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Wie verführ ich einen Millionär?

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Sara Orwig

Wie verführ ich einen Millionär?

Für den Ölmillionär Matt Ransome gibt es nur eine Lösung: Die schöne, aber arme Olivia soll auf sein Anwesen in Texas ziehen. Den Himmel auf Erden hätte sie bei ihm. Aber weder mit teuren Geschenken noch mit einem Ausflug auf seiner weißen Jacht kann Matt die selbstbewusste Olivia für seine Idee begeistern. Denn sie will keinen Luxus, sondern einen Mann! Und wenn es um die Ehe geht, ist Matt vorsichtig. Bis Olivia ihm etwas bietet, das sich selbst ein Millionär nicht kaufen kann …

1. KAPITEL

Sie war ein Männertraum.

Die brünette Kellnerin hinter dem Tresen hatte genau das Aussehen, dem kein Mann widerstehen konnte. Beim Anblick ihrer vollen Lippen und ihres sinnlichen Hüftschwungs dachte jeder Mann an Sex. Ihr flacher Bauch ließ niemanden auf den Gedanken kommen, dass sie im dritten Monat schwanger war. Ein enges rotes T-Shirt und zu Shorts abgeschnittene Jeans, so sah die Kellnerinnen-Uniform im „Two-Steppin’ Ribs“ aus, und die Shorts brachten ihre langen, schön geformten Beine bestens zur Geltung.

Es war zehn Uhr an einem Samstagabend. Die männlichen Besucher der verräucherten Bar in Texas ließen die Kellnerin keine Sekunde aus den Augen, während sie Drinks vom Tresen holte und servierte.

Matthew Ransome war sicher, dass Olivia Brennan an bewundernde Männerblicke gewöhnt war. Sie würde nicht bemerken, dass auch er sie beobachtete, während sie gerade einen Gast in der benachbarten Sitzecke bediente.

Es war ohrenbetäubend laut. Drei Country-Musiker spielten live, und auf der Tanzfläche herrschte dichtes Gedränge.

Matt jedoch interessierte sich nur für Olivia.

Er hatte Rippchen bestellt, in aller Ruhe gegessen und dazu ein kühles Bier getrunken. In diesem Zeitraum hatte ein Dutzend Männer einen Annäherungsversuch bei ihr unternommen. Manche ergriffen ihre Hand, andere tätschelten ihr den Po. Doch sie befreite sich jedes Mal geschickt, wich den nach ihr greifenden Händen aus oder schob sie einfach weg. Offensichtlich war sie es gewohnt, sich gegen plumpe Annäherungsversuche zu wehren.

Sicher bekommt sie jeden Abend eindeutige Angebote, überlegte Matt. Er staunte, wie ruhig und ernsthaft sie die ganze Zeit über blieb. Den Gästen gegenüber war sie höflich und lächelte, doch dieses Lächeln war flüchtig. Er hatte sich ein völlig anderes Bild von ihr gemacht.

Einige der Anwesenden kannte er. Pug Mosley zum Beispiel, den Inhaber der Bar. Er flirtete unverhohlen mit seiner Kellnerin und strich ihr im Verlauf des Abends sogar einige Male über den Po. Einmal fuhr Olivia ihn wütend an, doch Pug grinste nur und erwiderte schulterzuckend etwas, bevor er mit seinem typischen Watschelgang davonzog.

Fast wäre Matt Olivia zu Hilfe geeilt, als sie sich gegen ihren Chef zur Wehr setzen musste, doch er hatte sich fest vorgenommen, sich im Hintergrund zu halten. Vor einer Woche hatte er einen Privatdetektiv auf Olivia angesetzt, und daher wusste er, dass es seit seinem Bruder Jeff keinen anderen Mann in ihrem Leben gegeben hatte.

Er hatte großes Vertrauen in den Privatdetektiv, dennoch konnte er kaum glauben, dass eine so attraktive Frau wie sie nicht ständig wechselnde Partner hatte.

Jeff hatte sich mit vielen zwielichtigen Gestalten herumgetrieben und kaum jemals eine Frau mit nach Hause gebracht, um sie seiner Familie vorzustellen. Auch Olivia, die von Jeff schwanger war, sah Matt an diesem Tag zum ersten Mal.

Wieder probierte es jemand bei ihr mit plumper Anmache. Ihre Antwort fiel so kühl und knapp aus, dass Matt selbst aus der Entfernung genau zu wissen glaubte, was sie erwidert hatte. Allmählich war er nicht mehr so überzeugt davon, dass diese Frau sich leicht erobern ließ. Jeff hat sie alle rumgekriegt, dachte er, aber außer ihm haben es bei Olivia Brennan bestimmt nicht viele geschafft.

Sein Respekt vor ihr wuchs.

Weit nach Mitternacht hantierte Olivia endlich hinter dem Tresen, ohne von Gästen umlagert zu sein. Matt stand auf und ging quer durch die Bar auf sie zu.

Erst als er direkt vor ihr stehen blieb, sah sie auf und blickte ihn mit ihren großen grünen Augen an. Matt fühlte sich plötzlich benommen. Er war froh, dass auch Olivia einen Moment verunsichert wirkte.

Die Anziehung und ein gewisses Knistern zwischen ihnen waren so spürbar wie ein Sog im Meer. Die Bar und die Gäste nahm Matt kaum noch wahr. Es gab nur noch die Frau vor ihm mit ihren ausdrucksvollen grünen Augen. Ein unbändiges Verlangen nach ihr überkam ihn.

Ihre vollen Lippen glänzten, und Matt spürte die sinnliche Ausstrahlung ihres Körpers. Kein Wunder, dass sein Bruder sich mit ihr eingelassen hatte und dass die männlichen Gäste sie mit Blicken verschlangen.

Sekunden verstrichen, und beide verharrten reglos. Dann atmete Olivia tief durch und wandte sich ab.

„Warten Sie.“ Matt streckte die Hand aus. „Ich bin Jeffs Bruder Matt.“

Sie zog die Augenbrauen zusammen. „Das mit Ihrem Bruder tut mir leid“, stellte sie nüchtern fest, ohne ihm die Hand zu geben, und ging vom Tresen weg.

„Ich muss mit Ihnen reden.“ Matt holte sie ein. „Wann haben Sie hier Schluss?“ Olivia Brennan sah ihn kurz an, und er entdeckte Ärger in ihrem Blick.

„Hören Sie, Jeff und ich haben uns schon vor einiger Zeit getrennt. Ich habe keine Ahnung, wieso Sie hier sind. Zwischen Jeff und mir war überhaupt nichts mehr.“

Ihre tiefe Stimme war so sexy wie alles an ihr.

„Da ist immer noch das Baby“, rief Matt ihr in Erinnerung. „Ich bin der Onkel dieses Kindes, also werden Sie ein paar Minuten für mich erübrigen müssen.“

Olivia biss sich auf die Unterlippe. Ihre makellosen Zähne schimmerten perlweiß. Fast hätte Matt vergessen, wieso er mit ihr sprechen wollte.

„Ich kann mir nicht vorstellen, was Sie wollen. Es gibt nichts zu bereden.“ Sie schüttelte den Kopf. „Mit Ihrer Familie bin ich fertig. Ich möchte keinen von Ihnen mehr sehen.“ Unvermittelt beugte sie sich zu ihm und senkte die Stimme. „Wenn Sie glauben, ich würde mein Baby aufgeben, dann täuschen Sie sich gewaltig!“ Sie straffte die Schultern und wollte weitergehen.

Was unterstellte sie ihm! Matt trat ihr in den Weg. „Ich bin mit diesem Kind verwandt, also können Sie mich nicht einfach so wegschicken. Ich will mit Ihnen reden, wann immer es Ihnen passt. Aber wenn Sie nicht wollen, können wir diese Unterhaltung auch in einen Gerichtssaal verlegen.“

Wütend richtete Olivia sich kerzengerade auf. Als sie tief einatmete, musste Matt sich beherrschen, um nicht auf ihre Brüste zu starren.

„Wir machen erst um zwei Uhr zu. Früher komme ich hier nicht weg.“

„Dann warte ich.“

„Also schön, um zwei auf dem Parkplatz.“ Sie sprach jetzt in gelassenem Ton, doch ihr Blick verhieß nichts Gutes.

„Einverstanden. Und in der Zwischenzeit könnten Sie mir einen Kaffee bringen. Ich sitze dort hinten.“

Sie nickte nur und ging fort. Matt konnte nicht anders, er musste einfach auf ihren Po sehen.

Plötzlich blieb Olivia stehen und warf ihm über die Schulter einen Blick zu.

Ertappt! Matt presste die Lippen aufeinander. Wenigstens will sie kein Geld von mir, dachte er. Eigentlich erstaunlich. Genau damit hatte er gerechnet, als Jeff ihm von ihrer Schwangerschaft erzählt hatte.

„Verdammt, Jeff!“, stieß Matt leise aus und dachte voller Wut und Kummer an seinen waghalsigen jüngeren Bruder, dem sein abenteuerliches Leben zum Verhängnis geworden war, als er beim Bergsteigen im Himalaja tödlich verunglückte.

Matt wartete ab, bis die Bar geschlossen wurde, und ging dann zum Angestelltenparkplatz. Eine einzelne Laterne tauchte die kiesbestreute Fläche in ein trübes gelbliches Licht. Am Himmel zeigte sich die schmale Sichel des Mondes, und der warme Südwind fuhr Matt durch das dichte schwarze Haar. Drei alte verbeulte und zerschrammte Autos waren hier abgestellt. Verärgert ließ Matt den Blick über den einsamen Parkplatz schweifen. Jenseits der beleuchteten Fläche erstreckte sich wildes Buschwerk, und nirgendwo schien es irgendeine Überwachung durch Sicherheitskameras zu geben. Dies war kein Ort, an dem sich eine Frau nachts um zwei allein aufhalten sollte.

Er wartete, bis Olivia als Letzte aus der Bar kam und hinter sich abschloss. Langsam ging er auf sie zu. Sie stand da, die Hände in die Hüften gestemmt, und sah ihn abwartend an.

„Jeff und ich haben uns getrennt. Also gibt es zwischen Ihnen und mir nicht viel zu besprechen.“

„Sie erwarten ein Kind von ihm. Er hat mir gesagt, er sei sicher, dass es von ihm ist.“

„Das ist es allerdings.“

Matt verstand nicht, wieso sie ihm gegenüber so feindselig reagierte. „Jeff sagte mir, Sie hätten keinerlei Familie und seien ganz allein auf der Welt. Ich will Ihnen doch nur helfen.“

„Danke, ich verzichte. Sie schulden mir nichts, und ich kann mich auch allein um mein Baby kümmern.“ Entschlossen strich Oliva sich das glänzende lange Haar nach hinten.

„Wieso wollen Sie es sich und Ihrem Baby eigentlich unnötig schwer machen?“

„Jeff hat jede Verantwortung für dieses Kind von sich gewiesen. Wenn Sie es genau wissen wollen, hat er gesagt: ‚Ich will weder von dir noch von dem Kind jemals wieder etwas hören.‘ Alles klar?“ Durchdringend sah sie Matt in die Augen. „Er fand, ich hätte besser aufpassen sollen, und damit hatte er recht. Ich möchte durch nichts und niemanden mehr an Jeff erinnert werden.“ Damit wandte sie sich ab und ging auf ihr Auto zu.

Matt verkniff sich eine zornige Erwiderung. Es schmerzte ihn, zu hören, dass Jeff nichts von seinem eigenen Kind hatte wissen wollen. Er lief Olivia nach und stellte sich ihr erneut in den Weg.

„Lassen Sie mich vorbei.“

„Ich will doch nur mit Ihnen reden. Ein paar Minuten haben Sie sicher noch für mich übrig.“

Sie holte tief Luft, und wieder musste Matt mit sich kämpfen, um ihr nicht auf die Brüste zu starren.

„Also schön, aber nur kurz.“ Olivia verschränkte die Arme vor der Brust und hob angriffslustig das Kinn.

„Dieses Baby wird in seiner Generation das einzige in unserer Familie sein.“

„Wieso? Können Sie keine Kinder zeugen?“

„Die Ehe ist nicht mein Ding. Ich werde niemals heiraten.“

„Na und? Das hat Ihren Bruder auch nicht gehindert. Außerdem war es ihm egal, ob dieses Baby der letzte Spross seiner Familie ist. Die Zukunft seiner Familie schien ihn nicht sonderlich zu interessieren.“

Aus ihren Worten hörte Matt Verbitterung heraus. Er sah ihre geballten Fäuste, und erst jetzt erkannte er, wie tief der Abgrund zwischen Olivia und Jeff gewesen sein musste.

„Haben Sie nicht noch einen Bruder und eine Schwester? Können die nicht für Nachkommen sorgen?“

Matt zuckte mit den Schultern. „Eines Tages vielleicht. Nick und Katherine führen beide ein unstetes Leben, und es sieht nicht so aus, als würden sie in absehbarer Zeit sesshaft werden.“

„Genau wie Jeff“, stellte Olivia verbittert fest.

„Keiner von uns ist so wild, wie Jeff es war“, fuhr Matt sie an. „Jeff hat sich genommen, was immer er wollte, und er hat sich für unbesiegbar gehalten. Leider hat sich gezeigt, dass er sich getäuscht hat.“ Er seufzte. „Ich möchte Ihnen doch nur helfen.“

Entschieden schüttelte Olivia den Kopf. „Falls Sie vor Gericht gehen, um mir mein Baby wegzunehmen, dann werde ich Sie mit allen Mitteln bekämpfen.“

„Könnten Sie mir vielleicht mal zuhören?“ Obwohl er vor Wut fast platzte, gelang es ihm, völlig ruhig zu sprechen.

Olivia hob fragend die Augenbrauen. „Also schön, ich höre zu, aber machen Sie’s kurz.“

Am liebsten hätte Matt sie bei den Schultern gepackt und sie geschüttelt, damit sie Vernunft annahm. „Ich nehme an, als Kellnerin verdienen Sie nicht sonderlich viel. Deshalb möchte ich mich finanziell um Sie und das Baby kümmern.“

„Ich brauche Ihre Hilfe nicht. So, Ende der Unterhaltung. Sie haben als Onkel keinerlei Rechte, und wenn Sie vor Gericht ziehen wollen, nur zu. Dieses Risiko bin ich bereit einzugehen. Mischen Sie sich nicht in mein Leben ein. Ihr Bruder war ein Mistkerl. Und jetzt gehen Sie mir aus dem Weg.“ Sie stieg ein, knallte die Tür zu und verriegelte sie sofort. Knatternd sprang der Motor an. Olivia setzte aus der Parklücke zurück, wendete und wirbelte beim Anfahren den Kies auf.

„Verdammt!“ Matt ballte die Hände zu Fäusten, marschierte entnervt zu seinem Pick-up, stieg ein und fuhr in Richtung Rincon. Er wusste, dass sie dort am Stadtrand wohnte. Ein letztes Mal wollte er noch versuchen, vernünftig mit ihr zu reden, bevor er seinen Anwalt anrief. So eine sture Frau!

Jeff hatte also nichts mit seinem Baby zu tun haben wollen. Matt biss die Zähne zusammen, während er über seinen kleinen Bruder nachdachte. Sein Vater hatte als Alleinerziehender sein Bestes getan, aber er hatte ihnen allen zu viel durchgehen lassen. Jeff als Jüngster der vier Geschwister war hoffnungslos verwöhnt worden.

Matt erreichte das Vorstadtviertel. Vor den kleinen Häusern standen alte Autos, die Vorgärten waren ungepflegt. Er kam bei Olivias Haus an, und in dem Moment tauchte auch ihr Wagen auf.

Sie bog in ihre Auffahrt, stieg mit einer Einkaufstüte im Arm aus und ging auf den Eingang zu.

Als sie Matt auf sich zukommen sah, warf sie ihm nur einen flüchtigen Seitenblick zu. „Wir haben uns bereits alles gesagt, was es zu sagen gibt.“ Sie drängte sich an ihm vorbei und stieg die unebenen Stufen zur Veranda hinauf. Matt folgte ihr und trat so dicht neben sie, dass er den Zigarettenrauch, der noch in ihrem Haar hing, wahrnahm.

„Bitte gehen Sie“, forderte Olivia ihn auf.

„Seien Sie doch nicht so stur. Sie erwarten den jüngsten Spross der Ransomes und können jede Unterstützung gebrauchen. Also hören Sie sich an, was ich Ihnen anbieten möchte. Vielleicht lassen Sie sich ja eine Million entgehen.“

Sie hob die Augenbrauen. „Ach ja? Tue ich das?“

Erstaunt nahm er den leicht belustigten Tonfall wahr. „Lassen Sie uns hineingehen und dort weiterreden.“

Als sie ihn zögernd ansah, glaubte er bereits, sie werde ihn nicht ins Haus lassen, doch dann streckte sie auffordernd den Arm aus und ließ ihn eintreten.

Sie warf ihre Handtasche auf das Sofa und sah Matt angriffslustig an. „Setzen Sie sich.“

„Wie lange wohnen Sie schon hier?“ Er blickte sich um, dann setzte er sich auf einen alten Sessel, dessen geblümter Bezug stark verblichen war. Auf dem Sofa lag eine Decke, und Matt vermutete, dass sich darunter Löcher verbargen.

„Fast ein Jahr.“

Er beugte sich vor und stützte die Ellbogen auf die Knie, während er zusah, wie Olivia sich die Schuhe abstreifte. „Ich weiß, dass Sie studieren. Sie haben keine Angehörigen, jobben in einer Bar und riechen nach Zigarettenrauch. Diese Arbeit kann weder für Sie noch für das Baby gesund sein.“

„Ich versuche bereits, einen Job zu finden, in dem ich genauso gut verdiene wie in dem jetzigen. Das Two-Steppin’ Ribs zahlt gut, weil die Bar mitten im Nirgendwo liegt.“

„Wie viele Kurse haben Sie dieses Semester belegt?“

„Zwei. Das sind sechs Stunden. Ich studiere Jura.“

„Sie sind noch Studienanfängerin, stimmt’s?“

„Das wissen Sie doch sicher ganz genau. Sie denken wahrscheinlich, ich sei mit zweiundzwanzig für eine Studienanfängerin bereits zu alt, aber das geht Sie nichts an.“ Sie machte es sich auf dem Sofa bequem.

Matts Blick wanderte zu ihren Beinen. Er versuchte, sich darauf zu konzentrieren, was er ihr sagen wollte, aber mit seiner körperlichen Reaktion auf Olivia kam er nicht zurecht. „Also gut.“ Er atmete tief durch. „Folgender Vorschlag: Sie studieren weiter, kündigen den Job und ziehen zu mir auf die Ranch.“

„Niemals! Offensichtlich glauben Sie, nur weil ich in einer Bar arbeite, sei ich leicht rumzukriegen, aber ich steige bestimmt nicht mit Ihnen ins Bett, um mein Studium finanziert zu bekommen.“ Wutentbrannt sprang Olivia vom Sofa auf.

„Setzen Sie sich wieder“, erklärte Matt in einem so strengen, kühlen Ton, dass sie der Aufforderung sofort Folge leistete. „Ihr Körper interessiert mich nicht.“ Sobald er es aussprach, wusste er, dass es gelogen war. Doch er konnte sich beherrschen und sich einreden, Olivia nicht zu begehren. Er war fest entschlossen, sich niemals wieder gefühlsmäßig auf eine Frau einzulassen. „Ich bezahle Ihnen das Studium“, wiederholte er, „damit Sie diesen Job aufgeben können. Ich werde mich um Sie und das Baby kümmern. Ich bezahle die Arztbesuche, die Medikamente …“

„Kein Mensch ist so selbstlos. Was versprechen Sie sich davon?“

Er blickte ihr in die grünen Augen und kam zu der Überzeugung, dass alles an dieser Frau einen Mann an Sex denken ließ. „Ich möchte nur sicher sein, dass mein Neffe oder meine Nichte gut versorgt ist.“ Es gelang ihm zwar, nicht ihren Körper anzustarren, aber er schaffte es nicht, an etwas anderes als Sex mit ihr zu denken. „Sie sollen Zeit und Geld haben, damit Sie sich um sich und das Baby kümmern können. Ich bezahle Ihr Studium, und dafür wird Ihr Baby zu einem Teil unserer Familie. Mein Dad hatte bereits einen Herzinfarkt, und ich will, dass er sein einziges Enkelkind kennenlernt.“

„Wenn Ihnen so viel daran liegt, Ihren Vater zum Großvater zu machen, dann sollten Sie Ihre Haltung zur Ehe noch mal überdenken.“

„Ich war schon einmal verheiratet und weiß daher, dass das nichts für mich ist.“ Er weigerte sich, dieses Thema zu vertiefen.

„Was ist passiert? Hatte Ihre Frau genug davon, für Sie den Befehlsempfänger zu spielen?“

Matt unterdrückte seinen Ärger. „Ihr Baby wird der einzige Nachkomme der Ransomes sein. Mein Dad wird nicht jünger und sehnt sich nach einem Enkel. Ich schätze, er hatte die Hoffnung darauf bereits aufgegeben, aber nun ist sie neu geweckt worden.“

Olivia biss sich auf die Unterlippe.

Matt betrachtete ihren Mund, und hatte Mühe, sich auf ihr Gespräch zu konzentrieren. „Was lässt Sie zögern? Mal abgesehen von Ihrer Unabhängigkeit.“ Er sah sich um. „Das hier ist ja nicht gerade ein Palast. Ihr Job ist anstrengend und bringt wenig ein. Sie arbeiten in schlechter Luft und werden von Männern belästigt. Ich kann mir gut vorstellen, was Sie im Verlauf eines Abends alles zu hören bekommen.“

„Und Sie werden mich nicht belästigen?“ Es klang spöttisch.

„Nein, das werde ich nicht“, antwortete er nüchtern und versuchte vergeblich, die erotischen Bilder aus dem Kopf zu verscheuchen. „Sie wissen selbst, dass Sie eine attraktive Frau sind, aber für mich sind Sie wie eine Verwandte“, versicherte er, obwohl er da keineswegs sicher sein konnte, und wischte sich unauffällig den Schweiß von der Stirn. War es im Zimmer wirklich so heiß?

„Worauf wollen Sie hinaus?“ Olivia musterte ihn von Kopf bis Fuß. „Auf mich machen Sie den Eindruck eines Mannes, der immer bekommt, was er will.“

„Ich kümmere mich um meinen Dad und unsere drei Ranches, und mein Dad soll sein Enkelkind sehen. Mehr nicht. Das ist doch nicht so schwer zu begreifen.“ Leider war ihm sehr bewusst, dass er mit dem Feuer spielte, wenn er Olivia in seine Familie aufnahm.

„Da muss es noch um mehr gehen als nur um mein Baby.“

„Ich schwöre Ihnen, ich sage die Wahrheit.“

„Mir ist klar, dass mein Job nicht ideal ist, und ich sehe mich bereits nach einem anderen um.“ Sie winkte ab. „Meine Unabhängigkeit bedeutet mir so viel, weil sie das Einzige ist, was ich habe. Ich will nicht von Ihnen abhängig sein, und ich will auch nicht all das Geld zurückzahlen müssen, das Sie für mich ausgeben wollen.“

„Wenn Sie möchten, können wir einen Vertrag aufsetzen. Wenn Sie mögen, zahle ich Ihnen pauschal eine bestimmte Summe. Zurückzahlen müssen Sie mir nichts. Als Gegenleistung möchte ich Kontakt zum dem Kind meines Bruders. Das ist alles.“

Nachdenklich atmete sie tief durch, und sofort musste Matt auf ihre runden Brüste starren, die sich unter dem T-Shirt abzeichneten. Als er Olivia wieder ins Gesicht sah, runzelte sie die Stirn.

„Mir fällt es schwer zu glauben, dass Sie und Ihr Vater sich so sehr Kontakt zu diesem Baby wünschen, nachdem Jeff mich schroff zurückgewiesen hat. Deutlicher als er kann man nicht sagen, dass man keinen Kontakt mehr wünscht.“

„Wir kannten Jeffs Haltung nicht. Anscheinend war ihm die Verantwortung zu viel. Das hätte ihm ähnlich gesehen.“

„Und was passiert später, wenn ich die Ranch wieder verlassen will?“

„Das können wir uns dann immer noch überlegen. Ich hoffe, Sie bleiben bei uns, bis Sie mit Ihrem Studium fertig sind. Vielleicht haben Sie dann Gefallen an uns gefunden und vertrauen uns genug, um auf Dauer bei uns zu wohnen. Was für Pläne haben Sie denn nach dem Studium?“

„Ich will mir eine Arbeit suchen. Allerdings kann ich mich nur wiederholen. Sie sollten heiraten und selbst eine Familie gründen, wenn Sie so verrückt nach Kindern sind.“

„Es gibt ja nun ein Baby, um die Linie der Ransomes fortzusetzen, und um dieses Kind werde ich mich kümmern.“ Matt blickte ihr in die Augen, und Olivia erwiderte den Blick ungerührt. Es war ein Machtkampf, aber unterschwellig empfand er Verlangen dabei. Er fragte sich, ob sie dieselbe starke Anziehung verspürte wie er.

Falls ja, dann wünschte sie sich diese verwirrenden Gefühle sicher genauso wenig wie er. Mühsam konzentrierte er sich auf die Zukunft und das Baby, um die Lust, die er für Olivia empfand, irgendwie zu bezwingen.

„Wenn Sie vorab eine bestimmte Summe bekommen und ich Ihre laufenden Kosten decke, dann werden Sie sich nicht von mir abhängig fühlen. Wie gesagt: Wenn Sie wünschen, können wir auch einen Vertrag aufsetzen.“

„Mit Jeffs Familie möchte ich nichts zu tun haben“, beharrte sie, und Matt fragte sich, ob sie ahnte, wie viel er zu geben bereit war, um ihr das Leben angenehmer zu machen.

„Mein Angebot wird Ihnen bei der Entscheidungsfindung sicher helfen. Ich werde einen Treuhandfonds für Ihr Kind einrichten. Sie bekommen Unterkunft und Verpflegung auf der Ranch, und ich übernehme Ihre laufenden Kosten. Und zusätzlich – sagen wir – hunderttausend Dollar. Die Hälfte jetzt, die andere Hälfte in sechs Monaten. Okay?“

2. KAPITEL

Ungläubig sah Olivia Matt Ransome an. „Für so viel Geld wollen Sie nicht nur mein Baby, sondern auch mich mit Leib und Seele“, erwiderte sie kühl und stand auf. „Raus.“

„Setzen Sie sich“, befahl Matt.

Sein ruhiger, bestimmter Ton, der keinen Widerspruch erlaubte, ließ Olivia erschauern. Wortlos setzte sie sich wieder.

„Wenn Sie wollen, können Sie mit meinem Anwalt sprechen oder mit meiner Familie.“

Sie nickte nachdenklich, während sie zu begreifen versuchte, wie viel Geld er ihr anbot. Sie könnte beliebig viele Kurse belegen und den entsetzlichen Job kündigen. Es war mehr Geld, als sie jemals in der Bar verdienen würde. Ihr Herz schlug heftig, und sie bekam feuchte Hände. Fast geriet sie in Versuchung, Matts Angebot auf der Stelle zu akzeptieren. Es dauerte eine Weile, bis ihr bewusst wurde, dass er noch auf ihre Antwort wartete.

„Sie sind tatsächlich ganz anders als Ihr Bruder.“

„Das hoffe ich auch stark.“

Olivia hatte Matt Ransome schon in der Bar bemerkt, bevor er sie angesprochen hatte. Er hatte nichts von Jeffs spielerischem Charme oder seiner Unbekümmertheit. Sie schätzte, er war ein paar Zentimeter kleiner als sein Bruder. Seine Schultern wirkten breiter, und mit seinen blauen Augen und den dunklen Wimpern sah er auf eine ganz eigene Art sehr gut aus. Jeff hatte braunes Haar gehabt, Matt dagegen war schwarzhaarig.

Es verunsicherte Olivia, dass sie auf seine Nähe so stark körperlich reagierte. Das hatte sie weder bei Jeff noch bei einem anderen Mann je erlebt. Den Grund dafür konnte sie sich nicht erklären, denn Matt Ransome war viel zu herrisch, um ihr zu gefallen. Er wirkte ernst und geschäftstüchtig. Dennoch hatte der erste Blick in seine strahlend blauen Augen ihren Puls in die Höhe getrieben und ihr den Atem geraubt. Ein paar Sekunden lang war sie fest überzeugt gewesen, dass Matt ebenso in dieser prickelnden Stimmung gefangen war wie sie. Sie gestand es sich nicht gern ein, aber sie fühlte sich sehr zu ihm hingezogen.

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