Logo weiterlesen.de
Wetten gegen den Tod

Robert B. Parker wurde 1932 geboren. Nach seinem M.A. in amerikanischer Literatur promovierte er 1971 über die „Schwarze Serie“ in der amerikanischen Kriminalliteratur. Seit seinem Debüt „Spenser und das gestohlene Manuskript“ im Jahr 1973 sind fast 40 Spenser-Krimis erschienen. 1976 wurde Parkers Roman „Auf eigene Rechnung“ von der Vereinigung amerikanischer Krimi-Autoren mit dem „Edgar Allan Poe Award“ als bester Kriminalroman des Jahres ausgezeichnet. Robert B. Parker verstarb 2010.

Infos zum Autor unter www.robertbparker.de

Robert B. Parker

Wetten
gegen den Tod

Ein Auftrag für Spenser

Übersetzt von Ursula Goldschmidt

PENDRAGON

1

Sommer – und das Leben war leicht für die Red Sox, denn sie hatten Marty Rabb, den besten Pitcher in der ganzen Liga. Ich war auch da: Auf einem Sitz hoch über den Tribünen trank ich Miller High Life aus einem Pappbecher, aß Erdnüsse aus der Tüte und fühlte mich wohl. Eigentlich war ich nicht hier, um mich wohl zu fühlen, sondern um zu arbeiten, aber manchmal kann man beides gleichzeitig.

Es gibt kaum einen besseren Ort als Fenway Park, um einem Baseballspiel zuzusehen. Die Tribünen sind dicht am Spielfeld, die Zäune leuchten in hoffnungsvollem Grün, und die jungen Männer in ihrem weißen Dress spielen auf richtigem Rasen: echtem, natürlichem Rasen unter einem weiten Himmel, bei Temperaturen, wie sie nur Petrus macht. Kein Tartanbelag, kein Astrodome, keine Klimaanlage. Nicht allzu viele Titel-Siege in den letzten Jahren, aber erfolgreicher als die Texas Rangers. Leben ist Anpassung. Und das Bier schmeckte.

Der beste Pitcher, den ich je gesehen hatte, war Sandy Koufax und der zweitbeste Marty Rabb. Rabb war wie Koufax Linkshänder, nur größer, und er warf einen harten angeschnittenen Ball, der sich kaum berechnen ließ. Während ich die letzte Erdnuss schälte, warf er einen solchen Ball auf Thurman Munson, und die Yankees waren für das achte Inning out. Während die Seiten gewechselt wurden, ging ich mir eine neue Tüte Erdnüsse und ein frisches Bier holen.

Die Plätze über den Tribünen waren ursprünglich 1946 gebaut worden, als die Red Sox ihren vorletzten Titel gewonnen hatten und zusätzlichen Platz für die Presse zu den World Series brauchten. Sie befanden sich auf dem Dach der Tribüne zwischen der ersten und dritten Base. Da Boston nicht jedes Jahr die World Series erreichte, wurden die Plätze später in Logen umgewandelt. Man erreichte sie durch Gänge aus Holzplanken, die über die Dachpappe und den Kies der Tribüne gelegt worden waren. Es gab ein Häuschen, wo man Erdnüsse, Bier, Hot Dogs und Programme bekam und ein weiteres mit Toiletten. Alles war durch Stege miteinander verbunden. Alles ganz entspannt und ohne lange Schlangen. Ich kehrte auf meinen Sitz zurück, als die Sox mit Schlagen dran waren, lehnte mich an und legte die Füße aufs Geländer. Die letzten Junitage, Sonne, Wärme, Baseball, Bier und Erdnüsse – Oh, Wildnis! Der einzige Misston war die Kanone an meiner rechten Hüfte, die sich mir dauernd in den Rücken bohrte. Ich rückte sie zurecht.

Ein Baseballspiel zu sehen ist, als würde man durch eine Linse schauen. Alles wirkt geschärft. Das Gras ist grüner, die Uniformen weißer, als sie eigentlich sein sollten. Vielleicht liegt es an der Konzentration, wenn man sich ganz auf das Spiel fokussiert. Vielleicht aber auch an der Gewohnheit, in den ersten Innings sechs oder acht Bier zu trinken. Wie dem auch sei – Alex Montoya von den Red Sox schlug am Ende des achten Innings einen Homerun, und im neunten fiel Rabb über die Yankees her wie ein Hackmesser über ein Lammkotelett, und damit war das Spiel aus.

Es war Mittwoch und der Besuch mäßig. Kein Geschiebe und Gedränge. Ich schlenderte ins Tiefgeschoss unter den Tribünen. Dort war es finster und schmutzig. Hunderte von Programmen lagen zusammengerollt auf dem Boden. Die Typen in den Verkaufsständen ließen schon ihre Stahlvorhänge herunter, die zuglitten wie bei einem alten Rollladenschreibtisch. Väter mit Kindern strebten dem Ausgang zu, und eine Menge älterer Männer mit kurzen Zigarren und verwitterten, irischen Gesichtern schienen keine Eile zu haben. Erdnussschalen knirschten unter den Füßen.

Draußen auf der Jersey Street wandte ich mich nach rechts. Neben dem Stadion stand ein Geschäftshaus mit einer Vorverkaufskasse hinter Glas und einer kleinen Tür, die „Boston American League Baseball Club“ verkündete. Da ging ich hinein. Drinnen eine dunkle Holztreppe, die Wände blassgrün. Oben eine weitere Tür. Dahinter ein Vorraum in demselben Blassgrün, ein dunkelgrüner Teppich und eine Empfangsdame mit drahtigem blauem Haar. „Mein Name ist Spenser. Ich möchte Mr. Harold Erskine sprechen“, sagte ich zu ihr und versuchte, wie ein junges Talent aus der Provinz auszusehen. Aber wahrscheinlich konnte ich sie nicht täuschen.

„Sind Sie angemeldet?“

„Ja.“

Sie sagte etwas in die Sprechanlage, wartete auf die Antwort und erlaubte mir dann, hineinzugehen.

Harold Erskines Büro war klein und einfach. In einer Ecke zwei grüne Aktenschränke, ein gelber Arbeitstisch gegenüber der Tür, ein kleiner Konferenztisch, zwei einfache Stühle und ein Fenster, das auf die Brookline Avenue hinausblickte. Erskine war so schlicht wie sein Büro: ein kleiner, rundlicher Mann mit Glatze. Das verbliebene graue Haar kurz geschnitten. Rosige Wangen und Patschhändchen. Irgendwo hatte ich gelesen, dass er mal in der Regionalliga gespielt hatte, aber das musste schon eine Weile her sein. Jetzt sah er wie ein Weihnachtsmann ohne Kostüm aus.

„Kommen Sie herein, Mr. Spenser. Hat Ihnen das Spiel gefallen?“

„Ja. Danke für die Karte.“ Ich setzte mich auf einen der Stühle.

„War mir ein Vergnügen. Marty ist schon ein toller Kerl, was?“

Ich nickte. Erskine lehnte sich in seinem Stuhl zurück und säuberte sich mit Daumen und Zeigefinger die Mundwinkel. „Mein Anwalt sagt, ich kann Ihnen vertrauen.“

Wieder nickte ich. Ich kannte seinen Anwalt nicht.

Erskine rieb sich die Unterlippe. „Kann ich das wirklich?“

„Kommt darauf an, was ich für Sie tun soll.“

„Können Sie mir garantieren, dass alles, was wir hier besprechen, vertraulich bleibt – egal, wie Sie sich entscheiden?“

„Ja.“

Erskine bearbeitete weiter seine Lippe. Mir kam sie sauber genug vor.

„Was hat mein Anwalt Ihnen am Telefon gesagt?“

„Dass Sie mich gern nach dem heutigen Spiel sprechen würden; es läge eine Karte für mich am Presseeingang bereit, falls ich mir das Spiel ansehen wollte.“

„Was sind Ihre Gebühren?“

„Hundert Dollar pro Tag plus Spesen. Aber diese Woche habe ich ein Sonderangebot laufen. Ich bringe Ihnen zusätzlich gratis bei, wie man einen Totschläger schwingt.“

„Habe schon gehört, dass Sie ein Witzbold sind“, sagte Erskine, aber es klang nicht begeistert.

„Hat das auch Ihr Anwalt gesagt?“

„Ja. Er hat mit einem Beamten der State Police über Sie gesprochen: mit Healy. Ich glaube, Healys Schwester ist mit dem Schwager meines Anwalts verheiratet.“

„Also gut, Erskine, Sie wissen alles über mich, was Sie erfragen können. Ob Sie mir trauen können, finden Sie nur heraus, indem Sie es versuchen. Ich besitze eine Lizenz als Privatdetektiv, war nie im Gefängnis und habe ein offenes, ehrliches Gesicht. Ich bin gewillt, eine Weile hier zu sitzen, damit Sie mich betrachten können, das schulde ich Ihnen für die Freikarte, aber schließlich werden Sie mir doch sagen müssen, was Sie wollen, oder mich bitten zu gehen.“

Erskine starrte mich immer noch an. Seine Wangen schienen noch röter, und auf seiner Unterlippe musste sich langsam Hornhaut bilden. Dann schlug er mit der flachen Hand auf den Tisch. „Okay. Sie haben recht. Mir bleibt keine Wahl.“

„Schön, erwünscht zu sein“, sagte ich.

„Sie sollen feststellen, ob Marty Rabb Beziehungen zu Spielerkreisen hat.“

„Rabb?“, fragte ich. Schnelle Antworten sind meine Spezialität.

„Richtig, Rabb. Es ist nur ein Gerücht. Vielleicht nicht einmal das. Ein Geflüster, ein schwacher Hinweis, dass Marty hin und wieder ein Spiel manipuliert.“

„Marty Rabb?“, fragte ich. Wenn ich eine gute Phrase habe, bleibe ich gern dabei.

„Ich weiß, das ist schwer zu glauben. Und ich glaube es im Grunde auch nicht, aber es ist immerhin möglich und muss nachgeprüft werden. Sie wissen, was auch nur der Schatten eines Verdachtes für Baseball bedeutet.“

Ich nickte. „Wer Rabb in der Tasche hat, kann eine Menge Geld verdienen, was?“

Schon dass ich es laut aussprach, ließ Erskine schwer schlucken. Er lehnte sich über den Tisch. „Stimmt“, sagte er. „Wenn Marty wirft, gibt es immer gute Kurse gegen die Sox. Wenn Marty also auf Ihrer Seite ist, können Sie viel Geld verdienen.“

„Aber er verliert nicht oft“, wandte ich ein. „Wie war’s im letzten Jahr? 25 zu 6?“

„Ja. Aber wenn er verliert, gibt’s einen Haufen Kies. Und selbst wenn er nicht verliert, wenn Sie nur Geld auf dem besten Inning haben. Marty könnte zur rechten Zeit ein bisschen nachlassen. Wir punkten nicht oft. Wir pitchen lediglich, verteidigen uns und sind schnell. Marty bräuchte nicht viele Würfe zu vermasseln, um zu verlieren, oder für ein Big Inning. Und wenn Sie richtig wetten, braucht er das gar nicht oft zu machen.“

„Okay, ich gebe zu, es wäre eine gute Investition, Rabbs Kooperation zu kaufen. Aber was bringt Sie auf den Gedanken, dass jemand sie hat?“

„Ich bin mir nicht sicher. Man hört manches, das an und für sich nichts bedeutet. Man sieht etwas, das allein noch nichts sagt. Sie verstehen schon: Marty versagt im falschen Augenblick gegen Reggie Jackson. Könnte jedem passieren, Cy Young zum Beispiel. Aber nach einer Weile kriegt man so ein komisches Gefühl. Und das habe ich jetzt. Vielleicht irre ich mich. Ich habe keinen Beweis, aber ich muss die Wahrheit wissen. Es geht nicht nur um den Klub. Es geht um Marty. Er ist ein fabelhafter Kerl. Und wenn auch andere Leute dieses komische Gefühl kriegen, würde es ihn vernichten. Er wäre erledigt, niemand bräuchte auch nur einen Beweis. Er könnte nicht mal fürs letzte Provinznest pitchen.“

„Einen Privatdetektiv zu engagieren, ist nicht gerade die beste Art, die Sache geheimzuhalten“, sagte ich.

„Ich weiß. Sie müssen im Verborgenen arbeiten. Selbst wenn Sie schließlich seine Unschuld feststellten, der Schaden wäre angerichtet.“

„Und da erhebt sich noch eine Frage. Was wird, wenn er schuldig ist?“

„Dann sorge ich dafür, dass er nie mehr spielen kann. Sobald die Leute sich nicht mehr auf die Ehrlichkeit des Endergebnisses verlassen können, ist das ganze Spiel erledigt. Aber erst muss ich sicher sein. Und ich wette, es ist nichts Wahres daran. Aber ich brauche Beweise, absolut vertraulich.“

„Trotzdem muss ich mit den Leuten reden. Ich muss mich im Klub aufhalten. Die Wahrheit kann ich nicht herausfinden, ohne zu fragen und zu beobachten.“

„Ich weiß. Wir müssen uns einen Vorwand ausdenken. Sie spielen nicht zufällig Baseball?

„Ich war 1946 der zweite Schlagmann der Vine Street Hawks.“

„Haben Sie jemals auf dem Schlagmal gestanden und einen gekonnten Curveball auf sich zukommen sehen?“

Ich schüttelte den Kopf.

„Ich schon. 1952 war ich mit den Dodgers beim Frühjahrstraining und Clem Labine hat mir im ersten Zwischenspiel zehn davon um die Ohren geworfen. Es half mir, ins Frontoffice zu gehen. Außerdem wären Sie auf jeden Fall zu alt.“

„Ich dachte, man sieht’s noch nicht so.“

„Ich meine doch nur, zu alt für einen Spieler.“

„Und wenn ich über das Team schreibe?“, fragte ich.

„Die Jungs kennen doch alle Reporter.“

„Nicht als Journalist, sondern als Schriftsteller. Einer, der ein Buch über Baseball schreibt. The Summer Game oder: The Boys of Summer. So in der Richtung.“

Erskine dachte darüber nach. „Nicht schlecht“, sagte er. „Nicht schlecht. Sie sehen nicht gerade wie ein Schriftsteller aus, aber wie soll so jemand schon aussehen? Also, warum nicht? Ich nehme Sie mit hinunter und sage ihnen, Sie schreiben ein Buch, werden sich ein bisschen im Klub herumtreiben und Fragen stellen. Das ist genau das Richtige. Verstehen Sie was vom Schreiben?“

„Ich habe schon mal was gelesen“, sagte ich.

„Aber können Sie sich als Schriftsteller ausgeben? Sie sehen eher wie der Rausschmeißer in einem Fitnesscenter aus.“

„Ich kann versuchen, nicht so dumm zu fragen, wie ich aussehe.“

„Gut. Schön, mir genügt das. Ich sehe keine Schwierigkeiten. Aber seien Sie um Himmels willen diskret. Diskret, ja?“

„Ich bin, wie wir Schriftsteller zu sagen pflegen, ein Musterbeispiel an Diskretion. Ich brauche also einen Presseausweis, oder was für einen Ausweis Sie sonst ausstellen. Und es wäre vielleicht gut, wenn Sie mich selbst hinunterbringen und vorstellen.“

„Ja, ich kümmer’ mich drum.“ Er sah mich an und begann wieder seine Lippe zu bearbeiten. „Das bleibt alles unter uns“, sagte er dann. „Sonst weiß es niemand. Nicht der Manager, nicht der Besitzer und nicht die Spieler, niemand.“

„Wie ist es mit Ihrem Anwalt?“, fragte ich.

„Er ist mein privater Anwalt. Hat nichts mit dem Klub zu tun. Er glaubt, ich brauche Sie für eine persönliche Angelegenheit.“

„Schön. Wann lerne ich die Mannschaft kennen?“

Erskine sah auf die Uhr. „Für heute ist es zu spät. Die Hälfte hat schon geduscht und ist weg. Wie wäre es mit morgen? Wir gehen vor dem Spiel hin und ich stelle Sie vor.“

„Dann komme ich morgen so gegen Mittag.“

„In Ordnung. Haben Sie schon einen Titel für das Buch, das Sie angeblich schreiben?“

„Ich trachte nach einem Verkaufsschlager“, sagte ich. „Wie wäre es mit Verführerischer Baseball?“

Erskine sagte, ihm gefiele der Titel nicht und ich ging nach Hause, um darüber nachzudenken.

2

Am nächsten Morgen stand ich früh auf und joggte am Fluss entlang. Unter die Tauben an der Uferpromenade hatten sich Spatzen und Grackel gemischt und in einem Sandkasten saßen zwei Meisen. Ich sah ein paar Ruderer auf dem Fluss, ein Mädchen, deren Jeans in hohen braunen Stiefeln steckten und das zwei Welsh Corgies ausführte, und einige weitere Läufer.

In der Nähe der Lagune, hinter der Konzerthalle, schlief ein Obdachloser in einem alten blauen Anzug auf einer Zeitung; auf dem Storrow Drive kam der Berufsverkehr in Bewegung. Ich wohnte immer noch am Ende der Marlborough Street und brauchte über die Fußgängerbrücke nur zehn Minuten bis zur Universität, wo ich einen Typen von der Sport-Fakultät kannte, der mich die Geräte benutzen ließ. Dort verbrachte ich eine Dreiviertelstunde mit Gewichtheben und eine halbe Stunde am Sandsack. Später kamen ein paar Studentinnen auf dem Weg in die Vorlesung vorbei und ich beendete das Training mit einem schwungvollen Haken auf den Sandsack. Sie schienen nicht beeindruckt.

Ich joggte den Weg zurück; die Sonne schien jetzt viel wärmer, der Tau auf dem Gras war verschwunden und der Berufsverkehr in vollem Gange. Um 8:55 Uhr stand ich wieder in meiner Wohnung, schweißglänzend, nach einer gesunden Durchblutung müffelnd und heißhungrig.

Ich drückte zwei Orangen aus, trank den Saft, stöpselte die Kaffeemaschine ein und ging unter die Dusche. Um 9:15 Uhr war ich wieder in der Küche, in dem rot-weißen Bademantel, den Susan Silverman mir zum Geburtstag geschenkt hatte. Er hatte kurze Ärmel und einen Golfschirm auf der Brusttasche, auf dem Label stand „Jack Nicklaus“. Jedes Mal, wenn ich ihn anzog, hatte ich das Bedürfnis „Fore!“ zu brüllen.

Die erste Tasse Kaffee trank ich, während ich mir ein Pilzomelett mit Sherry machte, und die zweite, während ich es mit arabischem ungesäuertem Brot aß und dabei die Morgenausgabe des Globe las. Hinterher stellte ich das Geschirr in die Spülmaschine, machte das Bett und zog mich an: graue Socken, graue Hose, schwarze Mokkassins und ein eierschalenfarbenes Jerseyhemd, das über und über mit kleinen roten Sechsecken bedruckt war. Ich ließ das Gürtelholster an meiner rechten Hüfte zuschnappen. Der blaue Stahl des Revolvers passte gut zu dem schwarzen Leder und der grauen Hose. Wenn ich Braun trug, biss es sich entsetzlich. Um die Kanone zu verdecken, zog ich eine graue Leinenjacke mit roten Ziernähten über und prüfte meine Erscheinung im Spiegel. Entzückend. Ein Glück, dass heute nicht Frauentag im Stadion war, sonst wäre ich vielleicht belästigt worden.

Die Sonne strahlte auf die Marlborough Street, und die Temperatur betrug schon 25 Grad, als ich zum Fenway Park hinüberschlenderte. Für Zuschauer war es noch zu früh, aber erste Zeichen eines bevorstehenden Spiels ließen sich schon entdecken. Der alte Erdnussverkäufer schob seinen Karren zum Kenmore Square, eine alte Plane über der Ware. Ein Pärchen mittleren Alters hatte einen braunen Chevy an einem Hydranten geparkt, um Luftballons zu verkaufen. Der Kofferraum stand offen und eine Gasflasche lehnte am Hydranten. Der Mann, der ein rot-blaues Tennis Visor trug, öffnete gerade einen großen Pappkarton im Kofferraum. An der Ecke zur Brooklyn Avenue und dem U-Bahn-Kiosk verkaufte ein junger Mann mit schulterlangem blondem Haar blaue Wimpel, auf denen in roter Schrift „Red Sox“ stand. Ich schaute auf die Uhr: 11:40 Uhr. Man konnte das Feld von hier nicht sehen, nur die Flutlichter, und man wusste, das Stadion war nah. Die Erinnerung, wie ich immer mit meinem Vater zu früh zu den Spielen gegangen war, um die Teams auf das Feld strömen zu sehen, überkam mich.

Ich bog in die Jersey Street und ging die Treppe zu Erskines Büro hinauf. Er war in ein Schriftstück vertieft, hatte den Stuhl zurückgekippt und einen Fuß auf der offenen unteren Schreibtischschublade. Ich schloss die Tür.

„Ist Ihnen ein neuer Titel für das Buch eingefallen, Spenser?“, fragte er. Die Lüftung an einem der Fenster brummte.

„Wie wär’s mit Tal der Schläger?“

„Verdammt noch mal, Spenser, das ist nicht komisch. Sie müssen doch antworten, wenn einer fragt.“

„Sommerbälle?“

Erskine holte tief Luft, dann schüttelte er den Kopf, als säße eine Pferdebremse darauf, gab der Schublade einen Tritt und stand auf.

„Vergessen Sie’s“, sagte er. „Los, gehen wir.“

Auf der Treppe überreichte er mir einen Presseausweis. „Tragen Sie den bei sich, er verschafft Ihnen überall Zutritt.“

Der Pförtner am Tor A trug eine blaue Mütze. „Wie geht’s, Harold?“, fragte er, als wir vorbeikamen. Verkäufer begannen, sich vorzubereiten. Ein Mann in grünem Overall lud Bierkisten auf eine Schubkarre. Wir betraten die Umkleideräume.

Der erste Eindruck war enttäuschend. Es sah wie in jeder anderen Garderobe aus: offene Spinde mit Namensschildern, jeweils ein Hocker davor. Rechts der Behandlungsraum mit Whirlpool, Massagebank, einem Glasschrank mit Einreibemitteln und einer Sammlung Bandagen. Ein Mann in weißem T-Shirt und weißer Baumwollhose tapte den linken Knöchel eines stämmigen Schwarzen, der in Unterhose auf dem Tisch saß und eine Zigarre rauchte.

Die Spieler zogen sich um. Einer von ihnen, ein untersetzter Rothaariger, rief jemandem, der außer Sicht hinter den Schränken war, etwas zu.

„He, Ray, darf ich heute wieder in den Bullpen? Da ist nämlich ’ne Braut, die mir bei jedem Punkt einen Blick unter ihren Rock gewährt.“

Eine Stimme hinter dem Schrank fragte: „Hast du letzte Woche in Detroit auch mit ihr geliebäugelt, als du den Ball verloren hast?“

„Ach komm, Ray, das kann doch jedem passieren. Ist ja selbst bei dir schon vorgekommen, als ich noch ein Kind war und dich als mein Idol angesehen habe.“

Ein großer, schlanker Mann kam hinter den Schränken hervor, die Hände in den Hosentaschen. Er war ungefähr 45, mit kurzgeschnittenem, links gescheiteltem Haar, das leichte graue Sprenkel aufwies. Die Koteletten waren abrasiert und man konnte erahnen, dass er einen Friseur aufsuchte, der hauptsächlich mit einer elektrischen Schneidemaschine arbeitete. Sein Gesicht war tief gebräunt, er trug kein Unterhemd unter der Uniform und die Adern auf seinen Armen traten deutlich hervor. Erskine winkte ihn heran. „Ray, das ist Mr. Spenser. Spenser, das ist Ray Farrell, unser Manager.“ Wir reichten uns die Hand. „Spenser ist Schriftsteller, Ray. Er schreibt ein Buch über Baseball und ich habe ihm erlaubt, sich eine Weile hier im Klub rumzutreiben, die Spieler zu interviewen und so.“

Farrell nickte. „Wie heißt das Buch, Spenser?“, fragte er.

Sommersaison“, antwortete ich. Erskine wirkte erleichtert.

„Sehr schön.“ Farrell wandte sich um. „Okay, hört mal zu. Der Mann hier heißt Spenser. Er schreibt ein Buch und wird sich mit euch unterhalten, wird sich vielleicht dabei Notizen machen. Ich wünsche, dass ihr ihn unterstützt.“ Er wandte sich wieder mir zu. „Freut mich, Sie kennengelernt zu haben, Spenser. Soll jemand Sie rundherum vorstellen?“

„Nein, danke, das mache ich schon selbst“, sagte ich.

„Na schön. Wenn ich sonst was für Sie tun kann, sagen Sie es.“ Damit verschwand er.

„Also, jetzt müssen Sie allein fertig werden. Halten Sie mich auf dem Laufenden“, sagte Erskine und ging ebenfalls. Der Schwarze auf dem Tisch rief dem Rotschopf zu: „Billy, jetzt musst du aufpassen, was du über die Weiber sagst. Vielleicht schreibt der Kerl was über dich und Sally reißt dir den Hintern auf, wenn sie es liest.“ Seine Stimme war hoch und quiekend.

„Ach, das würde sie sowieso nicht glauben.“ Der Rothaarige kam zu mir und streckte mir die Hand entgegen. „Ich heiße Billy Carter und bin Fänger, wenn der Dicke dort einen Kater hat.“ Er nickte zu dem Schwarzen hin, der vom Tisch geklettert war und sich zu uns gesellte. Er war klein und sehr breit, aber die glatte, dunkle Fettschicht an seinem Körper konnte die prallen, geschmeidigen Muskeln darunter nicht verbergen.

Ich gab Carter die Hand. „Ich habe alle Ihre Sammelkarten.“ Dann drehte ich mich um. „Sie sind West, nicht wahr?“, fragte ich den Schwarzen. Er nickte. „Haben Sie mich spielen sehen?“

„Nein“, sagte ich. „Ich kenne Sie von der Haarwasserreklame im Fernsehen.“ Er stieß ein schrilles Kichern aus. „Klar, Mann, das nehme ich immer, und in den Pausen begieße ich mich damit.“

Weiter unten rief eine Stimme: „Alle in der Liga sagen, du riechst deshalb wie eine Tunte, Holly.“

„Aber sie sagen’s mir nicht ins Gesicht“, quietschte West.

Die meisten Spieler waren jetzt fertig und gingen hinaus aufs Spielfeld. Ein kleiner, dünner Mann mit Hornbrille kam auf mich zu. „Spenser?“ Ich nickte. „Ich bin Jack Little“, sagte er. „Mache die PR für die Sox. Hal Erskine hat mir gesagt, wo ich Sie finde.“

„Freut mich, Sie kennenzulernen.“

„Wenn ich was für Sie tun kann …“

„Haben Sie die Lebensläufe der Spieler?“

„Na klar. Ich habe eine Pressemappe über jeden, die kriegen Sie in meinem Büro. Mein Mädchen wird Ihnen alle geben.“

„Wie alt ist Ihr Mädchen?“, fragte ich.

„Millie? Oh Gott, keine Ahnung. Sie ist schon lange bei uns. Man fragt eine Frau nicht nach ihrem Alter, sonst bekommt man nur Ärger, nicht wahr?“

„Wohl wahr.“

„Kommen Sie, ich bringe Sie jetzt in den Dugout. Da stelle ich Ihnen noch ein paar Spieler vor und sorge dafür, dass Sie sich hier anständig akklimatisieren, einverstanden?“

Ich nickte. „Akklimatisieren“, sagte ich.

3

Ich saß im Dugout und sah den Spielern beim Schlagtraining zu. Little saß neben mir und rauchte eine Chesterfield nach der anderen.

„Das ist Montoya“, sagte er. „War bei Pawntucket 1968 Spieler des Jahres. Hatte ’ne Schlagquote von .293 und 25 Homeruns.“

Ich nickte. Marty Rabb wärmte sich auf dem Spielfeld auf.

„Und da ist Johnny Tabor. Er ist Ersatzhitter. Sehen Sie ihn sich an. Man sollte denken, er kriegt den Schläger nicht hoch. Stimmt’s?“

„Bisschen dünn“, stimmte ich zu.

„Na ja, wir bezahlen ihn auch fürs Werfen. Immer schön durch die Mitte, wie Ray sagt. Und Tabor hat’s, stimmt’s?“

„Stimmt.“

Die Menge strömte jetzt auf die Tribünen und der Lärm steigerte sich. Die Yankees kamen aufs Spielfeld, die meisten fast noch Kinder in ihren grauen Uniformen, langes Haar unter den Kappen und Kaugummi im Mund. Viel jünger als ich damals. Was ist wohl aus Johnny Lindell geworden?

Marty Rabb kam in den Dugout, immer noch in der Trainingsjacke.

„Das ist unser Pitcher, Marty Rabb“, sagte Little. „Er war gestern dran, deshalb notiert er heute nur die Würfe.“ Ich nickte. „Ein toller Typ. Das Netteste, was Sie sich vorstellen können. Keine Launen, nicht eingebildet. Liebt das Spiel. Eine Menge Jungs wollen heutzutage bloß verdienen, verstehen Sie? Aber Marty nicht.“

Ein Mann mit dreifachem Doppelkinn trat aus dem Gang, blieb auf der obersten Stufe des Dugout stehen und sah über das Spielfeld. Sein blassblondes Haar war lang und ließ auf einen teuren Friseur schließen. Er war fett, und seine scharfe Schnabelnase sprang aus dem roten, runden Mopsgesicht hervor. Ein rotkariertes Hemd, die zwei oberen Knöpfe offen, hing wie eine Fahne über seinem massigen Bauch. Er trug eine marineblaue Hose, die sich nach unten verbreiterte, und glänzende weiße Schuhe mit Messingschnallen.

„Wer ist das?“, fragte ich Little.

„Den kennen Sie nicht? Das ist Bucky Maynard, der beste Sportreporter weit und breit. Er darf nie erfahren, dass Sie ihn nicht erkannt haben. Mann, der kreuzigt Sie.“

„Ich nehme an, er trainiert nicht oft mit der Mannschaft?“, flachste ich. Maynard zündete sich gerade eine blassgrüne Zigarre an und drehte sie dabei, um sie gleichmäßig anzustecken.

„Großer Gott, machen Sie bloß keine Bemerkungen über sein Gewicht. Der frisst Sie bei lebendigem Leibe.“

„Aber husten darf man wohl noch, während er im Stadion ist?“

„Machen Sie nur Witze. Wenn Bucky Maynard Sie nicht leiden kann, sind Sie ganz schön in Schwierigkeiten. Er kann Sie im Fernsehen fertigmachen und das tut er auch.“

„Ich dachte, er arbeitet für den Klub“, sagte ich.

„Tut er auch. Aber er ist so beliebt, dass wir ihn nicht loswerden könnten, selbst wenn wir wollten. Gott weiß, es hat Zeiten gegeben …“ Little unterbrach sich und sah sich um. Vermutete er Abhörgeräte? „Verstehen Sie mich nicht falsch, Buck ist ein fabelhafter Kerl. Er ist nur sehr stolz und es ist nicht ratsam, ihm auf die Füße zu treten. Aber natürlich ist es nie ratsam, jemandem auf die Füße zu treten? Hab ich recht?“

„Klar“, sagte ich.

Maynard kam auf uns zu, und Little stand auf. „Hallo Buck, wie geht’s?“

Maynard sah ihn wortlos an. Little schluckte und sagte: „Ich möchte dich mit Mr. Spenser bekannt machen. Er schreibt ein Buch über die Sox.“

Maynard nickte mir zu. „Spenser“, sagte er. Er sprach meinen Namen mit einem Südstaatenakzent aus, so dass er sich wie Spensee anhörte.

„Freut mich, Sie kennenzulernen“, antwortete ich. Hoffentlich nahm er mir das nicht schon übel.

„Er wird sich mit dir unterhalten wollen, Buck. Kein Buch über die Sox ohne den alten Buck, stimmt’s oder hab ich recht, Spenser?“

„Stimmt“, sagte ich. Little steckte sich eine neue Chesterfield am Stummel der alten an.

„Warum kommt ihr nicht nachher in die Kabine hinauf und seht euch etwas vom Spiel an und wie ein Fernsehteam arbeitet?“, meinte Buck.

„Danke, sehr gern.“

„Aber bei mir kriegen Sie kein voreingenommenes Blabla zu hören, darüber müssen Sie sich im Klaren sein. In meiner Kabine wird das Spiel so kommentiert, wie es läuft. Nicht dieser Zeitungsmist. Wenn ein Kerl das Spiel vermasselt, bei Gott, dann sagen wir, dass er es vermasselt. Verstehen Sie?“

„Ich verstehe Sie sehr gut.“

Maynards Augen verengten sich. Sie waren fahl, klein und kaum gewölbt. „Sie können mir glauben. Jeder, der mich kennt, weiß, dass es stimmt. Stimmt’s, Jack?“

Little antwortete, noch bevor Maynard seine Frage beendet hatte. „Stimmt völlig, Buck, jeder weiß das. Bucky sagt, wie’s ist, Spenser. Darum lieben ihn die Leute so.“

„Sie sind jederzeit willkommen, Spenser. Jack zeigt Ihnen den Weg.“ Maynard rollte die Zigarette zwischen den Lippen, winkte uns zu und begab sich auf das Spielfeld, in Richtung Yankee-Dugout. Vom anderen Ende brüllte Billy Carter plötzlich: „Wal in Sicht!“, und starrte in die andere Richtung, als Maynard herumfuhr und in den Unterstand spähte. Ray Farrell kam aus der Umkleidekabine und hängte das Line-up auf, ohne auf die beiden zu achten. Ungefähr eine Minute sah Maynard uns alle scharf an, während Billy die rechte Foul-Linie scheinbar höchst akribisch unter die Lupe nahm und „Turkey in the Straw“ vor sich hin pfiff. Dann wandte sich Maynard ab und ging davon.

Little hatte den Atem angehalten. „Dieser gottverdammte Carter wird eines Tages noch in echte Schwierigkeiten kommen. Immer diese Witze. Sich wichtig machen. So gut ist er auch wieder nicht. Wird vielleicht bei 30 Spielen im Jahr eingesetzt. Man sollte denken, da hält er sich ein bisschen zurück, aber nein, immer eine große Klappe.“ Etwas Asche fiel auf sein Shirt und er wischte sie energisch fort.

„Als Maynard eben die Sonne verdunkelte, musste ich selbst an Moby Dick denken“, gab ich zu.

„Legen Sie sich nur mit Bucky an, dann wird Ihr Buch nie gedruckt, das sage ich Ihnen ganz im Ernst, Spenser.“ Littles Gesicht war verzerrt, als habe er Schmerzen. Farrell ging mit der Mannschaftsaufstellung zur Mitte des Feldes, wo ihn der Manager der Yankees traf. Zum ersten Mal sah ich die Schiedsrichter: älter als die Spieler, und massiger.

„Ich gehe zur Sprecherkabine hinauf“, sagte ich. „Falls Maynard mich mit seinen Wahrheiten umbringt, sagen Sie es bitte meiner Mutti.“

Little ging nicht darauf ein. Er brachte mich zum Presseeingang hinauf und durch den Gang in Maynards Königreich.

Die Sprecherkabine war ein Durcheinander von Kabelrollen, Monitoren, Mikrofonschnüren und einer großen Farbkamera, die auf eine kahle Wand am hinteren Ende der Kabine gerichtet war. Für Live-Reklame, nahm ich an. Man musste Bucky Maynard auch Gelegenheit geben, die Wahrheit über das Flaschenbier irgendeiner Firma zu sagen. Zwei Männer waren bereits in der Kabine, einen davon kannte ich: Doc Wilson, der früher für die Minnesota Twins gespielt hatte und jetzt die Spiele der Red Sox kommentierte. Er war ein großer, kantiger Mann mit Brille und kurzem welligem Haar. Er saß am Sprechertisch, blätterte im Buch der Spielstatistiken und trank schwarzen Kaffee aus einem Pappbecher. Der andere Mann war jung, vielleicht 22, mittelgroß und schmal, blond und schnurrbärtig. Er trug einen weißen Safarihut mit einem breiten Band aus Leopardenfell, eine Fliegersonnenbrille, ein bis zur Taille offenes weißes Seidenhemd wie Herb Jeffries und weiße, in rostbraune Stiefel gestopfte Jeans. Um seine Mitte schlang sich ein rostfarbener, messingbeschlagener Gürtel und ums rechte Handgelenk ein Kupferarmband. Er lümmelte in einem roten Regiestuhl, die Beine auf dem Kommentatorentisch, kaute Kaugummi und las den National Star.

Wilson sah auf, als wir eintraten. „He, Jack. Wie geht’s, Junge?“

„Doc, das hier ist Spenser. Er ist Schriftsteller und schreibt ein Buch über die Sox. Buck hat ihn eingeladen, sich hier mal umzuschauen.“

Wir schüttelten uns die Hände. „Nettes Angebot. Wenn Buck das sagt, dann geht es in Ordnung. Wenn ich Ihnen helfen kann, brauchen Sie nur zu rufen.“ Der Knabe mit dem Safarihut sah überhaupt nicht auf. Er leckte sich den Daumen, blätterte im Star, dabei bearbeitete er stetig den Kaugummi. Man konnte seine Kiefermuskeln beim Kauen regelmäßig an- und abschwellen sehen.

„Das hier ist Lester Floyd. Lester, das ist Mr. Spenser“, sagte Little.

Lester nickte einmal kurz, hob einen Finger, ohne das Magazin loszulassen, und las weiter.

„Was macht er? Singt er in den Pausen?“, fragte ich.

Jetzt sah der Knabe auf. Seine Augen hinter den dunklen Gläsern konnte ich nicht erkennen. Er blies eine große rosa Kaugummiblase, ließ sie zerplatzen und mampfte sie langsam in den Mund zurück.

„Lester ist Buckys Fahrer, Spenser. Spenser schreibt ein Buch über die Sox und über Bucky, Lester.“

Lester blies eine neue große Blase und zerkaute sie wieder. „Er kann sich seinen Arsch von innen besehen, wenn er frech wird“, schnaubte er. Auf seinen Wangen lag jetzt eine leichte Röte.

„Ich nehme mal an, er singt nicht“, sagte ich zu Wilson.

„Na, na, Lester. Mr. Spenser macht doch nur Spaß.“ Little trat nervös von einem Fuß auf den anderen. Wilson starrte aufs Spielfeld hinaus. Lester bearbeitete heftig seinen Kaugummi.

„Das sollte er lieber lassen“, knurrte er.

„Schon gut, Lester“, sagte Maynards Stimme hinter mir. „Ich habe Mr. Spenser eingeladen, sich hier oben meine Übertragung anzuhören. Er ist mein Gast.“

„Er hat was Unverschämtes darüber gesagt, dass ich singe, Bucky. Ich hab’ das nicht gern.“

„Weiß ich, Lester, ich mache dir auch keinen Vorwurf. Mr. Spenser, ich würde es begrüßen, wenn Sie sich bei Lester entschuldigen würden. Er ist ein guter Junge, aber schnell gekränkt.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Wetten gegen den Tod" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen