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Wie ich mich (nicht) bezeichne, ist meine eigene Sache!

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Bunye Ngene

Wie ich mich (nicht) bezeichne, ist meine eigene Sache!

Zur Selbstbezeichnung von Schwarzen Menschen in Deutschland

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© 2018 Bunye Ngene

Verlag und Druck: tredition GmbH, Hamburg

ISBN

Paperback:978-3-7439-8729-6

Hardcover:978-3-7439-8730-2

e-Book:978-3-7439-8731-9

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

Danksagung

Ich bedanke mich ganz herzlich bei meinen Gesprächspartner_innen für die Bereitschaft, ihre Erfahrungen, Einsichten und Lebenswelt mit mir zu teilen.

Inhaltsverzeichnis

Danksagung

Widmung

Warum dieses Buch?

Schreibweise

Problematische Fremdbezeichnungen

Das N-Wort

Mischling / Mulatten

Farbig

Zum Begriff ‚Schwarz‘ – Eine Farbsymbolik

Die Gespräche

Stella, 30: ,,Mein Verständnis des Begriffs ist eher ein politisches. Deswegen sage ich: ‚Ich bin Schwarz.‘“

Ayo, 27: „Schwarz: Das einfachste Konzept, das schönste Konzept.“

Ifeoma, 27 - ,,Ich bin natürlich Deutsche. Aber eine Schwarze Deutsche“

Bahati, 54 - „Ich habe keine Bezeichnung für mich“

Akua, 28 - „Dunkelhäutig ist neutraler als das Wort Schwarz.“

Zuri, 51 - „Afrodeutsch. Ich habe mich wirklich gefreut, als es endlich eine Bezeichnung gab.“

Philippe, 38 - „Da ist mein Schwarzes Selbstverständnis gewachsen.“

Nelson, 31 - „Die glauben nicht, dass ich eben Schwarzer bin, weil meine Haut nicht so dunkel ist.“

Vivienne, 55 - „Ich bin eine Afro-Europäerin mit Wurzeln aus Mittelamerika.“

Anan, 28 - „Ich bin Schwarz vermischt mit Weiß. Ich bin beides.“

Timrop, 40 - „Ich sage, ich bin Afrikaner.“

Karolina, 27 - „Die sagen mir genug Gründe, warum ich nicht deutsch sein kann“

Rehema, 53 - ,,Ich kann mich so bezeichnen, wie ich will.“

Ejiofor, 31 - „Es geht eigentlich nicht so sehr um die Hautfarbe.“

Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis

Endnoten

Warum dieses Buch?

Die teilweise in den USA ansässige nigerianische Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie sagte in einem ihrer Vorträge: „I became Black in America“. Diesen Satz kann ich mir zu eigen machen, mit dem Unterschied, dass man das Wort ‚America‘ durch ‚Deutschland‘ ersetzt. Vor meiner Ankunft in Deutschland haben meine Eigennamen völlig ausgereicht, um mich zu bezeichnen. Dabei waren meine phänotypischen Merkmale gänzlich redundant. Dies änderte sich jedoch mit meiner Ankunft in Deutschland: Ich wurde Schwarz. Ich bekam eine Identität, die mit bestimmten Begriffen einhergeht, die wiederum mit bestimmten Konnotationen belegt sind. Als Nigerianer ist das Konzept der Identität bzw. der Selbstwahrnehmung kein fremdes. Mit über 500 Volksgruppen mit eigenen kulturellen und geschichtlichen Besonderheiten kann offensichtlich von einer homogenen Gesellschaft nicht die Rede sein. Die Wichtigkeit der Selbstidentität, der Selbst- und Fremdwahrnehmung ist somit ein unvermeidlicher Teil des Alltags. Selbstidentifikation bzw. Selbstbezeichnungen laufen aber vielmehr entlang der Grenzen der ethnischen und religiösen Zugehörigkeit und nicht denjenigen der Hautschattierung oder des Phänotyps. Umso bemerkenswerter war es für mich, festzustellen, dass mein Äußeres plötzlich im Vordergrund steht. So sah ich mich allmählich dazu gezwungen, mich mit dieser neuen Identität auseinanderzusetzen. Aufgrund meines sprachwissenschaftlichen Hintergrunds war es mir wichtig, diesen Sachverhalt erstmal aus dem sprachlichen Blickwickel, und zwar in Form von Bezeichnungen zu betrachten.

Denn die Benennung von Dingen, sowohl Konkretem, wie Gegenstände, als auch Abstraktem, wie Gefühle, Emotionen und Gedanken, ist für den menschlichen Alltag notwendig und erforderlich. Schließlich kann man nur sehr schwer mit dem umgehen, was keinen Namen besitzt bzw. schwierig zu bezeichnen ist. Deshalb wird alles benannt, vom neu erworbenen Hundewelpen bis hin zu der Straße, in der man wohnt, meistens ohne jegliche Einwände. Herausfordernd wird dies jedoch, wenn die Benennung von Menschen im Mittelpunkt steht. Gerade da kommt die Komplexität der Bezeichnungspraxis zum Vorschein. Da muss diversen Faktoren, wie etwa den geschichtlichen Hintergründen, den sprachlichen Akteuren und deren Wirklichkeitsvorstellungen Rechnung getragen werden. Wörter sind nämlich kein passives Gefüge von Buchstaben, sondern vielmehr aktive Vermittler für Handlungen, die Gefühle und Emotionen auf die Akteure evozieren. Bezeichnungen sind eine integrale Komposition von Sprachhandlungen. Denn Sprache, wie Nduka-Agwu/Hornscheidt feststellen, „{...} ist kein neutrales passives Medium, mit dem gesellschaftliche Wirklichkeiten ‚objektiv‘ abgebildet werden. Stattdessen stellt sie durch die gewählten Formulierungen Sichtweisen und Wirklichkeitsvorstellungen aktiv her.“i Der Politikwissenschaftler Dolf Sternberger beschreibt Sprache als „{…} die Gabe allein des Menschen, das verwirrende und befreiende, verräterische und erhellende, ausgreifende und fesselnde, lösende und bindende, selige und gefährliche Medium und Siegel seines Wesens. Soviel und welche Sprache einer spricht, soviel und solche Sache, Welt oder Natur ist ihm erschlossen. Und jedes Wort, das er redet, wandelt die Welt, worin er sich bewegt, wandelt ihn selbst und seinen Ort in dieser Welt. Darum ist nichts gleichgültig an der Sprache, und nichts so wesentlich wie die façon de parler. Der Verderb der Sprache ist der Verderb des Menschen.ii

Bezeichnungen verkörpern ja den Versuch, die Essenz einer Person oder eines Volkes auszudrucken. Und genau darin liegt die Problematik der sprachlichen Bezeichnungspraxis. In jüngster Zeit mehren sich zunehmend bestimmte Fragestellungen: Wie soll man diese oder jene Gruppe nennen? Darf man das noch sagen? Was wäre politisch korrekt? Als Antwort auf diese Fragen finden sich verschiedene Selbstbezeichnungen, die meistens im Rahmen politischer Tätigkeiten kreiert wurden, wie ‚Sinti und Roma‘ ‚Schwarze‘ oder ‚Afrodeutsche‘ usw. Es stellt sich nämlich zudem wiederkehrend die Frage: Bei welcher Partei liegt das Benennungsrecht? Wer darf wen mit welchem Wort bezeichnen?

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, wie Großbritannien und Frankreich, die auf eine deutlich längere Kolonialgeschichte zurückblicken, ist der Anteil von Menschen afrikanischer Herkunft in Deutschland relativ niedrigiii, obwohl eine steigende Tendenz zu verzeichnen ist. Aufgrund ihrer sich unterscheidenden Hautfarbtöne stechen Schwarze Menschen jedoch in der deutschen Gesellschaft unschwer hervor und sind deswegen leichte Ziele für Vorurteile, Diskriminierungen und Rassismus, die sich nicht nur physisch, sondern auch sprachlich manifestieren.

Aufgrund dessen thematisiere ich in diesem Buch die Benennungspraxis von Schwarzen Menschen und die Wichtigkeit und Wirkung dieser Praxis für und auf die Betroffenen eruieren. Konstituieren die Bezeichnungen einer Gruppe einer jeden Gesellschaft eine wirkmächtige Realität oder sind sie willkürliche Begriffe, die ohne jegliche konkrete Bedeutung für die Angesprochenen bleiben? Im Mittelpunkt dieses Buches stehen die (Selbst-)Bezeichnungen Schwarzer Menschen in Deutschland in Anbetracht ihrer kulturellen, phänotypischen und biografischen Hintergründe. Es soll diesen Menschen die Möglichkeit geboten werden, ihre subjektiven Ansichten zu diesem Thema zur Sprache zu bringen. Denn es besteht bedauerlicherweise eine lange Diskurstradition hierzulande, wenn es um Schwarze Menschen geht, nämlich die, dass man allzu oft über sie spricht, anstatt mit ihnen zu sprechen. Ich hoffe zudem, dass ich mit diesem Buch einen Beitrag zum Meinungsbildungsprozess und zur Bewusstmachung der Thematik der sprachlichen Handlung leiste.

Schreibweise

In diesem Buch benutze ich eine Schreibweise, die teilweise von der allgemeinen deutschen Rechtsschreibung abweicht. Diese Forschung versteht sich nämlich als ein Beitrag zur Sprachsensibilisierung. Somit ist ein bewusster und sensibilisierter Umgang mit bestimmten Begrifflichkeiten und Schreibweisen für diese Arbeit vonnöten. So wird bei der Darstellung sozialer Geschlechter (Gender) der Gendergap verwendet. Damit soll mithilfe eines Unterstrichs ein Platz für nicht binäre soziale Geschlechter kreiert werden.iv Ein weiterer Begriff, der bei seiner Schreibung besondere Aufmerksamkeit verdient, ist der der ‚Rasse‘. Da es in meiner Forschung teilweise um (sprachliche) rassistische Handlungen geht, ist eine Vermeidung dieses Begriffs unmöglich. Obwohl es in wissenschaftlichen Kreisen mittlerweile Konsens ist, dass es keine menschlichen ‚Rassen‘ gibt, existiert in vielen Gesellschaften immer noch der Glaube an grundlegende Unterschiede zwischen Menschen aufgrund unveränderlicher phänotypischer Merkmale. Dieser Glaube manifestiert sich dann im alltäglichen Umgang in unterschiedlichen Weisen. Es stellt sich daher die Frage, wie mit dieser Situation sprachlich umgegangen werden soll. Wenn es keine menschlichen ‚Rassen‘ gäbe, dann sei der Rassenbegriff doch obsolet und unbrauchbar, argumentiert einige Leute. An dieser Denkweise ist jedoch zu kritisieren, dass wir einen Begriff benötigen, um über die Erfahrungen von diskriminierten Personen zu sprechen. Verzichtet man komplett auf einen Begriff, der in diesem Zusammenhang eine derart wichtige Rolle spielt, besteht die Gefahr der Negierung bzw. Unsichtbarmachung besagter Erfahrungen. Um jedoch die Problematik des Begriffs zu kennzeichnen, wird er in Anführungszeichen gesetzt.

Darüber hinaus werden die Begriffe ‚Schwarz‘ und ‚Weiß‘ großgeschrieben, auch in ihren adjektivischen Funktionen. Es handelt sich nämlich hierbei vielmehr um politischen und konstruktivistischen Charakters und weniger um Hinweise auf äußerliche Merkmale.v

Die erwähnte Schreibweise beschränkt sich jedoch auf meine eigenen Formulierungen. Bei direkten Zitaten werden keine Änderungen vorgenommen.

Problematische Fremdbezeichnungen

Während meiner Gespräche mit den in diesem Buch vorgestellten Personen wurden bestimmte, im Folgenden aufgelistete Begrifflichkeiten von der Mehrheit von ihnen als abwertend oder gar rassistisch eingestuft. Diese Bezeichnungen haben in der Tat innerhalb der Gesellschaft schon für heftige Diskussionen gesorgt und gelten als höchst umstritten. Obwohl die Majorität meiner Gesprächspartner_innen die Benutzung dieser Begriffe moniert, ist es gleichermaßen wichtig zu erwähnen, dass einige wenige diese Bezeichnungen als unproblematisch betrachten und diese sogar als Selbstbezeichnungen einsetzen. Dies verdeutlicht meines Erachtens die Mehrdimensionalität und Vielseitigkeit der Bezeichnungspraxis.

Das N-Wort

Kaum ein anderer Begriff wird im Rahmen der Bezeichnungspraxis von Schwarzen Menschen in Deutschland – und vielen anderen Ländern – so kontrovers diskutiert wie das N-Wortvi. Die meisten Diskutanten heutzutage betrachten das Wort als höchst problematisch und rassistisch, sogar mit einer gewissen Abscheu, und plädieren für eine totale Verbannung aus allen menschlichen Sprachen. Andere Leute dagegen sehen darin lediglich eine antiquierte und zum Teil neutrale Begrifflichkeit, der eine unverhältnismäßige Wirkmächtigkeit zugesprochen wird, und plädieren deshalb für einen gelasseneren Umgang damit.

Das N-Wort hat seinen Ursprung in dem lateinischen Wort niger, das schwarz bedeutete. Allerdings wurde aus einer einfachen Farbbezeichnung im 16. Jahrhundert in vielen europäischen Ländern bzw. Sprachen ein rassifizierendes Wort. In dieser Zeit wurde das Wort von den Europäern als pauschale Bezeichnung für alle Afrikaner_innen eingesetzt.vii Im ausgehenden 16. Jahrhundert wurde das Wort jedoch vermehrt für Afrikaner_innen südlich der Sahara benutzt, um diese aus der hegemonialen Sicht der Europäer_innen als eine minderwertige, unzivilisierte und kulturlose Gruppe von den ,Weißen‘ Nordafrikanern, die über ein gewisses Maß an Kultur und Zivilisation verfügen würden, zu unterscheiden.viii Das N-Wort ist somit der begriffliche Ausdruck einer zuvor erfolgten rassifizierenden Klassifizierung des Menschen durch zahlreiche europäische Persönlichkeiten bzw. Wissenschaftler_innen. Dazu vertritt die portugiesische Rassismus-Theoretikerin Grada Kilomba die Ansicht, dass das N-Wort kein Synonym für „schwarz“ ist. Das N-Wort bezieht sich viel mehr auf Konzepte, die im Lauf der Zeit mit dem Begriff in Verbindung gebracht wurden: Primitivität, Tierhaftigkeit, Ignoranz, Faulheit, Schmutz, Chaos usw. Und genau diese Verbindung des N-Wortes mit den erwähnten Konzepten definiert den Rassismus. Wir verkörpern somit jeden dieser Konzepte, nicht weil sie der Realität entsprechen, sondern weil der Rassismus diskursiv ist, und nicht biologischix.

Somit besitzt das N-Wort einen begrifflichen Ursprung, der eine Trennung des Begriffs von der rassistischen ideologischen Denkweise erheblich erschwert. Arndtx sieht in vielen auch bis heute verwendeten deutschen Metaphern und Redewendungen diese rassistische ideologische Denkweise fortbestehen.

„Wenn beispielsweise schlechter Kaffee mit einer rassistischen N-Wort-Metapher bezeichnet wird, dann ist damit zweifelsfrei eine abwertende Konnotation impliziert. Wenn eine Redewendung, wie ,Dann stehst du da wie der letzte N.‘, sinnbildlich verdeutlichen soll, dass die so adressierte Person situativ ‚versagt‘, dann gilt das N-Wort als synonym für das Innehaben eines niedrigen Status und ergibt nur deshalb semantisch Sinn, weil Respekterweisung und Respektentzug an eine weiße rassistische Perspektive gekoppelt sind. Wenn eine Redewendung wie, ‚Ich bin doch nicht dein N.‘, verwendet wird, dann transportiert das N-Wort explizit die Bedeutung, ‚zum Dienen geboren zu sein‘, was unmissverständlich auf seine Verwurzelung in der Ära der Versklavung verweist.“

Anhand der genannten Redewendungen soll die Neutralität oder Harmlosigkeit des N-Worts in Zweifel gezogen werden. Die Weiterbenutzung dieser Redewendungen und Metaphern kann darüber hinaus als eine Tradierung der diesen Redewendungen immanenten rassistischen Ideologien aufgefasst werden. Das Urteilxides Amtsgerichts Schwäbisch Hall, jemanden als Rassist bezeichnen zu dürfen, der eine Schwarze Person mit dem N-Wort bezeichnet, könnte als eine Bekräftigung dieses Arguments betrachtet werden.

Mischling / Mulatten

Die im 17. Jahrhundert im Zuge der europäischen Kolonisation entstandenen Begriffe ‚Mischling‘ und ‚Mulatte‘ entstammen dem lateinischen Begriff miscere, der ‚mischen‘ oder ‚vermischen‘ bedeutet.xii Aus dem Begriff miscere wurde im Spanischen das Wort mulato (Mulatte) entwickelt. Der Begriff hängt mit dem Wort ‚Maultier‘ zusammen. Ein Maultier, das eine Kreuzung zwischen einem Pferd und einer Eselin oder eines Esels und einer Stute ist, gilt, wie die meisten Kreuzungen aus der Tierwelt, als unfruchtbar. Solch ein Vergleich eines Kindes mit einem Weißen und Schwarzen Elternteil ist durch zwei symptomatische Gründe zu erklären, so der Rassismuskritiker Delacampagnexiii. Erstens soll so ein Vergleich verdeutlichen, dass Weiße und Schwarze zwei unvereinbaren Gattungen angehören, und zweitens trachtet so ein Vergleich danach, das Kind einer Schwarzen und einer Weißen Person zu erniedrigen, indem es in den Rang von Haustieren eingereiht wird. Der Vergleich eines Menschen mit einem Tier, mit dem Ziel zu beleidigen, hat seinen Ursprung selbstverständlich nicht in der Zeit der Aufklärung. Allerdings geschah diese Praxis nun im 17. Jahrhundert unter dem Deckmantel der Wissenschaft, was ihr eine gewisse Legitimität verlieh.xiv Auf Menschen bezogen evozieren diese Begriffe das Bild einer Verquickung von zwei Entitäten, die nicht zusammengehören. Der rassistische Charakter dieser Begriffe lässt sich zudem daran erkennen, dass diese Begriffe auf einer unterschiedlichen biologischen Kategorisierung von Menschen basieren. Weiße Kinder von Eltern unterschiedlicher europäischer Nationalitäten werden nämlich nicht als ‚Mischlinge‘ bezeichnet, wohl aber Kinder von Weißen und Nicht-Weißen Eltern.

Diese oben dargestellte rassistische historische Entwicklung beider Begriffe, namentlich ihre Entlehnung aus der Tierwelt und ihre Übertragung auf rassifizierte Menschen bildet den zentralen Grund ihrer Ablehnung bzw. Kritik seitens einiger meiner Gesprächspartner_innen. Trotz des negativen Verständnisses dieser Begriffe seitens vieler Personen mit Schwarzen und Weißen Elternteilen, werden sie von einigen jedoch als Selbstbezeichnungen eingesetzt. Ein gutes Beispiel ist die Gruppe 100prozentmulattoxv, deren Mitglieder sich ganz bewusst und offensiv mit dem Begriff Mulatto identifizieren und alle Versuche, sie als Schwarz oder Weiß zu kategorisieren, rigoros ablehnen.

Farbig

Laut der Linguistin und Afrikawissenschaftlerin Susan Arndt entstammt der Begriff ‚farbig‘ dem älteren Neuhochdeutschen farbicht „…und wird seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Anlehnung an Englisch coloured auch auf Menschen übertragen.“ Mitte des 20. Jahrhunderts erfreute sich der Begriff als eine ‚neutrale‘ Alternative zum N-Wort großer Beliebtheit in Deutschland.xvi Die Neutralität dieses Begriffs darf jedoch in Zweifel gezogen werden. Der Begriff unterstützt nämlich weiterhin die Annahme, dass der Mensch in unterschiedliche rassische Kategorien eingeteilt werden könne, in diesem Fall Weiße und Farbige.

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