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Wo sind all die Schafe hin?

Thomas Reich

Wo sind all die Schafe hin?

Erinnerungen eines Drecksacks





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Der Drecksack

Personen:


Drecksack

Hirte

Schafe

Flotte Uschi

Pfarrer

Kanzel

Maren

Ehepaar Naumann

Dorfdepp

Penner

Arbeitskollege des Drecksacks

Auktionator

Feministin 1 und 2

Reporter

Junge aus Somalia

Bürgermeister

Bock


Erster Aufzug


Erste Szene


Eine Wiese, darauf eine Herde Schafe und der Hirte. Auftritt Drecksack.


Drecksack (zum Publikum): Ich vögele nicht mit

Kindern.

(zum Hirten gewendet): Ich vögle mit Tieren.

Hirte: Ach ihr seid´s, Meister Drecksack.

Drecksack: Sagt, Schäfer, vermietet ihr euer Vieh für sexuelle Dienste?

Hirte: Man lebt heutzutage nicht vom Schafe hüten allein. Durch die Prostitution meiner Tiere kommt wenigstens mein Zweitwagen über die Runden.

Er lächelt.

Mein Freund, euer Weg soll nicht umsonst gewesen sein. Für 50 Taler ist die Herde eine Stunde lang euer.

Drecksack: So will ich mich denn ans Werk machen.

Der Drecksack bürstelt die Schafe nacheinander durch.

Drecksack: Besten Dank, Schäfer. Hier sind eure 50 Taler.

Abgang Drecksack.

Hirte: Na, habt ihr jetzt genug für heute?

Schafe: Määä!

Hirte: Was sagt ihr, mehr wollt ihr? Sollt ihr haben!

Er bürstelt seine Herde durch.

Schafe: Määä!

Hirte: Habt ihr noch nicht genug? Ich kann auch anders!

Er bürstelt sie energischer durch.

Schafe: Määä!

Hirte: Verdammt, seid ihr gierig. Die Flausen treibe ich euch noch aus!

Er bürstelt sie noch energischer durch, ein paar Schafe bleiben bewusstlos liegen.

So, jetzt langt´s! Wir gehen nach Hause.

Abgang Hirt und Schafe.


Zweite Szene


In der Kirche. Der Drecksack sitzt in der ersten Reihe.


Drecksack (grölt): Wann wird denn hier endlich über Gott gelästert?

Pfarrer: Mein Herr, bitte mäßigen Sie sich, wir befinden uns in einem Gotteshaus- Gotteslästerung gibt es erst am Dienstag wieder. Solange müssen Sie sich gedulden.

Drecksack: Und was ist mit dem Freibier?

Pfarrer: Das kriegen Sie vorne in der Sakristei. Aber nun keine weiteren Störungen bitte, ich muss eine Kanzelbüttenrede halten.


Der Pfarrer besteigt die Kanzel.


Kanzel: Hilfe, Vergewaltigung! Ich werde bestiegen!

Pfarrer: Schnauze jetzt! Er tritt die Kanzel, diese verstummt.

Liebe Gemeinde, liebe Eunuchen

über die Heiden sollt ihr fluchen!


(Tusch von der Orgel)


Auch ihr Trinker, lasst net lumpe

trink ´mer noch ´n Humpe!


(Tusch von der Orgel)


Onan, dieser gute

greift sich an die Rute.

seine Frau, die kann da gar net lache,

muss sie nun alles selber mache!


(Tusch von der Orgel)


Liebe Närrinnen, liebe Narren

sollt an Witzen ihr nicht sparen.

Das war´s von mir, ihr Leute

Ich verlasse euch für heute.

Eins noch,

des weiß au die letzte Sau

es letzte Wort

des heißt Helau!


(Schlusstusch von der Orgel, der Pfarrer steigt von der Kanzel herab)


Nun zum vergnüglichen Teil: Die Ziehung der Sünde der Woche. Meine bezaubernde Assistentin Maren wird die Trommel drehen und mir das Los reichen.

Maren tut wie ihr geheißen.

Pfarrer: Gewonnen hat diese Woche...


(Trommelwirbel)


Herr Naumann! Sie haben ihre Frau betrogen. Herzlichen Glückwunsch, stehen Sie auf.

Frau Naumann: Du Schwein! Ich lasse mich scheiden.

Pfarrer: Und wieder ein glücklicher Gewinner. Ja, wenn wir uns an das Beichtgeheimnis halten würden, hätten wir nur halb soviel Spaß. Schade, dass schon Feierabend ist. Und denkt daran: Wer jetzt Amen sagt, fliegt raus. Wer Prosit sagt, bekommt ein Freibier in der Sakristei. Wolle ´mer de Sau rauslasse!


Dritte Szene


Zur selben Zeit hinter der Kirche.


Dorfdepp: Ich muss dir etwas gestehen- ich bin noch Jungfrau.

Flotte Uschi: aber das ist doch nichts Besonderes.

Dorfdepp: Ha- von wegen!


Er springt auf. Dabei sieht das Publikum seine weißen langen Unterhosen.


Ich bin Jeanne d´Arc, die Jungfrau von Orléans! Hüah, hüah, auf zur Bastille!


Er rennt furzend in den Park. Nach einer Weile hat er davon genug und beschließt, nach Hause zu fahren.


Dorfdepp (brüllt): Geht das mal weiter da vorne?!


Er betätigt die Lichthupe, sein Vordermann rührt sich nicht.


Dorfdepp: Na warte, dem fahr ich hinten rein!


Spricht´s und rauscht in den Baum. Im Hintergrund hört man das Lied „Da fliegt mir doch das Blech weg“. Eine einzelne Radkappe rollt verträumt zum Bühnenrand.


Zweiter Aufzug


Erste Szene


Am Ausgabefenster der Bahnhofsmission. Der Drecksack teilt gerade aus.


Penner: Nicht soviel, ich muss auf meine schlanke Linie achten.

Drecksack: Löblich, löblich. So gesundheitsbewusst.

Arbeitskollege (im Hintergrund): He Drecksack, Post für dich.

Drecksack: Post? Für mich? Lies vor.

Arbeitskollege: Lieber Drecksack, von der Oder bis zur Neiße alles Scheiße, dein Helmut. PS: Herzliche Flüche an die werte Gattin.

Drecksack: Das muss von meinem Vetter sein. Der schreibt mir immer so nette Briefe. Jedenfalls solange er mir keine Briefbomben schickt.

Arbeitskollege: Er schickt dir Briefbomben? Das ist ja schrecklich!

Drecksack: Iwo. Die macht immer meine Frau auf.

Arbeitskollege: Sag mal, kommst du auch heute Abend zur landwirtschaftlichen Ausstellung?

Drecksack: Dampft Scheiße? Aber klar doch!


Zweite Szene


Auf der landwirtschaftlichen Ausstellung. Es ist Versteigerung.


Auktionator: Wer bietet mir 15 Taler für dieses fette Schwein?

Herr Naumann: Unverschämtheit!

Er knallt dem Auktionator eine.

Auktionator: Offensichtlich ist dieses Schwein nicht verkäuflich. Kommen wir zum nächsten Objekt: ein kaum gebrauchter automatischer Nasenbohrer. Das Mindestgebot beträgt 8 Taler.

Hirte: Sagt, Meister Drecksack, was tut ihr eigentlich in eurer Freizeit?

Drecksack: Ich spiele Bockflöte.

Hirte: Bockflöte?

Drecksack: Ja. Aber der Bock mag es nicht, wenn ich mit seiner Flöte spiele. Doch sagt, was haltet ihr von dem automatischen Nasenbohrer?

Hirte: Ich bohre mir lieber im Ohr.


Von rechts zieht ein Protestmarsch über die Bühne, der ausschließlich aus Frauen besteht. Sie tragen Transparente mit Aufschriften wie „Rollmöpse- brutale Folter an der Frau“.


Feministin 1: Nieder mit den Rollmöpsen!

Feministin 2: Rollmöpse- das tut doch weh!

Feministin 1: Das Rollen tut schon weh genug, aber in Gläser quetschen? Nicht mit uns!


Sie treten auf der linken Seite der Bühne aus dem Bild. Dabei singen sie Sprechchöre.


Feministin 1 und 2: Unsere Möpse gehören uns!

Hirte: Habt ihr das gesehen? Unfassbar!

Drecksack: Stimmt. Was haltet ihr davon, wenn wir uns etwas zu essen holen?

Hirte: Wahrlich, eine hervorragende Idee. Wie wäre es mit äthiopischer Küche?

Drecksack: Klingt gut. Ich denke, ich nehme ein herzhaftes Nichts nach Art des Hauses, serviert im Blauhelm. Und zum Nachtisch einen Zahnstocher.


Hirte und Drecksack gehen ins Restaurant, das als gestreiftes Zelt im mittleren Bühnenbereich zu sehen ist. Neben dem Zelt steht ein Freudenhaus, auf dessen Fassade ein illustrer Slogan prangt: Morgens anal- abends elmex! Ein Fernsehwagen rollt auf die Bühne. Der Reporter und die Kameraleute steigen aus.


Reporter: Guten Abend, ihr Landeier. Wir befinden uns auf der alljährlichen landwirtschaftlichen Ausstellung in Bumsbüttel, wohl eine der größten im Lande. Wie sie sehen können, zwingt mich meine Mutter immer noch, in den Nachrichten Strapse zu tragen. Besten Dank, Mama. Doch wozu nachtragend sein? Ich werde mich mal mit dem kleinen Asylanten aus Somalia unterhalten, der dort am Brunnen steht.


Er geht zum Brunnen.


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