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Wunderland

Jörg Sackers

Wunderland

Wie Denken unser Leben bestimmt und welche ungeahnten Möglichkeiten sich dadurch ergeben!

Sind Sie bereit für einen Ausflug, den Sie nie vergessen werden?

Der Autor

Jörg Sackers wurde 1968 in Kleve am Niederrhein (Nordrhein-Westfalen) geboren. Er lebt seit 2001 in der Schweiz, hat drei Kinder und arbeitet als Betriebsökonom.

Seine berufliche Laufbahn begann als Krankenpfleger in Köln. J. Sackers arbeitete 15 Jahre in Krankenhäusern in Deutschland und der Schweiz. Während seiner beruflichen Laufbahn erwarb er den Fachausweis Intensivpflege und den Dipl. Pflegewirt FH. Im Anschluss folgte das Studium der Betriebswirtschaft.

Mittlerweile arbeitet der Autor an anderer Stelle im Schweizer Gesundheitswesen. Sein medizinisches, psychosoziales und ökonomisches Fachverständnis, seine langjährige Erfahrung mit Patienten und Krankheitsbildern sowie ein berufliches Interesse an kognitiven Prozessen haben ihn dazu angeregt, dieses Buch zu schreiben.

Inhalt

Einleitung

Kapitel 1: Wahrnehmung – Wirklichkeit oder Fiktion?

Kapitel 2: Der Stoff, aus dem die Träume sind

Kapitel 3: Was Denken bewirkt

Kapitel 4: Unsere Gene – unser Leben?

Kapitel 5: Die Wirkung der Psyche

Kapitel 6: Der Einfluss der Denkhaltung auf die Gesundheit

Kapitel 7: Geboren als Genie? Außergewöhnliche Menschen

Kapitel 8: Ziele setzen und erreichen

Kapitel 9: Wer sind wir?

Kapitel 10: Der Wert von Gedanken

Kapitel 11: Bewusstseinskontrolle durch Selbstdisziplin

Kapitel 12: Zum Schluss: Das bessere Leben

Anhang

Literaturverzeichnis

Die Gedanken sind frei, wer kann sie erraten?

Sie fliehen vorbei, wie nächtliche Schatten.

Kein Mensch kann sie wissen, kein Jäger erschießen,

mit Pulver und Blei: Die Gedanken sind frei!

Ich denke, was ich will, und was mich beglücket,

doch alles in der Still, und wie es sich schicket.

Mein Wunsch und Begehren kann niemand verwehren,

es bleibet dabei: Die Gedanken sind frei!

Und sperrt man mich ein, im finsteren Kerker,

das alles sind rein vergebliche Werke.

Denn meine Gedanken zerreißen die Schranken

und Mauern entzwei: Die Gedanken sind frei.

Hoffmann von Fallersleben

Einleitung

Unsere Vorstellungen, unsere inneren Bilder und Gedanken haben nach neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen einen viel größeren Einfluss auf unser Leben, als bisher angenommen. So können die Bilder und Gedanken in unserem Kopf nicht nur unsere Stimmung verbessern oder verschlechtern, sondern auch Einfluss auf unseren Körper und unsere ganze Existenz nehmen. Was wir uns vorstellen kann wahr werden.

Doch was heißt das? Kann alles wahr werden? Was dem einen unrealistisch erscheint, ist dem anderen nicht weit genug gedacht. Was die Mitte der Gesellschaft als unmöglich erachtet, ist dem Querdenker gerade deshalb sein Ziel. Wo letztlich die wirkliche Grenze des Machbaren liegt, entscheidet sich häufig in unserem Kopf. Dabei sind Hirnforscher, Psychologen, Neurobiologen und auch Genforscher in einem immer rasanter werdenden Zyklus von wissenschaftlichen Veröffentlichungen einem Phänomen auf der Spur, das Jahrtausende alt ist und doch unsere Zukunft erschüttern kann; einem Phänomen, das lange Zeit verschollen sein Dasein fristete und erst langsam wieder in das Bewusstsein der Menschheit zurückfindet: der Kraft des Gedachten.

Gedanken wirken sich konkret auf unseren Körper, unser Wohlbefinden, unseren Gesundheitszustand, sogar unser Aussehen aus. So kann das Gedachte ebenso eine Gänsehaut erzeugen wie einen wohligen Schauer, es kann den Blutdruck heben und senken, die Gefäße weiten und verengen, die Sehkraft vermindern oder stärken, die Haut blass und fahl oder rosig und zart machen. Gedanken können uns verbittert und alt oder auch jugendlich und spitzbubenhaft aussehen lassen.

Gedanken wirken auch dort, wo wir auf andere zugehen und auch in der Art und Weise, wie andere auf uns zugehen – sie beherrschen jeden zwischenmenschlichen Kontakt, jede Kommunikation und nicht nur das: sie entscheiden über Erfolg und Niederlage, über die Lebensqualität, gar über die Lebenslänge.

Denken kann aber noch viel mehr und macht selbst vor der Entwicklung unseres Gehirns nicht Halt: Unser Gehirn ermöglicht das Denken; die Art zu denken wiederum verändert das Gehirn. Denken wirkt sogar auf die genetische Ausstattung des Menschen: Indem es Verhalten und Wahrnehmung steuert und direkt die Umwelt in der wir leben beeinflusst, fließt es indirekt über epigenetische Anpassungen in unser Erbgut zurück. Gedanken verändern Gene.

Lange Zeit hielt man das Gedachte für einen isolierten, sehr persönlichen und vor allen Dingen versteckten Vorgang. Das, was Menschen denken, tun sie im stillen Kämmerlein. Dass Denken einen Einfluss auf unser Leben hat, ist zwar irgendwie schon jedem klar. Dass jedoch jeder Gedanke eine konkrete Auswirkung auf unser Leben hat, ist den Allermeisten aber nicht bewusst. Cogito ergo sum – Ich denke, also bin ich, sagte René Descartes schon 1640. Es war jener Philosoph, der die Zweigeteiltheit von Körper und Geist, heutzutage als Cartesianischer Dualismus bekannt – also die Trennung von Geist (Gehirn) und Materie (Körper), die bis heute das Denken in der westlichen Welt beherrscht, verankerte. Der Mensch sei ein rationales Wesen und kein emotionales Geschöpf, so Descartes‘ Kerngedanke.

Doch jeder Gedanke hat eine körperliche Auswirkung, auch wenn diese nicht auf Anhieb sichtbar oder messbar ist. Der Cartesianische Dualismus hat dazu geführt, dass beispielsweise die Schulmedizin die ganzheitliche Betrachtung des Menschen verloren hat – auch, weil es lange Zeit technisch nicht möglich war, die Auswirkungen des Gedachten zu messen. Auch heute ist dies nicht immer zweifelsfrei machbar. Jedoch lassen immer mehr Studienergebnisse darauf schließen, dass Gedanken und Vorstellungen keine lokal eingeschlossenen Impulse sind, sondern freie, ihre Wirkung entfaltende Größen.

Statt Descartes‘ Ich denke, also bin ich würde mir die Formulierung Ich bin, was ich denke, dass ich bin besser gefallen. Was uns zu der Frage bringt: Sind unser Leben, unsere Existenz und die Art, wie wir unsere Realität wahrnehmen, ein Produkt unserer Gedanken, oder sind unsere Gedanken eine Manifestation unseres Seins, also das Ergebnis der äußeren Realität?

In diesem Buch werden viele weitere Fragen gestellt. Welchen Einfluss haben Gewöhnung und Alltag auf unsere Gedanken? Und welchen Einfluss haben Gedanken auf den Alltag? Was hat Zielerreichung mit Gedankenkontrolle zu tun? Wie unterscheiden sich bewusste und unbewusste Denkinhalte? Wie beeinflussen Gedanken unsere Wahrnehmung? Kann der Mensch Gesundheit und Krankheit direkt und vor allem selbst steuern? Wie wirkt sich die Psyche auf unser Verhalten aus? Welchen Einfluss hat die genetische Ausstattung auf unser Dasein? Wie kann der Mensch all diese Zusammenhänge für ein sinnstiftendes Leben nutzen?

Komplexe Fragen, die hier beantwortet werden sollen. Es sollen zudem Menschen vorgestellt werden, die erstaunliche Wege gegangen sind: Was hat sie dazu befähigt Grenzen zu überschreiten? Ist jeder von uns in der Lage, Ähnliches zu bewirken? Oder ist das bestimmten Erbanlagen und Charakteren vorbehalten?

Im Schlusskapitel dieses Buches finden Sie eine Empfehlung, wie das Leben gelingt. Erschaffen Sie Ihr Leben neu. Dieses Buch ist das Sprungbrett dazu oder vielmehr die Lektüre am Abend vor dem Sprung. Wo auch immer dieser landet – danach wird alles anders sein!

Begleiten Sie mich durch viele interessante Studienergebnisse, Erkenntnisse und die Erlebnisse sehr interessanter Menschen bei einem Thema, das uns alle betrifft und jedem als Lebenshilfe dienen kann. Begleiten sie mich auf eine Reise, die weit über den aktuellen Forschungsstand hinausgeht und nicht nur Ihr Denken verändern könnte: Dieses Buch kann Ihr Leben verändern.

Meines hat es schon.

Jörg Sackers

Es gibt nur eine falsche Sicht der Dinge: Der Glaube, meine Sicht sei die einzig Richtige.

Nagarjuna, buddhistischer Philosoph (2. Jahrhundert)

Kapitel 1: Wahrnehmung – Wirklichkeit oder Fiktion?

Ein Mitarbeiter ist kurz vor seinem Jahresgespräch. Sein Vorgesetzter hat ihn vor einem Jahr persönlich eingestellt und bisher hat er sich als zuverlässig und umsichtig gezeigt. Ein guter Mann. Heute jedoch hat er die Palette Frischgemüse mit dem Gabelstapler auf den falschen LKW geladen. Diese ist am anderen Ende von Deutschland in Kiel gelandet, obwohl sie nach Südbaden sollte. Vor drei Wochen hatte ihr Mitarbeiter übrigens einen kleinen Zusammenstoß mit einem anderen Staplerfahrer; halb so wild, ein paar Kratzer an beiden Fahrzeugen, die Versicherung hat den Schaden übernommen.

Der Moment der Beurteilung naht. Die beiden Ereignisse trüben den Eindruck des ansonsten guten und zuverlässigen Mitarbeiters. Die Beurteilung ist mittelmäßig. Der Beurteilte ist ein wenig verdutzt – hat er doch seine Leistungen anders eingeschätzt als sein Vorgesetzter. Besser.

Der Vorgesetzte unterliegt einem klassischen Wahrnehmungsfehler, der in der Psychologie auch also Halo-Effekt (im Griechischen für Dunstkreis um Sonne und Mond) bezeichnet wird. Eine Eigenschaft, ein Vorkommnis oder eine Tätigkeit, die die restliche Leistung oder Eigenschaften überstrahlt, wird verstärkt wahrgenommen und überbewertet. Hinzu kommt: Kürzlich wahrgenommene Ereignisse wiegen schwerer als jene, die schon vor längerer Zeit passiert sind – das gilt für gute als auch für schlechte Leistungen. Menschen, die uns sympathisch sind, beurteilen wir außerdem milder, Urteile werden aufgrund des äußerlichen Gesamteindrucks gefällt usw.

Bei obigem Beispiel spielt es plötzlich keine Rolle mehr, dass der Mitarbeiter elf Monate tadellos funktioniert hat. Die beiden kurz aufeinanderfolgenden und in zeitlicher Nähe zur Beurteilung stehenden, wenn auch unabhängig voneinander und rein zufällig geschehenen Vorfälle, strahlen über die restliche gute Jahresleistung hinweg.

 

Die Arbeitsweise unseres Denkorgans

Unser Gehirn spielt uns viele solcher Streiche, das entspricht seiner Arbeitsweise: das Besondere wird verstärkt wahrgenommen und das Alltägliche verschwindet in Regionen des Unterbewusstseins. Die Daten sind weiter vorhanden, jedoch sind Wahrnehmung und Aufmerksamkeit nicht darauf fokussiert.

Muster erkennen, kategorisieren, Erfahrungen verarbeiten und Schubladen bilden: Vereinfacht gesagt funktioniert unser Gehirn so primitiv. Unachtsam tappen wir Menschen immer wieder in die gleichen Fallen, in die gleichen jahrtausendealten Mechanismen unserer Denkmechanik. Wir verkaufen panisch bei fallenden Kursen unsere Aktien und kaufen hastig bei steigenden, anstatt bei fallenden Kursen nachzukaufen und bei steigenden Gewinne mitzunehmen. Wir rennen der Herde hinterher, nur weil die Herde rennt und nicht, weil der Weg der Richtige ist. Wir sehen die hohe Rendite und beachten die Warnsignale nicht. Wir sitzen in der Badewanne und spüren nicht mehr, wie heiß das Wasser ist. Wahrnehmungsfehler gibt es allerlei. Oder nennen wir es mal Wahrnehmungsphänomene. Fehler klingt so nach Absicht – und genau das ist es ja nicht, sondern unabsichtlich oder auch unbewusst.

Wie der Mensch durch Aufmerksamkeit Wahrnehmungsfehler vermeiden kann, wird im Folgenden beschrieben.

 

Jeder hat die Freiheit, seine subjektive Realität zu beeinflussen.

Mihaly Csikszentmihaly, Psychologieprofessor

Bewusst sein

Wenn Gedanken fahrig umherschweifen, fühlen wir uns nicht nur unwohl und rastlos, sondern haben Schwierigkeiten, eine Tätigkeit mit Genauigkeit und Ausdauer zu erledigen. In seinem Buch Flow – das Geheimnis des Glücks1 beschreibt Mihaly Csikszentmihaly die heilsame Wirkung von Aufmerksamkeit und Flowerlebnissen. Unter Flowerlebnissen versteht Csikszentmihaly einen Zustand, der sich durch folgende Kriterien auszeichnet:

  • Die Zeit steht still. Stunden kommen einem vor wie Minuten.

  • Man ist hoch konzentriert und sehr produktiv.

  • Man empfindet ehrliche Freude und Glück.

  • Man ist erfüllt von einem Gefühl der Kontrolle.

Aufmerksamkeit ist die Grundlage für bewusstes Denken. Wenn wir unseren Geist kontrollieren und fokussieren können, schaffen wir eine innere Ordnung und eine Struktur unserer Ziele und Wünsche. Vergleicht man das Gehirn mit einem Computer, so entspräche das Bewusstsein dem Arbeitsspeicher mit den Dateien, an denen wir täglich arbeiten, und das Unterbewusstsein entspräche der riesigen Festplatte, die im Hintergrund alles speichert; die häufig genutzt wird, aber selten in Erscheinung tritt. Während also das Bewusstsein das Denken und Fühlen darstellt, das wir gezielt, geplant und kontrolliert ausführen, beherbergt das Unterbewusstsein die Summe aller Erfahrungen, Erlebnisse, alles was je gesagt, gedacht und gemacht wurde. Während das Bewusstsein uns zielgerichtetes Verhalten erlaubt, hat das Unterbewusstsein mit seinem riesigen Datenschatz natürlich ebenso Einfluss auf unser Handeln, aber eben häufig auf eine Art und Weise, dass uns das nicht bewusst ist.

 

Es, Ich und Über-Ich

Es war Sigmund Freud, der Vater der Psychoanalyse, der erstmals die Unterscheidung verschiedener Bewusstseinsstufen theoretisch fundierte. Freud sprach von drei Ebenen des Bewusstseins:2

Dem Es, das unsere triebhaften (unbewussten) Wünsche und Taten der Psyche symbolisiert. Das Es leitet Emotionen wie Liebe, Neid, Hass, aber auch physische Triebe wie Hunger und den Sexualtrieb.

Den zweiten Anteil unserer Psyche stellt das Ich dar, das für das vernünftige, bewusste, selbstkritische Denken steht. Das Ich ist das, was wir meinen zu sein. Es ist der Mittler zwischen Es und Über-Ich.

Das Über-Ich ist quasi die Idealvorstellung unserer Psyche von uns und der Welt. Es besteht aus unserem Gewissen, unseren Wertvorstellungen, es ist moralische Instanz und Gegenspieler des Es. Das Über-Ich gehört ebenfalls zum Unterbewusstsein, während das Ich das Bewusstsein darstellt. Das Bewusstsein ist lediglich ein kleiner Teil unserer Psyche. Psychologen sprechen auch vom Eisbergphänomen – demnach sind 90 Prozent unserer Denkanteile unbewusst.

Nach Freud entsteht ein Großteil der Motivation menschlichen Verhaltens aus dem unbewussten Konflikt zwischen den triebhaften Impulsen des Es und dem streng bewertenden Über-Ich.

Dr. Jonathan Haidt, ehemaliger Psychologieprofessor an der University of Virginia, vergleicht die verschiedenen Bewusstseinsebenen mit einem Reiter auf einem Elefanten3:

Wie jemand, der auf einem Elefanten reitet, kann der bewusste, vernunftbetonte Teil des Geistes das Verhalten des Elefanten nur sehr eingeschränkt kontrollieren. Der Elefant steht für das Unterbewusstsein, das deutlich größer und viel bestimmender ist als das Bewusstsein in Form des Reiters. Aufmerksamkeit willentlich zu steuern ist Bewusstseinskontrolle. Form und Inhalt des Lebens hängen davon ab, wie Aufmerksamkeit genutzt wird.

 

Priming oder: Wie ein Reiz Denken und Handeln beeinflusst

Kennen Sie den Begriff des Priming? In der Psychologie subsumieren Forscher darunter vielfältige stereotype Verhaltensweisen, die durch einen Hinweisreiz ausgelöst werden und eine ganz bestimmte Art von Verhalten zutage fördern. Das Priming-Konzept ist für das Verständnis unseres Verhaltens, stereotyper Einstellungen und unbewusster Verhaltensweisen von Bedeutung.

Folgendes Beispiel:

Zufällig ausgewählte Testpersonen absolvieren am Computer einen Test. Dieser setzt keine spezifischen Kenntnisse voraus. Die Probanden werden nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen unterteilt, wobei jede Gruppe den gleichen Test absolvieren muss. Es gibt allerdings einen Unterschied: Der ersten Gruppe von Testpersonen werden auf dem Desktop unmerklich Schlagwörter, die im Zusammenhang mit dem Begriff Alter stehen, blitzartig eingeblendet, sodass sie für die bewusste Wahrnehmung nicht erfassbar sind. Die Beispielwörter sind Demenz, Gebrechlichkeit, Krankheit, usw. Der zweiten Gruppe von Probanden werden analog dazu ebenfalls Begrifflichkeiten untergeschoben, die nicht bewusst wahrnehmbar über den Bildschirm flackern. Diese Begriffe haben mit den Überbegriffen Jugend und Intelligenz, Gesundheit und Kraft zu tun.

Nun sollte man meinen, dass diese Begriffe keinen Effekt auf die Testergebnisse hätten – jedoch weit gefehlt: Die Testpersonen der ersten Gruppe schneiden bei dem Test signifikant schlechter ab als die der zweiten Gruppe!4 Zufall?

Priming-Experimente gibt es zuhauf. Ihnen allen ist gemein, dass mit bestimmten Begrifflichkeiten, Situationen oder auch visuellen Reizen Eigenschaften verbunden werden (alt = gebrechlich, gebrechlich = weniger intelligent; jung = dynamisch), die sich in konkreten Verhaltensweisen äußern, unabhängig davon, ob diese Verhaltensweisen tatsächlich die Realität betreffen. So bewegen sich auf das Alter geprimte Menschen langsamer; Menschen werden im Krankenhaus hilfloser, in Pflegeheimen antriebsloser. Gegenteilig können Menschen – mit positiven Worten oder Reizen beglückt – selbstbewusster, lebendiger und lebhafter werden.

Das Priming-Konzept veranschaulicht drei erstaunliche Erkenntnisse:

  1. Wir sind uns der Motive unseres Handelns häufig nicht bewusst.

  2. Wir sind ungewollt sehr beeinflussbar.

  3. Wir können aus diesen Erkenntnissen erstaunliche Vorteile ziehen.

Priming ist prinzipiell nichts anderes als ein Vorurteil das, durch einen Auslöser hervorgebracht, eine bestimmte Verhaltensweise auslöst. Menschen, die auf den Begriff Fast Food geprimt werden, können durchaus eine schlechtere Verdauung entwickeln und andersherum können Menschen, die auf Vitalität geprimt werden, ebenso eine bessere Gesundheit entwickeln. Bei Testpersonen, die in einem Test mit Altersfragen konfrontiert wurden, wurde nach dem Test die Laufgeschwindigkeit von den Testräumlichkeiten zum Aufzug gemessen. Verglichen mit der Kontrollgruppe, die mit anderen Fragen befruchtet wurde, liefen die Teilnehmer der ersten Gruppe signifikant langsamer zum Aufzug als die Vergleichsgruppe.5

Ich gebe zu, dass solche Ergebnisse nicht bahnbrechend sind. Viel interessanter als die 1,5 Sekunden, die man am Aufzug verliert ist die Tatsache, dass unser Verhalten von stereotypen Gedankenmustern bestimmt wird und wir das nicht wahrnehmen oder wissen – oder vielleicht wissen, aber nicht wahrnehmen? Ach, es ist kompliziert.

Bemerkenswert ist immerhin, dass wir beispielsweise nicht nur übers Alter nachdenken, wenn wir mit Begriffen rund ums Alter umgehen, sondern wir verhalten uns im Anschluss auch älter. Im weitesten Sinne ist Priming eine Art Suggestivkraft: Ein bestimmter Zustand wird wahrgenommen und umgesetzt, der Gedanke oder die Vorstellung wird zu einem konkreten Zustand.

Nun muss ein Reiz nicht zwingend von außen kommen, damit Priming funktioniert. Da es sich um Suggestion handelt, spielt es für unsere Vorstellung keine Rolle, ob der Reiz von uns selbst oder von außen erzeugt wird. Oder anders formuliert: Priming kann zu unserem Besten genutzt werden, indem man sich solcher Mechanismen bewusst wird und konsequent zum Vorteil nutzt. Wir können die Suggestion selbst erzeugen, die uns in eine bestimmte Richtung primen soll. Näheres dazu werde ich Ihnen im Kapitel 5 erläutern.

Priming ist nicht der Heilige Gral der Verhaltensforschung. Der Verdienst der Priming-Studien liegt vielmehr darin, den Zusammenhang zwischen Wahrnehmung und Verhalten insbesondere im unbewussten Bereich aufzuzeigen. Im Kapitel 6 werden wir im Rahmen einer Studie von Prof. Ellen Langer, Psychologieprofessorin an der University of Harvard, erneut auf die erstaunlichen Auswirkungen von Priming zurückkommen.

 

Aufmerksame Wahrnehmung

Aufmerksamkeit hilft uns, die verborgenen Schätze unseres Unterbewusstseins zu heben und ins Bewusstsein zu hieven. Oh, das war mir gar nicht bewusst ist ein Ausdruck, den wir alle schon mal benutzt haben, beispielsweise auf die Bemerkung Du strahlst immer so eine Verbissenheit aus oder auch auf den Hinweis des Sitznachbarn Deine Hose ist offen. Es gibt auch Menschen, die ihre Hose bewusst offen haben, aber das ist ein anderes Thema.

Wer seine Aufmerksamkeit zu sehr auf die eigenen Bedürfnisse lenkt, wird beispielsweise blind gegenüber den Dingen, die in der eigenen Umwelt passieren. Fehlende Empathie ist somit auch ein Symptom beispielsweise einer Depression – die Aufmerksamkeit ist nach innen gerichtet, auf die eigene Unzulänglichkeit, die Wahrnehmung anderer Menschen zweitrangig. Die eigene Gefühlswelt steht im Vordergrund.

Diese Haltung trifft man auch bei Menschen, die sehr viel mit sich selbst zu tun haben; Egomanie oder Egoismus, wie auch immer wir solche Selbstzentrierung nennen wollen. Im pathologischen Sinne könnte man auch von Narzissmus sprechen. Die Außenreaktion ist häufig fatal: Die Mitmenschen wenden sich ab – wer findet schon einen Egomanen sympathisch und wer hat auf Dauer die Geduld, einem Depressiven zuzuhören? Die Folge sind Einsamkeit und die Erkenntnis, dass zu viel Aufmerksamkeit nach innen schädlich sein kann. Wir haben es selbst in der Hand, unsere Aufmerksamkeit auf die wichtigen Dinge zu lenken und so das Leben als wunderbar wahrzunehmen.

 

Was wir denken, bestimmt unser Sein

Bewusstsein ist subjektiv erfahrene Realität. Alles, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten, gelangt verstärkt ins Bewusstsein und findet hier besondere Gewichtung. Natürlich gibt es auch biologisch gesteuerte Aufmerksamkeit, wie beispielsweise Hunger, Durst, den Drang auf die Toilette zu müssen oder den Drang, dem Nachbarn eine reinzuhauen. Letzteres sollte man jedoch lieber unterdrücken, man spricht dann auch von Verdrängen; ganz im Gegensatz zum Toilettendrang, den man nicht unterdrücken und schon gar nicht verdrängen sollte. Ich sagte ja bereits: Es ist kompliziert.

Die Kontrolle über unser Bewusstsein ist ein Weg, um einen Teil unseres geistigen Apparates zu steuern und in Richtung unserer Wünsche zu lenken. Indem wir Absichten formulieren, Wünsche und Ziele planen und unsere Gefühle kontrollieren, steuert uns das Bewusstsein zu den Objekten unserer Begierde. Durch Achtsamkeit und Aufmerksamkeit nehmen wir all das, was wir uns wünschen, verstärkt wahr. Dieser Mechanismus bewusster Zielführung wird flankiert von einem viel größeren Apparat: der unbewussten Zielführung.

Doch bevor wir uns vertieft mit unseren bewussten und unbewussten Zielen auseinandersetzen, schauen wir doch mal, was Wahrnehmung, nebst dem eingangs beschriebenen Beispiel, für spannende Auswirkungen haben kann.

 

Sind wir das, was wir denken zu sein?

Wer bin ich eigentlich? Wer ist derjenige, den ich morgens im Spiegel ansehe? Als Erstes fällt mir der Pickel auf der Stirn auf: Mein Gott, gerade heute, wo ich den Vortrag halten soll! Drei Wochen habe ich an dieser Präsentation gearbeitet – der neue Innovationvorschlag für die Abteilung Duschvorhänge ist erst gestern Abend um 23 Uhr fertig geworden. Ich drücke und quetsche herum. Oh mein Gott, er wird größer und größer. Bloß nicht heute so ein rot blinkendes Monstrum auf der Stirn. Auf dem Weg zur Arbeit schaue ich in jede Fensterscheibe und sehe nur ihn, wie ein Kainsmal auf die Stirn tätowiert. Ich fühle mich unwohl vor all diesen Menschen zu sprechen und keiner interessiert sich für die Worte, die ich sage. Alle starren ausschließlich auf meinen Pickel.

Soweit meine Selbstwahrnehmung.

Die Fremdwahrnehmung sieht natürlich ganz anders aus. Vielleicht ist der Pickel gar keinem aufgefallen oder man hat ihm keine Bedeutung beigemessen. Dem Vortrag aber schon – und der war, na sagen wir mal durchwachsen. Der Referent (mit dem Makel auf der Stirn) wirkte nervös, unsicher, er ließ sich immer wieder ablenken, konnte dem Publikum nicht richtig in die Augen schauen und es schon gar nicht mitreißen. Alles in allem konnte das Konzept des Einmal-Duschvorhangs zum Duschen, abtrocknen und entsorgen zum (einmaligen) Preis von Euro 59,95 nicht überzeugen …

Was ist dort geschehen? Eine alltägliche Situation, auch wenn nicht jeder von uns untertellergroße Pickel auf seiner Stirn zur Schau trägt geschweige denn Duschvorhänge verkauft, bleibt die Frage: Was passiert, wenn Ängste unsere Wahrnehmung dominieren? Der Befehl den wir unserem Denkapparat erteilt haben (wenn auch unbewusst) lautete in diesem Fall: Riesigen Pickel fokussieren, man könnte sogar noch weiter gehen und sagen: Panik vor Vortrag lässt riesigen Pickel entstehen oder auch: Karriere scheitert an Pickel. Was jetzt hier ein bisschen lächerlich überzogen klingt, spielt sich als Grundprinzip im Inneren unseres Denksystematik ab: Wir fokussieren das, was unsere Gedanken und somit unsere Wahrnehmung dominiert – sprich, was uns beschäftigt und dem wir unsere Aufmerksamkeit widmen. Beschäftigt uns die Angst vor einem Vortrag, so fokussieren wir uns auf die Ängste – mit dem manchmal schlechten Ergebnis, dass sich genau diese bewahrheiten. Trifft dieses Phänomen zu, spricht man in der Psychologie auch von einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung, also einer Begebenheit, die leibhaftig wird, gerade weil wir sie befürchtet haben und unbewusst alles daran gesetzt haben, dass sie wahr wird. Die Strafe für unsere Ängste ist die Verwirklichung eben dieser. Gemein, oder?

Richten wir unsere Aufmerksamkeit auf einen Pickel auf unserer Stirn, nehmen wir jeden Blick, jede Äußerung, jede Geste oder Anspielung mit dem Filter dieses Fokussierens wahr. Unsere Aufmerksamkeit richtet sich nicht – wie eigentlich geplant – auf den Vortrag, also nach außen, sondern vielmehr auf unsere Befürchtungen, also nach innen. Die Unsicherheit bleibt dann auch nicht unbemerkt. Das Publikum vernimmt die offensichtliche Nervosität des Referenten und stempelt dies als fehlende Kompetenz ab. Die Angst vor dem Versagen wird plötzlich real. Die Prophezeiung erfüllt sich selbst.

In vielerlei Hinsicht macht es durchaus Sinn, dass uns unser Gehirn Fokussieren ermöglicht. Evolutionsbiologisch haben sich solche Mechanismen bewährt, sonst wäre diese Funktion im Laufe der Jahrtausende in einer immerwährenden Perfektionierung aussortiert worden: Wir gewinnen dadurch Zeit und sparen Energie. Wenn der Tiger vor der Höhle steht ist es hilfreich, das Wesentliche, nämlich den eigenen Hintern im Blick zu haben – und diesen möglichst rasch in Sicherheit zu bringen, vielleicht auf einen Baum. Wenn schnell reagiert werden muss, muss der Mensch Prioritäten setzen können und schnell das Richtige erkennen. Konnten Urzeittiger klettern?

Im Falle des Pickels oder anderer Makel ist dieses Denken natürlich kontraproduktiv, hat sich quasi verselbstständigt in einer Welt, wo nur selten akute Gefahr für Leib und Leben herrscht. Wahrscheinlich haben die meisten Zuhörer den Pickel gar nicht wahrgenommen. Unser Gehirn erschafft uns unsere eigene Wahrnehmung, unsere eigene selektive oder auch subjektive Realität. Wir sehen das, worauf wir uns konzentrieren. Wir sehen das, was wir sehen wollen.

Im positiven Sinne führt die selektive Wahrnehmung zu schnellen Ergebnissen und zur Erfüllung unserer Wünsche. Mehr dazu im folgenden Abschnitt.

 

Selektive Wahrnehmung für Ziele nutzen

Selektive Wahrnehmung beruht auf der Fähigkeit Muster zu erkennen. Das Gehirn ist ständig auf der Suche nach Mustern, um neue Informationen verarbeiten, abgleichen und kategorisieren zu können, und zwar, um möglichst viel Arbeitsspeicherkapazität zu sparen. Unser Gehirn ist ein Schotte, wenn es um Energieverbrauch und Speicherplatz geht. Denn immerhin benötigt unser Denkorgan ca. 20 Prozent der Glucosevorräte, die wir täglich zu uns nehmen, obwohl es nur 1,5 Prozent des Körpergewichtes ausmacht. Ein Reaktor, der Energie frisst. Muster zu erkennen bedeutet eine sortierte, strukturierte Umwelt – oder anders gesagt: Ordnung. Muster erkennen bedeutet auch Zusammenhänge zu erkennen, zu kategorisieren, abzulegen und keine weitere Aufmerksamkeit darauf zu verschwenden. Das ist die eine Seite der Medaille.

Doch unser Gehirn ist eine wahre Suchmaschine, was Muster anbelangt. Unser Gehirn ist Google. Und das können wir zu unseren Gunsten nutzen: Nehmen wir an, Sie haben in einer Zeitschrift ein bestimmtes Auto gesehen, sagen wir mal ein Audi-Cabrio. Sie haben sich in den Wagen verguckt und könnten sich durchaus vorstellen, so einen Wagen mit 72 Monatsraten und dem vorübergehenden Umzug (sechs Jahre) zurück zu Mama (back to the roots) zu finanzieren. Am nächsten Morgen gehen Sie aus dem Haus. Sie fühlen sich so fit, wie man morgens um halb sieben nun mal ist. Schon auf dem Weg zur Arbeit, auf dem Sie normalerweise gedanklich mit sich selbst beschäftigt sind und der immer wieder quälenden Frage, wieso ausgerechnet Sie so früh aufstehen müssen, sehen Sie Ihr Audi-Cabrio dreimal: zweimal in einem unauffälligen Schwarzton, einmal in elegantem Weiss. In dem endlosen Verkehrsstrom, der sonst wie ein grauer Fluss an Ihnen vorbeizieht, nehmen Sie plötzlich zwischen Hunderten von Automarken und -typen diesen einen besonders wahr: das Audi-Cabrio. Auch Cabrios anderer Automarken fallen Ihnen auf einmal vermehrt ins Auge. Komisch, hat jemand das Universum aufgefordert, mehr Cabrios auf die Straßen zu schicken? Hat Audi just heute begonnen Cabrios auszuliefern? Sie werden es sich denken können: mitnichten. Die waren gestern auch schon da, wahrgenommen haben Sie sie jedoch nicht.

Diesen Streich spielt uns unser Gehirn, wenn es selektiv wahrnimmt. Es filtert die Informationen entsprechend dem Filter, den Sie aufsetzen. Der Filter ist durch Erwartungshaltungen und Vorannahmen, Meinungen, Erziehung, Sozialisation, eigentlich alles was uns ausmacht, geprägt. Unser Gehirn spart damit Zeit und Energie. Schließlich muss der Mensch täglich zwischen 20.000 und 30.000 Gedanken verarbeiten. Das Gehirn ist also unablässig mit Denkvorgängen beschäftigt. Und auch von außen strömt eine Flut von Informationen und Eindrücken auf uns ein. Ohne die Selektion der Wahrnehmung wäre ein zielgerichtetes Denken und Handeln unmöglich.

Natürlich hat jeder seinen eigenen Filter – deswegen erlebt jeder auch seine eigene Realität. Die Befragung von sechs Augenzeugen nach einem Verbrechen bringt nicht selten sechs verschiedene Antworten, sagt Hauptkommissar Wenger von der Kripo München.6 Weil jeder etwas anderes für wichtig hält, jeder seinen eigenen Fokus hat. Für die Polizei, so Wenger, der seit 28 Jahren Polizist ist, ist es häufig nicht einfach, das Richtige herauszufinden, ohne Zeugen zu denunzieren oder Lügen zu strafen.

Selektive Wahrnehmung kann uns, wenn wir sie auf die bewusste Ebene führen, den Weg zu unseren Träumen und Wünschen ebnen! Dies gilt nicht nur in Bezug auf unser Traumauto, sondern in jeder Lebenslage. Probieren Sie es aus. Setzen Sie bewusster Akzente in Ihrem Denken und Ihre Wahrnehmung wird sich verändern.

Sie werden die Dinge klarer sehen, die Sie sehen möchten – Dinge, die immer da waren, nun aber, herausgefiltert aus dem Sturm der hunderttausend Eindrücke, die auf uns niederprasseln, zutage treten, als lägen sie auf einem silbernen Tablett vor Ihnen. Nutzen Sie Ihr Gehirn zu dem, wozu es fähig ist. Ihr Gehirn ist eine Suchmaschine und Sie geben die Suche in Auftrag. Das geschieht kontinuierlich. Wenn Sie es aber bewusst machen, können Sie diese geniale Fähigkeit zu Ihren Gunsten nutzen und Ihre Aufmerksamkeit durch selektive Wahrnehmung steuern, durch das Denken der richtigen Gedanken Ihren Zielen näher kommen, sie erblicken und wahrnehmen.

Das ist der Anfang – was uns zu der Frage bringt, was denn überhaupt ein Gedanke ist.

 

Was ist ein Gedanke?

Neurobiologisch ist ein Gedanke in erster Linie mal ein elektrischer Impuls. Eine Aktivität, die sich zwischen verschiedenen Nervenzellen abspielt. Manche Gedanken entwickeln wir bewusst – das heißt, wir geben sie quasi in Auftrag (denk doch mal nach …), viele aber schießen einfach so in unser Bewusstsein, ohne dass wir sie geplant haben. Häufig gibt es dafür einen Auslöser von außen – eine Geste, ein Wort oder eine Handlung. Gedanken entstehen auch aus Erlebnissen, Erfahrungen, Wünschen und Träumen, Vorstellungen und Bildern, aus Aufgaben und Arbeiten, aus Tätigkeiten und Plänen. Bei der Produktion eines Gedankens greift unser Gehirn meist auf Erinnerungen und Erlebtes zurück. Es schafft Verknüpfungen und Muster. Der Anblick eines Kaminfeuers kann uns den einschießenden Gedanken an den Kochherd liefern und die dazu passende Frage: Habe ich den Herd abgeschaltet, als ich die Wohnung verlassen habe? Eine Fernsehserie, in der sich ein Ehepaar streitet, kann Erinnerungen an das kriselnde Elternhaus wecken oder eigene Streitigkeiten ins Bewusstsein rufen. Das Spazieren im Wald ruft womöglich den herben Geruch des Rasierwassers des verstorbenen Großvaters gedanklich herbei – oder den Geschmack von Schnupftabak. Alle Sinnesorgane können bei der gedanklichen Vorstellung involviert sein.

 

Vom Gedanken zum Gefühl

Ein Gedanke ist also die Manifestierung einer unter Umständen unbewusst vorhandenen, abgespeicherten Erfahrung, Erinnerung, Handlung, eines Sinneseindruckes oder Erlebnisses. Der Gedanke führt aber erst dann zu einem Gefühl, wenn er eine gewisse Intensität entwickelt und durch die Ausschüttung von Botenstoffen ein Aktionspotenzial an der Zellmembran auslöst. Der Gedanke muss also eine gewisse kritische Größe überschreiten, damit aus dem Gedanken ein Gefühl entsteht und aus dem Gefühl wiederum eine körperliche Reaktion erwächst: das angenehme Schaudern beim Gedanken an den Sprung in einen kühlen Bergsee oder ein Gefühl der Wärme beim Gedanken an die warmen Sonnenstrahlen in der Frühjahrssonne, die freudige Erwartung vor dem Heiligabend, die bei Kindern schon Tage vorher ein Kribbeln in der Magengegend verursacht … das Wiedersehen des Liebsten lässt die Gedanken fahrig umherschweifen und bewirkt Schweißausbrüche, Nervosität und erhöhten Puls, vielleicht auch eine Gänsehaut. Der Gedanke selber ist dabei nicht sichtbar, nur seine körperlichen Auswirkungen sind es. Aber er ist da – und vor allem: Er ist immer zuerst da.

Das, was wir Menschen denken, wird durch ein Gefühl, das wir mit diesem Gedanken verbinden, zu einer körperlichen Reaktion. Das an sich ist schon erstaunlich. Ein Gedanke bleibt also nicht verborgen oder versteckt, sobald er eine gewisse Intensität erreicht. Er zeigt vielmehr konkrete Auswirkungen auf unser Befinden. Das, was wir denken, kann sich in Stimmungen, körperlichem Wohl- oder Unwohlgefühl ausdrücken – und vielmehr als das: es kann unsere Gesundheit beeinflussen, Krankheit, Erfolg oder Misserfolg bewirken. Dazu später mehr.

Das Wissen um die Gedankenwelt kann uns also auch zu unseren Zielen verhelfen. Wie wir nun wissen, führt uns die Art unserer Gedanken immer auch zu einer materiellen Manifestation, sobald ein Gefühl oder eine Emotion damit verbunden ist. Der Gedanke muss dazu eine gewisses Schwelle überwinden; durch das Lenken oder auch Fokussieren unserer Wahrnehmung auf die Dinge, die uns gedanklich beschäftigen, nehmen wir in der materiellen Außenwelt (im Gegensatz zur geistigen Innenwelt) die Subjekte unserer Begierde verstärkt wahr.

Doch aufgepasst! Pass auf, was du denkst – es könnte wahr werden: Ist der Filter, den wir unserer Wahrnehmung aufsetzen, negativ gefärbt, so ziehen wir automatisch das Negative in unser Leben. Denn das Prinzip des Wahrnehmungsfilters funktioniert für Krankheit und Armut genauso wie für Wohlstand und Gesundheit. Es gilt auch für Angst und Freude, für Glück und Abenteuer, für Pech und Unglück. Auch die Liebe oder der richtige Partner lässt sich so finden, aber auch Rosenkrieg und Trennung. Unser Gehirn setzt bei der Wahrnehmung unserer Umwelt eben jenen Filter ein, den man durch die Gedanken konstruiert. Unsere Gedanken sind also wie eine scharfe Waffe.

Mit diesem Bewusstsein sollten Sie ab heute Ihre Gedankenwelt mit größter Vorsicht behandeln. Sie halten den Schlüssel zu diesem Wunderland in der Hand. Missbrauchen Sie Ihre Macht nicht!

 

Geistesblitze

Es gibt auch Gedanken, die ohne einen bestimmten Auslöser entstehen: sogenannte Geistesblitze. Kurz nach dem Aufwachen ebenso wie während des Joggens kommen die besten Ideen, hört man von vielen Menschen. Doch wieso ausgerechnet dann?

Möglich wird dies durch das Ausbrechen aus den festgefahrenen Datenautobahnen und den fixen Mustern unseres Denkens, die uns während des Tagwerks fesseln: In der Phase kurz nach dem Aufwachen sind wir noch frei von festen Denkmustern. Weder ist die Aufmerksamkeit fokussiert und gebunden noch arbeitet das Gehirn im Routinemodus auf den eingefahrenen Pisten des Denkens. Es bietet sich die Möglichkeit neuer Gedankengänge und Vernetzungen, bevor wir zur Alltagsroutine und zur Neurodatenautobahn hinübergleiten. Auch beim Joggen ist unser Kopf leer. Wir müssen nicht konzentriert sein wie bei anderen Sportarten oder Tätigkeiten, die unsere ganze Aufmerksamkeit fordern. Die Gedanken können relativ frei umherschweifen.

In der Tat hat die Kreativitätsforschung gezeigt: Konzentrieren wir uns nicht gezielt auf eine Aufgabe, so ist unser Gehirn trotzdem vollauf beschäftigt.7 Studien haben bestätigt, dass das sogenannte Leerlauf-Netzwerk in unserem Gehirn immer dann anspringt, wenn das bewusste Denken erlahmt, wenn wir uns passiv verhalten und nur wenige Reize unsere Aufmerksamkeit erregen. Vermutlich macht unser Denkorgan in diesen Augenblicken, was es auch im Schlaf tut: Es verknüpft neue Informationen im Unterbewussten mit Erinnerungen und Emotionen und ebnet so auf komplexe Weise den Weg für ungewöhnliche Einfälle.

Dabei ist die Inspiration kein schneller Prozess, wie die Terminologie des Geistesblitzes suggeriert, im Gegenteil: Der Geistesblitz ist häufig ein Produkt mannigfaltiger Teildenkprozesse, die sich zu verwandten und uns beschäftigenden Themen in unserem Gehirn vollziehen. Der Geistesblitz ist zwar die plötzliche Verknüpfung dieser Gedanken und Wissensvorräte zu einem Konstrukt, das größer ist als die Summe seiner Einzelteile, aber der Weg dahin kann unter Umständen Jahre, wenn nicht Jahrzehnte benötigen. So wird eine Putzfrau nicht plötzlich die Eingebung zum Bau eines Atomreaktors haben, nur weil sie zweimal die Woche joggen geht (es sei denn, sie beschäftigt sich in ihrer Freizeit aktiv mit dem Prozess der Kernspaltung). Und der Gartenbautechniker wird nicht unbedingt eine neue Backmischung erfinden, was nicht heißt, dass dies nicht möglich ist.

Von der Idee zur Verwirklichung ist es dann aber noch ein langer Prozess. Man kann davon ausgehen, dass 99 Prozent der Ideen nie zu ihrer Verwirklichung streben. Thomas Alva Edison (1847–1931), einer der größten Erfinder aller Zeiten, unter anderem der Erfinder der Glühbirne (1879), sagte dazu:8 Ich bin ein guter Schwamm; ich sauge Ideen auf und mache sie nutzbar. Die meisten meiner Ideen gehörten ursprünglich Leuten, die sich nicht die Mühe gemacht haben, sie weiterzuentwickeln.

Edisons Verdienst ist nicht auf seine Erfindungen beschränkt. Es war auch seine Frustrationstoleranz gegenüber Fehlschlägen, die ihn so erfolgreich machte. So wird gesagt, dass es allein bis zur Marktreife der Glühbirne 1.000 fehlgeschlagener Versuche bedurfte. Die schriftlichen Aufzeichnungen zu diesem Projekt umfassen angeblich 40.000 Seiten. Edison war zudem nicht, wie häufig vermutet, der kauzige Erfinder, der allein in seinem ...

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