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Wissenschaftlich schreiben leicht gemacht

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Martin Kornmeier

Wissenschaftlich schreiben leicht gemacht

für Bachelor, Master und Dissertation

8., überarbeitete Auflage

Haupt Verlag

„Das ist ein häßliches Gebrechen, wenn Menschen wie die Bücher sprechen. Doch reich und fruchtbar sind für jeden die Bücher, die wie Menschen reden.“ (Oskar Blumenthal, 1852–1917)

Inhalt

1 Vorwort: ein Backrezept?

2 Das Drama mit dem Gugelhupf

3 Der Inhalt einer wissenschaftlichen Arbeit (Teil I): SIE bestimmen, welchen Gugelhupf Sie servieren

4 Der Inhalt einer wissenschaftlichen Arbeit (Teil II): Verarbeiten Sie nur Zutaten, die man für einen Gugelhupf benötigt!

5 Der Inhalt einer wissenschaftlichen Arbeit (Teil III): Rühren Sie Ihre Zutaten richtig zusammen!

6 Der Stil wissenschaftlicher Arbeiten: Damit Ihr Gugelhupf gelingt, brauchen Sie das richtige Händchen

7 Die Form wissenschaftlicher Arbeiten: Damit Ihr Gugelhupf wie ein echter Gugelhupf aussieht

8 Halten Sie sich an die Backzeit!

Niemand ist frei von Schwächen:

Haben Sie Fehler gefunden (Inhalt, Stil, Form)?

Kritik ist Ansporn:

Haben Sie Hinweise / Anregungen, die helfen, die Qualität des Buches zu verbessern?

Praxisbezug ist wichtig:

Haben Sie weitere konkrete Beispiele aus Seminar-, Studien-, Diplom-, Bachelor- oder Masterarbeiten? Stilblüten? Floskeln? Phrasen? Satz- oder Wortmonster?

Folgende Webseite führt Sie direkt zum Titel:

www.utb-shop.de/9783846350843

Hier haben Sie die Möglichkeit, das Buch zu bewerten, Ihre Meinung abzugeben (Rubrik „Leserbewertungen“) oder Fragen zum Buch zu stellen (Rubrik „Produktfragen“).

Ich freue mich auf Ihre Zuschrift!

Inhaltsverzeichnis

1 Vorwort: ein Backrezept?

2 Das Drama mit dem Gugelhupf

2.1 Thema Ihrer Bachelorarbeit: „Backen Sie einen Gugelhupf!”

2.2 Die vier Grundsätze von Bäcker Roth oder: „Wie man sich bei wissenschaftlichen Arbeiten korrekt verhält!”

2.3 „Scientific Googlehoopf“: Anforderungen und Qualitätskriterien einer wissenschaftlichen Arbeit

2.4 Jetzt ganz neu: „Gugelhupfrezept mit Backblockadenblocker!”

2.4.1 Piemont-Kirschen, Königsnüsse, Megaperls – und Schreibkrisen

2.4.2 „Schreibprobleme“ lösen – aber wie?

3 Der Inhalt einer wissenschaftlichen Arbeit (Teil I): SIE bestimmen, welchen Gugelhupf Sie servieren

3.1 Die Suche nach dem generellen Thema: Welchen Kuchen wollen Sie backen?

3.1.1 Hilfe bei der Themensuche

3.1.2 Was tun, wenn es Ihren Kuchen bereits gibt?

3.2 Die Suche nach der zentralen Forschungsfrage: Welches Rezept soll’s denn sein?

3.2.1 Beschreibung (Deskription)

3.2.2 Erklärung (Explikation)

3.2.3 Prognose

3.2.4 Gestaltung

3.2.5 Kritik (Bewertung) und Utopie

3.3 Formulieren Sie Ihr Thema möglichst präzise!

4 Der Inhalt einer wissenschaftlichen Arbeit (Teil II): Verarbeiten Sie nur Zutaten, die man für einen Gugelhupf benötigt!

4.1 Das Leid mit der Literatur

4.1.1 Qualität ist das beste Rezept

4.1.2 Die besten Zutaten finden: Strategien der Literaturrecherche

4.1.2.1 Methode der konzentrischen Kreise

4.1.2.2 Systematische Suche

4.1.2.3 Vorwärts gerichtete Suche

4.1.3 Kaufen Sie Ihre Zutaten nicht im nächstbesten Internetshop

4.2 Die Zutaten bereitlegen: Lesen und Exzerpieren von Texten

4.3 Nicht zu wenige und nicht zu viele Zutaten: Quantität der verarbeiteten Literatur

4.4 Geriebene Zitronenschale und ein paar Rosinen: Nicht nur die Literatur macht’s

5 Der Inhalt einer wissenschaftlichen Arbeit (Teil III): Rühren Sie Ihre Zutaten richtig zusammen!

5.1 Die Zutaten Schritt für Schritt dazugeben: Stellenwert der Gliederung

5.2 Die leidige „Einleitung“ (= 1. Kapitel)

5.3 „Grundlagen und Definitionen” (= 2. Kapitel)

5.3.1 Eigentliche Bedeutung von „Grundlagen und Definitionen”

5.3.2 Die Kurzgeschichte von der traurigen Definition mit ihren unendlich vielen Kindern

5.4 „Hauptteil”: Das Herzstück Ihrer Arbeit (= 3. Kapitel)

5.4.1 Die Zutaten stehen bereit – und nun?

5.4.2 Eigentliche Herausforderung: die Zutaten angemessen verarbeiten (= korrekter Umgang mit Hypothesen, Aussagen, Daten)

5.4.2.1 Hypothesen

5.4.2.2 Aussagen

5.4.3 Analyse empirischer Daten

5.4.3.1 Mehr als nur Häufigkeiten

5.4.3.2 Mit univariaten Verfahren in die eigentliche Analyse einsteigen

5.4.3.3 Mit bivariaten Analyseverfahren einfache Zusammenhänge entdecken

5.4.3.4 Klarheit im Datenwust: Multivariate Analyseverfahren

5.5 Der vernachlässigte „Schluss“ (= 4. Kapitel)

5.6 Die Zubereitung variieren: Mögliche Gliederungen einer wissenschaftlichen Arbeit

6 Der Stil wissenschaftlicher Arbeiten: Damit Ihr Gugelhupf gelingt, brauchen Sie das richtige Händchen

6.1 Sie backen – schreiben – für Leser!

6.2 Verwenden Sie die richtigen Wörter – und verwenden Sie die Wörter richtig!

6.2.1 Verben

6.2.1.1 Leisten Sie Verzicht auf Funktionsverben!

6.2.1.2 Achten Sie auf die „Stilhöhe”!

6.2.1.3 Reanimieren Sie tote Verben!

6.2.1.4 Doppelt quält besser: Pleonasmen und Verben mit unnötigen Vorsilben

6.2.1.5 Beizeiten das Tempus beherrschen

6.2.1.6 Hätte da was im Konjunktiv stehen müssen?

6.2.1.7 Sollten Passivsätze seitens des Autors vermieden werden?

6.2.1.8 Infinitive ad infinitum?

6.2.2 Substantive

6.2.2.1 Das Substantivaneinanderreihungsproblem …

6.2.2.2 … und das Problem der Aneinanderreihung von Substantiven

6.2.2.3 Ein konkretes Substantiv für einen konkreten Sachverhalt

6.2.2.4 Zu Ihrer Rückerinnerung ein Testversuch als Gratisgeschenk: keine pleonastischen Substantive!

6.2.2.5 (Wort-)Blähungen der besonderen Art

6.2.2.6 Geeignete Synonyme statt Wortwiederholungen

6.2.2.7 Männliche und / oder weibliche Ausdrucksform?

6.2.3 Adjektive

6.2.3.1 Misstrauen Sie Adjektiven!

6.2.3.2 Wählen Sie präzise Adjektive!

6.2.3.3 Sperren Sie schwarze Raben in die Vogelvoliere!

6.2.3.4 Adverb ≠ Adjektiv

6.2.3.5 Die maximalste Steigerungsstufe ist immer die optimalste! Oder etwa nicht?

6.2.3.6 Sie arbeiten nicht in der Kreativabteilung

6.2.4 „Simpel = unwissenschaftlich”? Zum Umgang mit Fachbegriffen, Fremdwörtern und Amerikanismen / Anglizismen

6.2.4.1 Muss man kasuistisch auf ein Kompendium extraordinärer Termini rekurrieren?

6.2.4.2 Fremdwort ≠ Fachbegriff

6.2.4.3 Weitere coole Infos

6.2.5 Präpositionen

6.2.6 Hinweise zur Wortwahl

6.2.6.1 Vorsicht vor Dickmachern: Füll- und Flickwörter

6.2.6.2 Nicht im Boulevardstil, nicht salopp

6.2.6.3 Der Kontext Ihrer Wörter ist wichtig

6.2.6.4 Versenken Sie Wortdreimaster!

6.2.6.5 Ich, wir oder man?

6.2.6.6 Anthropomor… was?

6.3 Sätze

6.3.1 Generelle Hinweise zur Formulierung von Sätzen

6.3.2 In der Kürze liegt die Würze!

6.3.3 Keine „russischen Puppen”!

6.3.4 Achten Sie auf den Satzbau!

6.3.5 Zeichnen Sie (Sprach-)Bilder!

6.3.6 Redewendungen sollten Sie korrekt aufs „Trapez” bringen!

6.3.7 War da was? Achten Sie auf Korrelationen!

6.4 Den Teig immer mal wieder probieren: Überarbeiten und korrigieren Sie Ihren Text gewissenhaft!

6.4.1 Machen Sie Ihre Arbeit zu einem eigenständigen Werk!

6.4.2 Stehlen Sie Ihren Lesern nicht die Zeit!

6.4.3 Lesen Sie den Inhalt Ihrer Arbeit laut vor!

6.4.4 Machen Sie den „Muttitest”!

7 Die Form wissenschaftlicher Arbeiten: Damit Ihr Gugelhupf wie ein echter Gugelhupf aussieht

7.1 Funktionen der Form

7.2 Stellenwert ausgewählter Formvorschriften

7.2.1 Rechtschreibung und Grammatik

7.2.2 Interpunktion: mehr als Punkt und Komma

7.2.2.1 Komma

7.2.2.2 Doppelpunkt

7.2.2.3 Gedankenstrich

7.2.2.4 Semikolon

7.2.3 Korrekte Zitierweise der verarbeiteten Literatur

7.2.3.1 Belegen der Literatur im Text

7.2.3.2 Ergänzende Hinweise zur korrekten Zitierweise

7.2.3.3 Angabe der Quellen im Literaturverzeichnis

7.2.4 Abbildungen, Tabellen, Grafiken

7.2.4.1 Stellenwert von Schaubildern

7.2.4.2 Hinweise zur Gestaltung von Schaubildern

7.2.4.3 Schaubildtypen

7.2.4.4 Korrekte Quellenangabe bei Abbildungen, Tabellen usw.

7.2.5 Mathematische Formeln und Gleichungen

7.2.6 Abkürzungen und Kurzwörter

7.2.6.1 Grü. f. d. bed. Eig. v. Abk.

7.2.6.2 In wissenschaftlichen Texten erlaubte Abkürzungen

7.2.6.3 Abkürzung von Zahlwörtern und Einheiten.

7.2.6.4 Abkürzungen und Kurzwörter: mit oder ohne Punkt?

7.2.7 Symbole

7.2.8 Zahlen

7.2.9 Kapitel, Absätze, Aufzählungen / Auflistungen, Hervorhebungen

8 Halten Sie sich an die Backzeit!

Literatur

Index

1

Vorwort: ein Backrezept?

Darf man das? Ein Buch, das sich einem überaus bedeutsamen und ernsthaften Thema widmet, mit einem Rezept beginnen? Ja, man darf: Zum einen rechtfertigt bereits die Anleitung zum Backen dieses Kuchens den Buchpreis; Sie werden dies feststellen, wenn Sie das Rezept „in die Praxis umsetzen“. Zum anderen – und dies ist das Entscheidende – erfüllt das Backrezept in diesem Buch eine sehr wichtige Funktion: Zusammen mit dem „Drama mit dem Gugelhupf“ steckt es den Rahmen ab. Ursprünglich war deshalb der Titel „Wissenschaftlich schreiben nach dem Gugelhupf-Prinzip“ vorgesehen.

Am Beispiel Kuchenbacken erläutert „Wissenschaftlich schreiben leicht gemacht“, wie man eine wissenschaftliche Arbeit schreiben sollte und warum dabei gewisse Anforderungen und Vorschriften zu erfüllen sind. Von der herkömmlichen, bisweilen schwer verdaulichen Literatur unterscheidet sich dieses Buch in vielerlei Hinsicht. Sein Schwerpunkt liegt NICHT bei jenen Themen, die häufig derart in die Breite und Länge gewalzt werden, dass der eigentliche Kern – das Schreiben (!) einer wissenschaftlichen Arbeit – mitunter kaum mehr sichtbar ist.

Wer im Folgenden Vorschriften zu Form und Formatierung (z.B. Seitenränder) sucht, wird enttäuscht sein.

Erwarten Sie auch keine nähere Information zum Unterschied zwischen Autorenkatalog, Schlagwort-, Signaturgruppen-, Interims- oder bspw. Zeitschriftenkatalog.

Erläuterungen zu den diversen Bibliotheksverzeichnissen und Diensten des Internets werden Sie ebenfalls nicht finden.

Greifen Sie auf andere einschlägige Werke zurück, wenn Sie sich über optimale Arbeitsbedingungen sowie über detaillierte Konzepte zu Projekt- und Zeitplanung wissenschaftlicher Arbeiten informieren wollen.

Diese und viele weitere ähnlich gelagerte „Fragen und Probleme“ zur Form und zur generellen Herangehensweise an wissenschaftliche Studien dürften Sie aber auch ohne „Tipps“ und dicke Bücher weitgehend problemlos bewältigen. Ihnen allen traue ich nämlich eine gehörige Portion Grips zu – schließlich hat man Ihnen die (Fach-)Hochschulreife bescheinigt, oder!?

Lassen Sie mich an dieser Stelle einige Vorurteile aus dem Weg räumen.

1. Wissenschaftler sind keine – pardon – Korinthenkacker, die in Ihrer Arbeit Formfehler zählen! Die eigentliche Funktion der Form ist wesentlich tiefgründiger, als man gemeinhin glaubt, und reicht weit darüber hinaus, dem Durchschnittsstudenten seine Schwächen in Orthografie und Interpunktion vor Augen zu führen. Eine Arbeit ist grundsätzlich dann formal korrekt, wenn der Leser die gebotene Information leicht aufnehmen kann. Im Übrigen ist eine formal korrekte Arbeit eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für ein gutes wissenschaftliches Werk: Wer vorschriftgemäß und fehlerfrei zitiert, hat damit noch keinen Beweis für seine etwaige Qualität als Student oder angehender Wissenschaftler erbracht.

2. Wissenschaftliche Einrichtungen sind keine Außenstellen von Werbeagenturen und wissenschaftliches Schreiben ist nicht in erster Linie eine Frage der Kreativität. Gefragt ist vor allem analytisches Denken! Niemandem ist daran gelegen, dass Sie in Ihrer Arbeit ein „hippes“, brandaktuelles Forschungsthema bearbeiten, welches Sie mit Kreativitätstechniken aus der Taufe gehoben haben (Motto: „Ich habe kein Problem, also suche ich eines.“). Die Darstellung einschlägiger Methoden (z.B. Strukturbaum, Analogierad) ist deshalb überflüssig und wäre in diesem Buch fehl am Platz.

3. Kein Wissenschaftler würde allen Ernstes von Ihnen verlangen, dass Sie sich mit Ihrer wissenschaftlichen Arbeit um den nationalen Preis für Buchdesign bewerben: Wer Nonsens in eine außergewöhnlich schöne Hülle verpackt, wird damit den Nonsens nicht kaschieren können.

„Harry Potter“, „Tintenherz“, „Der kleine Eisbär“, „Winnie Puuh“, „Winnetou“ oder „Benjamin Blümchen“ sind nicht vergleichbar mit Erfolgsfaktoren der Geschäftsanbahnung im B2B“, „Einflussfaktoren auf die Wahl der Markteintrittsstrategie“ oder „Verfahren zur Bestimmung von Preis / Absatz-Funktionen“. Als wissenschaftlich Arbeitende(r) müssen Sie sich keine spannenden Geschichten ausdenken und auch keinen Roman verfassen. Nicht zuletzt aus diesem Grund benötigen Sie auch keine „Tipps und Tricks“ gegen „Schreibblockaden“ oder „Schreibkrisen“. Wer daran leidet, sollte besser professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, bevor er sich an eine wissenschaftliche Arbeit wagt. Allerdings: Was landläufig (oder zu Werbezwecken?) als „Schreibblockade“ oder „Schreibkrise“ bezeichnet wird, sind meist nur all die Probleme und Problemchen, die für das Schreiben eines wissenschaftlichen Werks durchaus typisch sind und – neudeutsch – häufiger auch in Gestalt von „Schreibproblemen“ auftreten. Wer es nämlich nicht gewohnt ist, regelmäßig wissenschaftlich zu arbeiten, findet plausiblerweise nicht immer gleich den richtigen Zugang zur Arbeit – bspw. aus Mangel an Erfahrung. Wer die folgenden Seiten aufmerksam liest, wird erkennen, dass v. a. derjenige an „Schreibproblemen“ leidet, der sein Handwerkszeug nicht beherrscht (z.B. weil er seine Forschungsfrage nicht hinreichend konkretisiert – und verstanden! – hat). Sie – die „Schreibprobleme“ – lassen sich im Wesentlichen dadurch lösen, dass man das erforderliche Rüstzeug erwirbt und Routine im Schreiben entwickelt. Wie Sie dabei vorgehen sollten, steht in diesem Buch.

In „Wissenschaftlich schreiben leicht gemacht“ geht es vorzugsweise um Inhalt und Stil einschlägiger Werke (z.B. Bachelor-, Master- oder Diplomarbeiten, Dissertationen) sowie um die Gründe für all die Anforderungen an Form, Inhalt und Stil. Das Buch folgt dabei folgender Philosophie: Wer seine Leser davon überzeugen will, in einer gewissen Weise zu handeln (hier = wissenschaftlich schreiben), muss ihr Bewusstsein dafür schärfen, warum bestimmte Vorschriften zu erfüllen sind bzw. warum eine bestimmte Vorgehensweise naheliegt. Im Mittelpunkt stehen deshalb folgende Fragen:

Warum benötigen wissenschaftliche Arbeiten eine Forschungsfrage? Und worin unterscheiden sich z.B. deskriptiver und explikativer Forschungsansatz?

Wie sollte eine Gliederung aufgebaut sein? Und warum?

Weshalb ist ein „Theorieteil“ erforderlich? Braucht man ihn auch dann, wenn man keine theoretische, sondern „nur“ eine praxisorientierte Arbeit schreibt? Unterscheiden sich diese beiden Typen wissenschaftlicher Arbeiten überhaupt?

Was ist mit Stand der Forschung“ (= „State of the Art“) gemeint?

Wozu benötigt man Definitionen? Hypothesen? Wie formuliert man sie?

Warum ist Literatur so bedeutsam? Welche ist zu bevorzugen (z.B. Fachzeitschriften / Journals)? Wie bewertet man die Qualität der verschiedenen Literaturquellen?

Was sind Aussagen? Welche Funktion haben sie?

Warum erfordern wissenschaftliche Arbeiten einen bestimmten Stil (z.B. Argumentation, Schreibstil)?

Wie gelingt es, eine wissenschaftliche Arbeit lesefreundlich zu schreiben?

Welche Gründe sprechen dafür, bestimmte Formvorschriften einzuhalten?

All diese bedruckten Seiten verfehlen ihre Wirkung nicht, wenn Sie am Ende des Buches verstanden haben, dass Vorschriften zu Form, Stil und Inhalt nicht eingeführt wurden, um Ihnen das Leben möglichst schwer zu machen – im Gegenteil: Die vielfältigen Regeln und Hinweise sollen Ihnen dabei helfen, Ihr Wissen möglichst klar und präzise mitzuteilen – nicht mehr und nicht weniger.

„Wissenschaftlich schreiben leicht gemacht“ folgt einem handlungs- bzw. anwendungsorientierten Ansatz. Anhand einer Vielzahl konkreter Beispiele kann der Leser nachvollziehen, welche Möglichkeiten sich ihm bei der Gestaltung seiner wissenschaftlichen Arbeit bieten. Das Werk wendet sich an Studierende an allen Arten von Hochschulen und an Berufsakademien; auch Doktoranden finden viele Anregungen, z.B. zur Herangehensweise an umfangreichere Arbeiten und zum Schreibstil.

Die meisten der im Folgenden beschriebenen Beispiele stammen zwar aus den Wirtschaftswissenschaften; sie sind aber derart ausführlich dargelegt und allgemein verständlich, dass Vertreter aller Wissenschaften den Inhalt problemlos nachvollziehen und für sich nutzen können.

So, nun aber wird’s Zeit für das Rezept, mit welchem Sie garantiert einen exzellenten Gugelhupf backen werden. Sie werden sehen, es ist gar nicht so einfach, diesen schlichten Kuchen auf den Kaffeetisch zu zaubern. Man braucht Zeit, Geduld, die richtigen Zutaten und auch ein gutes Händchen für das „Zusammenmischen“.

In diesem Sinn: Viel Spaß und Erfolg beim Anfertigen Ihrer wissenschaftlichen Arbeit!

Sie „backen“ das schon!

Backrezept: der klassische Gugelhupf

Die Zutaten

1 Pfund Mehl

1 Teelöffel Salz

½ Pfund Butter

6 Eier

100 g Zucker

1/8 l Milch

60 g Rosinen

35 g Hefe

Etwas geriebene Zitronenschale

Die Zubereitung

Ein wichtiger Hinweis vorweg: Es ist überaus bedeutsam, dass Sie alle Zutaten lange und gut verrühren. Nur dann wird Ihr Gugelhupf auch garantiert gelingen.

In einem ersten Schritt müssen Sie die Butter schaumig rühren. Anschließend geben Sie abwechselnd Zucker, Salz, Mehl und Eier darunter – und zwar unter stetem Rühren, bis Sie alle Zutaten verwendet haben. Nun die mit lauwarmer Milch aufgelöste Hefe sowie die Zitronenschale daruntermischen. Danach wird der Teig so lange geschlagen, bis er Blasen wirft; anschließend die gewaschenen und gebrühten Rosinen dazugeben.

Die Gugelhupfform mit Butter bestreichen, mit Mehl bestäuben und mit geschälten Mandeln auslegen. Anschließend den Teig einfüllen und die Form an einen warmen Platz stellen. Der Teig muss nun 1 bis 1 ½ Stunden „gehen“; danach den Gugelhupf bei mäßiger Hitze (ca. 140 bis 160° C) ca. 45 Minuten backen.

2

Das Drama mit dem Gugelhupf

2.1 Thema Ihrer Bachelorarbeit: „Backen Sie einen Gugelhupf!“

Stellen Sie sich vor, Sie studieren „Bäckereiwesen“ und sollen eine Bachelorarbeit schreiben – Thema: „Backen Sie einen Gugelhupf“. Ihre Bearbeitungszeit beträgt drei Stunden; Sie gehen nach Hause und denken sich „Klar, Gugelhupf! Kein Thema! Kenn ich! Da gibt’s im Internet bestimmt „echt geile“ Rezepte. Und Zutaten hab ich ja auch zu Hause.“

Nach so viel Nachdenken setzen Sie sich erst einmal zehn Minuten aufs Sofa, um sich entspannt zurückzulehnen: „Gott sei Dank! Gugelhupf backen als Thema der Bachelorarbeit – und nicht etwa Berliner, Amerikaner, Kipferl oder ähnlich Kompliziertes. Hätte sonst echt voll schwierig werden können. Aber so! Wird echt voll easy!“ Nach zwanzig Minuten – Sie waren dann doch mal kurz eingenickt, was aber nicht weiter schlimm ist (geht ja dann doch alles ziemlich fix) – setzen Sie sich an Ihren Computer, um im Internet nach einem Rezept zu surfen.

Sie staunen nicht schlecht, als Sie feststellen, dass es nicht nur EIN Gugelhupfrezept gibt, sondern Hunderte! So finden Sie neben dem Elsässer Original u. a. das von der „Uroma überlieferte Rezept“ sowie den „Gugelhupf nach Großmutters Art“. Bereits Mozart scheint ein einzigartiges Rezept entwickelt zu haben; jedenfalls bietet man Ihnen das Rezept für einen „Mozart-Gugelhupf“ an. Neben Rezepten für Mohren- und Möhren-Gugelhupf stoßen Sie auf den Advent- und den Dominostein-Gugelhupf, der „schön weihnachtlich“ schmeckt. Wie wär’s mit einem Eierlikör-Gugelhupf – gerne auch in der Eierlikör-Mandel- oder Eierlikör-Schoko-Variante? Stutzig macht Sie der gerollte Quarkteig-Gugelhupf mit saftigem Teig und „variabler Füllung“ (ohne Ei!). Schließlich finden sich unter den Internetleckereien auch zahlreiche „deftige Gugelhupfs“:

Glühwein-Gugelhupf,

Pizza-Gugelhupf,

Gugelhupf mit Bier,

Schinken-Gugelhupf (zu Wein),

Brez’n Gugelhupf.

Dann vielleicht doch lieber die „Lightversion vom Gugelhupf“? Kein Problem – alles da.

Nach kurzem Überlegen – die Zeit läuft – entscheiden Sie sich ganz spontan für den Klassiker. Der Betreuer hat ja nix von einer „Spezialversion“ erzählt. Und außerdem: Wenn schon all die Bäcker dieser Welt sich nicht einigen können, wie ein echter Gugelhupf aussehen und schmecken muss, kommt’s wohl bei Ihnen als kleinem, unbedarftem Studenten des Bäckereiwesens schon gar nicht so genau drauf an, sich mit all den Varianten auseinanderzusetzen – so sinnvoll oder sinnlos all die Gugelhupfrezepte auch sein mögen.

Sie eilen zum Vorratsschrank, um die Zutaten zusammenzustellen. Wie war das noch gleich?

Ein Pfund Mehl? 500 Gramm – so viel!? Nun ja: 200 Gramm sind noch da. Muss reichen.

1 Teelöffel Salz? Massig da. Passt.

½ Pfund Butter. Butter? Nicht da; aber dafür hinreichend Margarine. Glück gehabt.

6 Eier? Jawohl. Haltbarkeitsdatum abgelaufen? Wurscht. Merkt der Korrektor ohnehin nicht.

100 g Zucker. Kandiszucker wird’s wohl auch tun. Sooo kleinlich wird der Betreuer der Bachelorarbeit ja wohl nicht sein.

1/8 l Milch? Heute morgen den Rest getrunken, aber die kann man sich ja vom WG-Nachbarn „leihen“.

35 g Hefe. Nicht da. Aber was sind schon 35 Gramm, da kann man mal locker drauf verzichten.

60 g Rosinen? Nö, Weintrauben tun’s auch.

Etwas geriebene Zitronenschale? War da nicht noch irgendwo eine Mandarine von Weihnachten?

Mandeln? Fehlanzeige. Ist aber ohnehin nur Schnickschnack, den Kuchen zu verzieren.

In null Komma nix haben Sie alle Zutaten zusammengetragen – und atmen erst einmal tief durch. Die Zeit, die Sie durch das Einnicken auf dem Sofa verpennt haben, konnten Sie durch das Internet zumindest teilweise wettmachen. Und die Zutaten haben Sie ja auch alle parat. Logo!

So. Nun aber nix wie ran an die Buletten. Der Kuchen sollte nämlich möglichst ein bisschen früher fertig werden; denn schließlich wollen Sie heute mit Kommilitonen schon mal auf den zukünftigen Bachelor anstoßen. Und mit dickem Kopf backt’s sich schlecht.

Sie hauen also erst einmal alle Zutaten in die Schüssel. Zwar steht auf dem Rezept, dass es wichtig sei, Zucker, Mehl und Eier abwechselnd und unter ständigem Rühren unter die Butter zu geben; aber zum einen haben Sie’s eilig, zum anderen – so besagt ein altes Sprichwort – kommt im Magen ja sowieso alles zusammen. Und außerdem: Wichtig ist, wie der Kuchen am Schluss aussieht – und da haben Sie schon eine echt total tolle Idee, mit der Sie Ihren Betreuer echt voll total überraschen werden! Der kann dann einfach nur ’ne echt total gute Note drauf geben, es sei denn, der hat keine Ahnung von Desktop-Publishing – sorry: von modernem Kuchendesign.

Das Rühren des Teigs macht Ihnen dann doch etwas Mühe, da Sie keinen elektrischen Rührbesen besitzen. Um beim Verrühren mit dem Kochlöffel nicht allzu sehr ins Schwitzen zu geraten, brechen Sie den „Prozess“ nach gut einer Minute ab, da dann alles schon „ziemlich gut vermischt aussieht“. Nun geben Sie noch eine gehörige Portion Salz hinzu. War zwar nicht erforderlich, haben Sie aber hinreichend im Vorratsschrank. Warum also nicht!?

Damit der Gugelhupf auch als solcher erkennbar ist, sollte er (eigentlich) in einer typischen, hohen Kranzform (aus Metall oder Keramik mit einem „Kamin“ in der Mitte) gebacken werden; diese ähnelt der klassischen Puddingform und lässt den Teig gleichmäßig garen. Da Sie eine solche Form nicht besitzen („Ist voll teuer!“) und Ihren Betreuer ja ohnehin mit einem speziellen Äußeren überraschen wollen, beschließen Sie, einen Kontrapunkt zu setzen: Sie nehmen die Kastenform, die Ihnen Ihre Mutter zu Studienbeginn aus dem Altbestand überlassen hat. Das wird den Korrektor aber überraschen! Der vermutet bestimmt, dass Sie damit was ganz Besonderes ausdrücken wollen. Dass Sie gar keine passende Form haben, erkennt der im Leben nicht.

So. Nun den Gugelhupf noch kurz gehen lassen. Da Sie sich beim „Erstellen“ des Kuchens in der Zeit verschätzt haben, müssen 45 Minuten, in denen der Kuchen gehen kann, einfach reichen. Das Werk muss auf jeden Fall pünktlich fertig werden … Bachelor-Vorfeiern steht ja heute noch auf dem Programm!

Nach einer Dreiviertelstunde hat sich der Kuchen keinen Millimeter nach oben bewegt (wie auch – ohne Hefe!), weshalb Sie beschließen, Trick 17 anzuwenden: Sie lassen den Kuchen einfach etwas länger backen und drehen die Backtemperatur hoch! Die Hitze wird dem guten Stück schon Beine machen (he, he!). Als der Gugelhupf nach der vorgesehenen Backdauer noch immer nicht gegangen ist, werden Sie langsam unruhig und rufen – selbstverständlich rein prophylaktisch – Ihren Betreuer an: Er soll sich keine Sorgen machen. Sie haben alles im Griff – Sie wollen den Kuchen einfach etwas länger backen lassen, weil eben … künstlerische Freiheit. 15 Minuten später als ursprünglich vorgesehen holen Sie Ihr Meisterstück aus dem Ofen, aus dem es bereits gewaltig raucht. Allerdings hat die extra Hitze – das erkennen Sie auf den ersten Blick – nicht zu dem erhofften Resultat geführt. Angesichts der zahlreichen verkohlten Stellen beschließen Sie, den Titel Ihrer Arbeit leicht zu modifizieren: Sie verkaufen ihn einfach als „Dunklen Zwerg-Gugelhupf: Backresultat unter besonderer Berücksichtigung zusätzlicher Hitzezufuhr“.

Glücklich reichen Sie Ihr Werk nach drei Stunden und 15 Minuten bei Ihrem Betreuer ein. Dieser reibt sich verwundert die Augen, flucht (weil er sich an dem noch heißen Kuchen die Finger verbrennt), schneidet auf, probiert – und lässt Sie durchfallen. Die ganze Mühe – umsonst.

Was war schiefgelaufen?

Es ging das schief, was auch bei manch einer wissenschaftlichen Arbeit danebengeht. Wie Sie der Gegenüberstellung in Abb. 1 entnehmen können, sind zwischen dem Backen eines Kuchens und dem Anfertigen einer wissenschaftlichen Arbeit (hier = Bachelorarbeit) zahlreiche Parallelen zu erkennen. Beispielsweise sind in beiden Fällen die Zutaten sehr bedeutsam – statt Eiern, Mehl usw. eben Literatur, Ergebnisse empirischer Studien oder etwa Resultate einer eigenen Befragung. Eine ganz entscheidende Rolle spielt überdies die Art der Zubereitung (d.h. Gliederung, Argumentation, Stil usw.). All dies sind äußerst wichtige Elemente, die im Folgenden beschrieben werden und deren Bedeutung eingehend zu diskutieren sein wird.

Abb. 1: Kuchen backen und wissenschaftliches Arbeiten: Gemeinsamkeiten

Was beim Backen schieflief: Was beim Verfassen einer Bachelorarbeit geschehen würde:
Sie „verpennen“ einen Teil Ihrer Zeit und schenken der Vorbereitung auf das Backen zu wenig Aufmerksamkeit. Sie nehmen sich zu wenig Zeit, um Ihre wissenschaftliche Arbeit vorzubereiten (z.B. Suche nach einem geeigneten Thema / nach einer unbeantworteten Forschungsfrage; Literaturrecherche). Sie verpassen damit die Gelegenheit, Ihre Forschungsfrage zu präzisieren. Außerdem vertrödeln Sie wertvolle Zeit, die Ihnen später fehlen wird.
Sie verzichten auf Hefe. In einer wissenschaftlichen Arbeit ist die Forschungsfrage das Backtreibmittel; denn wenn Sie keine konkrete Vorstellung davon haben, was Sie tatsächlich erforschen wollen, dann fehlen Ihnen auch Ziel und Antrieb (= Impetus). Fragen Sie sich also: „Welche Forschungsfrage bewegt mich wirklich? Was will ich mit meiner wissenschaftlichen Arbeit erreichen?“
Sie verwenden weniger Mehl als vorgeschrieben. Ihrer Arbeit mangelt es an Substanz: Da Sie viel zu wenig Literatur verarbeiten, können Sie nicht oder nur wenig fundiert argumentieren.
Statt Butter nehmen Sie Margarine. Sie verarbeiten keine oder zu wenig hochwertige Literatur bzw. Information (z.B. Beiträge aus Fachzeitschriften / Journals).
Sie verwenden Eier mit abgelaufenem Haltbarkeitsdatum. Ihre theoretischen und empirischen Befunde stammen überwiegend aus alten bzw. älteren Quellen. Wegen der Halbwertszeit des Wissens und der Schnelllebigkeit mancher Themen ist es jedoch unabdingbar, (auch) aktuelle Befunde zu verarbeiten. Diese finden sich vorzugsweise in Journals bzw. Fachzeitschriften (z.B. Zeitschrift für Betriebswirtschaft, Journal of Management).
Sie verzichten auf die Zitronenschale; statt Rosinen nehmen Sie Weintrauben. Die Qualität Ihrer Arbeit hängt nicht nur von der verwendeten Literatur ab: Sie können den Inhalt auch dadurch anreichern und aufwerten, dass Sie bspw. eine eigene Primärstudie durchführen (z.B. Befragung) oder vorhandene Daten auswerten (= Sekundäranalyse).
Sie versalzen den Kuchen. Praxisbeispiele, d.h. konkrete Fälle und Ereignisse, die sich in der Realität (z.B. in Unternehmen, bei Konsumenten, in der Politik) zugetragen haben, sind das „Salz in der Suppe“ vieler wissenschaftlicher Arbeiten. Aber eben nur das Salz. Zu viel davon verdirbt den guten Geschmack: Auch mit noch so vielen Beispielen können Sie letztlich nichts beweisen. Grundsätzlich gilt: Sie benötigen zunächst ein theoretisches Fundament und erst dann – quasi zur Illustration – reale Beispiele, die Ihre Darstellung greifbar machen.
Die Milch „leihen“ Sie sich vom Nachbarn. Eine wissenschaftliche Arbeit müssen Sie eigenständig verfassen. Eigenständigkeit meint selbstverständlich auch, dass SIE für Inhalt und Beschaffung der Quellen bzw. Informationen (= Zutaten) zuständig sind.
Anstatt Schritt für Schritt vorzugehen, geben Sie alle Zutaten zugleich in einen Topf. Weil Ihrer Arbeit ein entscheidungslogischer Aufbau fehlt, können Sie nicht strukturiert vorgehen. Dies ist jedoch unabdingbar; denn ohne eine schlüssige (äußere) Gliederung ist eine konsistente (innere) Struktur nicht möglich.
Sie nehmen nicht den feinen Zucker, sondern groben, schwer verdaulichen Kandiszucker. Sie verzichten darauf, zu argumentieren und die in der Literatur gefundenen Aussagen „auseinanderzunehmen“. Stattdessen legen Sie dem Leser die Brocken unverdaut vor. SIE aber sind gefordert, sich mit Ihrem Thema auseinanderzusetzen, Lösungen zu erarbeiten, Konsequenzen abzuleiten, Statements zu begründen, Probleme aufzudecken und und und. Kurzum: Machen Sie aus dem Kandiszucker Feinstaub!
Sie rühren lediglich ein paar Mal um. Mit Ihrem Text und Ihrem eigentlichen Thema beschäftigen Sie sich nur sehr oberflächlich. Eine intensive Auseinandersetzung ist aber gerade bei wissenschaftlichen Arbeiten unabdingbar. Es genügt auf keinen Fall, Zitat um Zitat aneinanderzureihen. Entscheidend ist vielmehr, was Sie daraus machen, d.h. WIE Sie mit diesen Zutaten umgehen (z.B. Art der Argumentation, Kritik usw.).
Statt moderner Hilfsmittel (hier = Rührbesen) nehmen Sie den Kochlöffel. Moderne Hilfsmittel wie PC, Drucker und Internet erleichtern Ihnen die Arbeit und sind deshalb auch und gerade in der Wissenschaft nahezu unverzichtbar. Allerdings kommt es immer darauf an, wie Sie diese Instrumente einsetzen. Es versteht sich z.B. von selbst, dass Sie im Internet veröffentlichte Arbeiten Dritter nicht verwenden dürfen, ohne die entsprechende(n) Quelle(n) anzugeben.
Sie setzen auf ein eigenes Design: Statt der für den Gugelhupf typischen Kranzform verwenden Sie eine Kastenform. Sie halten sich nicht an Formvorschriften (z.B. Korrekturrand, Seitenränder, Zitierweise, Gestaltung der einzelnen Seiten). Diese Regeln haben jedoch äußerst wichtige Funktionen. Beispielsweise dient der Seitenrand dazu, Korrekturen anzubringen.
Sie verzichten auf Mandeln als „Appetizer“. Abbildungen und Tabellen fertigen Sie „nach Gusto“ an, ohne deren Wirkung und Bedeutung für Ihre Argumentation zu beachten. Allerdings sind Grafiken für eine wissenschaftliche Arbeit äußerst wichtig: Sie

fassen das Gesagte zusammen,

eignen sich zur Darstellung komplexer Zusammenhänge,

sind „Eye-catcher“, die den Leser neugierig machen.

Sie haben zu wenig Zeit, den Kuchen gehen zu lassen. Wegen mangelhaften Zeitmanagements haben Sie am Ende keine Gelegenheit, Ihre Arbeit ein paar Tage ruhen zu lassen bzw. Freunden und Bekannten zu geben, die einen kritischen Blick darauf werfen könnten.
Sie überschreiten die Backzeit. Wer zu lange an seiner Arbeit „herumdoktert“, läuft Gefahr, sie zu „verschlimmbessern“. Der Satz „Viel hilft viel.“ trifft nicht immer zu.
Sie wählen eine zu hohe Backtemperatur. Mangel an Zeit erhöht den Druck und führt u. a. zu einem Schlafdefizit. Die Konsequenz sind z.B. Flüchtigkeitsfehler aufgrund von ungenügender Konzentration.

2.2 Die vier Grundsätze von Bäcker Roth oder: „Wie man sich bei wissenschaftlichen Arbeiten korrekt verhält!“

Geben Sie bei Google doch mal „Grundsätze Bäckerei“ ein! Sie stoßen dann u. a. auf die Bäckerei Roth, die mit ihren Grundregeln exemplarisch für viele Vertreter ihrer Zunft steht:

traditionelles Handwerk,

voller Geschmack,

natürliche Zutaten,

ehrliche Deklaration.

Oder anders formuliert: Jene Bäcker, für die der Slogan „Erstklassiges Handwerk!“ mehr als nur eine Floskel ist, legen offenbar großen Wert auf

STILvolle Backwaren mit exquisitem Geschmack durch traditionelles Handwerk,

Backwaren mit INHALT (aufgrund hochwertiger Zutaten),

EHRLICHKEIT!

Da wir Inhalt, Stil und auch Form wissenschaftlicher Arbeiten noch eingehend beleuchten werden, sei an dieser Stelle die besondere Bedeutung der Ehrlichkeit betont, denn: „Wissenschaft ist die Suche nach Wahrheit. Der redliche Umgang mit Daten, Fakten und geistigem Eigentum macht die Wissenschaft erst zur Wissenschaft. Die Redlichkeit in der Suche nach Wahrheit und in der Weitergabe von wissenschaftlicher Erkenntnis bildet das Fundament wissenschaftlichen Arbeitens“ (Albers u. a. 2012, S. 2).

Aus diesem Grund haben der Allgemeine Fakultätentag, die Fakultätentage sowie der Deutsche Hochschulverband 2012 in einem gemeinsamen Positionspapier Grundsätze guter wissenschaftlicher Praxis für das Verfassen wissenschaftlicher Arbeiten formuliert, die für Vertreter aller Wissenschaftsdisziplinen gelten sollen.

Grundsätze wissenschaftlicher Arbeiten (Bachelorarbeit, Masterarbeit, Dissertation, Habilitationsschrift)

„1) Originalität und Eigenständigkeit

Originalität und Eigenständigkeit sind grundsätzlich die wichtigsten Qualitätskriterien jeder wissenschaftlichen Arbeit. Dabei werden an diese Kriterien je nachdem, welche Qualifikation mit der Arbeit nachgewiesen werden soll, gestufte, sich steigernde Anforderungen zu stellen sein. Die Güte einer wissenschaftlichen Qualifikationsarbeit bemisst sich – insbesondere in den Geistes- und Sozialwissenschaften – aber auch nach der Fähigkeit des Autors, fremden Gedankengängen und Inhalten aus wissenschaftlichen Vorarbeiten vor dem Hintergrund eigener Erkenntnis einen eigenen sprachlichen Ausdruck zu verleihen. Erst mit diesem mit Zitaten bzw. Verweisen belegten Vorgang macht sich ein Verfasser fremde Gedanken und Resultate legitimerweise zu Eigen. Insbesondere in den Natur- und Ingenieurwissenschaften beweist sich Originalität und Eigenständigkeit im experimentellen Design, der kritischen Analyse und Wertung der Daten und der Fähigkeit, in differenzierender Weise erhobene Ergebnisse in den wissenschaftlichen Kontext einzubinden.

2) Recherche und Zitation

Alle Qualifikationsarbeiten erfordern ein korrektes und sorgfältiges Recherchieren und Zitieren bzw. Verweisen. Durchgängig und unmissverständlich muss für den Leser erkennbar sein, was an fremdem geistigem Eigentum übernommen wurde. Was wörtlich und gedanklich entlehnt wird, muss deutlich erkennbar sein.

3) Einflüsse

In Qualifikationsarbeiten sollten stets alle (externen) Faktoren offen gelegt werden, die aus der Sicht eines objektiven Dritten dazu geeignet sind, Zweifel am Zustandekommen eines vollständig unabhängigen wissenschaftlichen Urteils zu nähren. Sinnvoll erscheint es auch, die Förderung eines Werkes durch Stipendien, Drittmittel oder wirtschaftliche Vorteile kenntlich zu machen.

4) Zuschreibung von Aussagen

Zu den Grundregeln wissenschaftlichen Arbeitens gehört, dass der Autor sorgfältig darauf achtet, zitierten Autoren keine Aussagen zu unterstellen, die diese nicht oder nicht in der wiedergegebenen Form gemacht haben.

5) Übersetzungen

Wer fremdsprachliche Texte selbst übersetzt, hat dies unter Benennung der Originalquelle kenntlich zu machen. Gerade bei einer ‚sinngemäßen Übersetzung‘ ist darauf zu achten, dass dem übersetzten Autor kein Text unterstellt wird, den er mit diesem Inhalt nicht geäußert hat. Wer sich auf Übersetzungen Dritter stützt, hat dies kenntlich zu machen.

6) Fachspezifisches Allgemeinwissen

Das tradierte Allgemeinwissen einer Fachdisziplin muss nicht durch Zitierungen bzw. Verweise nachgewiesen werden. Was zu diesem Allgemeinwissen zählt, ist aus der Sicht der jeweiligen Fachdisziplin zu beurteilen. Im Zweifel obliegt eine Entscheidung der Institution, die die angestrebte Qualifikation bescheinigt.

7) Plagiate und Datenmanipulation

Das Plagiat, also die wörtliche und gedankliche Übernahme fremden geistigen Eigentums ohne entsprechende Kenntlichmachung, stellt einen Verstoß gegen die Regeln korrekten wissenschaftlichen Arbeitens dar. Gleiches gilt für die Manipulation von Daten. Plagiate und Datenmanipulationen sind im Regelfall prüfungsrelevante Täuschungsversuche.

8) Eigene Arbeiten und Texte

Die Übernahme eigener Arbeiten und Texte verstößt dann gegen die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis, wenn diese Übernahme in einer Qualifikationsarbeit nicht belegt und zitiert wird. Prüfungsordnungen können die Wiederverwertung desselben oder ähnlichen Textes desselben Verfassers ausschließen. Dies gilt insbesondere für Dissertationen.

9) ,Ghostwriting‘

Ein schwerwiegender Verstoß gegen die Regeln guter wissenschaftlicher Praxis ist das Zusammenwirken des Verfassers mit einem Dritten, der Texte oder Textteile zu einer Qualifikationsarbeit beisteuert, die der Autor mit dem Einverständnis des Ghostwriters als eigenen Text ausgibt.

10) Mehrere Autoren

Bei gemeinschaftlichen Qualifikationsarbeiten ist der eigene Anteil des jeweiligen Autors dem Leser gegenüber deutlich zu machen. Dies schließt aus, dass jemand Autor sein kann, der selbst keinen ins Gewicht fallenden Beitrag zu einer Qualifikationsarbeit geleistet hat. Ehrenautorschaften oder Autorschaften kraft einer hierarchisch übergeordneten Position ohne eigenen substantiellen Beitrag sind grundsätzlich wissenschaftliches Fehlverhalten.

11) Doppelte Verantwortung

Die Verantwortung für die Einhaltung der Grundregeln wissenschaftlichen Arbeitens trägt in erster Linie der Verfasser einer wissenschaftlichen Qualifikationsarbeit. Aber auch den Betreuern und/oder den Prüfern kommt Verantwortung zu. Die Aufgabe der Betreuer ist es, den Prüflingen vor Beginn der Arbeit die Grundregeln wissenschaftlichen Arbeitens mitzuteilen und gegebenenfalls zu erläutern. Die Aufgabe der Betreuer und Prüfer ist es auch, Zweifeln an der Einhaltung der Grundregeln wissenschaftlichen Arbeitens bei einer Qualifikationsarbeit konsequent nachzugehen.“

Quelle: Albers u. a. (2012, S. 3-5).

Eine eingehende Betrachtung und Beschreibung dessen, was als wissenschaftliches Fehlverhalten gilt, finden Sie in der Handreichung „Zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten in den Hochschulen“, welche die Hochschulrektorenkonferenz bereits am 6. Juli 1998 in ihrem 185. Plenum allen Mitgliedshochschulen empfohlen hat, „ggf. in modifizierter Form – möglichst bald zu übernehmen bzw. in Kraft zu setzen“ (Hochschulrektorenkonferenz 1998, S. 3).

Was ist „Wissenschaftliches Fehlverhalten“?

„1. […] Als möglicherweise schwerwiegendes Fehlverhalten kommt insbesondere in Betracht:

a. Falschangaben

das Erfinden von Daten;

das Verfälschen von Daten, z.B.

durch Auswählen und Zurückweisen unerwünschter Ergebnisse, ohne dies offenzulegen,

durch Manipulation einer Darstellung oder Abbildung;

unrichtige Angaben in einem Bewerbungsschreiben oder einem Förderantrag (einschließlich Falschangaben zum Publikationsorgan und zu in Druck befindlichen Veröffentlichungen).

b. Verletzung geistigen Eigentums

in bezug auf ein von einem anderen geschaffenes urheberrechtlich geschütztes Werk oder von anderen stammende wesentliche wissenschaftliche Erkenntnisse, Hypothesen, Lehren oder Forschungsansätze:

die unbefugte Verwertung unter Anmaßung der Autorschaft (Plagiat),

die Ausbeutung von Forschungsansätzen und Ideen, insbesondere als Gutachter (Ideendiebstahl),

die Anmaßung oder unbegründete Annahme wissenschaftlicher Autor- oder Mitautorschaft,

die Verfälschung des Inhalts,

die unbefugte Veröffentlichung und das unbefugte Zugänglichmachen gegenüber Dritten, solange das Werk, die Erkenntnis, die Hypothese, die Lehre oder der Forschungsansatz noch nicht veröffentlicht sind.

c. Inanspruchnahme der (Mit-)Autorenschaft eines anderen ohne dessen Einverständnis.

d. Sabotage von Forschungstätigkeit (einschließlich dem Beschädigen, Zerstören oder Manipulieren von Versuchsanordnungen, Geräten, Unterlagen, Hardware, Software, Chemikalien oder sonstiger Sachen, die ein anderer zur Durchführung eines Experiments benötigt).

e. Beseitigung von Primärdaten […], insofern damit gegen gesetzliche Bestimmungen oder disziplinbezogen anerkannte Grundsätze wissenschaftlicher Arbeit verstoßen wird.

2. Eine Mitverantwortung für Fehlverhalten kann sich unter anderem ergeben aus

aktiver Beteiligung am Fehlverhalten anderer,

Mitwissen um Fälschungen durch andere,

Mitautorschaft an fälschungsbehafteten Veröffentlichungen,

grober Vernachlässigung der Aufsichtspflicht.“

Quelle: Hochschulrektorenkonferenz (1998, S. 3f.).

2.3 „Scientific Googlehoopf“: Anforderungen und Qualitätskriterien einer wissenschaftlichen Arbeit

Es ist eine (fast schon) triviale Erkenntnis, dass jede wissenschaftliche Arbeit wissenschaftlichen Ansprüchen genügen muss; dies bedeutet letztlich (auch), dass sie bestimmte Qualitätskriterien zu erfüllen hat (vgl. hierzu u. a. Ebster/Stalzer 2013, S. 18 ff.). Was aber versteht man unter „wissenschaftlichem Arbeiten“ bzw. dessen Ergebnis (= wissenschaftliche Arbeit)? Folgt man der Auffassung des Niedersächsischen Finanzgerichts, so ist nicht nur wissenschaftlich tätig, wer „schöpferische oder forschende Arbeit leistet (reine Wissenschaft), sondern auch, wer das aus der Forschung hervorgegangene Wissen und Erkennen auf konkrete Vorgänge anwendet (angewandte Wissenschaft). Wissenschaftliches Arbeiten i. S. der angewandten Wissenschaft liegt aber nur dann vor, wenn grundsätzliche Fragen oder konkrete Vorgänge methodisch in ihren Ursachen erforscht, begründet und in einen Sinnzusammenhang gebracht werden, wie z.B. in einem wissenschaftlichen Gutachten über schwierige Fragen. […] Zu einer wissenschaftlichen Tätigkeit gehört ferner, dass sie von der Methode her nachprüfbar und nachvollziehbar ist.“

In Anlehnung an die von Jele (2003, S. 23 f.) benannten vier „Kriterien von Wissenschaftlichkeit“ haben Ebster/Stalzer (2013, S. 18 ff.) diverse Anforderungen formuliert; demnach kann eine Arbeit dann als wissenschaftlich bezeichnet werden, wenn sie

ein eindeutiges Thema behandelt – mit einem präzise formulierten Titel und bspw. klar formulierten Forschungsfragen (bzw. Hypothesen);

über den zu untersuchenden Gegenstand neue Aussagen trifft bzw. das Untersuchungsobjekt zumindest aus einem neuen Blickwinkel betrachtet;

den Wissens- bzw. Erkenntnisstand in dem zu untersuchenden Forschungsgebiet erweitert und damit nützlich ist;

die Anforderungen an

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