Logo weiterlesen.de
Wittenberg im Wandel

Mathias Tietke, Christine Schmidt-Wichmann, Steffen Hennig

Wittenberg im Wandel

Die 1980er Jahre und die Wende

Inhaltsverzeichnis

Mathias Tietke: Wittenberg im Wandel. Die 1980er Jahre und die Wende 7

Christine Schmidt-Wichmann: Mit der Kamera in der Innenstadt unterwegs8

Steffen Hennig: Von alten Ikarus-Bussen und Dampfloks 49

Mathias Tietke: Der Wandel ist das Beständige 85

Zwischen Möbelwerk, Elbe-Elster-Theater und Staffelei

Auf dem Dach und in den Parkanlagen

Erfahrungen mit der Staatssicherheit

Der Kirchentag im September 1983

Lektüre „1984“ oder „Nineteen Eighty Four“ von Georg Orwell

Einberufungsbefehl 1985

Düfte und sonstige Geruchseindrücke

Die 1980er Jahre, nach Lektüre von mehr als 3000 Seiten„Freiheit“, dem „Organ der Bezirksleitung Halle der Sozi-alistischen Einheitspartei Deutschlands“

Die Ausstellung „Juden der Lutherstadt Wittenberg im III.Reich“ vom 10. November 1988 bis 21. Mai 1989

Die Wende und die Kehrtwenden

Über den Verlauf der Veranstaltung „Lyrik-Spektakel“ im Kulturhaus „Wilhelm Pieck“ in Piesteritz

Die Zeit der Wende im Spiegel der Zeitung „Freiheit“

Mathias Tietke

Wittenberg im Wandel. Die 1980er Jahre und die Wende

Manchmal entstehen und entwickeln sich Buchveröffentlichungen durch den Faktor Zufall, meine Cousine würde von „göttlicher Fügung“ sprechen.

2018 sprach mich die Wittenberger Kinderbuchautorin Christine Schmidt-Wichmann an, die einst als Fotografin in Wittenberg tätig war, als man die Fotos noch in einem Fotolabor entwickelte. Sie hatte eine große Anzahl an Fotos und Negativen, die in den 1980er Jahren und in der Wendezeit entstanden und Gebäude sowie Geschäfte der Wittenberger Innenstadt zeigten.

Über Facebook erfuhr ich zudem von den privaten Aufnahmen alter Dampfloks und Ikarus-Busse, die Steffen Hennig in den 1980er Jahren gemacht hatte. Daraus entwickelte sich die Idee, dies mit eigenen Fotos und Erinnerungen an jene Zeit zu verknüpfen und in einem Buch zusammenzufassen.

Die nun vorliegende Ausgabe geht der Frage nach, wovon Wittenberg in den 1980er Jahre geprägt war. Was waren die herausragenden Ereignisse? In welchem Zustand befanden sich die Häuser? Womit bewegte man sich in und außerhalb der Stadt? Wie waren die Schaufenster gestaltet? Wo hatte Bäcker Karius seine Backstube? Worüber berichtete die Tageszeitung „Freiheit“, die sich als „Organ“ [sic!] der SED verstand?

Diese und weitere Fragen zum Charakter und Erscheinungsbild Wittenbergs in der Vorwendezeit und der Wende selbst beantwortet dieses Buch. Es enthält Texte und Fotos von Christine Schmidt-Wichmann, Steffen Hennig und Mathias Tietke und jeder der Genannten hat ein eigenes, in sich abgeschlossenes Kapitel.

Christine Schmidt-Wichmann

Mit der Kamera in der Innenstadt unterwegs

Ich bin eine gebürtige Wittenbergerin. Hier lebe, arbeite und liebe ich auch heute. Zur Kamera greife ich derzeit nur, wenn ich gerade Lust darauf habe. Ansonsten widme ich mich vor allem dem Illustrieren und Schreiben meiner Kinderbilderbücher.

Die Aufnahmen in diesem Buch belichtete ich Anfang der achtziger Jahre, während meiner Ausbildung zur Fotografin. Ich arbeitete dabei anfänglich ausschließlich mit einer Exa-1a, einer Kleinbildkamera. Meine allererste von zahlreichen Hochzeitsreportagen auf dem Wittenberger Standesamt und somit im prächtigen Renaissance-Rathaus wurde mit dieser Kamera realisiert. Dazu nutzte ich für die Innenaufnahmen lediglich ein Elgapress-Blitzgerät, allerdings ohne Synchronisation zur Exa-1a, versteht sich! Dieses Blitzgerät sorgte stets mit seinem Auflade-Piepton, dass niemand die wichtigsten Sekunden einer Trauung verpassen konnte. Für jede Aufnahme eines 36er Filmes wurden also Blitz und Kamera jeweils manuell eingestellt – natürlich auf die Sekunde genau. Heute ist dieser Arbeitsaufwand kaum noch vorstellbar. Aber damals lernte ein Fotograf von der Pike auf. Hierzu gehörte der Umgang mit Licht, Filmmaterial und Aufnahmetechniken. Üben war also angesagt, denn die Kamera besaß keine Belichtungsautomatik.

Die hier abgedruckten Fotos sind also Belichtungsübungen und es wurde nicht auf Sonnenschein gewartet. Es entstanden meistens eigentlich unspektakuläre Aufnahmen von Wittenberger Straßen, Gebäuden und Schaufenstern. Da zur Ausbildung das Archivieren von Negativen gehörte, wurden diese Aufnahmen schließlich ordentlich archiviert.

Jahrzehnte später, beim Räumen und Sortieren in meinem Archiv, wurde das Material erneut gesichtet und die Aufnahmen nachfolgend als interessant und für die stadtgeschichtliche Entwicklung als spannend empfunden. Nach einem Arbeitstreffen mit dem Buchautor Mathias Tietke im Café Altmann habe ich angefangen, viele dieser Negative erstmalig zu vergrößern. Zur Übung genügte ursprünglich ein optimal belichteter Film und Vergrößerungen wurden nicht gefertigt. Nun aber kam nach und nach zum Vorschein, was und wie sich in Wittenberg vieles verändert hat oder gar nicht mehr vorhanden ist. Die Fotos sind Dokumente des Wandels.

Markt mit (noch) historischem Brunnen, Luther- und Melanchthon-Denkmal

Markt 5