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Wiener Melange für vier

Gleich zwei Swinger-Paare gerieten bei unserem Städtetrip nach Wien in unseren Blick. Und die hätten unterschiedlicher kaum sein können – auch vom Alter her. Eigentlich hatte es uns bei Partnertausch und Gruppensex nie sonderlich interessiert, welche Zahl im Ausweis unserer Mitspieler stand. Seit für meinen Mann jedoch die magische 40 in Sicht kam, wurde seine Offenheit in dieser Frage zunehmend einseitig. Was sehr schade war, denn diese verengte Sicht meines Liebsten hätte uns beinahe um ein faszinierendes Abenteuer gebracht. Aber nur beinahe.

Kirsten Steiner, Jahrgang 1984, studierte Literatur und Geschichte. Seit Jahren ist sie gemeinsam mit ihrem Mann in der Welt der Swinger unterwegs. Einige ihrer Erlebnisse hat sie zu der Serie „Aus meinem Swinger-Tagebuch“ verarbeitet, in der sie diese besondere Form der Erotik beschreibt, die sich nicht allein auf zwei Menschen beschränkt. Dies ist eine Geschichte daraus.

Unser Wien-Trip:

Der Morgen danach

Wartezeit und Blickkontakt

Zu kurz gesprungen

Streifzug

Der Dampfkabinenlover

Ein Frauengespräch und seine Folgen

Begegnung am Ende der Nacht

Wien bei Tag

Die Enge des Naschmarktes

Von Joggern und Swingern

Anregungen

Getrennte Räume

Sofa für vier

Die nackte Pianistin

Restenaschen

Der Morgen danach

Wien, September 2018

An diesem Morgen war ich vor Steffen wach. Normalerweise war das umgekehrt bei uns, wenn wir am Wochenende oder im Urlaub ausschlafen konnten. Aber heute schlief der Mann neben mir noch immer tief und fest, als ich mit dem Schlafen ganz einfach fertig war – ungeachtet der Tatsache, dass wir eine lange Nacht hinter uns hatten. Was normal war für uns, wenn wir einen Swingerclub besucht hatten.

Ich blinzelte gegen das Licht, das durch einen Spalt zwischen den Vorhängen am Hotelfenster ins Zimmer fiel. Draußen erwachte die österreichische Hauptstadt wohl so allmählich zum sonntäglichen Leben – anders als unser Hotelzimmer im 5. Wiener Gemeindebezirk. Ich warf einen Blick auf meinen schlafenden Mann und dann auf das Notebook auf dem kleinen Schreibtisch vor unserem Bett. Sollte ich oder sollte ich nicht?

Schließlich krabbelte ich aus dem Bett, ging kurz ins Bad und klappte anschließend den Computer auf. Beim Wachwerden waren viele Gedanken und Bilder der vergangenen Nacht durch meinen Kopf gezogen. Ich hatte das dringende Bedürfnis, das alles aufzuschreiben, bevor mir mit dem Tag manches davon verlorenging.

Während ich unser Cluberlebnis der vergangenen Nacht stichwortartig meinem Notebook-Tagebuch anvertraute, warf ich immer mal wieder einen Blick auf meinen Mann. Er war durch mein Aufstehen zwar etwas unruhig geworden, aber er schlief noch immer. Allerdings hatte er die Decke weitgehend weggeschoben und präsentierte mir so seinen nackten Körper. Zu kalt war ihm offenbar nicht. Was mich auch erstaunt hätte, denn es war eher zu warm in unserem Hotelzimmer. Auch ich hatte mir noch nichts übergezogen, sondern lediglich ein Handtuch unter meinen nackten Po auf den Stuhl gelegt, während meine Finger über die Tasten wanderten.

Ich musste schmunzeln. Wovon mochte Steffen wohl träumen in diesem Moment? Vielleicht genau von den Dingen, die ich soeben aufschrieb? Ganz unwahrscheinlich war das nicht. Sein steifer Schwanz jedenfalls deutete sehr in diese Richtung.

Wir hatten vor unserem Städteurlaub in Wien wieder einmal in den Profillisten bei Joyclub gestöbert. Seit einigen Jahren hatten wir uns das regelrecht angewöhnt. Vor einem Urlaub schauten wir in diesem Erotikforum im Internet fast immer, ob sich die Reise mit einem Swinger-Erlebnis verbinden ließ. Neue Länder, neue Städte, neue Menschen, neue Abenteuer. Vor allem mein Mann war bei diesen Internetrecherchen zuweilen sehr umtriebig – und hatte meist auch ein recht glückliches Händchen bei der Auswahl unserer Spielpartner. Er wusste sehr genau, welchen Typ Mann ich besonders gern mochte – und auch welchen Typ Frau.

Für Wien hatte er zudem einen Swingerclub entdeckt, der interessant zu sein schien. Etwa eine Woche vor unserem Urlaub sahen wir uns gemeinsam die Homepage dieses Clubs an, und ich bestätigte seinen Eindruck: Das sah alles sehr verlockend aus.

„Na ein Glück“, sagte er. „Dann kann das Date ja stattfinden.“

„Wir haben ein Date?“

Erst jetzt öffnete er das Profil eines Wiener Swinger-Paares, mit dem er schon ein paar Tage zuvor Kontakt aufgenommen hatte.

„Mit den beiden sind wir am Samstag in dem Club verabredet“, teilte er mir mit.

„Ach so? Sind wir das?“

Steffen nickte, und ich sah mir das Profil dieses Paares genauer an. Vom Alter her passten sie recht gut zu uns – zumindest der Mann. Er war 34 und damit ebenso alt wie ich, beziehungsweise fünf Jahre jünger als Steffen. Sie war 26 und somit etwas jünger als wir. Der Abstand zwischen ihr und Steffen betrug immerhin 13 Jahre. Aber was machte das schon? Zudem wirkten beide sportlich und attraktiv. Die Frau war etwas kleiner als ich, er etwas kleiner als Steffen, Größe und Gewicht standen in einem recht guten Verhältnis zueinander. Von den Rohdaten ihres Steckbriefs her war alles okay. Aber das war natürlich längst nicht alles.

Der eher kurze Text ihres Profils verriet ansonsten nur begrenzt etwas über die beiden – abgesehen davon, dass sie offensichtlich viel Fantasie besaßen. Zumindest was den Umgang mit der Rechtschreibung anging. So etwas störte mich immer ein wenig. Aber mir gefielen die Bilder. Der Mann war sichtlich gut trainiert und auch seine attraktive Frau zeigte viel Haut. Natürlich war mir klar, dass die üppige Oberweite der schönen Wienerin weit wichtiger für meinen Mann war als die Befolgung diverser Dudenregeln. Und da wir ja schließlich niemanden heiraten wollten, sondern nur ein Sexabenteuer suchten, nickte ich schließlich.

„Okay“, bestätigte ich. „Wir sind mit ihnen verabredet.“

Steffen lächelte mich wissend an. Sehr wahrscheinlich hatte er auch nichts anderes erwartet. Er kannte mich eben gut.

Wartezeit und Blickkontakt

Pünktlich waren sie nicht, stellten wir fest, als wir an diesem Samstagabend im Barbereich des Clubs im 7. Wiener Gemeindebezirk nach Saskia und Felix Ausschau hielten. Das gab schon mal Abzüge in der B-Note. Nachdem wir etwa 20 Minuten vergeblich gewartet hatten, beschlossen wir, das Frivoli zu zweit zu erkunden. Es war gut etwas los an diesem Paare-Abend, aber überfüllt war der Club glücklicherweise nicht. Wir mochten es, wenn an einem Clubabend viele Menschen anwesend waren. Allerdings hatten wir es in anderen Clubs zuweilen auch schon erlebt, dass es zu voll sein konnte. Das war hier glücklicherweise nicht der Fall. Wir schauten uns die Spielwiesen auf den verschiedenen Etagen an, aber hier gab es nicht viel zu sehen – noch nicht. Doch das war für den Beginn eines Club-Abends ja auch normal.

Schließlich ließen wir uns auf zwei Korbstühlen im Saunabereich nieder. Man hatte von hier einen recht guten Blick in die Heißluftkabine – und somit auf das Paar, das dort vor sich hinschwitzte. Wobei sich die beiden nicht einfach nur entspannten. Zumindest der Mann nicht. Er kniete vor seiner auf dem Rücken liegenden Frau und streichelte sie. Seine Hände wanderten sehr langsam über ihren gesamten Körper – vom Kopf bis zu den Füßen und wieder zurück. Die Frau sah aus, als würde sie schlafen, aber ich hatte den Eindruck, dass sie sehr bei der Sache war, auch wenn sie sich nicht rührte. Vermutlich nahm sie die intensiven Zärtlichkeiten ihres Partners mit viel Genuss auf. Das sah alles sehr gefühlvoll aus, was der Mann mit seiner Frau tat. Auch ich liebte es sehr, wenn ich sanft massiert wurde.

„Na, wäre der Mann etwas für dich?“, fragte Steffen, nachdem wir eine Weile wortlos zugesehen hatten.

Natürlich hatte ich mir diese Frage auch schon gestellt – wenn auch wohl eher unbewusst. Wenn man durch einen Swingerclub zog, dann checkte man bei jeder Begegnung mehr oder weniger automatisch, ob jemand als Sexpartner infrage kam – jedenfalls wenn das Gegenüber zumindest halbwegs attraktiv erschien. Zumindest ich machte das so. Und soweit ich wusste, taten das die meisten Swinger ebenfalls.

„Vielleicht“, entgegnete ich. „Er sieht sehr interessant aus.“

Das war tatsächlich der Fall. Ich schätzte ihn auf zehn oder vielleicht auch 15 Jahre älter als mich, aber Altersunterschiede hatten mich noch nie gestört, wenn mein Gegenüber ansonsten interessant erschien. Da war ich in beide Richtung relativ offen. Zu Anfang unserer Swinger-Zeit hatte es mich bei einem Spielewochenende mit mehreren Paaren sogar einmal ausgesprochen angemacht, mit einem Mann Sex zu haben, der damals doppelt so alt gewesen war wie ich – er 48, ich 24. Für ein paar Sekunden zogen die Bilder von jenem erotischen Wochenende durch meinen Kopf – dann war ich gedanklich wieder bei dem Mann, den ich in diesem Moment im Blick hatte.

Er hatte wohl einmal komplett schwarze Haare gehabt, mutmaßte ich. Aber an den Schläfen waren sie nun deutlich ergraut. Er war groß und schlank, war zwar nicht so sportlich wie Steffen oder unsere Verabredung Felix, aber untrainiert schien auch er nicht zu sein – trotz eines leichten Bauchansatzes. Doch der war eher dezent. Jedenfalls wirkte dieser Sauna-Masseur anziehend auf mich.

Wie wohl ein Blick in seine Augen auf mich wirken würde? Den allerdings bekam ich nicht. Der Mann war voll und ganz bei seiner Partnerin, was ich eigentlich sehr schön fand. Es hatte mich schon immer gestört, wenn ein Mann beim Sex oder dem Vorspiel ständig hin- und herschaute, um ja nichts von dem zu verpassen, was sich um ihn herum abspielte. Natürlich hatte ich nichts dagegen, wenn jemand beim Partnertausch auch immer wieder Interesse an dem zeigte, was der eigene Partner gerade tat. Das machte ich ja auch, und ich empfand es als prickelnd, während eines Fremdficks die Blicke meines Liebsten wahrzunehmen. Aber vor allem beim Treiben auf Swingerclub-Matten hatte ich es schon des Öfteren erlebt, dass manche Menschen (vor allem Männer) über das eigene Liebesspiel hinaus möglichst alles mitbekommen wollten, was sich in Sichtweite ereignete. Wenn mein Sexpartner sich so verhielt, dann war das beinahe schon ein K.o.-Kriterium. Denn deutlicher konnte mir ein Mann sein mangelndes Interesse kaum zeigen. Und jede Frau wollte es, dass ihr Sexpartner auch wirklich Interesse zeigte – und zwar an ihr und nicht nur am Sex an sich.

Die beiden Menschen in der Sauna wirkten da ganz anderes. Sie waren sehr aufeinander konzentriert und schienen ausgesprochen harmonisch miteinander zu sein. Ich konnte mir kaum vorstellen, dass einer von ihnen auf der Matte ständig nach rechts und links schaute. Das war natürlich Spekulation, aber mein Bauchgefühl ging sehr stark in diese Richtung.

„Und die Frau?“, fragte ich Steffen. „Wäre die etwas für dich?“

„Hässlich ist sie nicht“, entgegnete er. „Soweit man das von hier erkennen kann. Aber er verdeckt sie zum großen Teil. Die beiden sind allerdings deutlich älter als wir, vermute ich mal.“

„Das sind sie mit Sicherheit“, bestätigte ich.

Natürlich war unser Abwägen in diesem Moment eher theoretischer Natur. Wir waren verabredet, und wir gingen selbstverständlich davon aus, dass Saskia und Felix irgendwann noch auftauchen würden. Verspäten konnte man sich immer mal – auch uns war so etwas ja schon passiert. Jedenfalls hatten wir nicht den Eindruck, dass es schon an der Zeit war, unsere Verabredung abzuschreiben.

Aber so ein Was-wäre-wenn-Gedankenspiel hatte uns schon immer Spaß gemacht. Und da die beiden Menschen in der Saunakabine uns offenbar gar nicht wahrnahmen, konnten wir dieses Spiel gefahrlos spielen, ohne irgendwelche falschen Signale auszusenden.

Die Liebkosungen, die der Mann in der Sauna seiner Frau schenkte, waren sicherlich eher sinnlich als erregend. Zumindest deutete der vollkommene Ruhezustand seines Schwanzes darauf hin, dass er die Berührungen ihrer schweißnassen Haut nicht als Vorspiel zu ernsthaften sexuellen Aktivitäten empfand.

„Nein, glaube ich auch nicht“, bestätigte Steffen diese Einschätzung, als ich sie ihm mitteilte.

Wir begannen, über die beiden Saunierer ein paar Mutmaßungen anzustellen. So etwas machten wir immer mal wieder gern, wenn interessante Menschen in unser Blickfeld gerieten und wir sie ungestört beobachten konnten – auch in unserem normalen Umfeld, etwa im Bistro oder am Strand. Da allerdings achteten wir darauf, dass unsere Blicke möglichst dezent waren und von den Objekten unserer Beobachtung nicht bemerkt wurden. Im Swingerclub konnte man mit so etwas offener umgehen.

Die beiden in der Sauna hätten jederzeit bemerken können, dass wir sie beobachteten, aber was machte das schon? Im Swingerclub war Zusehen erlaubt, oftmals sogar erwünscht. Es gab also keinen Grund, dass wir uns auf heimlich-verstohlene Blicke beschränken mussten. Wollte im Club jemand keine Zuschauer, ging er in ein Separee. Eine Sauna mit Glastür fiel nicht unter diese Raumkategorie.

„Die beiden sind sicher schon ewig ein Paar und haben mindestens drei Kinder“, vermutete Steffen.

„Und eins davon ist gerade ausgezogen“, ergänzte ich. „Bei den anderen fragen sie sich, wann das endlich passieren wird.“

„Sie sind beide Akademiker, verdienen gut und wohnen in einem schicken Penthaus am Stadtrand.“

„Oder in einer stilvollen Altbauwohnung in der Innenstadt oder zumindest nicht weit weg davon.“

„Für wie alt hälst du sie?“

„Er wird Ende 40 sein, sie Mitte 40.“

„Ich weiß nicht. Er könnte auch schon über 50 sein.“

„Nein, das glaube ich eigentlich nicht.“

Das war ungefähr der Moment, in dem der Mann zum ersten Mal den Blick von seiner Frau löste und zu uns hersah. Hatte er tatsächlich erst jetzt bemerkt, dass wir ihn und seine Frau beobachteten? Als sich unsere Blicke trafen, lächelte ich und er erwiderte dieses Lächeln. Im nächsten Moment zwinkerte er mir zu. Eine Einladung? Falls ja, dann enttäuschte ich ihn nun möglicherweise, denn ich veränderte mein eher unverbindliches Lächeln nicht. Zudem machten Steffen und ich nicht die geringsten Anstalten, uns von unseren Stühlen zu erheben. Aber die Erotikfee in mir (oder war es vielleicht die Teufelin?) prickte mich, etwas anderes zu tun – und dem interessanten Mann in der Sauna zumindest ein Lächeln der besonderen Art zu schenken.

Ich trug ein kurzes (ein sehr kurzes) Cocktailkleid mit tiefem Wasserfallausschnitt, das ich mir ein paar Jahre zuvor für einen Clubbesuch auf Mallorca zugelegt hatte, und das mich seither schon in verschiedene Swingerclubs begleitet hatte. Darunter trug ich nichts – auch keinen Slip. Ich öffnete meine Beine ein Stück weit. Nicht zu sehr, aber doch weit genug, dass der Mann in der Sauna mir zwischen die Beine sehen konnte. Und wenn er nicht kurzsichtig war, dann würde er jetzt meine glattrasierte Muschi erkennen können.

Offenbar war er nicht kurzsichtig. Jedenfalls kam nun mehr Leben in seinen Schwanz, während die Liebkosungen für seine Frau etwas nachließen. Die erste Reaktion gefiel mir, die zweite nicht so sehr. Ich hatte ihn ein wenig anmachen, aber nicht von seiner Frau fortlocken wollen. Trotzdem konnte ich nicht widerstehen, meine Beine noch etwas weiter zu öffnen. Ich liebte es schon immer, wenn ich feststellte, dass ein Mann auf mich reagierte.

Jetzt bemerkte wohl auch seine Frau, dass die Streicheleinheiten weniger wurden – zumindest weniger intensiv, wie ich vermutete. Sie richtete sich ein wenig auf, sah ihren Mann an, dann uns, dann wieder ihren Mann und legte schließlich ein wissendes Lächeln auf. Dieses Lächeln gefiel mir. Vor allem war ich froh, dass es überhaupt ein Lächeln war und keine Empörung. So etwas hatte ich auch schon erlebt. Manche Frauen mochten es nicht, wenn die Aufmerksamkeit des eigenen Mannes von einer anderen Frau abgelenkt wurde – selbst in eher neutralen Situationen wie etwa an der Bar oder im Vorübergehen auf dem Gang oder eben beim Schwitzen in der Sauna. Beim Sex mochte ich Ablenkungen auch nicht so gern, aber ansonsten empfand ich es als völlig normal, wenn man sich im Swingerclub andere Menschen ansah. Denn schließlich ging man ja in einen Club, um Kontakt mit anderen Frauen und Männern zu knüpfen.

Allerdings traf das nicht unbedingt auf alle Besucher zu. Er gab auch Paare, die in einen Club gingen, und dort unter sich bleiben wollten. Sie genossen die Atmosphäre, sie hatten Sex miteinander – und das wars. Bei solchen Paaren konnte es durchaus Irritationen auslösen, wenn einer von beiden zu viel Interesse an anderen Menschen zeigte. Vermutlich verbauten sich solche Paare mit zu viel Eifersucht weitergehende Aktivitäten. Ich vermutete allerdings nicht, dass dieses Sauna-Paar zu jener Kategorie gehörte. Ich konnte mir gut vorstellen, dass die beiden auch viel Spaß am Partnertausch hatten. Doch auch das war natürlich reine Spekulation.

So wie die Frau da jetzt lag – gestützt auf einen Ellenbogen und mit verständnisvollem Lächeln im Gesicht – wirkte sie sehr souverän. Souverän, attraktiv und nicht im Geringsten eifersüchtig. Sie hatte einen flachen Bauch, kleine Brüste und graublonde Haare. Oder waren sie ganz einfach grau? Falls ja, dann komplett und nicht nur an den Schläfen ergraut wie bei ihrem Mann. Auf jeden Fall stand ihr diese Haarfarbe gut und verlieh ihr eine sehr besondere Schönheit.

Ich löste meinen Blick von den beiden und sah Steffen an. Er hingegen betrachtete eingehend die beiden Menschen in der Sauna. Hatte er direkten Augenkontakt mit einem von ihnen? Vielleicht mit der Frau, wie ich zuvor mit dem Mann? Das fand ich spannend. Für einen Moment erwog ich die Möglichkeit, doch in die Kabine zu gehen. Allerdings würde es dann fraglich sein, wie lange wir noch die Gesellschaft dieses interessanten Paares haben würden. Sie waren ja schon eine ganze Weile in der Heißluftkabine. Vermutlich mussten sie diesen Saunagang bald beenden. Reizvoll war der Gedanke dennoch, ihnen etwas direktere Gesellschaft zu leisten. Sollten wir oder sollten wir nicht?

Während ich mir diese Frage noch stellte, ergab sich die Antwort ganz von selbst: Wir sollen nicht.

Zu kurz gesprungen

Da seid ihr ja!“, hörte ich in diesem Augenblick die kräftige Stimme eines Mannes neben uns.

Beinahe erschrocken sah ich zur Seite und erblickte unsere Verabredung. Saskia und Felix hatten sich deutlich verspätet, aber nun waren sie da. Eigentlich war es ja ganz schön, dass sie endlich den Weg zu uns gefunden hatten, nachdem wir so lange auf sie hatten warten müssen. Aber im ersten Moment empfand ich ihr Erscheinen beinahe als Störung. Der sinnliche Zauber, der sich allein aus Blicken zwischen den beiden Saunierern und uns ganz allmählich aufgebaut hatte, war sofort verschwunden – brachial zerstört, wie ich es wahrnahm. Ich brauchte ein paar Sekunden, um mich zu sammeln und mich in die neue Situation einzufühlen. Dann endlich setzte ich mein liebstes Lächeln auf und erhob mich ebenso wie Steffen aus dem Korbstuhl.

Wir umarmten einander – wobei jeder jeden einige Sekunden an sich drückte. Felix entschuldigte sich wortreich für die heftige Verspätung – mit einer kompliziert klingenden Begründung, die ich umgehend wieder vergaß. Das war ja auch nicht weiter wichtig. Wichtig war allein, dass sie endlich den Weg zu uns gefunden hatten.

Wir verließen den Wellnessbereich und ich drehte mich noch einmal kurz zur Saunakabine um. Die beiden Menschen darin sahen uns mit einem undefinierbaren Blick nach. Nun erwiderte ich doch noch das Zwinkern des Mannes. Dann folgte ich Steffen und den anderen beiden.

Die Fotos hatten nicht zu viel versprochen. Vor allem Felix war ein ziemlicher Hingucker für weibliche Augen. Seine engen Shorts und das ebenfalls eng anliegende Shirt betonten seine muskulöse Figur. Saskia trug lediglich Slip und BH, wobei ihr Oberteil vielleicht etwas zu knapp geraten war. Jedenfalls konnte man den Eindruck haben, dass ihre großen Brüste das Teil im nächsten Moment sprengen würden. Sie wusste schon, wie sie ihre Reize gut zur Geltung bringen konnte. Ich sah meinem Mann an, dass er viel Lust auf diese weiblichen Formen hatte. Was ich ihm nicht verdenken konnte. Auch ich knabberte ja gern mal an einer schönen weiblichen Oberweite. Na, mal sehen, wer hier heute noch so alles an wem knabbert, schmunzelte die Erotikfee in mir.

Die beiden übernahmen wie selbstverständlich die Führung unserer kleinen Gruppe. Was auch ganz okay war, denn sie kannten sich hier wesentlich besser aus als wir. Wir waren zwar nicht das erste Mal in Wien, aber doch das erste Mal im Frivoli. Und je mehr ich mich in diesem Club umsah, umso besser gefiel er mir. Das Ambiente war sehr stimmig; das war eine Umgebung, in der ich mich wohlfühlen konnte – und das war für mich sehr wichtig, wenn ich Sex haben wollte. Ob ich wollte (vor allem: ob ich mit diesem Mann wollte), würde sich finden. Der rein optische Eindruck sprach aber sehr dafür.

Felix führte uns vom Saunabereich aus (sehr zielstrebig, wie mir schien) zu einem kleinen Raum, der höhlenartig aussah. Auch der Eingang war eher ein Loch in der Wand, durch das man hindurchkrabbeln musste, um hineinzukommen. Die kleine Spielwiese in dieser Höhle war sicherlich gut geeignet für zwei Paare.

„Hier?“, fragte Felix, legte eine Hand auf meinen Po und wies auf das Loch in der Wand.

„Wie hier?“, entgegnete ich leicht irritiert.

„Na, wollen wir hier rein? Ist gerade frei für uns.“

Steffen und ich sahen uns verblüfft an. Obwohl ich ahnte, wie viel Lust er auf Saskia hatte, ging ihm offenbar der gleiche Gedanke durch den Kopf wie mir: Das ging jetzt doch etwas zu schnell. Er zog eine Augenbraue hoch und sah mich fragend an.

„Ich dachte eigentlich, wir trinken erst mal ein Glas Wein zusammen und essen eine Kleinigkeit“, sagte ich.

Für ein paar Sekunden entstand eine seltsame Stille in unserer Vierergruppe. Offenbar hatten die beiden nicht mit dieser Bremsaktion gerechnet, und wollten umgehend zum Sex übergehen. Natürlich hatten wir es in einem Swingerclub schon erlebt (und das auch gar nicht mal so selten), dass man sich ohne jegliche Anlaufzeit spontan auf Sex mit wildfremden Menschen einließ. Aber das waren stets Zufallsbegegnungen auf der Matte oder wo auch immer gewesen. Wenn man sich hingegen mit einem Paar vorab verabredet hatte, dann hatten wir (vor allem ich) doch das Bedürfnis, die zwei Menschen erst einmal etwas kennenzulernen, bevor mehr passierte. Das sah unsere Verabredung offenbar anders.

„Ach so“, entgegnete Felix. „Wir dachten, ihr hättet schon gegessen, als wir euch hier im Wellnessbereich entdeckt haben.“

„Nein“, erwiderte Steffen. „Wir haben auf euch gewartet. Gemeinsam essen ist doch ein schönes Intro, um sich kennenzulernen.“

Felix nickte kurz, nahm seine Hand von meinem Po und sagte: „Na gut, dann also erst etwas essen.“

Ich sah ihm an, dass er enttäuscht war. Mein Einwand hatte seine gute Laune sichtlich nach unten korrigiert. Saskia schien es eher egal zu sein. Sie zuckte nur mit den Schultern. Waren wir jetzt zu eingefahren mit unserer üblichen Herangehensweise? Nur weil wir das mit einer Verabredung im Club normalerweise so machten, musste es ja eigentlich nicht zwangsläufig immer nach dem gleichen Schema ablaufen. Man hätte ja auch fröhlich poppen und sich anschließend näher beschnuppern können. Möglich war vieles. Und natürlich hatten wir uns mit den beiden zum Ficken verabredet. Aber ein bisschen Anlaufzeit mochte ich trotzdem lieber. Mit mehr Anlauf sprang man normalerweise auch weiter.

Kurz darauf fanden wir uns an einem kleinen Tisch im Essbereich wieder. Während wir aßen und tranken, kamen wir nun so allmählich ins Gespräch. Fragen nach ihrem privaten Umfeld wichen die beiden aus, aber das war okay. Wir hatten schon mehrfach erlebt, dass Menschen im Swingerclub eher zurückhaltend mit solchen Informationen waren. Wir ja eigentlich auch, aber ein bisschen von sich erzählen, war doch ganz hilfreich, wenn man sich kennenlernen und nicht einfach nur hirnlos poppen wollte. Ich hatte schon immer den Eindruck, dass der Sex besser war, wenn man sich vorher zumindest ein wenig kennengelernt hatte. Vermutlich ganz einfach deshalb, weil ich mich dann besser auf mein Gegenüber einstellen und mich auch besser fallenlassen konnte. Immerhin beim Thema Sport fanden wir schließlich einen guten Anknüpfungspunkt.

„In Hannover gibt es einen sehr schönen Stadtwald“, erzählte Steffen. „Da gehen wir häufig auf den kleinen Waldwegen joggen.“

„Ja, joggen gehe ich auch gern“, erwiderte Saskia. „Wir wohnen im 22. Bezirk, da ist es nicht weit zur Donau. Da kann man wunderbar laufen. Wie lang ist eure Strecke?“

„Normalerweise laufen wir eine Zehn-Kilometer-Runde.“

„Das laufe ich auch meist. Wie lange brauchst du dafür?“

„Kommt drauf an, ob er allein läuft oder mit mir“, antwortete ich für meinen Liebsten. „Er ist schneller als ich. Aber er passt sich mir an.“

„Aber nur ein bisschen“, ergänzte Steffen. „Wenn ich auf Tempo laufe, dann bin ich ganz zufrieden, wenn ich unter 50 Minuten bleibe.“

„Läufst du auch?“, fragte ich und sah Felix an.

„Ja, manchmal. Dann aber mehr auf dem Laufband im Fitnessstudio.“

„Du ziehst das Laufband der Donau vor?“, fragte ich erstaunt.

„Im Fitnessstudio bin ich ohnehin ziemlich oft. Da kann ich das auch da machen.“

Ach ja, dachte ich und musterte den Mann, der mir gegenüber saß, eingehend. Man sah ihm an, dass er die Muckibude ausgiebig nutzte. Seine breiten Schultern und der insgesamt recht muskulöse Oberkörper kamen in seinem schwarzen ärmellosen Netzshirt gut zur Geltung – was ihm vermutlich auch wichtig war. Felix begann jetzt zu erzählen: von Ergometer, Rudergerät, Hantelbank und Bauchtrainer. Er ging sehr ins Detail, erklärte uns, welches Gerät für welche Muskelpartien am besten und wie sein Trainingsstand wobei war.

Auch Steffen war ja ganz gut trainiert, aber Felix baute seine Muskeln offenbar sehr gezielt und erfolgreich auf. Glücklicherweise war es nicht zu heftig, sondern gerade so, dass es männlich wirkte – auf mich jedenfalls. Optisch war der Mann durchaus ein Leckerbissen. Wie er sich wohl zwischen meinen Beinen anfühlen würde? Vielleicht sollten wir das Gespräch nicht mehr allzu sehr ausdehnen. Gepflegte Konversation war offenbar nicht Felix´ große Vorliebe. Sein Lieblingsthema war jedenfalls nicht meins. Ich ging joggen und gut. Selbst die Werte auf Steffens Stoppuhr an seinem Handgelenk waren mir meist ziemlich egal.

Glücklicherweise war Saskia auch für ein paar andere Themen zu haben, wenn auch auf einem eher mittleren Niveau. Als ich ein paar Anspielungen auf die Geschichte des Habsburgerreiches machte (die mich als Historikerin bei diesem Besuch in Wien natürlich interessierte), schien sie nicht so recht zu verstehen, wovon ich sprach. Also ließ ich das Thema wieder fallen. Die Frau war mir trotzdem sympathisch – und allein das zählte hier.

Allerdings stellte ich mir die Frage, wie sympathisch mir Felix eigentlich war. Sympathisch genug, um Sex mit ihm zu haben?

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