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Courier-Online

WIR WAREN PAPST


 

Der Papst ist von seinem Amt als Pontifex und Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche zurückgetreten. Seitdem ist es ruhig um ihn geworden. Öffentlich tritt er nicht mehr in Erscheinung, gibt keine Interviews und mischt sich auch nicht ins Tagesgeschäft des Vatikans ein. Courier-Online ist es dennoch gelungen, seinen Kammerdiener Alfio Sederino für ein exklusives Interview zu gewinnen. Wir treffen Signor Sederino im Garten vor dem Kloster Mater Ecclesiae, der Altersresidenz des ehemaligen Papstes, und wollen wissen, wie es sich so lebt, als Ex-Papst.

 

CO: Signor Sederino, wie geht es Seiner Heiligkeit?

AS: Sehr gut. Ich möchte sagen, also, ausgezeichnet. Seine Heiligkeit genießt den Ruhestand.

CO: Sie sprechen ihn demnach also immer noch mit »Heiligkeit« an?

AS: Na, wie denn sonst! Er ist zwar, also, zurückgetreten – und ich möchte sagen, also, eine weise Entscheidung war das, wirklich, so konnte es nicht mehr weitergehen, aber ich möchte jetzt nicht indiskret werden und in Details gehen – aber natürlich ist er Papst. Die Verfassung des Vatikan sieht zwar den Rücktritt eines Papstes durchaus vor, aber das Hinterher ist, Madonna mia, miserabel geregelt. Wir hatten alle Hände voll zu tun, kann ich Ihnen sagen. Ein Chaos schlimmer als in der EU. Und das sage ich als Italiener, verstehen Sie? Als Deutscher legt Seine Heiligkeit natürlich immer noch größten Wert darauf, dass alles seine Ordnung hat. Und dafür hat er, also, mich. Im Herzen bin ich Italiener, verstehen Sie? Aber im, also, im Herzen auch Deutscher. Hier oben, meine ich.

Signor Sederino tippt sich an die Stirn.

CO: Seit seinem Rücktritt lebt der Papst ja abgeschieden im Klausurkloster Mater Ecclesiae am Rande der vatikanischen Gärten …

AS (lebhaft dazwischen): Seine Heiligkeit liebt die Gärten! Er versäumt es nie, einen kleinen Spaziergang mit mir durch unsere wunderschönen Gärten zu machen. Und gerade zu dieser Jahreszeit! Dieser Duft überall!

CO: Aber natürlich lebt es sich in so einem Kloster sicher nicht so feudal wie im Apostolischen Palast.

AS: Seine Heiligkeit ist und war immer ein Mann von allergrößter Bescheidenheit. Er hat niemals besonderen Wert auf Luxus gelegt.

CO: Was sich schon kurz nach seiner Wahl zum Pontifex zeigte, als er mit seinen alten Möbeln, die noch aus seiner Zeit in München stammten, in das vierhundert Quadratmeter große Apartamento, die päpstliche Wohnung im dritten Stock des Apostolischen Palastes, zog.

AS: Es sind wunderbare Stücke, von zeitloser … also, Eleganz und Schlichtheit. Und von bewundernswerter deutscher Qualität. Praktisch unverwüstlich. Selbst die Katzen haben ihnen bislang nichts anhaben können.

CO: Katzen???

AS: Vito, Antonio, Lulu und Mausi. Alles Geschwister. Sie sind Seiner Heiligkeit am ersten Tag im Kloster Mater Ecclesiae zugelaufen. Ich habe noch gesagt: »Heiligkeit«, habe ich gesagt, »Katzen sind zwar unabhängig, machen aber trotzdem viel Arbeit.« Weil ich weiß, dass Seine Heiligkeit ein Mensch ist, der die Dinge gerne von Pontius bis Pilatus durchdenkt und alle Risiken abwägt. Aber die Katzen haben sein Herz, also, im Sturm erobert. Sie dürfen fast alles.

CO: Das klingt ziemlich idyllisch. Aber wie dürfen wir uns die Wohnverhältnisse des ehemaligen Papstes nun konkret vorstellen?

AS: Also, wir bewohnen einen kleinen Trakt im dritten Stock des Klosters. Seine Heiligkeit hat dort eine einfache Zelle, wo er schläft, und dann natürlich ein Arbeitszimmer, wo er sich die meiste Zeit des Tages über aufhält. Im Erdgeschoss gibt es einen kleinen Salon mit einem großen Flatscreen. Ein Geschenk eines großen deutschen Unternehmens, an dem wir viel Freude haben. Die Einrichtung Seiner Heiligkeit ist sehr bescheiden, also, wirklich bescheiden. Seine Mahlzeiten nimmt er meistens im Erdgeschoss ein. Dort liegt auch eine Bibliothek, in die er sich gerne zurückzieht. Ich selbst bewohne eine noch bescheidenere Zelle im zweiten Stock. Ich bin immer für Seine Heiligkeit zu erreichen, vierundzwanzig Stunden, rund um die Uhr. Eine, also, Lebensaufgabe. Ich bin glücklich. Wir verstehen uns wirklich gut, trotz des enormen, also, Altersunterschiedes.

CO: Wie sieht denn so ein typischer Tag eines emeritierten Papstes aus?

AS: Nun, Seine Heiligkeit steht wie gewöhnlich gegen sechs Uhr in der Früh auf. Da habe ich ihm selbstverständlich seine Kleidung für den Tag schon bereitgelegt. Allerdings zieht er es inzwischen vor, sich alleine anzukleiden.

CO: Was trägt er denn so?

AS: Einen einfachen schwarzen Anzug und ein schwarzes Hemd mit Kollar. Im Winter gerne einen Pullover. Und draußen natürlich einen Hut oder eine Mütze. Seine Heiligkeit ist sehr empfindlich gegen Luftzug. Gegen sieben Uhr zelebrieren wir dann eine kleine Messe in der Klosterkapelle, zu der sich unsere vier Damen von der Laienvereinigung »Memores Domini«, die unseren Haushalt führen, einfinden. Manchmal haben wir auch internationale Gäste, aber darauf möchte ich lieber nicht eingehen.

CO: Nur zu!

AS: Nein, wirklich nicht. Als enger Vertrauter Seiner Heiligkeit bin ich zu größter Diskretion verpflichtet. … Nun, ich sage nur: Da kommen manchmal alte Freunde und Weggefährten aus Kirche, Politik und Wirtschaft, um gemeinsam in stiller Andacht zu beten und anschließend gemeinsam ein bescheidenes Frühstück einzunehmen und über dieses und jenes zu plaudern. Das Frühstück ist dann um acht Uhr.

CO: Was gibt es denn da so?

AS: Seine Heiligkeit liebt nach wie vor frische Brötchen oder Rosinenweckchen, wie man sie in Deutschland nennt. Dazu trinkt er Tee. Ich als, also, Römer nehme lieber einen Cappuccino und ein Cornetto con crema von Giolitti. Giolitti macht wirklich die besten Cornetti. Milli ist auch nicht schlecht, aber Giolitti ist einfach top.

CO: Und nach dem Frühstück?

AS: Nach dem Frühstück meditiert Seine Heiligkeit noch eine halbe Stunde alleine in der Kapelle, bevor wir uns dann gemeinsam mit einigen Zeitungen in sein Arbeitszimmer zurückziehen. Dann lese ich ihm die wichtigsten Nachrichten aus aller Welt vor. Die negativen und verstörenden lasse ich natürlich weg. Gegen elf Uhr beginnt er dann für gewöhnlich an seinem neuen Buch zu arbeiten.

CO: Ein Buch, das bereits mit großer Spannung erwartet wird. Da sind wir natürlich besonders neugierig. Gerüchten zufolge hat er ja einen Vertrag mit einem großen Kölner Verlagshaus geschlossen.

AS: Das möchte ich lieber nicht kommentieren.

CO: Vielleicht nur ein kleiner Hinweis zum Thema des Buches? Wird es sich um ein theologisches Werk handeln oder schreibt er gar an seinen Memoiren?

AS: Nein, nichts von alledem. Seit seiner Pensionierung … ich meine, seinem, also, Rücktritt, genießt es Seine Heiligkeit, endlich wieder mehr Muße für die … nun ja … also, leichte Literatur zu haben. Er liest gerne Krimis und Thriller.

CO: Wollen Sie damit andeuten, dass er selbst an einem … Roman arbeitet?

AS: Seine Heiligkeit ist ein Mann mit vielen Talenten, die er während seiner Amtszeit nur nicht so ausleben konnte. Mit meiner bescheidenen Unterstützung arbeitet er nun in der Tat an einem größeren, also, fiktionalen Werk. Ich muss dazu sagen, dass er sich vor etwa einem halben Jahr eine Thriller-Trilogie eines gewissen deutschen Autors von mir ausgeliehen hat. Das macht er gerne, sich von mir, also, Bücher leihen. Leider vergisst er oft, sie mir zurückzugeben, aber nun ja … Jedenfalls geht es da um den Vatikan und die Apokalypse; ich will da jetzt nicht näher drauf eingehen, aber dem Autor ist es wohl irgendwie gelungen, an Insiderinformationen aus dem Vatikan zu gelangen. Anders wären diese augenfälligen und geradezu prophetischen Parallelen zu gewissen Vorgängen innerhalb der Kurie kaum zu erklären. Nun, jedenfalls, Seine Heiligkeit war offenbar so angetan, dass er zu mir, also gesagt hat: »Alfio!« hat er gesagt, »Das können wir besser!«

CO: Wann soll dieser Roman denn erscheinen?

AS: Dazu möchte ich lieber nichts sagen. Nur so viel: Seine Heiligkeit schreibt ihn natürlich auf Latein. Ich werde es dann später ins Italienische übersetzen und auch gewisse redaktionelle Änderungen vornehmen. Seine Heiligkeit lässt mir da ganz freie Hand und vertraut auf meine große Erfahrung mit diesem Genre der spannenden Unterhaltungsliteratur. Aber natürlich wird der Roman unter einem Pseudonym erscheinen. Einem italienischen Pseudonym, darauf haben wir uns verständigt.

CO: Wir sind gespannt. Aber zurück zum Tagesablauf Seiner Heiligkeit.

AS: Sehr gerne. Pünktlich um eins nimmt er dann sein Mittagessen ein. Wir lieben ja leichte Kost. Ein wenig Pasta, ein bisschen Fisch. Und natürlich das herrliche Gemüse aus dem Klostergarten.

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