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Wie verführt man einen reichen Griechen?

1. KAPITEL

Theron Anetakis wühlte resigniert im Stapel an Unterlagen, den seine Sekretärin ihm auf den Schreibtisch gelegt hatte. Den einen oder anderen Brief las er genauer und sortierte ihn auf den Stoß mit den wichtigen Dokumenten, andere landeten direkt im Mülleimer.

Theron leitete seit Kurzem das New Yorker Büro der Anetakis-Gruppe. Doch die Übernahme verlief nicht ohne Komplikationen. Eine Angestellte der Firma hatte geheime Hotelentwürfe an einen Mitbewerber verkauft. Jetzt musste Theron das Büro mit seinen Brüdern Yannis und Periklis komplett umkrempeln und neues Personal einstellen. Die Übeltäterin, Yannis’ ehemalige Assistentin, hatte sich schuldig bekannt und saß jetzt im Gefängnis. Es war schwierig, wieder jemandem den uneingeschränkten Zugang zu vertraulichen Firmendaten anzuvertrauen. Theron entschied sich schließlich, seine Londoner Sekretärin nach New York zu holen. Sie war eine zuverlässige ältere Dame, die schon lange für ihn arbeitete und der Firma gegenüber sehr loyal war. Doch nach dem Debakel mit ihrer Vorgängerin fiel es den Anetakis-Brüdern selbst bei der alten Dame schwer, ihr vorbehaltlos zu vertrauen.

In New York wartete ein riesiger Stapel an Dokumenten, Verträgen, Nachrichten und E-Mails auf Theron. Nach zwei Tagen hatte er immer noch nicht alles gesichtet, obwohl die Sekretärin bereits einen Großteil vorsortiert hatte.

Gerade wollte er einen Brief für Yannis in den Papierkorb werfen, als ihn etwas innehalten ließ. Er runzelte die Stirn, als er die Zeilen überflog. Ohne zu zögern, griff er nach dem Telefon und tippte die Nummer seines Bruders ein.

In Griechenland war es jetzt mitten in der Nacht und Yannis sicherlich im Bett. Ungeduldig wartete Theron auf das Freizeichen. Hoffentlich nahm Yannis ab, bevor das Klingeln seine Frau Marley aus dem Schlaf riss.

„Ich hoffe, es ist wichtig“, raunte Yannis statt einem Begrüßungswort. Er klang verschlafen.

Theron verzichtete ebenfalls auf Höflichkeit. „Wer zur Hölle ist Isabella?“, wollte er wissen.

„Isabella?“, fragte Yannis verdutzt. „Du rufst mich mitten in der Nacht an und fragst mich nach einer Frau?“

„Sag mir …“ Theron schüttelte den Kopf. Yannis würde Marley nie betrügen. Was immer mit dieser Frau gelaufen war, war vorher passiert. „Sag mir nur, was ich wissen muss, um sie loszuwerden“, erwiderte Theron gereizt. „Ich habe hier einen Brief, in dem sie dir aus ihrem Leben erzählt, unter anderem von ihrem Uni-Abschluss.“ Theron verzog geringschätzig den Mund. „Mein Gott, Yannis. Ist sie nicht ein bisschen zu jung für dich?“

Ein Schwall griechischer Schimpfwörter ertönte. „Wie kannst du so etwas denken, kleiner Bruder?“, fragte Yannis eisig. „Ich bin verheiratet. Da läuft nichts mit irgendeiner Isabella!“ Dann schien ihm etwas einzufallen. „Bella! Natürlich!“, rief er. „Nachts kann ich einfach nicht klar denken.“

„Ich frage noch einmal: Wer ist diese Bella?“, erwiderte Theron ungeduldig.

„Caplan. Isabella Caplan. Du erinnerst dich bestimmt.“

„Die kleine Isabella?“, fragte Theron verblüfft. Nie wäre er auf sie gekommen, hätte Yannis nicht den Nachnamen erwähnt. Vor seinem geistigen Auge blitzte das Bild eines schlaksigen Mädchens mit Zöpfen und Zahnspange auf. Seit damals hatte Theron sie ein paarmal gesehen, ohne sie wirklich wahrzunehmen. Isabella war recht schüchtern und hielt sich meist im Hintergrund. Das letzte Mal hatte Theron sie beim Begräbnis seiner Eltern gesehen. Vor lauter Kummer hatte er sie kaum beachtet. Wie alt mochte sie damals wohl gewesen sein?

Yannis lachte. „Sie ist jetzt kein kleines Mädchen mehr, sondern eine intelligente junge Frau mit Uni-Abschluss.“

„Aber warum schreibt sie dir?“, wollte Theron wissen. „Herrgott, ich dachte, sie wäre eine frühere Geliebte, und wollte nicht, dass Marley es erfährt.“

„Danke, dass du um meine Frau besorgt bist, aber dazu besteht kein Grund“, erwiderte Yannis trocken. „Unsere Verpflichtung gegenüber Bella hatte ich ganz vergessen“, sagte er dann seufzend. „Ich war so mit Marley und unserem Kind beschäftigt.“

„Welche Verpflichtung? Und warum weiß ich nichts davon?“

„Unser Vater war ein langjähriger Freund und Geschäftspartner von Isabellas Vater. Vater hat versprochen, sich um das Mädchen zu kümmern, wenn seinem Freund etwas zustößt. Da nun beide tot sind, habe ich das Versprechen eingelöst und mich ihrer angenommen.“

„Dann solltest du wissen, dass sie in zwei Tagen nach New York kommt“, erklärte Theron.

Yannis fluchte. „Ich kann Marley jetzt nicht allein lassen.“

„Natürlich nicht“, entgegnete Theron schnell. „New York unterliegt jetzt meiner Verantwortung. Ich kümmere mich darum. Isabella gehört wohl zu den Problemen, die ich durch den Bürowechsel geerbt habe.“

„Bella macht sicher keine Probleme, sie ist ein nettes Mädchen. Unterstütze sie bitte und sorge dafür, dass es ihr an nichts fehlt. Sie darf ihr Erbe erst antreten, wenn sie fünfundzwanzig wird oder heiratet. Bis dahin fungiert unsere Firma als Treuhänder. Da du Anetakis International in New York vertrittst, bist du sozusagen ihr Vormund.“

Theron stöhnte. „Warum habe ich das Büro nicht Periklis überlassen?“

Yannis lachte. „Das ist doch keine große Sache. Es wird nicht lange dauern, bis sie Fuß gefasst hat und alles hat, was sie braucht.“

Isabella Caplan hatte kaum die Sicherheitskontrolle am Flughafen passiert, als sie ihren Namen auf einem Schild entdeckte. Ein Mann in Uniform hielt es in die Höhe.

Sie winkte ihm kurz zu und bahnte sich einen Weg durch die anderen Reisenden. Von der Seite traten unauffällig zwei Männer heran und flankierten sie. Der Chauffeur sah ihren erstaunten Blick und lächelte. „Willkommen in New York, Miss Caplan. Ich bin Henry, Ihr Fahrer, und diese Herren gehören zum Sicherheitspersonal von Mr. Anetakis.“

„Ach so“, erwiderte Isabella steif. „Guten Tag.“

„Ihr Gepäck wird direkt zum Hotel geliefert“, sagte Henry und schob sie zum Ausgang.

Vor der Tür parkte eine dunkle Limousine. Einer der Leibwächter hielt Isabella die Tür auf, während der andere mit Henry vorn Platz nahm. So viel zum Thema Privatsphäre, dachte Isabella und hätte sich am liebsten unsichtbar gemacht.

Sie lehnte sich zurück und versuchte die Fahrt durch die Stadt zu genießen. Immer wenn Isabella in New York war, übernachtete sie im Imperial Park. Das Hotel gehörte den Anetakis-Brüdern, und Yannis reservierte für sie jedes Mal eine Suite. Oft war Isabella aber noch nicht hier gewesen.

Der Aufenthalt in New York hatte eigentlich ein kurzer Zwischenstopp auf dem Weg nach Europa sein sollen. Aber eine kurze Notiz von Theron Anetakis hatte all ihre Pläne über den Haufen geworfen. Er hatte sie darüber informiert, dass er von nun an ihre Angelegenheiten betreute und sie in New York treffen wollte, um sicherzustellen, dass sie für die Reise gut vorbereitet war.

Theron wusste es noch nicht, doch die Reise war abgesagt. Isabella würde in New York bleiben … so lange wie nötig.

Die Limousine hielt vor dem Hotel, und Isabella stieg aus. Einer der Sicherheitsleute begleitete sie zu ihrer Suite.

Kaum zehn Minuten später wurde das Gepäck hereingetragen, zusammen mit einem großen Strauß Blumen und einem Korb voller Obst und Naschereien.

Erschöpft ließ sich Isabella auf die Couch fallen und streifte die Schuhe ab. Im selben Moment klopfte es an der Tür. Seufzend erhob sich Isabella und öffnete. Ein Hotelpage überreichte ihr einen großen, cremefarbenen Umschlag.

„Eine Nachricht von Mr. Anetakis.“

Isabella zog eine Augenbraue hoch. „Welcher Mr. Anetakis?“

Der junge Mann wirkte irritiert. „Theron.“

Lächelnd bedankte sich Isabella und schloss die Tür. Sie drehte den Umschlag um und fuhr sachte mit dem Finger über die Schrift auf der Vorderseite. Isabella Caplan. Hatte er es selbst geschrieben? Obwohl sie sich albern vorkam, hob sie den Umschlag an die Nase und roch daran. Da war er, dezent, aber unverkennbar: sein Duft. Sie erkannte ihn sofort wieder. Offenbar benutzte Theron noch immer dasselbe Aftershave.

Vorsichtig öffnete sie den Umschlag und zog die Karte heraus. Therons Handschrift wirkte männlich. In knappen Worten bestellte er sie für den nächsten Morgen in sein Büro. Isabella musste lächeln. Sein Ton war noch genauso arrogant, wie sie ihn in Erinnerung hatte. Er sprach mit ihr wie mit einem kleinen Kind. Yannis hatte letztes Mal immerhin persönlich nach ihr gesehen. Damals war sie gerade erst achtzehn gewesen, trotzdem hatte Yannis eine Nanny für sie engagiert.

Sollte Theron die Bedingungen ruhig vorgeben. Umso überraschter würde er sein, wenn Isabella die Spielregeln änderte. Theron war der wahre Grund für ihre Reise. Bis vor Kurzem hatte er noch in England gewohnt. Erst als Yannis mit seiner frisch angetrauten Frau Marley auf eine griechische Insel gezogen war, war Theron nach Amerika zurückgekehrt.

Jetzt konnte Isabella die Reise getrost absagen und sich ganz darauf konzentrieren, Theron zu verführen.

Sie ließ sich auf die Couch sinken und legte die Füße auf den Beistelltisch. Die Zehennägel waren knallrot lackiert, an ihrem Knöchel funkelte ein silbernes Fußkettchen.

Theron war in den letzten Jahren noch attraktiver geworden. Sein jugendlicher Charme war attraktiver Männlichkeit gewichen. Schon als kleines Mädchen hatte Isabella davon geträumt, Theron für sich zu gewinnen. Heute war er noch begehrenswerter als früher – und Isabella verliebter als je zuvor.

Es würde nicht leicht werden. Sicher würde er sich nicht willenlos in ihre Arme stürzen. Die Anetakis-Brüder waren harte Kerle, denen viele Frauen zu Füßen lagen. Im Geschäft galten sie als gewieft, aber loyal, mit einem ausgeprägten Sinn für die Familienehre.

Als das Telefon klingelte, seufzte Isabella genervt. Sie hatte es sich gerade gemütlich gemacht.

„Hallo?“

„Miss Caplan – Isabella?“

Als sie den britischen Akzent in der Stimme hörte, erschauerte Isabella. Es war nicht Yannis, und da Periklis außer Landes war, konnte es nur Theron sein. „Ja“, antwortete sie heiser und versuchte, die Nervosität zu überspielen.

„Hier spricht Theron Anetakis. Ich wollte nur hören, ob Sie gut angekommen sind.“

„Es ist alles in Ordnung, danke.“

„Gefällt Ihnen die Suite?“

„Ja, natürlich. Es war sehr nett von Ihnen, sie für mich zu reservieren.“

„Ich musste sie nicht reservieren“, entgegnete Theron kühl. „Es ist meine Privatsuite.“

Mit wachsendem Interesse sah sich Isabella um. Es reizte sie, sich in Therons Privaträumen aufzuhalten. „Wo wohnen Sie jetzt?“, fragte sie neugierig. „Warum haben Sie Ihre Suite abgetreten?“

„Das Hotel wird gerade renoviert. Meine Suite war als einzige verfügbar. Ich schlafe vorübergehend in einem anderen Zimmer.“

Isabella lachte. „Ich hätte auch woanders schlafen können, Sie hätten nicht extra ausziehen müssen.“

„Für ein paar Tage ist das in Ordnung“, erwiderte er. „Sie sollen es vor Ihrer Europareise bequem haben.“

Beinah hätte Isabella ihm verraten, dass sie gar nicht nach Europa fuhr. Doch sie wollte ihn nicht vorwarnen. Er würde es schon noch erfahren – allerdings erst, wenn es zu spät war, sie umzustimmen. Verschmitzt lächelte sie. „Ich habe Ihre Anweisungen erhalten.“

Durch die Leitung vernahm sie einen unterdrückten Fluch. „Es war eher als Bitte gedacht, Miss Caplan.“

„Bitte nennen Sie mich Isabella. Oder Bella. Früher sind wir nicht so förmlich miteinander umgegangen, aber das ist ja schon einige Jahre her. Ich erinnere mich aber noch gut an Sie.“

Theron schwieg, dann sagte er: „Also gut … Bella. Worüber haben wir gerade gesprochen?“

Obwohl er höflich blieb, merkte sie, dass er das Gespräch so schnell wie möglich beenden wollte. Isabella lächelte amüsiert. Wenn er wüsste … „Wir haben über den strengen Ton Ihrer Nachricht gesprochen.“

„Es war eine Bitte, Bella“, erwiderte er geduldig.

„Und ich werde ihr gern nachkommen. Sollen wir zehn Uhr sagen? Ich bin müde und würde gern ausschlafen.“

„Natürlich, ruhen Sie sich aus. Sie können gern auf Kosten des Hauses das Abendessen aufs Zimmer bestellen.“

Isabella hatte nichts anderes erwartet und würde ihm sicher nicht widersprechen. Die Anetakis-Brüder nahmen ihre Verpflichtungen sehr ernst. „Wir sehen uns morgen“, sagte sie.

Theron verabschiedete sich und legte auf.

Übermütig schlang Isabella die Arme um sich und lachte. Sie würde diesen Besuch unvergesslich machen.

Theron lehnte sich im Stuhl zurück und ließ den Blick über die Skyline von New York schweifen. Er hatte den ganzen Morgen mit Meetings und Telefonaten verbracht und kaum Zeit zum Durchatmen gehabt. Beim Blick auf die Uhr verzog er den Mund. Isabella Caplan traf in wenigen Minuten ein.

Es war ein Kommen und Gehen. Isabella würde schon bald wieder nach Europa abreisen, und in ein paar Wochen kam Alannis aus Griechenland zu Besuch. Theron war froh, Isabella bald wieder los zu sein. Er würde sich darum kümmern, dass sie gut versorgt war und ein Angestellter sie in London vom Flughafen abholte. Seine Sicherheitsleute würden ständig ein Auge auf sie haben.

Alannis hingegen … Alannis und er waren enge Freunde. Sie verstanden sich prächtig, und Theron konnte sich durchaus mehr vorstellen. Nachdem er das Büro in New York übernommen hatte, war es Zeit, sesshaft zu werden. Er hatte das Thema mit Alannis vor ein paar Wochen ganz offen besprochen.

Sie beide würden ein gutes Paar abgeben. Alannis stammte aus einer wohlhabenden griechischen Familie, Freunde von Therons Vater. Alles passte zusammen, und es war nur eine Frage der Zeit, bis sie sich näherkamen. Alannis würde ihm Freundschaft und Kinder schenken, er ihr Sicherheit und Geborgenheit.

Ja, es war wirklich Zeit, eine Familie zu gründen. Yannis’ Frau Marley wollte die Insel in Griechenland nicht verlassen, also würde Theron aller Voraussicht nach für immer in New York bleiben.

Ein Klopfen an der Tür ließ ihn aufschauen. Therons Sekretärin Madeline streckte den Kopf durch die Tür. „Sir, Miss Caplan ist hier.“

„Bringen Sie sie herein“, sagte er unwirsch.

Angestrengt versuchte Theron, sich Isabellas Gesicht in Erinnerung zu rufen. Ein junges Mädchen mit großen Augen, schlaksigen Beinen und Zahnspange tauchte vor seinem geistigen Auge auf. Wie alt sie jetzt wohl war? Sie hatte gerade die Uni abgeschlossen – müsste sie dann nicht um die zweiundzwanzig Jahre alt sein?

Als die Tür aufschwang, sprang Theron auf und rang sich ein kleines Lächeln ab. Er wollte sie nicht gleich verschrecken.

Doch nachdem er ein paar Schritte auf die Tür zu gemacht hatte, blieb er wie vom Donner gerührt stehen. Vor ihm stand kein kleines Mädchen, sondern eine umwerfend schöne Frau. Theron stockte der Atem.

Kokett lächelte Isabella ihn an, aber er brachte keine Reaktion zustande. Wie ein unreifer Teenager starrte er sie an. Isabella trug hautenge Jeans, die tief auf der Hüfte saßen. Das Oberteil war bauchfrei geschnitten und schmiegte sich wie eine zweite Haut um ihre üppigen Kurven. Ein Funkeln über dem Hosenbund erregte Therons Aufmerksamkeit. Sie trug doch nicht etwa ein Piercing?

Als Theron bemerkte, dass er Isabella anstarrte, löste er den Blick mit Gewalt von ihrem Bauch und sah ihr ins Gesicht. Dunkles Haar fiel in sanften Wellen über ihre Schultern. Lange Wimpern betonten die leuchtend grünen Augen. Ein leises Lachen spielte um ihre vollen Lippen und entblößte ebenmäßige Zähne. Während sie den Mund verzog, vertieften sich die Grübchen in ihren Wangen.

Dies war eine gänzlich andere Isabella, als Theron sie in Erinnerung hatte. Keine Spur mehr von dem unscheinbaren, blassen Mädchen. Ein Mann musste schon blind sein, um sie zu übersehen. „Was haben Sie denn an?“, rutschte es ihm heraus.

Isabella lächelte ihn amüsiert an. Dann blickte sie an sich hinab und strich mit den Händen über die Hüfte. „Ich glaube, das nennt man Jeans.“ Ihre Stimme war rau.

Die Ironie der Antwort brachte Theron noch mehr aus dem Konzept. „Hat Yannis Ihnen erlaubt, so herumzulaufen?“

Isabella lachte, und beim Klang ihrer Stimme bekam Theron eine Gänsehaut. Ihr Lachen klang warm und fröhlich, und er wollte es unbedingt noch einmal hören.

„Yannis bestimmt nicht, was ich anziehe.“

„Er ist – war Ihr Vormund“, erwiderte Theron. „So wie ich jetzt.“

„Rechtlich gesehen nicht“, entgegnete sie. „Sie erweisen meinem Vater lediglich einen Gefallen und verwalten sein Erbe, bis ich verheiratet bin. Aber Sie sind nicht mein Vormund. Ich bin bisher sehr gut allein zurechtgekommen, auch ohne Ihre Hilfe.“

Theron musterte die selbstbewusste junge Frau. „Verheiratet? Dem Testament nach dürfen Sie das Erbe erst mit fünfundzwanzig antreten.“

„Oder wenn ich heirate“, korrigierte Isabella ihn sanft. „Wenn es nach mir geht, heirate ich vorher.“

Unweigerlich malte sich Theron die möglichen Horrorszenarien aus. „Wer ist er? Ich werde Nachforschungen über ihn anstellen. Sie müssen in Ihrer Position äußerst vorsichtig sein. Das Erbe wird einen Haufen Männer anlocken, die nur an Ihrem Geld interessiert sind.“

Wieder lächelte Isabella. „Es ist schön, Sie wiederzusehen, Theron. Ich hatte eine angenehme Reise, und die Suite ist toll. Wir haben uns lange nicht gesehen, aber ich habe Sie sofort wiedererkannt!“

Sie hatte recht, Theron war wirklich unhöflich und hatte sie nicht einmal begrüßt. „Es tut mir leid, Isabella“, sagte er und ging auf sie zu. Er nahm sie an den Schultern und drückte ihr links und rechts einen Kuss auf die Wange. „Es freut mich, dass Sie eine angenehme Reise hatten und Ihnen die Suite gefällt. Möchten Sie etwas trinken, ehe wir die Reisepläne besprechen?“

Isabella lächelte und schüttelte den Kopf. Mit sinnlichem Hüftschwung ging sie hinüber zum Fenster. Die engen Jeans betonten ihre fantastische Figur. Theron musste den Blick mit Gewalt von ihr losreißen.

In dem Moment sah er etwas zwischen Hose und Oberteil aufblitzen. Irritiert riskierte Theron einen zweiten Blick. Das musste ein Irrtum sein! Doch als Isabella sich zum Fenster lehnte, schob sich das Oberteil ein wenig nach oben, und Theron erhaschte einen kurzen Blick auf ein Tattoo. Angestrengt versuchte er, das Motiv zu erkennen. Yannis hatte seine Rolle als Vormund wohl nicht sehr ernst genommen. Steckte Isabella etwa in Schwierigkeiten? Sie war tätowiert und sprach von Hochzeit.

Theron schloss für einen Moment die Augen und massierte sich die Nase. Leichte Kopfschmerzen machten sich bemerkbar.

„Sie haben eine tolle Aussicht“, sagte Isabella.

Theron sah ihr in die Augen, um sich nicht von ihrem Dekolleté ablenken zu lassen. Diese Frau war wirklich umwerfend. „Brauchen Sie noch Hilfe für Ihre Europareise?“, fragte er höflich.

Isabella schob die Hände in die Hosentaschen und lehnte sich ans Fenster. „Ich fahre nicht nach Europa.“

Theron blinzelte verwirrt. „Wie bitte?“

Sie lächelte wieder. „Ich habe mich dazu entschlossen, nicht nach Europa zu fahren.“

Theron fuhr sich mit der Hand über die Stirn und verfluchte Yannis im Stillen dafür, dass er ihm Isabella überlassen hatte. „Hat das irgendetwas mit Ihrem Wunsch nach einem Ehemann zu tun?“, fragte er angespannt. „Sie haben noch nicht gesagt, wer es ist.“

„Weil es noch niemanden gibt“, erklärte sie schlicht. „Ich habe nicht gesagt, dass ich bereits einen Mann habe, sondern dass ich heiraten möchte, bevor ich fünfundzwanzig bin. Bis dahin habe ich noch gute drei Jahre Zeit, und Sie müssen noch niemanden überprüfen.“

„Warum fahren Sie dann nicht nach Europa? In Ihrem Brief haben Sie es doch angekündigt.“

„Ich habe den Brief nicht selbst geschrieben“, erklärte sie ruhig. „Yannis hat jemanden engagiert, der meine Ausbildung überwacht. Dieser Mann hat Yannis von meiner Reise erzählt. Ich habe meine Pläne inzwischen geändert.“

Theron legte eine Hand in den Nacken. Die Kopfschmerzen drohten, sich in eine handfeste Migräne zu verwandeln. „Was haben Sie dann vor?“ Theron graute es beinah vor der Antwort.

Isabella lächelte strahlend. „Ich miete mir eine Wohnung, hier in der Stadt!“

Im letzten Moment gelang es Theron, seinen Protest hinunterzuschlucken. Wenn sie hierblieb, musste er sich um sie kümmern.

Auf einmal erschien eine Hochzeit gar nicht mehr so abwegig. Sie war immerhin zweiundzwanzig Jahre alt. Das war zwar jung für eine Hochzeit, aber nicht unmöglich. Vielleicht sollte er einen Mann für sie suchen, der ihr Sicherheit und Beständigkeit bot. Der Gedanke schien verlockend.

„Ich muss jetzt los“, meinte Isabella plötzlich. „Ich muss noch eine Wohnung suchen.“

Die Vorstellung, dass Isabella allein in einer fremden Stadt umherirrte, behagte Theron nicht. Sie könnte in ein gefährliches Viertel geraten, und er war für sie verantwortlich. Wenn sie hierblieb, musste er ein eigenes Sicherheitsteam für sie zusammenstellen. Er konnte es sich nicht leisten, dass sie entführt wurde so wie Marley damals. „Mir wäre es lieber, wenn Sie nicht allein losziehen“, sagte er streng.

Isabellas Miene hellte sich auf. „Es ist wirklich nett von Ihnen, mich zu begleiten. Sie kennen sich in der Stadt viel besser aus als ich.“

Theron öffnete den Mund, um das Missverständnis aufzuklären. Doch die Freude, die sich auf Isabellas Gesicht spiegelte, ließ ihn verstummen. Aus der Nummer kam er nicht mehr heraus. „Natürlich begleite ich Sie. Ich möchte schließlich, dass Sie etwas Passendes finden. Meine Sekretärin wird ein paar Objekte aussuchen, die wir uns ansehen. Passt Ihnen morgen Vormittag? Sie können so lange in der Suite bleiben wie nötig.“

Isabella runzelte die Stirn. „Es ist mir unangenehm, Sie auszuquartieren.“

Theron schüttelte den Kopf. „Kein Problem. Yannis besitzt hier ein Penthouse, in dem ich wohne. Jetzt, wo ich hierbleibe, muss ich mir auch bald eine Wohnung suchen.“

In ihren Augen blitzte es bei seinen Worten kurz auf. „In diesem Fall nehme ich das Angebot gern an. Und morgen früh passt wunderbar. Sollen wir zusammen Mittag essen?“, fragte Isabella arglos.

„Wenn Sie mögen“, antwortete Theron kurz angebunden. Er hatte sich von diesem zierlichen Mädchen komplett überrumpeln lassen. Normalerweise war er nicht so leicht zu manipulieren. Isabella wirkte jedoch so erleichtert, dass er nicht widersprach.

Sie lief auf ihn zu und umarmte ihn. „Danke!“, flüsterte sie in sein Ohr und drückte sich kurz an ihn.

Theron erwiderte die Umarmung, und Isabella schmiegte sich in seine Arme, sodass er jede ihrer verlockenden Kurven spürte. Flüchtig fuhr er mit der Hand über die Stelle, wo er das Tattoo vermutete. Er wollte unbedingt wissen, was es darstellte.

Schließlich löste er sich aus der Umarmung. „Meine Limousine bringt Sie zurück ins Hotel.“

Isabella drückte ihm einen Kuss auf die Wange und wandte sich zum Gehen. „Danke, Theron. Bis morgen früh!“

Theron legte die Hand an die Wange und ließ sich in den Schreibtischstuhl fallen. Noch vor zwei Tagen hatte er Yannis vorgeworfen, sich mit einer viel zu jungen Frau einzulassen. Und heute ließ er sich von einer bezirzen. Das war wirklich peinlich. Es war einfach zu lange her, dass er mit einer Frau zusammen war.

Schnell rief er Madeline herein und bat sie, Besichtigungstermine für einige Wohnungen zu vereinbaren. Wenn nichts Passendes dabei war, könnte Isabella in Yannis’ Penthouse wohnen.

In einer Woche würde Alannis anreisen. Bis dahin wollte Theron seinen Schützling loshaben. Eine Frau war schon anstrengend genug, und es würde sicher Ärger geben, wenn er seiner zukünftigen Verlobten keine ungeteilte Aufmerksamkeit widmete.

Vielleicht konnte Alannis ihm aber auch helfen. Gemeinsam würden sie Isabella einigen Männern vorstellen – nachdem Theron sie überprüft hatte.

Auch das war eine prima Aufgabe für Madeline: Theron bat die Sekretärin, eine Liste mit geeigneten Junggesellen zusammenzustellen, mit Hintergrundinformationen und einer Pro-und-Contra-Liste. Amüsiert schaute Madeline ihn an, als er ihr diesen Auftrag erteilte, sagte jedoch nichts dazu.

Theron lehnte sich in seinem Stuhl zurück und faltete die Hände im Nacken. Es würde nicht lange dauern. Er würde eine Wohnung und einen Mann für Isabella finden und sich dann wieder seinen eigenen Hochzeitsvorbereitungen widmen.

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