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Wie ein Rudel Bluthunde

Wie ein Rudel Bluthunde …

 

Western von Pete Hackett

 

 

 

Ein CassiopeiaPress E-Book

© by Author www.Haberl-Peter.de

© der Digitalausgabe 2013 by AlfredBekker/CassiopeiaPress, Lengerich/Westfalen

www.AlfredBekker.de

 

 

Die fünf Reiter fielen ihren Pferden in die Zügel. Zu beiden Seiten schwangen sich schneebedeckte Abhänge in die Höhe. Es war Januar, und es war eisig kalt. Ausgeatmete Luft bildete in der glasklaren Luft weiße Dampfwolken. In die stoppelbärtigen, verwegenen, von der schneidenden Kälte geröteten Gesichter schlich sich so etwas wie Erleichterung. Vor ihnen lagen die Gebäude einer kleinen Ranch. Rauch stieg aus dem Schornstein des Wohnhauses senkrecht zum blauen Himmel.

"Na endlich", schnappte Sam Walker. "Dachte schon, wir würden in dieser Einöde nie mehr auf eine menschliche Behausung stoßen. Endlich ein Dach über dem Kopf, Wärme, ein anständiges Essen..."

"Oder ein Empfang mit Pulverdampf und heißem Blei!" So fuhr ihm Slim Stevens, der wegen seines überlangen Halses den Beinamen 'Turkey' erhalten hatte, dazwischen. "Vergiss nicht, dass wir auch in Wyoming gesucht werden."

Stevens war der Anführer dieses falkenäugigen Rudels. Raub und Mord ging auf das Konto der Bande. Sie kam von Montana herunter, wo sie ebenfalls vor dem Gesetz fliehen hatte müssen.

Er ließ seinen wachsam-misstrauischen Blick über die Ansammlung einiger Schuppen und Scheunen springen. Das Muhen einer Milchkuh drang aus einem flachen Stall. Alles wirkte irgendwie aufgeräumt und gepflegt. Es hatte in der Nacht geschneit. Der frische Schnee im Ranchhof war nur zwischen Ranchhaus, Brunnen, Stall und Futterscheune zertreten. Im Übrigen war die weiße Decke unberührt. Es sah nicht so aus, als würden viele Menschen diese Ranch bevölkern.

"Wir reiten hin", erklärte Stevens, zog seine dicken Fäustlinge aus, schob sie unter die Jacke und angelte das Gewehr aus dem Scabbard. Er lud durch und stellte die Waffe mit der Kolbenplatte auf seinen Oberschenkel. Seine Kumpane folgten seinem Beispiel. Es waren Kerle mit dem typisch wachsamen Blick der Gesetzlosen.

Die Pferde sanken bis zu den Knien in den Schnee ein. Unter dem Neuschnee war die alte Schneedecke gefroren. Es krachte, wenn die Hufe einbrachen. Der Pulk zog eine breite Schneise in den weichen, weißen Untergrund.

Als sie auf zwanzig Yards an die Ranch herangekommen waren, trieb ihnen eine erregte, helle Stimme entgegen – die Stimme einer Frau: "Das ist weit genug. Wer seid ihr und was wollt ihr? Ich ziele mit einem Gewehr auf euch, und seid versichert, dass ich schieße, wenn ihr euch verdächtig benehmt."

Sie sprach mit einem kehligen Akzent.

Die Kerle strafften die Zügel, die Pferde standen. Slim Stevens rief: "Wir haben uns in der Felswildnis verirrt, Ma'am, vergangene Nacht, als der Schneesturm tobte. Wir sind durchgefroren, müde und halb verhungert!"

Stevens ruckte im Sattel, das Tier unter ihm setzte sich wieder in Bewegung. Seine Kumpane trieben ihre Pferde gleichfalls an. Die Frau im Haus schwieg jetzt. Sicher war sie ratlos und unschlüssig, konnte sie sich nicht entscheiden, wie sie sich den fünf Fremden gegenüber verhalten sollte.

Sie trat aus der Tür. Sie war mittelgroß und schlank. Haar, so schwarz und glänzend wie das Gefieder eines Raben, fiel in dicken Zöpfen über ihre Schultern, ihr Gesicht war dunkel und von einer exotischen Schönheit. Sie war eine Indianerin.

Die fünf Sattelstrolche bekamen große Augen.

"Eine dreckige Squaw!", entfuhr es Tom Murphy geringschätzig. "Seit wann besitzen die Indsmen richtige Ranches? Beim Satan, hoffentlich sind die Ställe und Schuppen nicht voll von diesen roten Teufeln."

Stevens sprang vom Pferd. Er reichte Gordon Webster die Zügel und stapfte durch den Schnee auf die Frau zu, das Gewehr, das sie auf ihn richtete, ignorierend.

Auch Walker und McLaughlin saßen ab. Lauernd, die Gewehre schussbereit, sahen sie sich um.

Als der Gewehrlauf gegen seine Brust stieß, hielt Stevens an. Unbeeindruckt schob er mit einer lässigen Bewegungen die Waffe beiseite. Er schürzte die Lippen, höhnisch meinte er: "Wir wollen keinen neuen Indianerkrieg anzetteln, Lady, wir wollen uns nur aufwärmen, ein paar Stunden schlafen, etwas Anständiges essen und unseren Pferde die nötige Ruhe gönnen. Lebst du alleine hier?"

"Nein. Mein Mann ist auf der Jagd. Er wird jeden Moment zurückkehren."

Wie eine Warnung vor drohendem Unheil durchfuhr es die Frau. Sie bemerkte den erregten Puls ihrer Halsschlagader. Und sie zuckte zusammen, als sie der Fremde scharf fragte: "Wie heißt dein Mann?"

"Jack Shannon."

"Ein Weißer?"

"Ja." Die Indianerin nickte.

Verächtlich zogen sich die Mundwinkel des Banditen nach unten. "Ein Squawman. Darum also habt ihr euch hier in der Wildnis verkrochen. Euch wollten weder die Roten noch die Weißen."

"He, Slim, überlass uns die Rothaut!", rief Tom Murphy, und in seinen Augen schillerte eine wilde Gier. Er rutschte vom Pferd und näherte sich schnell.

Die Frau wollte sich herumwerfen, um ins Haus zu fliehen. Wie eine furchtbare Flut überkam sie das Begreifen, dass sie es hier mit einer Bande von skrupellosen Tramps zu tun hatte, ihr fieberndes Gehirn machte ihr schlagartig klar, dass sie in tödlicher Gefahr schwebte.

Slim Stevens reagierte gedankenschnell. Seine Hand schoss vor, erwischte sie, er schleuderte sie zurück, und sie taumelte Tom Murphy entgegen, der ihr mit einem blitzschnellen Griff das Gewehr entwand. Er warf die Waffe weit von sich. Sie versank im Schnee.

Und plötzlich war die Frau von den fünf Kerlen umringt. Sie feixten. Nur mühsam bezwang die Indianerin die aufsteigende Panik. Angst und Grauen griffen mit eisiger Klaue nach ihr. Ihre Gefühle übermannten sie. Das Unabänderliche ihrer Lage war ihr plötzlich voll und ganz bewusst. Sie befreite sich mit letzter Willenskraft von der Lähmung, die sie bannte, und stieß sich ab. Ihre einzige Chance bestand darin, ins Haus zu gelangen. Dort stand noch ein Gewehr im Schrank, und sie konnte sich vielleicht die Schufte so lange vom Leib halten, bis Jack heimkehrte. Das war ihre Hoffnung. Aber sie zerplatzte wie eine Seifenblase. Sam Walker stellte ihr das Bein. Es gelang ihr nicht, das Gleichgewicht zu bewahren. Lang schlug sie in den Schnee. Webster und Murphy zerrten sie auf die Beine.

"Hinein mit ihr!", befahl Slim Stevens. Er lachte widerlich auf. "Wir suchten Wärme, einen Stall für unsere Pferde, eine warme Mahlzeit und einen Platz, an dem wir für einige Stunden die Beine ausstrecken können. Und was finden wir darüber hinaus: Ein Weib, wie es dir nur alle Lichtjahre einmal über den Weg läuft, geschaffen, um einem richtigen Mann den Verstand zu rauben."

Sie schleppten Naomi ins Haus...

 

*

 

Es schneite wieder. In dicken Flocken fiel der Schnee. Innerhalb einer halben Stunde waren Schneewolken am Himmel aufgezogen, und nun luden sie ihre weiße Last über dem Land ab.

Jack Shannon führte das Pferd am Zügel. Auf dem Packsattel seines Reservepferdes türmten sich Felle. Am frühen Morgen war er aufgebrochen, um nach seinen Fallen zu sehen. Er tötete und häutete die gefangenen Tiere an Ort und Stelle. Jetzt freute er sich auf seine warme Stube und auf Naomi, seine Frau, mit der er vor drei Jahren in die Big Horn Berge gezogen war, um den Sommer über Vieh zu züchten, und im Winter als Fallensteller und Pelztierjäger zu arbeiten.

Es war düster. Durch das Schneetreiben war das Blickfeld begrenzt. Die Pferde waren ziemlich erschöpft. Dann konnte Jack durch den weißen Vorhang aus Flocken einen Schuppen erkennen. Gleich darauf schälte sich auch das Wohnhaus aus dem Gestöber. Hinter den beiden Fenstern herrschte Dunkelheit. Jack brachte die Pferde in den Stall. Da standen fünf Pferde, die nicht ihm gehörten. Fünf seiner Tiere fehlten allerdings.

Unruhe bemächtigte sich seiner. Irgend etwas begann im Hintergrund seines Bewusstseins zu lauern, etwas, das ihn zutiefst beunruhigte - das sich aber seinem Verstand entzog. Dunkle Ahnungen kamen auf ihn zu. Er wusste nicht, worauf sie sich bezogen. Er fühlte nur, dass sie drohend waren.

Er überließ die beiden abgetriebenen Pferde sich selbst, nahm das Gewehr und verließ den Stall. Eine weiße, unberührte Schneedecke hatte sich auf den Hof gelegt und alle Spuren ausgelöscht. Obwohl Jack fast sicher war, dass das Wohnhaus keine Gefahr mehr barg, bewegte er sich vorsichtig. Vorsicht und Wachsamkeit waren ihm in der Wildnis voll tödlicher Gefahren zur zweiten Natur geworden. Er hatte sich auf blitzartige Reaktion eingestellt.

Ungeschoren betrat er die Ranchhaus.

Naomi kam ihm nicht entgegen, so wie er es gewohnt war. Er zog die Schultern zusammen, als wehte ihn ein eisiger Hauch an.

Im Schlafzimmer fand er Naomi. Sie war tot. Ihre Kleidung war zerfetzt. Sie hatten ihr Gewalt angetan. Noch im Tod war ihr Gesicht von Grauen und Abscheu geprägt. Etwas in Jack zerbrach in dieser Stunde ...

 

*

 

Es war über ein Jahr her, dass Jack Shannon seine Frau begraben musste. Für Jack war eine Welt zusammengebrochen. Er hatte die Ranch verlassen. Ruhelos trieb es ihn kreuz und quer durchs Land. Er suchte die Mörder, um sie gnadenlos zur Rechenschaft zu ziehen. Aber er konnte ihre Spur nicht aufnehmen. Die Schufte schienen sich in Luft aufgelöst zu haben. Manches mal erschien ihm alles wie ein böser Alptraum und er hatte das Gefühl, einem Phantom hinterherzujagen. Aber er gab nicht auf.

Dann kam Jack nach Cheyenne. Es war ein regnerischer, kalter Tag Ende April des Jahres 1868. In Cheyenne endete vorläufig der Schienenstrang der Union Pazifik. Im Camp südlich der Stadt wimmelte es von Eisenbahnarbeitern aller Nationalitäten, hauptsächlich aber handelte es sich um Iren. Abenteurer, Glücksritter, Banditen und eine Reihe weiteres zwielichtiges Gesindel gaben sich in der wilden, sündhaften Town ein Stelldichein. Cheyenne war ein Sodom und Gomorrha am Ende des Schienenstrangs. Und in diesem Sündenpfuhl hoffte Jack einen Hinweis auf die Mörder Naomis zu finden.

Tief sanken die Hufe des Pferdes in den Schlamm ein. Riesige Pfützen, mit kleinen Seen vergleichbar, bedeckten die Straße. Von den Dächern und Vorbaudächern tropfte das Regenwasser. Alles hier schien nur provisorisch aufgebaut zu sein. Es war wohl so, dass sich die Geschäftemacher nur auf einen vorübergehenden Aufenthalt eingerichtet hatten. Sie zogen weiter, wenn die Union Pazifik das Camp hier auflöste, um den Schienenstrang weiter nach Westen zu treiben, im Wettrennen gegen die Central Pazifik, die ihre Gleise von Sacramento her verlegte.

In Cheyenne pulsierte wildes, ausgelassenes Leben. Heftige, bösartige Impulse durchzogen die Stadt. Jack glaubte es fast körperlich zu spüren...

Es war später Nachmittag. Der Himmel war wolkenverhangen. Die Stadt wirkte düster und grau. Hier und dort waren auf den Sidesteps Menschen zu sehen. Die Fahrbahn war wie leergefegt. Der knöcheltiefe Morast hielt die Menschen ab, sie zu betreten. Klirrende Hammerschläge trieben von der Baustelle in die Stadt. Das Pfeifsignal der Lokomotive des Bauzugs mit den Schlaf- und Salonwaggons derjenigen Männer, die hier den Ton angaben, ertönte. Die Waggons schepperten.

Jack wurde unverhohlen beobachtet. Er selbst schaute nicht nach links oder rechts. Dennoch vermittelte er Wachsamkeit und Bereitschaft. Er verströmte düstere Ernsthaftigkeit, etwas, das ihm etwas Ungewöhnliches und Gefährliches, Abweisendes und Undurchschaubares verlieh. Die tiefen Linien in seinem Gesicht zeigten an, dass Jack das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen kennengelernt hatte. Und obwohl Jack noch keine dreißig war, waren seine Augen die eines uralten und weisen Mannes, der ein Leben voller Erfahrungen hinter sich hatte.

Hotels, Saloons, Spiel- und Tanzhallen und Geschäfte, in denen man vom Hufnagel aufwärts gegen bare Münze so ziemlich alles erhalten konnte, reihten sich zu beiden Seiten der Main Street, die von Sidesteps aus groben, ungehobelten Bohlen und Vorbauten begrenzt wurde. Es gab Gassen und Seitenstraßen. Riesige Holztafeln über den Eingängen verkündeten mit riesigen Lettern, was das jeweilige Etablissement an Vergnügen zu bieten hatte.

Jack zügelte das Pferd vor einem flachen Bau, den eine Hinweistafel als Marshal's Office auswies. Er saß ab. Lose warf er die Zügelleine über den Querbalken des Holms. Das nasse Fell des Pferdes dampfte. Das Tier prustete. Jack tätschelte ihm den Hals. Dann stieg er die drei Stufen zum Vorbau hinauf. Schlamm tropfte von seinen Stiefeln. Leise klirrten Jacks Sporen.

An die Wand links der Tür waren Steckbriefe und Bekanntmachungen geheftet. Viele der Papierbögen waren alt und vergilbt. Manche waren schon derart verwittert, dass das Gedruckte kaum noch zu entziffern war.

Jack studierte die Steckbriefe mit unbewegtem Gesicht.

Dann betrat er das Marshal's Office. Hinter dem Schreibtisch saß ein Mann. Seine Füße lagen auf dem Tisch, er hatte die Hände über dem Bauch verschränkt, sein desinteressierter, fast abweisender Blick war auf Jack gerichtet.

Eine massive Gitterwand trennte den Raum in zwei Hälften. Die Hälfte hinter den Gittern war in vier kleine Zellen unterteilt. Zwei der Zellen waren belegt. Zwei heruntergekommene, verwahrlost anmutende Kerle bevölkerten sie.

"Was wollen Sie, Stranger?" So empfing der Marshal den Eintretenden, ohne seine Haltung zu verändern.

Die beiden Häftlinge starrten Jack neugierig an.

Jack blieb in der Tür stehen. Er spürte Verärgerung wegen des unfreundlichen Verhaltens des Marshals. Die scharfe Erwiderung, die er auf der Zunge hatte, verschluckte er jedoch und sagte grollend: "Mein Name ist Shannon. Ich bin hinter einer Bande von drei oder vier Mann her, Marshal, vielleicht sind es auch fünf. Es sind schmutzige Frauenschänder und Mörder. Kam irgendwann in letzter Zeit ein entsprechendes Rudel an?"

Der Marshal war ungefähr vierzig Jahre. Seine steingrauen Augen blickten hart und freudlos. Die Lektionen, die ihm diese Stadt erteilt hatte, hatten ihn verschlossen, hart und kompromisslos werden lassen. Er fixierte Jack von oben bis unten, legte den Kopf etwas schief, über seine Lippen sprang es: "Ich sah Sie ankommen, Shannon. Nachdem Sie auf den Vorbau stiegen, vergingen einige Minuten, bis Sie das Office betraten. Diese Minuten widmeten Sie sicherlich den Fahndungsmeldungen draußen an der Wand. Drei, vier oder fünf Männer!" Der Marshal lachte trocken und ironisch auf. "Es gibt in dieser Stadt und im Land Hunderte von der Sorte, auf deren Fährte Sie reiten. Wenn Sie also nicht mehr zu bieten haben..."

Der Gesetzeshüter presste die Lippen aufeinander, hob die Schultern, ließ sie wieder nach unten sacken.

"Nichts anderes habe ich erwartet", murmelte Jack. Er hatte tatsächlich nicht den geringsten Hinweis auf die Identität der Banditen. So war er auch nicht enttäuscht. "Haben Sie etwas dagegen, wenn ich mich etwas in Ihrer Stadt umsehe, Marshal?", fragte er.

Der Angesprochene schwang die Beine vom Schreibtisch, im nächsten Moment saß er gerade, seine Hände umspannten die Schreibtischkante, und es sah aus, als wollte er sich in die Höhe stemmen. Aber er blieb sitzen. Mit brechender Stimme gab er zu verstehen: "Das Gesetz bin in dieser Stadt ich, Shannon. Ich beschäftige ein halbes Dutzend Gehilfen. In Cheyenne sind Mord und Totschlag an der Tagesordnung. Wir müssen uns mit rauflustigen Bahnarbeitern herumschlagen, mit Falschspielern, mit Kerlen, denen der Sechsschüsser höllisch locker sitzt, mit Raub und Diebstahl und einer ganzen Palette von gesetzeswidrigen Dingen mehr, und ich bin nicht wild darauf, einen in der Stadt zu wissen, der sein eigenes Gesetz vertritt. Sicher, es ist ein freies Land und eine freie Stadt, und Sie sind ein freier Mann, Shannon, und so kann ich es Ihnen nicht verbieten, sich frei in Cheyenne zu bewegen. Sollten Sie aber irgendeinen faulen Zauber veranstalten, dann müssen Sie mit mir rechnen."

"Ich habe verstanden, Marshal." Jack nickte. Er spürte ganz deutlich, dass es sich bei dem Marshal um einen aufrechten und unerschrockenen Mann handelte, der uneigennützig das Gesetz vertrat, und der als zähmende Hand das nötige Format besaß, eine wilde Town wie diese nicht völlig im Strudel der Rechtlosigkeit versinken zu lassen. "Darf ich Ihren Namen erfahren?"

"Natürlich. Ich heiße Jones – Kenneth Jones." Jetzt zeigte der Gesetzesmann ein scharfes Grinsen. "Es freut mich, wenn wir uns verstehen, Shannon. Man muss in dieser Stadt hart durchgreifen. So manchen Burschen muss man regelrecht zähmen – bändigen wie ein wildes Tier. Darum lasse ich von vornherein keinen Zweifel darüber aufkommen, wie ich zu diesem oder jenem stehe."

Sekundenlang nagte Jack an seiner Unterlippe. Dann sagte er leidenschaftslos: "Es war meine Frau, die die Schufte vor über einem Jahr brutal vergewaltigten und umbrachten. Und wenn es mir gelingt, ihre Spur aufzunehmen, dann wird mich nichts und niemand aufhalten, ihr zu folgen, bis der letzte der Mörder tot vor mir liegt."

Das kantige Grinsen des Marshals war erloschen. Ein unnachgiebiger Zug hatte sich in seiner Miene Bahn gebrochen. Sein Mund war schmal und hart geworden. Die grauen stechenden Augen sagten Jack, dass er einen Mann mit einem eisenharten Willen vor sich hatte. Und jetzt erklärte der Gesetzeshüter eisig: "Sie sind weder Richter noch Henker, Shannon. Und wenn Sie zuerst schießen, werde ich Ihnen auf die Hacken steigen. Männer werden hier im Schnellverfahren abgeurteilt. Es gibt keine Möglichkeit der Berufung. Urteile werden am nächsten, spätestens übernächsten Tag vollstreckt. So ist das hier. Sie sind doch nicht nach Cheyenne gekommen um zu hängen? Wäre doch schade, nicht wahr?"

"Machen Sie sich meinetwegen keine Sorgen, Marshal", versetzte Jack ebenso kalt und abschließend. "Ich kenne das Gesetz."

Mit dem letzten Wort schwang er herum. Hinter ihm klappte die Tür ins Schloss. Er stand wieder auf dem Vorbau. Gedankenverloren schwenkte er seinen Blick die breite, schlammige Straße hinauf und hinunter. Dann ging er zu seinem Pferd ...

 

*

 

Seit zwei Tagen befand sich Jack in Cheyenne. Er begann den Marshal mehr und mehr zu verstehen.

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