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Wildbirnenbaum

Informationen zum Buch

Diese Gedichte gehören zu den stärksten und reifsten der Autorin. Sie stehen im Dialog miteinander, reagieren auf frühere Texte, führen Gedanken weiter, bestätigen oder relativieren sie. Konzentriert wie nie zuvor, zeigt der Band die Spannung zwischen Leben und Poesie – als Motiv und Preis der Gedichte. Eva Strittmatters Themen haben mit ihrem Alltag zu tun, mit ihrer Rolle als Mutter, Frau und Dichterin und mit den Zwängen, denen sie sich ausgesetzt sieht. Darüber schreibt sie nicht nur mit der Offenheit, die für ihre Lyrik so bezeichnend ist, sondern hier treibt sie die rigorose Selbstbefragung bis zum Tabubruch. Mit eruptiver Kraft kommt zur Sprache, was sie bedrängt. Und wie ein Generalthema zieht sich eben dieser Prozess durch die Gedichte: die Verwandlung der Erfahrung in Sprache und Bild.

Meinen Söhnen Ilja, Erwin und Jakob

und ihrem Bruder Matti zur Erinnerung

Auflehnung

Hier bin ich eingeboren.

Hier habe ich mein Recht.

Und habe mich verloren,

Und lebe einfach schlecht,

Wenn ich nicht mächtig lebe.

Wenn Klage aus mir drängt,

Wird not, daß ich aufhebe,

Was mich einengt und zwängt.

Widerstand

Die Selbstverständlichkeit,

Mit der die Leute leben,

Und wie sie sich der Zeit

Ohne Widerstand ergeben:

Das ist so verschieden von meiner Verfassung,

Die aus mir Worte treibt.

Das reine Leben ist Unterlassung.

Nur was darüber bleibt,

Befriedigt mich: Die blaue Trauer

Der sanften Distel fällt mich an,

Die von allein die Lanzenmauer,

Aus der sie blüht, nicht sprengen kann.

Ich unterliege der Verführung

Der wilden Wicke und der Möhre.

Sie arbeiten an meiner Rührung,

Bis ich auch sie heraufbeschwöre.

Mein Leben geht. Ich dien den Dingen

Und halte mich an ihnen fest

Und such die Zeit im Wort zu zwingen,

Daß sie mich überdauern läßt.

Gewinn und Verlust

Gewinn und Verlust sind immer zusammen:

Ich verliere an Leichtsinn und blindem Vertraun.

Und gewinne ein wenig an Einsicht und Wissen

Und lerne gründlicher hinzuschaun

Auf das, was mich nicht persönlich betrifft.

Was an mich keine Erwartungen hat

Und was mir keine Liebe verspricht.

Ich schreibe auf einem reineren Blatt.

Die Worte werden mir schwerer als früher.

Der Aufschwung der Jugend gelingt mir nicht mehr.

Ich kehre mein Innres nicht mehr nach außen.

Und schweigend gehe ich neben mir her.

Glück

Einmal will ich Worte finden,

Einfach wie der Apfelbaum

Und gegerbt von vielen Winden.

Weiß und schweigsam wie der Traum,

Den die alten Männer träumen,

Deren Leben schon verbleicht.

Kleines Glück will ich versäumen,

Bis mein Wort den Baum erreicht.

Liebe

Ich habe Liebe hergestellt

Aus kleinen Kümmernissen.

Bin Sonne einer Mikrowelt.

Und hätte scheinen müssen

Wenigstens zwei, drei Dörfer weit.

Auch da fehlt größres Licht.

Die kleine Liebe frißt die Zeit.

Und tötet mein Gedicht.

Schmerz

Das ist eine gute Lehre:

Eine Zeitlang Schmerzen zu haben.

Tag und Nacht: Die Schmerzensschwere.

Und sich nicht im Schmerz zu begraben

Und doch noch über sich

Hinaus und die Welt zu sehen:

Alles betrifft auch mich.

Auch mir kann alles geschehen,

Was andren geschieht. Ich stehe nicht

Außerhalb des Lebens.

Ich habe meinen Anteil am Licht,

Und ich täusche mich vergebens,

Wenn ich glaube, dem Gesetz zu entgehen,

Nach dem das Leben sich wandelt.

Erst wenn man lernt, den Schmerz zu verstehen,

Wird man reif, daß man menschlich handelt.

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