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Wut und Ärger

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Hinweis zum Urheberrecht

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Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, Freiburg

Vorwort

„Ich könnte platzen vor Wut!“ Haben Sie das auch schon einmal gesagt oder gedacht? Waren Sie außer sich oder blind vor Wut? Haben Sie sich „schwarz geärgert“ oder Ihrem „Ärger Luft gemacht?“ Na klar, werden Sie vermutlich jetzt sagen. Und damit sind Sie nicht alleine![2]

Wut und Ärger sind starke Emotionen, die jeden von uns ein ganzes Leben lang begleiten. Sie zu unterdrücken, ist keine gute Idee. Wer seine Wut herunterschluckt oder seinen Ärger beiseiteschiebt, belastet sich selbst und läuft Gefahr, sogar krank zu werden oder gleich einem Vulkan irgendwann zu explodieren und damit die Beziehung zu seinen Mitmenschen zu belasten.

Doch was tun? Der Schlüssel liegt im richtigen Umgang mit unserer Wut und unserem Ärger. Wie Sie die Energien, die diese beiden mächtigen Gefühle freisetzen, zu Ihrem und dem Vorteil anderer nutzen, zeigt Ihnen dieser TaschenGuide. Mithilfe zahlreicher Übungen ergründen Sie diese Emotionen, um sie besser zu verstehen. Sie erfahren, wie Sie Situationen, die Sie zum Explodieren bringen, künftig entschärfen. Sie lernen leicht anwendbare SOS-Strategien für Wut-Notfälle kennen.

Machen Sie das Beste aus Ihrer Wut und Ihrem Ärger! Viel Erfolg dabei wünscht Ihnen

Annette Auch-Schwelk

Wut und Ärger: viel besser als ihr Ruf

Mit unserer Wut ist es wie mit einem unbeliebten Verwandten: Sie gehört zu uns und zu unserem Leben, allerdings werden sie und ihre Eigenschaften oft nicht geschätzt. Im Gegenteil: Viele fürchten sich sogar vor ihr. Sie denken, dass sie nur Konflikte oder gar Kontrollverlust mit sich bringt, wenn sie sich meldet.

In diesem Kapitel erfahren Sie u. a.,

  • welche Macht Wut über uns hat,

  • warum Wut zu unserem Leben dazugehört,

  • weshalb es entscheidend ist, richtig mit dieser starken Emotion umgehen zu können.[3]

Die Macht der Wut

Manche Menschen „schäumen vor Wut“ oder rennen „wutentbrannt weg“. Sie „springen an die Decke“ vor Wut oder „ersticken fast daran“. Wut ist eine Grundemotion. In dem Wort Emotion steckt Motio. Das heißt Bewegung, was besonders gut zur Wut passt. Sie ist eine Emotion, die uns die nötige Kraft geben kann, um ins Handeln zu kommen.

Die Geschichte vom Vogel
Ein Schüler will einen alten, weisen Meister prüfen. Er fängt einen Vogel und versteckt ihn hinter seinem Rücken. Er will wissen, ob der Meister herausfindet, was er versteckt hat. Die zweite Frage soll lauten: „Ist der Vogel tot oder lebendig?“Wenn der Meister antwortet: „Er lebt“, bricht er dem Vogel kurzerhand das Genick und der Vogel ist tot. Wenn der Meister antwortet: „Er ist tot“, lässt er ihn fliegen. Beide Male wird der Meister nichts sehen können. Der Schüler ist sich gewiss, dass diese Aufgabe unlösbar ist. So geht er zum Meister.Die erste Frage des Jungen: „Was habe ich hinter meinem Rücken?“, beantwortet der Meister mit: „Einen Vogel.“ Die zweite Frage: „Ist der Vogel tot oder lebendig?“, beantwortet der Meister mit: „Es liegt in Deinen Händen!“
Verfasser unbekannt

Genauso verhält es sich auch mit unserer Wut. Sie ist weder gut noch schlecht. Sie ist, wie sie ist, und sie kommt, wann sie will. Ist sie da, lässt sie sich nur schwer unterdrücken. Doch was Sie dann daraus machen, ob Sie sie als förderliche oder als zerstörerische Kraft einsetzen, ist entscheidend und liegt in Ihren Händen.

Die förderliche Wut

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Wut ist eine sehr kraftvolle Energie. Sie können sie nutzen, um sich selbst zu unterstützen. Sie kann Antrieb und Motivator sein, sie kann Ihnen Kraft- und Energiespender sein, um:

  • ins Handeln zu kommen,

  • etwas in Ihrem Leben zu verändern,

  • Neues zu lernen,

  • Veränderung herbeizuführen,

  • Ihnen aufstehen zu helfen, wenn Sie „hingefallen“ sind,

  • Grenzen zu setzen,

  • für sich selbst und andere einzustehen,

  • sich wachzurütteln und Ihre Interessen zu vertreten,

  • Ihnen zu zeigen, wenn Ihre Bedürfnisse und Wünsche nicht erfüllt werden.

Blicken Sie zurück. Wann und wo in Ihrem Leben war die Wut eine förderliche Begleiterin für Sie? Bei Ihrer Reflexion helfen die folgenden Fragen:

  • Wo in meinem Leben erlebe ich die Wut als förderliche und unterstützende Kraft?

  • Wie genau unterstützt sie mich dabei?

  • An welche Situation kann ich mich erinnern, in der die Wut hilfreich für mich war?

Die zerstörerische Wut

Doch die Wut kann auch zerstörerisch sein, wenn Sie Ihre Wut unkontrolliert nach außen dringen lassen und mit Worten oder Gegenständen um sich werfen. Sie können zur Furie werden, also zu einem der Wesen, die in der römischen Mythologie auch als Rachegöttinnen bezeichnet wurden, oder es Zeus gleichtun, der, wenn er wütend wurde, einen Blitzschlag als Waffe benutzte gegen jeden, der ihn verärgerte.

Der Wut-Mülleimer

Beispiel

„Es muss halt manchmal raus“, sagte mir eine Führungskraft, bei deren Teambesprechung ich anwesend war, „doch meine Kollegen wissen, wie sie mich zu nehmen haben. Ja klar hau ich mal beim Meeting mit der Faust auf den Tisch und sag auch das eine oder andere sehr direkt. Doch die können das ab. Ich würde sagen, wir diskutieren leidenschaftlich.“ Die Mitarbeiter schauten derweil betroffen auf den Boden oder zum Fenster hinaus. Keiner sagte ein Wort. Jedem im Raum war klar: Der Einzige, der leidenschaftlich laut war, war der Chef. Einige Mitarbeiter schwiegen lieber, weil sie befürchteten, es mit einer Klarstellung noch schlimmer zu machen. Andere hatten bereits resigniert: „Wir können doch sowieso nichts daran ändern!“[5]

Was meinen Sie: War der Chef „leidenschaftlich“ im positiven Sinne? Ich finde, er hatte eine Leidenschaft, die Leiden schafft. Und damit ist er nicht allein. Mir erzählen immer wieder Teilnehmer meiner Seminare, dass sie dem Ärger oder der Wut zu Hause nachgeben und am Partner auslassen. Dabei höre ich Sätze wie:

  • „Es geht mir danach besser.“

  • „Mein Partner weiß schon damit umzugehen.“

  • „Es fühlt sich entspannter und leichter danach an.“

Angenommen, ich verpasse Ihnen eine Ohrfeige. Danach sage ich gleich: „Ach, entschuldigen Sie, das musste halt mal raus. War nicht so gemeint! Ich bin halt eben so der leidenschaftliche Typ.“ Ich vermute nicht, dass Ihnen dies gefiele und Sie mir freundlich antworteten: „Ja natürlich, lassen Sie Ihren Emotionen freien Lauf, ich diene Ihnen sehr gerne als Wut-Mülleimer!“

Gleiches gilt natürlich auch für wütende Wortschwalle, also Wut-Tiraden. Wenn Sie der Wut freien Lauf lassen, sehr laut werden oder andere anbrüllen, denken Sie daran: Worte sind wie Waffen. Sie können genauso verletzen und kränken wie Ohrfeigen. Sie hinterlassen Spuren und können im Gedächtnis bleiben.[6]

Vor einigen Jahren habe ich eine schöne Geschichte gehört.

Beispiel

Eine Sekretärin hatte einen leicht aufbrausenden Chef. Oft lud er seinen „Wut-Müll“ bei ihr ab. Eines Tages rief er sie aus den USA an. Er brüllte in den Hörer, dass sein Gepäck nicht mit im Flieger gewesen sei. Auf die Frage von ihr, ob er diese Info schon an die Fluggesellschaft weitergeleitet hatte, brüllte er ein „Ja“ zurück, um sich dann über den beschwerlichen Flug aufzuregen. Ruhig fragte die Sekretärin: „Was möchten Sie gerne, was ich jetzt für Sie tun soll?“. Daraufhin entgegnete der Chef: „Sie können auch nichts machen.“ – und legte auf.

Manchmal braucht es nur einen Satz, um anderen nicht mehr als „Wut-Mülleimer“ zu dienen.

Das Rumpelstilzchen

Doch nicht nur im Außen kann die unkontrollierte Wut Schaden anrichten. Wer seine Wut gegen sich selbst richtet, läuft Gefahr, selbstzerstörerisch zu agieren – wie einst Rumpelstilzchen im gleichnamigen Märchen der Gebrüder Grimm.

Beispiel

Ich hatte vor vielen Jahren einen cholerischen Chef, mit dem ich ein Büro teilte. Er saß hinter mir, so dass er mir direkt „im Nacken saß“. Immer wenn er wütend war, zog ich den Kopf ein, denn es kam schon mal vor, dass er die Tastatur an die Wand warf. Wenn er richtig, richtig wütend war, schlug er gewaltig mit der Faust auf den Tisch, einmal so stark, dass er sich dabei verletzte. Er wirkte auf mich wie Rumpelstilzchen, das sich vor Wut selbst zerreißt, als die Königin seinen richtigen Namen nennt.[7]

Der Vulkan

Es gibt die einen, die ihre Wut allen anderen entgegenschreien. Und dann gibt es diejenigen, die ihre Emotionen tief in sich verbergen und die Wut immer dann, wenn sie hochkommen möchte, kräftig nach unten drücken. Wenn Sie sich nie erlauben zu schauen, was hinter der Wut steckt, wenn Sie sie nie „zu Wort kommen zu lassen“, kann das ebenso zerstörerisch wirken wie ein Rumpelstilzchen-Dasein. Es wirkt sich vor allem negativ auf Ihre Gesundheit aus. Krankheiten und körperliche Beschwerden sind die Folge, unter anderem können das sein:

  • Rücken- oder Nackenschmerzen,

  • Bluthochdruck,

  • Schlafstörungen,

  • Magen- und Darmprobleme,

  • Atemprobleme,

  • beschleunigter Herzschlag.

Beispiel

Eine Seminarteilnehmerin, ich nenne sie hier Marion, zeigte kaum Emotionen und wirkte auf mich zurückhaltend. Im Lauf des Seminares wurde immer deutlicher, wie unzufrieden sie ist. Ihr Chef war ein Tyrann, der ihr und anderen das Leben schwermachte. „Früher habe ich mich noch darüber aufgeregt, doch das mache ich schon lange nicht mehr“, sagte Marion. Ein wenig später berichtete sie von ihren gesundheitlichen Problemen. die sie durch die Erlebnisse mit ihrem Chef bekommen hat. „Wenn ich ihn schon sehe, dreht sich mir der Magen um!“ Für Marion sind Magenschmerzen zur Normalität geworden. Sie hat sie fast täglich.

Während des Seminares erfuhr Marion von den anderen Teilnehmern und mir viel Unterstützung. Wir ließen sie selbst Lösungen erarbeiten und schlugen ihr Lösungsmöglichkeiten vor. Am Ende des Seminars sagt sie: „Ich glaube, das bringt alles nichts. Jetzt habe ich schon zehn Jahre meinen Chef ertragen, die fünf Jahre, bis er in Pension geht, schaffe ich auch noch!“[8]

Marion hat sich damit abgefunden, dass es so ist, wie es ist. Wut und Ärger unterdrückt sie seit Jahren. Ihre gesundheitlichen Probleme nimmt sie in Kauf. Vielleicht fragen Sie sich jetzt: „Wie kann man sich das nur antun? Warum lässt sie sich das gefallen? Merkt die denn nicht, dass sie selbst schuld ist an ihrem Leid?“ Es ist oft so einfach, über andere zu urteilen – und meist so schwer, bei sich selbst zu erkennen, was los ist. In dem Fall von Marion ist es, als ob sie in einem Gefängnis sitzt. Die Türe ist offen, doch Marion bleibt starr und bewegungslos sitzen. Es brodelt in ihr und sie weiß nicht wohin mit all der aufgestauten Wut – ähnlich einem Vulkan, der jeden Augenblick zum Ausbruch kommen kann.

Vielleicht gehört sie zu den Menschen, die nie gelernt haben mit ihrer Wut umzugehen. Weshalb sie es nicht lernten? Die Liste der Möglichkeiten ist lang. Hier einige Beispiele:

  • Sie mussten vielleicht als Kind artig und lieb sein, wurden bestraft, wenn sie wütend wurden, oder unterdrückt: „Das macht man nicht.“, „Reiß dich zusammen!“.

  • Vielleicht haben sie in ihrem Umfeld, in dem sie aufgewachsen sind, viel Wut und Aggression erlebt. Vielleicht war es normal, dass sie angeschrien oder sogar körperlich verletzt wurden.[9]

  • Oder sie hatten keine Vorbilder für ihre Wut und niemand zeigte ihnen, wie sie mit dieser starken Energie in sich so umgehen können, dass es weder für sie noch für ihr Umfeld schädlich ist.

Haben Sie einmal versucht, einen voll aufgeblasenen Wasserball unter die Wasseroberfläche zu drücken und dort auch eine Weile zu halten? Dann wissen Sie sicherlich, wie viel Kraft das kostet und dass es sehr anstrengend ist. Die Arme beginnen zu schmerzen und es kann gut sein, dass der Wasserball Ihnen bald aus den Händen rutscht und recht schnell nach oben an die Wasseroberfläche schießt.

Ge ...

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