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Wir zwei in Nizza

1. KAPITEL

Alice stellte ihre Gucci-Taschen genervt ab und wischte sich die Schweißtropfen von der Stirn. Wieso war nicht alles fertig?

Der Flug von London nach Nizza an die Côte d’Azur hatte schon mehr als negativ begonnen, mit Verzögerungen beim Abflug und bei der Ankunft. Die Taxifahrt in dieses kleine Dorf, das nur etwa sechs Kilometer außerhalb der Stadt lag, hatte ihr den Rest gegeben, weil die Klimaanlage des Wagens nicht funktionierte. Und ihr letztes bisschen Humor schmolz dahin, als sie vor dem Bungalow stand und feststellte, dass die Bauarbeiten noch nicht abgeschlossen waren.

Er sah zwar auch so schon schön aus, das gab sie ja zu, mit den pinkfarbenen Mauern gegen die grünen Hügel dahinter und mit dem gewundenen Weg hinunter zum Privatstrand, aber wie sollte sie hier leben, wenn noch Bauarbeiter herumwerkelten?

Irritiert rümpfte sie die Nase. Warum hatte ihr Vater sie nicht gewarnt? Stattdessen hatte er ihr fröhlich verkündet, dass die Abwechslung ihr guttun würde. Aber jetzt war sie einfach müde und wollte am liebsten eine warme Dusche nehmen. Wahrscheinlich gab es aber noch kein fließendes Wasser. Was sollte sie nur tun?

Die ganzen zweiundzwanzig Jahre ihres Lebens war sie von größtem Luxus umgeben gewesen, hatte stets alles bekommen, was man mit Geld kaufen konnte. Daher war sie keine tapfere Amazone, die lächelnd mit solchen Malheurs fertig wurde.

Wie sollte sie in ihrer momentanen Situation handeln? Ihr Leben in London, das einem einzigen Wirbelwind von gesellschaftlichen Terminen glich, war ihr in den vergangenen Wochen hohl und leer erschienen. Sie war nach Südfrankreich aufgebrochen, um gründlich darüber nachzudenken, ob sie die Verlobung mit Jonathan lösen wollte und wie sie das am besten bewerkstelligen konnte.

Ihr Vater hatte recht, sie brauchte einen Tapetenwechsel. Tapfer griff sie sich die Taschen und trabte auf das Haus zu. Als Erstes würde sie nach dem Auspacken ins Dorf gehen und ein paar Lebensmittel einkaufen. Nach dem Essen würde sie sich schon wieder besser fühlen.

Sie steckte den Schlüssel in das Schloss und wollte ihn gerade umdrehen, als sie entdeckte, dass gar nicht abgeschlossen war.

Das war das sicherste Zeichen, dass noch Handwerker im Haus waren. Sie war müde, hungrig und würde sich gleich mit einer Horde einheimischer Arbeiter herumschlagen müssen.

Sie zählte bis zehn. Sie würde sich zusammennehmen, wie die Astrologin es ihr geraten hatte. Kurz vor der Abreise hatte sie sich nämlich mit einigen Freunden diesen teuren Spaß geleistet. Die Antwort der Frau, sie solle aufpassen, dass sie nicht in eine unkontrollierbare Situation gerate, hatte sie ein wenig verwirrt.

Sie holte tief Luft und stieß die Tür auf. Sie würde den Arbeitern schon klarmachen, dass man sie in Ruhe zu lassen hatte. Erstaunt sah sie sich einem einzelnen Mann gegenüber, der sie begrüßte. „Ich habe Sie bereits erwartet, Miss Stanley.“

Sie blieb wie erstarrt stehen und warf einen kritischen Blick auf ihr Gegenüber, einen großen athletischen Mann in Jeans und einem T-Shirt, das seine braunen muskulösen Arme freiließ. Wer war das wohl?

Er hatte nichts mit den Männern gemeinsam, mit denen sie normalerweise ausging. Er war eigentlich das genaue Gegenteil. Sein Gesicht wirkte hart und aggressiv. Er sah aus, als berühre es ihn nur wenig, was andere Menschen über ihn dachten.

Aber sie musste feststellen, dass auch dieser Fremde sie aufmerksam musterte, und zwar von Kopf bis Fuß.

Was glaubte er denn, wo er war? Angesichts von so viel Arroganz ballte sie die Hände zur Faust.

„Wer sind Sie, wenn ich fragen darf?“, gab sie betont kühl zurück. „Vielleicht haben ja Sie mich erwartet, ich jedenfalls bin nicht auf Ihre Anwesenheit vorbereitet.“

Sie verschränkte die Arme vor der Brust, bewegte sich aber keinen Schritt von der Stelle. Dieser Mann sah irgendwie gefährlich aus. Und außer ihnen beiden war anscheinend niemand im Haus. Sie durfte kein Risiko eingehen.

Ihr eisiger Tonfall schien ihn nicht zu beeindrucken. Normalerweise kuschte jeder vor ihr, aber er musste wohl Nerven aus Drahtseil besitzen. Sein Gesichtsausdruck hatte beinahe etwas Verächtliches.

„Nun“, fauchte sie ihn an, „sagen Sie mir jetzt endlich, wer Sie sind, oder ich rufe die Polizei!“

„Da müssten Sie aber ganz schön laut rufen, das Telefon ist nämlich noch nicht angeschlossen.“ Er klang sehr amüsiert.

„Was machen Sie hier?“, wiederholte Alice möglichst gelassen.

Er reagierte überhaupt nicht auf ihre Frage, sondern marschierte schnurstracks durch den riesigen Wohnraum hinaus auf die Terrasse.

„Entschuldigung, aber wo wollen Sie denn hin?“, rief Alice ihm hinterher.

Er ging unbeirrt weiter über den Rasen, der umsäumt war mit Mimosen und Rosenbüschen. Dahinter konnte Alice das Meer ausmachen und einen Weg, der hinunter in die Bucht führte.

Sie blieb wie angewurzelt stehen und weigerte sich, ihm noch einen Schritt weiter nachzugehen. Sie würde warten, bis er sich ihr zuwandte.

Er tat das dann auch, aber ganz gemächlich. Wer auch immer er sein mochte, er legte auf jeden Fall nicht die Höflichkeit und Zuvorkommenheit an den Tag, die sie gewöhnt war.

„Nun, Sie sehen hungrig und müde aus, und ich bin der böse Mann, der Ihnen noch nicht einmal Ihre Fragen beantwortet. Wie unhöflich von mir!“

„Ja“, giftete sie mit hoher Stimme zurück.

„Und Sie sind es nicht gewohnt, dass man Sie so ignoriert, nicht wahr?“

Alice öffnete den Mund, wusste aber gar nicht, was sie antworten sollte. Seine Anwesenheit allein bedeutete, dass ihr Vater ihn engagiert haben musste.

„Setzen Sie sich, bevor Sie unter dem Gewicht Ihres Egos zusammenbrechen. Ich erkläre Ihnen dann alles.“

Er deutete auf eine Holzbank.

„Wie können Sie es wagen …“, rief sie empört, befolgte aber dennoch seine Anweisung.

Sie hatte ganz vergessen, wie müde und hungrig sie war. Aber eines wusste sie, dass sie diesen Mann aufs Tiefste verabscheute, von dem sie noch nicht einmal den Namen kannte.

Sie verfolgte ihn genau mit den Augen, nahm seine Bräune und seine aufrechte Haltung wahr, wie er über den Rasen auf sie zukam. Seine dunklen Haare und seine intensiven Augen ließen ihn richtig gefährlich erscheinen. Ein Schauer lief ihr über den Rücken.

Er sah zu, wie sie auf der Bank Platz nahm, und blickte auf sie hinab.

„Nehmen Sie sich nicht ein wenig zu viel heraus? Sie sind unverschämt, beinahe beleidigend. Ich glaube nicht, dass ich mir das gefallen lassen muss“, beschwerte sie sich. Er hob bedeutungsvoll die Augenbrauen.

„Wirklich?“ Alice hätte ihn am liebsten geohrfeigt.

„Es sind noch einige Arbeiten im Haus zu erledigen, deshalb bin ich noch länger geblieben.“

„Warum hat mir mein Vater das dann nicht gesagt?“, maulte sie. Nun, sie würde ihm tagsüber aus dem Weg gehen, dann konnte sie wenigstens die Abende genießen.

Er zuckte mit den Schultern. Nichts in seinen Augen verriet, was er wirklich dachte. Auf jeden Fall waren es keine bewundernden Blicke, die er ihr zuwarf. Und sie war es gewohnt, dass ihre Schönheit stets eine Wirkung auf das so genannte starke Geschlecht hatte. Denn sie war gut gebaut, hatte langes blondes Haar, das in Wellen bis über die Schultern hinabhing, dunkle Augen und Augenbrauen, die ihrem Gesicht einen exotischen Touch verliehen.

„Ich weiß noch nicht einmal Ihren Namen.“

„Morrison.“ Er steckte die Hände herausfordernd in die Hosentaschen. „Peter Morrison.“

„So, Mr. Morrison, wie lange gedenken Sie noch, hier zu arbeiten? Ich wollte nämlich einmal ganz für mich sein, ich hatte all die Leute um mich herum satt.“

„Warum das?“ Er starrte sie neugierig an.

„Das geht Sie als Arbeiter nichts an, oder?“ Er grinste so spitzbübisch, dass es ihr beinahe den Atem verschlug. Er sah verteufelt gut aus, das musste man ihm lassen. Sie wandte schnell den Blick ab, um ihn ihre Verwirrung nicht spüren zu lassen.

„Wie lange ich noch zu tun habe, kann ich jetzt noch nicht abschätzen“, bequemte er sich dann zu verkünden.

„Gut.“ Die Hitze gab ihr allmählich den Rest, sie war so viel Sonne nicht gewöhnt. Warum hatte sie sich auch zu dieser Fahrt überreden lassen?

Die meisten Frauen würden sie um ihren Lebensstil beneiden. Sie war schön, reich und beliebt. Sie könnte jetzt in London sein und sich mit ihren Freunden auf Partys amüsieren, anstatt sich heimlich an die Côte d’Azur abzusetzen. Aber sie hatte sich richtig eingesperrt gefühlt, hatte darüber nachdenken wollen, wie sie ihre Verlobung mit Jonathan am besten auflösen konnte.

„Dann sollten wir vielleicht ausmachen, dass Sie nur bis fünf Uhr arbeiten, damit ich wenigstens am Abend meine Ruhe habe“, verfügte sie diktatorisch.

„Oh, hat Ihr Vater Ihnen wirklich überhaupt nichts gesagt? Ich wohne nämlich hier.“

„Was tun Sie?“

„Ich brauche mich wohl nicht zu wiederholen. Sie haben das sehr wohl verstanden.“

„Das geht nicht.“ Alice war am Ende ihrer Nerven.

Warum hatte die Astrologin sie nicht vor dieser Begegnung gewarnt? Denn solche negativen Ereignisse musste sie doch vorhersehen können!

„Tut mir leid, damit müssen Sie sich abfinden. Haben Sie sonst noch irgendwelche Fragen?“

Noch Fragen? Sie hatte kaum angefangen!

„Mein Vater wird Ihnen sicherlich ein Zimmer im Dorf bezahlen.“

„Ich arbeite meist bis spät in die Nacht. Sie müssen sich schon an meine Gegenwart gewöhnen oder …“

„Oder was …?“, fauchte sie ihn an.

„Oder Sie fahren nach London zurück, wo man Ihre Hoheit vielleicht etwas besser behandelt.“

„Sie unverschämter …“ Sie stand auf und hob die Hand, aber noch bevor sie ihn ohrfeigen konnte, hatte er sie mit eisernem Griff am Handgelenk gepackt.

„Wir sollten vielleicht ein paar Dinge klären“, verkündete er grimmig. „Wir werden dieses Haus teilen, ob Ihnen das passt oder nicht. Ich werde mir jedenfalls Ihr kindisches Benehmen nicht länger gefallen lassen. Sie können sich bei Ihren Freunden aufführen, wie Sie wollen. Aber hier nicht. Wenn Sie sich nicht normal benehmen können, dann gehen Sie mir einfach aus dem Weg.“

Alice fühlte, wie ihr das Blut in den Kopf stieg. So hatte noch kein Mensch mit ihr zu reden gewagt. Es mochte zwar stimmen, dass sie sich ein wenig kindisch benahm, aber eigentlich war er daran schuld. Und außerdem war er ein einfacher Angestellter ihres Vaters.

„Das könnte Sie Ihren Job kosten.“

Er ließ ihre Hand abrupt los, als wäre ihm der bloße Körperkontakt zuwider. „So, wollen Sie alles gleich Ihrem Vater petzen? Hat Sie noch nie jemand kritisiert?“

„Nein“, stieß sie hervor, ärgerte sich aber über sich selbst. Was ging ihn das an?

„Dann tun Sie mir leid. Ich habe nichts übrig für verwöhnte reiche Mädchen. Sie können gern Ihren Vater anrufen, aber vielleicht wird Ihnen seine Antwort nicht gefallen.“ Er hielt kurz inne, schien dann aber nicht weitersprechen zu wollen und marschierte ins Haus.

Alice war wütend. Er war wirklich unerträglich grob und arrogant. Dennoch folgte sie ihm ins Haus, obwohl es wahrscheinlich besser gewesen wäre, einfach auf der Terrasse zu bleiben.

„Ich wusste gar nicht, dass Arbeiter so kluge Töne von sich geben können“, verspottete sie ihn.

Sie hatte sich das lange Haar mit einem hellblauen Band, das genau zu ihrem blauen Sommerkleid passte, zurückgebunden. Jetzt zog sie es heraus und schüttelte die lange blonde Mähne.

Peter wandte sich ihr zu. Einen Augenblick lang glaubte sie, so etwas wie Bewunderung in seinen Augen entdecken zu können, doch schon blickte er sie wieder gleichgültig an.

„Nun, dazu braucht man sich nicht in Philosophie auszukennen. Sie haben Ihr ganzes Leben lang alles bekommen, was Sie haben wollten. Aber alle Menschen fallen eben nicht auf Ihr Geld und Ihr Image herein. Früher oder später werden Sie das lernen müssen.“

„Vielen Dank für den guten Rat“, bedankte sie sich ironisch. „Haben Sie noch mehr schlaue Tipps auf Lager, bevor ich nach oben gehen kann, um mich umzuziehen?“

Er grinste ironisch. „Nun, in einer Stunde gibt es Lunch. Sie sind gern eingeladen, das Mahl mit mir zu teilen, falls sich Ihre Manieren bis dahin etwas gebessert haben.“

Alice ignorierte die Bemerkung. „Oh, Sie sind also auch ein Chefkoch“, gab sie süßlich zurück und schaute hoch zu ihm. Er musste wirklich sehr groß sein, denn er überragte sie mit ihren ein Meter fünfundsiebzig noch beträchtlich.

„Ich bin ein Mann mit vielen Talenten.“

Ihre Augen trafen sich einen Moment lang. Alice blieb förmlich der Atem stehen, dann aber fasste sie sich ein Herz und antwortete beherrscht. „Gut, dann bin ich bis dahin fertig.“

Sie ging an ihm vorbei in die Vorhalle und griff nach ihren Taschen. Ohne noch einmal zurückzuschauen, lief sie behänden Schrittes die Treppe hinauf und wählte sich das Schlafzimmer aus, das am weitesten von seinem entfernt lag.

Sie schloss erleichtert die Tür hinter sich. Die Spannung schien ein wenig von ihr abzufallen. Sie mochte diesen Peter zwar nicht, aber irgendwie hatte er es schon richtig erfasst, dass sie immer sehr verwöhnt worden war und in ihrem Leben nie um etwas hatte kämpfen müssen.

Sie kniff die Augen zusammen. Sie wusste, dass ihr Vater ihren Lebensstil nicht guthieß, aber er ließ sie dennoch gewähren. Sie war nun einmal sein einziges Kind.

Sie ging hinüber zum Fenster und blickte hinaus auf das wunderschöne Panorama, das strahlend blaue Meer, die zackigen Felsen.

Und wieder kam ihr Jonathan, ihr Verlobter, in den Sinn, der hin und wieder im Büro seines Vaters arbeitete, die meiste Zeit aber das Leben eines Playboys führte. Ihr Vater mochte ihn nicht und hatte es ihr auch mehrfach gesagt. Sie hatte allerdings immer gehofft, dass er seine Meinung ändern würde.

Jetzt wusste sie selbst nicht mehr, was sie wollte. In den letzten drei Wochen hatte sie über vieles nachgedacht, Jonathan eingeschlossen. Sie wusste nicht mehr, ob sie ihn liebte oder nicht. Und sie war sich auch nicht mehr sicher, wie seine Gefühle für sie waren.

Was sollte sie tun? Das Bild von Peter tauchte in ihren Gedanken auf, dabei hatte er nichts mit ihrem Leben zu tun. Aber es war erstaunlich, wie sehr er sich in den wenigen Momenten ihres Zusammenseins in ihr Gedächtnis eingegraben hatte.

Was er wohl von Jonathan halten würde? Ihre Freunde in London fanden ja, dass sie ein ideales Paar bildeten. Sie ähnelten sich in vielem, waren beide schlank und blond.

Es würde einen ganz schönen Wirbel geben, falls sie die Verlobung löste. Aber das sollte ihr egal sein. Wenn Jonathan zu Hause gewesen wäre, hätte sie sich vielleicht gar nicht nach Frankreich geflüchtet, sondern hätte ihm alles erklären können. Aber er war auf einer Geschäftsreise unterwegs.

Und es war nur zu verführerisch gewesen, an die Côte d’Azur zu flüchten, eine Gegend, die sie so gut kannte wie ihre Westentasche. Jonathans Vater besaß eine Villa in der Nähe von St. Tropez, wo sie oft mit gemeinsamen Freunden hingefahren waren.

Sie packte ihre Taschen aus. Dabei nahm sie anerkennend alle Details der Einrichtung zur Kenntnis. Sie ging schnell duschen und zog dann bunte Shorts an, die ihre schlanken Beine zur Geltung brachten, und ein kurzes Top.

Von unten drang schon der verführerische Duft von gebratenem Schinken die Treppe hoch. Leichtfüßig hüpfte sie die Stufen hinab.

Peter stand in der Küche über die Arbeitsplatte gebeugt. Irgendwie schien er mit seinem Körper den ganzen Raum zu füllen. Er drehte sich nicht zu ihr um, sondern fragte nur, ob sie etwas zu trinken haben wollte, während er den Schinken in der Pfanne wendete.

„Mm, ja, etwas ganz Kaltes.“

„Bedienen Sie sich.“

Sie nahm einen Krug Limonade aus dem Kühlschrank und schenkte sich ein Glas ein.

„Mir bitte auch, wenn Ihnen das nichts ausmacht“, erklang die ironische Stimme von Peter hinter ihr.

„Und dann wollte ich noch etwas sagen“, fuhr er fort, „ich erwarte natürlich, dass Sie Ihren Teil zu den Mahlzeiten beisteuern. Ich bin nicht Ihr Koch, sondern wir teilen uns höchstens die Aufgaben, verstanden?“

Er deponierte den Schinken und die bereits fertigen Käseomeletts auf die Teller, dazu französisches Weißbrot.

Alice zog die Stirn hoch. „Ich habe nicht verlangt, dass Sie für mich kochen.“ Sie beobachtete ihn skeptisch, wie er am Tisch Platz nahm und vergnügt zu essen begann.

„Nein, aber ich dachte, ich warne Sie schon einmal vor.“ Er ließ einen schnellen Blick über ihren spärlich bekleideten Körper fallen. Sie fühlte, wie sie errötete.

Normalerweise blieb sie kühl und gelassen, was auch immer passierte. Aber bei diesem Mann fühlte sie sich irgendwie linkisch und gegen ihren Willen innerlich berührt.

„Wirklich lecker“, lobte sie seine Kochkünste. Sie war wirklich hungrig nach der langen Reise.

„Sie können das Abendessen machen. Im Kühlschrank sind Steaks und Gemüse.“

„Steaks? Gemüse?“ Sie schaute ihn voller Panik an. „Was soll ich damit tun? Ich kann nicht kochen.“

Ihr ganzes Leben war sie es gewöhnt gewesen, dass man ihr die leckersten Gerichte servierte. Aber wie die zubereitet wurden, hatte sie nie interessiert.

Peter griff nach der Serviette und lehnte sich bequem in seinem Stuhl zurück. Kritisch beäugte er sie.

„Nun, dann haben Sie jetzt Gelegenheit, es zu lernen“, bemerkte er sanft.

„Ich habe nie kochen müssen.“

„Das glaube ich. Ich habe Menschen wie Sie schon häufig genug kennen gelernt. Die am liebsten alles auf dem silbernen Tablett serviert bekommen.“

„Nun, Ihr Frauentyp ist wohl eine starke Amazone, die alles kann, angefangen vom Kochen bis zum Gartenumgraben.“

„Glauben Sie?“ Seine grauen Augen musterten sie amüsiert.

Es schien ihm recht gleichgültig zu sein, was sie von ihm dachte. Das verletzte ihren Stolz mehr, als sie für möglich gehalten hätte.

„Nun, eigentlich interessiert es mich überhaupt nicht, zu welchem Frauentyp Sie sich hingezogen fühlen. Ich finde Sie jedenfalls schrecklich.“

Sie blickte ihn direkt an, nahm seine sportliche Figur und die scharfen, klaren Gesichtszüge wahr. Er sah eigentlich schon sehr sexy aus, musste sie sich eingestehen.

„Sicherlich vor allem deswegen, weil ich nicht zu allem Ja und Amen sage, was Sie wollen. Und die meisten jungen Männer sind wohl nur zu bemüht, es Ihnen recht zu machen.“

Alice warf ihre langen Haare zurück und versuchte, sich ihre Wut nicht anmerken zu lassen.

„Wie gut Sie sich doch in Psychologie auskennen! Sie haben Ihren Beruf verfehlt. Und außerdem stimmt es nicht, dass ich stets einen Harem von jungen Männern um mich habe. Es gibt nur einen Mann, der mich interessiert, und das ist mein Verlobter.“

Eigentlich hatte sie gar nicht so viel über sich verraten wollen, aber es war ihr einfach herausgerutscht.

Er verschränkte die Hände hinter dem Kopf und beäugte sie kritisch. „Ich verstehe.“

„Das bezweifle ich.“ Die Unterhaltung würde zu nichts führen, und außerdem hatte sie ihm sowieso schon zu viel verraten. Er war schließlich ein Fremder für sie, außerdem fand sie ihn abscheulich, auch wenn er sie in Rage brachte. Sie stand auf, räumte den Tisch ab und wusch das Geschirr schnell im Spülbecken.

„Wie sind Ihre Pläne für den Nachmittag?“ Sie versuchte, möglichst freundlich zu klingen. Wenn sie wusste, wo er zu finden war, konnte sie ihm mit etwas Geschick aus dem Weg gehen.

Sie fühlte seine Augen auf sich ruhen, was sie unruhig und nervös machte. „Das braucht Sie doch nicht zu interessieren, ich bin doch nur ein Handwerker“, gab er lässig zurück.

Alice warf ihm einen scharfen Blick zu. Ob er erraten hatte, was sie dachte? Und ihr war auch so, als hätte da noch ein Unterton in seiner Stimme mitgeschwungen, so als wüsste er noch irgendetwas, was er ihr verheimlichte. Diese Idee gefiel ihr gar nicht, sie hatte lieber die Dinge, und vor allem Männer, unter Kontrolle. Aber war es das, warum sie viele Männer immer langweiliger fand?

„Und was haben Sie vor?“, unterbrach Peter ihre Gedanken. „Gehen Sie an den Strand? Da stört Sie niemand. Dort können Sie gründlich darüber nachdenken, ob Sie Ihren Freund wirklich lieben.“

„Wie bitte?“ Sie wandte sich zu ihm um und starrte ihm in die grauen Augen. Er war wirklich unerträglich und aufdringlich. „Sie scheinen immer das zu sagen, was Ihnen gerade in den Sinn kommt, nicht wahr? Sie überlegen wohl nie, ob die anderen das hören möchten. Mein Privatleben ist allein meine Sache.“

„Oh, habe ich da einen wunden Punkt berührt?“, gab er mit leicht verächtlichem Ton zurück.

„Nein.“ Alice schrie ihn beinahe an. „Das haben Sie nicht. So, und jetzt entschuldigen Sie mich, ich will hinunter zum Strand.“ Mit hochrotem Kopf löste sie ihren Blick von seinen sie wie Magnete anziehenden Augen.

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