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Wettlauf zum Hauptgewinn

1. KAPITEL

Dinah umfasste den Telefonhörer fester. Ein einziges Mal in ihrem Leben schien das Glück ihr hold zu sein. Vielleicht war es doch keine so schlechte Idee gewesen, nach San Francisco zu ziehen.

Der Lottoschein, den sie in der anderen Hand hielt, war ihr aufgefallen, als sie ihre immer noch unausgepackten Kartons durchgegangen war. Sie standen in unordentlichen Stapeln in ihrem leeren Gästezimmer, seit sie vor drei Monaten von Atlanta hierher gezogen war. Im Nachhinein war ihr natürlich klar, dass es besser gewesen wäre, wenn sie die Scheine vor der Abreise kontrolliert hätte - immerhin waren einige schon bei ihrer Abfahrt Monate alt gewesen. Irgendwie war ihr nie der Gedanke gekommen, dass auf einem von ihnen tatsächlich die richtigen Zahlen standen. Wer glaubte denn schon wirklich, dass er jemals im Lotto gewinnen würde?

Trotzdem war sie wohl unbewusst optimistisch genug gewesen, um die Scheine zusammen mit all den anderen nutzlosen Dingen, die sie in ihrer Küche an den Kühlschrank gepinnt hatte, mitzunehmen, statt sie einfach in den Müll zu werfen. Und genau dieser Optimismus musste es auch gewesen sein, der sie dazu veranlasst hatte, bei der Lottogesellschaft anzurufen, um absolut sicherzugehen.

Wie seltsam, dachte Dinah, dass ich doch ein verkappter Optimist zu sein scheine. Immerhin litt ihre Familie unter dem berüchtigten Fluch der Meades.

„Wie viele Zahlen habe ich denn richtig getippt?“, fragte sie die Angestellte der Lottogesellschaft in Georgia am anderen Ende der Leitung. Mit leicht zitternden Fingern strich sie sich durch den hellblonden Pony.

Wenn sie drei von sechs Richtigen hatte, würde sie sich ein schönes Abendessen gönnen. Das wäre nett. Sie könnte Marcus dazu einladen. Und wenn sie vier Zahlen richtig getippt hatte, könnte sie sogar eine Monatsmiete davon bezahlen, was natürlich auch nicht zu verachten wäre. Und wenn sie womöglich fünf Richtige hatte - was sie sich gar nicht zu wünschen wagte, weil es zu viel des Guten wäre - könnte sie sogar ein paar Tausender zur Seite legen. Himmel, was für ein Luxus das sein würde! Ungeduldig wartete Dinah auf die Antwort.

Fast einen Kontinent entfernt von ihr erwiderte die Frau von der Georgia Lottery: „Miss Meade, ich glaube, Sie verstehen nicht ganz. Alle Ihre Zahlen waren richtig. Sie haben fünf Millionen Dollar gewonnen!“

Bums.

Dinah brauchte einen Moment, bis ihr klar wurde, dass es ihr Hörer war, der das Geräusch verursacht hatte, als er ihr aus der Hand und auf den Boden gefallen war. Sie selbst hatte sich schnell auf die Sofakante sinken lassen, weil die Knie unter ihr nachgegeben hatten. Fünf Millionen Dollar? Sie konnte es nur fassungslos wiederholen.

Fünf Millionen Dollar!

„Ja, Ma‘am. Fünf Millionen Dollar.“

Als sie die undeutliche Antwort hörte, wurde Dinah bewusst, dass sie die Summe laut herausgeschrien haben musste. Hastig bückte sie sich und nahm den Hörer auf.

„Sind Sie sicher?“, fragte sie die Frau. Und um auf Nummer sicher zu gehen, wiederholte sie die Nummern, die sie gesetzt hatte.

„Das sind die Zahlen, die gewonnen haben“, versicherte die Frau ihr. „Wir hatten schon gedacht, Sie melden sich nie. Wenn Sie am Montag bis Geschäftsschluss im Hauptquartier in Atlanta sind, bekommen Sie Ihr Geld sofort.“

Dinahs gute Laune erhielt einen empfindlichen Dämpfer. Montag. Das waren nur noch drei Tage. Und Georgia lag … nun ja, mehr als drei Tage von hier entfernt, weil sie mit der Bahn oder allein im Auto zu lange brauchte, um rechtzeitig dorthin zu gelangen. Mit dem Bus würde es sogar noch länger dauern. Aber das waren, alles in allem, die einzigen Reisemöglichkeiten, die ihr offenstanden. Auf keinen Fall würde sie in ein Flugzeug steigen.

„Ich werde rechtzeitig da sein“, sagte sie bestimmt.

Sie ließ sich genau erklären, wie sie zur Hauptniederlassung der Lottogesellschaft kam und legte dann langsam auf. Heiliger Strohsack. Sie war Millionärin! Vielmehr, sie würde es sein, wenn sie es rechtzeitig bis nach Georgia schaffte. Und dass sie es schaffen würde, hoffte sie sehr.

Millionärin, dachte sie wieder, ganz betäubt von der Vorstellung. Sie musste es jemandem sagen.

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