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Wie Balder es schaffte, einen Blitz zu fotografieren, und es fast nicht überlebte

Über den Autor
 

Bjørn Ingvaldsen wurde 1962 in Odda/Norwegen geboren. Er war einige Jahre Journalist und arbeitete in einem Museum. Sein erstes Buch wurde 1995 veröffentlicht, seitdem hat er zahlreiche weitere Bücher geschrieben, für Erwachsene ebenso wie für Kinder und Jugendliche. Seine Titel wurden mit verschiedenen Preisen ausgezeichnet und in mehrere Sprachen übersetzt. Nach Lucy’s Song ist der vorliegende Roman sein zweites Buch im Boje Verlag.

Bjørn
Ingvaldsen

WIE BALDER
ES SCHAFFTE,
EINEN BLITZ
ZU FOTOGRAFIEREN,
UND ES FAST
NICHT ÜBERLEBTE

Aus dem Norwegischen
von Christel Hildebrandt

BASTEI ENTERTAINMENT

                      Der Lehrer stand am Fenster. Draußen regnete es. Ein Auto parkte mitten auf dem Schulhof. Ein Kleinlaster. Von der Turnhalle her kamen einige angelaufen. Sie liefen schnell, um nicht nass zu werden. Rikke legte das Buch hin, aus dem sie gerade laut vorgelesen hatte, und drehte sich zu mir um. Das tat auch der Rest der Klasse. Alle drehten sich zu mir um.

»Du bist dran mit Lesen«, sagte sie, »ab hier.«

Sie zeigte in mein Buch, das aufgeschlagen vor mir auf dem Tisch lag.

»Du bist dran«, sagte sie noch einmal laut, »lies.«

Ich schaute auf das erste Wort. Das Parlament, stand dort. »Das Parlament«. Ich öffnete den Mund, um laut vorzulesen. Der Abschnitt handelte davon, dass das Parlament alle Gesetze in Norwegen verabschiedet. Es entscheidet, was die Leute tun müssen und was sie nicht tun dürfen. Wie schnell sie fahren dürfen, wie lange sie arbeiten dürfen, wie viel Steuern sie bezahlen müssen. Es entscheidet, was die Schüler in der Schule lernen sollen, dass sie Mathe und Englischunterricht haben sollen. Und dass sie laut aus Büchern vorlesen sollen. All das bestimmt das Parlament.

Ich starrte auf das Wort und öffnete den Mund. Etwas lief mir aus der Nase. Etwas Warmes, Klebriges, es war fast süß und fast salzig.

»Ballaballa blutet«, sagte Alex. »Nasenbluten.«

»Das sehe ich«, sagte der Lehrer.

Ich beugte mich über das Buch und ein Bluttropfen fiel mitten zwischen die beiden Seiten. Das Blut lief in den Spalt zwischen den Bögen. Der Bluttropfen sah aus wie ein Baum. Ich klappte das Buch zu. Der Lehrer kam mit einem Stück Haushaltspapier, das ich mir unter die Nase hielt.

»Alles in Ordnung mit dir?«, fragte er.

Ich nickte.

Der Lehrer zeigte auf Nico hinter mir.

»Lies du«, sagte er.

Nico las laut über das Parlament. Über das Parlament und alle Gesetze. Über das Parlament, das alles entscheidet.

Ich hatte Nasenbluten.

                      Es war früh am Freitagmorgen. Mama war als Erste aufgestanden. Kurz darauf konnte ich auch Papa hören. Er war im Bad und rasierte sich. Mein ganzes Leben lang höre ich immer die gleichen Geräusche, sicher schon seit meiner Geburt. Meine Mutter, die aufsteht, aufs Klo geht, und dann in die Küche, um Kaffee aufzusetzen. Mein Vater, der kurz nach ihr aufsteht und dann den Rasierapparat vier Minuten brummen lässt. Ich gucke immer auf die Uhr. Es sind immer vier Minuten. Sicher hat er noch nie die Zeit selbst gestoppt, er weiß nicht, wie viel Zeit er braucht. Ich habe es gemacht. Papa braucht vier Minuten. Dann schaltet er den Rasierapparat aus und ruft nach mir. Ich weiß, wenn die Maschine anfängt zu brummen, dann habe ich noch vier Minuten, bis ich aufstehen muss.

»Balder!«, rief er. »Aufstehen.«

Ich trottete ins Bad. Papa stand mit der Zahnbürste im Mund da. Er putzt sich immer die Zähne vor dem Frühstück. Mama frühstückt lieber, bevor sie sich zurechtmacht.

»Gut geschlafen?«

»Uhmm«, antwortete ich.

»Das ist gut.«

Draußen vor dem Vogelhäuschen auf der Terrasse sah ich vier Spatzen. Die Gleichen wie jeden Morgen. Ich hatte ihnen Brotkrümel und Samen hingelegt. Die Spatzen wohnen in den Bäumen hinten in unserem Garten. Wenn ich zu spät mit dem Futter komme, sitzen sie auf dem Zaun und starren auf das leere Brett. Das Vogelhäuschen steht auf einem hohen Pfahl, ich muss auf einen Stuhl klettern, um mit dem Futter oben anzukommen. Es ist so hoch, damit die Katzen nicht drankommen. Sie fangen Vögel. Die Katzen. Draußen im Garten habe ich noch zwei Futterhäuschen. In das eine legen wir oft Reste vom Mittagessen. Fleisch oder Fisch. Und Gemüse. Der Trick dabei ist, nicht zu viel hinzulegen. Sonst fällt es hinunter in den Garten. Das kann Ratten anlocken. Und die wollen wir hier nicht haben, sagt meine Mutter.

Ein kleiner brauner Vogel saß auf dem Dach des Vogelhäuschens.

»Guck mal«, sagte ich zu Mama, »das ist ein Zaunkönig. Oder? Das ist doch ein Zaunkönig, nicht wahr?«

»Ich weiß es nicht«, erwiderte sie.

»Das ist bestimmt ein Zaunkönig«, sagte ich.

Mama schaute mich an, als ich losgehen wollte.

»Willst du so früh schon los?«

»Ist am besten so«, antwortete ich.

»Du gehst gern rechtzeitig los.«

Das sagt sie immer. Fast jeden Tag.

»Dein Schulbrot liegt auf der Kommode im Flur. Hast du an dein Sportzeug gedacht?«

»Wir haben heute keinen Sport.«

»Ach ja, stimmt ja …«

»Tschüs.«

»Tschüs.«

Ich ging auf den Flur und rief die Busauskunft an, um nachzufragen, ob es auch keine Veränderungen im Fahrplan gab. Es gab keine. Dann ging ich los. Ich schloss die Tür vorsichtig hinter mir, damit sie keinen Lärm machte, nicht knallte. Papa hat einmal gesagt, das sei das Unhöflichste, was er sich denken kann, wenn die Leute mit den Türen knallen. Kinder, die mit den Türen knallen. Ich schloss sie vorsichtig.

Ich musste fast eine Viertelstunde warten, bis der Bus kam. Es war ziemlich kalt, und um nicht zu frieren, hüpfte ich ein bisschen auf der Stelle. Die Bustüren glitten auseinander und ich konnte die Wärme drinnen spüren. Nancy fuhr heute den Bus.

»Da ist ja mein treuester Fahrgast«, sagte sie und lächelte mir zu. »Hast du schon lange gewartet?«

»Ja«, antwortete ich.

»Und ich tippe mal, du hast vorher kontrolliert, ob der Fahrplan auch stimmt?«

Ich nickte.

»Offenbar fährst du gern Bus«, sagte sie und lächelte erneut. »Es ist schön, dass du vorher immer mit nach Vik fährst. So früh morgens nimmt sonst niemand den Bus in die Richtung.«

Ich setzte mich auf den Sitz neben Nancy. Ganz vorn, an der Tür. Nancy nickte in den Spiegel und fuhr aus der Haltebucht heraus. Sie hatte den Fahrkartenautomaten und den Behälter mit dem Wechselgeld noch nicht an Ort und Stelle gepackt. Das macht sie immer erst während der Wartezeit in Vik. Dort steht sie, bis es an der Zeit ist, dass sie so richtig losfahren kann, um die Kinder abzuholen, die zur Schule müssen.

»Gestern musste ich Überstunden machen«, erzählte Nancy. »Der Neue ist nicht aufgetaucht, bestimmt hat er verschlafen. Stell dir vor, er hat erst vor drei Wochen bei uns angefangen. Und schon zweimal verschlafen. Zur Abendschicht. So eine Schlafmütze.«

»Eine richtige Schlafmütze«, nickte ich.

»Ich tippe mal, wenn du anfängst zu arbeiten, wirst du später so einer, der immer pünktlich erscheint. Nicht wahr, Balder, mit dir wird es keine Probleme geben?«

»Nein, mit mir wird es keine Probleme geben«, bestätigte ich.

»Und wie sieht es aus, willst du immer noch Busfahrer werden?«

»Ja, oder aber Zahnarzt.«

»Zahnarzt ist besser, du. Die verdienen viel mehr. Und sie müssen nicht im Schichtdienst arbeiten. Das ist besser als Bus zu fahren.«

»Ja, ich werde es mir überlegen.«

»Und, läuft es gut in der Schule? Hast du viele Einsen?«

»Ja, es läuft gut. Aber solche Zensuren kriegen wir noch nicht.«

»Nein, das stimmt. Ihr kriegt solche Zensuren ja nicht.«

Nancy musste bremsen. Ein Auto bog direkt vor dem Bus auf die Straße ein.

»Blödmann«, murmelte Nancy. »Der war bestimmt noch nicht ganz wach. Vielleicht hatte er ja auch keine Lust, heute zur Arbeit zu gehen.«

»Woher weißt du das?«

»Nein, das weiß ich natürlich nicht, aber ich tippe das mal. Vielleicht möchte er auch gern mit einem Bus zusammenstoßen. Dann könnte er blaumachen.«

»Blaumachen?«

»Wir hatten vor vielen Jahren mal einen bei uns, der hat das so gemacht. Er hat Busunfälle verursacht, sodass es zum Schaden kam. Und das mehrere Male. Zum Schluss haben sie herausgefunden, dass er das mit Absicht gemacht hat. Weil er keine Lust hatte, Bus zu fahren.«

»Wieso hatte er keine Lust?«

»Das weiß ich nicht. Vielleicht waren ihm das zu viele Menschen. Oder er wollte die Verantwortung nicht übernehmen. Jedenfalls musste er aufhören, als sie herausgekriegt haben, dass er das mit Absicht gemacht hat. Weg war er.«

Vielleicht ist er ja weggezogen, dachte ich, woanders hingezogen und hat dort einen Job gefunden, der ihm gefallen hat. Aber das sagte ich Nancy nicht. Sie fuhr gerne Bus. Obwohl, vielleicht fuhr sie ihn auch nur so. Ohne es wirklich zu mögen.

Nancy bremste vor einer roten Ampel.

»Baustelle«, sagte sie. »Hier soll ein neuer Kreisverkehr gebaut werden.«

»Warum das?«

»Die alte Kreuzung ist zu gefährlich. Hier gab es einen Unfall. Dabei ist jemand gestorben. Ich glaube, deshalb wollen sie es jetzt besser machen.«

»Wer ist gestorben?«

»Irgendein Tourist, glaube ich. Das ist schon ziemlich lange her.«

»Es gibt viel, was ziemlich lange her ist.«

»Ja«, nickte Nancy. »Da gibt es viel. Nur schade, dass die großen Bäume gefällt werden müssen. Die sind bestimmt schon sehr alt.«

»Und sehr hoch«, sagte ich.

»Riesig hoch.«

Es wurde grün. Ich sah ein paar Baumaschinen am Straßenrand stehen. Ein Mann hob die Hand und winkte uns zu.

»Kennst du den?«, fragte ich Nancy.

»Nein, oder vielleicht doch. Es gibt viele, die die Busfahrer grüßen, weißt du. Wir sehen viele Leute im Laufe des Tages. Und einige erkennen uns wieder. Aber viele von denen erkenne ich nicht wieder.«

»Aber mich erkennst du wieder«, sagte ich.

»Ja, dich erkenne ich wieder. Und viele der anderen, die jeden Morgen den Schulbus nehmen.«

»Vielleicht fahre ich demnächst stattdessen mit dem Fahrrad«, sagte ich.

»Da musst du aber vorsichtig sein«, sagte Nancy. »Es gibt viel Verkehr.«

»Ich habe keine Angst vor Autos.«

»Autos können aber gefährlich sein.«

»Ich habe trotzdem keine Angst.«

Doch dann überlegte ich, dass ich doch lieber nicht mit dem Fahrrad fahren wollte. Denn wenn ich Fahrrad fahren würde, hätte ich niemanden, mit dem ich reden konnte. Keine Nancy.

Wir kamen in Vik an. Nancy drehte unten am Kai eine Runde, um zu wenden. Dann warteten wir eine Weile. Und anschließend ging der Weg zurück in die Stadt. Die ersten Schüler standen gleich hinter dem Kai vor dem Busunterstand. Nancy öffnete die Tür und ließ sie herein. Mit ihnen kam kalte Luft in den Bus. Keiner von ihnen grüßte uns, obwohl sie doch jeden Morgen den Bus nahmen. Die meisten setzten sich ganz hinten hin. Es wurde etwas laut, aber nicht sehr.

»Das waren aber viele müde Gesichter«, sagte Nancy.

Sie fuhr weiter. An fast jeder Haltestelle standen Kinder, die auf den Bus warteten. Ein paar Erwachsene waren auch darunter. Leute, die zur Arbeit wollten. Eine Dame setzte sich neben mich. Sie unterhielt sich ein wenig mit Nancy. Wahrscheinlich kannten die beiden sich schon seit vielen Jahren. Zum Schluss war der Bus richtig voll. Jetzt war es auch ziemlich laut hier drinnen. Als Nancy vor der Schule anhielt, sprangen viele hinaus.

»Na, die haben es aber eilig, in die Schule zu kommen«, sagte Nancy zu der Dame neben sich. Ich wartete, bis die anderen alle draußen waren. Dann verließ ich auch den Bus.

»Tschüs«, sagte ich zu Nancy.

»Tschüs«, sagten sie und die Dame. Und dann fuhr der Bus ab.

Ich überquerte die Straße und ging durch das Tor. Die Schule war ein großes rotes Gebäude, aus Ziegelsteinen gebaut. Es war ziemlich alt, Papa war schon auf die gleiche Schule gegangen. Auf der einen Seite des Schulhofs lag die Turnhalle. Das war ein eigenes Gebäude und man musste über den Schulhof, um dorthin zu kommen. Auf der anderen Seite des Schulhofs war der Unterstand. Dort konnte man unter einem Dach stehen, wenn es regnete. Allerdings war es dann immer brechend voll dort. Bei schönem Wetter stand niemand dort, weil es nach Pisse stank. Manchmal lagen montags zerbrochene Bierflaschen unter dem Unterstand.

Ich setzte mich auf die Mauer bei den Mülleimern. Es kamen noch mehrere Schulbusse, sie blieben kurz vor dem Eingang stehen und ließen die Fahrgäste hinaus. Hinten an der Straße hielten die normalen Autos, um Schulkinder abzusetzen. Sie durften nicht ganz bis zum Eingang fahren. Die Gemeinde hatte dort eine Art Graben angelegt, über den nur Busse fahren konnten. Einige Schüler kamen auch mit dem Fahrrad. Sie stellten ihre Räder am Zaun und an den Fahrradständern hinter der Turnhalle ab. Und wieder einige kamen zu Fuß zur Schule. Das waren die, die am nächsten dran wohnten. Ich saß jeden Morgen hier und guckte, wie die anderen ankamen. Und es war immer das Gleiche. Zuerst kamen die, die den Bus nahmen. Dann kamen die, die von den Eltern gebracht wurden. Anschließend die auf dem Fahrrad. Und zum Schluss kamen die, die zu Fuß zur Schule gingen. Ziemlich viele kamen auch zu spät. Jedes Mal, wenn es zur ersten Stunde läutete, waren noch Schüler auf der Straße, und fingen dann an zu laufen. Wenn es klingelte, stand ich auf und ging zur Tür. Nicht zu schnell und nicht zu langsam. An der Turnhalle flog ein Schwarm Spatzen auf. Vielleicht hatten sie mich ja gesehen. Hatten mich wiedererkannt. Früher, als ich noch jünger war, hatte ich den kleinen Vögeln zugewinkt. Das tat ich jetzt nicht mehr. Jetzt ging ich nur ganz ruhig hinein. Ich kam eigentlich immer zusammen mit dem Lehrer an der Tür zum Klassenzimmer an. So konnte ich geradewegs hineingehen und mich setzen.

Zwei aus meiner Klasse standen direkt vor der Tür zum Mädchenklo, hielten die Klinke fest und unterhielten sich. Ich konnte hören, dass jemand von drinnen gegen die Tür klopfte. Die beiden lachten. Ich wusste, wen sie auf dem Mädchenklo eingesperrt hatten. Nico. Sie sperrten immer Nico ein. Seitdem er klein war. In der Turnhalle oder in einem der Schränke vor den Werkräumen. Oder auf dem Klo. Nico rief ihnen etwas zu, aber ich konnte nicht hören, was. Die Tür war ja zu. Auch ein paar Mädchen standen da und schauten zu. Sie wollten sicher auf Toilette. Unser Lehrer kam aus dem oberen Stockwerk die Treppe herunter. Die beiden Jungs ließen die Tür los und gingen zu unserem Klassenraum. Nico rief wieder von drinnen. Dann drückte er die Klinke runter und stellte fest, dass sie nicht mehr versperrt war. Er kam auf den Flur und stieß fast mit unserem Lehrer zusammen.

»Was hast du da drinnen gemacht?«, fragte der Lehrer.

»Nichts«, antwortete Nico.

»Das ist eine Mädchentoilette.«

»Ich habe mich geirrt.«

»Er ist eingesperrt worden«, sagte eines der Mädchen, die dabeigestanden hatten. Eine aus einer anderen Klasse. »Er ist von den beiden eingesperrt worden.« Sie zeigte auf Steffen und Krister.

»Was ist das wieder für ein Blödsinn?«, fragte der Lehrer die beiden. »Waren wir uns nicht einig darüber, dass ihr Nico in Ruhe lassen sollt? Habt ihr wieder angefangen, ihn zu ärgern?«

»Wir haben nur Spaß gemacht«, sagte Krister.

»Er hat selbst mitgemacht«, sagte Steffen, »er wollte das.«

Der Lehrer schaute Nico an.

»Ich wollte das auch«, sagte der.

»Sag mir Bescheid, wenn sie dich ärgern«, sagte der Lehrer.

»Ja, schon klar«, sagte Nico.

Aber dem Lehrer würde er niemals etwas sagen. Nie im Leben. Niemand tat das. Ich auch nicht. Obwohl ich hätte sagen sollen, dass sie Nico geärgert hatten.

Wir bekamen unsere Hefte vom Montag zurück. »Schön, Balder«, hatte der Lehrer hineingeschrieben. »Du hast gut gearbeitet.« Ich packte das Heft lächelnd in die Tasche, das konnte ich Nancy zeigen. Falls sie heute den Bus auch zurück fuhr. Wahrscheinlich würde das Nancy sein. Dem Lehrer hatte das gefallen, was ich geschrieben hatte. Und gezeichnet. Es ging um Vögel. Kleine Vögel. Nancy mag Vögel gern. Sie hat einen Wellensittich zu Hause, das hat sie mir erzählt. Mir fiel ein, dass ich wegen Verspätungen nachfragen sollte. Ob es keine Veränderungen im Fahrplan gab. Aber in der Schule waren keine Handys erlaubt. Eigentlich sollte das erlaubt sein.

Der Lehrer teilte den Plan für die kommende Woche aus. Wir sollten etwas über das Wetter und die Wetterverhältnisse erarbeiten. Jemand fragte, was das sein sollte.

»Regen, Sturm, Schnee, Ebbe und Flut, Sonne und Mond«, sagte der Lehrer.

»Mit Präsentation?«, fragte Silje.

»Genau«, nickte der Lehrer, »das steht im Plan. Die Präsentation ist die Woche darauf.«

Viele stöhnten laut.

»Ich weiß nichts über Sonne und Ebbe und Flut«, sagte Steffen.

»Das wollen wir ja gerade nächste Woche lernen«, sagte der Lehrer. »Aber vielleicht möchten einige schon jetzt über das Wochenende überlegen, worüber sie schreiben wollen? Es gibt viele spannende Themen.«

»Ich schreibe über den Regen«, sagte Krister. »Plitsch, platsch, es regnet. Ich habe keine Lust, rauszugehen. Ende.«

Viele lachten. Der Lehrer auch.

»Vielleicht solltest du ein klein wenig mehr aus deinem Thema machen«, sagte er. »Und dann werdet euch einig, wer mit wem zusammenarbeitet.«

Alle redeten durcheinander. Es endete damit, dass die meisten mit denen zusammenarbeiten wollten, mit denen sie es sowieso schon immer taten.

»Können wir auch drei in einer Gruppe sein?«, fragte Aina. »Sonst hat Lisa keinen, mit dem sie zusammen ist.«

»Ich kann es auch allein machen«, sagte Lisa.

Der Lehrer schaute mich an.

»Mit wem willst du zusammenarbeiten?«

Ich antwortete nicht. Keiner in der Klasse hob die Hand und sagte, er wolle mit mir eine Gruppe bilden, das macht nie einer.

»Ich kann es auch allein machen«, sagte Lisa wieder.

»Kann sie nicht mit Katrine und mir zusammen sein?«, fragte Aina noch einmal. »Dann muss sie nicht allein arbeiten.«

Ich schaute Lisa an.

»Okay«, sagte der Lehrer, »ihr könnt zu dritt in einer Gruppe sein. Aber dann müsst ihr besonders gut zusammenarbeiten.«

»Aber wir sollen doch erst nächste Woche damit anfangen, oder?«, fragte Krister.

»Ja, eigentlich schon, aber fürs Wochenende sind starker Regen und Gewitter vorausgesagt. Vielleicht will sich jemand davon inspirieren lassen.«

»Erst müssen wir das lernen, was dazugehört«, meinte Aina, »dann können wir unser Referat hinterher machen.«

»Dürfen wir den Computer benutzen?«, fragte Katrine. »Ich meine, für die Präsentation?«

»Ihr könnt gern Bilder für die Präsentation aus dem Internet herunterladen – für die Präsentation können wir dann den Beamer benutzen. Aber ihr müsst selbst erzählen und erklären.«

Ich überlegte, was ich machen sollte.

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