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Wissen wird smart

Petra Wimmer (Hrsg.)

Wissen wird smart

Beiträge zu den

Kremser Wissensmanagement-Tagen 2017

Edition Donau-Universität Krems, 2018

Inhaltsverzeichnis

Petra Wimmer:

Vorwort der Herausgeberin

Oliver Lehnert:

Vorwort des Mitveranstalters

Reiner Czichos:

Wie Sie Ihr Unternehmen und sich selbst fit für den digitalen Wandel machen können: Fit für die Digitale Transformation … Verstärken Sie die Anpassungsfähigkeit Ihres Unternehmens mit Hilfe der SVIDT-Methode

Eduard Daoud:

Search-Based Dashboards Approach and Challenges

Christoph Fabianek:

Quantifizieren von Gruppen anhand von Vorhersagen

Birgit Feldhusen:

Organisationales Wissen und Collective Mind: Smart oder nicht smart – nur eine Frage der Digitalisierung?

Barbara Geyer-Hayden, Michael Zeiller:

Wissensmanagement – quo vadis?

Stefan Holtel:

Sind Roboter die besseren Chefs?

Monika Leontine Honig:

Wissenstransferprozesse aktiv mit Onboarding Programm gestalten: Best Practice am Beispiel der VKKJ

Christian Hofstadler, Daniel Jank:

Wissensmanagement im Bauwesen: Von klassischer Datenerfassung zur smarten Informationsgewinnung

Guntram Meusburger:

WBI Wissensmanagement

Richard Pircher:

Agility Requires and Unleashes Knowledge Management

Herbert Saurugg:

Die Transformation zur Netzwerkgesellschaft und ihre wenig beachteten Nebenwirkungen

Christina Stoisser:

Erfahrungswissen sichern: Wie das Wissen im Unternehmen bleibt

Christina Stoisser:

Wissensmanagement umsetzen: Mit der Reifegradanalyse zum Ziel

Über die Autoren

Vorwort der Herausgeberin

Mittlerweile können die Wissensmanagement-Tage Krems auf eine durchaus beachtliche Tradition zurückblicken. Seit 2012 bildeten unterschiedliche Konferenz-Leitthemen, die interdisziplinär zwischen Wissensmanagement und weiteren Managementdisziplinen wie Prozessmanagement, Innovationsmanagement, Change Management etc. angesiedelt sind, den thematischen Rahmen für den Wissenstransfer in Form von Fachvorträgen, Diskussionsrunden, aber auch interaktiven Formaten. Auch im Frühjahr 2017 fanden an der Donau-Universität Krems wieder die Wissensmanagement-Tage statt, eine Konferenz für angewandtes Wissensmanagement, die wir in Kooperation mit Oliver Lehnert, dem Herausgeber des Magazins wissensmanagement veranstalten. Sie ist die österreichische Schwester-Veranstaltung der Stuttgarter Wissensmanagement-Tage auf universitärem Terrain. Die Konferenz 2017 stand unter dem Leitthema "Wissen wird smart".

Es ist mir ein großes Anliegen, mich ganz herzlich bei unserem Kooperationspartner Oliver Lehnert für die gute Zusammenarbeit zu bedanken, weiters bei Wolfgang Scharf und den Sponsoren sowie bei Anneliese Breitner für die Moderation der Tagung. Auch bei unserem Eventmanagement- und Organisationsteam möchte ich mich von Herzen bedanken, insbesondere bei Christine Perkonigg, unter deren kompetenter und umsorgender Leitung die Veranstaltung ein voller Erfolg wurde.

Im Juni 2018 wandern die Wissensmanagement-Tage erstmals nach Wien. Im Tech Gate Vienna stellen Unternehmen ihre Wissensmanagement-Projekte vor und teilen ihre Erfahrungen mit anderen WissensmanagerInnen. Im Rahmen dieser Projekte wird insbesondere mit den folgenden aktuellen Herausforderungen umgegangen: Die Datenschutzgrundverordnung tritt in Kraft, die Übergangsfrist für die ISO 9001:2015 endet, der demografische Wandel wirkt sich immer stärker auf unsere Arbeits- und Lebenswelten aus, künstliche Intelligenzen wie etwa Chatbots prägen vermehrt unseren Wissensalltag.

Im hier vorliegenden Sammelband finden Sie 13 Beiträge, die von den Vortragenden der Wissensmanagement-Tage verfasst wurden. Herzlichen Dank allen AutorInnen! Thematisch spannen die Beiträge einen weiten Bogen über den immer dominierender werdenden Einsatz von intelligenten Technologien in Beruf und Alltag und die sich daraus ergebenden Vorteile, aber auch Bedrohungen. Eine Branche wird in den Sammelband-Artikeln jedoch nicht angesprochen, nämlich das Hochschulwesen. Als Mitarbeiterin einer Universität für Weiterbildung will ich hier ein paar Gedanken beisteuern1.

Auch für das Hochschulwesen ist wohl in Zukunft ein massiver digitaler Wandel zu erwarten. E-Learning, das heißt alle Lernformate, bei denen elektronische oder digitale Medien für die Vermittlung von Lehrinhalten zum Einsatz kommen, sind bereits State of the Art an Universitäten. Der Einsatz von MOOCs (Massive Open Online Course) ist im Steigen begriffen, wobei hier noch einige Probleme zu bewältigen sind. Noch ungelöst ist insbesondere die Frage der Identitätsfeststellung bzw. das Verhindern von Plagiaten bei der Erbringung von Leistungsnachweisen. Einige MOOC-Anbieter verlangen, dass der Studierende in der Prüfungssituation eine Webcam eingeschaltet haben muss. Der Einsatz von Gesichtserkennungsalgorithmen in Kombination mit Webcams wäre eine noch sicherere Möglichkeit des Identitätsnachweises. Technisch stellt dies keinerlei Problem dar.

In Betracht sollte gezogen werden, dass im Verlauf der Teilnahme an MOOCs enorme Datenmengen über die Studierenden gesammelt werden, dh über die Art ihrer Teilnahme bzw. ob und wann sie die Prüfungen bestehen oder durchfallen. Diese Datenmengen können mit Big Data Techniken analysiert werden und so zur kontinuierlichen Verbesserung von MOOCs beitragen.

Eine Demokratisierung von Bildung durch Zurverfügungstellung von Lehrinhalten auf akademischem Niveau für bisher bildungsferne Bevölkerungsgruppen scheint bisher jedenfalls noch nicht erreicht worden zu sein. Vielmehr zeigen Studien, dass mit MOOCs primär jene angesprochen werden, die ohnehin eine akademische Ausbildung planen bzw. eine solche absolvieren oder absolviert haben.

Im Rahmen von E-Learning werden immer häufiger sogenannte adaptive Lernsysteme eingesetzt. Adaptive Lernsysteme sind intelligente Tutoring-Systeme, die in der Lage sind, menschliche Tutoren nachzuahmen. Sie verfolgen, welche Lernfortschritte der Studierende macht, passen das Lerntempo entsprechend an und bieten personalisierte Unterstützung. Dabei wird nicht nur das Ergebnis einer gelösten Aufgabenstellung überprüft, sondern während des gesamten Lösungsprozesses gibt es Hilfestellungen und Feedback.

Auch Algorithmen zur Benotung von Tests sind stark im Kommen bzw. an amerikanischen Universitäten bereits längst etabliert. Mit Tests sind Leistungsnachweise in Form von Freitexten wie etwa Seminararbeiten, Reflexionsarbeiten, Konzepten etc. gemeint. Ähnlich der bei automatischen Übersetzungsprogrammen eingesetzten Technologie werden die Benotungsalgorithmen mit einer großen Menge von Schreibproben trainiert, die bereits von menschlichem Lehrpersonal bewertet wurden. Ein großer Vorteil ist, dass diese smarten Bewertungstechnologien sofort Ergebnisse liefern, die hochgradig verlässlich sind.

Allerdings ist ihre Anwendung auf Arbeiten zu beschränken, deren Inhalt in hohem Ausmaß festgelegt ist. Texte, die etwa im Rahmen von Seminaren zu Kreativem Schreiben geliefert werden, können sicherlich nicht von Bewertungsalgorithmen beurteilt werden. Ein ernst zu nehmendes Argument gegen den Einsatz von Bewertungstechnologien ist der Umstand, dass Studierende mit zunehmender Erfahrung immer besser lernen können, so zu schreiben, dass sie den Bewertungskriterien der Technologie möglichst gut entsprechen und so zu guten Noten kommen. Allerdings ist dies auch im Falle eines menschlichen Bewerters möglich. Die Benotung durch Algorithmen mag umstritten sein und (noch) Schwachstellen, jedenfalls aber Beschränkungen aufweisen. Trotzdem ist ihr Einsatz im Hochschulsektor angesichts schrumpfender Budgets und personellen Einsparungsmaßnahmen erwartbar, das Ausmaß ihres Einsatzes wird die nahe Zukunft zeigen.

Nach diesem kleinen Ausflug in die smarter werdende Universitätslandschaft noch eine kleine organisatorische Anmerkung zum vorliegenden Sammelband: Ebenso wie im Vorjahr wird dieser wieder als ebook aufgelegt. Damit ist er über den Online-Buchhandel, aber auch im stationären Buchhandel zu erwerben.

Petra Wimmer Krems, im Dezember 2018

1 Die Gedanken basieren auf einer aktuellen Publikation von Martin Ford: Aufstieg der Roboter: Wie unsere Arbeitswelt gerade auf den Kopf gestellt wird - und wie wir darauf reagieren müssen (2016)

Vorwort des Mitveranstalters

Unternehmen und Organisationen, Politik und Wirtschaft richten ihr Augenmerk in Richtung Zukunft. Sie stellen die Weichen, um auch morgen noch wettbewerbsfähig zu bleiben. Um am Markt zu bestehen und der sich wandelnden Gesellschaft gerecht zu werden. Digitalisierung lautet das Gebot der Stunde. Doch was auf den ersten Blick einfach anmutet, erweist sich oft schwieriger als gedacht. Zu vielfältig sind die Stolpersteine, zu komplex die Umsetzung. Zu häufig fehlt es an einer entsprechenden Strategie, aber auch an der personellen, zeitlichen und finanziellen Ausstattung. Die verfügbaren Ressourcen werden bereits für die Bewältigung des Tagesgeschäfts ausgeschöpft. Doch genau darin liegt die Crux. Wer sich nur auf das Hier und Jetzt fokussiert, an dem zieht die Konkurrenz derzeit schnell vorbei. Denn der Markt ändert sich rasant. Maßgeblich verantwortlich ist die Entwicklung neuer Technologien – und der daraus resultierende neue Umgang mit der Ressource Wissen.

Unter dem Motto "Wissen wird smart" schworen die 6. Wissensmanagement-Tage Krems am 25. und 26. April 2017 die Kongressteilnehmer auf eine vernetzte Zukunft ein. Was müssen wir anders machen, um die Megatrends Digitalisierung und Internet der Dinge für uns zu nutzen? Welche technischen, aber vor allem kulturellen Veränderungen sind dafür verantwortlich? Visionäre Vordenker verrieten ihre Vision der Gesellschaft 4.0 und smarte Vorreiter aus den Unternehmen zeigten in ihren Vorträgen, wie sie die Zukunft heute schon Realität werden lassen.

Wo entstehen überall Daten? Und wie lässt sich dieser immaterielle Wert am besten auswerten und nutzen? Für interne Prozesse, für das Marketing oder die Produktentwicklung? Wie lassen sie sich geschickt vernetzen? Wo kommen künstliche Intelligenz, Industrie 4.0 und Automatisierung ins Spiel? Und lässt sich auf diese Weise der demografische Wandel abfedern? Apropos: Welche Herausforderungen bringt er in punkto Wissen überhaupt mit sich? Fachkräftemangel und drohendem Wissensexodus lässt sich mit den richtigen Wissensmanagement-Tools bzw. -Methoden ebenso begegnen wie den Herausforderungen der Digitalisierung. Wichtigste Voraussetzung dafür: Ihr Wissen wird smart.

Was das in der Praxis genau bedeutet, wie weit wir dabei bereits gekommen sind und wohin der Weg noch führen wird, das thematisierten die Vorträge bei den 6. Wissensmanagement-Tagen Krems auf vielfältige und immer neue Art und Weise – und gaben so einen anschaulichen Vorgeschmack auf eine spannende smarte Zukunft. Ich bedanke mich an dieser Stelle ganz herzlich bei allen Teilnehmern und Referenten. Mein besonderer Dank gilt auch den Sponsoren, mit deren Unterstützung die Durchführung des Kongresses überhaupt erst möglich gewesen ist.

Die 7. Wissensmanagement-Tage finden am 12. und 13.06.2018 in Wien statt. Den Ort haben wir auf vielfachen Wunsch unserer Teilnehmer geändert. Das bewährte Team aus Donau-Universität Krems und Zeitschrift wissensmanagement bleibt bestehen. So sind Kontinuität und Qualität gewährleistet und wir alle freuen uns auf Ihren Besuch im Juni 2018 in der Hauptstadt Österreichs.

Oliver Lehnert Im Dezember 2018

Wie Sie Ihr Unternehmen und sich selbst
fit für den digitalen Wandel machen können

Fit für die Digitale Transformation …
Verstärken Sie die Anpassungsfähigkeit Ihres
Unternehmens mit Hilfe der SVIDT-Methode1

Reiner Czichos

E-Mail: ctnmuenchen@t-online.de

In den Wirren der Globalisierung und der Digitalen Revolution, der disruptiven Innovationen und der überraschend auftretenden Mitbewerber haben auch besonders kleine und mittlere Unternehmen nicht mehr die Wahl, ob sie die "Digitale Transformation" mitmachen wollen oder nicht, wenn sie auch in 10 Jahren noch im Markt sein wollen. Damit stellt sich die Frage, wann, wie und in welchem Umfang, und mit welcher Unterstützung/Beratung Unterneh-men mit der Digitalisierung welcher Prozesse anfangen. Experten sagen, dass 50 % aller Unternehmen nicht mehr im Markt sein werden, wenn sie sich nicht den Herausforderungen der digitalen Revolution stellen und die erforderliche Transformation hin zu (vollkommen) neuen Geschäftsmodellen mithilfe von KI, Automatisierung, Vernetzung von Maschinen und Menschen, Internet of Things, Algorithmen, Big Data, etc. schaffen.

Digitalisierung ist nichts Neues … aber anscheinend für jedes Unternehmen immer wieder neu

Nach Martin Hilbert (2012), Kommunikationswissenschaftler an der University of Southern California, hat das Digitalzeitalter in 2002 begonnen. In diesem Jahr wurden das erste Mal mehr von Menschen geschaffene Daten digital statt analog gespeichert. Die neuen Digitalisierungswellen kommen nicht nur überraschend schnell wie Tsunamis, sondern auch mit immer wieder neuen Überraschungen, mit Unvorhergesehenem, wie es zum Beispiel der bekannte Zukunftsforscher Matthias Horx in einem Bericht von Hans-Peter Siebenhaar (2016) in Handelsblatt Live konstatiert hat. Daher müssen die Unternehmen, um in diesem Digitalen Wandel bestehen zu können, ihre Adaptive Kapazität vergrößern, müssen schnell und flexibel reagieren können, am besten sogar noch diesen Wandel irgendwie beeinflussen können, wie es die so genannten Start-ups und die großen Internet-Unternehmen wie z.B. Google u.a. machen.

Theoretisch ist bekannt, was auf die Unternehmen zukommt. Berater und Experten verbreiten diese Information tagtäglich in einer anschwellenden Kakophonie von Hype-Artikeln, gespickt mit den angeblichen Segnungen der Digitalisierung und Drohungen davor, in xx Jahren nicht mehr im Markt zu sein, wenn man nicht umgehend digitalisiert. Sie überbieten sich mit Visionen, wie sich Unternehmen aufstellen müssen.

Unternehmen, die jetzt aufgescheucht und unvorbereitet den Hype-Aufrufen, Visionen, Ratschlägen und Drohungen folgend mit der Digitalisierung beginnen nach dem Motto "Mal schauen, was und wie das wird!", laufen blindlings in große Gefahren. Denn die meisten dieser Vorschläge und Projekte sind nicht wissenschaftlich oder anderweitig vorbereitet. Und es fehlt an guten methodischen Grundlagen dazu, wie die Transformation für ein spezifisches Unternehmen zu planen ist. Und es fehlt, so hat die Vergangenheit gezeigt, an professionellem Change Management. Es genügt nämlich nicht, neue Technologien oder Geschäftsideen in Labs auszuprobieren und diese dann technokratisch zu implementieren, in der Hoffnung, dass Prozesse und Strukturen sich quasi von selbst anpassen. Unternehmen müssen sich grundsätzlich neu erfinden.

Doch nachdenkliche Stimmen scheinen sich zu mehren. In einem Bericht von Niels Kreimeier (2017) in stern.de zu einer Untersuchung der Hamburger Managementberatung Infront Consulting zum Thema "Was die neuen Digitalfabriken tatsächlich bringen" liest man, dass es oft einer der Schwachpunkte der wie Pilze aus dem Boden schießenden Digital Labs ist, keine konkre-ten/ genauen Zielvorgaben zu haben. Das widerspricht voll einem der zentralen

Prinzipien der in diesem Artikel vorgestellten SVIDT-Methode. Und das widerspricht auch dem gesunden Menschenverstand und den Erfahrungen aus zahlreichen Kreativitäts-Workshops: Wenn man nicht weiß, nach was man sucht, wenn man noch nicht einmal ein klares Verständnis davon hat, welches Problem es denn zu lösen gilt, dann findet man tatsächlich eine ganze Menge Ideen; aber die Wahrscheinlichkeit, dass man mit diesen Ideen relevante Problemstellungen löst, wird wohl eher gering sein (siehe dazu Steiner 2010).

Studien zum Fortschritt der Digitalisierung zeigen, dass der Digitalisierungsgrad bzw. die digitale Reife in den meisten deutschen Unternehmen noch viel zu wünschen übrig lässt, dass sie im internationalen Vergleich hinterher hinken … und also bedroht sind.

Die Manager der mehr als 2 Millionen Unternehmen in Deutschland (mehr Zahlen: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1929/umfrage/unternehmen-nach-beschaeftigtengroessenklassen/) stehen vor riesigen Herausforderungen – keineswegs nur technischen, sondern vor allem auch Herausforderungen für die Unternehmenskultur, die internen Prozesse und Strukturen.

Diese Grafik soll deutlich machen, dass es bei der Digitalisierung um weit mehr geht als "nur" darum, die Produktion und die Produkte/Services zu digitalisieren. Alle die gezeigten Elemente müssen in eine unternehmensspezifische Balance gebracht werden. Die mit gestricheltem Rand versehenen Elemente werden wahrscheinlich bei ziemlich vielen KMUs kaum durch die Brille der Digitalisierung betrachtet und bleiben oft so, wie sie schon lange waren.

Blindlings ins "Abenteuer"?

Manager können sich nicht auf eine 08/15-Blaupause von immer gleichen Charts der Berater verlassen, sie müssen sich selbst mit den spezifischen Herausforderungen für ihr eigenes Unternehmen befassen und eine für ihr Unternehmen passende Digitalisierungsstrategie entwerfen und durchführen. Jedes einzelne Unternehmen ist in einer einzigartigen Situation.

Mit dem Begriff "Digitale Reife" bieten Beratungsunternehmen untereinander wenig abgestimmte Konzepte an. Angeblich wird "gemessen", wie weit ein Unternehmen auf den Weg der Digitalen Transformation bereits fortgeschritten ist. Es wird auch gesagt, welche "5 Schritte" man gehen muss, um die Transformation zu vollenden. Ein lukratives Geschäft für Berater. Dabei wird aber eher wenig untersucht, vor welchen spezifischen Herausforderungen, sprich Gefahren, das jeweilige Unternehmen steht, wenn man unvorbereitet und "unfit" die Digitale Transformation in Angriff nimmt. Die Gefahren des Noch-nicht-Mitmachens werden angesprochen, ja, stehen aber eher als Drohungen im Raum, die dazu führen sollen, dass man möglichst sofort anfängt.

Um die Gefahren des Noch-nicht-Mitmachens abzuwenden und also die digitale Transformation in Angriff zu nehmen, gehen Unternehmen nun oft blindlings neue Gefahren ein, die man aber letztlich nicht abwenden kann, sondern nur wiederum meistern muss. Was fehlt, ist der Blick und die sorgfältige Analyse darauf, welche Gefahren entstehen, wenn man die Transformation unvorbereitet und unprofessionell angeht. Die Botschaft der Digitalisierungspropheten: "Einfach ausprobieren, damit herumspielen, dann werden Sie sehen …" ermuntert geradezu dazu, voll auf professionelles Change Management zu verzichten.

2.1 Unerwartete Gefahren auf dem Weg

Paradox? Durch die erfolgreiche Digitale Transformation soll die adaptive Kapazität des Unternehmens, also die Fähigkeit vergrößert werden, schneller und besser auf all die schnellen und unvorhergesehen digitalen Veränderungen im Markt zu reagieren oder gar diese zu beeinflussen. Gleichzeitig erhöht sich mit verstärkter Digitalisierung aber auch die Exposure (Ausgesetztheit) für neue Gefahren, wenn man sie im Schnell-verfahren durchführt.

Nüchtern betrachtet: Die technischen digitalen Innovationen an und für sich sind erst einmal weder Chancen noch Gefahren für die Unternehmen. Gefahren und/oder Chancen durch diese Innovationen entstehen erst dadurch, ob und wie andere Aktoren digitale Innovationen implementieren: Business- und auch End-Kunden, die neue Services und/oder Produkte entwickeln. Konkurrenten – auch bisher unbekannte – und Lieferanten, aber auch Partner, die Kommunikationsbeziehungen zu ihren Kunden und Partnern anwenderfreundlicher gestalten und/oder ihre internen Prozesse und Strukturen so umgestalten, dass sie schneller und flexibler auf Veränderungen im Markt reagieren können.

2.2 Rebound-Effekte

Die größte Gefahr wohl ist, sich überstürzt und wenig bis gar nicht überlegt auf den Weg zu begeben, wenn man noch wenig auf das, was auf einen zukommt, vorbereitet ist. Eine negative Spirale aus den Segnungen der Digitalisierung und den darauf folgenden neuen Gefahren (Bumerang-Effekte = rebound-effects) (Siehe dazu Pütter 2017).

Im August 2016 habe ich 25 Personen, Berater-Kollegen und Kunden, in meinem unmittelbaren Netzwerk nach möglichen Rebound-Effekten der digitalen und daraus folgenden ökonomischen und sozialen Entwicklungen auf Unternehmen befragt. 13 haben geantwortet (eine doch recht hohe Rücklaufquote, wenn man bedenkt, dass ich nicht hinterher telefoniert habe). Hier die nach Themen strukturierte Zusammenfassung der Antworten(Originalzitate):

Bei der fortschreitenden Digitalisierung liegen nach meiner Einschätzung die gravierendsten Gefahrenpotenziale in den Fragen nach der IT-Sicherheit:

• Physische Anlagensicherheit (v.a. Zugangsschutz gegenüber nichtberechtigten Dritten und vorsätzlichen Kriminellen)

• Zugang zum IT-Netzwerk (Firewalls, VPN-Verbindungen)

• Systemintegrität (Nutzer-Management, frühzeitige Erkennung von Angriffen)

Für Angriffe von außen sind viele sensibilisiert, aber was ist mit den eigenen Mitarbeitern? Die private Nutzung von Handy, Laptop, Internet wird immer mehr auch zu einem "weichen" Entscheidungskriterium der stark umworbenen Mitarbeiter. Die Erwartungen an modernste Technik, einer Nutzung dieser, privat und beruflich, wird erwartet. So ist das Firmennetz aber kaum zu schützen! Es ist eine ständige Gradwanderung zwischen Mitarbeitererwartungen an Komfort und Flexibilität einschränken einerseits und Sicherheit des Firmennetzwerkes andererseits.

Digitale Strukturen sind vernetzt. Die Vorteile können wir nur mit anderen, auf Vertrauen und guter Kommunikation basierenden Arbeitsweisen voll nutzen. Man denke außerdem an die Möglichkeiten, von überall und jederzeit arbeiten zu können. Das erfordert ganz andere Mindsets.

Kultur und Teamspirit: Werden Teams durch die Unterstützung digitaler Systeme wirklich unterstützt, oder geht der für nachhaltigen Erfolg notwendige "Team-Spirit" mittel- bis langfristig eher verloren? Können wichtige Geschäfts- und Team-Beziehungen aufgebaut werden, die für eine effektive Zusammenarbeit, gerade in Veränderungen so wichtig ist?

Neue Software – die nicht (gut genug) mit der bisherigen kommuniziert, bedingt eine komplette Umstellung. Lieferant von Hardware stellt auf neue inkompatible Software um, die nicht mehr mit den bestehenden Systemen kommuniziert Gesamtumstellung eines gesamten Produktionsstandortes zu teuer.

Dieses Thema an sich bringt wahrscheinlich noch einmal mehr Brisanz und weitreichendere Ideen in ein Brainstorming bezüglich Gefahren-Szenarien.

Wird das mittlere Management ersetzt, indem "einfache" /bzw. Routine-Entscheidungen von programmierbaren Algorithmen abgelöst werden. Wer übernimmt dann die emotionale Führungsarbeit?

Ein weiterer vielleicht etwas wirrer Gedanke: Wird der Mensch zum "Roboter der Maschinen"? Sind kulturelle Auswirkungen langfristig nicht absehbar?

Entscheidungen zunehmend regelbasiert von Automaten, die den individuellen Kontext nicht beachten

Vergleichsportale sind eine Gefahr, sie schaffen vermeintliche Transparenz und wecken Erwartungen, die bei Firmen zu Problemen führen können. IT-Mitarbeiter hören überall dass sie "gesucht" sind, das man "woanders" viel mehr verdienen kann, … das weckt unrealistische Erwartungen, die vor allem KMU nicht halten können

Kunden lesen im Internet, was die Software des Mitbewerbers alles kann, aber häufig reicht das eigene Know-how nicht aus, die Komplexität der Softwarefunktionen wirklich zu begreifen. Entscheider machen einen "Blindflug" und begeben sich in Abhängigkeiten des Lieferanten auf Jahre hinaus… Verlust der Unabhängigkeit, die Software bestimmt dann die Prozesse.

Bringt mir eine umfangreiche Software für meine Geschäftsprozesse einen Mehrwert? Oder ist nicht der Aufwand alle Stammdaten zu pflegen so hoch, dass am Ende alles viel teurer aber nicht effizienter wird? Gerade für KMU ist sehr genau zu überlegen: selbst investieren oder outscourcen. Über eine "komplizierte" Software die Prozesse abbilden oder doch lieber "per Papier" – Was ist effizienter, günstiger?

"keine Vorstellung von einem digitalen Geschäftsmodell".

Kernpunkt: Wie kann ich digital wirklich einen Mehrwert für meine Kunden schaffen und wie sieht dann mein Geschäftsmodell aus?

Und wie gehe ich damit um, dass viele meiner heutigen Tätigkeiten dann u.U. im neuen Geschäftsmodell gar nicht mehr auftauchen?

IT Blindheit .. es wird nicht mehr gedacht, wie was gemacht wird, sondern es wird viel mehr Zeit in die Optimierung von IT Tools gesteckt, als sich zu fragen, was richtig und falsch, was value bringt und was nicht…

Menschen kommen nicht mehr bzgl. der neuen Formen der Arbeit (home-office, 24h Verfügbarkeit aber auch potentielle Arbeitszeit, Veränderte Kommunikation, etc) ins Burnout, sondern wegen höheren Anforderungen an die Organisation und Kommunikation. Ohne Digitalisierung, kein zukünftiger Erfolg.

Sich auf Digitalisierung einstellen.

Organisationsentwicklung wird vernachlässigt.

Menschen kommen nicht mehr mit bzgl. Beherrschung der IT Anwendungen

Das Internet und alle anderen Werkzeuge sind für sich genommen Technologien. Das gilt auch, wenn sie andere Formen und Möglichkeiten menschlichen Denkens und Handelns eröffnen. Aber die sind die Entscheidenden!!! Alle Maschinenintelligenz ist auf Effizienz ausgerichtet. Effizienz ist heute ein Muss, ohne das hast du im Wettbewerb keine Chance. Aber das kann heute jeder schnell und gut, sonst ist er

weg vom Fenster. In dynamischen Zeiten ist die Nutzung der Möglichkeiten menschlicher Intelligenz viel entscheidender. Unser Problem ist nicht der Mangel

an Fähigkeiten zur Prozessorganisation, sondern die Unfähigkeit, menschliche Intelligenz wirkungsvoll zum Rennen zu bringen. Wir haben kein Technologieproblem, das ist nur das Symptom. Bei Dynamik brauch ich gute

Leute, ohne die ist Technologie garnix.

Können in fernerer Zukunft notwendig werdende Veränderungen auch noch rasch genug umgesetzt werden, oder werden diese immer komplexer / teurer etc. (Quasi: Wer heute auf das falsche Pferd setzt, der läuft morgen gegen die Wand??)

Zum Thema unerwarteter Gefahren siehe auch ein weiteres Beispiel in Welt.de: "Die Digitalisierung von Prozessen kann für das entsprechende Unternehmen viele Vorteile bringen. Welche das im Einzelnen sind, hängt stark von den Zielen der Firma und ihren Produkten ab.

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