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Wilder Flirt mit süßen Folgen

Kimberly Lang

Wilder Flirt mit süßen Folgen

1. KAPITEL

Über der bunt angestrahlten Tanzfläche rotierte eine verspiegelte Diskokugel. Wie in Trance bewegten sich Hunderte Tänzer und Tänzerinnen zum treibenden Rhythmus eines Techno-Dance-Mixes. Dieser Club namens Zoo mit seinen flackernden Scheinwerfern und den von der Decke baumelnden, beleuchteten Plastikweinreben verlieh dem Begriff geschmacklos eine ganz neue Dimension.

Evie Harrison gefiel es. Wie ihr überhaupt alles an Las Vegas gefiel: die gleißenden Neonlichter, die überdrehte, freizügige Atmosphäre, der ganze grelle Kitsch dieser Stadt.

Las Vegas war nicht Dallas. Ein Grund, es umso mehr zu lieben.

„Lust auf ein Tänzchen, Süße?“

Der Alkoholdunst, der das lallende Angebot begleitete, trieb ihr die Tränen in die Augen. „Nein, danke. Ich warte auf jemanden.“

Ihr potenzieller Tanzpartner, der sich zum Glück noch im Stadium bierseliger Heiterkeit befand, zog unverzagt weiter zum nächsten Tisch.

Evie hätte liebend gern getanzt, aber allein zu tanzen kam nicht infrage. Nicht wegen der Leute, die über sie reden könnten. In Las Vegas kannte sie niemand, was einer der Hauptgründe war, weshalb sie überhaupt hier war. Doch als Frau allein auf der Tanzfläche hätte sie im Nu ein Rudel angeheiterter Verehrer um sich geschart, und nicht alle würden einen Korb so friedlich akzeptieren.

Eine Kellnerin mit Plüschohren und aufgemalten Schnurrhaaren räumte ihr leeres Glas ab. „Darf’s noch etwas sein?“, schrie sie gegen den Lärm der Musik an.

„Einen Wodka-Tonic, bitte.“ Evies silbernes Täschchen begann auf dem Tisch zu tanzen, als das Handy darin vibrierte. Evie nahm es heraus und sah auf das Display.

Will schon wieder. Nein danke! Vier verpasste Anrufe von ihm in den letzten zwei Stunden. Also wirklich.

Sie hatte eine Nachricht auf seinem Schreibtisch hinterlassen, die er eigentlich erst am Montagmorgen vorfinden sollte. Doch dieser Sturkopf, dieser Workaholic, musste natürlich auch am Wochenende ins Büro fahren.

Aber sie hatte sich nichts vorzuwerfen. Sie war fünfundzwanzig Jahre alt, auch wenn ihr Bruder sie immer noch wie einen ungezogenen Teenager behandelte. Sie brauchte ihn nicht um Erlaubnis zu fragen, wenn sie ein paar Tage wegfahren wollte.

Gleichzeitig mit ihrem Drink traf eine Nachricht von Sabine ein: Gehe mit Toby ins Casino im Bellagio. Warte nicht auf mich, Bennie.

Den letzten Satz hätte sie sich sparen können. Evie hatte schon vor einer halben Stunde gewusst, was dieser Ausdruck in den Augen ihrer Freundin zu bedeuten hatte: dass der gemeinsame Mädelsabend offiziell beendet war.

Verspürte sie etwa einen Anflug von Enttäuschung? Immerhin war Bennie am Abend vorher Hals über Kopf mit ihr nach Las Vegas geflogen. Aber Evie war jetzt lieber allein in Las Vegas als zu Hause in Dallas. Überall, nur nicht in Dallas!

Zugegeben, sie war bei diesem Brunch etwas aus der Rolle gefallen und hatte ein paar Dinge gesagt, die sie lieber für sich behalten hätte. Wenn nicht zufällig diese hinterhältige Klatschreporterin vom Dallas Lifestyles, dem regionalen Wochenmagazin, neben ihr gestanden hätte, wäre die Sache vielleicht gar nicht publik geworden. So aber war ihr Ausrutscher natürlich prompt auf Seite drei unter den Gesellschaftsnachrichten gelandet.

Notgedrungen hatte sie sich beim Vorsitzenden des Vereins „Dallas soll schöner werden“ entschuldigt und die Spende der Firma HarCorp großzügig verdoppelt. Und das alles nur, weil sie anzudeuten gewagt hatte, dass neue Parkbänke vielleicht nicht ganz so wichtig seien wie Lebensmittelspenden für Bedürftige.

Das stand natürlich nicht in der Zeitung. Nein, die Reporter verschwendeten ihre Tinte nur, um sich über Evie Harrisons große Klappe aufzuregen. Schon wieder.

Will war außer sich gewesen, und Onkel Marcus hatte ihr – schon wieder – eine Gardinenpredigt gehalten, weil sie – schon wieder – die Familie blamiert habe.

Die beiden hatten gut reden. Sie mussten keine endlos langen Festreden über sich ergehen lassen, nur weil es ihre Aufgabe war, als lächelndes Aushängeschild der Firma HarCorp die Spendenschecks zu überreichen.

Wofür hatte sie eigentlich studiert? Ein dressierter Affe könnte ihren Job genauso gut erledigen. Besser, vermutlich.

Sollte Will sich doch aufregen. Es war nicht das erste Mal, dass er ihr am liebsten den Hals umgedreht hätte. Und sicher nicht das letzte Mal.

Wieder vibrierte ihr Handy. Diesmal erschien die Nummer ihrer Schwägerin Gwen auf dem Display. Für wie dumm hielt Will sie eigentlich?

Ärgerlich steckte Evie das Handy weg und überlegte, was sie mit dem Rest des Abends anfangen sollte. Sie hätte natürlich brav ins Hotel zurückkehren können, nachdem Bennie nun mit ihrem neuen Verehrer abgezogen war. Doch dann hätte sie gar nicht erst ausreißen müssen. Sie war doch hier, um sich zu amüsieren! Um endlich einmal Spaß zu haben, ohne befürchten zu müssen, dass am nächsten Tag alles haarklein in der Zeitung stand.

Wie lautete doch gleich dieser Werbespruch? Was in Vegas passiert, bleibt in Vegas.

Also, höchste Zeit, sich ins Vergnügen zu stürzen!

Den Dekorateur sollte man zum Mond schießen. Was um alles in der Welt hatten blinkende Weinreben mit einem Zoo zu tun?

Nick Rocco überschlug in Gedanken die Kosten für die komplette Neugestaltung des Clubs und rechnete sie zu dem Kaufpreis hinzu, den er zu zahlen bereit war. Natürlich würde er das Lokal während der Renovierung schließen müssen, aber bei dieser Lage und mit einer geschickt inszenierten Neueröffnung ließe sich der Verlust schnell wieder ausgleichen.

Geschäftlich gesehen wäre der Kauf durchaus sinnvoll. Ganz abgesehen von der persönlichen Genugtuung, die es ihm bereiten würde, diesen Club in seinen Besitz zu bringen. Schließlich hatte er hier früher den Fußboden geschrubbt und Bier gezapft, auch wenn der Laden damals noch nicht Zoo hieß.

Nick hatte es sich zur Regel gemacht, jedes potenzielle Kaufobjekt während der Hauptbetriebszeit persönlich aufzusuchen, bevor er ein Angebot abgab. Deshalb hatte er sich an diesem Freitagabend unter die Gäste gemischt.

Die Tanzfläche war ein Meer wogender Körper, die Sitzgelegenheiten zum größten Teil besetzt, das Personal eilte geschäftig hin und her. Neu aufpoliert konnte aus dem Zoo eine Goldgrube werden.

Kevin O’Brian, sein geschäftsführender Verwalter, hatte seinen Rundgang beendet und gesellte sich zu ihm an die Bar.

„Und?“ Nick musste die Stimme erheben, um sich über die hämmernden Bässe hinweg verständlich zu machen.

„Bis auf den üblichen Ärger mit betrunkenen Randalierern gibt es hier für die Polizei nicht viel zu tun. Ich habe mich ein bisschen umgehört. Kein Hinweis auf Drogen.“ Kevin war der nette, kumpelhafte Typ, der leicht an Insider-Informationen herankam, weil ihm die Leute auf Anhieb vertrauten. Ganz im Gegensatz zu Nick, dem dafür nicht nur die Geduld, sondern auch Kevins gutmütiges Jungengesicht fehlten. Das Spiel „Guter Cop, böser Cop“ gehörte zu ihren bevorzugten Geschäftstaktiken.

„Den DJ solltest du allerdings feuern“, bemerkte Kevin.

Nick horchte auf. „Warum?“

„Er hat einen grauenhaften Musikgeschmack“, meinte Kevin grinsend und steckte der blonden Serviererin, die ihm lächelnd ein Bier servierte, ein großzügiges Trinkgeld zu.

„Du gehst also davon aus, dass ich den Laden kaufe.“

„Natürlich kaufst du ihn. Ich wette, du hast schon ausgerechnet, was es kostet, die Tanzfläche zu vergrößern und diese grauenhaften Dinger von der Decke zu reißen.“

Nick zuckte die Schultern. Kevin kannte ihn einfach zu gut. Sie waren zusammen in einem der rauesten Viertel von Las Vegas aufgewachsen, hatten es aber im Gegensatz zu den meisten ihrer Jugendfreunde geschafft, sich aus dem Teufelskreis von Armut und Drogen zu befreien.

Natürlich war auch eine Portion Glück im Spiel gewesen. Den Kauf seines ersten Clubs hatte Nick mit einem Pokergewinn finanziert.

In erster Linie aber trieb sie ihr eiserner Wille an. Kevin und er wollten ihre traurige Vergangenheit hinter sich lassen. Sie hatten sich mit harter Arbeit von ganz unten nach ganz oben durchgebissen.

„Sind wir dann hier fertig?“ Früher hätte Kevin es jetzt richtig krachen lassen, doch jetzt gab es Lottie in seinem Leben.

„Fahr du nach Hause zu deiner Frau. Ich bleibe noch eine Weile hier und beobachte das Publikum.“

„Es könnte nicht schaden, wenn du versuchen würdest, dich ein bisschen zu amüsieren, wenn du schon mal hier bist. Du weißt ja, nur Arbeit und kein Vergnügen …“

„Führt zu schwarzen Zahlen“, ergänzte Nick.

„Ich kenne die Bilanzen so gut wie du. Du brauchst diesen Club nicht, um schwarze Zahlen zu schreiben. Du willst ihn nur kaufen, weil du ihn kaufen kannst.“

„Und das, mein Freund, macht mir Spaß.“

„Du spinnst. Sieh dich doch mal um, hier gibt es jede Menge hübscher Frauen. Die helfen dir sicher gern beim Amüsieren, falls du vergessen hast, wie das geht …“

Nick hatte seit Jahren keine Frau mehr in einer Bar angesprochen. Sich mit einem dieser Partygirls einzulassen, brachte nur Ärger. „Verschwinde, Kevin.“

„Bin schon weg.“

Ein Nachtclub war für Nick kein Ort zum Amüsieren. Vielleicht, weil er schon zu lange in dieser Branche tätig war und immer dafür hatte sorgen müssen, dass sich die anderen amüsierten. Während er das Publikum im Auge behielt, plante er in Gedanken weiter die Renovierung.

Da drüben schienen zwei Männer wegen einer Rothaarigen aneinanderzugeraten. Nick erhob sich von seinem Platz an der Bar, kam aber zu spät, um zu verhindern, dass einer dem anderen einen kräftigen Stoß versetzte. Der taumelte rückwärts und prallte gegen eine dahinter stehende Frau. Nick konnte die schlanke Brünette gerade noch auffangen, ehe sie sich den Kopf an einem der Tische stieß.

Schon bahnten sich zwei stämmige Türsteher einen Weg durch die Menge, trennten die beiden Streithähne ohne großes Aufsehen voneinander und verwiesen sie des Lokals. Nick war beeindruckt. Das Sicherheitspersonal würde er auf jeden Fall weiterbeschäftigen.

Er half der Frau in seinen Armen auf die Beine. „Ist Ihnen etwas passiert?“

Sie schob sich das kastanienbraune Haar aus der Stirn und zupfte am Saum ihres silbrig glitzernden Minirocks. Nicks Blick fiel auf ihre endlos langen Beine, dann auf ihr verlockendes Dekolleté unter dem hautengen schwarzen Top. Er glaubte noch, ihre vollen, runden Brüste an seinem Körper zu spüren … Sein Puls beschleunigte sich.

„Ich denke schon.“ Aus wunderschönen haselnussbraunen Augen sah sie zu ihm auf. „Danke, dass Sie mich gerettet haben.“

Ihr Lächeln leuchtete auf wie der Las Vegas Strip, wenn die Lichter angingen. Es betonte ihre hohen Wangenknochen, die ihrem Gesicht eine exotische Schönheit verliehen. Nick vergaß alles um sich herum.

„Oh, nein! Ich habe meinen Drink verschüttet, und Sie haben etwas abbekommen. Tut mir schrecklich leid.“ Sie fing an, an seinem Hemd herumzureiben, was ihn ganz kribbelig machte.

„Schon gut, lassen Sie nur.“

„Ich glaube zwar nicht, dass es Flecken gibt, aber …“ Sie unterbrach sich verwirrt, als er energisch ihre Hände festhielt. „Ich bezahle Ihnen natürlich die Reinigung.“ Hastig befreite sie sich aus seinem Griff und reichte ihm die Hand. „Evie.“

„Nick.“ Er nahm ihre Hand und hielt sie einen Moment zu lange fest.

Evie sah aus wie ein Filmstar: groß, schlank, geschmeidig, das schöne Gesicht von langen kastanienbraunen Locken umrahmt. Ihre Haltung war stolz und anmutig. „Sieht nach Geld aus“, würde Kevin sagen, und damit hätte er vermutlich recht. Und doch wirkte Evie nicht affektiert oder hochnäsig wie ein bestimmter Frauentyp, um den Nick aus gutem Grund einen großen Bogen machte.

„Nett, Sie kennenzulernen, Nick. Sie haben gute Reflexe.“

„Reine Routine. Testosteron, Alkohol und ein hübsches Mädchen, das ist immer eine brisante Mischung.“

„Ach, es ging um eine Frau.“ Evie zögerte kurz, lächelte dann und fragte: „Darf ich Ihnen zum Dank einen Drink spendieren, Nick?“

„Das ist doch nicht nötig.“

„Aber … oh, Verzeihung. Sie sind sicher in Begleitung. Ich will nicht der Auslöser für den nächsten Streit sein.“ Sie wandte sich ab, doch Nick hatte plötzlich nur noch Augen für sie.

„Nein, ich bin allein hier“, hörte er sich sagen.

Strahlend drehte sie sich wieder zu ihm um. „Dann lade ich Sie jetzt zu einem Drink ein.“

„Wäre das nicht eigentlich meine Aufgabe?“ Er berührte leicht ihren Ellbogen und dirigierte sie zu einem der Kuschelsofas im Zebralook, das gerade frei wurde.

Graziös ließ Evie sich darauf nieder. „Die Gerettete gibt dem Retter einen Drink aus“, entschied sie.

Evie bestellte sich einen Wodka-Tonic, und Nick, der normalerweise bei der Arbeit keinen Alkohol trank, schloss sich ihr an. Um sich bei der lauten Musik mit ihm unterhalten zu können, rückte sie so nah an ihn heran, dass ihm der verführerische Duft ihres Parfüms in die Nase stieg. Es hatte eine leicht exotische Note, die perfekt zu ihr passte.

„Wo kommen Sie her, Nick?“

Er musste sich erst sammeln. „Aus dem Norden von Las Vegas.“

„Wirklich?“ Sie sah ihn aus großen Augen an.

Er war mitleidige oder abweisende Blicke gewöhnt, wenn er seine wenig vornehme Herkunft erwähnte, aber Evie sah nur erstaunt aus. „Wundert Sie das?“

„Ja! Ich meine, Las Vegas ist einer dieser Orte, wo die Leute von überall her zu kommen scheinen, nur nicht aus der Stadt selbst.“

„Auch hier wachsen Leute auf. Und Sie?“

„Ich komme aus Dallas.“ Sie schürzte kaum merklich ihre schönen, vollen Lippen, was ihm nur deshalb nicht entging, weil er genau die gerade aufmerksam betrachtete. „Ich bin nur über das Wochenende hier.“

„Also nicht beruflich?“

„Himmel, nein. Nur zum Vergnügen.“

Das konnte nur Ärger bedeuten. Eigentlich hätte er auf der Stelle die Flucht ergreifen müssen, doch irgendetwas hielt ihn zurück. „Allein?“, fragte er.

„Nein, zusammen mit einer Freundin.“

Er sah sich suchend nach allen Seiten um, und vernahm schließlich Evies warmes, perlendes Lachen. „Meine Freundin hat gerade eine Eroberung gemacht.“

Sie ist allein, registrierte der hormongesteuerte Teil von Nicks Gehirn, der gerade das Kommando über sein Denken übernommen hatte. Als die Kellnerin die Getränke servierte, zückte er seine Brieftasche, doch Evie kam ihm zuvor.

„Kluge Frauen lassen sich keine Drinks von fremden Männern spendieren“, meinte sie augenzwinkernd. „Das hilft Missverständnisse zu vermeiden.“

Naiv war sie nicht. Das gefiel ihm. „Gut, aber die zweite Runde geht an mich.“

„Gibt es denn eine?“

„Da bin ich ganz optimistisch.“

„Die Kraft des positiven Denkens“, scherzte sie. „Glauben Sie daran?“ Mit ihrem Glas in der Hand lehnte sie sich zurück und schlug ihre unglaublich langen Beine übereinander. Es wirkte nicht einstudiert, aber so verführerisch, dass Nick alle Bedenken, mit Frauen in Bars anzubändeln, in den Wind schlug.

„Es ist auf jeden Fall positiv, dass Ihre Freundin einen Verehrer gefunden hat.“

„Sie meinen, weil ich mir dann auch einen suchen kann?“

„Genau.“

Nicks Antwort ließ Evies Herz höher schlagen. Die Kraft des positiven Denkens? Nun, mit dem Denken war es bei ihr im Moment nicht weit her, aber diese Begegnung war auf jeden Fall das Positivste, das ihr seit Langem widerfahren war. An keinem Ort der Welt wäre sie jetzt lieber gewesen als hier bei diesem Mann mit den unergründlich dunklen Augen.

Als er sie vorhin mit seinen starken Armen aufgefangen hatte, schien die Zeit sekundenlang stillzustehen. Die Wange an seine breite Brust geschmiegt, hatte sie dem kräftigen Rhythmus seines Herzens gelauscht, der selbst die Musik zu übertönen schien. Und als sie dann aufsah …

Das markante Gesicht ihres Retters, halb im Schatten, halb vom zuckenden Scheinwerferlicht beleuchtet, hatte sie auf Anhieb fasziniert. Sein tief in die Stirn fallendes schwarzes Haar, die verwegene Narbe über seiner linken Augenbraue. Und seine Augen, so dunkel und geheimnisvoll, dass sie sich abwenden musste, um sich nicht darin zu verlieren.

Als sie die nasse Stelle auf seinem Hemd bemerkte, musste sie ihn einfach anfassen. Wie wunderbar, hatte sie gedacht, dass es Männer gibt, die so aussehen und sich so anfühlen.

Dass es ihr gelungen war, zu gepflegtem Small Talk überzugehen, anstatt sich dem Mann an den Hals zu werfen, hatte sie nur Gwen zu verdanken. Ihrer Schwägerin Gwen, die sich jahrelang rührend bemüht hatte, eine echte Lady aus ihr zu machen. Gwen wäre allerdings entsetzt gewesen, wenn sie gesehen hätte, wie ungeniert ihr Zögling jetzt mit ihrem neuen Bekannten flirtete.

Und wenn schon! Evie wusste, dass sie sich auf ungewohntes Terrain wagte und dass dieser Flirt nicht ganz ungefährlich war, aber es kümmerte sie nicht. Dies war eine ganz neue Welt für sie. Sie kam sich vor, als hätte sie eine zu enge Hülle abgestreift und könnte endlich sie selbst sein.

Es war beängstigend und aufregend zugleich. Wenn sie einen Funken Verstand besaß, dann kehrte sie jetzt blitzschnell in ihr Hotel zurück und vergaß, dass ihr dieser Mann je unter die Augen – oder die Hände – gekommen war.

Wie oft hatte Will sie schon gefragt, ob sie den Verstand verloren hätte? Nun, er hatte wohl recht.

„Und Sie wollen also mein neuer Verehrer sein?“ Du meine Güte, hatte sie das wirklich gesagt? Und wem gehörte diese sündhaft rauchige Stimme?

Nicks Mundwinkel zuckten. „Mit dem größten Vergnügen.“

Oh. Sie bewegte sich wirklich weit außerhalb ihres gewohnten Terrains. Jetzt half nur noch gepflegte Konversation. Das konnte doch nicht so schwer sein, damit kannte sie sich doch aus. Kein Ton kam über ihre Lippen. Verlegen führte sie ihr Glas zum Mund, doch der Wodka brannte in ihrer Kehle und brachte sie zum Husten. Nick bestellte ihr ein Glas Wasser.

„Mir scheint, der Drink bekommt Ihnen nicht. Sollen wir woanders hingehen, wo es ruhiger ist und man einen hervorragenden Wodka serviert?“

Fast hätte sie sich erneut verschluckt. „Und wohin?“

„Wir könnten ins Starlight gehen, das ist ganz in der Nähe. Aber Sie haben die Wahl, Evie. Wir sind in Las Vegas. Hier gibt es alles, was das Herz begehrt. Rund um die Uhr.“

Evie sah diverse, ganz und gar ungehörige Orte vor sich, an denen sie jetzt gern mit ihm gewesen wäre. „Starlight klingt gut“, sagte sie schnell.

Er erhob sich und reichte ihr die Hand. „Gehen wir.“

Warm und fest schloss sich seine Hand um ihre. Was du in Las Vegas tust, bleibt in Las Vegas. Ihr ganzer Körper prickelte vor Erregung. Und vor Freude über die neugewonnene Freiheit.

Viva Las Vegas!

2. KAPITEL

Evie wusste, dass sie nicht betrunken war. Nicht von zwei Drinks. Dieses herrliche Gefühl von Freiheit, Ungezwungenheit und Leichtigkeit hatte sie Nick zu verdanken, nicht dem Wodka.

Wozu brauchte sie Alkohol, wenn mit jedem Atemzug Nicks warmer, herber Duft ihre Sinne berauschte? Was konnte schöner sein als beim Tanzen diesen großen, starken Männerkörper an ihrem zu spüren? Du meine Güte, sie stand in Flammen. Das war kein Tanz mehr, das war ein erotisches Vorspiel in aller Öffentlichkeit, angeheizt vom treibenden Rhythmus der Bässe, deren stimulierender Wirkung es nun wirklich nicht bedurfte.

Nick war stimulierend genug.

Doch was Evie verspürte, war mehr als körperliches Verlangen. Hier war sie nicht Evangeline Harrison, die Teilerbin von HarCorp International. Hier stand sie nicht im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit wie in Dallas. Niemand hier erwartete tadellose Umgangsformen von ihr, nur weil sie die Schwägerin von Texas’ führender Etikettetrainerin war.

Hier war sie einfach Evie, ein Mädchen wie jedes andere. Und diese Evie genoss es, dem Goldfischglas von Dallas entronnen zu sein. Nick schien es egal zu sein, wer sie außerhalb von Las Vegas war. Er stellte nicht nur keine Erwartungen an ihr Benehmen, er ignorierte auch mit fröhlicher Unbefangenheit jeden Verstoß gegen die Regeln.

Bier aus der Flasche trinken? Er zuckte mit keiner Wimper. Zu der Band auf die Bühne klettern und ihren Lieblingssong mitträllern? Er half ihr hinauf und warf ihr dann so glühende Blicke zu, dass sie am Mikrofon ins Stammeln geriet.

Nick wirkte ausgesprochen selbstsicher. Er stand zu seinen Ecken und Kanten und tat, was er wollte, ohne sich dafür zu entschuldigen. Evie hatte ihr Leben lang nur mit „anständigen“ Jungen zu tun gehabt. Söhnen aus reichem Haus, die Mitglieder im richtigen Country Club waren. Nick dagegen war das, was die Mädchen ihrer Debütantenklasse einen „Bad Boy“ nannten.

Und sie begehrte ihn mehr, als sie jemals einen Mann begehrt hatte.

Als die Band eine Pause einlegte, ließ sie die Hände auf seinen breiten Schultern liegen. Dieser Tanz sollte noch nicht enden!

Er fasste sie fester um die Taille. Ihr Puls raste. Ein Blick in Nicks Augen verriet ihr, dass er dasselbe empfand wie sie. Er zog sie so eng an sich, dass sie seinen Herzschlag an ihrer Brust spürte.

Und dann küsste er sie.

Seine Lippen waren warm und fest und heizten ihr Verlangen noch an. Sie schob eine Hand in seinen Nacken und fuhr mit den Fingern durch sein dichtes pechschwarzes Haar.

Mehr fühlte als hörte sie den rauen, zustimmenden Laut, der aus seiner Kehle drang. Er ließ seine Zunge in ihren Mund gleiten, um ihre zu liebkosen.

Sein Kuss schien tief in ihr ein Feuer zu entfachen, das sich unaufhaltsam in ihr ausbreitete. Ihre Beine zitterten, die aufgerichteten Spitzen ihrer vollen Brüste rieben sich am zarten Stoff ihres BHs.

Nick hielt ihren Kopf mit beiden Händen umfasst und strich sanft mit den Daumen über ihre Wangen und Schläfen, während er sie leidenschaftlich küsste. Sollte sie noch daran gezweifelt haben, dass ihr Verlangen auf Gegenseitigkeit beruhte, so lieferte die Art, wie Nick jetzt die Hüften vorschob, den Gegenbeweis.

„Nehmt euch ein Zimmer!“, hörte Evie jemanden rufen.

Rasch löste sie sich von Nicks Lippen.

Wie peinlich!

Ihre Wangen brannten vor Verlegenheit, doch Nick küsste sie unbekümmert noch einmal zärtlich auf die Schläfe. Es schien ihn nicht zu kümmern, dass sie Publikum hatten. Immerhin führte er sie jetzt von der Tanzfläche an die Bar und bestellte zwei Gläser Wein. „Warte hier, ich bin gleich wieder da“, raunte er ihr zu und verschwand in der Menge.

Als er kurz darauf zurückkehrte, griff er nach seinem Glas, drückte Evie ihres in die Hand und fasste sie am Handgelenk. „Komm mit.“

„Wohin?“

„Du wirst schon sehen.“

Er führte sie zu einem Treppenaufgang im hinteren Teil des Clubs, der von einem bedrohlich aussehenden Türsteher bewacht wurde. Wortlos entfernte der Mann die Absperrkordel und ließ sie passieren.

Der Lärm aus der Bar verklang hinter ihnen, als sie in den zweiten Stock hinaufstiegen und einen schwach beleuchteten Korridor entlanggingen. Vor einer der vielen Türen blieb Nick stehen, öffnete sie und ließ Evie den Vortritt.

Sie betrat einen kleinen, schummrig beleuchteten Raum mit einer komplett verglasten Wand, die freie Sicht auf die darunter liegende Bühne und Tanzfläche bot, und einer ledernen Sitzgruppe.

Evies Herz schlug schneller. „Das ist eine VIP-Lounge, oder?“

Nick schloss die Tür hinter sich. „Stimmt.“ Der dicke Teppichboden dämpfte seine Schritte, als er auf Evie zutrat.

„Und wie kommen wir zu der Ehre?“, fragte sie nervös.

„Ich kenne den Türsteher. Er schuldet mir noch einen Gefallen.“

So war das also. Sie brauchten ein Zimmer, und schon hatten sie eins. Evangeline Harrison – die junge Dame, die im Country Club dinierte und höflich lächelnd auf Benefiz-Cocktailparties herumstand, war schockiert.

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