibalba fühlte das erste Mal die Stärke des Fluches, als der Fremde sich niederließ und sich zu ihm setzte. Nach einer Weile drehte sich der Fremde in die Richtung der Männer, die die kleinen Boote beluden und rief sie mit herrischer Stimme. Ein junger Mann kam gerannt und überreichte ihm eine Flasche und sagte: „Capitano“, verbeugte sich und ging wieder zurück zu den Booten. Der Capitano trank aus der Flasche und sagte: „Ich bin Lopez!“

Lopez hatte seit frühester Jugend das Abenteuer gesucht und war auf vielen Schiffen weit in der Welt herum gekommen. Er hatte im Laufe der Jahre aus Mangel an Frauen auf den Meeren eine Zuneigung für das eigene Geschlecht entwickelt, die er auch nicht mehr ablegte, wenn an Land die Möglichkeit bestand, wieder seine Lust bei Frauen zu suchen. Lopez reichte Xibalba mit einem Lächeln die Flasche. Xibalba trank. Es schmeckte ihm so ähnlich wie die Getränke der Schamanen. „Ich bin Xibalba!“ hörte er sich in der Sprache des Fremden sagen. Imox hatte ihm tatsächlich im Tod die Fähigkeit übertragen, alle Sprachen zu verstehen und zu sprechen. Die Männer am Strand hatten das letzte Boot beladen und riefen: „Capitano, wir sind so weit!“ Lopez erhob sich und griff nach der Hand von Xibalba und zog ihn hoch. Lopez Schiff war beladen mit Gold und Silber für den König, mit unbekannten Pflanzen und Tieren. Er hatte auch die verschiedenen Waffen, Kleidungen und den Schmuck der Mayas in seine Kapitänskajüte bringen lassen. Es würde sich gut machen beim Empfang des Königs, neben den goldenen Schätzen auch einen Maya wie Xibalba zu präsentieren, der zusätzlich auch noch Spanisch sprach. Als Xibalba neben ihm stand, sah Lopez, dass er eine gute Wahl getroffen hatte. Er führte ihn zum Boot und wies ihm den Platz neben sich an. Dann gab er den Männern den Befehl abzulegen. Die Männer legten sich in die Ruder. Xibalba schaute zurück zum Strand. Imox hatte Recht behalten, er würde mit den Fremden auf das große Wasser hinaus fahren.

 

Die Matrosen und Soldaten beobachteten mit Argwohn, wie Xibalba an Bord der Isidora ging. Schließlich hatten sie viele von seinem Volk getötet, die so aussahen wie er: mittelgroß, von athletischer Gestalt und blauschwarzem Haar. Sie fürchteten seine Rache. Die Anspannung ließ erst nach, als Xibalba mit Lopez in der Kapitänskabine verschwand. Sie kannten Lopez Vorliebe für junge Männer, die auch in den Häfen oder bei anderen Gelegenheiten nicht mehr zum weiblichen Geschlecht wechselte. Als Lopez dann noch eine Extraportion Rum ausschenken ließ, waren alle Befürchtungen vergessen, als man ihn in seiner Kabine auch noch singen hörte. Xibalba blickte sich erstaunt in der Kabine um. In einer Ecke fand er auch eine Ansammlung von Waffen seines Volkes. Steinäxte und Messer, Speere und auch mehrere Bögen mit Pfeilen. Der Koch briet an Deck frisch erlegtes Wild. Alle waren froh, dass die Reise endlich wieder heimwärts nach Spanien ging. Die Stimmung an Deck war fröhlich und ausgelassen. Es wurde gesungen und getanzt. In der Kapitänskajüte öffnete Lopez die zweite Flasche Wein, die er mit Xibalba schon in seiner Koje leerte.

 

Am anderen Morgen erschien Lopez rasiert und mit gestutztem Haar in sauberer Uniform an Deck und ließ die Mannschaft antreten. „Männer“, begann er gut gelaunt, „es liegen harte Zeiten hinter uns und ich konnte nicht jedem von euch zu jeder Zeit ein gerechter Kapitän sein, - das weiß ich wohl und bedaure es. Doch nun haben wir unseren Auftrag erfüllt und fahren mit gewaltigen Schätzen heim ins geliebte Spanien an den Hof unseres Königs. Mit dem Maya Xibalba werde ich die Überfahrt nutzen, um ihm Spanisch beizubringen, damit er unserem König auch von Teilen dieses Landes berichten kann, die wir selber nicht gesehen haben. Ich werde seine Sprache erlernen, um bei der nächsten Expedition besser gewappnet zu sein. Für das Studium eignet sich am besten die Nacht, da wir dann ungestört sind vom Betrieb, der auf einem Segelschiff tagsüber herrscht. So werden Xibalba und ich die Nachtwache am Ruder übernehmen, bis wir in Spanien angelandet sind. Ihr könnt von nun an alle nachts schlafen und braucht nur noch tagsüber euren leichten Dienst verrichten. Erholt euch von den Strapazen, Männer! Doch bringt eure Musketen und die Kanonen auf Vordermann, damit sie jederzeit einsatzbereit sind. Am Tag muss immer ein Mann im Mastkorb sein, um uns vor Gefahren zu warnen. Bootsmann, sorge dafür, dass jeder an Bord zur Nacht zwei Becher Rum bekommt!“ Lautstark ließ die Mannschaft ihren Kapitän hochleben. Die zwei Becher starken Rum zum Sonnenuntergang ließen die Matrosen schon früh in den Schlaf fallen und nur selten fiel einem der Matrosen auf, dass Lopez und Xibalba gemeinsam hintereinander wie ein unruhiger Schatten am Ruder standen und das Schiff einträchtig über den Ozean durch die Nacht steuerten. Tagsüber schliefen Lopez und Xibalba erschöpft von der Liebe und Nachtwache bis in den Nachmittag. Es wehte ein guter Wind und die Isidora kam gut voran. Die Stimmung unter den Matrosen war einträchtig und heiter. Man erzählte sich gegenseitig, was man in Spanien alles zu tun gedenke und überbot sich in wilden Fantasien. Es war um die Mittagszeit des zehnten Tages, als der Matrose im Mastkorb „Schiff backbord achtern“ ausrief. Als man sich sicher war, dass es sich um Piraten handelte, weckte man Lopez, der überstürzt noch nackt mit Xibalba an Deck eilte. „Capitano“, grüßte der 1. Offizier vorschriftsmäßig, „wir liegen wegen des Goldes und Silbers zu tief im Wasser. Wir werden den Piraten nicht davon segeln können, sie sind zu schnell. Es wird zum Entern kommen.“ Lopez wusste, dass sein 1. Offizier Recht hatte. Seine Männer waren zu erschöpft und ausgemergelt, und einem Kampf Mann gegen Mann nicht mehr gewachsen. Verzweifelt zerbrach er sich den Kopf nach einem Ausweg, während das Piratenschiff hart am Wind lag und den Vorsprung der Isidora verkürzte. Der 1. Offizier ließ inzwischen die Musketen ausgeben und die Kanonen richten. Xibalba redete lebhaft auf Lopez ein. Lopez meinte: „Gut, Xibalba, wir versuchen es, wir haben keine andere Wahl!“ Er ließ ein kleines Boot am Bug an vier Seilen mit seinem besten Segler, einem Soldaten und Xibalba aussetzen. Xibalba schaffte zwei Bögen und alle Pfeile ins Boot. Der Soldat tauchte die Pfeile in Pech. Als man vom Piratenschiff schon das siegessichere Gegröle hören konnte, segelte das kleine Boot steuerbords aus seiner Deckung heraus und kreuzte schnell und wendig an das Piratenschiff heran. Der Soldat setzte den ersten Pfeil in Brand und Xibalba spannte seinen Bogen. Der erste Pfeil verfehlte noch sein Ziel, da es für Xibalba ungewohnt war, von einem Boot eine fahrende Galeone zu treffen. Doch sein zweiter Pfeil setzte das Hauptsegel in Brand. Der Matrose am Ruder des kleinen Bootes wendete sein Gefährt so rasch, dass sie selber kein Ziel boten. Xibalba hatte inzwischen treffsicher die anderen Segel auch in Brand geschossen, so dass das Piratenschiff rasch an Fahrt verlor. Teile des brennenden Hauptsegels fielen an Deck und schufen unter der Besatzung Panik. Das Boot mit Xibalba kreuzte jetzt am Heck des Piratenschiffs, wo Xibalbas brennende Pfeile die kleinen Fenster der Kapitäns- und Offizierskajüten zerschossen und dort ein Feuer entfachten. Dann segelten sie zurück längsseits an die Isidora. Als man sie wieder an Bord holte, johlten die Männer bewundernd und schlugen Xibalba anerkennend auf die Schulter. Lopez gab jetzt das Kommando für die Kanonen. Er ließ die Isidora beidrehen und wies die Kanoniere an, tief achtern auf das Ruder des Piratenschiffs anzulegen. Das Piratenschiff konnte den Kugeln nicht ausweichen. Als es nach der Salve begann, sich im Kreis zu drehen, war das der Beweis, dass das Ruder getroffen war. Als Lopez die Isidora wieder auf Kurs gehen ließ, rief er immer noch nackt dem Bootsmann zu: „Lass dir von Xibalba einen Pfeil geben, damit ihr Nachschub für ihn anfertigen könnt. Und macht alles an Deck bereit für die Siegesfeier!“

Die weitere Fahrt der Isidora verlief ohne Zwischenfälle und am Ende des zweiten Monats brach die Mannschaft in Jubelstürme aus, als die spanische Küste in Sichtweite kam und sie Barcelona anliefen.

 

Als die Schätze aus dem Bauch der Isidora auf Kutschen verladen waren, zahlte Lopez die Matrosen und Soldaten aus, die sich mit ihrer Heuer wie eine Springflut über die Tavernen und Bordelle Barcelonas ergossen. Der König hatte schwer bewaffnete Reiter geschickt, die Lopez nach Madrid Geleitschutz geben sollten. Lopez kleidete Xibalba und sich selber neu ein. Die ursprüngliche Kleidung von Xibalba, eine Art Rock und Wadenstrümpfe ließ er mit den Bögen, Pfeilen und Steinmessern in eine Truhe verschließen. Xibalba fand an der Kleidung Gefallen, nur auf die Schuhe verzichtete er die meiste Zeit und ging weiterhin barfuß. Das entbehrungsreiche Leben an Bord war nun endgültig vorbei. Sie übernachteten auf der Reise in den teuersten Gasthäusern und Lopez ließ das Beste an Speisen und Getränken auftischen. Musikanten und Tänzerinnen verkürzten ihnen die Abende beim Wein. Nur einmal trübte sich die Stimmung, als Lopez Xibalba überraschte, als er dabei war, die Wirtin eines der Gasthäuser in der geschlossenen Küche auf dem Tisch zu begatten, wo sonst Gemüse geputzt wurde. Die Wollust der Wirtin äußerste sich in einem Klagegeschrei, dass der besorgte Lopez, der gerade in der Nähe war, mit gezogenen Degen die Küche enterte, um seiner Pflicht als Kavalier nachzukommen. Xibalba klärte Lopez noch in der Küche über seinen Fluch auf.

„Es ist kein Verlangen von mir. Der Fluch zwingt mich, demjenigen zu Willen zu sein, der nach mir verlangt, egal, ob Mann oder Weib!“ Lopez wollte es kaum glauben. „Ist es dir nie seltsam vorgekommen“, meinte Xibalba, „dass ich von unserem ersten Treffen an, mich mit dir in deiner Sprache unterhalten konnte? Diese Fähigkeit hat mir ein anderer Verfluchter übertragen!“

Das überzeugte Lopez und er ließ jetzt vorsichtshalber tagsüber in der Kutsche die Fenster verhängt, sobald sie durch Ortschaften fuhren. Xibalba staunte auf der Reise über die prächtigen Bauten. Lopez wies auf die vielen Kirchen unterwegs hin: „Dies sind unsere Art von Pyramiden. Die Kirchen haben wir zu Ehren Gottes gebaut. Wir haben jedoch nur einen Gott!“ Xibalba staunte immer wieder über die verkarstete Landschaft, die an der Kutsche vorbeizog: „Habt ihr keinen Dschungel?“

„Die Welt ist nicht überall gleich, Xibalba“, klärte ihn Lopez auf, „so gibt es zum Beispiel jenseits des Meeres Länder, die nur aus Sand bestehen. Man nennt diese Gegenden Wüsten. Dort wachsen noch nicht einmal Bäume oder Gras, da es dort kaum Wasser gibt! Und in anderen Ländern gibt es Schnee, Eis und Wasser im Überfluss!“

Xibalba verstummte endgültig vor Erstaunen, als am Horizont ihr Ziel Madrid auftauchte. Am Stadtrand gesellten sich prächtig geschmückte Reiter zu ihnen und Musikanten sorgten für einen triumphalen Einzug in Madrid. An den Straßen stand das Volk und jubelte Lopez zu, der jetzt mit Xibalba neben dem Kutscher saß und in die Menge winkte. „Für diesen Empfang und Ruhm, Xibalba, haben sich die jahrelangen Strapazen und Entbehrungen gelohnt. Aber das ist noch nicht alles. Heute oder morgen werden wir vom König empfangen, wie es seiner Hoheit gefällt. Doch schon heute schlafen wir in seinem Palast!“ Als sie den Königspalast erreichten, wurden als erstes die Gold- und Silberschätze in die Thronsaal geschafft. Lopez wurden luxuriöse Räume zugewiesen. Der Schlafraum verfügte über ein riesiges Bett mit einem Baldachin. Es wurde ihm ein persönlicher Diener zugeteilt. Als man dabei war, Xibalba in die Räume für das Gesinde unter dem Dach unterzubringen, bestand Lopez darauf, dass Xibalba mitsamt seiner Truhe bei ihm blieb. „Xibalba ist ein Mitglied der Königsfamilie bei den Mayas“, erklärte er, „wir würden ihn zu Tode beleidigen, denn in seinem Land verfügte er über mehr als 20 Bedienstete!“ Kurze Zeit später meldete ein Dienstmädchen, dass für Lopez und Xibalba ein Bad hergerichtet sei. Gebadet, parfümiert und in sauberer Kleidung wurden sie zu Tisch gebeten. Sie waren noch am Speisen, als der Zeremonienmeister des Königs erschien: „Don Lopez“, grüßte er mit einer eleganten Verbeugung, „Seine Majestät, der König“, erwartet Euch heute Abend mit Eurem Begleiter im Thronsaal, um Eure Geschenke in Empfang zu nehmen und Euch für Eure Verdienste zu danken. Er wird ein Festmahl mit dem gesamten Hofstaat Euch zu Ehren geben. Ich werde Euch zeitig abholen und begleiten! Auch wenn Euer Begleiter, Don Lopez, königlichen Geblüts ist, wie man mir sagte, wäre es doch schön, wenn Ihr ihn für den Empfang ein wenig wie einen Barbaren herrichtet, damit der Hofstaat etwas zu gaffen hat. So sieht er wie ein spanischer Edelmann aus und gleicht Euch zu sehr. Das würde langweilen!“

 

Der Zeremonienmeister erschien am frühen Abend, um Lopez und Xibalba in den Thronsaal zu geleiten. Lopez war festlich gekleidet und trug eine weiße Halskrause. Xibalba war bis auf seinen Rock unbekleidet. Er hatte seinen prächtigen Kopfschmuck angelegt. An seiner rechten Hüfte trug er ein Steinmesser. Den Bogen mit den Pfeilen im Köcher hatte er auf den Rücken geschnallt. „Ganz prächtig, das wird Eindruck machen!“, nickte der Zeremonienmeister zufrieden, als er vorausging. Vor dem Thronsaal standen zwei Wachen mit Hellebarden, die bei ihrem Erscheinen die riesigen Flügeltüren öffneten. Der Hofstaat war schon versammelt. Man wendete neugierig den Kopf und ein Raunen ging durch die Reihen, als man Xibalba in seinem malerischen Aufzug neben Lopez sah. Vor dem noch leeren Thron des Königs und seiner Gemahlin waren die Gold- und Silberschätze ausgebreitet. Das Kerzenlicht der gewaltigen Kronleuchter spiegelte sich wie die Mittagssonne in dem goldenen Metall. Der Zeremonienmeister wies Lopez seinen Platz an. „Wenn unser König mit seiner Gemahlin gleich auf dem Thron Platz nimmt, dann kniet Ihr und Euer Begleiter wie alle nieder. Wenn ich Euch dann ein Zeichen gebe, steigt Ihr die Stufen zum Thron hoch, kniet nieder, stellt Euch noch einmal vor und haltet eine kleine Dankesrede. Aber nicht zu lang!“ Lopez nickte. In diesem Augenblick ertönte eine Fanfare, das Königspaar erschien und bestieg feierlich den Thron. Lopez ging wie alle Anwesenden in die Knie und zog Xibalba mit sich. Als sich alle wieder erhoben, gab der Zeremonienmeister Lopez das verabredete Zeichen. Lopez ging die fünf Stufen hoch, kniete vor dem Schatz und dem Thron nieder. Der König nickte ihm milde zu. „Eure Majestät“, begann Lopez, „König von Spanien, hier kniet Lopez, Euer Knecht, vor dem Schatz, den er Euch zu Ehren in weit entfernten Ländern mit dem Schweiß und Blut seiner Mannen erbeutet hat. Es wär mir die größte Ehre, wenn Ihr so gnädig seid, meine Brosamen anzunehmen und mich ermutigt, sobald ich mich von den Strapazen der Reise erholt habe, erneut für Euch und zur Ehre Spaniens, wieder hinauszufahren, um noch größere Schätze für unser Spanien zu erkämpfen!“

„Lopez, heldenhafter Sohn Spaniens! Wir sind hoch erfreut, wie Ihr Eurem König und Spanien dient. Gerade jetzt, wo große Herausforderungen an unser heiliges Spanien gestellt werden, kommt Eure Hilfe mehr als Recht. Wenn wir weiterhin die Kraft haben, uns gegen unsere Feinde zu wehren, so wird das mit Euer Verdienst sein, wenn wir das Schwert der Gerechtigkeit führen können. In Anerkennung Eurer Verdienste verleihe ich Euch den Titel eines Grafen. Der königliche Hofmaler wird bald die Galerie verdienter Spanier im Rittersaal um Euer Portrait ergänzen, Conde Lopez. Ihr dürft von nun an ein Wappen führen. Der Hofmaler wird es nach Euren Wünschen für Euch entwerfen. Beim Festmahl müsst Ihr Euch gleich allerdings die Ehre mit der Duquesa von Aragon teilen. Die Herzogin hat große Verdienste um meine Gesundheit und mein Leben. Sie wird zu meiner Linken sitzen, Ihr aber, Conde Lopez, werdet heute mit Eurem Gefährten, an meiner Rechten weilen! Nun lasst uns alle an der Festtafel Platz nehmen und Euch zu Ehren schmausen und feiern!“

Der gesamte Hofstaat nahm nach und nach an der Festtafel Platz. Die Herzogin zur Linken, erwies sich, als Lopez und Xibalba neben dem König Platz genommen hatten, als ein schon in die Jahre gekommenes Weib mit harten Zügen. Ihr fehlten schon mehrere Zähne im geschminkten Mund. Ihr Blick streifte Lopez nur kurz, als sei er ein Bediensteter, krallte sich jedoch an der Gestalt von Xibalba regelrecht fest. Als die Suppe serviert wurde, legte sie dem König die Hand auf den linken Arm: „Majestät, Ihr wisst, was Ihr mir versprochen habt!“ Der König nickte.

„Ich möchte, dass die Hinrichtung morgen vor dem Mittagsmahl stattfindet, sozusagen als Aperitif. Ich darf bei der Hinrichtung neben Euch an der Balustrade stehen und Eure Hand halten. Und dieser Barbar“, sie deutete dabei herrisch auf Xibalba, „soll mir dabei das erste Mal zu Willen sein. So werde ich Euer Versprechen an mich als erfüllt ansehen!“ „Duquesa“, lächelte der König anerkennend über diese raffinierte Grausamkeit. „Was seid Ihr nur für ein verderbtes Weib. Der Teufel selbst muss Euch seine Einfälle geben! Doch ich habe Euch mein königliches Wort gegeben und darum soll es so sein, wie Ihr es verlangt!“

Als die Reste des Hauptmahls, gefüllte Fasane, von den Dienern abgeräumt wurden, griff der König selber zur Weinkanne und goss Lopez ein. „Mein Graf“, hob er das Glas und stieß mit Lopez an, „die Herzogin hat vor kurzem einen Giftanschlag auf mein Leben vereitelt. Ein Bastard, eine Kröte, ein unehelicher Balg des Herzogs von Navarra, hat mir nach dem Leben getrachtet. Ich habe der Duquesa mein königliches Versprechen gegeben, den Tag und die Umstände der Hinrichtung des Attentäters festzulegen nach ihren Wünschen. Die Hinrichtung soll morgen sein. Von Euch verlange ich noch ein kleines Opfer. Es wird Euch nicht schwerfallen, wo Ihr all die mühsam erlangten Schätze mit Freuden mir zur Füßen gelegt habt: die Herzogin verlangt es nach Eurem wildem Begleiter!“

Lopez verschluckte sich am Wein und hatte Mühe, sich wieder zu fangen. „Euer Wunsch ist mir Befehl, Majestät! Aber gewährt mir bitte noch diese letzte Nacht!“

 

Bis in den frühen Morgen hatte Lopez seine letzte Nacht mit Xibalba ausgedehnt, ehe er gesättigt und versöhnt in einen erschöpften Schlaf fiel. Vorher hatte er Xibalba unter Tränen und Schluchzen sein Leid und Los geklagt. „Du kannst mir glauben, Xibalba, ich habe ein raues Leben geführt, das nur den spröden Triumph des Sieges und des Goldes kennt. Es ist eine schale Freude. Alle, die mit dir triumphieren, sind doch deine Neider. Mit dir war ich das erste Mal in meinem Leben wirklich glücklich. Doch ich will mich nicht beklagen. Es ist mein Los, mich für meinen König und mein Land von einem Gemetzel in das andere zu stürzen. Ich werde einen gewaltsamen Tod sterben, eher durch meine Neider, als durch meine Feinde! Aber nun ist es mir gleich. Ich habe meine Erfüllung erfahren und weiß, dass die Liebe einen Ausweg zeigt!“

Man musste die beiden wecken und eilig zur Hinrichtungsstätte führen. Eifrige Lakaien hatten gegen die grelle Mittagssonne Sonnenschirme auf der Veranda aufgespannt, damit der Hofstaat das Schauspiel der Hinrichtung unbehelligt von der Sonne genießen konnte. Man plauderte noch ein wenig müde vom gestrigen Fest. Auf dem gepflegten Rasen hatte man die Garotte aufgebaut. Die Herzogin stand neben dem König an der Balustrade, winkte Xibalba herrisch heran und wies ihn an, sich hinter sie zu stellen. Lopez musste sich mit einem Platz in einer der hinteren Reihen zufrieden geben. Dann wurde der Delinquent herangeführt: Juan, ein illegitimer Sohn des Herzogs von Navarra, ein Bastard, der trotz oder wegen seines blauen Blutes ein Mörder war. Er trug ein einfaches weißes Hemd, seine Hose war fleckig und zerrissen vom Aufenthalt im Kerker. An Händen und Füßen gefesselt, wurde er von zwei Henkersknechten zur Garotte geführt. Verzweifelt versuchte er, seine Füße in den Boden zu stemmen und sich zu wehren, doch die Henkersknechte zerrten ihn auf den Würgestuhl. Dort band man ihn fest und schloss den stählernen Ring, mit dem er gleich erdrosselt werden würde, um seinen Hals. Ein feister Pater schlug das Kreuz: „Möge der Herr deiner Seele gnädig sein, mein Sohn!“ Die Herzogin hatte inzwischen ihren Rock geschürzt und langte mit der freien Hand hinter sich nach Xibalba. In der Garotte schrie Juan aus Navarra noch einmal in Todesangst auf, als der Henkersknecht die Schraube hinter ihm langsam zudrehte und sein Schreien in ein ersticktes Würgen überging. „Dios mio“, keuchte nun auch die Herzogin, da Xibalba nun auch hinter ihr zu Werke ging, „Jesus, Maria und Joseph!“, und krallte dabei ihre Hand in den Arm des Königs. Während Juan versuchte, sich in seinem Stuhl aufzubäumen und ein entsetzliches Würgen von sich gab, röchelte die Herzogin nun am Arm des Königs, wobei sie die Garotte fest im Blick hielt. Der Hofstaat in den Reihen hinter dem König, ließ seine Blicke amüsiert zwischen der Herzogin und der Garotte hin und her wandern, um keinen der Höhepunkte zu verpassen.

„So soll es allen meinen Feinden ergehen!“ rief der König triumphierend in die Runde, als man den Erwürgten nun losband und wie ein totes Stück Vieh in einen roh gezimmerten Sarg warf.

„Ja“, stimmte die Herzogin unter dem Gelächter des Hofstaats zu, „und ich möchte dabei immer an Eurer Seite sein wie heute, Königliche Hoheit!“

Die Herzogin machte in den nächsten Tagen und Nächten ausgiebig von Xibalbas Fähigkeiten Gebrauch und man amüsierte sich im Hofstaat über die Häufigkeit und Lautstärke, die ihr die neue Leidenschaft abverlangte. „Die Arme muss lange Zeit auf dem Trockenen gelegen haben, wenn sie solch einen Aufstand macht und gar nicht genug kriegen kann. Solche Barbaren wie der Xibalba werden wahrscheinlich auf alles springen, was ein wenig nach Parfüm und Puder duftet! Es wird auch ihr letztes Strohfeuer sein, denn sie ist wahrlich nicht mehr die Jüngste, unsere verehrte Herzogin!“ Aber auch Neid zog manchen Mundwinkel tief, da die Herzogin ihr Glück nicht verschwieg und in ihren Berichten nicht mit Einzelheiten geizte. „Ich kann Xibalba nur mit einem Kampfstier vergleichen!“, vertraute sie ihren jetzt zahlreichen weiblichen Gästen an, die nach weiteren frivolen Bekenntnissen gierten.

 

An einem der nächsten Tage suchte Isabella, die Zofe der Herzogin, im Schlafgemach auf Knien nach einigen Haarnadeln auf dem Marmorboden, die ihre Herrin beim Liebeskampf mit Xibalba verloren hatte. Xibalba deutete diese Stellung als eine weitere Aufforderung, seinen Fluch zu erfüllen. Er ging umgehend zu Werke und traf nach einer Schrecksekunde bei Isabella auf lebhaftes Entgegenkommen. Isabella, die sich ansonsten mit einem der Wachen des Königs behalf, war von der Wendung ihres Liebeslebens so angetan, dass sie von nun an stets eine Handvoll Haarnadeln bei sich trug, die sie wie die Stäbchen des Mikados warf, wenn sie Xibalbas Schritte hörte.

 

Als die Herzogin einen weiteren Schneidezahn verlor, führte sie das auf das ungehemmte Ausleben ihrer Leidenschaft zurück und nahm sich von da an vor, sich zu mäßigen, aber doch auf gesellschaftliche Art weiterhin von Xibalbas Kraft seiner Lenden zu profitieren. Eine ihrer häufigsten Besucherinnen, seit Xibalba bei ihr lebte, war die junge Baronesa Francisca, die ganz versessen auf ihre frivolen Berichte war und nicht genug davon hören konnte.

„Ach, meine verehrte Herzogin, Ihr seid zu beglückwünschen. Wenn ich da an meinen lieben Gatten denke, könnte ich wahrlich neidisch werden. Nun ist mein lieber Mann wirklich eine Seele von Mensch, der mir jeden Wunsch von den Augen abliest und erfüllt. Doch dieses Begehren kann er mir aufgrund seines Alters nicht mehr stillen. Er steigt schon seit einiger Zeit lieber in den Sattel seiner Pferde, weil er sich dort länger hält. Die vom Alter passenden Männer am Hofe sind mehr Pfauen als Hähne. Ich möchte meinen Gatten natürlich auch nicht bloßstellen. Doch es kann für eine junge Frau wie mich auch nicht gesund sein, auf das natürlichste Lebenselixier verzichten zu müssen!“

„Wie Recht Ihr habt, meine Baronesa“, pflichtete ihr die Herzogin bei, „ungewollte Keuschheit kann in jungen Jahren leicht zu einem Laster werden und lässt die Blüte der Rose verdorren, ehe sie überhaupt aufgegangen ist. Der Leibarzt des Königs mag manches unserer Gebrechen lindern, doch gegen meinen Jungbrunnen Xibalba sind seine Bemühungen die reinste Quacksalberei. Ich fühle mich seitdem wie ein junges Ding und muss mich hüten, um mich nicht zu albernen Dummheiten hinreißen zu lassen!“ Die Herzogin kicherte und hielt sich die Hand vor das lückenhafte Lächeln.

„Man sieht Euch diese Verjüngungskur an, Herzogin! Eure Augen glühen wie Feuer und Ihr schwebt dahin wie eine Tänzerin!“

„Aber es ist kein wahres Glück, mein Kind, was man eifersüchtig für sich hütet wie einen verborgenen Schatz. Ich sähe mein Glück und meine Schätze gern geteilt mit einer Person, die über Diskretion verfügt und mir die Zeit mit ein wenig Plauderei über das Leben am Hofe vertreibt. Das soll denn auch mein einziger Lohn sein, bei dem Vergnügen dabei zu sein und mit Euch ein wenig zu plaudern!“

Baronesa Francisca schien nicht abgeneigt zu sein, noch war sie von dem Ansinnen schockiert.

„Doch, mein Kind, ich will es halten wie die Händler auf unserem Markt, die einen kosten lassen von der Ware, die sie preisen!“ Die Herzogin läutete und nach einer Weile erschien ihre Zofe in der Tür. „Sei so gut, Isabella und schicke mir Xibalba vorbei. Und sorge dafür, dass ich in den nächsten zwei Stunden ungestört bleibe!“

Als Baronesa Francisca die Herzogin zwei Stunden später verließ, hatte sie neben den Lauten der Wollust noch einiges anderes ausgeplaudert, was die Herzogin wissen wollte. Beide Frauen waren mit der Zusammenkunft und Xibalbas Fähigkeiten hoch zufrieden und versicherten sich unter Umarmungen, dass das nächste Treffen nicht lange auf sich warten lassen würde.

In der Folgezeit fand sich am Hofe noch manch andere vernachlässigte Frau von Bedeutung, welcher die Herzogin auch diskret die Dienste von Xibalba anbot mit der gleichen Bedingung, dass sie dabei zugegen sein müsste. Es ging ihr dabei in erster Linie um Informationen. Wenn die gerade Beglückte auf ihre Fragen die Antwort zurückhielt, steuerte sie ihren Hengst Xibalba wie eine Reiterin mit einem geschickten Griff und ließ ihn dahin zotteln wie eine alte Mähre. Bekam sie dann die gewünschte Antwort von dem schmachtenden Weibsbild, gab sie ihren Hengst wieder frei und ließ ihn ungestüm ins Geschirr gehen. Auf diese Weise wusste sie von allen Heimlichkeiten und Liebschaften am Hof und konnte ihr Wissen häufig zu ihrem Vorteil nutzen. So war es ihr möglich, günstig einen Weinberg für wenig Geld zu erstehen, da sie wusste, dass der Besitzer kurz vor seinem Ruin stand. Sie hütete und pflegte Xibalba wie einen prämierten Kampfhahn und ließ ihm nur die besten Bissen servieren.

Nun war die Baronesa Francisca der Standfestigkeit Xibalbas regelrecht verfallen und erschien bald täglich. Isabella, die gerne ein wenig an der Tür lauschte, wurde dann auch Zeugin, wie die Baronesa Francisca eines Tages ihrer Herrin gestand, dass sie schwanger sei.

„Ich bin so verzweifelt, Herzogin, und weiß nicht, was ich machen soll!“

Isabella sorgte sich indes um eine andere Person, denn sie wusste um die Machenschaften des Barons, wenn es galt, einen Liebhaber seiner Frau vom geringeren Stand in seine Schranken zu weisen.

Isabella wusste, dass Xibalbas Fluch nicht nur auf die Weiblichkeit beschränkt war.

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