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Wilde Hochzeitsnächte (5-teilige erotische Serie)

Sasha Summers, Tanya Michaels, Ali Olson, Jennifer Snow

Wilde Hochzeitsnächte (5-teilige erotische Serie)

1. KAPITEL

Ein Wahnsinnstyp! Cady entdeckte ihn im Restaurant am vereinbarten Tisch. Sie war froh, dass sie zu spät kam. Das gab ihr die kleine Chance, sich von dem ersten Eindruck zu erholen. Bianca hatte ihr gesagt, dass er gut aussehend war. Gut? Der Mann war wie geschaffen für lange Tage nackt im Bett. Oder für lange schlaflose Nächte – im Bett … in der Dusche … auf der Couch … im Auto.

Sie ließ sich vom Ober zum Tisch führen und nutzte die Gelegenheit, ihr Date zu betrachten. Breite Schultern. Ein markantes Kinn mit einem sexy Hauch von Bartstoppeln. Schwarze Haare.

„Patton?“ Sie reichte ihm die Hand.

Die hellen Augen unter den dichten dunklen Brauen waren unerwartet. Der Blick, den er ihr daraus schenkte, war hellwach und durchdringend – und ließ ihr einen Schauer prickelnder Erregung über den Körper laufen.

Er erhob sich und sah auf ihre knapp einen Meter sechzig herab. „Cady?“

„Schuldig.“ Ihr schwirrten höchst erfreuliche Fantasien durch den Kopf.

Seine Hand war rau, warm und groß, ihr Druck kräftig, aber kontrolliert. Unwillkürlich fragte sie sich, wie sie sich auf ihrem Körper anfühlen mochte. Unkontrolliert.

Sie setzte sich und schob sich eine Strähne hinter das Ohr. „Tut mir leid, dass Sie warten mussten.“ Sie lächelte ihn an.

„Kein Problem“, murmelte er nur und nahm wieder Platz.

„Guten Abend, ich bin heute für Ihren Tisch zuständig.“ Der Ober reichte ihnen die Speisekarten.

Cady vertiefte sich in die Seiten und musterte dabei verstohlen ihr sexy Gegenüber. Auch er betrachtete sie, aber im Gegensatz zu ihr versuchte er nicht, diskret dabei zu sein: Er starrte sie unverhohlen an.

„Wir haben heute einen guten Rotwein im Angebot.“ Der Ober sah sie fragend an.

„Ich hätte gern einen Whiskey-Special mit extra Oliven.“ Sie lächelte den Mann an, und er lächelte zurück. Er sah auch nicht schlecht aus. Aber keine Frage: Ihr Date war eine Klasse für sich.

„Ich nehme ein Bier.“ Patton hatte eine dunkle, raue Stimme. Eine Schlafzimmerstimme.

Der Ober ließ sie mit den Speisekarten zurück.

„Wer hat Ihnen das angetan?“, fragte Cady und ließ den Blick über die Seiten gleiten, ohne aufzusehen.

„Was?“ Die Frage schien ihn zu verwirren.

„Wer hat Ihnen das Date eingebrockt?“, erklärte sie und lachte leise. „Ein Freund oder die Familie?“ Nun erst schaute sie auf.

Er grinste schief. „Die Familie. Und wer war es bei Ihnen?“

„Eine Freundin.“

Er ließ den Blick ihren Hals hinunter zur Schulter wandern, die unter ihrem schwarzen Pulli hervorlugte. „Das ist mehr Druck.“

„Inwiefern?“ Wieso kam es ihr so vor, als berühre er sie? Sie erschauerte.

„Familie hat man, Freunde sucht man sich aus.“

Sie lachte nur.

Er legte die Speisekarte beiseite, ohne Cady dabei aus den Augen zu lassen. Sie betrachtete seine markanten Gesichtszüge. Er war einfach … überwältigend. Überwältigend männlich.

„Wissen Sie, was Sie wollen?“

„Zum Essen?“

Zum ersten Mal sah sie ihn lächeln. Sie brauchte eine kalte Dusche. Eine sehr kalte Dusche. „Ist es nicht das, worüber wir reden?“

„Natürlich.“ Er lehnte sich zurück.

„Ein Mann vieler Worte“, bemerkte sie trocken.

Er zuckte nur die Achseln.

„Reden hilft im Allgemeinen bei einem ersten Date.“ Sie beugte sich vor. „Ich fange mal an. Lassen Sie mich raten. Sie nehmen ein Steak?“

Er nickte.

Der Ober erschien mit ihren Drinks. „Möchten Sie Ihre Bestellung aufgeben?“

„Ein Steak, medium, eine gebackene Kartoffel und den Haussalat.“ Patton gab die Karte zurück. Er mochte ein heißer Typ sein, aber er musste eindeutig noch an seinen Manieren feilen.

„Und für die Dame?“

„Ich bin mir noch nicht sicher …“

„Ich kann gern zurückkommen.“

„Nein, nein. Man soll niemanden warten lassen.“ Sie nippte an ihrem Drink. „Ich nehme das Gleiche wie der Herr.“

„Sehr gut.“ Der Ober nahm die Karten und verschwand.

Patton trommelte mit den Fingern auf der Tischplatte. Entweder war er gedankenverloren oder nervös. Sie beobachtete, wie er leicht die Augen zusammenkniff und die Lippen aufeinanderpresste, während er jeden Gast einer Musterung unterzog. Er überraschte sie, als er sagte: „Wenn Sie noch nicht so weit waren, hätten Sie es ruhig sagen können.“

„Oder Sie hätten fragen können.“ Sie trank noch einen Schluck.

Patton sah sie durchdringend an. Er nickte kaum merklich. Konzentrierte sich ganz auf ihre Lippen.

Sie war bereit, seine schlechten Manieren zu vergessen. Wer hätte ahnen können, dass ein Blind Date derartig … interessant sein konnte?

Ihre Freundin Bianca war fest entschlossen, ihr zu helfen, den Richtigen zu finden. Sie hatte sie schon mehrfach zu solchen Dates gedrängt. Die Männer, die sie dabei ausgesucht hatte, waren – nun ja, es war ein Fiasko nach dem anderen gewesen. Als Bianca ihr versprochen hatte, dieses werde definitiv ihr allerletzter Versuch sein, hatte Cady zugestimmt. Sie hatte keinerlei Erwartungen an das Date gehabt, hatte sich nur auf das Essen gefreut. Aber jetzt … Sie konnte sich nicht erinnern, sich je so spontan zu einem Mann hingezogen gefühlt zu haben. Es war etwas Animalisches. Magnetisches. Unwiderstehliches.

Ihr Handy vibrierte.

Nach einem Monat intensivster Arbeit – jeden Tag bis in die frühen Morgenstunden – hätte sie wissen sollen, dass es zu viel erwartet gewesen war, einen Abend ungestört zu bleiben. Aber sie hatte Charles, den Sohn ihres Chefs, aufs Auge gedrückt bekommen. Sie hatte den Eindruck, er könnte nicht einmal zur Toilette gehen, ohne sie vorher um Rat zu fragen. Aber wenn sie ihre Beförderung wollte, dann musste sie Charles’ fehlerhafte Programmierungen und seine ständigen Fragen ertragen. Zumindest für den Moment. Sie zog das Handy aus der Tasche und legte es auf den Tisch. „Entschuldigen Sie“, murmelte sie und las die SMS.

„Alles in Ordnung?“

„Kennen Sie das Gefühl, der Einzige zu sein, der weiß, was er tut?“ Sie tippte eine Antwort.

„Nur zu gut.“

Sie hielt inne und sah zu ihm hinüber. „Es nervt, oder?“

„Man muss damit leben.“

Sie drückte auf Senden und steckte das Handy wieder ein. „Genau.“ Vielleicht hatten sie doch etwas gemeinsam …

„Arbeit?“ Er deutete mit der Bierflasche auf ihr Telefon.

Sie nickte.

„Eine merkwürdige Arbeitszeit.“

„Stimmt. Aber in meinem Job zählt jede Minute. Wenn ich eine SMS bekomme, beantworte ich sie also sofort.“

„Gefällt Ihnen das? Immer gefragt zu sein?“

Sie wusste, dass er zusah, als sie den Zahnstocher mit der Olive in den Mund schob. Betont langsam zog sie die Olive mit den Zähnen herunter und schloss die Lippen darum. Sie antwortete erst, nachdem sie sie hinuntergeschluckt und an ihrem Drink genippt hatte. „Ich trage gern Verantwortung.“ Sie stützte die Ellenbogen auf den Tisch und war sich dabei sehr wohl bewusst, dass ihr Pullover weiter von der Schulter rutschte und noch mehr Haut sehen ließ. Sie sah, wie Patton ihre Schulter anstarrte. Es arbeitete sichtlich in ihm. Ihre Stimme war rau, als sie hinzusetzte: „Ich arbeitete hart dafür, dass es so bleibt.“

Er sah ihr in die Augen. Unverkennbar: Er wollte sie. Danach zu urteilen, wie seine Finger die Bierflasche umklammerten, wollte er sie sogar sehr. Interessant …

„Wofür sind Sie verantwortlich?“

„Beruflich, meinen Sie?“

„Ist es nicht das, worüber wir reden?“

„Stimmt. Ich bin Systemanalytikerin für Sicherheitssoftware.“

Seine Brauen hoben sich kaum merklich. Er schien beeindruckt.

„Ich weiß. Computer. Klingt wahnsinnig aufregend, nicht?“ Genüsslich schob sie die zweite Olive zwischen die Lippen.

Er stellte seine Flasche etwas fester als nötig auf den Tisch.

Sie verkniff sich ein Lächeln. „Und Sie?“

„Ich bin ein Cop.“ Er seufzte. „Detective.“

Sie musste sich eine alberne Bemerkung über Handschellen oder Fesseln verkneifen. „Wirklich?“ Sie durfte nicht an Patton und Fesseln denken. Verdammt, sie konnte an nichts anderes denken als an Patton und Fesseln.

Er musterte sie aus zusammengekniffenen Augen. „Sie sind sehr leicht zu durchschauen.“

Cady spürte, wie ihr das Blut in die Wangen stieg, aber sie hielt seinem Blick stand.

„Dann brauchen wir uns ja nicht lange mit dem Vorspiel aufzuhalten.“

Patton erkannte eine Einladung, wenn er sie hörte. Sein Körper nahm sie an. Aber er wollte die Entscheidungen an diesem Abend nicht von seinen Hormonen fällen lassen. Die Zeit seiner One-Night-Stands war eigentlich vorüber. Er hatte den Spaß daran schon vor Jahren verloren. Aber würde er sich darauf einlassen, könnte er dieser Frau nicht widerstehen.

Sich auf etwas anderes zu konzentrieren war unmöglich. Eine Frau wie sie hatte er noch nie getroffen. Zierlich. Weiblich. Voller Temperament. Glattes rotbraunes Haar, kinnlang, durchzogen von einer blonden Strähne. An sich bevorzugte er langes Haar, aber er konnte nicht leugnen, dass Cadys freiliegender schlanker Hals sehr viel Appeal hatte. Jedes verdammte Mal, wenn sie die Haarsträhne hinter ihr Ohr schob, stellte er sich vor, an ihrem Ohrläppchen zu nagen. Und ihre Schulter … es juckte ihn, die Hand unter den lose herabfallenden Pulli zu schieben. Er wollte ihre Brüste spüren. Wollte sie berühren. Wollte sie schmecken.

Was zum Teufel war los mit ihm? Nachdem er drei Tage durchgearbeitet hatte, hatte er sich nur danach gesehnt, nach Hause zu kommen und zehn Stunden am Stück zu schlafen.

Seine Familie machte sich Sorgen um ihn, das wusste er. Sie wollten alle, dass er unter Menschen ging und ein wenig lebte. Er sollte vergessen, was geschehen war. Dieses Blind Date war eine Idee seines Bruders Zach gewesen. Er hatte absagen wollen, hatte es aber vergessen. Jetzt wusste Patton nicht, ob er seinem Bruder danken oder ihn verprügeln wollte. Zach hatte nicht ahnen können, wie sehr Cady ihm unter die Haut ging, aber dennoch … Wenn er Cady so anschaute, wollte er an diesem Abend wirklich „ein wenig leben“.

Sie hatte dunkelblau lackierte Fingernägel, die in krassem Kontrast zu ihrer hellen Haut standen. Er sah zu, wie ihre zierlichen Finger den Zahnstocher mit der Olive in ihrem Drink drehten. Wenn sie noch einmal ihre kleine rosa Zunge über eine verdammte Olive gleiten ließe, könnte er für nichts mehr garantieren. Ihre großen braunen Augen waren auf den Drink gerichtet. Und ihre Lippen … voll und rot. Zum Küssen gemacht.

„Gefällt dir, was du siehst?“ Sie sah durch ihre langen Wimpern zu ihm auf.

Ihre Worte kamen leise und klangen nicht halb so vorwitzig, wie sie gemeint waren. Er mochte das Weiche. Diese Andeutung einer Unsicherheit. Das war es, was ihn ehrlich antworten ließ. „Ja.“

Die vollen roten Lippen öffneten sich.

„Hier kommt Ihr Salat.“ Die Teller wurden auf den Tisch gestellt. „Pfeffer?“

Patton schüttelte den Kopf. Der Ober und seine Pfeffermühle sollten sich zur Hölle scheren.

„Nein, danke“, sagte Cady, ohne den Ober anzusehen.

„Noch eine Runde?“ Der Mann verschwand, als sie stumm nickten.

„Was denke ich?“ Cady sah Patton herausfordernd an.

Er registrierte, dass ihr Atem schneller ging, registrierte die leichte Rötung ihrer Haut. Offensichtlich war sie ebenso erregt wie er.

„Weißt du es nicht, oder willst du es nicht sagen?“

„Vielleicht später“, murmelte er und beobachtete fasziniert, wie sich ihre Lider kurz senkten und sie sich auf die Unterlippe biss.

„Warum nicht jetzt? Das Essen kann warten …“

„Ich nicht.“

Sie nahm den Zahnstocher auf. Die Olive bewegte sich Richtung Lippen. Richtung Zunge. Seine Hand schnellte vor. Er packte ihr Handgelenk und stoppte sie. Er wusste nicht, was er tun würde, wenn sie diese verdammte Olive zwischen ihre Lippen nahm.

„Kein Fan von Oliven?“ Sie lächelte mokant.

„Im Moment nicht.“ Er ließ seine Finger bis zu ihrem Ellenbogen hinuntergleiten. Meinte, ihre seidige Haut noch zu spüren, als er seine Hand längst zurückgezogen hatte. Wie lange war es her, seit er das Bedürfnis verspürt hatte, jemanden zu berühren? Etwas zu fühlen? Im Moment wollte er nichts sehnlicher. Er griff nach der leeren Bierflasche.

Ihr Handy vibrierte wieder. Sie entspannte sich, und das Lächeln ließ ihren Ausdruck von sexy zu süß schwenken. „Es ist Bibi.“

„Bibi?“

„Die Freundin, die das Ganze hier arrangiert hat.“ Wieder schob sie sich die Strähne hinter das Ohr. „Sie schreibt, ich soll anständig bleiben.“

„Und? Was wirst du ihr antworten?“

„Ziemlich unwahrscheinlich.“ Sie lachte leise.

„Hier sind Ihre Drinks.“ Der Ober war zurückgekommen. „Die Steaks sind gleich fertig.“

Ihr Blick war unmissverständlich, als sie sagte: „Können wir sie zum Mitnehmen haben?“

Patton hatte das Gefühl, dass seine Hose schmerzhaft eng wurde.

„Zum Mitnehmen?“ Der Ober sah sie verblüfft an.

„Zum Mitnehmen“, bestätigte Patton. Je eher, desto besser. Im Moment erwog er ernsthaft, gegen ein paar Gesetze zu verstoßen, die festlegten, was in der Öffentlichkeit erlaubt war und was nicht. Es war verrückt, er wusste es, aber es war ihm einerlei.

„Selbstverständlich.“ Der Ausdruck des Obers hatte schon etwas Komisches.

Sie lächelte vielsagend. „Ich dachte, ich gehe heute Abend früh zu Bett.“

„Das wirst du.“ Er konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.

Sie lachte. „Du bist eine Überraschung, Patton.“

Er war eine Überraschung?

Der Ober brachte die Tasche mit ihrem Essen und legte die Mappe mit der Rechnung daneben.

Patton schob ein paar Scheine hinein und erhob sich. Er kam zu Cady herum und hielt ihr den Stuhl.

Sie sah ihn verblüfft an. „Ich wusste doch, dass in dir ein Gentleman steckt.“ Sie erhob sich, beugte sich zu ihm und sagte leise: „Heute Nacht suche ich allerdings keinen Gentleman.“

„Gut zu wissen.“ Die wenigen Zentimeter zwischen ihnen waren wie elektrisch geladen von Verlangen. Patton konnte nicht widerstehen. Er legte eine Hand an ihre Wange und ließ seinen Daumen über ihre volle Unterlippe gleiten. Ihre Lippen umschlossen ihn aufreizend langsam. Er musste ein Stöhnen unterdrücken. Ihr Blick spiegelte die Lust an der Herausforderung wider. Er nahm sie an.

Wortlos nahm er ihre Hand und führte sie aus dem Restaurant – er hatte keine Ahnung, wohin. Bis zu seiner Wohnung war es zu weit, so lange wollte er nicht warten. Sie waren im Stadtzentrum. Es gab zwei Hotels in Laufweite. Er entschied sich für das nächstgelegene.

Sie brauchten zehn Minuten, um einzuchecken.

Er nahm die Schlüsselkarte, und Cady zerrte ihn in den Fahrstuhl. Er wartete, bis sich die Türen hinter ihnen geschlossen hatten, bevor er sie um die Taille fasste und sie auf das Geländer setzte, das um die Kabine herumlief.

Sie ließ ihre Finger durch sein Haar fahren. „Küss mich!“ Es war gleichermaßen ein Befehl wie ein Flehen – der Ton sagte ihm alles, was er wissen musste. Sie war nicht so selbstbeherrscht, wie sie zu sein vorgab.

Er streifte mit seinen Lippen ihr Ohr. Ihren Hals. Ein feiner Duft stieg ihm in die Nase. Er zog eine Spur federleichter Küsse über ihren Hals hinunter zu ihrer Schulter. Sie erschauerte.

Die Glocke des Fahrstuhls ließ sie auseinandergehen. Er half ihr vom Geländer herunter – gerade noch rechtzeitig, bevor ein älteres Paar und einige Teenager die Kabine betraten. Cady stand vor ihm. Drückte sich an seine Erregung. Er schob die Hand unauffällig an ihrer Hüfte hinunter nach vorn. Spürte ihr unregelmäßiges Atmen.

Die Fahrt in den achten Stock schien ewig zu dauern. Endlich. Cady zog Patton mit sich hinaus. Sie drehte sich zu ihm, drückte ihn gegen die Wand und stellte sich auf die Zehenspitzen, um ihn zu küssen. Ihre weichen Lippen öffneten sich ihm. Ihr Atem … Ihre Zunge … Als er die nackte Haut ihrer Schulter berührte, konnte er ein lautes Stöhnen nicht unterdrücken.

Die Fahrstuhlglocke hinter ihnen erinnerte ihn daran, dass sie ihr Ziel noch nicht erreicht hatten. Er las die Nummer auf der Schlüsselkarte und zog Cady mit sich zu ihrem Zimmer. Sie öffnete die Tür, und er stieß sie mit dem Fuß hinter ihnen zu.

Ehe er sich versah, hatte sie ihren Pulli beiseitegeworfen und wand sich aus ihrem engen Rock, nachdem sie die Schuhe abgestreift hatte. Sie im Hauch eines schwarzen Höschens und einem BH zu sehen, der wenig der Fantasie überlief, verschlug ihm fast den Atem.

Er schüttelte den Kopf. „Cady …“

Sie schmiegte sich an ihn. Drückte diese seidigen Kurven an seine immer noch bekleidete Brust. Er protestierte nicht, als sie sein Hemd aufriss und die Knöpfe dabei in alle Richtungen fliegen ließ. Er dachte nicht an seine Narben. Riss sich das Unterhemd herunter. Er wollte sie spüren. Ganz.

Verspielt nagte er an ihrer Unterlippe. Sog sie in seinen Mund. Er konnte einfach nicht genug von ihr haben. Blind stolperten sie durch den Raum zu dem großen Bett. Cady ließ sich schwer atmend darauf fallen.

„Du bist wunderschön“, raunte er.

„Du auch, Patton.“ Sie setzte sich auf und ließ ihre Hände über seine Schultern gleiten. Die Narben ließen sie kurz pausieren, bevor sie ihre Erkundungen weiter unten fortsetzte. Mit einer raschen Bewegung hatte sie seine Boxershorts nach unten gezogen. „Der Abend wird ja immer besser.“

Er verschluckte sein Lachen, als die zierlichen Finger mit ihren dunkelblauen Nägeln sich um ihn legten.

„Wow!“, flüsterte sie beinahe ehrfurchtsvoll.

Er ging auf die Knie, riss ihr das Höschen herunter und warf es irgendwo hinter sich. Sie sah zu, wie er die Innenseiten ihrer Schenkel erkundete … das weiche Haar zwischen ihren Beinen. Sie spreizte sie für ihn. Es war unglaublich sexy. Er küsste ihren Bauch. Leckte über ihren Bauchnabel.

„Patton“, flüsterte sie. „Bitte!“

Er hielt sie fest, während seine Zunge ihre empfindlichste Stelle fand. Cady stöhnte auf. Er schlug einen schnellen, leichten Rhythmus an. Sie versuchte, sich ihm entgegenzuwölben, versuchte, sich zu bewegen, aber er hielt sie auf das Bett gedrückt und setzte das sinnliche Spiel fort. Dabei schob er einen Finger tief in sie hinein. Ließ einen zweiten folgen. Erhöhte den Rhythmus. Es kostete ihn seine ganze Selbstbeherrschung, sich nicht in ihr zu versenken, aber er war noch nicht fertig.

Er zog eine Spur heißer Küsse über ihren Körper. Die Spitze des BHs schob er beiseite, um seine Zunge mit ihren festen Brustwarzen spielen zu lassen. Saugte erst an einer, dann an der anderen. Er schob sich zwischen ihre Schenkel. Er war inzwischen so hart, dass es schmerzte. „Ich habe keinen Schutz dabei …“

„Ich nehme die Pille.“ Ihr Atem zitterte leicht. „Und bei mir ist alles in Ordnung. Und bei dir?“

Er nickte nur. Sie packte ihn bei den Oberarmen und schlang ein Bein um seine Hüften. Langsam schob er sich in sie. Sie war so heiß, so eng. Für einen Moment schloss er die Augen. Bezwang den Drang, sich zu bewegen. Aber er wollte sie sehen, wollte sie beobachten.

„Bitte …“, stöhnte sie.

Er drängte sich tiefer. Gab ihr Zeit, sich anzupassen. Als sie begann, sich zu bewegen, beschloss er, sie das Tempo bestimmen zu lassen. Er rollte sich, sodass sie oben lag. Sie ließ ihre Hände über sein Gesicht und seine Schultern gleiten und begann, sich zu bewegen. Drückte den Rücken durch. Ihre Brüste schwangen im Rhythmus. Er umfasste sie und spielte mit den Nippeln, die über der Spitze des BHs frei lagen. Er liebte es, sie zu fühlen. Liebte ihr Stöhnen.

Ihre Bewegungen wurden heftiger, gerieten außer Kontrolle. Ihre Nägel drückten sich in seine Haut. Jede Berührung, jeder Stoß brachte ihn dem Höhepunkt näher. Aber er hielt sich zurück, bis sich die Muskeln in ihrem Inneren um ihn spannten. Cady schrie auf. Ihr Höhepunkt ließ auch ihn kommen. Er packte ihre Hüften, hielt sie fest an sich gedrückt, während er kam. Und kam. Und kam.

Sie ließ sich auf seine Brust fallen und schnappte nach Luft. Er legte die Arme um sie und drückte sie an sich. Es fühlte sich einfach nur gut an. Zum ersten Mal seit sehr langer Zeit fiel er in einen tiefen, ruhigen Schlaf.

2. KAPITEL

„Das gute Geschirr?“ Patton betrachtete den sorgfältig gedeckten Tisch seiner Mutter.

„Zach hat gesagt, er hätte große Neuigkeiten“, erklärte sie.

Patton kannte seine Mutter. Und er kannte seinen Bruder Zach. Die beiden hatten eine ganz besondere Verbindung zueinander, die er und sein anderer Bruder Spence nicht verstanden. „Und weißt du schon, was diese große Neuigkeit ist?“

Die blauen Augen seiner Mutter leuchteten. „Nein.“

Er zog eine Braue in die Höhe.

„Wirklich nicht“, beteuerte sie. „Komm mir nicht mit diesem Blick!“

Er lächelte. „Normalerweise erreiche ich damit mein Ziel.“

Sie stemmte die Arme in die Seiten. „Nur, wenn jemand etwas zu verbergen hat. Das habe ich nicht.“

Er hielt die Hände hoch. „Okay, okay, ich sage ja nichts mehr.“

Spence war hereingekommen. „Meine Güte, das gute Geschirr?“

Patton nickte. „Du sagst es.“

„Hört auf, ihr zwei.“ Imogene Ryan scheuchte ihre Söhne beiseite und verschwand in der Küche. „Eine Frau hat doch wohl das Recht, hin und wieder alles hübsch zu machen – auch ohne besonderen Grund.“

„Was hat sie denn so in Fahrt gebracht?“, fragte Spence leise.

Patton zuckte die Schultern. „Keine Ahnung. Ich habe sie nur gefragt, ob sie weiß, was Zachs Neuigkeiten sind …“

„Und ich weiß es nicht“, trällerte seine Mutter von der Küche her.

Spence lachte. Sie hatte ein unglaublich feines Gehör. Das hatte es ihnen als Teenager fast unmöglich gemacht, abends heimlich das Haus zu verlassen. Fast.

„Wir sind da“, ließ sich in diesem Moment Zach von der Haustür her vernehmen.

„Wir?“, fragte Spence verblüfft.

Patton folgte ihm ins Wohnzimmer. Ihre Mutter stürmte an ihnen vorbei. Sein jüngerer Bruder Zach hielt einen Blumenstrauß in der einen Hand und in der anderen die Hand einer sehr hübschen jungen Frau.

„Mom, das ist Bianca.“ Zach strahlte wie ein Kind unter dem Weihnachtsbaum. „Bianca, das ist meine Mutter, Imogene Ryan.“

Patton ließ die Situation auf sich wirken. Sein Bruder war eindeutig verliebt. Das war an sich nichts Neues. Zach hatte immer wieder eine neue Freundin – sein Problem schien darin zu liegen, sie zu behalten. Es war allerdings das erste Mal, dass er sie nach Hause mitbrachte. Das konnte also interessant werden.

„Mrs. Ryan, es freut mich, Sie kennenzulernen.“ Biancas Stimme verriet, dass sie nervös war.

„Oh, Bianca, bitte nenn mich Imogene.“ Seine Mutter umarmte Bianca. „Zach hat mir schon so viel von dir erzählt.“

Patton warf Spence einen fragenden Blick zu. Der zuckte nur die Schultern. Offensichtlich war ihre Mutter die Einzige, die schon von Bianca gehört hatte. Nicht, dass er und seine Brüder täglich miteinander sprachen, aber einmal die Woche traf sich die ganze Familie zum Essen. Es schien merkwürdig, dass Bianca dabei noch nie erwähnt worden war.

„Ich dachte, es wird Zeit, dass sie die Familie kennenlernt – nachdem sie sich bereit erklärt hat, meine Frau zu werden.“ Zachs Blick glitt nervös zwischen seinen Brüdern und seiner Mutter hin und her.

Patton atmete tief durch.

Ihre Mutter klatschte vor Freude in die Hände. Sie umarmte zuerst Bianca und dann Zach. Dabei redete sie ohne Unterlass, sodass Patton einen Moment Zeit hatte, sich wieder zu fangen. Auch Spence schien sich von seiner Überraschung zu erholen. Er schüttelte Bianca verlegen die Hand und legte dann flüchtig einen Arm um sie, bevor er sich seinem Bruder zuwandte.

Als seine Mutter ihn durchdringend ansah, gab Patton sich einen Ruck. „Freut mich, dich kennenzulernen“, murmelte er und schüttelte Bianca die Hand. „Ich bin Patton. Und … willkommen in der Familie.“

Bianca strahlte ihn an. „Ganz meinerseits. Ich meine, es ist nett, dich kennenzulernen.“

„Lasst uns feiern!“ Seine Mutter schien sich vor Freude kaum beherrschen zu können. „Ich habe frische Limonade gemacht und Kekse gebacken …“

Patton eilte in die Küche. Ein Tablett mit den Kristallgläsern, die nur bei besonderen Anlässen auf den Tisch kamen, stand bereit. Daneben ein Teller mit frisch gebackenen Hochzeitskeksen. Seine Mutter schien geahnt zu haben, dass etwas im Busch war. Sie wusste für gewöhnlich immer als Erste, was los war. Sie hatte ein besonderes Gespür für Untertöne und war eine Meisterin darin, ihre Schlüsse zu ziehen.

Kopfschüttelnd öffnete er den Kühlschrank. Seine Suche nach dem Krug mit der Limonade wurde abgelenkt durch ein Glas mit Oliven. Im Geiste sah er Cadys Lippen vor sich, wie sie eine Olive langsam in den Mund zogen. Er schloss die Augen. Es war nicht das erste Mal in den vergangenen zwei Wochen, dass ihm Erinnerungen an jenen Abend kamen. Cady war ihm wirklich unter die Haut gegangen. Es brauchte nicht viel, um ihn an ihre Berührung denken zu lassen. An die Wärme ihres Körpers. An ihr Seufzen. An ihr vorwitziges Lächeln.

Er war in dem Hotelzimmer aufgewacht, erschöpft, aber glücklich. Er wusste nicht, was er erwartet hatte, aber mit Sicherheit kein leeres Bett. Sie war fort gewesen, aber das Verlangen nach ihr war geblieben. Immer wieder wanderten seine Gedanken zu ihr – bei der Arbeit oder wenn er mit seinem Hund Mikey spazieren ging. Und bevor er in einen unruhigen Schlaf fiel. Er wusste selbst nicht, wieso er sie nicht vergessen konnte. Nur gut, dass er ihren vollen Namen nicht kannte, sonst hätte er sie längst ausfindig gemacht. Und das wäre übel gewesen, für sie beide. Cady war eine Gefahr: Sie konnte süchtig machen. Es war ein Fehler, sich mit ihr einzulassen. Er hatte keine Zeit für Beziehungen, nicht jetzt. Und überhaupt gar nicht. Als sein Vater noch am Leben gewesen war – auch er im Polizeidienst –, war es Pattons Job gewesen, seiner Mutter in den Stunden der Angst beizustehen. Die Vorstellung, dass jemand ihn liebte und seinetwegen solche Angst durchstehen musste … Nein, das war niemandem zuzumuten. Er wollte ledig bleiben – ohne irgendwelche Komplikationen oder Ablenkungen.

Spence war zu ihm getreten und starrte in den offenen Kühlschrank. „Hier ist er doch.“ Er nahm den Krug heraus und warf seinem Bruder einen langen Blick zu. „Was ist los mit dir?“

„Ich bin nur überrascht.“

„Nachvollziehbar. Aber solange Zach glücklich ist …“

Patton sagte nichts. Natürlich wollte er, dass seine Brüder glücklich waren, aber dies war eindeutig zu schnell gegangen. Vor allem, wenn man bedachte, wie oft Zach bisher seine Frauen gewechselt hatte. „Wie lange kennt er sie schon?“

„Seit einem Monat.“

Patton schüttelte den Kopf.

„Gib ihr eine Chance.“ Spence nahm das Tablett auf. „Mom hat ein ziemlich gutes Gespür für Menschen.“

„Spence, Zach will die Frau heiraten! Und eine Heirat führt zu Kindern.“ Patton grinste. „Seit acht Jahren wünscht Mom sich zum Geburtstag und zu Weihnachten nichts anderes als Enkelkinder. Ich glaube, ihr Urteil ist in diesem Fall etwas voreingenommen.“

„Vielleicht.“ Spence lachte. „Aber du solltest deine zukünftige Schwägerin zuerst einmal kennenlernen.“

Zach war der Goldjunge unter ihnen. Der einzige Nicht-Cop. Er verdiente mehr Geld als Spence und Patton zusammen und flog ständig durch die Welt. Er arbeitete hart, aber er genoss auch das Leben. Patton hatte zu viel von seinen Frauengeschichten gehört, als dass er diese plötzlichen Hochzeitspläne hätte ernst nehmen können. Das passte einfach nicht zu Zach. Wenn sich das Ganze wie erwartet zu einem Fiasko entwickelte, würden viele Menschen zu leiden haben.

Er ging zu den anderen ins Wohnzimmer zurück. Die Unterhaltung war in vollem Gange.

„Worum geht es?“, erkundigte Patton sich.

„Um Blumen“, erklärte Zach. „Bianca hat einen Blumenladen. Dort haben wir uns kennengelernt.“ Er drückte ihre Hand.

„Du hast einen eigenen Laden?“

„Ja, Bianca’s Jardin. Er ist nur klein. An der Ecke von Hazelwood und Main. Wir haben auch eine Teestube dabei. Sie ist nur ein paar Tage die Woche geöffnet. Darum kümmert sich meine Cousine Celeste.“

Sein Blick wanderte zwischen Bianca und Zach hin und her. „Ihr beiden habt euch vor einem Monat kennengelernt?“

Zach warf ihm einen warnenden Blick zu.

Patton zog eine Braue in die Höhe.

„Ich kann gar nicht glauben, dass es erst einen Monat her ist.“ Bianca seufzte verzückt.

„Es kommt mir so vor, als würden wir uns schon ewig kennen“, murmelte Zach und wechselte einen innigen Blick mit ihr.

Patton schob sich rasch einen Keks in den Mund, um sich davon abzuhalten, verächtlich zu schnauben. Dann konnte er sich jedoch nicht verkneifen zu sagen: „Es spricht ja nichts gegen eine längere Verlobung.“

„Wer redet denn davon?“ Zach sah ihn entgeistert an.

Imogene stand ihrem Jüngsten bei. „Hör auf, Patton. Wozu warten? Ich rufe Henrietta an und erkundige mich, ob Tucker House noch einen Termin frei hat für eine Verlobungsparty.“

Bianca war wie benommen. „Oh, Imogene, du brauchst nicht …“

„Aber ich möchte es gern“, unterbrach ihre zukünftige Schwiegermutter sie und strahlte dabei über das ganze Gesicht. „Patton mag ein Bedenkenträger sein, aber ich weiß, wie kostbar die Zeit ist. Wir sollten jede Sekunde genießen.“

Die Art, wie Zach Bianca ansah, ließ Patton für einen Moment überlegen, ob sein Bruder sie vielleicht wirklich liebte. War es doch mehr als nur ein flüchtiges Abenteuer? Nein, das war wenig wahrscheinlich. Er nippte an seiner Limonade und lächelte Bianca zu, wenn sie zu ihm herübersah. So gern er auch unrecht gehabt hätte – er wusste, dass niemand sich innerhalb so kurzer Zeit verlieben konnte. Das konnte keine Liebe sein, die ein ganzes Leben hielt. Wobei er bezweifelte, dass es das überhaupt gab. Seine Verlobung mit Ellie – einer Frau, die er fast sein ganzes Leben lang gekannt hatte – war schon beim ersten Problem in die Brüche gegangen. Und nun machte er sich Sorgen, dass diese neue Affäre seines kleinen Bruders bleibende Folgen für alle haben könnte.

„Was soll das heißen, du willst heiraten?“ Cady saß mit ihrer Freundin Bianca bei einem Eistee in einem Straßencafé und traute ihren Ohren nicht. „Das kann doch nicht dein Ernst sein!“

Bianca lachte. „Doch, das ist es. Du kennst ihn. Zach.“

Cady erinnerte sich natürlich. Zach. Dieser gut aussehende, charmante Mann, der für ihren Geschmack viel zu besitzergreifend war für ihre Freundin. „Der dich immer kontrolliert?“

„Kontrolliert?“ Bianca sah sie mit großen Augen an.

„Ja, kontrolliert.“ Cady beugte sich vor. „Wieso willst du ihn gleich heiraten? Geh mit ihm ins Bett und dann vergiss ihn.“

Bianca runzelte die Stirn. „Cady …“

„Bist du schwanger?“

„Nein!“ Bianca sah sie empört an. „Ich heirate ihn, weil ich ihn liebe.“

Die schlichte Antwort ließ Cady die Nase kraus ziehen. „Oh, bitte!“ Ihr Blick wanderte zum Markt am Ende des Blocks. Sie und Bianca waren in den vergangenen Jahren oft hier gewesen. Hatten den Wein genossen und die Stände der Kunsthandwerker. Damit war es mit Sicherheit vorbei, wenn Bianca heiratete. Bianca hatte immer eine sehr romantische Vorstellung von der Ehe gehabt, aber Cady kannte die Wahrheit. Ehe und Liebe waren Illusionen. Was passierte denn nach den Flitterwochen? Ein Kompromiss nach dem anderen. Zorn oder Verachtung ersetzten die Zuneigung, die man einmal für den anderen empfunden haben mochte. Und schließlich kamen dann Verrat und Misstrauen.

„Freitag gibt seine Familie eine Verlobungsfeier für uns.“

Biancas Bemerkung riss Cady jäh aus ihren Gedanken. Sie sah ihre Freundin fassungslos an. „Freitag? Das heißt übermorgen?“

Bianca nickte. „Du musst unbedingt kommen.“

Cady runzelte die Stirn. „Was macht Zach eigentlich beruflich?“

„Er ist Promoter für eine Kette von Luxushotels. Sie haben Häuser auf der ganzen Welt, die er besuchen muss. Und die Kette wächst noch weiter.“

„Und während er durch die Welt jettet, sitzt du hier zu Hause?“

Bianca zuckte die Schultern.

„Du kannst nicht mitreisen“, erklärte Cady nüchtern. „Was wäre mit deinem Laden?“

„Wir haben noch nicht über Einzelheiten gesprochen.“

„Glaubst du nicht, dass du das tun solltest, bevor du ihm die Hälfte deines Ladens überlässt? In Texas gilt die Fünfzig-Fünfzig-Regel, Bibi. Der Besitz gehört beiden Ehepartnern zur Hälfte.“ Sie atmete tief durch. „Du liebst deinen Laden. Seit wir uns kennen, war das dein Traum.“

„Cady …“ Bianca seufzte. „Zach ist bereit, einen anderen Job zu übernehmen, bei dem er nicht reisen müsste.“

„Glaubst du nicht, dass er dir das später vorwerfen wird?“ Cady schüttelte den Kopf. „Ich kenne dich, Bibi. Wenn ein Kompromiss gemacht werden muss, wirst es immer du sein, die ihn macht.“

„Wir werden einen Weg finden, dass keiner von uns seine Träume aufgeben muss. Der Laden war nicht mein einziger Traum, Cady. Das weißt du.“

Ja, Cady wusste es. Sie versuchte seit Jahren, ihrer Freundin klarzumachen, dass Kinder, Mini-Van und Ehemann niemals so befriedigend sein konnten wie eine Karriere und gute Freundschaften. Bianca wollte ihr in diesem Punkt einfach nicht folgen. Sogar nachdem ihr Herz in Scherben gegangen war, hatte sie immer noch die Hoffnung, eines Tages die wahre Liebe zu finden. Ihren ganz persönlichen Traumprinzen.

„Zieh für eine Weile zu ihm“, argumentierte Cady. „Wieso musst du Zach gleich heiraten?“

„Es würde meiner Familie gefallen.“

„Sie finden es gut, dass du jemanden heiratest, den du gerade erst fünf Minuten kennst?“

Bianca runzelte die Stirn. „Es war länger.“

„Gut, meinetwegen fünf Stunden.“

„Ich liebe ihn, Cady.“ Sie sah sie bittend an. „Es würde mir so viel bedeuten, deine Unterstützung zu haben.“

Es war Bianca ernst. Todernst. Cady wusste nicht, was sie tun sollte. Sie kannten sich seit dem ersten Jahr am College und hatten zusammen einiges durchgemacht. Sie hatten nicht viel gemeinsam, aber das spielte keine Rolle. Bianca war in einer großen Familie aufgewachsen, die fest zusammenhielt. Cadys Kindheit dagegen bestand aus enttäuschenden Geburtstagsfeiern, aus lieblosen Weihnachtsfesten und gebrochenen Versprechen. Über die Jahre hatte Bianca Cady ein Gefühl der Wärme gegeben, wenn sie es brauchte, und Cady war die Realistin gewesen, die Bianca gelegentlich brauchte. Offenbar war das im Moment nicht gefragt, ganz gleich, was Cady von der Situation halten mochte.

„Ich liebe dich, Bibi.“ Cady nahm die Hand der Freundin in ihre. „Ich kann dir nichts vormachen, das weißt du. Ich kann also wegen dieser Hochzeit nicht vor Begeisterung im Achteck springen. Aber ich werde versuchen, meinen Frieden damit zu machen.“

Bianca lächelte. „Gib ihm eine Chance. Ich weiß, ihr könnt gute Freunde werden.“

Cady zuckte die Schultern. Sie wollte nicht mit ihm befreundet sein. Sie mochte alles so, wie es war. Kam ein Mann dazu, war sie das fünfte Rad am Wagen.

„Ich bin gleich zurück.“ Bianca verschwand im Café.

Cady seufzte schwer. Sie drehte die letzte Olive versonnen zwischen den Fingern. Im Geiste spürte sie förmlich Pattons helle Augen auf sich gerichtet, während er in sie eindrang. Ein Schauer überlief sie. Rasch ließ sie die Olive in das leere Teeglas fallen.

Patton war ein Fehler gewesen. Er war die Art Mann, die eine Frau nicht vergaß. Ein Mann, an dem sie für den Rest ihres Lebens alle anderen messen würde. Er hatte ihr das Gefühl gegeben, sexy und begehrenswert zu sein – und er hatte einen Schmerz in ihrem Innern zurückgelassen, den sie kaum ignorieren konnte.

Sie hatte sich leise aus dem Bett gestohlen. Sie sorgte immer dafür, dass nicht sie es war, die in einem leeren Bett aufwachte. Sie hatte Patton angesehen, während sie im ganzen Zimmer ihre Kleidungsstücke einsammelte – von unter dem Bett, von der Kommode, vom Badezimmerboden und sogar von einem der Lampenschirme. Wäre er aufgewacht, hätte sie sich mit Freuden auf eine weitere Runde eingelassen. Aber er hatte weitergeschlafen. Normalerweise hatte sie kein Problem damit zu gehen, aber ihre Nacht war alles andere als normal gewesen. Sie sehnte sich immer noch nach ihm.

„Cady?“ Bianca setzte sich. „Was ist los? Du bist in letzter Zeit häufig so geistesabwesend. Gibt es vielleicht jemanden in deinem Leben, den du mir verheimlichst?“

Cady atmete tief durch. Sie wollte Bianca nichts von Patton erzählen. Als sie gefragt hatte, wie das Date gelaufen sei, hatte Cady gesagt, es gebe nicht viel zu erzählen. Sie und Patton hätten sich wenig zu sagen gehabt und das Restaurant bald verlassen. Was an sich ja auch stimmte. Wieso sie nicht von ihm sprechen wollte – von ihm oder ihrer gemeinsamen Nacht –, war ihr selbst ein Rätsel. Für gewöhnlich hatten sie keine Geheimnisse voreinander, aber was Patton betraf, war alles anders. Jedes Mal, wenn sie breite Schultern sah und darüber festes, zerzaustes schwarzes Haar, bekam sie so etwas wie einen Knoten im Magen.

„Nein.“ Cady schüttelte den Kopf. „Da ist niemand. Wahrscheinlich ist es nur die Arbeit.“

„Ich mache mir wirklich Sorgen um dich.“

„Nicht nötig. Sorgen machen nur Falten!“ Cady zwinkerte ihr zu. „Ich gehe mal davon aus, dass seine Familie glücklich ist? Ich meine, weil sie diese Party veranstaltet.“

„In erster Linie geht es von seiner Mutter aus. Sie ist eine sehr herzliche Person.“

„Und Zachs Vater?“

„Mr. Ryan ist vor ein paar Jahren gestorben. An einem Herzinfarkt, soweit ich weiß. Zach sagt, er war ständig im Stress. Ein Mann, der immer nur gearbeitet hat.“ Sie warf Cady einen vielsagenden Blick zu.

„So schlimm bin ich ja nun wieder auch nicht“, protestierte Cady. Beide lachten.

„Ich bin nervös“, gestand Bianca. „Ich möchte einen guten Eindruck auf seine Familie machen.“

„Oh Bibi – man muss dich nur ansehen, um zu wissen, dass du ein Juwel bist. Wenn überhaupt, dann solltest du dir Gedanken darüber machen, ob deine Familie ihn akzeptiert.“ Es war nicht Biancas erste Verlobung. Cady wollte nicht noch einmal erleben, dass ein Mann ihre Freundin verletzte. „Ich kann einfach nicht glauben, dass das passiert.“ Sie hatte Mühe, ihre Panik zu unterdrücken.

„Ich weiß. Ist es nicht herrlich?“ Bianca strahlte. „Und noch etwas, Cady: G G hat einen Traum gehabt. Einen guten Traum – von Zach und mir.“

Die Frauen in Biancas Familie waren alle geborene Kupplerinnen. Wenn ihnen ein Paar im Traum erschien, war alles klar.

Cady brachte ihren kleinen schwarzen Sportwagen vor dem Restaurant zum Stehen und reichte dem jungen Mann, der ihr die Tür aufhielt, die Wagenschlüssel. Das Tucker House, ein Restaurant mit angeschlossenem Hotelbetrieb, lag sehr idyllisch an einem See. Am Ufer hatte man einige Cabanas aufgestellt, dazu ein paar Schirme und Stühle. Petroleumfackeln spendeten Licht, vereinzelte Kohlefeuer Wärme. Es war ein einladendes Bild, musste Cady zugeben, auch wenn ihr nichts daran lag, hier zu sein. Sie strich ihr grünes Cocktailkleides glatt, vergewisserte sich, dass ihre High Heels sicher saßen, und betrat das Haus.

Die Party war bereits in vollem Gange. Einige Gesichter waren vertraut. Sie entdeckte Biancas Großmutter. Cady liebte sie. Freunde durften sie G G nennen. Die Frau wusste genau, was sie wollte, liebte ihre Unabhängigkeit und war absolut loyal gegenüber ihrer Familie. Cady schätzte sich glücklich, von G G und der ganzen Familie Garza wie eine Tochter aufgenommen worden zu sein.

„Du siehst hinreißend aus, G G.“ Cady umarmte die zierliche Frau.

„Nett, dass du das sagst.“ Sie seufzte. „Such doch Bianca und versuche, sie zu Verstand zu bringen.“

Cady sah die Frau fassungslos an. Hatte sie sich bei der lauten Musik verhört? Verstand? War G G etwa auf Cadys Seite? Dann stand die Hochzeit unter einem schlechten Stern.

„Sie tanzt.“ G G rollte die Augen. „In High Heels!“

Cady musste lachen. Bianca gehörte nicht zu den anmutigsten Wesen. Und sie hatte ein schwaches Fußgelenk, das immer wieder einmal umknickte. High Heels waren keine gute Idee für sie. Und dann auch noch in ihnen tanzen? „Vielleicht ist Zach ein guter Tänzer?“

„Ich konnte den Anblick nicht ertragen.“

Cady lachte leise und machte sich auf den Weg. Sie fing den interessierten Blick eines Mannes auf und bedachte ihn mit einem strahlenden Lächeln. Vielleicht hatte sie ja Glück?! Wenn sie jemanden finden könnte, der ihre Erinnerungen an Patton vertrieb, war der Abend vielleicht kein völliger Verlust. Die Frau neben ihm – wahrscheinlich seine Frau – bemerkte seinen Blick. Cady beneidete ihn nicht um die verbale Dusche, die er offensichtlich einstecken musste. Das war ein weiterer Grund, weshalb feste Beziehungen sie nicht verlockten. Niemand hatte das Recht, ihr Vorschriften zu machen.

Sie erreichte die Tanzfläche. Die Band spielte gerade den Klassiker In the Mood. Ihrem Lächeln nach zu urteilen genoss Bianca den Tanz aus vollen Zügen. Zach ließ sie förmlich über das Parkett schweben. Cady musterte ihn aufmerksam. Zach Ryan war ausgesprochen attraktiv. Aber das hieß noch lange nicht, dass er der richtige Ehemann für Bibi war.

Bianca hatte eine Menge Probleme. Sie konnte den Laden kaum halten. Eine Ablenkung wie Zach könnte sie einiges kosten – und nicht nur ein gebrochenes Herz … Cadys Sorge stieg. Wenn sie direkt auf Konfrontation ging, riskierte sie Biancas Freundschaft. Das wollte sie nicht.

„Champagner?“ Ein Kellner hielt ihr ein Silbertablett hin.

Sie nahm ein Glas, nickte ihm dankend zu und trank einen Schluck.

Das war der Moment, in dem sie ihn sah. Ihn. Patton.

Er stand auf der anderen Seite des Raums.

Und hatte sie ebenfalls entdeckt.

3. KAPITEL

Patton hätte fast den Stiel seines Glases durchgebrochen. Was um alles in der Welt machte sie hier? Ausgerechnet jetzt? Seine Nerven waren zum Zerreißen gespannt. Er musste ihr aus dem Weg gehen, verhindern, dass er komplett die Selbstbeherrschung verlor. Noch hatte sie ihn nicht gesehen. Ihm blieb noch Zeit zu verschwinden.

Er rührte sich nicht von der Stelle.

Ihr Anblick schien ihn förmlich zu hypnotisieren. Ihr grünes Kleid war vorn tief ausgeschnitten und zeigte viel von den seidig weichen Brüsten, die ihm so deutlich in Erinnerung waren. Der Rock endete dicht über dem Knie und ließ atemberaubende Waden in meterhohen High Heels sehen. Er hatte die Stelle hinter ihrem Knie, hatte jeden Zentimeter dieser herrlichen Beine geküsst. Und wenn er sie jetzt so sah, wusste er: Er würde es wieder tun.

Sie nippte an ihrem Champagner. Plötzlich sahen diese großen braunen Augen direkt in seine. Sie hob ihr Glas in einem stummen Salut.

Er wollte zu ihr. Andere Gäste blockierten seinen Weg. Als er wieder hinsah, war sie verschwunden.

Verlor er den Verstand? Offensichtlich arbeitete er zu viel und schlief zu wenig. Cady war die Erste, der es gelungen war, die großen Katastrophen seines Lebens aus seinen Gedanken zu verdrängen: den Tod seines Bruders Russ und den Streit mit seinem Vater. Er hatte viel an sie gedacht. Zu viel. Vielleicht glaubte er deswegen, sie gesehen zu haben.

„War wohl doch ganz gut, dass wir früher Tanzstunden nehmen mussten, was?“ Spence stand plötzlich neben ihm.

„Ich habe bisher noch keinen Gebrauch davon machen können.“

„Dafür müsstest du tanzen“, feixte sein Bruder. „Übrigens: Ellie ist auch hier.“

„Wieso?“ Aber Patton kannte die Antwort. Vor vier Jahren war er mit Ellie verlobt gewesen – für weniger als zwei Monate. Sie hatte nicht mit der ständigen Gefahr leben können, die sein Job mit sich brachte. Nach dem Tod seines Bruders hatte sie ein paar Wochen gewartet und dann die Verlobung gelöst. Er hatte ihr keinen Vorwurf gemacht. Hatte auch keinen Schmerz darüber empfunden. Ellie war nie eine neue Beziehung eingegangen. Vielleicht hing ihr Herz noch an ihm. Zumindest vermutete das seine Mutter – und erwähnte es bei jeder sich bietenden Gelegenheit.

Patton seufzte. Er war so in seine Fantasien über den heißen One-Night-Stand vertieft gewesen, dass er Ellie nicht bemerkt hatte.

„Verdammt, Patton. Zach hat deine saure Miene vielleicht noch nicht bemerkt, aber es ist wirklich auffällig.“ Spence gab ihm einen Hieb auf die Schulter. „Möchtest du einen Drink?“

Er nickte. Sein Bruder hatte recht. Ganz gleich, wie er zu dieser Verlobung stand – oder zu dieser Party –, er sollte es den anderen nicht verderben.

„Bin gleich zurück.“ Spence verschwand in Richtung Bar.

„Meine Damen und Herren, das Buffet ist eröffnet. Wir machen jetzt eine kleine Pause“, sagte einer der Musiker ins Mikrofon.

Das Buffet. Das war auch ein Punkt, den er missbilligte. Überhaupt, das Tucker House. Dann die Tatsache, dass sie ihre Großtante und den Großonkel für das Wochenende eingeflogen hatten. Es war eine Verlobungsparty, keine Hochzeit! Wenn seine Mutter weiter so mit dem Geld um sich warf, würde die Hochzeit sie ruinieren. Grimmig musterte er das Buffet. Für die Gäste war das Beste gerade gut genug. Er mochte gar nicht an die Rechnungen denken, die ihm Ende des Monats auf den Tisch flattern würden.

Aber wenn es schon da war, konnte er auch davon nehmen. Er tat sich etwas auf den Teller und suchte sich eine ruhige Ecke.

„Patton!“ Zach winkte ihn herbei. Bianca an seiner Seite strahlte.

Er zwang sich zu einem Lächeln. Zumindest hoffte er, dass es einem Lächeln ähnlich kam. Während der nächsten zwanzig Minuten aß er seine Häppchen und versuchte, Small Talk zu machen. Er lachte, wenn es angezeigt war. Gab passende Antworten. Und versuchte, seine Nervosität zu verdrängen.

„Sie sind also der große Bruder?“ Letizia Garza, Biancas Großmutter, musterte ihn eindringlich.

„Richtig.“

„Zu schade, dass meine Bianca nicht zuerst Sie getroffen hat.“ Sie lachte leise. „Zach ist ein süßer Junge, aber Sie, Patton, sind ein Mann.“

Er konnte sein Lachen nicht zurückhalten.

„Das solltest du öfter tun.“ Ellie sagte es nur leise, aber Patton erkannte ihre Stimme sofort. Lächelnd wandte er sich der Frau zu, die er einmal hatte heiraten wollen. „Wie geht es dir, Patton?“ Sie hauchte ihm einen Kuss auf die Wange.

„Gut, Ellie. Und dir? Was macht die Familie?“

„Du kennst ja Dad. Jetzt, wo er im Ruhestand ist, baut er ein Vogelhäuschen nach dem anderen. Er hat schon alle damit versorgt.“

Patton grinste. Angus Shaunessey hatte über dreißig Jahre am gerichtsmedizinischen Institut gearbeitet. Es war unmöglich, ihn sich als Ruheständler vorzustellen. „Richte ihm doch bitte herzliche Grüße von mir aus.“

„Das werde ich.“ Ellie hatte grüne Augen, eine sehr helle Haut und blondes Haar. Sie war zierlich, nahezu elfenhaft – der Typ Frau, der im Mann den Beschützerinstinkt weckte.

„Du siehst hinreißend aus, Ellie.“ Pattons Mutter war zu ihnen getreten. „Ich habe gehört, Mrs. Matthews ist pensioniert worden? Nun bist du die Leiterin der städtischen Bibliothek?“

Ellie nickte. Sie war ganz rot geworden.

Patton hörte nur mit halbem Ohr zu. Seine Aufmerksamkeit galt den glücklichen Verlobten. Sein Bruder hatte nur Augen für Bianca. Sie wurde jedes Mal rot, wenn er versuchte, sie zu küssen. Hielt sie Zach nur hin? Oder mochte sie keinen Austausch von Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit?

Falls Bianca wirklich derart … altmodisch war, dann war es sehr erfrischend. Es war lange her, seit er eine Frau wie sie getroffen hatte. Zumal bei seiner Arbeit. Irgendwie erschien es ihm verdächtig. Er musterte sie kritisch. Registrierte, wie sie errötete und von einem Fuß auf den anderen trat. Nein, ihr Unbehagen war echt. Falls nicht, war sie eine oscarverdächtige Schauspielerin. Sein Frust wuchs. Dies war kein Tatort, und Bianca war keine Kriminelle. Er mochte nicht glücklich sein über diese Party oder diese Verlobung, aber er hatte keinerlei Veranlassung, irgendeinen Argwohn gegen sie zu hegen. Noch nicht …

Er sah sich um. Fast ganz Greyson schien versammelt. Das halbe Department war hier. Blieb nur zu hoffen, dass die Kriminellen an diesem Abend die Füße still hielten. Er nickte seiner Cousine Lucy zu und lächelte beim Anblick seiner Cousins Jared und Dean, die die anwesenden Frauen abcheckten, ohne dabei sonderlich diskret zu sein.

Spence stand ein wenig abseits im Gespräch mit einer Frau. Er gestikulierte lebhaft. Die Frau schob sich eine Strähne hinter das Ohr. Patton erstarrte.

Cady war also doch hier! Sie war hier, nur auf Armeslänge von ihm entfernt, und unterhielt sich mit seinem Bruder. Und der schien mehr als angetan von ihr. Am liebsten hätte er sie bei der Hand gepackt und wäre mit ihr hinausgestürmt. Er wollte sie berühren. Wollte sie um den Verstand küssen, bis sie sich nicht mehr auf den Beinen halten konnte. Er wollte seinen Namen von ihren Lippen hören, voller Verlangen und …

„Findest du nicht auch, Patton?“ Zach sah ihn fragend an. „Patton?“

„Was?“

Zach zog eine Braue in die Höhe. „Vergiss die Arbeit, Bruderherz. So angespannt wie du bist, denke ich, es wird Zeit, dass du mal wieder eine Frau hast.“ Er grinste. „Heute Abend ist ja genug Auswahl da. Hab Spaß! Du bist auf einer Party!“

Patton musste ihm recht geben. Und er hätte nur zu gern Spaß gehabt – mit Cady. „Entschuldige mich.“ Er hielt sein leeres Glas als Erklärung in die Höhe und begab sich an die Bar.

„Was soll’s denn sein?“, fragte der Barkeeper.

„Ein Bier.“ Er ließ Cady nicht aus den Augen. „Und ein Whiskey-Special mit drei Oliven.“

Cady trocknete sich die Hände und betrachtete dabei ihr Spiegelbild. Sie hatte nicht die Absicht, sich hier zu verstecken oder nach Hause zu fahren, auch wenn die Versuchung groß war. Es spielte keine Rolle, dass Patton hier war. Nur weil sie mit ihm eine heiße Nacht gehabt hatte, hieß das nicht, dass sie sich von ihm vertreiben lassen musste. Sie wollte ihre Libido unter Kontrolle halten und für Bianca da sein. Himmel, sie war doch kein sexbesessener Teenager mehr!

Langsam ging sie die breite Treppe hinunter. Ihre High Heels waren neu, und sie wollte nicht stolpern. Sie war nur froh, die Hand auf dem Geländer zu haben, als sie sah, wer am Fuße der Treppe auf sie wartete.

Patton sah sie durchdringend an. Sie packte das Geländer fester, weil ihre Knie plötzlich unter ihr nachgeben wollten. Ihr Zögern gab ihm Zeit, seinen Blick wandern zu lassen – über jeden Zentimeter ihres Körpers. Ihr wurde heiß. Ihre Brustwarzen wurden hart und pressten sich verräterisch gegen den seidigen Stoff.

Als sie die unterste Stufe erreichte, hatte sie ihre Selbstbeherrschung beinahe wiedergefunden. „Es ist unhöflich, so zu starren“, sagte sie.

Er hielt ihr einen Drink hin.

Verblüfft griff sie danach. „Danke. Ich glaube, ich kann dir für dieses Mal verzeihen.“ Ihre Fingerspitzen berührten seine. Es war unbeabsichtigt. Sie zog die Hand so abrupt zurück, dass beinahe ihr Drink übergeschwappt wäre.

Seine Miene verhärtete sich.

„Cady!“ Bianca war mit Zach zu ihnen getreten und umarmte sie. „Du siehst toll aus. Celeste sagte schon, du seist hier …“

Cady konnte endlich wieder frei atmen, als sie Biancas Umarmung erwiderte. „Du warst zu sehr mit Tanzen beschäftigt. Wie ein Profi, wenn ich das mal sagen darf.“

Bianca lachte. „Du erinnerst dich an Zach?“

Es kostete Cady einige Mühe, aber sie brachte ein Lächeln zustande. „Kümmerst du dich gut um unser Mädchen?“

„Ich versuche es.“ Zach nickte. „Du kennst ja Bianca.“

„Du meinst, sie kümmert sich lieber um alle anderen, als zuzulassen, dass jemand sich um sie kümmert?“ Cady nickte. „So ist Bibi.“

„Patton.“ Zachs Blick wanderte zwischen ihnen hin und her. „Unterhaltet ihr euch gut?“

Patton wirkte jetzt desinteressiert, fast gelangweilt. „Wir sind uns gerade erst über den Weg gelaufen.“

Mein Glück! Cady nippte an ihrem Drink.

„Hast du G G tanzen sehen?“ Bianca lachte.

Cady schüttelte den Kopf. „Sie hat getanzt?“

„Zachs anderer Bruder, Spence, hat sie auf den Tanzboden gelockt. Unglaublich, wie sie die Hüften schwingen kann.“

„Moment mal – was heißt anderer Bruder?“

„Patton.“ Zach deutete auf ihn. „Oberhaupt des Ryan-Clans. Der große Zampano.“

Patton warf Zach einen warnenden Blick zu. „Sie hat es schon verstanden.“

Cady atmete tief durch. Patton war Zachs Bruder? Das bedeutete also, dieser Albtraum wäre mit der Hochzeit nicht vorbei. Sie seufzte. Bianca war ihre beste Freundin, und sie war auch Cadys einzige Familie. Das sollte sich nun alles ändern?

Ihre Erregung wuchs. Sie sah zu Patton hinüber. Ein großer Fehler. Hastig nippte sie an ihrem Drink und widerstand der Versuchung, sich eine Olive in den Mund zu schieben. Das wäre jetzt eindeutig das falsche Signal gewesen. Sogar ein wenig grausam. Sie rührte in ihrem Drink.

„Genießt du die Party?“ Bianca drückte ihre Hand.

„Ja, natürlich“, antwortete Cady eine Spur zu eifrig. „Ich bin nur erstaunt, wie sich alles so schnell organisieren ließ.“

„So ist meine Mutter. Wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat, kann nichts sie aufhalten.“ Zach legte einen Arm um Bianca.

„Dann könnt ihr ja von Glück sagen, dass sie eure Verbindung gutheißt“, murmelte Patton.

Zach nickte lachend.

Cady bemerkte, wie Biancas Blick nervös zwischen den Brüdern hin und her schweifte.

„Hast du Hunger?“ Zach legte Biancas Arm über seinen.

„Ja.“ Sie nickte. „Kommt ihr auch?“

Cady folgte ihnen. Dabei wäre sie fast gestolpert, aber Pattons Hand gab ihr Halt. Die Berührung löste alle möglichen lustvollen Erinnerungen aus. Sie wusste nicht, ob sie seine Hand abschütteln wollte oder sich an ihn schmiegen.

Sie tat sich etwas auf den Teller und versuchte dabei, Bianca zuzuhören, war aber durch Patton abgelenkt. Er führte sie zu einem Tisch hinüber und zog einen Stuhl für sie zurück. Dann nahm er ihr gegenüber an der Wand Platz. Sein Blick glitt immer wieder über die Menge. Woran mochte er denken? Seine Miene war völlig ausdruckslos – das genaue Gegenteil des Pattons vor fünf Minuten.

„Du musst meinen großen Bruder entschuldigen“, sagte Zach an ihrem Ohr. „Das ist typisch für einen Cop – immer im Dienst. Es ist nicht seine Absicht, so … abweisend zu sein. Nimm es nicht persönlich, Cady. Lass dich davon nicht aufregen.“

Die Warnung kam zu spät. Blieb nur zu hoffen, dass es niemand merkte. „Es gehört einiges dazu, mich aufzuregen“, erwiderte sie.

„Zach …“ Sie wurden von Gästen unterbrochen, die das Paar beglückwünschen wollten, und Bianca und Zach waren bald in eine angeregte Unterhaltung vertieft.

Als Cady den Blick hob, sah sie direkt in Pattons Augen. „Einiges?“, fragte er leise, sodass nur sie es hören konnte.

Sie lächelte vielsagend und hob den Zahnstocher mit der Olive an ihre Lippen.

Er rollte die Augen.

Sie musste lachen.

Das entlockte ihm endlich ein Lächeln. Ein atemberaubendes Lächeln. Er schien sich zu entspannen, als sie die Olive wieder im Glas versenkte.

„Was macht die Arbeit?“, erkundigte er sich.

„Faszinierend wie immer. Und du? Findest du die Schurken?“

„Wäre leichter, wenn sie alle schwarze Hüte trügen.“

Sie hörte den Frust in seiner Stimme. „Ich weiß, dass du bei der Kriminalpolizei bist, aber in welcher Abteilung? Oder heißt es Kommissariat?“

„Ich bin im Drogendezernat.“

„Drogen?“ Sie wusste, dass die Krimis, die sie gelegentlich im Fernsehen sah, nichts mit der Realität zu tun hatten, aber dennoch … „Dann betreibst du sicher viel Sport? Oder hast sonst ein intensives Hobby? Ich meine, zur Entspannung oder Ablenkung?“

Er trommelte mit den Fingern auf der Tischplatte und nickte nur.

„Du bist genauso eloquent, wie ich es in Erinnerung hatte.“

Er lachte leise, schaute sie aber nicht an. Und seine Finger fuhren fort zu trommeln.

Bianca und Zach schoben weitere Stühle an den Tisch – dadurch musste Cady näher an Zach rücken. Sie machte Small Talk mit den anderen und versuchte verzweifelt, den schweigsamen Mann zu ignorieren, der sie langsam in den Wahnsinn trieb. Es war ihr fast gelungen, ihn zu vergessen, als sie die erste Olive in ihren Mund schob. Patton erhob sich so abrupt, dass er beinahe seinen Stuhl umgestoßen hätte. Wortlos eilte er hinaus.

Die Unterhaltung stoppte. Alle sahen ihm erstaunt nach.

„Was hast du mit ihm gemacht?“, wollte Bianca wissen.

Cady nahm die zweite Olive zwischen ihre Lippen. „Absolut gar nichts.“

Noch nicht.

Aber der Abend war ja noch nicht vorbei.

4. KAPITEL

Patton bemühte sich, Cady aus dem Weg zu gehen. Die Olive zwischen ihren Lippen hatte ihn endgültig in die Flucht getrieben. Er gab sich wirklich Mühe. Redete mit anderen. Tanzte mit Ellie. Schlichtete einen Streit zwischen zwei angetrunkenen Gästen. Doch die ganze Zeit über wusste er, wo sie war. Wenn sie tanzte, war er an der Bar. War sie an der Bar, ging er auf die Veranda. Jedes Lachen oder Lächeln, jedes verdammte Mal, wenn sie sich die Strähne hinter das Ohr steckte – alles stärkte nur sein Verlangen. Er wollte sie. Jetzt. Es trieb ihn in den Wahnsinn.

Als die Party sich langsam auflöste, fand er einen Sessel in einer schwach beleuchteten Ecke der Veranda und wartete. Sobald Cady gegangen war, würde seine Anspannung nachlassen. Er musste sich auf das konzentrieren, was wichtig war: die Hochzeit von Zach und Bianca. Er musste die Schwachstellen ihrer Beziehung finden – falls es welche gab. Musste herausfinden was hinter der schnellen Hochzeit stand. Und ob es möglich war, die Verlobung zu beenden – oder sie zumindest zu verlängern.

Auf der Party waren die beiden glücklich gewesen, sicher, aber das wirkliche Leben war etwas anderes. Das tägliche Miteinander bedeutete Arbeit. Das wollte er seinem Bruder sagen. Wollte ihn an die Ehe ihrer Eltern erinnern. Sie einseitig zu nennen, wäre großzügig gewesen. Dad hatte immer nur genommen. Mom war erst nach allem anderen gekommen: nach dem Job, nach den Hobbys, nach den Söhnen. Ihr Leben war bestimmt gewesen von Sorge und einsamen Nächten. Sie musste die vier Söhne mehr oder weniger allein großziehen und hatte wenig Anerkennung dafür bekommen. Niemand schien bereit, dieses Thema anzuschneiden. Deswegen wollte Patton es tun. Zumindest hatte er das vorgehabt.

Irgendwie hatte Cady alles verändert. Statt Bianca und seinen Bruder im Auge zu behalten, war er wie hypnotisiert von ihr gewesen. Sie ging ihm unter die Haut, und das gefiel ihm ganz und gar nicht.

Er schloss die Augen und legte den Kopf zurück. Er brauchte das alles nicht. Weder Cady noch Zach oder diese ganze verrückte Verlobung. Er war erschöpft und angespannt. Wochen wie diese ließen ihn sich fragen, wieso er sich nicht einen anderen Job suchte. Der letzte Tipp eines Informanten hatte ihn in eine zeitraubende Sackgasse geführt. Jetzt musste er noch einmal ganz neu ansetzen. Eine neue Art von Shake-n’-Bake-Meth war auf den Markt gekommen. Damit schien auch die Explosion eines Wohnwagens zusammenzuhängen. Einiges deutete darauf hin, dass es sich um ein mobiles Meth-Labor handelte. Niemand wusste, wer dahintersteckte. Ihre gewohnten Quellen konnten – oder wollten – keinerlei Hinweise geben.

„Bist du sicher, dass du heute Nacht nicht hierbleiben möchtest?“ Das war die Stimme von Bianca. „Wir haben einige Zimmer für unsere Gäste reservieren lassen.“

„Wenn ich jetzt fahre, bin ich noch zu einer vertretbaren Zeit zu Hause.“ Das war Cady. „Ich muss morgen für ein paar Stunden ins Büro.“

Patton öffnete die Augen. Sah, wie die beiden sich umarmten.

„Bibi …“ Cady sprach leise und eindringlich.

„Bitte – nicht“, unterbrach Bianca sie. „Ich weiß, du bist nicht begeistert von unserer Hochzeit. Aber würdest du dich bitte für mich mitfreuen – weil du mich liebst?“

Sie war also auch gegen diese Verbindung? Interessant.

Cady umarmte ihre Freundin. „Ich liebe dich.“ Sie lachte. „Genieß den Rest des Abends – und deinen Verlobten.“

„Fahr vorsichtig.“

Cady winkte ihr zu und ging. Ihr grünes Kleid wehte leicht im Abendwind, bis sie aus seinem Blickfeld verschwand.

Patton zwang sich sitzen zu bleiben und lauschte auf das Geräusch einer zuschlagenden Wagentür. Auf das Starten eines Motors. Er suchte auf der Straße nach einem davonfahrenden Auto. Je länger er wartete, desto stärker wurde sein Frust. Schließlich erhob er sich und durchforschte mit seinen Blicken das Dunkel.

Da war sie! Sie ging über den Rasen hinunter zum See.

Ohne lange nachzudenken, folgte er ihr. Er konnte einfach nicht anders.

Sie schlenderte zu einer der Cabanas. In der Nähe brannte ein Kohlenfeuer. Über dem Schein des Feuers trafen sich ihre Blicke. Ihre Augen waren unergründlich. Nur ein rasches Atmen verriet ihre Erregung.

Wortlos nahm sie ihn bei der Hand und führte ihn in eine Cabana. Es war nur eine feste Wand mit aufgerollten Bambusmatten an den Seiten. Er sah zu, wie Cady die Matten löste. Ihre Finger flogen förmlich über die Knoten. Sie hatte gespürt, dass er sie beobachtete. Hatte ihn hierher geführt, weil sie ihn auch wollte. Er fühlte, wie er hart wurde. Er konnte es nicht erwarten, sie noch einmal zu haben.

Sie hatte zwei Matten heruntergelassen, als er sie an sich drückte, um sie seine Erregung spüren zu lassen. Er zog eine Spur von Küssen über ihre Schulter. Sie schmeckte himmlisch und fühlte sich noch besser an. Als seine Zähne ihr Ohrläppchen fanden, schmiegte sie sich an ihn und schlang die Arme um seinen Nacken.

Zärtlich umfasste er ihre Brüste. Sie stöhnte leise. Zu wissen, dass sie ihn ebenso begehrte wie er sie, ließ sein Verlangen noch steigen. Nie hatte er sich so nach einer Frau gesehnt. Derart überwältigend. Unkontrolliert. Sie zerrte an seinem Hemd. Versuchte, es aus dem Bund der Hose zu ziehen. Zarte Finger glitten über seine Haut, scharfe Nägel drückten sich in seine Muskeln. Ihr Kuss ließ keinen Spielraum für Deutungen.

Er löste die Schlaufe, die ihr Kleid hielt. Genoss es, ihre Brüste in seinen Händen zu fühlen. Er küsste die Nippel, bis sie hart wurden und Cady sich in seinen Armen wand. Zärtlich legte er sie auf eine der Liegen und schob eine Hand unter ihren Rock. „Du bist so unglaublich weich“, stöhnte er, während seine Finger am Saum ihres Höschens entlangfuhren.

Sie sagte kein Wort. Sah ihm nur in die Augen.

Er zerrte ihr Höschen nach unten. Unwillkürlich stöhnte er auf, als sie ihre Beine für ihn öffnete. Sie so schwer atmend auf der Liege zu sehen, wie sie auf ihn wartete, törnte ihn noch weiter an. Er kniete zwischen ihren Beinen und zog ihre Hüften an den Rand der Liege. Sie streckte die Arme nach hinten aus und hielt sich an der Lehne fest, während sie die Beine um seine Hüften schlang. Die einladende Hitze ihres Körpers lockte ihn. Er konnte sich nicht länger zurückhalten – schob sich in sie. Wusste nur eines: Genau hier wollte er sein.

Cady atmete tief durch. Patton … Oh Patton. Ihr Körper gehörte ganz ihm. Es war etwas in der Art, wie er sie ansah. Wie er sie berührte. Sie erfüllte. Sie konnte nicht genug davon bekommen.

Er bewegte sich. Zog sich fast ganz aus ihr zurück, bevor er erneut tief in sie stieß. Ihr Körper passte sich ihm an, ergab sich der Kraft und Verführung seines Rhythmus’. Jeder Stoß ging tief, massierte ihre empfindlichste Stelle und ließ sie vor Lust erbeben – immer und immer wieder. Er war gnadenlos. Trieb sie an ihre Grenzen. Sie verstärkte den Druck ihrer Beine um ihn. Wollte mehr. „Patton!“, stöhnte sie.

„Jetzt …“ Er stieß noch einmal in sie hinein. Und noch einmal. Sie klammerte sich an die Liege und ergab sich ganz dem Rhythmus ihrer Liebe. Üblicherweise war sie beim Sex nicht laut, aber bei Patton war auch das anders … Sie spürte, wie ihre Anspannung wuchs. Spürte den Höhepunkt kommen.

Patton beugte sich zurück und hielt ihre Hüften fest. Sie wand sich, aber er ließ sie nicht los. Zog ihre Lust in die Länge. Erhöhte sie mit jeder Sekunde. Als er ihre empfindlichste Stelle zusätzlich mit leichten Berührungen seiner Finger massierte, war es um sie geschehen. Sie spürte förmlich, wie alles um sie herum zu explodieren schien. Welle um Welle trug die Lust sie immer höher hinauf.

Patton kam mit ihr.

Eine Weile lagen sie schwer atmend wortlos beieinander.

Cady wurde plötzlich klar, dass sie soeben eine ihrer eisernen Regeln gebrochen hatte. Ein One-Night-Stand sollte genau das sein: die Liebe einer einzigen Nacht. Keine Komplikationen, keine Erwartungen, keine … Bindung. Wieso durchbrach sie ihre Regel ausgerechnet mit diesem Mann? Wo sie einander immer wieder über den Weg laufen würden!

Panik überfiel sie.

Sie musste fort. Aber Patton lag auf ihr. Und er duftete so himmlisch. Und fühlte sich auch so an. Ihr Atem stockte. Sie hatte gerade einen Wahnsinnsorgasmus hinter sich und wollte noch mehr? Nein, sie wollte Patton. Das war schlecht. Sie wollte nicht, dass alles kompliziert wurde.

Sie zwang sich zur Ruhe. Es ist keine große Sache. Sie wiederholte es wie ein stummes Mantra und erlaubte sich dabei, ihn zu berühren. Er hatte herrliche feste Muskeln. Sie ertastete seine Narben auf der Brust. Weitere auf dem Rücken. Zwei – rund und uneben.

„Schusswunden“, murmelte er.

„Jemand hat auf dich geschossen?“

„So etwas kommt vor.“

„Wie bitte? Es kommt vor?“

Er stützte sich auf einen Arm und sah auf sie herab. Das verwegene Grinsen war zu viel für eine Frau, die sich bereits auf die zweite Runde einstellte.

Er musterte sie forschend im schwachen Licht der Cabana. „Das war … Verdammt, habe ich dir wehgetan?“

„Nein.“ Er hatte ihr nicht wehgetan, er hatte sie zum Leben erweckt. Hatte ihr das Gefühl gegeben, begehrt zu werden. Und als sie sah, dass er seine Aufmerksamkeit ihrer Brust zuwandte, wusste sie, dass sie dieses Gefühl wieder haben würde, wenn sie diesem Wahnsinn kein Ende setzte. Sie musste sie beide ablenken, und zwar schnell. Sie stellte die erste Frage, die ihr in den Sinn kam. „Wie ist das passiert? Das mit den Narben, meine ich.“

Mit einem Schlag veränderte er sich. Verschwunden war der leidenschaftliche Mann, der sie hatte abheben lassen. Seine Miene wurde vollkommen ausdruckslos und verriet keinerlei Emotionen mehr. Er richtete sich auf und schloss dabei seine Hose. Ihr fröstelte – vor dem kalten Luftzug und vor Patton.

Sie wusste selbst nicht, wieso es sie irritierte, dass er sich plötzlich vor ihr zurückzog. Die Narben waren offensichtlich ein Tabu. Sie musterte ihn. Registrierte so etwas wie Feindseligkeit. Was mit ihm geschehen war … sie schüttelte den Kopf. Es ging sie nichts an. Rasch setzte sie sich auf und strich ihren Rock nach unten. Dann verknotete sie das Kleid in ihrem Nacken.

„Brauchst du Hilfe?“

„Nein.“ Sie hatte ihn nicht so anfahren wollen.

Er hob die Brauen, sagte aber nichts.

In der Ferne war Lachen zu hören. Cady erschrak. Es war ja nicht so, dass sie allein hier wären. Es waren noch weitere Gäste im Restaurant und im angeschlossenen Hotel. Sie mussten deutlich zu sehen gewesen sein, als Patton sie küsste, bevor sie das letzte Bambusrollo heruntergelassen hatte. Sie war keine Exhibitionistin, und sie hatte keine Lust, von irgendjemandem überrascht zu werden. Schon gar nicht von einem der Gäste der Party. Oder gar von der Familie! Ihr Verlangen nach Patton war so groß gewesen, dass sie die Verlobungsfeier von Bianca und Zach völlig vergessen hatte. Was zum Teufel war los mit ihr? Die Hochzeit setzte ihr offensichtlich mehr zu, als gedacht.

Sie fuhr sich mit den Fingern durchs Haar. Sie hätte weniger Zeit mit Patton als mit Gedanken an den charmanten Zach Ryan verbringen sollen. Sie wusste nicht warum, aber sie misstraute ihm.

Sie begriff, dass Patton sie aus zusammengekniffenen Augen anschaute.

„Was ist?“

„Ich bin mir nicht sicher“, bemerkte er. „Du bist hier diejenige, die seufzt und plötzlich ganz abweisend ist.“

„Ich ärgere mich.“ Sie stieg in ihre High Heels. „Zum einen habe ich meine eiserne Regel gebrochen, mit einem One-Night-Stand kein zweites Mal zu schlafen. Der Sex ist nett, aber wozu? Und zweitens hat sich meine beste Freundin mit einem Mann verlobt, den sie kaum kennt. Das erste ist keine große Sache, aber das zweite ist ein Riesenproblem.“

„Bianca und Zach?“

Sie nickte. „Bianca ist der wichtigste Mensch in meinem Leben. Ich habe das Gefühl, sie macht einen Fehler …“

„Das finde ich auch.“

Sie sah ihn verblüfft an. „Wirklich?“

„Sie kennen sich kaum. Diese übereilte Hochzeit kann nur in einer Katastrophe enden – die auch noch Freunde und Familie mit hineinzieht.“

„Besser hätte ich es nicht ausdrücken können.“

„Was den Sex angeht, stimme ich dir allerdings nicht zu.“

Es war wie eine eisige Dusche. Ihr fiel so schnell keine passende Retourkutsche ein.

„Ich habe vielleicht nicht deine Erfahrung, aber nett ist nun wirklich kein Begriff, der irgendetwas beschreibt, was wir gemacht haben. Wahnsinn träfe es eher.“

Ehe sie es sich versah, küsste er sie – so lange und so leidenschaftlich, dass sie sich an ihn klammern musste, um nicht den Boden unter den Füßen zu verlieren. Panik kam in ihr auf. Sie verstand nicht, wie sie derartig auf diesen Mann reagieren konnte.

„Das wird nicht noch einmal passieren, Patton. Es gibt kein Wir und wird es nie geben. Nett oder nicht – das hier ist vorbei.“

Ohne sich noch einmal nach ihm umzusehen, ging sie zu ihrem Wagen – bevor sie Gefahr laufen konnte, Patton Ryan noch einmal zu küssen.

5. KAPITEL

Patton war gereizt. Zwei Stunden lang versuchte er nun schon, die Frau im Krankenhausbett zum Reden zu bringen. Er kannte Jenny Olsen aus früheren Ermittlungen. Sie war hart im Nehmen – sie musste es sein. Aber jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt, ihn auflaufen zu lassen. Wenn man ihr diesmal etwas nachweisen konnte, war sie nicht die Einzige, die darunter zu leiden hatte. Sie hatte jetzt einen kleinen Jungen. Sie würde das Sorgerecht für ihn verlieren. Das Jugendamt kannte keinen Spaß, wenn es um die Herstellung von Meth ging.

Er wiederholte: „Ich bin hier, um Ihnen zu helfen.“

Sie rollte die Augen. „Ich habe doch schon alles gesagt! Ich weiß nicht, wieso das Haus in die Luft geflogen ist.“

„Glauben Sie, dass das Jugendamt Ihnen das abnimmt, Jenny?“

Sie warf ihm einen eisigen Blick zu. „Wollen Sie mich mit meinem Kind erpressen, Mister?“

Sein Blick glitt über die Brandwunden auf ihrem Arm. „Falls Sie etwas gesehen haben, könnte es einen Unterschied machen.“ Sie hatten jede Menge Hinweise für die Herstellung von Meth gefunden. In ihrem eigenen Interesse und dem ihres Babys hoffte er, dass sie Vernunft annahm und ihr Wissen preisgab.

„Wissen Sie, wo ich wohne, Mister?“ Sie lachte freudlos.

Er hatte ihre Akte gelesen. Eine reine Horrorgeschichte. Er würde ihr Leben nie verstehen, und er wollte es auch nicht. Er war in einer Familie aufgewachsen, in der sich jeder um den anderen kümmerte – auch wenn es manchmal nervte. Russ war die einzige Ausnahme gewesen. Keiner von ihnen hatte gewusst, was er trieb, bis es zu spät gewesen war. Und selbst dann hatten Spence und er noch getan, was sie konnten, um die illegalen Aktivitäten ihres Bruders zu decken. Patton wusste, dass das einer der Gründe war, wieso er diesen Job machte: Er wollte verhindern, dass es anderen so erging wie Russ. Oder wie Jenny.

Er sah, wie jung sie noch war. „Ich glaube nicht, dass Sie etwas mit der Sache zu tun hatten, Jenny. Aber was ich glaube und was die Beweise hergeben …“ Er ließ das Ende des Satzes offen.

„Ich nehme keine Drogen, ich stelle keine Drogen her und ich verkaufe keine Drogen“, fauchte sie ihn an.

„Und was ist mit Ihren Nachbarn?“

Sie presste die Lippen zusammen und wich seinem Blick aus. Der erste Bruch in ihrer stählernen Fassade. „Ich wollte nichts mit Ihnen zu tun haben.“ Diesen Blick kannte er. Sie hatte Angst.

Er sah auf die Uhr. In einer Viertelstunde war er mit Zach zum Essen verabredet. Der Arzt hatte gesagt, sie werde heute nicht mehr entlassen. Ihr Auge war in Gefahr. Er konnte nur hoffen, dass eine Nacht im Krankenhaus ihr Zeit genug gab, ihre Möglichkeiten zu überdenken.

„Sind wir jetzt fertig?“ Sie sah ihn gereizt an.

„Das hängt von Ihnen ab.“ Er wusste, dass ihre Entscheidung nicht leicht war. „Ich komme morgen früh wieder.“

Auf dem Weg nach draußen schaute er noch auf der Kinderstation vorbei und ließ seine Karte da. Dasselbe tat er bei den Security-Leuten. Er konnte Jenny keinen Personenschutz geben, aber er konnte die Wachleute bitten, ein Auge auf sie zu haben.

Er hatte keine Zeit mehr, nach Hause zu fahren, sich zu duschen und umzuziehen. Daher fuhr er direkt ins Restaurant Lassiter Botanical Gardens. Sein kleiner Bruder hatte ihn zum Essen eingeladen. Vielleicht konnte er die Gelegenheit nutzen, ihn zur Vernunft zu bringen. Ihre Familie hatte in den letzten Jahren vieles durchgemacht. Er wusste nicht, wie sie eine weitere Katastrophe überleben sollte. Und genau das war diese Hochzeit – eine potenzielle Katastrophe.

Ganz abgesehen von Cady. Falls Zach Bianca heiratete, würde sie zu einem festen Teil seines Lebens werden. Das würde er nicht ertragen. Sie wiederzusehen war schlimm genug gewesen. Nicht nur, dass sie genauso war, wie er sie in Erinnerung gehabt hatte – und wie sie ihm in seinen Fantasien erschienen war. Nun begehrte er sie noch mehr als zuvor. Falls das überhaupt möglich war. Die Gedanken an sie lenkten ihn ab und quälten ihn. Bei der Arbeit, zu Hause, in seinen Träumen … In ihren Armen hatte er eine Art Frieden gefunden. Das machte ihm höllische Angst.

Nicht, dass sein Verlangen nach Cady der einzige Grund gewesen wäre, weshalb er gegen diese Verlobung seines kleinen Bruders war. Er kannte Zachs Frauengeschichten und konnte nicht glauben, dass Zach jetzt den treusorgenden Ehemann spielen wollte. Außerdem: Bianca Garza schien eine nette Frau zu sein, aber was wusste er eigentlich von ihr? Was wusste Zach? Irgendetwas stimmte nicht. Er wusste nicht, was es war, aber sein Bauchgefühl warnte ihn. Und sein Bauchgefühl trog ihn selten.

Cady drehte das Champagnerglas zwischen den Fingern und bemühte sich, nicht auf den leeren Platz neben ihrem zu sehen. Nun irritierte sie sogar schon Pattons Abwesenheit! Genauer gesagt irritierte sie seine Abwesenheit seit zweiundsiebzig Stunden – seit sie Biancas Verlobungsparty verlassen hatte. Jeden Abend hatte sie sich ein mordsmäßiges Pensum im Fitnessstudio abverlangt, um dann bis in die frühen Morgenstunden an irgendwelchen Programmierungen zu arbeiten. Aber die Ruhelosigkeit wollte nicht nachlassen. Seinetwegen. Er war ihr unter die Haut gegangen und ließ sich nicht mehr vertreiben.

Am Morgen hatte sie Biancas Einladung zum Abendessen unter ihren Emails gefunden und sofort zugesagt. Hätte sie geahnt, dass es nicht um einen entspannten Frauenabend ging, wäre sie nicht so vorschnell gewesen. Das Letzte, was sie jetzt brauchen konnte, war eine weitere Dosis Patton Ryan.

„Du wirkst angespannt.“ Bianca stupste sie mit dem Ellenbogen an. „Was macht die Arbeit? Läuft es allmählich besser mit Charles?“

„Wer ist Charles?“, fragte Zach interessiert. „Dein Freund?“

„Er ist der Sohn von Cadys Chef“, erklärte Bianca. „Cady muss ihn einarbeiten.“

„Jeder braucht Hilfe, wenn er mit etwas Neuem beginnt.“ Cady nippte an ihrem Glas. „Was mich eigentlich irritiert, ist die Tatsache, dass er gleichzeitig auch mein Konkurrent ist. Seit heute Mittag ist es amtlich: Daniel Grossman, der Leiter meiner Abteilung, verlässt die Firma. Ende des Monats wird sein großes Eckbüro frei …“

„Oh mein Gott!“ Bianca stieß einen kleinen Freudenschrei aus und ließ zum ersten Mal, seit sie das elegante Restaurant Lassiter Botanical Gardens betreten hatten, Zachs Hand los. „Du wirst den Job bekommen! Ganz bestimmt!“

„Vielleicht. Aber wir dürfen den lieben Charles nicht vergessen.“ Cady versuchte, ihren Plauderton zu halten, auch wenn die Situation ihr so etwas wie einen Knoten im Magen verursachte.

„Aber er ist doch noch gar nicht so lange in der Abteilung …“

„Er ist der Sohn vom Chef.“ Zach hatte die Situation offensichtlich sofort erfasst. „Das ist eines der unvermeidlichen Probleme, wenn man in einem Familienunternehmen arbeitet.“

„Aber das ist doch nicht fair!“, protestierte Bianca.

„Wer sagt, dass das Leben fair ist?“ Zach zuckte die Schultern.

„Du hast in den letzten fünf Jahren immer wieder für sie die Kastanien aus dem Feuer geholt, Cady. Du musst kämpfen!“ Bianca schien bereit, sich für ihre Freundin in die Schlacht zu stürzen.

Zachs Bewunderung war nicht zu übersehen, als er seine Verlobte ansah und wieder ihre Hand nahm.

„Es wird schon werden, Bibi.“ Cady zwinkerte ihr zu. „Du kennst mich. Ich gebe nicht auf.“

Sie spürte sofort, dass Patton das Restaurant betreten hatte. Es irritierte sie, dass sie auf ihn reagierte, auch wenn sie noch nicht einmal Blickkontakt mit ihm gehabt hatte. Er wirkte erschöpft und müde.

„Tut mir leid, dass ich zu spät bin.“ Sein Blick ging in die Runde. Er hatte nicht erwartet, sie zu sehen, das war offensichtlich. Und ebenso offensichtlich hielt sich seine Begeisterung darüber in Grenzen. Für einen Moment schloss er die Augen. Eine scharfe Falte erschien zwischen seinen dichten Brauen.

Cady leerte ihr Glas und stellte es auf den Tisch. Sie hatte nicht die Absicht, Patton anzuschauen. Oder ihn überhaupt zu beachten. Ganz und gar nicht.

Er setzte sich neben sie. Sein Duft stieg ihr in die Nase und zog sie unwillkürlich an. Sie mochte im Beruf erfolgreich sein – in seiner Gegenwart war sie jedoch alles andere als cool und überlegen. Wenn sie Glück hatte, würde es ihr gerade so gelingen, das Verlangen im Griff zu halten, das er in ihr auslöste.

„Hast du einen harten Tag gehabt?“, erkundigte sich Zach. „Aber ich nehme an, in deinem Job ist jeder Tag hart. Ich bin froh, nicht die Richtung der Familie eingeschlagen zu haben.“

Cady sah Bianca fragend an.

„Die Ryans sind seit Generationen bei der Polizei“, erklärte ihre Freundin. „Zach ist …“

„… eine Ausnahme“, ergänzte Patton, und seinem Ton nach zu urteilen war das kein Kompliment.

„Sie sind jetzt vollzählig?“ Eine große Blondine war an ihren Tisch getreten. „Wollen wir anfangen?“

„Ja, bitte setzen Sie sich zu uns“, lud Bianca sie ein.

Zach zog einen weiteren Stuhl an den Tisch. Patton rückte näher an Cady heran, um Platz zu machen.

„Patton, Cady – das ist Carolina Vincent. Sie ist die Eventmanagerin für den Botanischen Garten.“ Bianca tat so, als erkläre das alles.

Cady begriff allmählich, worum es hier ging. Sie sah zu Patton hinüber, dessen Miene sich verfinstert hatte.

„Es freut mich, Sie kennenzulernen.“ Carolinas Blick verweilte auf Patton. Cady erkannte den Ausdruck: der Frau gefiel, was sie sah.

„Nun können wir es ja sagen.“ Zach blickte strahlend von einem zum anderen. „Bianca und ich haben gehofft, ihr könntet heute mit uns ein Probeessen machen – damit wir entscheiden können, was es bei der Hochzeit geben soll.“

„Bei der …?“ Cady hätte fast die Speisekarte fallen lassen.

„… Hochzeit?“ Patton schien ebenso überrascht.

„Richtig. Ich freue mich, dass das Paar diesen besonderen Tag bei uns begehen möchte.“ Carolina legte eine Mappe aus hellem Leder auf den Tisch. „Wir müssen noch ein paar Details durchgehen, aber ich bin sicher, dass wir alles rechtzeitig fertig bekommen.“

„Rechtzeitig?“ Cady wagte kaum noch zu fragen.

Carolinas Lächeln wirkte angespannt. „Wir hatten eine kurzfristige Stornierung.“

„Bianca liebt den Botanischen Garten und das Restaurant, deswegen haben wir den Termin übernommen“, erklärte Zach. „Wir werden die Hochzeit und den Empfang hier haben.“.

„Wann?“

„Samstag, den dreiundzwanzigsten April“, verkündete Carolina. „Hochzeiten im Frühling sind besonders schön hier – alles blüht, die Vögel singen und die Schmetterlinge schwirren umher. Ein perfekt romantisches Ambiente …“

Cady hörte nicht mehr hin. In sechs Wochen sollte die Hochzeit sein? Unwillkürlich schaute sie zu Patton hinüber.

„Wir wissen, es ist noch viel zu tun, und wir haben nur wenig Zeit, aber wir könnten nicht glücklicher sein.“ Zachs warnender Unterton an seinen Bruder war nicht zu überhören.

„Wow.“ Cady versuchte, begeistert zu klingen. „Es ist nur … es ist eine solche Überraschung! Eine … schöne Überraschung natürlich.“

„Aber sechs Wochen?“ Patton machte kein Hehl aus seiner Skepsis. „Wann wäre denn der nächste Termin frei?“

„In zwei Jahren.“ Zach seufzte. „Wir wollen nicht warten. Wir haben uns gefunden, und wir möchten unsere gemeinsame Zukunft jetzt beginnen – nicht erst in zwei Jahren.“

„Zwei Jahre wäre doch eine vernünftige Verlobungszeit“, warf Patton ein.

Carolina räusperte sich. „Natürlich. Wir könnten …“

„Wir werden keine zwei Jahre warten, Patton. Und offen gestanden macht es mich ziemlich sauer, dass du uns hier die Laune verdirbst. Wir wollten euch heute fragen, ob ihr unsere Trauzeugen sein wollt.“ Er sah Bianca in die Augen. „Wir wussten, dass der frühe Hochzeitstermin die eine oder andere kritische Reaktion hervorrufen könnte, aber wir haben auf eure Unterstützung gehofft.“

Bianca wischte sich eine Träne fort. Alle Blicke richteten sich auf sie. Cady schmolz dahin. Sie konnte Bianca nicht weinen sehen. Schon gar nicht, wenn sie selbst die Ursache dafür war. Aber sie wusste einfach nicht, wie sie Gefühle zeigen sollte, die sie nicht hatte.

„Hey, Bibi“, sagte sie schließlich, „bitte keine Tränen! Ihr habt uns ein wenig überrascht … Du weißt ja, wie ich zum Thema Ehe stehe, deswegen …“ Ihre Stimme bebte. „Ich möchte, dass du glücklich bist, das weißt du. Und wenn es dich glücklich macht, dann will ich es auch sein.“ Sie ignorierte ihren inneren Protestschrei. Sie war nicht glücklich über diese Hochzeit, aber was konnte sie tun?

Bianca lächelte sie an. „Danke.“

„Gut, dann machen wir also weiter mit dem Apriltermin.“ Carolina nickte zufrieden. „Sie haben vier Menüs zur Auswahl …“

Cady hörte nicht weiter zu. Sie hob ihr Glas an die Lippen, bis sie merkte, dass es leer war. Verdrossen stellte sie es zurück auf den Tisch – und fing dabei einen Blick von Patton auf, der ihr inneres Ringen beobachtet zu haben schien. Sie spürte seinen Schenkel an ihrem. Er löste ein plötzliches, intensives Verlangen in ihr aus. Sex war eine ideale Methode, um Spannung abzubauen. Sex mit Patton. Heißer, harter, schneller Sex …

„Was meinst du, Cady? Gefällt dir Carolinas Idee?“ Bianca sah sie fragend an. „Ist der Termin für dich in Ordnung?“

Cady räusperte sich. Biancas große Augen schienen sie um eine Antwort anzuflehen. „Du weißt, dass ich es einrichten kann. Was auch immer du entscheidest – ich werde da sein.“ Sie lächelte. „Und was Carolinas Ideen angeht – sie ist hier der Profi. Ich wüsste gar nicht, wo ich anfangen sollte bei der Planung.“

„Keine Sorge.“ Carolinas Ton war für Cadys Geschmack eine Spur zu herablassend. „Ich habe eine Liste mit allen Pflichten der Trauzeugen. Und einen Zeitplan. Es kann also nichts schiefgehen.“

Bianca umarmte Cady. „Du wirst meine Trauzeugin sein, nicht wahr? Bitte!“

Cady hauchte ihr einen Kuss auf die Wange. „Natürlich bin ich deine Trauzeugin. Es ist mir eine Ehre.“

„Nachdem das nun geklärt ist, wollen wir zum Menü kommen. Was denken Sie, Patton?“, schnurrte Carolina und rückte ihren Stuhl dabei näher an seinen.

Das Essen war ein Albtraum.

Cady stocherte an ihrem Lachs herum. Carolinas Sinn für Humor ging ihr auf die Nerven. Die diskutierten Fragen waren ihr völlig einerlei. Welche Farbe sollten die Kleider haben? War eine Hochzeitsfeier am Abend einer am Nachmittag vorzuziehen? Lieber ein gesetztes Essen oder ein Buffet? Offensichtlich hatten sowohl G G als auch Mrs. Ryan eine Meinung zu alledem. Bianca hatte sich alles notiert, sodass ihre Wünsche berücksichtigt werden konnten – natürlich sollten alle zufrieden sein.

„Hier ist der Kostenvoranschlag.“ Carolina reichte Bianca ein Papier.

Cady sah Bibis Ausdruck. Sie stand eindeutig unter Schock. Ihre liebe Freundin war einer der sparsamsten, kostenbewusstesten Menschen, die sie kannte. Und eines war sicher: Hochzeitsfeiern waren teuer.

Diese Hochzeit war eine sehr ernsthafte Bedrohung für Bianca. Sie mochte noch zu verliebt sein, um es zu begreifen, aber ihr Leben würde sich für immer verändern. Zach war beruflich viel unterwegs. Cadys Bauchgefühl sagte ihr, dass er dabei kein Kind von Traurigkeit war. Und Bianca? Blieb zu Hause? Voller Sorge um ihren Ehemann? Cady kannte Bibi – ihr war das Ehegelöbnis heilig. Bibi würde bleiben, auch wenn die Ehe unglücklich war.

Cady riskierte einen Blick zu Patton. Geistesabwesend trommelte er mit den Fingern auf dem Tisch, während sein Blick durch den Raum schweifte. Seine Anspannung war beinahe greifbar. Etwas Ablenkung konnte nicht schaden. Nach einem raschen Blick auf die anderen, die sich über Carolinas Mappe beugten, legte Cady eine Hand auf seinen Schenkel. Er zuckte leicht zusammen. Sie ließ die Hand über den Reißverschluss seiner Hose gleiten. Seine Erregung zeichnete sich spürbar dahinter ab. Ihre Finger fanden den Haken des Reißverschlusses. Rasch legte er eine Hand auf ihre und schüttelte kaum merklich den Kopf. Sie genoss die Situation, obwohl sie wusste, dass sie sich unmöglich benahm. Vielleicht konnte sie ihn lange genug in irgendeine dunkle Ecke locken, um etwas Erleichterung zu finden?

„Hier kommt der Zitronenkuchen.“ Der Ober brachte die Teller. Patton ließ Cadys Hand los, schüttelte seine Serviette aus und legte sie sich über den Schoß.

Sie hatte sich gerade ein Stück Kuchen in den Mund geschoben, als ihr Handy vibrierte. Sie warf einen Blick auf die SMS. Charles wollte ein System neu booten. Schon wieder! Sie hatte ihm schon mehrfach gesagt, dass die einzige Lösung war, den Fehler in der Programmierung zu finden und zu beheben. Aber so langsam kamen ihr wirklich Zweifel, ob Charles überhaupt in der Lage war, einen Code zu lesen, ganz zu schweigen davon, Fehler darin zu beheben.

„Schlechte Nachrichten?“, fragte Patton leise.

Sie legte das Handy auf den Tisch. Wenn sie jetzt gleich die Antwort schrieb, die ihr auf der Seele lag, würde sie wahrscheinlich fristlos gefeuert werden. Sie seufzte nur.

„So schlimm?“ Er lachte leise.

„Ist es wieder Charles?“, erkundigte Bianca sich mitfühlend.

„Charles?“ Pattons Züge hatten sich mit einem Schlag verhärtet.

Cady erschrak über die plötzliche Veränderung.

„Das ist der Sohn von ihrem Chef“, erklärte Bianca. „Cady ist zur Zeit so etwas wie sein Babysitter.“

Bildete sie es sich nur ein, oder schwenkte seine Miene von Wut zu Erleichterung um? Das konnte nicht sein!

„Wie kommt es, dass ihr bei eurem Date nicht über ihn gesprochen habt?“, fragte Zach. „Du hast doch gesagt, ihr habt nur über Berufliches geredet.“

„Habe ich wohl vergessen.“ Patton grinste verlegen. Er sah Cady in die Augen und ließ sie förmlich dahinschmelzen.

Merkten die anderen am Tisch nichts von der magnetischen Kraft, die sie zueinander hinzog? Sie konnte es nur hoffen. So wie sie hoffte, dass irgendwann der Drang nachließ, ihm die Kleider vom Leib zu reißen. Im Moment hätte sie nichts lieber getan als das.

„Sie beide sind auch ein Paar?“, erkundigte sich Carolina.

„Nein“, sagte Zach rasch.

„Zach und ich dachten, sie könnten es sein.“ Bianca seufzte. „Aber wir haben uns geirrt.“

„Es war ja keine totale Katastrophe.“ Cady lachte leise. „Wir haben gut gegessen und hatten eine kurze, sehr direkte Unterhaltung. Auf das Dessert haben wir dann verzichtet.“ Sie wusste, sie spielte mit dem Feuer. „Und wo wir schon beim Thema sind – dieser Kuchen ist ein Gedicht.“

„Das stimmt. Aber meine Cousine Diandra hat eine Konditorei. Du weißt ja, wie sehr G G darauf bedacht ist, dass alles in der Familie bleibt.“ Bianca schien selbst nicht sonderlich begeistert von der Idee.

Cadys Handy vibrierte erneut. Diesmal zeigte das Display nur ein einziges Wort: Hallo?

„Entschuldigt mich.“ Cady nahm ihr Handy und machte sich auf die Suche nach einer ruhigen Ecke, wo sie so gefasst wie möglich eine SMS an den Mann schicken konnte, der vielleicht der Schlüssel zu ihrer Beförderung war.

Patton versuchte, Cady zu ignorieren. Dennoch nahm er alles wahr, was sie sagte oder tat: ihr kehliges Lachen, ihre schlagfertigen Antworten, ihr Lächeln für Bianca. Die Art, wie sie sich die Strähne hinter das Ohr steckte. Ein Stück Zuckerguss vom Zitronenkuchen war auf ihrer Oberlippe hängen geblieben. Er hatte Mühe, nicht ständig dorthin zu starren.

Er musste sich in den Griff bekommen. Die Reaktion seines Körpers auf sie war schlimm genug. Er hatte kein Recht, wütend zu sein auf einen Mann, der ihr eine SMS schickte. Schließlich hatte er keinerlei Ansprüche auf sie. Aber in den fünf Sekunden, bis er begriffen hatte, dass Charles einfach ein Kollege war, der Cady auf die Nerven ging, hätte er ihn am liebsten aufgesucht und zu Brei geschlagen.

Er sah Cady hinterher, als sie den Raum verließ. Der Schwung ihrer Hüften bewog ihn, zum Glas mit dem Eiswasser zu greifen. Er wäre ihr zu gern gefolgt …

Keine Frage: Er hatte ein ernsthaftes Problem.

„Ich habe die Beispiele im Büro vergessen“, hörte er Carolina sagen. „Ich hole sie, und dann können wir uns Gedanken darüber machen, wie wir das Ganze dekorieren wollen. Haben Sie noch einen Wunsch, Patton?“ Sie sah ihn erwartungsvoll an.

„Danke, nein.“ Es kam knapp und bestimmt.

„Ich bin gleich zurück.“ Carolina legte ihm kurz eine Hand auf die Schulter, bevor sie verschwand.

„Wow!“ Zach lachte. „Ich bin sicher, du könntest einen Preisnachlass für uns herausholen.“

„Zach!“ Bianca sah ihn entsetzt an.

„Es ist doch das Mindeste, was wir tun können, Bianca. Nachdem sein Date mit Cady ein derartiges Fiasko war, sollte er eine Frau wie sie haben …“ Er nickte in Carolinas Richtung. „Ich glaube, sie ist heiß auf dich.“

Patton runzelte die Stirn. Carolina Vincent? Ausgeschlossen!

„Patton?“ Bianca räusperte sich. „Es tut mir wirklich leid.“

„Was meinst du?“

„Das mit dir und Cady. Es war meine Idee. Ich habe sie Zach förmlich aufgedrängt. Ich habe so die Vorstellung, dass es für jede und jeden den oder die Richtige gibt. Vielleicht liegt es daran, dass ich ein Einzelkind war.“

„Oder daran, dass in deiner Familie alle gern kuppeln“, ergänzte Zach.

„Na ja, ich hatte einfach gehofft, dass ihr zueinanderpasst“, erklärte sie zerknirscht.

„Und dass ihr gleich im Bett landet“, ergänzte Zach.

„Zach!“ Bianca war rot geworden.

Er lachte. „Patton muss dringend Stress abbauen.“

Bianca ähnelte inzwischen einer überreifen Tomate. „Zach, ich kann einfach nicht glauben, dass du das gesagt hast. Und außerdem – was ist mit Cady?“

Patton beobachtete die beiden interessiert.

„Ich habe den Eindruck, dass sie sehr gut allein entscheiden kann, was sie will.“ Liebevoll strich er ihr das Haar aus der Stirn.

Patton musste seinem kleinen Bruder insgeheim recht geben.

„Zach, bitte!“, flüsterte Bianca und ließ ihren Verlobten damit wissen, wie sehr sie seine offene Art missbilligte. Zu Pattons Überraschung wirkte Zach tatsächlich zerknirscht, als sie fortfuhr: „Ich gebe zu, ich hatte gehofft, dass ihr euch ineinander verliebt. Es wäre so schön gewesen, da wir ja von jetzt an sehr viel Zeit zusammen verbringen werden … Ich nehme an, ich bin einfach hoffnungslos romantisch.“

„Ich habe es gefunden.“ Carolina war mit einem großen, in schwarzes Leder gebundenen Buch zurückgekehrt. „Hier sind ein paar schöne Beispiele, wie man den Tempel dekorieren könnte, in dem die Trauung stattfinden wird.“ Sie setzte sich und lächelte Patton an. „Wir können es uns ja ansehen, bevor wir hinübergehen.“

Patton erhob sich. „Ich suche Cady, damit sie uns begleiten kann.“

Es war ihm völlig einerlei, wo oder mit welchen Dekorationen die Hochzeit vielleicht stattfand. Im Moment brauchte er einfach Luft zum Atmen. Und er brauchte eine Verstärkung. Cady war genauso wenig begeistert von dieser Hochzeit wie er. Und sie kannte Bianca am besten. Sie hatte vielleicht eine Idee, wie sie das Ganze noch stoppen konnten.

Er spazierte durch die Gärten – von einer heißen und trockenen Wüstenlandschaft mit stacheligen Kakteen hin zu einem üppigen, feuchten Regenwald. Er wollte schon umkehren, als er ihre Stimme hörte. Sie saß am Rand einer Fontäne und hatte die Füße übereinandergeschlagen. Die Schuhe hatte sie abgestreift, und ihre nackten Zehen spielten mit dem Gras.

„Ja, Charles.“ Ihr Ton war kühl, aber geduldig, als spräche sie mit einem Kind. „Das ist richtig … Nein, du musst dich nicht dafür entschuldigen, dass du mir eine SMS geschickt hast. Ich verstehe, dass das alles neu für dich ist…“

Er sah, wie ihre Schultern herabsanken, als sie unhörbar einen Seufzer ausstieß.

„Es ist ein großer Auftrag“, stimmte sie zu.

Ihr Kinn hing ihr auf der Brust, was ihren schlanken Hals betonte. Er war versucht, einen Finger darübergleiten zu lassen, unterließ es aber, weil er sie nicht erschrecken wollte. Außerdem: Wenn er erst einmal begonnen hatte, sie zu berühren, würde er nicht mehr aufhören können. Deswegen ging er um sie herum und setzte sich ihr gegenüber.

Augenblicklich fuhr eine ihrer Brauen in die Höhe, und sie richtete sich auf. Innerhalb kürzester Zeit war ihre Körperhaltung von erschöpft zu wachsam umgeschwenkt. Seinetwegen.

„Nein.“ Sie ließ ihn nicht aus den Augen. „Ich verstehe … Ja. Ich habe nach neun Zeit … Nein, Kaffee ist nicht nötig.“ Sie starrte an die Decke, die Lippen fest aufeinandergepresst. „Gut. Schwarzer Kaffee. Dann also bis morgen früh.“

Er wartete, bis sie das Gespräch beendet hatte. „Ein anhänglicher kleiner Bastard, was?“

Das Lächeln, das über ihre Züge glitt, verschlug ihm den Atem. „Das ist er.“ Sie lachte. „Ich hoffe, dass die Beförderung es wert ist.“ Sie sah ihn forschend an. „Bist du aus einem bestimmten Grund hier?“

Was sie wohl tun würde, wenn er ihr den Zuckerguss von der Lippe küsste? Er räusperte sich. „Ich wollte mit dir reden“, bekannte er.

„Du? Reden? Das ist ja etwas ganz Neues.“

Er runzelte die Stirn. „Reden, nicht streiten.“

„Ich höre.“

„Hast du immer noch Bedenken wegen der Hochzeit?“

„Das wäre milde ausgedrückt.“

„Dann müssen wir sie verhindern.“

„Und wie?“

„Uns fällt schon etwas ein.“

„Fändest du es nicht … gemein?“

„Gemein? Nein. Ich finde, es ist wie eine vorbeugende Medizin. Man nimmt etwas, um Schlimmeres zu verhüten.“

„Und die Hochzeit wäre das Schlimmere.“

„Wenn es nicht dazu kommt, bleiben uns eine Scheidung und rundum Verletzungen erspart.“ Er zuckte die Schultern. „Wir beide wissen doch, dass sie sich in diese Idee verrannt haben, ohne sie richtig zu durchdenken.“

Sie musterte ihn schweigend. „Sogar, wenn es uns gelingen sollte, die Hochzeit zu verhindern – ein Problem bleibt.“

„Welches?“ Sein Blick hing wieder an dem Krümel auf ihrer Lippe.

„Das Problem, dass wir uns schon nach dreißig Minuten aufeinanderstürzen und uns gegenseitig die Kleider vom Leib reißen.“

„Ich glaube, es waren wenigstens siebenunddreißig Minuten.“

„Vergiss nicht, dass ich bereit war, am Tisch für eine Erregung öffentlichen Ärgernisses zu sorgen.“

Er lachte.

Sie sah ihn empört an. „Und nun kannst du aufhören, meinen Mund anzustarren.“

„Ich mag nun mal deinen Geschmack“, bekannte er.

Ihre Lippen öffneten sich, aber kein Wort kam heraus.

Er konnte sich nicht länger zurückhalten, musste ihr den Zuckerkrümel von der Lippe wischen und seinen Daumen über ihre sinnliche Unterlippe gleiten lassen. Er spürte ihren heißen Atem, ihr leichtes Erschauern. „Ich kann meine Hände einfach nicht von dir lassen“, murmelte er. „Aber wenn du willst, dass ich aufhöre, dann tue ich es.“

Er ließ seine Hand an ihr Bein hinabgleiten. Dann wieder hinauf bis zu ihren Schenkeln …

Cady sprang auf. „Wir müssen zurück zu den anderen.“

Er erhob sich langsam und zog seine Hose zurecht.

Fassungslos betrachtete sie seine deutlich sichtbare Erregung. „Patton …“ Sie atmete tief durch. „Verdammt!“

„Es ist deine Schuld.“

„Ist es nicht!“

Er stand ganz dicht bei ihr, sodass er ihren Duft einatmen konnte. „Du riechst so unglaublich gut.“

„Du auch.“ Sie hatte die Hände an seine Brust gelegt.

Er konnte nicht anders, er musste sie an sich ziehen. Sie ließ den Kopf zurückfallen, als er sie küsste, heiß und voller Verlangen. „Du machst mich wahnsinnig“, knurrte er.

„Du hast recht – es ist wahnsinnig.“ Sie entwand sich ihm und musste ein paarmal tief durchatmen, bevor sie herausbrachte: „Aber man bekommt nicht immer das, was man haben will.“

Er wusste nicht, ob er lachen oder sie tiefer in den Garten ziehen sollte. Sie würde nicht Nein sagen, sie begehrte ihn ebenso wie er sie. Sie wussten es beide.

„Da seid ihr ja!“ Bianca kam zu ihnen. „Seid ihr bereit?“

Er war beeindruckt, wie rasch Cady sich von ihrer Überraschung erholte. „Ja, Patton war so nett, auf mich zu warten, bis ich mein Gespräch mit Charles beenden konnte.“

„Ich glaube, Charles ist scharf auf dich.“ Bianca seufzte. „Ist er nett? Könnte er vielleicht der Richtige für dich sein? Wäre doch vielleicht keine schlechte Idee, wenn man bedenkt, wie viel Zeit du bei der Arbeit verbringst.“

Biancas Bemerkung hatte die Wirkung einer kalten Dusche. Noch einmal musste er sich in Erinnerung rufen, dass er kein Recht hatte, so zu reagieren. Es war nur natürlich, dass auch andere Männer Cady begehrten. Aber daran wollte er jetzt nicht denken – oder daran, dass sie vielleicht einen anderen begehrte.

„Er ist in Ordnung – aber mit Sicherheit nicht der Richtige. Er macht mich wahnsinnig. Wir gehen immer wieder dasselbe durch, und am Ende stellt er dieselben Fragen wie am Anfang.“

„Das ist doch der springende Punkt! Würde er es verstehen, hätte er keinen Grund mehr, dir eine SMS zu schicken und dich anzurufen, wann auch immer ihm danach ist. Und du hast doch gesagt, sein Vater mag dich und sagt, du seist die Tochter, die er hätte haben sollen. Charles hat einen Vaterkomplex – da ist es nur natürlich, dass er versucht, dich für sich zu gewinnen.“

Patton folgte den beiden und hörte sich Biancas Schlussfolgerungen an. Er kannte diesen Charles nicht, aber grundsätzlich klang das Ganze logisch.

„Was hat er für eine Ausbildung?“, erkundigte er sich.

„Einen Bachelor-Abschluss in Betriebswirtschaft“, erklärte Cady. „Sogar wenn er im Laufe des Studiums einmal einen Programmierkurs gemacht haben sollte, hat er wenig Ahnung von Softwareentwicklung.“

Patton folgte der Gruppe zum Haupthaus des Botanischen Gartens. Ihn quälte ein Gefühl nagender Eifersucht. Ein Gefühl, das er bisher noch nie gehabt hatte. Nicht, dass er ein Recht dazu gehabt hätte!

Er blieb stehen. Was würde sie wohl sagen, wenn er sie um ein richtiges Date bat? Aber nein, jetzt war nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Zuerst einmal musste er sich um seinen Bruder und seine Heiratspläne kümmern.

Hinter dem Gebäude gab es eine große Freifläche. Ein dramatischer Steinbogen führte in einen reich verzierten Tempel.

„Wie findet ihr das?“ Bianca sah sich begeistert um. „Es ist wie ein kleiner Parthenon. Könnt ihr euch das Ganze vorstellen mit Efeu und Blumen geschmückt? Und vielleicht noch ein paar Kerzen?“

Cady betrachtete die Steinsäulen und das gewölbte Dach. Sie nickte. „Es passt zu dir.“

„Ja, nicht? Aber G G findet, eine Hochzeit sollte immer im Haus stattfinden. Sie erzählt von irgendwelchen Freunden, die draußen geheiratet haben. Es hat geregnet, und sie standen alle im Matsch.“

Carolina räusperte sich. „Dies ist der einzige Raum, den wir Ihnen momentan bieten können.“

Zach legte seinen Arm um Bianca. „Ich werde dafür sorgen, dass es an unserem Hochzeitstag nicht regnet.“

Patton bemerkte, wie nachdenklich Cady seinen Bruder betrachtete. Er wollte Zach schon beispringen, entspannte sich dann aber. Sie musste seinen kleinen Bruder nicht mögen. Sie musste nur helfen, diese Hochzeit zu verhindern – und ansonsten jede freie Sekunde nackt mit ihm im Bett verbringen.

6. KAPITEL

Charles Hembrecht dankte Cady wohl zum hundertsten Mal und überraschte sie dann mit einer Einladung zum Essen.

„Das musst du nicht.“

„Aber ich würde es gern.“ Er räusperte sich. „Außerdem dachte ich, wir könnten zusammen zur Jahresfeier gehen.“

„Charles …“ Sie hatte nicht die Absicht, etwas mit dem Sohn des Chefs anzufangen, aber sie wollte ihn auch nicht vor den Kopf stoßen. „Ich habe eine strikte Devise: Ich habe nie Dates mit Leuten, mit denen ich arbeite, und … für die Party habe ich bereits ein Date. Aber vielen Dank.“ Sie hatte noch kein Date, aber sie würde jemanden finden, der sie begleitete. Da ihr Chef sie gebeten hatte, eine Präsentation der neuen Sicherheitssoftware zu geben, konnte sie nicht einfach fernbleiben.

„Eine gute Devise.“ Charles nickte, auch wenn er sichtlich enttäuscht war.

Ihr Telefon bellte – das Signal für Bianca. „Ich werde abgeholt.“ Sie atmete erleichtert auf.

„Ein interessanter Klingelton.“ Er grinste. „Einen schönen Abend noch!“

„Dir auch.“ Sie winkte ihm kurz zu, bevor sie zum Fahrstuhl eilte. Auf der Fahrt nach unten tauschte sie ihre soliden Pumps gegen ein Paar High Heels und steckte sie zusammen mit ihrem Blazer und dem Tuch, das sie sich über die Schultern geworfen hatte, in ihre Sporttasche.

Bianca wartete in ihrem roten Jeep auf sie. „Hi! Steig ein!“

„Gott sei Dank ist Freitag!“ Cady schwang sich in den Jeep. „Sag mal, gibt es beim Tortenprobieren auch Erwachsenengetränke?“

Bianca lachte. „Wir bringe die Probe hinter uns, und dann laden Zach und ich Patton und dich zum Essen ein.“

Patton. Natürlich. Dann brauchte sie wirklich einen Drink. Sie versuchte, so etwas wie Begeisterung in ihrem „Super!“ mitschwingen zu lassen.

„Das habe ich gehört.“ Bianca fädelte sich in den Verkehr ein. „Was ist das zwischen euch? Und sag nicht Nichts, weil da ist ganz eindeutig etwas. Zach denkt das auch.“

Cady seufzte. Dieses eine Mal konnte sie ihrer besten Freundin nicht alles sagen. „Wie bist du auf die Idee gekommen, er sei mein Typ? Das verstehe ich einfach nicht …“

„Er mag nicht in dein übliches Beuteschema passen, aber ich finde, er hat was. Zach hatte da ein Foto von sich und seinen Brüdern. Sie lachten alle und waren einfach süß. Als er sagte, Patton sei Single, dachte ich, wieso nicht? Du kannst mir keinen Vorwurf dafür machen, dass ich dich mit Zachs Bruder zusammenbringen wollte.“ Sie zuckte die Schultern. „Gut, Patton ist sehr angespannt und grüblerisch – aber ich dachte, solche Männer magst du.“ Sie sah Cady an. „Davon abgesehen sieht er extrem gut aus.“

„Mag sein, aber er ist auch unerträglich und egoistisch.“

Bianca lachte. „Was auch immer. Glaubst du, du kannst dich zusammenreißen? Wenigstens, bis die Hochzeit vorüber ist?“

„Ich werde es versuchen.“

Aber der Anblick von Patton in kariertem Hemd, mit aufgerollten Ärmeln und einer eng sitzenden, alten Jeans, die seine muskulösen Schenkel betonte, ließ ihr an all den richtigen Stellen heißwerden. Sie wollte sich nicht zusammenreißen. Das wusste sie in dem Moment, als sich ihre Blicke trafen.

„Du magst nicht auf ihn stehen, aber er würde sich am liebsten auf dich stürzen.“ Bianca lachte leise.

Cady sah, wie ihre Tür geöffnet wurde und Patton ihr eine Hand hinhielt. „Hi!“

Es war eine vollkommen normale Geste – ein Mann reichte einer Frau die Hand, um ihr beim Aussteigen behilflich zu sein. Aber der Anblick seiner Hand löste in ihrem Innern einen Schauer aus. Sie versuchte, es zu ignorieren.

„Danke“, murmelte sie.

Die Inhaberin der Konditorei Angela’s Cake selbst kam ihnen entgegen.

„Wie nett, Sie wiederzusehen“, begrüßte sie die Verlobten und lächelte Cady und Patton zu. „Ich habe schon alles vorbereitet.“ Sie führte sie an einen kleinen Tisch. „Nach unserem Gespräch am Telefon dachte ich, die klassische Linie ist das Richtige für Sie. Wie wäre es mit einer Champagnertorte mit einer Füllung aus Himbeercreme?“

Cady war wie benommen von der Auswahl an Torten, Füllungen und Glasuren. Anderthalb Stunden und vier Konditoreien später hatte sie das Gefühl, kurz vor einem Zuckerschock zu stehen. Dazu kamen Pattons heimliche Blicke und Berührungen, wenn er glaubte, dass niemand es bemerkte. Als sie sich zum Essen setzten, fand sie es nur fair, den Spieß umzudrehen.

„Ich brauche einen Whiskey-Special“, sagte sie zum Ober. „Mit vielen Oliven bitte.“

Nachdem alle ihre Bestellungen aufgegeben hatten, sah Bianca in die Runde. „Irgendwelche Ideen?“

Patton räusperte sich. „Wollte deine Großmutter nicht, dass du die Torten deiner Cousine Diandra nimmst?“

Cady schnitt eine Grimasse. Biancas Cousine sollte mit einem Backverbot belegt werden. Ihre Machwerke waren kaum genießbar. Aber sie wusste, worauf Patton hinarbeitete … Sie war sich nur nicht sicher, ob sie ihn unterstützen wollte.

Patton sah mit zusammengekniffenen Augen zu, wie sie sich langsam den Zahnstocher mit der Olive zwischen die Lippen schob.

„Die Torten von Angela haben mir am besten gefallen“, bemerkte Zach. „Offen gestanden haben Diandras es bei mir nicht unter die Top 10 geschafft.“

„Wir waren nur in fünf Konditoreien“, warf Bianca ein.

„Eben.“ Zach nickte.

Cady ließ die Zungenspitze um die Olive fahren. Sie hörte, wie Patton leise den Atem einsog. Hätte sie es nicht erwartet, hätte sie es nicht gehört. Das Gefühl der Macht, die sie über ihn hatte, ließ sie breit lächeln.

„Wieso gehst du nicht mit deiner Großmutter zu Diandra und anschließend zu Angela?“, schlug Zach vor.

„Sie wird nicht mitkommen, wenn sie merkt, was du vorhast“, warf Cady ein.

Bianca nickte. „Das stimmt. Diandra ist Familie. Punkt.“

„Dann war das heute ja eine große Zeitverschwendung.“ Zach war eindeutig nicht glücklich.

„Es tut mir leid“, sagte Bianca bedrückt. „Ich habe ja nicht geahnt, dass Diandras Torten so furchtbar sind.“

„Für einen Moment schien meine Zunge wie gelähmt“, klagte Zach. „Das können wir unseren Gästen nicht zumuten.“

Patton stieß Cady unter dem Tisch mit dem Fuß an. Dies war ihre Chance, wenn sie bei dem Plan bleiben wollten, die Hochzeit zu torpedieren. „Ist es denn eine so große Sache?“, fragte er unschuldig.

„Tut mir leid, Bibi, aber ich muss Zach recht geben“, sagte sie hastig. „Diandras Torten waren wirklich nicht der Hit. Aber … G G würde sich sehr aufregen, wenn du Diandra nicht nimmst. Und G Gs Zorn will man sich auch nicht unbedingt zuziehen …“ Das stimmte alles, aber als Bibis Freundin hätte sie ihr den Rücken stärken und sagen sollen, dass sie tun sollte, was sie selbst für richtig hielt.

„Ich möchte, dass du glücklich bist, Zach.“ Bianca wurde ernst. „Aber es fällt mir auch schwer, G G zu enttäuschen …“

Zach gab sich einen Ruck. „Es ist nur eine Torte, Darling. Ich bekomme ja, was ich will. Dich. Dich glücklich zu machen, macht mich glücklich, also werden wir mit Diandras Backkünsten leben.“ Er lachte leise. „Wir können ja die Geschenke, die wir doppelt bekommen, verkaufen und vom Erlös die Zivilklagen bezahlen, die wir ihretwegen bekommen.“

Cady beobachtete die beiden, während sie sich gedankenverloren eine weitere Olive in den Mund schob. Stünde er nicht im Begriff, das Leben ihrer besten Freundin zu ruinieren, indem er sie heiratete, hätte sie Zach vielleicht gemocht. In dem Moment sah sie zu Patton hinüber. Auch er beobachtete das Paar sehr durchdringend. Doch als er sich ihr zuwandte, wechselte sein Ausdruck zu unverhohlenem Verlangen. Sie ließ den Zahnstocher langsam über ihre Unterlippe gleiten und tauchte ihn wieder in ihren Drink.

„Wir werden dafür sorgen, dass genügend Alkohol da ist, um die Torten hinunterzuspülen.“ Zach gab sein Bestes, um Bianca zu trösten.

An der Art, wie sein Blick zwischen ihr und Patton hin und her schweifte, erkannte Cady, dass er ihre kleine Vorstellung beobachtet hatte.

Patton ignorierte den fragenden Blick seines Bruders. Es war Zachs Schuld, dass er in dieser Situation steckte. Cady machte einen hormongesteuerten Idioten aus ihm. Dieses Spiel mit den Oliven trieb ihn in den Wahnsinn.

Er musste sich ablenken. „Du lässt mir nicht viel Zeit, einen Junggesellenabschied zu planen.“

„Den brauche ich nicht“, sagte Zach sofort.

„Keinen Junggesellenabschied?“ Cady setzte eine bestürzte Miene auf. „Das ist ungesund.“

Alle lachten.

„Der Junggesellenabschied ist deine letzte Chance, dich noch einmal so richtig auszutoben – bevor Bianca dir die Fußfesseln anlegt.“

„Vielen Dank für die Blumen, Patton.“ Bianca lachte.

„Keine Ursache.“ Er mochte nicht wollen, dass sie seinen Bruder heiratete, aber er hatte kein Problem mit ihr. Zumindest noch nicht. Er wollte abwarten, was die polizeiliche Überprüfung ergab.

„Kein Junggesellenabschied“, bestätigte Zach noch einmal.

„Vielleicht solltest du es doch machen“, überlegte Bianca. „Und sei es nur, damit die Leute nicht glauben, ich hätte etwas dagegen.“

Patton beobachtete den Austausch. Nicht viele Frauen würden für einen feuchtfröhlichen Abschied vom Junggesellendasein stimmen. Ein Pluspunkt für sie!

„Irgendwelche Einschränkungen?“ Cadys Augen blitzten vergnügt. „Keine Stripperinnen? Kein Glücksspiel … So in dieser Art? Falls du das alles blockierst, müsste ich dasselbe natürlich auch bei deiner Party machen.“

„Moment mal.“ Zach beugte sich vor. „Ich dachte, beim Junggesellinnenabschied sitzen nur die Freundinnen zusammen – bei Cupcakes und so …“

„Nicht nur …“ Cady lachte vielsagend.

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