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Winterzauber im Kerzenschein

Inhalt

  1. Cover
  2. Über die Autorin
  3. Titel
  4. Impressum
  5. Widmung
  6. 1
  7. 2
  8. 3
  9. 4
  10. 5
  11. 6
  12. 7
  13. 8
  14. 9
  15. 10
  16. 11
  17. 12
  18. 13
  19. 14
  20. 15
  21. 16
  22. 17
  23. 18
  24. 19
  25. 20
  26. 21
  27. 22
  28. 23
  29. 24
  30. 25
  31. 26
  32. 27
  33. 28
  34. 29
  35. 30
  36. Epilog
  37. DANKSAGUNG

Über die Autorin

Als Jenny Hale mit der Schule fertig war, sagte eine ihrer Freundinnen: Passt auf, eines Tages wird Jenny Bücher schreiben! Manchmal können Freunde Sachen voraussehen, die man selbst gar nicht im Blick hat. Dieser Kommentar hat den Stein ins Rollen gebracht: Ein paar Jahre, zwei Kinder und Tausende von Worten später legte Jenny ihren Debütroman »Winterküsse im Schnee« vor.

1

Mit einem wütenden Tritt bewegte ich einen Karton über den Flur. Der Frust, den ich so angestrengt zu bändigen versuchte, kochte wieder hoch, egal, wie sehr ich ihn verdrängen wollte. Ehrlich, als Kind hatte ich mir mein Leben niemals so vorgestellt. Was war aus dem tollen Job, dem verständnisvollen Ehemann und den zwei Kindern geworden? Ich hatte ja nicht mal eine Katze. Haben nicht alle Singles Katzen?

»Bist du da, Allie?«, hörte ich meine Mutter fragen, als ich eine Armladung Kleider auf meinen lila-weiß karierten Highschool-Bettüberwurf lud. Mit den Jahren war er etwas vergilbt.

»Ja.« Die Haustür fiel zu, worauf die Wand daneben erbebte. Sie erzitterte immer, und keiner wusste, warum. Vielleicht lag es daran, dass das ganze Haus so groß wie ein Schuhkarton war. Pusteten wir alle gleichzeitig aus der richtigen Richtung, würden wir es höchstwahrscheinlich zum Einsturz bringen. Trotzdem war es ein gutes Haus – voller glücklicher Erinnerungen.

Ich blickte von meinen unausgepackten Sachen zu meiner Mutter und meiner Schwester Megan auf, die in der Tür standen, als wollten sie mich im Zimmer einkesseln. Nachdem ich einmal tief Luft geholt hatte, ließ ich sie langsam wieder entweichen, nur um mich zu vergewissern, dass ich immer noch atmen konnte.

Megan drängte sich an Mom vorbei und ließ sich auf mein Bett plumpsen, sodass die Sachen darauf zu Boden fielen. »Willst du einen Kaffee trinken gehen?«

Mit den Fingern türmte ich mein Haar auf meinem Kopf auf. Eine Tasse Kaffee klang gut, aber ich wollte lieber noch ein bisschen schmollen. Es war elf Jahre her, seit ich zum letzten Mal auch nur erwogen hatte, zurück nach Hause zu ziehen, und jetzt, mit zweiunddreißig, passierte es wirklich. Ich ließ mein Haar wieder los und kratzte mich am Kopf.

Zog man als Erwachsene wieder ins Elternhaus, wirkte es seltsamerweise auf einmal noch kleiner als in der Zeit, in der man dort aufgewachsen war. Ich hoffte, dass ich meiner Mutter nicht zur Last fiel. Aber sie würde es sowieso nie zugeben, sollte ich ihr tatsächlich zu viel werden. Sie würde schlicht die Unmengen Schuhe neben der Haustür sortieren oder abends länger aufbleiben, um ihre Wäsche zu waschen, damit die Maschine für mich frei war, wenn ich sie brauchte. So war sie einfach. Für die Familie hielt sie alles aus, wie sie stets sagte, weil sie ihr mehr bedeutete als alle Umstände, die es ihr bereiten könnte, uns bei sich zu haben. Dafür liebe ich meine Mom.

Der Wiedereinzug zu Hause sollte nur vorübergehend sein, bis ich einen Job gefunden hatte – und ich hatte noch drei Bewerbungen offen, bei denen ich auf eine Reaktion wartete. Dennoch war es gewöhnungsbedürftig. Und so dankbar ich meiner Mutter war, dass sie es mir von sich aus angeboten hatte, fühlte ich mich schlicht nicht erwachsen, wenn ich bei ihr wohnte. Mir kam es eher so vor, als müsste ich abends die Autoschlüssel bei ihr abgeben, bevor ich ins Bett ging.

»Kaffee? Ja oder nein?«

»Klingt gut, aber ich muss noch einiges auspacken.«

»Oh, bitte, dazu hast du doch noch haufenweise Zeit! Was willst du denn sonst hier anfangen, abgesehen vom Aus- und Einpacken? Mom hat noch nicht mal Kabelfernsehen, ist dir das klar?«

»Und ob ich Kabelfernsehen habe!«, widersprach Mom von der Tür aus und gab Megan einen liebevollen Klaps auf den Arm.

Sie stand exakt in dem Winkel, in dem sie so oft an meiner Zimmertür gestanden hatte, als ich noch ein Kind gewesen war, und mich überkam ein Anflug von Nostalgie.

Hast du deine Hausaufgaben gemacht? Da ist ein Junge an der Haustür. Kommst du zum Abendessen? Sei heute Abend nicht zu spät zu Hause! Ich muss wissen, wo du bist, bevor ich schlafen kann. All jene Momente blitzten vor meinem geistigen Auge auf. Heute war das Gesicht meiner Mutter so viel älter, gezeichneter, und ihr vertrautes Lächeln grub neue Falten, wo früher glatte Haut gewesen war. In gewisser Weise tat es gut, zu Hause zu sein, und ich freute mich, sie zu sehen. Ich drehte den Kopf, um die Anspannung in meinem Nacken zu lockern.

»Hey, Spaßbremse, lass uns gehen!« Megan zerrte mich zur Tür hinaus, vorbei an meiner Mutter und in den Flur, wo wir beide über ein weiteres Dutzend Kartons stolperten.

Wir quetschten uns in das neueste Prachtstück meiner Schwester, ihren teuren BMW. Der Wagen illustrierte, wie erfolgreich sie seit Jahren im Immobiliengeschäft war. Ich sagte Megan oft, wie stolz ich auf sie war, weil sie so viel erreicht hatte, und das war ich auch. Nur verhinderte es nicht, dass ich mir neben ihr wie der letzte Heuler vorkam.

»Vorsichtig«, warnte sie mich, als ich die Beifahrertür zuziehen wollte. Ich konnte nicht umhin, die Augen zu verdrehen – allerdings glaubte ich nicht, dass sie es bemerkte.

Zwei Kunden kamen durch die Tür, neben der wir saßen, sodass kühle Luft über mich hinwegwehte und mir die Kälte in die Schultern kroch. Ich bereute, beim Eintreten meine Jacke ausgezogen und über die Stuhllehne gehängt zu haben. Die Tür fiel wieder zu, aber es schien nicht wärmer zu werden.

»Ich habe eine Idee, was du machen könntest«, sagte Megan hinter ihrer Kaffeetasse. Sie zögerte, weil ich sie schon darum gebeten hatte, mir nichts zu vermitteln. Ich hatte schon mal eine Nanny-Stelle von ihr zugeschustert bekommen, und ich gebe zu, dass sie mir damit elf Jahre in einem wunderbaren Job bescherte, bei dem ich einbringen konnte, was ich auf dem College gelernt hatte. Diesmal aber wollte ich mir selbst Arbeit besorgen, und das hatten wir bereits besprochen. Also war egal, was sie sagte, denn ich war ja schon dabei, mir etwas zu suchen.

»Du bist still«, bemerkte sie und riss mich aus meinen Gedanken. »Und du bist nie still.«

Obwohl ich nichts von der Idee hielt, dass wieder mal meine Schwester einen Job für mich fand, brachte mich die Spannung fast um. Ich konnte mir ja wenigstens anhören, woran sie dachte. »Okay, erzähl!«

»Sieh dir das hier an!« Sie zog aufgeregt eine zusammengerollte Zeitschrift aus ihrer Tasche und schob sie mir hin. Mir fiel sofort das Hochglanzfoto vom Ashford-Anwesen ins Auge, einem Herrenhaus aus dem frühen zwanzigsten Jahrhundert. »Sie sind Klienten von mir, und sie brauchen eine Hausverwalterin, bis das Anwesen verkauft ist.« Megan tippte auf das Foto.

»Reizvoll.« Ich trank von meinem Kaffee, und ein Schauer durchfuhr mich. Es war wirklich kalt draußen. »Warum sollte ich darin gut sein?«

»Du bist freundlich und strukturiert; das ist wie für dich gemacht!« Megan schwang die Beine unter dem Tisch hervor und rückte ihren Stuhl neben meinen, wie sie es früher schon getan hatte, wenn sie mir ein Geheimnis hatte anvertrauen wollen. Sie lehnte sich dann immer dicht zu mir, als machte es unser Gespräch bedeutsamer. Rotbraune Locken fielen weich um ihr Gesicht, und ich kämpfte gegen den Drang an, sie zu einem Pferdeschwanz zusammenzufassen. »Ich glaube, dafür würden sie … sehr gut bezahlen«, flüsterte sie theatralisch.

»Und warum sollte ich diesen Job lieber wollen als die anderen?«

»Weil du dich weiter für andere Stellen bewerben kannst, aber nebenbei einen Haufen Geld verdienst. Außerdem weiß ich, dass du ein Faible für Geschichte hast, und dieses Haus ist uralt

»Was ist mit ihrer alten Hausverwalterin?«

»Haus und Grund wurden bisher von einem Mann verwaltet, und der ist nicht mehr da. Soweit ich gehört habe, gab es einen Riesenkrach in der Familie, denn ihm gehört das Haus.« Sie schraubte ihren Zimt-Lippenbalsam auf und strich sich mit dem Stift über den Mund. »Robert Marley, der Erbe des Hauses – übrigens ein schrecklich unfreundlicher Kerl –, will das Herrenhaus verkaufen. Seine Familie ist völlig außer sich deswegen.«

Ich betrachtete das fantastische Gebäude. Das Ashford-Haus mit seiner breiten Backsteinfassade und einer Treppe, die wie ein riesiges Lächeln anmutete, war märchenhaft. Und die Besitzer spielten in einer ganz anderen Liga als ich.

»Ich weiß nicht, Megan. Mir gefällt nicht, dass du mir schon wieder einen Job besorgst«, sagte ich, obwohl mich die Vorstellung faszinierte, ein so hochherrschaftliches Anwesen zu verwalten.

Megan seufzte auf diese mütterliche Art, bei der ich mir jedes Mal sehr klein vorkam. Mit Ausnahme ihrer Finger, die auf dem Tisch trommelten, rührte sie sich nicht. Auf einmal hielt sie inne und sagte: »Was wäre, wenn ich nichts damit zu tun hätte?«

»Was meinst du?«

»Du könntest eine Münze werfen, Allie. Bei Zahl schickst du eine Bewerbung hin. Ganz einfach.«

So hatten Megan und ich früher alles entschieden. Es fing an, als meine Großmutter beschloss, dass wir Münzen sammeln sollten. Seit ich vier Jahre alt war, drückte Gram uns jedes Jahr zu Weihnachten neue Münzen in die Hand, einige in Samtschatullen, andere in Plastikhüllen. Sie wäre entsetzt gewesen, hätte sie erfahren, dass jede Münze erbarmungslos aus ihrer Verpackung gezurrt und von Megan und mir begrabbelt wurde, während wir entschieden, wer die nächste Wurfmünze bekommen sollte.

So kam meine Schwester zu dem größten Zimmer, als ich neun war und sie zwölf, und so durfte ich unseren Fisch Oscar in der sechsten Klasse in meinem Zimmer haben. Jetzt schien es mir, als würde ich mich auf dieselbe Weise zwischen einer normalen, alltäglichen Arbeit und einem Leben in einem Luftschloss entscheiden, indem ich mich für die Verwaltung eines Multimillionen-Anwesens bewarb.

Doch ich wollte weder Megans Hilfe noch ihre Vorschläge. Sie war die Erstgeborene, die Erfolgreiche, die unabhängig war und in einem schönen Haus wohnte. Ich war … eine bessere Babysitterin, die noch bei ihrer Mutter lebte. So ausgedrückt – und sei es auch nur in meinen Gedanken –, klang es noch schlimmer. Es wurde Zeit, dass ich mich bewies und etwas aus meinem Leben machte.

»Ich mische mich nicht ein«, beteuerte Megan. »Ich bin nur der Bote.« Als ich ihr einen frostigen Blick zuwarf, weil sie mich in diese Lage brachte, zuckte sie mit den Schultern, was so viel heißen sollte wie: Warum nicht?, und nickte zu meiner Tasche. »Ich weiß, dass du sie immer noch mit dir herumträgst«, sagte sie grinsend.

Als wäre es nicht schon beschämend genug, dass ich wieder zu Hause eingezogen war, musste sie mich auch noch darauf hinweisen, dass ich tatsächlich Grams Münze in meinem Portemonnaie hatte! Ich wurde rot, dabei hatte ich sie nur hineingesteckt, weil ich nicht wusste, wie ich sie sonst verpacken sollte.

Ich atmete schnaubend aus, holte die Geldbörse aus meiner Tasche und nahm die Münze aus dem Seitenfach.

Gram hatte sie mir geschenkt, vier Jahre nachdem die Münze geprägt worden war. Genau genommen war sie damals ein Geschenk für Megan gewesen, aber ich fand sie so schön und schwor, ich würde jedes Mal gewinnen, wenn ich sie warf. Megan überließ sie mir, denn ihr gefiel nicht, wie wütend Miss Anthony auf der Münze dreinblickte. Das sei ihr unheimlich, sagte sie damals. Trotzdem habe ich mich schon oft gefragt, ob sie schlicht wusste, wie gern ich die Münze hätte, und sie mir deshalb schenkte.

Megan riss die Augen weit auf. Anscheinend hatte sie gar nicht ernsthaft geglaubt, dass ich das Ding immer noch bei mir trug, und mir war es viel zu peinlich, ihr den Grund zu erklären.

Der Gedanke, in einem solch historischen und fantastischen Haus zu arbeiten, wollte mir nicht mehr aus dem Kopf gehen. Selbst wenn es nichts Dauerhaftes war, wäre es ein Traum.

»Management macht sich gut im Lebenslauf«, sagte Megan.

Ich legte den silbernen Susan-B.-Anthony-Dollar oben auf meinen Daumen. Er fühlte sich so kalt an, wie es draußen war. Die Temperaturen Ende November lagen gerade noch weit genug über dem Gefrierpunkt, dass die nassen Schneeflocken auf der Fensterscheibe schmolzen und zu dünnen, transparenten Fäden zerrannen. Zum Vorstellungsgespräch ins Herrenhaus geladen zu werden wäre wie ein Sechser im Lotto.

Mit der freien Hand strich ich mir eine lose Haarsträhne hinters Ohr, und auf einmal wurde ich richtig kribbelig. »Bei Zahl bewerbe ich mich.« Dann schnippte ich die Münze in die Luft. Sie wirbelte herum, bevor sie auf den Teppichboden mit Paisley-Muster fiel. Von dort blickte mir das Bild eines Adlers vor einem Vollmond entgegen. Zahl.

2

Ein Mann namens Gerard stand in einem weißen Overall vor dem Ashford-Anwesen. Er sah wie ein Maler aus, aber ich dachte mir, dass er wohl eher keiner war. Vielleicht war er so etwas wie der Hausmeister und Gärtner in einer Person. Ich hatte noch nie jemanden in solch einer Position auf einem Anwesen gesehen, also woher sollte ich es wissen? Ich folgte ihm durch die doppelten Eingangstüren ins Innere des Hauses, und jedwede Verärgerung darüber, dass meine Schwester mir mal wieder geholfen hatte, löste sich in Wohlgefallen auf.

Lavendelduft umwehte mich, als ich mich in der großzügigen Diele umblickte. Lampen aus Kristall und Messing hingen wie starr gefrorene Fontänen von der Decke. Unter ihnen beherrschte ein Tisch von der Größe eines Bootes den offenen Bereich, dessen Mitte ein riesiger Strauß Wildblumen zierte.

Ich war nie zuvor in einem Haushalt gewesen, der von Personal geführt werden musste. War es nicht komisch, in so einem Haus zu leben, wo immerzu lauter Fremde um einen herum waren?

Auf den Holzdielen, die zum Büro führten, glänzte eine dicke, durchsichtige Wachsschicht so blank, dass man nicht sagen konnte, ob der Boden nass war oder nicht. Sicherheitshalber setzte ich sehr vorsichtig einen Fuß vor den anderen. Wie viele Leute waren schon diesen Flur entlanggegangen, durch den ich in diesem Moment ging?

Als ich das Büro erreichte, stand die Tür offen, also trat ich auf Gerards stumme Aufforderung hin ein. An den Wänden reihten sich neue und alte Bücher vom Fußboden bis zur Decke, unterbrochen von zwei großen Terrassentüren, die den Raum lichter machten und eine umwerfende Aussicht auf den Vorgarten boten. In der Mitte des Raumes stand ein riesiger Schreibtisch mit Klauenfüßen, der seinen länglichen Schatten in meine Richtung warf.

Ein Mann mit dunklem Haar und einem kantigen Kinn saß an dem Schreibtisch. Konzentriert zog er die Brauen zusammen und presste den Telefonhörer an sein Ohr. Als ich hereinkam, sah er nur kurz auf, um mich mit einer Handbewegung auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch aufmerksam zu machen, wo ich mich hinsetzte und meine Hände auf dem Schoß zusammenpresste, damit sie nicht zitterten.

Während er sprach oder sich mit demjenigen am anderen Ende der Leitung stritt – ich konnte nicht sagen, was von beidem es war –, versuchte ich, ihn nicht anzustarren, obwohl er faszinierend aussah. Sicher war er noch nie in einem Drive-in gewesen oder hatte alte Baseballs in Battlefield Park geworfen. Er wirkte eher wie der Typ, der mit dem teuersten Juwelier vor Ort Golf spielte und mal eben zum Abendessen nach New York jettete. Mit aller Kraft löste ich meinen Blick von ihm und sah aus dem Fenster.

»Guten Morgen«, sagte er schließlich in einem Ton, als wäre er es gewohnt, zu Menschenmengen zu sprechen. »Das wäre alles, Gerard«, beschied er Gerard ruppig, sodass ich unwillkürlich zu dem Mann blickte, der mich hereingeführt hatte. Er schien nicht im Mindesten irritiert über den scharfen Ton zu sein und wandte sich zum Gehen.

Ich sah wieder zu dem Mann am Schreibtisch. Er war offenbar nicht viel älter als ich, dennoch fühlte ich regelrecht die Lebenserfahrung, die er ausstrahlte. Er stand auf und streckte mir die Hand entgegen. »Robert Marley. Sie müssen Megans Schwester sein.«

Hallo? Ich habe einen Namen! »Ich bin Allison Richfield«, stammelte ich. »Eigentlich Allie.« Ich musste mich beinahe auf Zehenspitzen vorbeugen, um über den großen Schreibtisch hinweg seine Hand zu schütteln. So kamen wir uns nahe genug, dass ich seinen Duft wahrnahm – eine zarte Mischung aus Gewürzen und Seife. Ich ertappte mich dabei, wie ich seine Rechte ein wenig zu lange festhielt, weil ich nicht loslassen wollte. Letztlich zog er seine Hand langsam aus meiner und bedeutete mir, mich wieder zu setzen, während er ebenfalls Platz nahm und mich musterte. Sein Blick wanderte aufmerksam über mein Gesicht, und jeder Nerv in mir ging in Habachtstellung.

»Wenn es Ihnen recht ist, spreche ich kurz mit Ihnen durch, was in der angebotenen Position von Ihnen erwartet wird.« Sein Kopf war wieder gesenkt, und er sortierte Papiere vor sich. Darüber war ich heilfroh, denn wenn er mich ansah, hatte ich das Gefühl, mein Herz könnte meinen Brustkorb sprengen.

»Ihre Aufgabe wäre, die täglichen Abläufe im Haus zu dirigieren und den Verkauf zu regeln, einschließlich Überwachung der Gartenpflege und der Putzkräfte. Und Sie wären für meine Großmutter, Pippa Marley, zuständig.«

Ich zwang mich, ihm aufmerksam zuzuhören, aber eigentlich wollte ich ihn nur ansehen – den gestärkten Kragen seines Hemdes, die zarten Linien in seinen Augenwinkeln, wenn er las.

Er blickte auf, und da ich nicht sicher war, was ich tun sollte, lächelte ich.

»Sie lebt im Ostflügel des Hauses«, fuhr er fort und schaute mir in die Augen. »Wir haben Pflegepersonal, das sich gut um sie kümmert, und Sie wären auch für diese Leute zuständig.«

Etwas an der Art, wie er mich ansah, löste ein Flattern in meinem Bauch aus. So nervös war ich im Leben noch nicht gewesen.

»Wäre Ihnen das recht?«

»Ähm, ja, sehr.«

»Hervorragend. Können Sie morgen anfangen?«

Hatte ich etwas verpasst? »Dann habe ich den Job?«

»Ja.«

»Ohne Bewerbungsgespräch oder so?« War ich so überzeugend und klug aufgetreten, dass er nicht mehr wissen musste?

»Sie sind doch Megan Richfields Schwester, oder nicht?«

»Ja.«

»Dann, nein. Kein formelles Bewerbungsgespräch.«

Ich liebe meine Schwester wirklich über alles, aber bei dieser Antwort war mir, als krabbelten tausend Spinnen über meine Haut.

»Wie sieht es mit morgen aus?«

Ich holte tief Luft, um meine Nerven zu beruhigen. »Bestens.«

Robert Marley stand auf, und ich begriff, dass er von mir erwartete, ihm zu folgen. Er brachte mich zur Tür! Das war’s? Ich sollte sämtliche Entscheidungen bezüglich der näheren Zukunft dieses Hauses treffen, und mehr hatte er nicht zu sagen?

»Ich werde Ihnen einen Tagesplan geben, und wir können den Rest per E-Mail klären.« Mir schien es, als wartete er auf eine Reaktion von mir, während ich noch verarbeitete, was hier gerade passierte. Ich lächelte ihn wieder an, denn mir fiel nichts anderes ein. Bei aller Schroffheit erkannte ich die Andeutung von etwas Weichem in seinen Augen.

»Sie können den Computer in meinem Büro benutzen. Ich habe angewiesen, dass man Ihnen das Gelbe Zimmer im Personaltrakt herrichtet, und Sie können kommen und gehen, wie es Ihnen beliebt.« Als ich gerade dachte, das wäre alles, und wir bereits in der Diele waren, räusperte er sich und fügte hinzu: »Und Sie werden das Familien-Meeting an Weihnachten arrangieren und ausrichten.«

Wie bitte? Ich blieb stehen und sah ihn an. »Familien-Meeting?«

»Das Haus ist schon seit … einer Weile in Familienbesitz. Meine Schwester Sloane und mein Bruder Kip möchten noch einmal herkommen, bevor wir verkaufen. Wir verbringen Weihnachten ohnehin immer mit Pippa, also werden wir über die Feiertage ein letztes Meeting in Ashford abhalten.«

»Gut, dann sehe ich Sie dann, nehme ich an.« Mir fiel partout nichts Interessanteres ein, was ich sagen konnte.

»Nein, bei dem Meeting werden nur meine Geschwister sein. Sloane reist mit ihren beiden Kindern, Paul und Sammy, an, und dann kommt noch mein jüngerer Bruder Kip. Das war’s. Ich lasse Sie die Einzelheiten noch wissen.«

»Kommen Sie nicht?« Er nahm nicht an der Weihnachtsfeier seiner Familie teil? Was für ein Scrooge!

Er stockte eine Sekunde, schaute mich an und überlegte offenbar. Worüber dachte er denn nach? »Ich kann nicht aus dem Büro weg. Und der La Guardia Airport ist ein Albtraum während der Feiertage. Das erspare ich mir lieber.«

Er führte mich zu der großen Eingangstür, durch die ich erst vor wenigen Minuten hereingekommen war. In der Stille, die nun folgte, sah Robert mich an, als wollte er noch etwas sagen, was er nicht tat.

Schließlich atmete er tief ein. »Tja, das wäre alles. Wenn Sie morgen kommen, wird Gerard Ihnen Ihre Hausschlüssel geben. Ihre Schwester kann Sie auf dem Laufenden halten, was Besichtigungstermine angeht, und Ihr Tagesplan erwartet Sie in meinem Büro. Gerard zeigt Ihnen alles.«

»Sind Sie morgen nicht hier?«, hörte ich mich sagen. Warum fragte ich das? Natürlich würde er nicht hier sein. Deshalb hatte er mich ja eingestellt!

Seine Augen blitzten ein wenig amüsiert, und ich bekam weiche Knie. »Nein«, antwortete er. »Sie werden das Haus ganz für sich haben.«

Wieder überlegte ich fieberhaft, was ich sagen könnte. Bis bald? Nein. Wir hören voneinander? Nein. Danke? Unangebracht. Eine seltsame Situation …

»Hat mich gefreut, Sie kennenzulernen, Miss Richfield.«

»Ganz meinerseits«, erwiderte ich mit einiger Anstrengung, denn mein Mund war vollkommen ausgetrocknet. Ich trat hinaus auf den riesigen Treppenabsatz und in den bitterkalten Winter. »Bye«, brachte ich gerade noch heraus, bevor die Tür hinter mir geschlossen wurde.

Mein erster Tag in Ashford, und ich war zuversichtlich, dass es gut laufen würde. Bisher waren alle Angestellten freundlich, auch wenn niemand seine Arbeit unterbrach, um mit mir zu reden. Darüber war ich sogar froh, denn ich hatte Angst, versehentlich irgendetwas Dummes von mir zu geben. Immerhin wurde ich ein- oder zweimal angelächelt, und das genügte mir vollauf. Zunächst brauchte ich Zeit, mich mit meiner Umgebung vertraut zu machen und in meine Rolle zu finden.

Komischerweise schienen alle schon zu wissen, wer ich war; entweder das, oder sie waren schlicht an Fremde gewöhnt, die auf dem Anwesen herumschlichen. Da war ich mir nicht sicher. An diesem Morgen hatte ich mir zu Hause große Mühe bei der Kleiderwahl gegeben. Ich wollte unbedingt aussehen, als gehörte ich hierher, denn, offen gesagt, fühlte ich mich in diesem fantastischen Haus vollends fehl am Platz. Also hatte ich meine Schuhe auf Hochglanz poliert, alle Sachen gebügelt und eine zusätzliche halbe Stunde auf mein Haar verwandt. Jetzt sah ich zwar aus, als wäre mein Platz genau hier, fühlte mich jedoch alles andere als wohl in meiner Haut.

Ich saß vor Robert Marleys Computer und kam mir wie ein Eindringling vor, als ich die Tasten berührte, die er sonst antippte, und das Gerät zum Leben erwachte. Der Tagesplan ruckelte aus dem Drucker am anderen Ende des Zimmers. Nervös zog ich das Blatt aus der Maschine und las:

 … Achten Sie auf Tom. Er kommt täglich um Punkt neun und bringt Pippas Einkäufe.

Pippas Einkäufe? War sie nicht seine Großmutter? Warum nannte er sie immer bei ihrem Vornamen? Das klang so … Das Handy bimmelte in meiner Tasche. Es war Megan.

»Hallo?«

»Wie läuft’s?« An diesem Morgen hörte sie sich besonders munter an. Sicher hatte sie schon einen Kaffee getrunken – ganz im Gegensatz zu mir. Bei dem Gedanken rümpfte ich die Nase.

»Nicht anders, als zu erwarten war. Ich bin ja erst seit zwanzig Minuten hier.« Während ich sprach, spielte ich mit den Messingknöpfen an den Schubladen und strich mit der Hand über die gemaserte Holzplatte.

»Na, dann leg dich mal ins Zeug, denn ich habe schon eine Besichtigung! Heute Morgen rief jemand an und sprach aufs Band. Ich habe den Termin für heute zwei Uhr gemacht.«

Deshalb war Megan so aufgedreht. Sie war im Begriff, ein Vermögen mit dem Verkauf von Ashford zu machen. Und ich? Sollte es zu einem Abschluss kommen, würde ich wieder nichts verdienen und erneut arbeitslos sein. Mit einem Kuli, der bestimmt so viel wog wie ein Elefantenjunges und in den Marley eingraviert war, notierte ich die Einzelheiten auf einem Schreibblock und beendete das Gespräch mit Megan, um Mr. Marley anzurufen. Er hatte mir keinerlei Anweisungen über den heutigen Tag hinaus dagelassen.

Ich wählte seine Nummer, es läutete … und die Mailbox sprang an.

»Mr. Marley, hier ist Allie. Megan rief an und sagte Bescheid, dass sich jemand das Haus ansehen möchte. Ähm, ich versuche, Sie per E-Mail zu erreichen. Also … sehen Sie bitte in Ihr E-Mail-Postfach. Danke.« Ich hasste es, auf Band zu sprechen. »Rufen Sie mich zurück, wenn noch etwas ist. Bye.« Ich legte auf und blies in einem Schwall die Luft aus, die ich angehalten hatte.

Aus purer Neugier zog ich die Schreibtischschublade auf. Nichts Spannendes: Stifte, Post-its, ein Hefter. Neben dem Computer stand ein Foto, das ich zu mir drehte. Es zeigte Robert mit irgendeiner gerahmten Preisurkunde in den Händen.

Mit einem Mausklick schaltete ich den Marley-Computer wieder ein. Ich öffnete das E-Mail-Fenster und tippte das Symbol für eine neue E-Mail an, um Robert zu schreiben. Der Mann war offensichtlich kein begeisterter Plauderer, daher fasste ich mich kurz:

Megan hat jemanden, der heute um zwei Uhr das Haus besichtigen möchte. Wie soll ich vorgehen?

Die Antwort kam praktisch sofort. War er Charlie von Drei Engel für Charlie? Ich nagte an meinem Daumennagel. Das machte mich dann wohl zu John Bosley. Hm, eigentlich wäre ich lieber Jill Munroe. Ich las die Antwort:

Gehen Sie an das hausinterne Telefon, die unterste Taste auf der Gegensprechanlage, und wählen Sie 88. Sie finden die Sprechanlage neben der Schalttafel für die Schließanlage, hinten in der Butler-Kammer, die von der Küche abgeht. So rufen Sie das Hauspersonal in die Küche und können es auf die Besichtigung vorbereiten. Ich habe bereits alle informiert, was ihre Pflichten sind, sollten Sie ihre Dienste benötigen. Und Sie erhalten jeden Morgen um acht Uhr einen Tagesplan von mir. Viel Glück.

Ich tippte eine Antwort: Vielen Dank für die Information. Ich hoffe, in New York ist alles in Ordnung. Dann wartete ich.

Nichts mehr. Der Typ war wirklich ein zäher Brocken.

Die langen Korridore hatten etwas von diesen Labyrinthen, durch die man Laborratten scheuchte, um ihren Orientierungssinn zu testen. Wie eine dieser Ratten kam ich mir jetzt vor; und das alles für ein kleines Stückchen Käse. Letztlich fand ich die Küche und prallte mit einem Mann zusammen.

»Hallo!« Ein freundliches Lächeln erstrahlte auf seinem wettergegerbten Gesicht, und er reichte mir die Hand. »Ich bin Tom McCray«, sagte er, »sehr erfreut. Ich bringe Miss Marley ihre Lebensmittel. Sie schafft es nicht mehr ganz bis zu uns nach draußen.«

Er ließ meine Hand los und begann, die verlockendsten Lebensmittel auszupacken, die ich je gesehen hatte: schimmerndes Obst, knackfrisches Gemüse, Berge von frischem Brot und so rosiges Fleisch, dass man glauben könnte, es würde jeden Moment aus der Verpackung springen und zurück zur Farm laufen. Und alles in Stoffbeuteln. Ich linste in einen hinein, um zu sehen, ob vielleicht Chips oder etwas Ähnliches dabei war, von dem ich naschen könnte, aber es gab nichts dergleichen. Mein Magen meldete schon, dass er zu leer war.

»Hungrig?«, ertönte eine Stimme hinter mir. Ich drehte mich um und fand mich einer zierlichen Frau in einer schwarzen Dienstmädchenuniform mit weißer Schürze gegenüber. Wie originell. Ich fragte mich, ob die Arme jeden Morgen zusammenfuhr, wenn sie dieses Outfit anzog. Sie klopfte mir auf die Schulter und sagte: »Ich bin Anna. Ich koche Ihnen etwas.« Mit zarten Fingern schob sie eine verirrte Haarsträhne zurück in den Knoten an ihrem Hinterkopf.

»Freut mich, Anna, und danke für das Angebot, aber eigentlich bin ich auf der Suche nach dieser Schalttafel. Ich muss alle zusammenrufen. Vielleicht kann ich nach unserer Besprechung etwas essen.«

Anna brachte mich zur Butler-Kammer. An der hinteren Wand hing ein Kontrollbrett voller Schalter und Knöpfe, das es mühelos mit der NASA-Raketensteuerung aufnehmen könnte. Ich stand zunächst ratlos davor, weil ich nicht wusste, was ich anfassen durfte. Sobald ich das Telefon gefunden hatte, nahm ich es auf, wählte die Achtundachtzig und legte wieder auf, wie Anna es mir erklärt hatte. Dann gingen wir zurück in die Küche und warteten, bis sich das Personal auf wundersame Weise aus allen Winkeln des Herrenhauses eingefunden hatte. Tom verschwand leise wieder, nachdem ihn einige der Bediensteten begrüßt hatten.

Als es den Anschein hatte, dass alle vollständig versammelt waren, hob ich zu meiner ersten Ansprache an. »Guten Morgen!«, rief ich in meiner besten Rednerstimme. Vor mir mussten ungefähr dreißig Leute stehen. Ich wollte fortfahren, da bemerkte ich, dass die Angestellten fragende Blicke wechselten.

Anna lehnte sich zu mir und flüsterte: »Sie müssen auf Miss Marley warten. So wird Pippa Marley von jeher von allen genannt.« Dazu zwinkerte sie und tätschelte meinen Arm. Warum hatte Robert mir das nicht gesagt? Idiot!

Einige Minuten vergingen, dann spaltete sich die Menge wie auf ein Stichwort, und eine gebrechliche Frau mit so silbrigem Haar, dass es beinahe blau wirkte, kam auf einem elektrischen Rollstuhl herein. Sie sah aus, als wollte sie in die Kirche: Perlen an den Ohren und am Hals, eine Rüschenbluse mit opalfarbenen Knöpfen und ein dunkelblauer Bleistiftrock. Die Räder ihres Rollstuhls stoppten unmittelbar vor mir, und sie blickte missmutig zu mir auf. Ich lächelte verlegen. So wie sie aussah, sollte ich vielleicht einen Knicks machen, doch ihr Blick schien eher zu sagen: Jetzt machen Sie schon!

Ich erklärte dem Personal, dass wir das Haus für eine Besichtigung um zwei bereit machen müssten, und entließ sie alle wieder. Kurz und knapp. Das musste auch sein, denn viel länger hätte ich Pippa Marleys bohrenden Blick nicht ausgehalten. Offensichtlich hatte sie noch Wichtigeres zu tun, auch wenn ich mir nicht vorstellen konnte, was das bei einer annähernd Hundertjährigen sein sollte.

Das Personal huschte zurück an die Arbeit, Anna begann, etwas zu kochen, und Miss Marley stieg vorsichtig aus ihrem Rollstuhl, um sich auf die gepolsterte Fensterbank in der Küche zu setzen. Anna blickte hin und wieder zu ihr hinüber, sprach sie jedoch nicht an.

Ich hatte das Gefühl, ich müsste Miss Marley richtig begrüßen, ungeachtet des eher frostigen Empfangs ihrerseits. Also ging ich hin und stellte mich neben den Fensterplatz ihr gegenüber. Sie wirkte zerbrechlich, wie sie dort saß, als könnte sie bei einer falschen Bewegung durchbrechen, aber ihre Augen strahlten Weisheit und jene Stärke aus, die man nur über viele, viele Lebensjahre gewann. Ohne ihr meine Hand zu reichen – teils weil ich zu nervös war, um sie ruhig zu halten, teils weil sie zunehmend schwitzte –, sagte ich: »Ich bin Allison Richfield. Allie. Mr. Marley hat mich eingestellt, um das Haus in seiner Abwesenheit zu führen.«

Miss Marley schnalzte mit der Zunge und winkte ab. »Ts, Abwesenheit!« Sie presste die Lippen zusammen, sodass sich mit den unzähligen Falten um ihren Mund ein ziemlich überzeugender Ausdruck von Missbilligung ergab.

Ich sah durch das gewellte Glas nach draußen. Eine riesige grüne Wiese, winterlich hell, erstreckte sich vor uns. Graue Wolken bedeckten den Himmel und ließen die Sonne nicht durch, doch in den Bäumen funkelten weiße Lichterketten. Ich hoffte, dass derjenige, der sie aufhängte, rechtzeitig zur Besichtigung fertig wurde, denn bisher waren die Ketten erst an der Hälfte der Bäume drapiert.

»Leben Sie gern hier?« Eigentlich hatte ich das nur denken wollen, hatte es aber unwillentlich laut ausgesprochen.

Miss Marleys Kopf drehte sich ruckartig zu mir. »Wollen Sie andeuten, ich würde es nicht?« Wieder bohrte sich ihr Blick in mich, als verfügte ich über irgendein Insider-Wissen, das ich für mich behielt.

»Nein, absolut nicht!« Meine Wangen glühten, und ich konnte nicht aufhören zu blinzeln. Ich stopfte die Hände in die Taschen, damit das Zittern nicht zu sehen war. »Vielmehr gehe ich davon aus, dass Sie es ganz sicher tun.« Ich holte tief Luft und sah wieder in den Garten, wo einer der Bediensteten Tannengrün an die Lichter auf der Terrasse steckte. »Es ist wunderschön hier. Erstaunlich, dass so ein reizendes Haus in diesem abgelegenen Teil von Virginia steht.«

»Mm.« Miss Marley schien über etwas nachzudenken. Die grauen Wolken zogen über den Horizont, und ich beobachtete sie eine Weile, bevor die alte Dame sagte: »Ich liebe es hier und hasse es zugleich.« Dann, ohne jede Vorwarnung, sah sie zu mir auf und lächelte. Allerdings schwand das Lächeln genauso schnell wieder, wie es gekommen war.

»Ich denke, ich würde es lieben«, sagte ich.

Der strenge Blick war zurück. »In Ihrem Alter habe ich es auch geliebt.« Dann sah sie wieder aus dem Fenster.

Ich setzte mich neben sie auf die Fensterbank. Plötzlich wurde mir bewusst, dass ich vorher um Erlaubnis hätte bitten sollen, aber Miss Marley störte es anscheinend nicht. Sie rückte sogar ein wenig zur Seite, um mir mehr Platz zu machen. Warum war sie so verbittert? Zwar hatte Megan mir erzählt, dass sie das Haus nicht verkaufen wollte, aber das allein erklärte es nicht; da musste noch mehr dahinterstecken. Wir saßen zusammen und schauten zu, wie die Lichterketten in die Bäume gehängt wurden, bis Anna herüberkam und mir auf die Schulter tippte.

»Ich habe einen Brunch fertig.« Dann wandte sie sich zu Miss Marley, die Hände auf dem Rücken verschränkt. »Ihre Grapefruit und Ihr Toast stehen in Ihrem Zimmer bereit, Miss Marley«, sagte sie, doch die alte Dame sah nicht einmal in Annas Richtung. Stattdessen stand sie von der Fensterbank auf, marschierte zu ihrem Rollstuhl und verließ die Küche; wahrscheinlich begab sie sich auf den Weg zurück in ihr Zimmer. Als ich ihr nachblickte, stellte ich fest, dass ich sie irgendwie mochte. Etwas an der Art, wie sie mich ansah, vermittelte mir das Gefühl, dass es eine Seite an ihr gab, die schon lange keiner mehr zu Gesicht bekommen hatte.

Anna brachte ein Tablett und stellte es auf ein silbernes Gestell neben der Fensterbank. Die Aromen katapultierten mich zurück zu den Sonntagmorgen bei Gram, wenn Megan und ich mit Mom dort zu Besuch gewesen waren. Bei Gram bekamen wir dann das einzige warme Frühstück der Woche, denn Mom arbeitete so viel, dass wir uns die Woche über nur selbst Frühstücksflocken in eine Schale schütteten oder uns eine Scheibe Toast schnappten.

Anna hatte Rührei, Speck, gebratene Pilze und Tomaten sowie Toast mit Butter und Marmelade zubereitet. Beim ersten Bissen musste ich mich ermahnen, langsam zu essen, um keinen schlechten Eindruck zu machen. Leider wurde mir erst in diesem Moment bewusst, wie hungrig ich war.

Beim dritten Bissen klingelte mein Handy. Ich legte die Gabel ab und sah aufs Display. Es war Robert.

»Allison?«

Wer sollte es sonst sein? »Ja?«

»Bei unserem Gespräch hatte ich zu erwähnen vergessen, dass Sie zwischen acht Uhr morgens und fünf Uhr nachmittags stündlich Ihre E-Mails checken müssen. So halte ich den Kontakt zu Ihnen. Tut mir leid, dass ich das nicht gesagt hatte. Ich muss mich erst noch daran gewöhnen, dass jemand anders meine Arbeit macht.«

»Ist schon gut.«

»Ist alles zu Ihrer Zufriedenheit, ich meine, Ihr Zimmer und das Personal?«

»Ja. Ich habe eben Ihre Großmutter kennengelernt.«

»Ah. Und wie war sie? Guter Laune?«

Wie sollte ich darauf antworten? Würde ich sie als gut gelaunt beschreiben? »Ähm, weiß ich nicht …« Ich wollte ihn nicht beunruhigen oder so, daher ergänzte ich rasch: »Wir haben uns nur über das Haus unterhalten.«

Am anderen Ende blieb es unangenehm still.

»Ich hoffe, sie hat Sie nicht mit ihrem endlosen Gemecker wegen des Umzugs belastet. Pippa kann sich nicht mehr allein um das Haus kümmern. Es ist schlicht zu groß.«

»Will denn niemand aus Ihrer Familie hier wohnen? Es ist so wunderschön.« Wäre Megan hier, würde sie das Gesicht verziehen und mir stumm sagen: Halt die Klappe!

»Nein, da will keiner wohnen. Deshalb verkaufen wir ja.«

»Ich finde das Haus fantastisch.«

»Danke. Es hat … einigen Erinnerungswert.« Mir entging nicht, dass sein Tonfall ein winziges bisschen weicher wurde. Was auch gleich wieder vorbei war. »Freut mich, dass Ihr Arbeitsantritt reibungslos verlief. Sagen Sie mir Bescheid, wenn es Probleme gibt.«

»Ja, danke.«

»Tja, auf Wiederhören.«

Ehe ich reagieren konnte, hatte er aufgelegt.

3

Tickte der Mann noch richtig? Ich hatte bisher mindestens viermal in meinen E-Mail-Account gesehen, stündlich, wie Robert gesagt hatte, und da waren nie neue E-Mails gewesen. Warum wollte er, dass ich jede Stunde ins Büro lief und meinen elektronischen Briefkasten kontrollierte, wenn er mir gar nichts schickte? Insgeheim wünschte ich mir, dass er schreiben würde, nicht, damit er mir zusätzliche Arbeit auftrug oder so, sondern damit ich mehr über Ashford und die Besitzerfamilie erfuhr.

Ich war schon immer hoffnungslos gerüchtesüchtig. Nicht, dass ich selbst viel tratschte; ich genoss es einfach nur, Tratsch zu hören. Und ich liebte es, mir Geschichten zusammenzureimen und Theorien auszudenken, warum andere Leute so tickten, wie sie tickten, sprich: was sie dazu brachte, bestimmte Dinge zu tun. Die Marley-Familie und ihr gigantisches Haus waren zweifellos spannend, und die beiden Marleys, die ich bisher kennengelernt hatte, reichten schon als Gedankenfutter für Tage. Sicher konnte das, was auch immer diese Persönlichkeiten formte, ganze Bände füllen.

Die große Standuhr in der Diele gab zwei gedehnte Gongschläge von sich. Megan hatte eben angerufen und Bescheid gesagt, dass sie unterwegs sei, und ich nutzte die Zeit, um ein wenig durchs Haus zu schlendern. Immergrüne Zweige und rote Beeren setzten überall hübsche Akzente, entlang der Treppengeländer oder in dicht gebundenen Girlanden. In jedem Kamin knisterte ein orange leuchtendes Feuer. Draußen sprenkelten weiße Lichter die Bäume wie Glühwürmchenschwärme. Würde ich nicht hier arbeiten, könnte ich glauben, ich wäre auf dem Set eines Weihnachtsfilms. Nun ja, eines Weihnachtsfilms, bei dem eine verbitterte Alte hinter den Kulissen lauerte.

Das Rattern von Pippa Marleys elektrischem Rollstuhl war aus einem der Korridore zu hören. Als sie kurz darauf auftauchte, sah ich sie an, bis sie ihr Gefährt direkt vor mir zum Stehen brachte. Sie war eindeutig trotzig gestimmt. »Mein Fahrer bringt mich in die Stadt, einige Weihnachtseinkäufe erledigen. Bei der Besichtigung werde ich also nicht im Weg sein.«

Ich nickte so professionell, wie ich konnte. Ohne ein weiteres Wort drehte sie ihren Rollstuhl herum und lenkte ihn zur offenen Haustür, wo sie ein sehr großer, bullig aussehender Fahrer erwartete. Sein Anzug spannte sich über den muskulösen Oberarmen, als er ihr aus dem Rollstuhl und die Treppe hinunter in den Wagen half.

Dabei stützte er sie mit einem Arm, während er mit dem anderen den Rollstuhl hochhob. Unten klappte er ihn zusammen und verstaute ihn im Kofferraum, bevor ich die Tür schloss, damit nicht noch mehr eisige Luft hineinwehte.

Als Megan um die Ecke bog, fuhr Pippa bereits los. Meine Neugier siegte, und ich beugte mich näher zum Fenster, um einen Blick auf die Besucher zu erhaschen. Ein dunkelblauer Range Rover folgte Megans Wagen, und beide Autos hielten in der Mitte der weiten, halbrunden Auffahrt. Megans nachdenkliche Miene war deutlich durch die Windschutzscheibe zu erkennen, als der Range Rover näher kam. Ich fragte mich ebenfalls, wer das sein mochte. Meine Schwester und die potenziellen Käufer stiegen aus Megans Wagen und kamen die Treppe zur Haustür herauf.

Das Paar bewunderte die frischen Weihnachtsgirlanden draußen am Haus. Hinter ihnen wurde die Tür des Range Rovers geöffnet, und ein Mann stieg aus. Er ging auf die andere Seite des Wagens und zog zwei große Reisetaschen heraus, ohne die kleine Gruppe auf der Treppe aus den Augen zu lassen. Auf dem Dach seines Geländewagens waren Skier – oder vielleicht ein Snowboard – festgeschnallt. Das ließ er Gott sei Dank dort. Megan unterhielt sich noch mit den Kaufinteressenten über das Äußere des Hauses. Bring sie schon rein, dachte ich. Die erfrieren ja gleich!

Als sich der Mann aus dem Range Rover näherte, konnte ich ihn besser sehen. Er war ungefähr in meinem Alter, trug einen grünen Fleece-Pulli, eine Pudelmütze und eine Sonnenbrille – die Sorte, die man in Klatschblättern auf den doppelseitigen Fotos irgendwelcher Promis sah. Was wollte er hier? Robert hatte mir außer dem ersten Tagesplan noch keine Anweisungen geschickt, daher war ich nicht sicher, ob noch jemand vorbeikommen würde. Und sofern Pippa keinen Skikurs besuchen wollte, hatte der Mann sich wahrscheinlich in der Adresse geirrt.

Das Läuten der Türglocke hallte durch die Diele. Ich öffnete sofort, um Megan und ihre Klienten zu begrüßen. Wir tauschten Nettigkeiten aus, und Megan begann, ihnen einiges über das Haus zu erzählen, also ließ ich sie an mir vorbei in die Diele. Ihre Stimme klang schärfer als sonst, förmlicher, und sie sah aus, als hätte sie ein Lineal verschluckt, aber sie war gut in ihrem Job, das merkte man.

Ich rieb meine kalten Hände und wartete an der offenen Tür auf den Fremden. Er sprang die Treppe herauf, nahm dabei immer zwei Stufen auf einmal und sah mich freundlich an. Die Sonnenbrille hatte er inzwischen abgenommen.

»Hallo!« Er winkte mir zu, sprang auf den Treppenabsatz und zog die Mütze aus, unter der wirre blonde Locken zum Vorschein kamen. »Sie müssen unsere neue Hausverwalterin sein. Ich bin Kip.«

Kip.

»Hallo, Kip.« Ich schüttelte ihm die Hand. Trotz der Handschuhe hatte er einen festen Händedruck. »Robert hat mir schon erzählt, dass Sie kommen. Sind Sie zum Familien-Meeting hier? Bedaure, mehr weiß ich leider nicht, nur, dass ich etwas arrangieren soll …« Ich ertappte mich dabei, wie ich zu wild gestikulierte, und ich nahm rasch die Arme nach unten.

»Familien-Meeting? Was soll das denn sein?«

Dasselbe hatte ich mich auch schon gefragt. »Mr. Marley sagte …«

»Vergessen Sie, was Robert sagt. Familien-Meeting heißt übersetzt: Diejenigen Marleys, die ein Herz haben, kommen zu Weihnachten ein letztes Mal in unserem Haus zusammen, bevor Robert alles verkauft. Also ist das Einzige, was Sie arrangieren müssen, ein ausreichender Vorrat an Alkohol, denn den werden wir brauchen. Ist Sloane schon da?« Er rauschte an mir vorbei und kickte die Tür mit dem Fuß zu.

»Warten Sie!«, sagte ich so leise wie möglich und lief ihm nach. Inzwischen hatte ich meine Arme vor dem Oberkörper verschränkt, weil ich kurz davor war zu erfrieren. »Es findet gerade eine Besichtigung statt.«

Er drehte sich zu mir um. »Jetzt? Waren die das in dem Auto? Kaufinteressenten? Gott, ich hoffe, es gefällt ihnen nicht!« Er griff sich in den Nacken und drückte dort, als müsste er eine Verspannung lösen. Währenddessen schien er zu überlegen.

»Wie sollten sie es nicht mögen?« Ich musste unweigerlich lächeln, als ich mich umblickte.

»Hoffen wir es einfach.« Er war sehr ernst. Ein lauter Knall hallte durch die Diele, als er seine Taschen auf den Boden fallen ließ und in Richtung Küche eilte. Ich folgte ihm, wobei ich die Taschen packte und sie halb trug, halb zog, Letzteres mit einem schlechten Gewissen, denn gewiss zerkratzte ich die frisch gewachsten Böden.

In der Küche warf Kip seine Handschuhe auf die Arbeitsplatte, öffnete einen Schrank und nahm ein Bierglas heraus. »Wein oder Bier?«, fragte er, während seine Hand ein zweites Mal in den Schrank tauchte.

»Oh, ich darf nicht bei der Arbeit trinken«, sagte ich, stellte seine Taschen hinter dem großen Küchentresen ab und rieb mir die schmerzenden Oberarmmuskeln.

»Wer sagt das?« Er holte ein zweites Bierglas aus dem Schrank. Offenbar hatte er für mich entschieden. Nun fing er an, im Kühlschrank zu wühlen.

»Na, keiner, aber ich arbeite. Und normalerweise trinkt man bei der Arbeit nicht.«

Er wusch sich die Hände an der Spüle, schüttelte das Wasser im Becken ab. Dann schnitt er einige Scheiben Zitrone auf einem kleinen Brett und stellte es beiseite. »Vielleicht nicht in diesem Land, in anderen jedoch schon.«

Er schenkte Bier von einer Marke ein, die ich nicht kannte. »Tun Sie so, als wären Sie in Europa.« Er reichte mir ein Glas, auf dem oben eine Zitronenscheibe schwamm.

Ich nahm das Bierglas, trank jedoch nicht. Kip nahm einen großen Schluck von seinem Bier. »Aah«, sagte er und leckte sich über die Lippen. Es machte das gleiche Geräusch wie ein Siebenjähriger, der gerade eine Tasse Kool-Aid heruntergestürzt hatte. Ich erwartete schon, dass er sich mit dem Ärmel über den Mund wischen würde, doch das tat er nicht. Als ich ihn ansah, glaubte ich, mir vorstellen zu können, wie er als Kind ausgesehen haben musste, und malte mir einen Fruchtsaftbart über seiner Oberlippe aus. Kip hatte etwas Jungenhaftes, und zugleich wirkte er sehr rau. Auf jeden Fall fühlte ich mich in seiner Gegenwart nicht mehr nervös, was komisch war, denn in einer Bar wäre ich angesichts eines so gut aussehenden Mannes ein Nervenbündel.

»Sie dürfen übrigens ruhig trinken«, sagte er.

Ich nahm einen winzigen Schluck.

»Das zählt nicht«, spottete er. »Ich bin gerade acht Stunden gefahren, nachdem ich das ganze Wochenende Ski gefahren bin. Hier ist niemand außer Ihnen, mir und ein paar Leuten, die eine Besichtigungstour durchs Haus unternehmen. Ich will mit jemandem trinken und ein bisschen ausspannen. Es ist Weihnachten, Himmelherrgott!«

»Noch ist nicht Weihnachten.« Trotzdem trank ich noch einen Schluck, um ihn friedlich zu stimmen.

»Wo ist Pippa?« Kip stürzte mehr Bier herunter, bis der letzte Rest Schaum aus seinem Glas in seinen Mund geflossen war. Anschließend öffnete er einen Küchenschrank, in dem sich ein Abfalleimer mit einem sauber gespannten Müllbeutel befand. Die Zitrone aus dem Glas rutschte in den Müll, bevor Kip wieder an den Kühlschrank ging und sich ein neues Bier herausholte. Plopp, noch eine Zitronenscheibe, zisch, mehr Bier.

»Sie erledigt Weihnachtseinkäufe. Warum nennen Sie Ihre Großmutter Pippa?«

»Heißt sie nicht so?« Er hatte die Hälfte seines zweiten Biers getrunken und das Glas abgestellt, um seinen Fleece-Pullover auszuziehen. Ich trank noch einen Schluck, während er den Pullover über einen Stuhl hängte.

»Aber sie ist Ihre Großmutter. Warum nennen Sie sie nicht Grandma oder so?«

Seine Augen blitzten im Nachmittagslicht. »Das hat sie uns verboten.« Er neigte den Kopf zur Seite. »Haben Sie Pippa kennengelernt?«

Ich unterdrückte ein Lachen.

Kip ging um den Küchentresen herum und berührte mich flüchtig unten am Rücken. Es erschreckte mich etwas, und ich überspielte es, indem ich einen größeren Schluck von meinem Bier trank. Kip führte mich ins Wohnzimmer und bedeutete mir, auf dem Sofa am Kamin Platz zu nehmen. Ich hoffte inständig, dass Megan diesen Raum ihren Klienten schon gezeigt hatte.

»Was würde Mr. Marley sagen, wenn er mich auf einem Sofa sitzen und Bier trinken sähe?«, fragte ich, setzte mich aber.

Kip verdrehte die Augen. »Wen interessiert’s?«

»Mich. Er ist mein Arbeitgeber.«

Ich beobachtete, wie Kip sein Glas auf den Mahagoni-Couchtisch stellte, und blickte mich vergebens nach einem Untersetzer um.

»Sie machen nichts falsch«, sagte er.

»Ich mache gar nichts, genau genommen.«

»Touché.« Er grinste und musterte mich von oben bis unten. »Sie unterhalten mich. Und glauben Sie mir, Robert weiß, dass ich Unterhaltung brauche.« Wieder hatte er den Gesichtsausdruck eines Siebenjährigen.

Unwillkürlich musste ich lächeln. Wie konnten diese Brüder im selben Haushalt aufgewachsen sein? Meine Gedanken wurden von Schritten unterbrochen. Ich sprang auf, ließ Kip im Wohnzimmer zurück und eilte in die Diele. Megan brachte ihre Klienten zur Tür.

Sie hob eine Hand an ihr Ohr, was heißen sollte, dass sie mich anrufen würde, und blickte fragend zum Wohnzimmer.

Mit einem strengen Blick schüttelte ich den Kopf und kehrte zu Kip und dem Bier zurück, das zweifellos einen hässlichen Ring auf Pippas Tisch hinterlassen würde.

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