Logo weiterlesen.de
Wir waren alle viele!

Image

Image

© 2017 Detlef K.H. Würth

Verlag: tredition GmbH, Hamburg

ISBN

Paperback: 978-3-7439-3721-5
Hardcover: 978-3-7439-3722-2
e-Book: 978-3-7439-3723-9

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Image

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Einleitung

Kapitel 1 Eine Persönlichkeit mit Namen Samuel

Kapitel 2 Eine bittere Geburt

Kapitel 3 Eine unschöne Kindheit

Kapitel 4 Alles für ein Versprechen

Kapitel 5 Im Kloster von San Marcello

Kapitel 6 Die Alltäglichkeiten

Kapitel 7 Die Versetzung nach Le Celle

Kapitel 8 Lasst Taten sprechen

Kapitel 9 Eine geheime Mission mit Folgen

Kapitel 10 Florenz und seine Gefahren

Kapitel 11 Die Liebe und der Zölibat

Kapitel 12 Die „Ewige Stadt“

Kapitel 13 Reaktivierte Persönlichkeit

Kapitel 14 Alpha und Omega

Veritas

Schlusswort

Danksagung

Vorwort

Noch während der Arbeit an meiner ersten Veröffentlichung von "Wir kommen alle wieder!", ereigneten sich fantastische Dinge, die meine ursprüngliche Planung einer weiteren Publikation, etwas durcheinanderbrachten. Ich beabsichtigte eine letzte Edition mit dem Titel " Wir waren alle viele!", um in dieser alle Vorleben von Frau B. in stark komprimierter Form dem Leser zugänglich zu machen. Auch die Klärung vieler Fragen sollte darin eine entscheidende Rolle spielen. So hatte ich es mir gedacht, aber es kam völlig anders! Systematisch ging ich ein Vorleben nach dem anderen durch, um später auf jedes einzelne Leben Bezug nehmen zu können. So fing ich bei dem Ersten an und arbeitete mich, als hielt ich den Hebel einer Zeitmaschine in der Hand, von 1877 an (Katharinas Geburtsjahr aus "Wir kommen alle wieder!") immer weiter zurück in der Zeit. Hier und da hielt ich an, um mir einzigartige und unglaubliche Dinge anzuhören. Hatte ich genug davon, ging es weiter. Neugierig wollte ich einfach so viel wie möglich von den Vorleben dieser Frau erfahren. Immer weiter purzelten die Zahlen...1786….1722...1630.... 1520....1300. So fanden sich plötzlich Leben, die nur noch schwer oder überhaupt nicht mehr einer Zeitrechnung zugeführt werden konnten. Letztendlich, so übertrieben und unwirklich es klingen mag, kam ich der Schöpfung immer näher. Dass was sich mir dann darbot, ließ mich geschockt und irritiert für Tage mit Chaos in meinem Gedankengut zurück.

Ich hatte nie wirklich erwartet, so tief in die Entstehungsgeschichte des Menschen vordringen zu können, aber es war passiert und das änderte alles! Was sich mir offenbarte, war praktisch die Enzyklopädie der Menschheit oder besser gesagt, eines Menschen und seinen epochalen Vorleben. So etwas in ein einziges Buch zu pressen, wäre dem Vergleich nahegekommen, eine Mona Lisa für immer in einen Keller zu stellen. Aufgrund der einzigartigen und wunderbaren Erkenntnisse, dem unvergleichlichen Detailgrad jedes einzelnen Vorlebens, sowie den tiefer liegenden Informationen, hatte ich mich dann einvernehmlich mit Frau B. dazu entschieden, alle Vorleben wieder zu rekonstruieren, so, wie es schon in meinem Erstlingswerk entstand. Alle geplanten Bücher werden somit unter dem Begriff "Wir waren alle viele!" in Bände gefasst und mit den Namen und der Zeit der entsprechenden Persönlichkeiten versehen. Die Bände habe ich mir erlaubt, in zwei Zyklen einzuteilen. Der erste Zyklus beinhaltet die zeitlich jüngeren Vorleben von Frau B. und beginnt ab der Jahreszahl 1300 bis 1786. Der zweite Zyklus beginnt bei der "Genesis" und beinhaltet alle Leben bis 1243 und noch ein Leben darüber hinaus. Diese Einteilung besitzt den Vorteil, dass sie den interessierten Leser Stück für Stück mit den Begebenheiten der einzelnen Persönlichkeiten verschmelzen lässt, um damit ein besseres Verständnis zu entwickeln, wer und was wir eigentlich sind. Besonders im Hinblick auf diverse Dinge und Sachverhalte, die eventuell etwas verstörend auf den einen oder anderen Leser wirken könnten. Alle Aussagen entsprechen den Schilderungen von Frau B. in hypnotischer Regression und sind durch Audiodateien gesichert. Um dem Anspruch der Authentizität gerecht zu werden, sind wir jederzeit bereit einer wissenschaftlichen Prüfung zur Verfügung zu stehen! Es ist, bleibt und war, zu keinem Zeitpunkt meine Absicht in irgendeiner Art und Weise religiöse Glaubensgrundsätze zu stören noch manipulativ zu verändern. Ich bin ein frei denkender Geist und lege grundsätzlich nur meine eigenen Ansichten zu den gemachten Aussagen von Frau B. dar. In diesem Sinne möchte ich Sie nun wieder in ein wunderbares und äußerst interessantes (Vor)Leben entführen. Eines dieser vielen Leben, das praktisch in jedem von uns innewohnt und uns wissen lässt:

"Wir waren alle viele"!

Detlef K. H. Würth

Einleitung

Es ist mir eine Freude dank der Rückführung von Frau B. mit diesem Buch eine Persönlichkeit bekannt machen zu dürfen, die im 14. Jahrhundert ihr Dasein fristete und uns somit einen unvergleichlichen Einblick in dessen Zeit ermöglicht. Für ein derartig bescheidenes Leben würde sich wohl kaum jemand entscheiden, denn es handelte sich um einen Franziskanermönch! Sein Name: Samuel Francesco Blebarti, geboren anno 1300 n.Chr. in Mailand, Italien.

Bereits als Kind lastete der Einfluss von Kirche nebst gläubiger Großmutter auf ihm. Francescos Weg war damit vorbestimmt. Er legte sein Gelübde ab und wurde ein Teil der kirchlichen Institution, somit ein Diener Gottes. Jener Umstand wird uns noch tief in damalige Klosterverhältnisse blicken lassen, ebenso in einen bescheidenen, für seine Zeit gebildeten, neugierigen Menschen, der einem am Ende dieses Buches noch lange in Erinnerung bleiben wird. Möglicherweise tragen sie genau jetzt, die gleiche Frage in sich wie ich sie in den anfänglichen Sitzungen in mir trug. Was könnte solch ein gläubiger Mönch schon Großartiges von sich erzählen, außer von ein paar Tischgebeten!? Ich kann Ihnen versichern, dass es ein höchst interessantes Leben war. Oft riskierte er sein Eigenes um fremden Mitmenschen zu helfen, oder er war einfach nur drastischer Willkür ausgesetzt. Aber das Wichtigste an dieser komplexen Lebensgeschichte ist, dass alles was Sie in den Dialogen entnehmen werden, Aussagen sind, die von einer Frau gemacht wurden, die sich in einem tiefen hypnotischen Zustand befand. Niemals wurde sie auf Fragen von mir vorbereitet, denn diese entstanden aus meiner Spontanität und Neugierde heraus. Oftmals arbeitete ich in tiefer Nacht, um die vielen Audioaufnahmen abzugleichen und zu sortieren. Manchmal verlor ich mich in der Tiefe der Schilderungen und unterlag völlig der Mystik dieser Zeit.

Dieser kleine Pater war beredsam und doch verschwiegen, wissend und dennoch lernwillig, mutig und eigenwillig. Im Grunde jemand, dem man persönlich gerne mal begegnen würde. Meine Faszination für diesen Charakter steigerte sich zunehmend, je intensiver ich in sein Gedankengut eindrang. Die subtile ironische Art, die ab und an zum Vorschein kam, ließ mich oftmals schmunzeln. Die Kenntnisse seiner Zeit spiegelten sich in all den wunderbaren Aussagen, denen ich mich nur noch schwer zu entziehen vermochte. Am Ende dieses Buches werden wir alle um eine Erfahrung reicher sein!

Tauchen wir nun ein, in ein Leben, das bereits vor 700 Jahren schon einmal gelebt wurde ...

Kapitel 1

Eine Persönlichkeit mit Namen Samuel

Mein Telefon läutete gegen Abend nach Praxisschluss und es war der Anruf, auf den ich gewartet hatte. Frau B. wollte mir unseren Termin bestätigen, denn es ging um die nächste Rückführung in eines ihrer vorherigen Leben. Wir wussten wieder beide nicht, was uns dabei erwarten würde, denn heute stand ein noch nicht erforschtes Vorleben an. Die Spannung in mir stieg an, schließlich war es immer eine große Überraschung, um welche Person, Gegebenheit oder Land es sich wohl handeln könnte. Das Einzige, was ich wusste, dass es auf jeden Fall vor der Jahreszahl 1500 n.Chr. liegen musste, denn ein entsprechendes Vorleben ab 1520 hatte ich bereits in unzähligen Stunden zusammengetragen. Trotz meiner, ich möchte fast sagen, routinierte Vorgehensweise, blieb dennoch immer eine ausgeprägte Spannung mit jeder Sitzung verbunden. Besonders dann, wenn man nicht ahnte, wer einem in dem Augenblick begegnen würde. Ich war startklar und eine Stunde später läutete ich an Frau B.´s Haustür. Wir ließen uns noch etwas Zeit bei einem gemütlichen Kaffee und gingen dann langsam zur Sitzung über. Einige Sekunden später befand sich Frau B. in einem tiefen Trancezustand und ausgedehnte Ruhe lag im Raum. Wie ich bereits in meinem ersten Buch „Wir kommen alle wieder!“ ausführlich beschrieben hatte, bat ich den unbewussten Anteil Frau B.´s, in das nächste vorherige Leben zu gehen, was es sofort durch das unwillkürliche Zucken des „Ja-Fingers“ bestätigte. Die Spannung stieg und ich stellte meine erste Frage...

F: wo bist Du?

A: ..........im Garten..(klingt schwach)

F: was tust Du denn dort?

A: .....ich bete! Ich gehe durch den Garten und bete.........die Mittagsonne

scheint....(klingt schwach)

F: wie ist Dein Name?

A: ich bin Pater!....Padre Samuel!..

F: und wie ist Dein vollständiger Name?

A: .....Samuel...Francesco..

F: noch was?

A: den Nachnamen weiß ich, aber den kann ich nicht sagen!

F: kannst Du ihn nicht aussprechen? Versuch es mal, Pater Samuel Francesco...?

A: .............(keine Antwort)

F: möchtest Du diesen Namen nicht sagen?

A: ich darf den Namen nicht sagen!!

F: weshalb nicht?

A: ...unter Gott bin ich Pater....ich bin Padre Samuel!....Alle nennen mich Padre Samuel!

F: aber aus welchem Grund darfst Du Deinen Namen nicht nennen?

A: ich habe das alles abgelegt!

F: ich verstehe! Warum wurdest Du ein Pater?

A: ...auf Wunsch der Großmutter.........sie wollte, das ihr eigener Sohn sich nur Gott anvertraut...aber...mein Vater wollte das nicht!

F: und so wurdest Du dann ein Pater?

A: ja!...Mein Vater war schwach...er...er liebte zu sehr und wurde gefangen...von den weiblichen Reizen..

F: und von diesen weiblichen Dingen hast Du nun abgelassen?

A: ..ja!

F: gelingt Dir das gut?

A: ......darüber redet man nicht! (wirkt zurückhaltend, etwas nervös und schwach)

F: in welchem Alter befindest Du Dich?

A: ..ich bin in dem...dreiundfünfzigsten Lebensjahr! (schwach)

F: und wie geht es Dir?

A: ..ich spüre tiefe Wut in mir!!

Das waren die ersten Aussagen, die ich von diesem Pater bekam. Ich war ziemlich verwundert, denn mit einem heiligen Mann hatte ich nun absolut nicht gerechnet. Aber wenn dem tatsächlich so war, besaß er selbstverständlich all das, was ein Mönch aus dem Mittelalter an Wissen kannte. Das machte mich noch weit neugieriger, als ich es ohnehin schon war. Es lag wieder eine gespenstische Atmosphäre im Raum, wie ich sie schon oft in unseren Sitzungen erleben durfte. Was ich als bemerkenswert empfand, war seine Aussage, dass er - tiefe Wut- in sich spürte. Für einen Pater doch eine ziemlich merkwürdige Sache dachte ich mir und ich sollte damit noch Recht behalten. Die Wut, die er empfand, war keineswegs unbegründet, denn ich darf Ihnen hier schon so viel verraten, dass ihm wirklich Schreckliches widerfuhr! Wir werden hierzu gegen Ende des Buches noch einiges erfahren. Ich wollte unbedingt eine Beschreibung seines Aussehens, denn das ist immer wichtig, damit Frau B. eine gute Zeichnung anfertigen kann. Da er sich bereits im fortgeschrittenen Alter befand, gab ich die Anweisung, in ein mittleres Lebensalter zu wechseln. Sein Anblick war ihm durch das Spiegelbild im Wasser bekannt.

F: wir gehen nun in Dein mittleres Lebensalter! Hast Du schon einmal Dein Gesicht gesehen?

A: ....ja!

F: beschreibe es mal?

A: ....ich habe runde Augen wie Klöpfe!....Runde Augen....wie Klöpfe..

F: Klöpfe!?

A: ja!

Ich kann mir bis heute nicht erklären warum er den Ausdruck Klöpfe benutzte.

F: was sind denn Klöpfe!?

A: ...das sind so runde...wenn man Holz in Scheiben schneidet...dann sind solche Ringe in dem Holz und das Mittlere ist klein und rund...und das sind Klöpfe und so sind meine Augen....rund und klein!..

F: und Deine Nase?

A: meine Nase...die ist schmal und kurz....mein Mund...meine Lippen die sind schmal..

F: trägst Du einen Bart?

A: ...ich habe noch nicht viel Bart!

F: bist Du noch jung?

A: ja!...Die Älteren tragen Bart!

Image

(Zeichnung Frau B.) Samuel im mittleren Lebensalter

Ich bin froh über die sehr lebendig wirkende Zeichnung von Frau B., denn nichts ist in der Lage mehr Informationen zu vermitteln, wie ein gutes Bild. Das Gesicht strahlt eine gewisse Neugierde aus, die sich förmlich in den Vordergrund drängt. Da Frau B. viele Zeichnungen anfertigen konnte, lasse ich auch diese mit Freude in das Buch mit einfließen. Somit kann eine viel dichtere Atmosphäre der geschilderten Ereignisse geschaffen werden. Was vielleicht noch interessant wäre an dieser Stelle zu erwähnen, Frau B. teilte mir mit, dass sie sich oft, während sie zeichnete, in einem Trancezustand befand. Sie sagte mir wortwörtlich „Ich habe das Gefühl, als zeichnete mein Unterbewusstsein diese Bilder“. Und genau durch dieses liegt uns nun ein zweites detailliertes Leben vor.

Kapitel 2

Eine bittere Geburt

Milano, besser unter dem Namen Mailand bekannt, liegt in dem nördlichen Bereich Italiens. Dicht besiedelt und äußerst verkehrsträchtig präsentierte sich diese italienische Metropole, wie die meisten solcher Großstädte. Blechlawinen zwängten sich hupend durch die Straßen, Abgase schienen sich irgendwie mit den Menschenmassen zu vermischen, die an den schön gestalteten Fassaden der Häuser vorbeischlenderten. Ich versuchte, mir vorzustellen, wie sie wohl zu den Zeiten Samuels ausgesehen haben mag. Bestimmt viel kleiner, ruhiger und überschaubarer, zudem garantiert sauerstoffreicher. Wie könnte es gewesen sein, in solch einer Stadt im Mittelalter zu leben? Wie war diese Zeit? Wie erging es einem Heranwachsenden? Wer hatte das Sagen? Derartige Gedankenblitze schossen mir unentwegt durch den Kopf, denn in dieser Stadt erblickte Francesco Blebarti, das Licht der Welt. Ein weiteres Vorleben von Frau B., das uns alle diese Fragen beantworten wird und zudem in der Gestalt eines Mannes! Ungewöhnlich? Nein keineswegs, denn Frau B. besitzt Vorleben als Mann, sowie auch als Frau. Ist es deswegen interessanter? Absolut, denn Frau B. ist ja nun mal in ihrem heutigen Leben eine Frau und besaß vor den Rückführungen keinerlei Bezug zu den inneren, noch äußeren Anteilen eines Mannes. Und genau das macht den ganzen Sachverhalt noch ein gutes Stück interessanter, denn welche Frau denkt und fühlt schon wie ein Mann? Wenden wir uns aber zu dem Wichtigsten, dem Anfang, dem Alpha, damit ein Omega erst entstehen kann. Begleiten wir nun wieder gemeinsam eine Persönlichkeit und deren Geschichte, die im wahrsten Sinne des Wortes, das Leben selbst schrieb! Es begann in Milano, irgendwo in einem kleinen Hause der Familie Blebarti...

F: was passiert?

A: ....es ist eng.....es drückt!!..(verkrampft).....Es geht nicht.... voran..(Augen rollen unter den Lidern hin und her, wirkt nervös)..

F: was ist?

A: ....ich weiß es nicht..(verkrampft, ängstlich)..

F: ja?

A: ...irgendetwas stimmt da nicht......ich nehme Stimmen wahr.......es geht mir nicht gut (Gesicht wirkt sehr verkrampft).. F: warum?

A: ...ich weiß es nicht......es fehlt irgendwie etwas..

F: es fehlt etwas?

A: .....es ist etwas nicht in Ordnung..

Scheinbar nahm hier der Embryo bereits instinktiv die fehlende Kontraktion der Gebärmutter wahr!

F: erzähle alles, was passiert!

A: ...irgendetwas zieht mich am Kopf......ahmmmm...(Atmung verändert sich, wirkt belastet)......es zieht mich!!....Ahhhh.....es zieht mich raus!!....Raus...aus dem.....(wirkt plötzlich ruhiger)..

F: und jetzt?

A: .....es ist hell!!.......Es ist hell!!...Es ist warm!!....Ich sehe nur.....eine Frau....die mich ins Stroh.....ins Stroh legt..

F: ja?

A: .....mich mit dem Stroh zudeckt.....und mir die Arme...an den Körper drückt..

F: wie meinst Du das?

A: sie drückt meine Arme an meinen Körper............und legt mich zu meiner Mutter.....an die Brust!............Sie reagiert nicht (Augen bewegen sich stark unter den Lidern hin und her)....sie halten mich fest...........................sie reagiert nicht..(nervös)

F: bist Du nun an der Brust?

A: ja!

F: und?

A: .....da ist nicht viel!....(klingt schwach)............Ich habe Hunger!!!..(weinerlich, schwach)..

F: aber Du bist doch nun an der Brust?

A: ....ahhmm....da kommt nichts!!........Sie versuchen an der anderen Seite....mir die Brust zu geben!.......Ahmm.....ich schmecke etwas....ein bisschen......da sind viele Leute...die Reden..

F: hörst Du was sie sagen?

A: ......sie weinen.....sie jammern.......ich weiß nicht was!............So eine Frau nimmt mich meiner Mutter fort!.......Man bringt mich von dort weg......mich trägt jemand...durch die Gegend!........Ich höre, wie sich jemand unterhält..

F: was ist denn mit Deiner Mutter?

A: ..ich weiß es nicht.....man legt mich der Frau an die.......an die Brust!...........ohahhmmmmmmm..(wirkt entspannter im Gesicht, schluckt)..

F: und ist es nun besser?

A: ....(schluckt)...ja....ahhh..........ich bin jetzt dort bei dieser anderen Frau.......da ist noch ein...Kind..

F: an der Brust?

A: dort in dem Raum!

Wie wir anhand der Schilderungen feststellen, war sich der Fötus über einiges bewusst, was um ihn herum geschah. Diese Aussagen aus seiner Sicht zeigen uns doch deutlich, wie viel Bewusstsein eigentlich schon vorhanden sein muss! Aufgrund des eintretenden Todes blieb die Kontraktion der Gebärmutter aus, was praktisch instinktiv wahrgenommen wurde. Derartige Sterbefälle waren keine Ausnahme, zu der Zeit in der Francesco lebte, genauso wie auch die Zahl an Totgeburten sehr hoch war. Wir werden im Laufe der Kapitel noch mit so einigen Dingen konfrontiert werden, die es wirklich in sich haben. Die harmonischeren Gemüter meiner Leserschaft muss ich deshalb um Verständnis bitten, aber ich möchte die Authentizität so deutlich wie möglich hervorheben. Die Geburt Francescos war nun vollzogen und so übernahm seine gläubige Großmutter die Erziehung, da die Mutter im Bett verstarb. Diese sorgte für die Richtung seiner Zukunft. Der Vater spielte in Francescos Leben kaum eine erwähnenswerte Rolle, sodass ich auch nicht weiter auf ihn eingehen möchte. So war der Weg Francescos bereits schon nach seiner Geburt vorbestimmt und er sollte später einmal das werden, was seine Großmutter sehnlichst wünschte, ein Pater!

Kapitel 3

Eine unschöne Kindheit

Wie der Name des Kapitels schon verlauten lässt, war Samuels Kindheit nicht einfach! Er arbeitete praktisch täglich für die Belange der Kirche, denn diese war zu jener Zeit der Regent des Ortes. Alles lief über jene Institution, wie wir noch genauer erfahren werden. So arbeitete der junge Samuel in verschiedenen Bereichen oder war Augenzeuge bestimmter Vorgänge. Das gibt uns natürlich einen faszinierenden Einblick in das Leben eines Kindes und Jugendlichen, in einem Zeitraum, der ungefähr zwischen 1307 bis 1315 lag. Was sich recht früh in den Sitzungen aufzeigte, war die Strenge, mit der die Kirchenangehörigen gegen die Knaben vorgingen. Leider, so unschön es auch klingen mag, stellte sich in den Sitzungen heraus, dass auch verschiedene Pater nicht vor sexuellem Missbrauch zurückschreckten, was bedauerlicherweise viele Kinder und demnach auch Samuel betraf. Ich werde dieses Thema nur ganz kurz behandeln, damit der Umstand nachvollzogen werden kann. Die Sitzungen über die Art und Weise des Missbrauchs möchte ich dem Leser ersparen, denn es war einfach nur widerlich! Zum größten Bedauern muss man noch erwähnen, dass solche Schandtaten immer noch jährlich in Verbindung katholischer Organisationen stehen und kein Ende finden. Warum dieser Deckmantel des Schweigens immer noch funktioniert, wird einem vielleicht klar, wenn wir die Aussage Samuels bezüglich der Schweigepflicht jedes Kirchenangehörigen genauer betrachten. Denn bereits die Knaben mussten über alle Vorgänge schweigen! Beschreiten wir nun gemeinsam mit ihm diesen dornigen Weg der Kindheit, der ihn letztendlich mit zunehmenden Alter, dem Wunsch seiner Großmutter näher brachte.

F: wie ist Dein vollständiger Name?

A: ....Samuel Francesco...Bl..Ble....Blebarti..

Den Namen Samuel erhielt er schon recht früh von seiner Großmutter. Er trug ihn später auch als Pater bis zu seinem Lebensende.

F: Samuel Francesco Blebarti!

A: ja!

F: wo bist Du jetzt?

A: bei....meiner Großmutter..

F: wie heißt denn Deine Großmutter?

A: ..wie die Meisten hier!

F: wie denn?

A: Maria!

F: Maria, wie noch?

A: Blebarti!

F: und die meisten Frauen heißen Maria!?

A: ja!

Diese Aussage verwundert nicht, wenn man bedenkt, dass man noch heute in vielen Hochburgen des Glaubens die Namen von Heiligen taufen lässt.

F: wie heißt denn der Ort, in dem Du lebst?

A: Milano!

F: wurdest Du in Milano geboren?

A: ja!

F: gibt es Bezeichnungen für Straßen?

A: ..nein...das ist......im Dorf...wir wohnen im Haus der Familie...von den (unverständlich) Blebarti..

F: beschreibe mal das Haus, in dem Du lebst! Wie sieht das von außen aus?

A: ..wir haben schon ein gutes Haus...ein Haus.....unten mit so Steinen...mit Steinen schon gebaut...und oben...mit Holz noch dazu!...Das wurde dann mit getrockneten Halmen abgedeckt...dort wohnen wir!......Es ist schön!..

F: wie heißt denn Dein Vater?

A: Francesco!....Francesco Blebarti.....ich heiße auch Francesco!..

F: und Deine Mutter?

A: ...ähm..

F: was?

A: meine Mutter die lebt nicht mehr!

F: warum?

A: ....sie starb nach der Geburt von mir!...Ich habe sie nicht kennen gelernt!

F: und sagte man Dir ihren Namen?

A: Lucina!

F: was arbeitet denn Dein Vater?

A: ...der arbeitet hier!...Da…werden Sachen gemacht, die man anzieht..

F: ist das ein Schneider?

A: ....nein.....das sind solche....von Pflanzen...die trocknet man!... ..Man bricht sie auf...und dann werden irgendwie...die Kleider daraus gemacht..

F: ach so Baumwolle?

A: das ist, woraus man Kleider macht, ich weiß es nicht genau!

Eine ganz naive kindliche Beschreibung und absolut passend zu seinem Alter, denn Francesco war zu diesem Zeitpunkt erst sechs Jahre alt!

F: kannst Du schreiben oder lesen?

A: ...nein!

F: wirst Du von jemandem darin unterrichtet, in dem Alter, in dem Du jetzt bist?

A: ...nein!..

Für die meisten Menschen gab es praktisch keine Bildung zu dieser Zeit. Aber es gab eine Option, die so etwas ermöglichen konnte. Dieser Weg führte geradewegs in ein Kloster, genauso wie es sich seine Großmutter für ihn gewünscht hatte. Wir werden durch die folgenden Kapitel noch deutlich erkennen können, wie sehr Ursache und Wirkung miteinander verbunden sind und wie bedeutend ein ganzes Leben davon beeinflusst werden kann. So wie ich es schon damals beschrieb, ist alles abhängig von gegebener Information. Und glauben Sie mir, das Gleiche steht auch im Zusammenhang mit vielen chronischen Erkrankungen, worauf ich aber jetzt nicht näher eingehen möchte. Aber nun weiter in das 12. Lebensjahr des jungen Francescos.

F: was tust Du denn den ganzen Tag?

A: ich helfe auf…dem Feld!.....Denn man muss ja auch essen....diese Feigenbäume...die Feigen...muss man ja auch einsammeln!..

F: kannst Du mal beschreiben, wie Du aussiehst?

A: ..ich bin dünn!...ich bin nicht groß!....Ich habe helle Haare...keine so dunklen wie die Anderen! Helle Haare!

F: haben alle anderen mehr dunkle Haare?

A: die haben dunkle Haare, aber meine sind hell!

F: weißt du aus welchem Grund? Wurde mal etwas von Deinem Vater oder Deiner Großmutter gesagt?

A: meine Großmutter sagte, dass meine Mutter schon helle Haare hatte.....es liegt in der Familie!

F: bist Du dunkelhäutig?

A: wir sind alle braun!

F: wie heißt denn das Land, in dem Du lebst?

A: es ist Italien..

F: und was möchtest Du später einmal tun?

A: ..ich möchte irgendwann mal hier weg!! (typisch kindlich gesprochen)

F: wohin denn?

A: ich möchte über das...große Wasser fahren...in ein anderes Land!

Was er hier im Alter von 12. Jahren von sich gab, wird er noch mal in einem sehr viel späteren Alter bekräftigen. Bedauerlicherweise wird sein Wunsch in Erfüllung gehen, aber für einen fürchterlichen Preis!

F: in welches denn, was hast Du denn darüber gehört?

A: ...es soll Länder geben, in denen es ganz kalt wird!

F: und dort möchtest Du hin!?

A: ja..

F: warum?

A: weil ich das gerne sehen möchte!

F: ist es immer warm, dort wo Du lebst?

A: hier ist es...eigentlich immer recht warm....vielleicht mal nicht so, aber..

F: wie alt bist Du denn jetzt?

A: ich werde 12..

F: und woher weißt Du das?

A: ..weil man das...an den Händen sieht...das ist eine Zahl…zwölf!

F: und das siehst du an den Händen?

A: die Zahlen sind wie die Hände!...Die Finger! Das hatte mir meine Großmutter gesagt! Sie hatte mir das gezeigt.....in einem...Buch! (kindlich stolz)

F: in einem Buch?

A: ja, da ist...auf der letzten Seite...eine Sonne!...Die Sonne...die hat Zahlen...die hat zwölf Zahlen!..

F: Kennst Du auch den Namen von diesem Buch?

A: ........Theatre....profore..

F: konntest Du das selbst lesen? Hast Du bereits ein wenig, lesen gelernt?

A: ..nein..

F: und woher kennst Du den Namen?

A: von meiner Großmutter, sie hatte das gesagt!

F: weißt du auch, von was das Buch handelte?

A: ..es handelte...von mächtigen Herrschern..

Image

(Zeichnung Frau B.) Buch der Herrscher

In einer weiteren Sitzung mit Frau B. wollte ich dann mehr über die Tätigkeiten des Jungen gegenüber der Kirche herausfinden und so kam einiges an die Oberfläche. Dadurch gewinnen wir nun einen sehr plastischen Eindruck, wie ein Kind im 14. Jahrhundert leben durfte!

A: ich muss nun.....zum Padre!..

F: warum?

A: ...ich soll ihn begleiten!....Dafür esse ich mich jetzt noch kurz satt..

F: wartest Du nun auf ihn?

A: nein, ich...ich warte auf die Großmutter....ich warte bis sie fertig ist....mit ihren Gebeten...das ich gehen kann..

F: ist sie sehr gläubig?

A: ja..

F: wo verrichtet sie ihr Gebet?

A: sie steht vor mir...und sie betet und sie küsst ihr Kreuz ununterbrochen!.....Dann fährt sie mir über den Kopf, an der Wange vorbei...und dann..........lauf ich los.....den Padre Antonius begleite ich..

F: und wo genau gehst du nun hin?

A: ich gehe jetzt rüber....in der Mitte.....bei der Kirche ist ein großes Haus, dort leben ein paar der Padre!......Da gehe ich hin…dort werden noch Dinge aufbewahrt..

F: was denn?

A: ...die haben so...Kisten....da sind noch solche getrockneten Kräuter drin....habe ich gesehen…die sie dort in diesem Haus aufbewahren!...Und dann gibt es so ein Kellergewölbe....deswegen bin ich ja dort....da werden sie auf so einen großen Karren geladen!...So leere riesige Holzfässer......und damit mach ich mich mit dem Padre auf den Weg!

F: befindet sich etwas in diesen Gefäßen?

A: die sind leer...die werden aber gefüllt!

F: was kommt hinein?

A: außerhalb von Milano da gibt es...ähm...da wird Wein...wird roter Wein gemacht!....Die werden dann dort von uns befüllt...und dann bringen wir sie wieder nach Milano!

F: weißt Du, wie man diesen Wein nennt?

A: ....Vinito...oder so...ich weiß es nicht genau.....Vineto de Salva...Vineto di Sal...ohh....ich…..ahm...

Leider müssen wir uns damit abfinden, dass Frau B. nie eine Fremdsprache gelernt hatte. Wie ich schon bereits in meinem ersten Buch erklärte, wuchs Frau B. in einer sozial schwachen Familie auf, geprägt durch die Sonderschule, gab es keine Grundlage in fremdsprachlicher Hinsicht zu wachsen. Deshalb kam es hin und wieder zu Barrieren, wenn es um das Lesen oder Wiederholen von italienischen oder lateinischen Worten ging. Sie sagte mir oft in den Nachbesprechungen, dass Samuel alles in Italienisch sprach und hörte, dass Verstehen aber, ohne den geringsten Zeitverlust in das Deutsche umgesetzt wurde. Es präsentierte sich ganz so, als ob das Unterbewusstsein die Informationen in Sekunden in der Lage war zu decodieren. Als würde es bewusste Anteile des Sprachzentrums von Frau B. nutzen, um eine direkte Übertragung der innen liegenden Prozesse des Geschehens zu übermitteln. Hätte Frau B. Italienisch sprechen gelernt, wäre wahrscheinlich auch bestimmt eine direkte Anrede Samuels in seiner Sprache möglich gewesen. Ich hatte ein solches Experiment versucht, aber ohne Erfolg. Möglicherweise ist die erlernte Muttersprache die Grundlage. Aber ich möchte mich damit auch nicht zu weit hinauslehnen, da mir keine Vergleichsmöglichkeiten bislang vorliegen.

F: wie heißt denn der Ort, wo man diesen Wein anbaut?

A: das gehört noch zu Milano...aber es ist...am Rande!....Ich weiß nicht genau, wo, aber dort sind mehr solche Hügel, wo diese Pflanzen wachsen....diese Sträucher!....Wir müssen den ganzen Berg da hoch...dann kommt so ein großes Haus!...Die haben das dort so in diesem Berg!….Das ist so verbunden wie ein Gewölbe....und da haben die das Ganze drin! Es ist immer kühl dort unten!..

F: und ihr seid nun auf dem Weg dorthin um diese Gefäße zu befüllen?

A: diese Gefäße werden gefüllt und werden dann verschlossen!...Wir werden in der Nacht dann zurückkehren, da es tagsüber zu warm ist... sonst geht der Wein kaputt!

Eine durchaus logische Aussage! Die Nacht besaß mehr Kühle und keine gefährliche Sonneneinstrahlung, die den Wein hätte verderben lassen können.

F: kommt auf die Gefäße ein Verschluss?

A: über die Öffnung kommt wie so ein....ein Stoff!....Dann kommt so ein Deckel drauf....wird dann so drauf gelegt..

F: Stoff?

A: wird drüber gelegt und dann mit so einem Holz...so einem runden Holz... wird das dann so...ein bisschen eng dort hineingedrückt!...Der Stoff dichtet so ein bisschen die Löcher rundherum ab!..

F: ist das ein guter Wein, hast Du ihn schon einmal probiert?

A: ..nein...ich darf das nicht!...Aber das riecht gut!

Image

(Zeichnung Frau B.) Samuel in Begleitung mit Pater zum Weinberg

F: warum darfst Du das nicht trinken?

A: das ist nur für die Padre! Nur für die Padre...und für die Kirche!

F: für die Kirche?

A: ja, für die Kirche und..

F: und die normalen Leute in Milano?

A: ...solche Weine haben wir nicht!

Für alle diejenigen die Glauben, dass man durch die Hypnose solche Prozesse mittels Fragestellung beeinflussen kann, zeigt der letzte Satz deutlich, dass dies nicht der Fall ist!

F: habt Ihr auch Wein?

A: ja, aber nicht von dem..

F: nicht so ein guter Wein?

A: nein...der wird nicht so in den Fässern gelagert...das scheint viel auszumachen..

F: was?

A: ....wenn man den so in den...dunklen kühlen Gemäuern…lagert..

F: warst Du schon einmal dort?

A: ja!

F: was sieht man denn?

A: ..da sind...diese großen Fässer!...An der Seite ist das, so offen wo sie das einfüllen!...Dann stehen dort so große Töpfe...mit dieser Frucht...dieses Ausgedrückte.....das werfen die ja nicht weg!

F: nein? Was tun sie denn damit?

A: ..ich weiß es nicht!....Die werfen das nicht weg…das steht dann dort!....Da sind solche Holzkübel...wo man diese Frucht ausdrückt... das ist aus Holz, wie so ein rundes Gefäß!...Dort machen sie die Frucht hinein...und dann ist da noch wie so eine Holzrinne, da läuft es ab...und von dort hinunter zu einem großen Gefäß..

F: wie wird das ausgedrückt?

A: ...mit dem runden Holzteil! Das wird so draufgeschlagen...das es ausläuft!....Oben haben sie dann so eine große…..runde Holzschale...da wird das mit den Füßen ausgetreten!....Das sind aber andere Sorten!....Die unten sind ganz tiefrot und draußen die sind mehr so bräunlich...da wird mehr davon gemacht!....Ich glaube das ist die schlechtere Frucht.....es riecht auch anders!....Überall stehen noch Gefäße herum...und auch schon welche, die gefüllt sind!....Große Gefäße!...Die sind so passend hineingemacht.....immer so passend zu diesen Öffnungen im Felsen, die dort so ein bisschen sind..

Image

(Zeichnung Frau B.) Die Weinfässer im Berginneren bei Milano

F: befinden die sich in den Felsnischen?

A: das geht so hinein...ja!...Es ist dort auch unbeschreiblich...kalt!

F: sind dort auch Padre? Arbeiten sie dort?

A: da sind auch Padre, aber nicht nur...sind auch...normale Leute, die dort helfen!..

F: aus Milano?

A: aus Milano...aber auch Kinder die...nach den Sträuchern schauen müssen!....Sie legen sehr viel Wert drauf, dass an diese Sträucher nichts dran kommt!....Und es wird darauf geachtet, wie diese Früchte wachsen…..es sind immer Leute dort!

F: wird dieser Eingang auch mal verschlossen oder sind dort immer Leute?

A: es ist immer jemand dort, der aufpasst, dass niemand etwas wegnimmt!

F: ist das alles für die Kirche?

A: ja! Das ist alles für die!.....Die leiten hier rundherum alles!

F: kennst Du das Oberhaupt der Kirche?

A: .....das ist.....“Da Bicofe..Joseppe!“..

F: wie noch mal?

A: Da Bicofe...Bicofe!!..(energisch)

F: wie?

A: Da Bicofe!!!...(wirkt genervt)

F: ach so! Der Bischof!

A: ja! Bicofe Joseppe!!

F: und der lebt in Milano?

A: ja! Aber der ist immer nur in der Kirche! Der ist in der Kirche und dort empfängt er immer...Leute...und er lebt dort..

Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, als mir Frau B. einen Tag nach unserer Sitzung die Zeichnung von diesen Weinfässern zeigte. Betrachten wir sie einmal genauer, können wir Interessantes entdecken. Zum einen die Größe der Fässer, die irgendwie in ihrer Proportion riesig wirken. Das könnte ein Hinweis dafür sein, wie groß sie auf den kleinen Samuel gewirkt haben mussten. Auch die kleinen Gefäße, die man am Boden vor den Fässern stehen sieht. Diese machen Sinn, wenn man den Wein probierte. Die Anordnung der Fässer steht in einem realistischen Verhältnis und man kann sehr gut, anhand der aufsteigenden Stufen im Hintergrund, die Tiefe der Einrichtung erkennen. Alle Zeichnungen von Frau B. zeigen eine gewisse Lebendigkeit, halt eben so, als wäre sie dabei gewesen!

F: hast Du schon schlechte Erfahrungen mit den Padres gemacht?

A: ..es gibt da Gute und weniger Gute..

F: was tun denn die weniger Guten?

A: ..sind immer wütend und schlagen!..

F: zu welchem Anlass?

A: wenn man etwas falsch macht!...Wenn etwas nicht stimmt...(leicht ängstlich)....mehr sage ich nicht!!

F: mehr sagst Du nicht!?

A: nein!!

F: weshalb? Du kannst mir doch alles sagen! Was weißt Du noch?

A: ..nein!!! (Augen rollen stark unter den Lidern, Gesicht wirkt angespannt)

F: Du kannst es mir sagen, nur zu! Was weißt Du darüber?

A: ...................(presst die Lippen aufeinander, wirkt angespannt)

F: ja!? Was?

A: ....nichts!!

F: nun sag es doch!

A: ..nichts!!

F: aber da ist noch mehr?

A: ....nein..(zögerlich)

Wir sehen hier eine klare Reaktion, die ich bereits in meinem vorherigen Buch ausführlich behandelt hatte. Eine vollkommen reaktivierte Persönlichkeit, die absolut eigenständig handelt und denkt. Frau B. sagte mir in der späteren Nachbesprechung, dass er an diverse Missbrauchshandlungen dachte, die ab und an ein Pater mit ihm ausübte. Wie bereits schon am Anfang des Kapitels erwähnt, möchte ich auf die Wiedergabe des Missbrauches hier verzichten. Lediglich zum besseren Verständnis sei gesagt, dass er mehrfach verschiedenen Pater zur Verfügung stehen musste. So erging es nicht nur ihm allein, sondern auch vielen anderen Kindern. Man kann sich vorstellen, wie sehr diese jungen Menschen eingeschüchtert wurden, niemals ein Wort darüber zu verlieren. Lesen Sie es selbst!

F: lügst Du nun? Sag die Wahrheit!

A: ...ich sage die Wahrheit!.......Ich muss jetzt wieder nach Hause...(flüstert vor sich hin)

F: noch mal!

A: ..(unverständlich)..(presst die Lippen ganz fest zusammen)

F: noch mal bitte!

A: ..die ähmm........

F: sage es noch mal!

A: ....sie sind von Gott gesandt..(verzieht den Mundwinkel)

F: und was machen sie? Was weißt du darüber?

Die Anspannung in Frau B.´s Gesicht, die zeitweilig zusammengepressten Lippen und die raschen Augenbewegungen unter ihren Lidern, zeigten Ängstlichkeit und Ehrfurcht vor diesen Gottesmännern. Es musste eine sehr große Einschüchterung stattgefunden haben. Dennoch schien es so, als wollte er die Wahrheit leicht durchsickern lassen, indem er seiner Aussage einen ironischen Unterton gab.

A: sie machen nur alles, was gut ist....(klingt gelogen und mit leicht ironischem Unterton)

F: und was machen sie denn so Gutes?

A: ..........ich weiß es nicht...(presst die Lippen zusammen)

F: was haben sie denn Gutes mit Dir gemacht?

A: ..........das man........Essen hat..

F: und was noch?

A: ........das ich keine Sünden habe..

F: was musst Du denn für sie tun, damit Du keine Sünden hast?

A: ..ich tue das was sie sagen..(presst die Lippen stark zusammen, Gesicht spannt sich an)

F: was sagen sie zu Dir?

A: ...das man für Gott arbeitet!...Wenn man das nicht tut, dann erntet man nichts!..

F: und was noch?

A: ...das ist...manche........das ist alles Zuviel!!!

F: was ist Zuviel?

A: ..die ganzen Fragen sind Zuviel!!!

Für Frau B. wären die Fragen sicherlich nicht ein Zuviel gewesen, dafür lag sie ja bereitwillig in Trance. Aber für das Kind Samuel war es einfach genug der Fragerei. Es schien, als hätte ich ihm eine Fluchtmöglichkeit genommen.

F: hm, in Ordnung! Scheint die Sonne?

A: ...ja..

F: woher weißt Du zum Beispiel, dass es Mittag ist?

A: ....das fühlt man.....wenn es so richtig heiß ist!...Man fühlt mittags die Hitze....und dann gibt es immer so einen Moment, in dem man es weiß!....Es ist so innerlich...das.....das fühlt man!

Nur wer in solchen Regionen lebt und nie eine Zeitmessung kennengelernt hat, würde wohl solch eine Aussage von sich geben. Zeit ist und bleibt ein innerer Prozess, auch wenn wir ihn in den Jahrhunderten an Entwicklung messbar gemacht haben. Gehen wir nun in das 16. Lebensjahr von Samuel.

F: was tust Du so den ganzen Tag?

A: ..ich stehe morgens auf...dann lauf ich rüber auf das Feld...oder ich fahre den Zugkarren....mit der großen...wo man Wasser hinein macht...für das Feld!

F: nimmst Du ein Gefäß?

A: ich ziehe so einen Karren...da mach ich dann Wasser hinein...in so einen großen...großen Holzkrug!......Den ziehe ich dann rüber zu dem Feld!...Dann....muss ich alle Pflanzen...bewässern....denn man muss darauf achten...dass sie nicht austrocknen! Sollten Schrecken da sein, dann muss man sie alle einsammeln.....die muss man kaputtmachen!

F: was machst Du kaputt?

A: die Schrecken!

F: Schrecken?

A: ja!! Die machen das.....die machen das alles kaputt! Die muss man dann holen und kaputt machen!

F: sind das viele?

A: wenn man es nicht macht, sind es viele!

Heuschreckenplagen waren zu dieser Zeit ein großes Problem und ebenso eine Gefahr für die Felder. Heute noch in manchen Regionen unserer Erde stellen sie immer noch eine fürchterliche Plage da! Ich werde später noch kurz auf die kindliche Art der Aussagen eingehen.

F: und was machst du mit ihnen, wenn Du sie kaputt gemacht hast?

A: die mache ich alle.....auf den Wagen dort!...Da lasse ich sie......und dann werfe ich sie nachher irgendwohin..

F: bist Du immer ganz alleine auf diesem Feld?

A: ..nein! Das würde ich alleine nicht schaffen!

F: wer ist denn noch bei Dir?

A: ..sind auch noch Kinder aus dem Dorf..

F: wem gehört denn dieses Feld?

A: ...das gehört der Kirche!

F: der Kirche!?

A: ja!....Über die läuft ja alles!

F: was heißt das genau, „läuft alles“?

A: das wird alles von der Kirche gesteuert...soviel ich weiß..

F: kennst Du dort jemanden von dieser Kirche in Milano?

A: ...der Malde!...Der Padre Malde!...Der kommt und schaut....manchmal sind es auch mehrere die dabei sind..

F: was meint er denn, wenn er vorbei kommt?

A: die schauen sich das an...die sind oft unfreundlich!..

F: unfreundlich?

A: ich weiß es nicht.....die sind immer am Bemängeln...immer am Schimpfen!..

F: gib mal wieder, was er so sagt!

A: ...es ist wegen den Schrecken!....Einer hatte sie an den Rand des Feldes geworfen...und dann hatte er angefangen zu schimpfen!...Denn wenn sie nicht richtig kaputt wären, diese wieder zu sich kämen und dann wieder auf das Feld springen würden...und fliegen!...Die können ja auch fliegen!...Ja...die sind...immer am Schimpfen!......Dann ist nicht genug gewässert..(hebt leicht die Augenbrauen und verzieht den Mundwinkel)

F: also es reicht ihnen nie, wie ihr das macht?

A: nein!!..

F: arbeiten auf diesem Feld nur Kinder?

A: wir machen das...ja!....Manchmal noch ein paar von den...Padre dort...die dann mal da sind......in Milano..

F: magst Du die nicht so?

A: nein!!

F: schlagen die auch mal?

A: ja!! Ganz schön hart!!...Man bekommt auch mal eine Ohrfeige!

F: hast Du schon mal eine bekommen?

A: ja!! (energisch)

F: erzähle mal, was vor sich ging!

A: ....ich hatte in dem Feld ein paar Halme niedergetreten!...Die richten sich ja eigentlich wieder auf...aber es war ihm egal!....Er sah es.....dann wollte ich antworten und kaum hatte ich ein Wort raus ,da hatte er mir schon links und rechts ins Gesicht geschlagen.....und sagte: „Das soll eine Lehre sein!“...und....“Man widerspricht der Kirche nicht!“..

So viel vorab über die Erziehungsmethoden, denen Samuel in seiner Kindheit ausgesetzt war. Einige werden sich wohl jetzt die Frage stellen, wie es wohl einem Kind ohne die kirchliche Erziehung erging. Dazu kann ich im Hinblick auf ein anderes Vorleben von Frau B. sagen: „Es ging ihm bei Weitem viel besser!“

F: hast Du schon eine Freundin?

A: nein! (etwas schüchtern)

F: warum nicht?

A: ..ich mag das nicht!

F: magst Du keine Mädchen?

A: ...die sind...nett....und....schön..(lächelt leicht)

F: aber?

A: meine Großmutter sagt, dass ich das nicht darf!.....Und ich soll das nicht tun.........mein Vater hätte schon kein Glück!

F: weil Deine Mutter bei Deiner Geburt verstarb?

A: ..ja..

F: was sagte sie zu Dir?

A: dass es die Strafe war!...Gott bestraft jeden!....Er hätte Padre werden sollen...aber hatte sich für meine Mutter entschieden!..

Was die Großmutter bei ihrem Sohn nicht erreichte, setzte sie dann energisch bei ihrem Enkel um.

F: möchte Deine Großmutter, dass Du nun Padre wirst?

A: sie möchte, dass aus mir etwas Besseres wird!....Ich bin es ihr schuldig...sie hat mich groß gezogen!

F: was möchte sie nun von Dir?

A: …das ich mich voll und ganz...Gott schenke...ihm dienen...und in ihre Obhut begeben soll..

Meint hier die Obhut der Kirche!

F: wie alt bist Du jetzt?

A: ..ich bin sechzehn!

F: woher weißt Du nun, in welchem Alter Du bist?

A: ..man zählt sein Alter..

F: hast Du die Jahre gezählt?

A: .....jedes Jahr sagt mir das meine Großmutter!...Wir zählen das Alter!

F: Du kannst doch nicht zählen, oder?

A: aber meine Großmutter!...Sie sagt mir das!.....Sie sagt mir alles!

F: aber warum hat sie Dir das Zählen noch nicht beigebracht?

A: das ist nicht ihre Aufgabe!

F: und wessen Aufgabe ist das?

A: das ist Aufgabe der Kirche!....Ich...diene den Padre ja schon!

Vielleicht haben Sie es schon während des Lesens bemerkt, die Antworten Samuels wurden flüssiger und man kann den Altersunterschied bereits in den Dialogen wahrnehmen. Es ist natürlich eine ganz andere Sache, wenn man Derartiges liest, als unmittelbar zugegen zu sein. Höhen und Tiefen der Stimme bleiben bei der Schrift praktisch aus und das Bedeutendste, die Emotionen oder emotional geschilderten Momente, sind leider nur trocken und oberflächlich darstellbar. Dennoch so hoffe ich, reicht es aus, um Sie noch tiefer in die Lebensgeschichte Samuels zu führen.

F: also Du dienst der Kirche und den Padre?

A: ihr und den Padre!....Ich bin dort eingetragen in einem Buch!..

F: was für ein Buch ist denn das?

A: da werden diejenigen eingetragen, die nachher......als Padre aufgenommen werden!.....Das wird irgendwie vermerkt....man übt Dienste aus…bis man später richtig als Padre ausgebildet wird!.....Ich bin oft dort.....und abends bin ich dann wieder bei meiner Großmutter!..

F: beschreib mal Deine Großmutter!

A: ....graue Haare....schmal....die Hände etwas gekrümmt....ihre Augen tragen Schatten..

F: Schatten!? Wie meinst Du das?

A: sie hat einen Schatten unter den Augen..

Gemeint sind die typischen Augenringe, die man oft bei älteren Personen erkennen kann.

F: gut, weiter!

A: ....ja...sie sieht halt eben so aus, wie eine Großmutter..

F: was machst Du denn in der Zeit, wenn Du mal nichts für sie tust?

A: ....ich habe nicht viel freie Zeit...ich schlafe dann!..

F: was tust Du noch so für die Kirche?

A: ......ich muss die...(atmet einmal schnell tief ein und aus)... ahmm...(wirkt beschämt)..

F: was ist?

A: .....diese stillen Orte sauber machen..(presst die Lippen zusammen) .....die muss ich reinigen....sauber machen!..(beschämt)

F: wo sind denn diese stillen Orte?

A: ..die sind...bei den Häusern, aber nicht in den Häusern selbst...immer bei den Häusern...im Hof oder so..

F: beschreib das Mal!

A: ...manche sind...rundherum...so wie eine kleine Hütte aus Stein oder aus Holz!...Dort muss man diese Schalen, wo sie ihre...Sachen reinmachen...(verzieht das Gesicht)...dass muss man dann....dann wegbringen!..

F: und wo wird das hingebracht?

A: ....das wird...ähm....aus dem Ort rausgetragen.....und dann wird es irgendwo abgekippt....damit das nicht so riecht!....Wird dann mit Erde zugeschüttet!..(verzieht das Gesicht)..

F: trägst Du jede Schale dorthin?

A: mit dem Karren!

F: also das kommt dann alles in ein Gefäß?

A: das ist ein Karren, dort ist so ein...Gefäß mit Stroh drauf, damit sich das so ein wenig einsaugen kann!.....Es wird alles dort hinein gemacht.........und die Schale, wird danach mit etwas Wasser abgespült.....dann wieder hineingestellt!...Das, was man aus der Schale nahm.....wird dann weggebracht!

Nicht wirklich das interessanteste Thema, aber es lässt einen gut verstehen, wie derartige Dinge zu damaliger Zeit gelöst wurden. Die Mimik, die ich in Frau B.ś Gesicht sah, wechselte von gerunzelter Stirn bis zum schiefen Mundwinkel. Irgendwie war alles an Grimassen dabei, was man bei solch einer Arbeit natürlich auch verstehen kann. In der Nachbesprechung meinte sie in einer sehr ironischen Art, ich solle kein Wort darüber verlieren und mir das Lachen verkneifen, was ich aber natürlich nicht konnte.

F: das ist aber keine schöne Arbeit, die Du da verrichtest!

A: ..nein! (presst die Lippen aufeinander)..

F: machen das andere auch oder nur Du alleine?

A: das müssen auch andere machen!

F: wechselt ihr euch immer ab?

A: ja...das ist nicht so schön!......Man nimmt meistens.....zwei.... drei...solcher Schüsseln!...Es wird dann zusammengetragen und weggebracht..

F: ist noch jemand bei Dir?

A: manchmal sind wir zu zweit..

F: hast Du noch einen Freund, der Dir dabei hilft?

A: ...ja...er ist auch aus dem Dorf...ist so alt wie ich...mein Freund Nello!

Mal ehrlich, Fantasie hin, Fantasie her, wer würde sich denn solch eine Geschichte ausdenken?

F: was gibt es noch für Arbeiten?

A: ....(beginnt zu lächeln)..

F: ja!?

A: ...(lächelt ganz stark).....(freut sich extrem)..

F: was denn?

A: ....wir stellen uns vor, wenn wir die Padre....die wir nicht mögen.........dort hineinwerfen dürften!...(strahlt über das ganze Gesicht)..

An dieser Stelle musste ich lachen und konnte mich sehr gut in die Situation dieser beiden Jungen hineinversetzen. Wie quälend muss es gewesen sein, bei heißen Temperaturen die Hinterlassenschaften der Pater, sowie der Gemeinde zu beseitigen.

F: (ich lache)...in genau das, was ihr dort ausleeren tut!?

A: ja! (lächelt stark, ganz freudig)

F: und wer ist der schlimmste Padre von allen?

A: .....ohhhh...(Gesicht wirkt schlagartig ernst)

F: was? Sag es?

A: ..(wirkt plötzlich sehr belastet, atmet tief ein)...Padre Jos.. (unverständlich)....der schaut immer so grimmig!

F: noch mal bitte?

A: der lacht nie!

F: wer ist denn das?

A: ....der heißt auch Pater Joseppe!...(zieht einen Mundwinkel an)..

F: und wie ist er so?

A: ...der....der redet viel mit den Händen!

F: was heißt das?

A: ....wenn man etwas bei den anderen falsch macht...dann bekommt man eine kleine gewischt!.......Der Padre aber, der schaut und schlägt!...Er hat so dunkle Augen.....mit denen er einen voller Wut anschaut!!..

F: und dann schlägt er?

A: ...und dann schlägt er!...Und dann...wenn man auf die Knie fällt... dann bekommt man noch einen Tritt, wenn er ganz wütend ist!!

F: sagt er dann etwas?

A: ...er schlägt und er tretet und dann wartet er, bis man ihn anschaut!.....Dann nimmt er sein Kreuz in die Hand...und dann...betet er vor sich hin und schaut einen dabei nur an.....und betet und betet...und dreht sich um und geht!

F: wie denkst Du darüber?

A: ..man schämt sich dann erst recht!.....Wenn jemand schimpft und einem sagt, es war ein Fehler...dann ist das nicht so schlimm, als wenn jemand nichts sagt!.....Er redet nichts!!...Er bestraft!! Bestraft und dann betet er...hält sich das Kreuz vor den Mund und betet...und schaut einen ganz böse an!.....Und dieser Blick, wie er einen anschaut!...Dann dreht er sich um und geht!...Und die umher stehen machen als wäre nichts gewesen!.....Und jeder geht dann noch mal seiner Arbeit nach..

Wie wir sehen, gab es auch schwarze Schafe in Gottes Reihen, so wie er sie überall in die Welt gesät hat.

F: passieren solche Dinge öfters?

A: ...ja!...Aber nicht nur mir!..

F: was war denn das Schlimmste, was Du jemals gesehen hast?

A: ....das Mal jemand gestürzt und nicht mehr aufgestanden ist!..

F: beschreib mal alles, was da passierte!

A: ...ich hatte dort....solche Schalen sauber gemacht!....Hatte sie mit Wasser gespült und getrocknet!....Mit trockenen Halmen ausgerieben.....und weiter unten......war ein Junge, der war etwas jünger als ich!.....Der hatte etwas sortieren müssen oder so ähnlich...ich weiß nicht mehr, was er getan hatte oder was er machen musste......irgendetwas hatte er falsch gemacht!....(wirkt zunehmend aufgeregter)...Ich hatte nur gesehen, wie der Padre kam......er packte ihn und schlug ihn!....Ich sah ihn auf die Knie fallen!....Er schlug ihn noch mal mit einer Wucht...und er fiel mit dem Kopf...auf einen dieser Steine, die sie dort liegen hatten....und bewegte sich nicht mehr!....Alle standen neben ihm umher....und sahen dem Ganzen zu....er machte es wie immer..

F: wie immer?

A: ..er nahm sein Kreuz...betete vor sich hin...und ging!......Die anderen Padre...kamen und drehten ihn um, aber der Junge...der war...der war tot!..(leicht ängstlich)

F: was dachtest Du?

A: ..ich hasse den! Ich hasse den!

F: und was passierte mit dem Jungen?

A: man hatte ihn weggetragen!.....Man hatte sich wohl etwas ausgedacht, um der Familie das mitzuteilen!.....Man hat ja Schweigepflicht!

F: Du hast Schweigepflicht!?

A: man hat immer Schweigepflicht!

F: wie soll ich denn das verstehen?

A: alles was man hier tut und was gesagt wird...hat man nicht...zu erzählen...nicht zu sagen!...Man hat nur mit Gott zu sprechen....und mit Gott zu reden!

F: Du bist doch noch kein Pater!

A: aber ich bin schon eingetragen!

F: ach so! Und das zählt dann auch für Dich?

A: das zählt für jeden, der für die...Kirche arbeitet!

Nun können wir ein wenig besser verstehen, warum ein Missbrauch oder sogar Mord, kaum an die Öffentlichkeit gelangen konnte. Das Ganze scheint auch heutzutage noch zu funktionieren, denn ich möchte hier einmal die Frage stellen, warum bis in unsere Zeit nicht alle Schriften, die sich im Vatikan befinden, der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden sind? Gibt es Schriften, die wir nicht sehen sollten? Nun ich kann ihnen versprechen, dass uns Samuel noch einiges hierzu erzählen wird!

F: das heißt, Du durftest niemandem etwas über den Tod des Jungen erzählen?

A: nein!

F: und wenn Du es doch getan hättest?

A: ..das wäre nicht gut!..

F: was wäre denn passiert?

A: ..man würde mich da ausstoßen!…..Und meine Glaubwürdigkeit....mir würde das sowieso niemand glauben!

F: hattest Du den Jungen gekannt?

A: nicht so gut!

F: hattest Du die Beerdigung des Jungen gesehen?

A: nein, ich hatte die nicht gesehen!....Aber er wurde beerdigt....das ist außerhalb.....dort werden sie beerdigt!..

F: außerhalb?

A: außerhalb von dem Ort werden sie beerdigt..

F: im Ort Milano?

A: nein, nicht im Ort! Das ist...vom Ort weg!...Das macht man nicht!

F: nicht im Ort beerdigen?

A: nein! Das macht man nicht!

F: warum?

A: ..das ist nicht gut!..

Ich wollte mehr darüber hören, wie sich solch eine Beerdigung wohl zu dieser Zeit zugetragen hatte. Die Antwort ließ wie gewohnt nicht auf sich warten. Nahtlos übergehend schilderte Samuel dieses ...

F: warst Du schon einmal auf einer Beerdigung?

A: ..ja...wenn sie dann singen, das hört sich ganz...das hört sich so.....so schaurig an!..

F: wer singt dort?

A: die Padre singen!...Vorne sind dann (unverständlich)...die diese Kiste tragen!...Dahinter gehen dann welche....die dann noch singen!..

F: Du sagst, sie tragen eine Kiste?

A: in der derjenige liegt..

F: wie sieht diese Kiste aus?

A: eine Holzkiste....nicht groß!…..Ist verschlossen....ist schon aufwendig, wenn es jemand Bekanntes ist…ja...da sind auch immer Unterschiede..

F: und wenn jemand nun nicht so bekannt ist?

A: ..der wird dann normal beerdigt!..

F: ohne Kiste?

A: ..ja so in etwa..

F: also bekommen die höher gestellten solch eine Kiste?

A: ..es kommt immer darauf an, wie jemand da steht!...Wenn man gut da stand und viel hatte, dann kann man auch viel verlangen!..

Das Ansehen eines Menschen spiegelt sich noch heute in so manchem Grab wieder!

F. was sagen diese Padre außer, dass sie singen?

A: ...es sind immer ein paar, die sich dort nach vorn stellen....und dann ein paar Sachen sagen!..

F: was sagen sie denn?

A: ...ja....dass man die Sünde vergibt und diese Sachen halt eben!.....Das man ihnen die Sünden genommen hat und das sie in den Himmel auffahren können....um dort bei Gott zu leben...weiter zu leben!..

Welche Ironie dachte ich mir, diese Worte über das Weiterleben im Himmel zu hören und gleichzeitig zu wissen, dass die Person die sie aussprach, bereits vor vielen Jahrhunderten gestorben war und nun wieder als Frau B. vor mir lag.

F: was für eine Kleidung tragen sie denn?

A: ..normale...dunkle Gewänder...mit den hohen Mützen!...Die haben sie dann immer...ähm....die sieht man dann kaum...weil sie sich immer darunter verstecken!

F: unter diesen Mützen?

A: ja!

F: wie sieht denn eine solche Mütze aus?

A: ....ja...das ist so dran an den…Gewändern!....Die werfen sie dann so über den Kopf.....und da können sie sich verstecken, damit man sie nicht sieht..

F: ist diese Mütze ganz über den Kopf gezogen?

A: bei manchen hängt sie ganz lange hinten runter.....und bei manchen kaum!...Aber so genau habe ich da nicht hingeguckt..

Es handelte sich hier natürlich um die entsprechenden Kapuzen der Kutten, wie sie ja heute noch zum Teil von Mönchen getragen werden. Aber wenden wir uns nun einer etwas schauerlicheren Sache zu, nämlich einer Bestrafung wegen Diebstahls, die in Milano öffentlich durchgeführt wurde. Die Art und Weise der Schilderung lässt in ihrer Ausführung, einem wirklich die Haare zu Berge stehen. Solche Bestrafungen waren kein Einzelfall und wurden immer als abschreckendes Beispiel der Öffentlichkeit präsentiert. Ebenso natürlich den dort anwesenden Kindern. Leider wirft auch diese Schilderung, kein besseres Licht auf die heilige Kirche, denn wir bekommen hier einen recht brutalen Einblick, was es bedeutete, genau dieser die Abgaben zu verweigern!

A: ........ohmm...(zieht die Augenbrauen nach oben, Mundwinkel verzieht sich)

F: ja was? Beschreib mal, was Du siehst!

A: ...ein Mann, der kniet!......Man hat ihm die Hände kaputt geschlagen!!!..

F: was!?

A: ja! (wirkt nervös)...An einem Holz...(wirkt aufgeregt)...zwei Bretter ...dazwischen sind die Hände!!..Er hat gestohlen!!...Er hat die Kirche bestohlen...und er beschimpft die Kirche!...Beschimpft die Kirche immer wieder!!..

F: was sagt er denn? Gib das mal wieder!

A: ......“Das Essen steht jedem zu!“......“Die Felder stehen jedem zu!“....und noch solche Dinge!...Dann bindet man ihm den Mund zu...

die Hände hat jemand so...(zieht plötzlich die Stirn nach oben, verzieht das Gesicht)..

F: was hast Du jetzt gesehen?

A: ........der hat mit solch einem.......(wirkt sehr überrascht) mit einem Holzteil........auf die Hände geschlagen.…(Gesicht ist vollkommen angespannt)......immer wieder!!!..Die hängen nur noch da (wirkt ängstlich, verkrampft)..

F: wer schlägt denn?

A: ...es ist kein...kein Padre Gewand....ohhhhh..(wirkt ängstlich)...man sieht ihn nicht...ohhhhh.......das ist nicht gut!!!!..(wirkt äußerst verängstigt, beißt auf die Zähne)..

F: was für eine Kleidung trägt derjenige, der schlägt?

A: auch so etwas (spricht laut)...aber.....es ist irgendwie vorne so zu über dem Gesicht!!..Bis zum Mund hin ist das so zu...und dann hängt da etwas so ein bisschen über den Augen, dass man ihn nicht sieht.....der haut da!!!!....Der schlägt da immer wieder drauf!!!! (wirkt sehr erschrocken, belastet)

F: sind dort viele Leute?

A: ..keiner sagt etwas!!! (sehr verängstigt, belastet, ganz angespannt)..

F: und die Kirche? Ist dort ein Padre in der Nähe?

A: ..ja...der hat ihm ja...gesagt...dass er sühnen soll!!...Er soll sich seinen Sünden (unverständlich).....(beginnt leicht zu weinen)...aber er tut das nicht!!!...(fängt an zu weinen, sehr belastet, verzieht das Gesicht)..

F: er tut es nicht?

A: nein!!!...(weint).....Jetzt bricht er zusammen...die Hände hängen da!!!! (weint, extrem belastet)

Image

(Zeichnung Frau B.) Öffentliche Bestrafung in Milano vor dem Dom

Image

Zeichnung Frau B.) Dom von Milano Bestrafung aus anderer Perspektive

Die Belastung war so hoch, dass ich mich entschied, die Sitzung sofort abzubrechen. Zählend begann ich Frau B. wieder aus der Trance zu nehmen, während die Anspannung aus ihrem Gesicht verschwand. Harmonie und Ruhe füllten den Raum und Frau B.´s Augen öffneten sich langsam wieder. Einen Moment, der mir wie eine Ewigkeit vorkam, starrte sie regungslos an die Zimmerdecke und ich konnte deutlich spüren, wie sie das, was sie eben noch sah, am Verarbeiten war. Ohne die Blickrichtung zu verändern, sagte sie zu mir:

Der hat diesem armen Kerl immer und immer wieder auf die Hände geschlagen, bis sie nur noch gebrochen und lasch hinunterhingen!“

Das war eine ganz scheußliche Sache!“ Wie immer ließ ich sie hierzu eine Zeichnung anfertigen, die ich mir später genauer zu Hause betrachtete und mit den entsprechenden Audiodateien abglich. Dabei fiel mir auf, dass sie alles recht deutlich gezeichnet hatte, bis auf diesen, wollen wir ihn mal kurz „Henker“ nennen. Dieser ist undeutlich und dominant erscheinend schwarz gezeichnet, so als wolle sie zeigen, wie erschreckend dieser Mensch war! Es war genau die Person, vor der der kleine Samuel so sehr die Angst verspürte!

Kapitel 4

Alles für ein Versprechen

Mit erreichen seines Erwachsenenalters stand für Samuel die Aufnahme in die Gemeinschaft der Mönche an. Hierzu begeben wir uns zu einer Weihefeier, die in der Nähe von Milano in einer Kirche im Nachbardorf stattfand. Die Jahre der schweren Kindheit hinter sich gebracht, die Großmutter längst verstorben, erfüllte Samuel sein Versprechen. Hierdurch erhalten wir eine hervorragende Gelegenheit zu erkennen, wie sehr das Schicksal von einem Selbst oder durch andere Charaktere abhängt und weitaus weniger von irgendeiner übergeordneten Fügung! Alles was wir tun, ist unmittelbar mit anderen Menschen verknüpft und unterliegt einer Ursache und deren Wirkung. Was auf uns trifft, bestimmt wiederum unser eigenes Verhalten, das ebenso wieder mit anderen Mitmenschen reagiert und diese in ihrem Dasein beeinflusst. Unser Planet, ja selbst das Universum, ist angefüllt von solchen Kreisläufen. Sollte demnach nur der Zufall eine gewichtige Rolle im Leben eines Menschen spielen oder wird er gar fremdgesteuert durch eine tatsächlich höhere Instanz? Wir haben gemeinsam die Gelegenheit, anhand der vielen plastischen Vorleben von Frau B., Antworten zu finden. Für uns alle möchte ich an dieser Stelle die Frage ergreifen: Was tat Gott für den Menschen, der sein ganzes Leben, in dessen Dienst gestellt hatte? Ich verspreche Ihnen, dass Sie am Ende des Buches überrascht sein werden, welche Antwort sich aufzeigen wird. Jetzt aber zu Samuel und der Weihefeier, die aus ihm einen Franziskaner machte ...

F: wo bist Du?

A: ..da ist eine Kirche...bei Milano...Lianza..

F: erzähle mal alles was passiert!

A: ..ich werde in die Gemeinschaft.....werde durch die Weihefeier...in der Kirche aufgenommen!....An dem Altar stehen viele...Padre.....sie stehen vorne um den Altar!......Der Bischof Salvatore....er liest!..

F: kannst Du mal wortwörtlich wiedergeben, was er liest?

A: .......“Lista....che padra...da monaco...de mature“......er singt das Ganze!..

Ich habe hier den Wortlaut genau so notiert, wie ich ihn bei der Auswertung der Audiodatei verstanden hatte. In der Sitzung war es schon recht undeutlich zu verstehen, denn er versuchte, die gesungenen Wörter wiederzugeben, was ihm selbst nicht leicht viel. Ich gab sie einfach mal einzeln, in ein Übersetzungsprogramm ein und es zeigte sich in der Folge: Lista (Liste), Che [i](der) Padr[i] (das Väter), da Mona[c]o (von Mönchen), matur[o] (reifen).

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Wir waren alle viele!" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen