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Werewolves of Rebellion - Gefährtin der Nacht

Inhalt

  1. Cover
  2. Über dieses Buch
  3. Über die Autorin
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Kapitel 1
  7. Kapitel 2
  8. Kapitel 3
  9. Kapitel 4
  10. Kapitel 5
  11. Kapitel 6
  12. Kapitel 7
  13. Kapitel 8
  14. Kapitel 9
  15. Kapitel 10
  16. Kapitel 11
  17. Kapitel 12
  18. Kapitel 13
  19. Kapitel 14
  20. Kapitel 15
  21. Kapitel 16
  22. Kapitel 17
  23. Kapitel 18
  24. Kapitel 19
  25. Kapitel 20
  26. Kapitel 21

Über dieses Buch

Er ging zu Daffy hinüber. Sie stand barfuß da, zitterte von Kopf bis Fuß, Tränen im Gesicht, war zerkratzt, schmutzig und verdammt schön. »Komm her, Baby.« Er breitete die Arme aus, und sie kam auf ihn zu.

Daffys Leben bei dem Motorcycle Club River Rebels ist bestimmt durch die Launen des jähzornigen Präsidenten Ezra. Würde Daffy den MC verlassen, so würde Ezra sie finden und anschließend töten – und alle, die sich ihm dabei in den Weg stellen. Erst als sie auf Phillip, Mitglied der verfeindeten Werwolves of Rebellion, trifft, schöpft sie neuen Lebensmut. Phillip gibt ihr Hoffnung, Kraft und Liebe – das, was sie noch nie zuvor von einem Mann bekommen hat. Doch plötzlich geschehen mysteriöse Morde innerhalb der Werewolves of Rebellion, die – wie es scheint – von einer übernatürlichen Kraft ausgehen. Phillip muss sich entscheiden: Kämpft er für seinen Club gegen den tödlichen Dämon, oder folgt er seinem Herzen und stellt sich in einem blutigen Kampf Ezra entgegen, um Daffy zu beschützen und mit ihr ein neues Leben zu beginnen?

Düster, sexy und geheimnisvoll – »Gefährtin der Nacht« ist der zweite Band der Paranormal-MC-Reihe »Werewolves of Rebellion« von Ana Lee Kennedy.

Über die Autorin

Ana Lee Kennedy alias Faith Bicknell lebt mit ihrem Mann, ihren Kindern und Enkeln, zwei Katzen und zwei Hunden in Ohio. Sie schreibt schon fast ihr ganzes Leben lang. Ihre Lieblingsgenres sind Paranormal, Fantasy und Frauenliteratur mit einer gehörigen Portion Romantik. Seit zwanzig Jahren ist sie auch als Lektorin tätig.

Ana Lee Kennedy

Werewolves of Rebellion

Gefährtin der Nacht

Ins Deutsche übertragen von Michaela Link

Kapitel 1

Bernadette sprang aus Franks Pick-up. Sie schlug die Tür des Dodge zu, dann trat sie auf den Bürgersteig, um ein paar Zehncentstücke in die Parkuhr zu werfen. »Wir haben zwanzig Minuten Zeit«, rief sie Frank zu.

Sie waren in die Stadt gefahren, um bei der Bezirksverwaltung die Grundsteuer für das Land des Motorradclubs zu zahlen und dann noch ein paar Kästen Bier zu kaufen. Danach sollte es zu einer gemeinschaftlichen Grillparty mit Hufeisenwerfen und Sackloch-Spielen in den Club zurückgehen.

Während Frank ausstieg, musterte sie ihn unverhohlen. Sie liebte das Muskelspiel seiner tätowierten Arme bei jeder Bewegung. Auf seiner linken Schulter und an den Brustmuskeln entlang befand sich, unter seiner Kutte versteckt, die atemberaubende Tätowierung eines grauen Wolfs. Sie sehnte sich danach, darüberzustreichen und jede einzelne Linie zu begutachten, während sie Frank ritt und zum Höhepunkt der Ekstase brachte.

Er fing ihren Blick auf und grinste.

»Hast du schon wieder unanständige Gedanken, Baby?«, brummte er.

Das tiefe Timbre seiner Stimme jagte ihr einen Schauer der Erregung über den Rücken. Sie erwiderte sein Grinsen. »Vielleicht«, antwortete sie und zog das Wort verführerisch in die Länge.

Er trat neben sie auf den Gehsteig, dann flüsterte er ihr ins Ohr: »Gut möglich, dass du dich heute Abend flach auf dem Rücken wiederfindest. Und vielleicht auf Händen und Knien, möglicherweise mit deinen Waden auf meinen Schultern, und vielleicht sogar flach auf dem Bauch, während ich rittlings auf deinen Schenkeln knie und ...«

Hitze strömte ihr durch den Unterleib und breitete sich zwischen ihren Beinen aus. »Hör auf damit!« Sie gab ihm einen Klaps auf den Arm. »Wir haben bereits an die vierzig Grad. Du musst es für mich nicht noch heißer machen.«

»Honey, mir wird es jedes Mal heißer, wenn ich dich ansehe.« Er gab ihr einen schnellen Kuss. »Ich dürfte nicht lange brauchen, um das Mittel zu besorgen, treffen wir uns also in ein paar Minuten wieder hier am Wagen, okay?«

Sie nickte. »Sag deiner Granny schöne Grüße von mir.«

Er winkte ihr zu und bog um die Ecke. Bernadette überquerte den asphaltierten Platz und stieg die breite Treppe zum Gebäude der Bezirksverwaltung hinauf. Das kühle Innere und der Duft von Vergangenheit und Holzpolitur empfing sie. Sie folgte den zahlreichen Stufen der Marmortreppe in den ersten Stock hinauf. Oben angekommen bahnte sie sich einen Weg über den mit Mosaikkacheln gefliesten Boden und um all die vielen hier aufgestellten Tische herum, an denen Vertreter verschiedener Firmen, die mit Bohrrechten handelten, um Verkäufe wetteiferten, Papierkram ausfüllten, Handyanrufe beantworteten und auf Tastaturen herumtippten. Während sie vorbeiging, hielten sämtliche Männer in ihrem Tun inne, sahen sie mit einem Lächeln an oder starrten ihr bewundernd nach. Auch wenn sie mittlerweile einen der aufregendsten Männer auf Erden zum Partner hatte, war ihr die Aufmerksamkeit anderer Kerle immer noch peinlich.

Vor dem Büro für Steuerangelegenheiten wollte sie gerade die Hand nach dem Türknauf ausstrecken, als ein großer Mann mit goldenem Haar dazwischentrat.

»Wenn Sie gestatten«, sagte er und hielt ihr die Tür auf.

»Danke.« Sie versuchte, keinen Blickkontakt mit ihm herzustellen.

Er lächelte und zeigte seine wunderschönen, ebenmäßigen weißen Zähne. »War mir ein Vergnügen.«

Seine Art zu sprechen ließ Bernadette erschauern. Die Härchen in ihrem Nacken stellten sich auf. Sie riskierte es, seinem Blick zu begegnen, und schaute in die strahlendsten blauen Augen, die sie je gesehen hatte – Augen, die vor Verlangen aufleuchteten.

Verwirrt schaute sie weg und beeilte sich, in das Büro zu treten.

Hinter ihr schloss sich die Tür nicht sofort. Aus dem Augenwinkel bemerkte Bernadette, dass der Mann sie noch einen Moment lang ansah. Nervös dachte sie an die außergewöhnlichen Kräfte, die direkt unter ihrer Haut brodelten. Ihre Mentorin in Sachen Hexerei, Scary Mary, hatte sie angewiesen, ihren Gefühlen und Regungen besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Ihre Reaktion auf diesen Mann hatte sie überrascht, doch als er nun endlich die Tür schloss, entspannte sie sich wieder.

Hinter dem breiten Schalter standen ein Mann und eine Frau und plauderten miteinander. Das gemächliche Tempo, mit dem in Rebellion die Dinge angegangen wurden, ohne Hast und stets freundlich, gefiel Bernadette noch immer, allerdings gab es Augenblicke – so wie diesen –, da sie sich wünschte, die Leute würden weniger reden und schneller arbeiten.

Eine blonde Frau mit einem Stapel Aktenordner im Arm trat hinter einer Trennwand hervor. Sie sagte etwas zu einer Kollegin, die an einem der beiden Schreibtische hinter dem Schalter saß. Die ältere Frau nickte und reichte der Blonden einige weitere Ordner.

Etwas an der Art, wie die Frau den Kopf hielt, ihre rot geschminkten Lippen zu einem schmalen Strich zusammengepresst und ihre hellen Augen fast eisig, kam Bernadette bekannt vor. Der Mann vor ihr verließ nun den Raum, und Bernadette nahm seinen Platz ein. Während sie darauf wartete, dass der Beamte zurückkam, richtete sie ihre Aufmerksamkeit auf die blonde Frau.

»Soll ich die Sache mit der Computereingabe noch einmal mit dir durchgehen, Daffi?«, erkundigte sich die ältere Kollegin.

»Nein, ich krieg das schon hin«, antwortete diese Daffi. »Sollte ich nicht mehr weiterkommen, sage ich dir Bescheid.«

Daffi? Woher kannte sie den ... Moment mal! Das war doch diese blöde Kuh, die über sie hergefallen war, als sie im Bikerclub der Wraithkillers gewesen war!

Daffi trat durch die Tür hinaus in den Wartebereich. Im Vorbeigehen bemerkte sie Bernadettes Blick, und plötzliches Wiedererkennen zeigte sich in ihrem Gesicht – erst Überraschung, dann Feindseligkeit. Ihre Augen leuchteten grimmig auf, und sie sah schnell zur Seite. In der hinteren Ecke des Raums setzte sich Daffi an einen winzigen Schreibtisch mit einem Laptop und einem Drucker und begann, Daten aus einer Akte einzugeben.

Der Beamte nannte Bernadette die Steuersumme, die der Motorradclub schuldig war, zuzüglich der Verzugsgebühr, dann füllte Bernadette den bereits unterzeichneten Scheck, den Frank ihr mitgegeben hatte, mit allen nötigen Angaben aus. Und die ganze Zeit über ging ihr das Wissen im Kopf herum, dass eines von Crows Schafen im Steuerbüro arbeitete.

Schließlich verließ Bernadette mit der Quittung in der Hand den Schalter. Sie warf einen Blick zu Daffi hinüber, die mit dem Rücken zu ihr dasaß. Ein Stück von dem leuchtenden Tattoo einer tropischen Urlaubsszene lugte oben aus ihrer Bluse hervor, und die Farben bildeten einen deutlichen Kontrast zu dem weißen Baumwollstoff. Bernadette ging auf sie zu, blieb aber einige Schritte von ihr entfernt stehen, und ihr Blick konzentrierte sich auf eine neue Narbe, die von ihrer Tätowierung nur schlecht verborgen wurde. Das Ding sah aus wie zwei ineinander verwobene große R.

Irgendwie musste Daffi Bernadettes Blick gespürt haben. Sie drehte sich um, und alle Farbe wich ihr aus den Wangen. »Was willst du?«, flüsterte sie schroff.

»Ich wollte nur ...« Ja, was wollte sie eigentlich? Bernadette war nicht mit einer speziellen Frage im Kopf zu Daffi hinübergegangen, aber irgendetwas hatte sie dennoch zu ihr hingezogen. »Mir ist die neue Narbe auf deiner Schulter aufgefallen.«

»Na und?« Daffi knurrte beinahe. »Das geht dich nicht das Geringste ...«

»Ist alles in Ordnung mit dir?«, platzte es aus Bernadette heraus, bevor sie sich die Frage hätte verkneifen können. Immerhin schaffte sie es, ihre Stimme leise zu halten. »Brauchst du Hilfe?«

»Alles ... bestens.« Das eisige Glitzern in Daffis Augen verschwand. An dessen Stelle trat Vorsicht, aber auch Dankbarkeit. »Ich bin jetzt bei den River Rebels«, fügte sie, noch leiser, hinzu. »Danke.« Daffis Mundwinkel zuckten kaum wahrnehmbar, und Bernadette horchte auf.

Sie runzelte fragend die Stirn. »Danke wofür?«

»Dafür, dass du dich erkundigt hast, ob mit mir alles in Ordnung ist.« Mit diesen Worten wandte sich Daffi wieder ihrem Laptop zu.

Gründlich verwirrt verließ Bernadette das Steuerbüro und schlängelte sich erneut zwischen den zahlreichen Tischen hindurch. Dabei hielt sie wachsam nach dem blauäugigen Mann Ausschau, der sie zuvor an der Tür abgefangen hatte. Drüben an der Treppe zum zweiten Stock entdeckte sie ihn. Er stand über einen Tisch gebeugt und unterhielt sich mit einem anderen Mann.

Er bemerkte ihren Blick und grinste spitzbübisch.

Sie schaute rasch weg, dann stieg sie die Treppe hinunter. Erneut regten sich ihre magischen Kräfte. Wer auch immer er war, sie wollte nichts mit ihm zu tun haben.

Draußen erwartete Frank sie bereits an seinem Pick-up.

Minutenlang starrte Daffi nur auf den blinkenden Cursor ihres Laptopbildschirms. Sie konnte es einfach nicht fassen, dass sich die Rothaarige doch tatsächlich einen Moment Zeit genommen hatte, um sich nach ihrem Wohlergehen zu erkundigen. Warum nur? Sie hatten sich damals im Club der Wraithkillers eine heftige Prügelei geliefert – sie fuhr sich über die Wangenknochen – und dabei beide mächtig ausgeteilt. Sie war nicht gerade stolz darauf, auf Bernadette losgegangen zu sein. Der unglaubliche Körperbau und das wunderschöne Gesicht des Rotschopfs mussten wohl bei jeder Frau Minderwertigkeitsgefühle aufkommen lassen – vor allem in der Gegenwart von Männern. Daffi musste in Zukunft vorsichtiger sein und ihre Narbe, die wie ein Brandzeichen anzeigte, dass sie der Besitz anderer war, besser verbergen. Die River Rebels waren eine Gang von gesetzlosen Bikern, aber sie wollte nicht damit enden, dass sie weiterverkauft wurde wie so manch andere. Einige der Käufer waren das personifizierte Böse.

Daffi straffte die Schultern und schüttelte ihre beunruhigenden Gedanken ab. Solange sie auch weiterhin den Mund hielt und die Schwänze lutschte, die man ihr zu lutschen auftrug, und fickte, mit wem immer sie zu ficken hatte, sowie alle Informationen weitergab, die sie irgendwie in die Finger bekam, würde ihr nichts passieren. Sie hatte hier in der Steuerbehörde eine sichere Anstellung, und es hieß, Hudson, der Präsident der River Rebels, würde in wenigen Monaten wieder aus dem Gefängnis freikommen. Alle sagten, er sei netter als sein Stellvertreter.

Ja, sie war in Sicherheit, hatte ein Dach über dem Kopf, Essen auf dem Teller, hübsche Kleider ... Sie würde das alles schon hinbekommen.

Mit zögernder Entschlossenheit konzentrierte sie sich wieder auf ihre Arbeit.

»Daffi?«, sagte Frank.

Rasch frischte Bernadette sein Gedächtnis auf und rief ihm die tätowierte blonde Frau wieder ins Bewusstsein, mit der sie sich während ihres Aufenthalts in Crows Motorradclub eine tätliche Auseinandersetzung geliefert hatte.

»Ach ja, die meinst du.« Er nickte.

»Sie hatte auf ihrer Schulter eine Art Brandzeichen, ein doppeltes R«, berichtete Bernadette weiter. »Ich habe sie gefragt, ob mit ihr alles in Ordnung sei, und sie hat das bestätigt, und dann hat sie mir doch tatsächlich auch noch dafür gedankt, dass ich mich nach ihr erkundigt hatte.«

Frank schaltete einen Gang höher, gab Gas und ließ die Stadt hinter sich. Die Ladefläche des Pick-ups war voller Fressalien, außerdem hatte er einige Kästen Bier besorgt und mehrere Beutel Eis. »Bei den kriminellen Motorradclubs ist es eine gängige Praxis, ihre Betthäschen zu tauschen oder zu verkaufen. Auch dass einige ihre Frauen wie Vieh brandmarken, um anderen zu zeigen, wem sie gehören.«

»Ich glaube allmählich, ich kann von Glück sprechen, dass ich für mein True-Crime-Sachbuch über kriminelle Rockergangs nicht weiter recherchiert habe«, bemerkte Bernadette.

»Wie meinst du das?«

»Wenn ich bei Crows Club geblieben wäre, wäre es mir vielleicht irgendwann genauso ergangen wie Daffi.«

»Nun gut, bist du aber nicht.« Frank legte ihr die Hand aufs Knie und strich mit dem Daumen darüber. »Du bist jetzt meine Partnerin und gehörst zu den Werewolves of Rebellion. Du bist sicher, gut versorgt, beschützt und glücklich.«

»Ja, aber Daffi fehlt das alles.« Bernadette ließ ihren Blick über die vorbeijagende Landschaft schweifen. »Und wenn ihr schon fehlt, was die meisten von uns für selbstverständlich halten, wie viele andere gibt es wohl da draußen, denen es genauso geht?«

»Mehr, als du wissen willst«, erwiderte Frank düster. »Sobald sich eine Frau erst einmal mit einem kriminellen Motorradclub eingelassen hat, ist es ihr fast unmöglich, ihn wieder zu verlassen. Wenn sie im Gebäude der Bezirksverwaltung arbeitet, dient sie dort den River Rebels als Auge und Ohr. Sicher gibt sie alles für den Club Nützliche weiter, das sie in Erfahrung bringen kann.«

»Also ist sie eine Spionin ... eine Informantin?«

»Jepp.«

»Sie ist in einer schlimmen Lage, oder?«

»Das ist sie«, sagte Frank, »denn wenn sie nicht leistet, was man ihr befiehlt, wird sie bestraft ... oder Schlimmeres.«

Wie konnten Frauen es zulassen, derart ausgenutzt zu werden? Verstört kuschelte sich Bernadette eng an Frank, solange er nicht zu schalten brauchte. Wann immer sie in Franks Nähe war, konnte sie an nichts anderes denken, als mit ihm zusammen nackt zu sein. Sie sog den Lederduft seiner Kutte ein, seinen ganz persönlichen Geruch, der eine Mischung aus Männlichkeit und seinem würzigen Deo war. Ein kräftiger Hauch von gemähtem Klee, der auf den umliegenden Feldern trocknete, mischte sich in das berauschende Aroma. Als sie Luella erzählt hatte, wie sehr sie Frank begehrte, hatte ihre Freundin ihr eröffnet, das läge daran, dass sie füreinander geschaffen seien. Aus welchem Grund auch immer, Bernadette konnte von Frank einfach nicht genug bekommen. Wann immer sie darüber nachdachte, wie sehr sie ihn liebte, war es, als müsse ihr das Herz in der Brust zerspringen.

Frank fuhr die State Route 26 entlang. Nach einiger Zeit erreichten sie einen Straßenabschnitt mit vielen Kurven, sodass er das Tempo drosseln musste, was Bernadette zwang, sich von ihm zu lösen, damit er schalten konnte. Wenige Minuten später passierten sie Graysville, und Frank bog nach links ab, um über die Hügel zu seinem Motorradclub zu fahren, Bernadettes neuem Zuhause.

Es war erst drei Monate her, seit ihr Frank gesagt hatte, dass er sie liebe und sie bei sich haben wolle, doch diese drei Monate waren die schönsten und erfülltesten in Bernadettes Leben gewesen. Sie hatte eine neue Familie gewonnen – eine riesengroße –, und ihre Mutter war eingeladen worden, ebenfalls hierherzuziehen und sich der Gemeinschaft anzuschließen. Zuerst hatte ihre Mom nicht kommen wollen, aber nachdem Bernadette ihr auseinandergesetzt hatte, dass ihre Brüder Chad und Duncan inzwischen bei ihren eigenen Familien lebten und die beiden anderen den ganzen Tag arbeiteten, hatte ihre Mutter zugestimmt und Danny das Haus der Familie übergeben. Danny machte gerade seine Abschlussprüfungen als Krankenpfleger, und Alexander legte sich schwer ins Zeug, um eine eigene Anwaltskanzlei aufzubauen. Zwei Wochen später war sie in die Kommunensiedlung der Werewolves of Rebellion eingezogen. Sie wohnte nun in einem kleinen Haus hinter Puppys Zuhause, das Frank ihr zugewiesen hatte. Es war gerade groß genug für eine Person, ein schlichter Minibungalow, aber ihre Mutter war glücklich damit. Außerdem hatte Beastman versprochen, einen kleinen Wintergarten für sie anzubauen, sobald der Verkauf der Schürfrechte für den Landbesitz des Clubs abgeschlossen war.

Frank bog in das schmale Sträßchen ein, das zum Club führte. Die Kirschbäume auf einer Seite der Einfahrt waren längst abgeerntet worden, aber die Apfelbäume auf der anderen Seite hingen voller Obst. Bernadette konnte es nicht erwarten, bei der Ernte dabei zu sein.

Sie passierten die Bungalows der Kommune, und der Lieferwagen holperte über die Kuhlen und die eingefahrenen Spurrillen der ungeteerten Straße und fuhr den Hang zum Clubgebäude hinauf – dem großen, zweistöckigen viktorianischen Landhaus, das auf dem Hügel thronte. Bernadette konnte immer noch nicht fassen, dass dieses herrliche Gebäude ihr neues Zuhause war. Sie fragte sich, ob Daffi über einen einigermaßen passablen Platz verfügte, wo sie sich abends niederlegen konnte. Wo auch immer die blonde Frau jetzt wohnte – Bernadette hoffte, dass es dort schön war.

Halb fünf – Feierabend!

Mit einem Seufzer klappte Daffi den Laptop zu, stellte die noch nicht erledigten Ordner zurück in den Aktenschrank und schloss ihn ab. Sie war bei ihrer Arbeit auf drei ältere Paare gestoßen, die auf das Geld für ihre jüngst verkauften Öl- und Gasrechte warteten. Auch wenn sie es furchtbar fand, Ezra von diesen Leuten erzählen zu müssen, war es doch ihre Aufgabe. Die Informationen würden Ezra freuen und dafür sorgen, dass er ihr weiterhin gewogen war. Als sie ihn das letzte Mal enttäuscht hatte, hatte sie fast zwei Wochen in ihrem Zimmer bleiben müssen, bis all die blauen Flecken, die er ihr verpasst hatte, verschwunden und verheilt gewesen waren.

Daffi nahm ihre Handtasche, ihre Sonnenbrille und ihr Handy aus dem Schließfach, winkte ihren Kollegen zum Abschied, die ihr ein schönes Wochenende wünschten, und eilte dann durch die komplizierte Anordnung der Tische im Verwaltungsgebäude hindurch, die Nebentreppe hinunter und hinaus zu dem kleinen Ford Fusion, den ihr Ezra gekauft hatte. Der Ford war ein Gebrauchtwagen, der bereits Tausende von Kilometern auf dem Buckel hatte, aber er war sauber, gut in Schuss und hatte sogar ihre Lieblingsfarbe – saphirblau. Er war einer der vielen Gründe, warum es ihr nichts ausmachte, eines von Ezras Betthäschen zu sein. Crow hatte ihr nie mehr gegeben als zu essen, ein Zimmer, das sie sich mit vier anderen Rockerbräuten teilte, und gerade genug Geld, um einmal im Monat Hygieneartikel und billige Schminke bei Dollar General zu kaufen und das, was sie auf Flohmärkten oder in Ramschregalen an Anziehsachen so auftreiben konnte. Crow hatte sie und die anderen Mädchen zwar nicht geschlagen, aber er war ein totaler Geizkragen gewesen. Ezra dagegen tat sich nicht schwer damit, sich gebührend um seine Schafe zu kümmern, aber zugleich verlangte er mehr als nur Sex von ihnen. Doch Hudson musste nur noch etwa zehn Monate absitzen und würde vielleicht allerlei Veränderungen durchsetzen, wenn er aus dem Gefängnis kam ... falls ihn Ezra nicht zum Kampf herausforderte, in der Absicht, den Bikerclub zu übernehmen.

Daffi schloss ihren Wagen auf, stieg in das aufgeheizte Gefährt, startete den Motor und ließ die Fenster herunter. Sie hatte genug Geld bei sich, um sich im McDonalds um die Ecke ein Hähnchensandwich und einen Eiskaffee zu kaufen, und so bog sie hinter dem nächsten Haus auf die Straße ab und hielt kurz darauf auf dem Parkplatz des Fast-Food-Restaurants an.

Nachdem sie wenige Minuten später ihre Bestellung erhalten hatte, setzte sie sich an den Tisch unter einen der beiden Sonnenschirme und genoss ihr Sandwich und ihr Getränk. Das Septemberwetter war wunderschön, und während die Sonne hinter der Bezirksverwaltung unterging, bewunderte Daffi den dunkelblauen Himmel und wünschte, ihr Leben könnte anders sein, wünschte, auf der Welt eine Spur des Guten hinterlassen zu können, statt nur anderer Leute Prügelknabe und Werkzeug des Bösen zu sein. Achselzuckend biss sie in ihr Sandwich und kaute nachdenklich.

»Wunschdenken ... «, murmelte sie schließlich, als eine Harley durch die Einfahrt donnerte und ihre Aufmerksamkeit auf sich zog. Daffi hätte dieses Abzeichen auf der Kutte des Fahrers überall auf der Welt erkannt – die Werewolves of Rebellion. Der Biker schaltete den Motor seiner Harley aus und stieg ab. Einen Moment lang stand er still da, während er seine Sonnenbrille abnahm und sie in eine Tasche unter seiner Kutte steckte. Sein schokoladenbraunes Haar voller widerspenstiger Locken reflektierte die Abendsonne und ließ rote und goldene Strähnchen aufblitzen. Er drehte sich um und ging zum Vordereingang. Seine ausgebleichten Jeans waren an beiden Knien zerrissen, sodass darunter bleiche Haut sichtbar wurde. Er stapfte in seinen Reitstiefeln über den Asphalt und kam auf Daffi zu. Eine lange Kette, die von einer Gürtelschlaufe in seine Gesäßtasche führte, baumelte hin und her.

Daffi wusste nicht genau, welcher von Frank Nightshades Männern er war, aber sie hätte sicher nichts dagegen gehabt, gelegentlich nachts die Beine um seine Hüften zu schlingen. Er bemerkte ihren Blick, blieb vor der Tür stehen, betrachtete sie eingehend von oben bis unten und sah ihr dann wieder in die Augen.

»Guten Tag, schöne Frau«, sagte er. »Herrlicher Abend, nicht?«

»Ja«, antwortete sie, verwundert, dass er sie so höflich angesprochen hatte.

Wieder ließ er den Blick über sie hinwegwandern. Etwas Hartes trat in seine Züge. Er nickte knapp und verschwand dann ins Innere des Gebäudes.

Ja, es wäre wirklich schön, wenn alles anders sein könnte.

Kapitel 2

Wie in Trance hatte Phillip Andrews die McDonalds-Filiale betreten, um sich seine übliche große Tasse schwarzen Kaffee zu gönnen – sein Abendritual nach einem langen Tag, an dem er für das örtliche Bergwerk einen Kohlelaster gefahren hatte. Zwar hielt Luella im Club normalerweise heißen Kaffee parat, aber er brauchte diese kleine Atempause. Ein paar Minuten für sich selbst, während er Leute beobachtete und gelegentlich mit einem Bekannten plauderte, bevor er dann in den Club zurückkehrte, mitten in den Trubel des großen Abendessens.

Heute war Betthäschenabend, aber sobald sein Blick auf die große, langbeinige Blonde draußen am Tisch unter dem Sonnenschirm gefallen war, waren alle Gedanken daran, eine schnelle Tasse Kaffee zu trinken, dann zu Abend zu essen und hinterher mit einer der alleinstehenden Frauen des Clubs den gerade dringend benötigten Sex zu haben, mit einem Mal wie weggeblasen.

Er saß im Essbereich direkt an den Frontfenstern, seine Aufmerksamkeit ganz auf die süße Blonde konzentriert. Dampf stieg von seinem großen Kaffeebecher auf, während zwei Tische weiter ein geplagter Vater seinen Junior anflehte, endlich keinen weiteren Ketchup mehr auf der Tischplatte zu verschmieren. Phil kannte die Frau von irgendwoher, konnte sie aber nicht einordnen. Sie trug eine in Kinnhöhe geradlinig abgeschnittene Bobfrisur, wie sie so viele Frauen bevorzugten. Nach dem, was er vorhin hatte erkennen können, hatte sie entweder hellgrüne oder blaue Augen. Verdammt noch mal, woher kannte er sie nur? Er zermarterte sich das Hirn, um herauszubekommen, wer sie war, aber als sie nun ihr Verpackungspapier und ihren leeren Becher zusammenstellte und aufstand, rutschte ihre Bluse zurück, spannte sich am Hals und ließ ein Stück nackter Schulter sehen. Ein leuchtendes Tattoo – tropische Palmen, Blumen und ein Strand – wurde sichtbar.

Mit einem Schlag erinnerte er sich wieder. Ihm klappte die Kinnlade herunter. Sie konnte doch unmöglich dieses Stunk machende Flittchen mit der großen Klappe von den Wraithkillers sein. Wenn er es richtig in Erinnerung behalten hatte, war sie es gewesen, die über Bernadette hergefallen war, als diese noch bei den »Wraithkillers« gelebt hatte. Aber die Frau hier war nicht knochig, sondern wohlgenährt und mit allen Kurven und Rundungen gesegnet, die man sich nur wünschen konnte. Sie hatte keine dunklen Ringe unter den Augen, sondern Farbe im Gesicht und sah nicht wie ein Junkie aus.

Er wusste nicht mehr, wie sie hieß, aber diese Tätowierung sagte alles.

Die Frau griff nach ihrer Handtasche und ging an ihm vorbei, ohne seine auf sie gerichtete Aufmerksamkeit zu bemerken. Auf ihrer Schulter verschandelten zwei miteinander verbundene Rs ihre glatte Haut. Die River Rebels – ein Besitzerzeichen wie ein Brandmal. Ein seltsames Gefühl der Empörung wallte in Phil auf. Er wollte dem Drecksack wehtun, der sie auf diese Weise gezeichnet hatte. Zugegeben, sie wirkte inzwischen gesünder – sah sogar fantastisch aus –, aber es war falsch, einen anderen Menschen besitzen zu wollen.

Er leerte den letzten Rest seines inzwischen nur noch lauwarmen Kaffees, dann knüllte er den Becher zusammen und stopfte ihn einige Schritte weiter in den Mülleimer.

Draußen stieg Phil auf sein Motorrad, ließ es an, rollte Richtung Straße und bog dann auf die Fahrbahn ein. In einem Wirrwarr an Gefühlen ließ er Rebellion hinter sich.

Der Lärm zahlreicher Motorräder erfüllte das Tal unter dem Haupthaus. Bernadette drehte sich um und sah ein Dutzend heißer Öfen den Hang herauffahren. Kurze Zeit später bogen die Biker auf den Parkplatz ein, reihten ihre Maschinen nebeneinander auf und schalteten die Motoren aus.

Bernadette wusste schon seit ein paar Tagen, dass auch die Ortsgruppe von Cadiz zu dem Grillfest heute Abend kommen wollte, aber sie hatte nicht damit gerechnet, dass auch Frauen unter den Fahrern sein würden. In den Motorradclubs, die sie kannte, wie den Wraithkillers und den River Rebels, fuhren die Frauen normalerweise als Sozias hinter den männlichen Bikern mit.

Sie versuchte, die Damen in ihren ledernen Motorradklamotten nicht anzustarren, aber sie konnte nicht dagegen an. Sie sahen in ihren Monturen einfach allzu sexy aus, bis hin zu ihren Handschuhen und den umwerfenden Stiefeln.

»Ja, in einigen Ortsgruppen der Werewolves of Rebellion gibt es auch Bikerinnen«, bemerkte Luella plötzlich dicht an Bernadettes Ohr.

Sie fuhr zusammen und lachte auf. »Ich wollte sie eigentlich nicht anstarren, aber sie sehen einfach toll aus.«

»Auch bei uns gibt es einige Frauen, die Motorradfahren können, mich eingeschlossen«, erklärte Luella. »Aber das macht jede, wie sie will. Die meisten von uns ziehen es vor, unseren Männern das Fahren zu überlassen, damit wir uns an sie kuscheln oder uns hinter ihrem Rücken entspannen können.«

Dagegen hatte Bernadette wahrlich nichts einzuwenden. Sie selbst liebte es, die Vibrationen von Franks Harley unter sich zu spüren, während sie ihre Brüste an seine Kutte presste.

»Außerdem ist heute Betthäschenabend«, fuhr Luella fort, »daher bringen solche Zusammenkünfte mit anderen Ortsgruppen etwas frisches Blut ins Spiel. Die Männer werden der immer gleichen Frauen schnell müde, und so besucht unser Club ab und zu ebenfalls andere Ortsgruppen. Einige Mitglieder finden auf diese Weise ihre Partner.« Sie versetzte Bernadette einen leichten Schubs an der Schulter. »Komm, hilf mir, das Essen in den Picknickbereich zu bringen. Puppy und Carol haben mit den Salaten und den Desserts alle Hände voll zu tun.«

»Okay«, antwortete Bernadette. »Ich komme gleich.«

Während Luella bereits zum Haus zurückging, lenkte das Dröhnen einer weiteren Maschine Bernadettes Aufmerksamkeit auf Phil, Franks Stellvertreter, der den Hügel hinaufgefahren kam und auf den Parkplatz bog. Er drosselte das Tempo – sein Gesicht eine Maske des Ärgers und der Verwirrung – und schob seine Maschine dann durch die Hintertür der Werkstatt der Nightshade’s Wolves.

Sie runzelte die Stirn. Dem Ausdruck auf Phils Gesicht nach zu urteilen, belastete ihn irgendetwas. Bernadette hoffte, dass es nichts war, worüber sie sich Sorgen machen mussten.

Sie warf Frank, der soeben einen schweren Pflock für das Hufeisenwerfen in den Boden hämmerte, eine Kusshand zu. Er betrachtete sie mit seinem typischen Grinsen, das immer zu sagen schien: Ich werde dich heute Nacht vor Wollust schreien lassen. Dann zwinkerte er ihr zu.

Hitze durchströmte ihre Lenden. Oh, was dieser Kerl mit ihr anstellte!

Der Abend verging mit Unmengen von Essen – darunter auch Luellas preisverdächtiger Kartoffelsalat, von dem Bernadette gar nicht genug bekommen konnte –, turbulentem Sacklochspielen, lauten, freundschaftlichen Streitereien über Hufeisen, Geplauder der Frauen im Pavillon und Gelächter und Gekreische unten vom Teich her, wo etliche der Mütter ein Auge auf die Kleinkinder hatten.

Bernadette saß auf einem Gartenstuhl und unterhielt sich mit ihrer Mutter und Puppy, die sich währenddessen über ein Stück Kirschkuchen hermachte. Sie applaudierte Frank – er hatte soeben eine weitere Runde Hufeisenwerfen gewonnen – und meinte: »Ich wünschte, ich könnte so viel essen wie du, Puppy. Du musst eine Million Kalorien pro Stunde verbrennen.«

»Das gehört zum Jungsein dazu«, warf Bernadettes Mutter ein. »Man kann essen, was immer man will, bis man ungefähr fünfundzwanzig ist, dann verändert sich der Körper.«

Puppy kicherte. »In meinem Fall sind es wohl die guten Gene. Meine Mom ist genau wie ich, und auch sie kann einem guten Nachtisch nicht widerstehen.«

»Ich geh jetzt mal zu Frank hinüber«, verkündete Bernadette. »Wir sehen uns später noch oder dann morgen früh.« Sie sah ihre Mutter an. »Mom, ich bin in ein paar Minuten wieder da.«

Ihre Mutter schüttelte den Kopf. »Ich glaube, ich bin bettreif, Schätzchen, also werde ich mich jetzt auf den Heimweg machen. Ich habe die meiste Zeit des Tages in meinen Blumenbeeten gearbeitet und bin müde.«

»Lassen Sie mich nur schnell meinen Kuchen aufessen, Mrs Kelly«, schaltete Puppy sich ein, »dann fahre ich Sie zu Ihrem Haus hinunter.«

»Wie oft habe ich dir schon gesagt, dass du mich Maeve nennen sollst? Aber vielen Dank für das Angebot, Liebes.«

Bernadette stand mit ihrem Bier in der Hand auf, doch als sie zum Pavillon hinüberschaute, den sie Frank hatte ansteuern sehen, war er nicht mehr da.

»Schau vielleicht mal in der Küche nach«, riet ihr Puppy und spießte ihren letzten Bissen Kuchen mit der Gabel auf. »Frank hat wahrscheinlich ein paar seiner Dos-Equis-Flaschen drinnen im Kühlschrank gebunkert, da Ass Crab das ebenfalls gern mag und für gewöhnlich jede Bierflasche ext, die er in den Kühlboxen findet.«

Bernadette beugte sich vor und küsste ihre Mutter auf die Wange. »Gute Nacht, Mom. Ruf oben im Haus an, falls du noch etwas brauchst.«

»Gute Nacht, Schätzchen.«

Bernadette nickte und machte sich auf den Weg zum Haus. Mehrere Paare waren ebenfalls zum Haus unterwegs. Die Betthäschenabende fanden statt, wann immer die Eltern eine Chance sahen, ihre Kinder vom Haupthaus fernzuhalten, was eigentlich häufig genug vorkam. Heute Abend waren jedoch mehr Frauen und mehr interessierte Männer da als sonst. Es war Bernadette immer noch peinlich, ins Haus zu platzen, während dort überall die Paare herumvögelten, aber niemand scherte sich darum, und Bernadette wandte auf dem Weg durch die Räume des Hauses immer den Blick ab.

Sie betrat die verglaste Veranda und ging an zwei Paaren vorbei, die wild herumknutschten, während das Licht des Fernsehers ihre halb nackten Körper beleuchtete. Der Dialog einer Folge der Krimiserie Gotham hallte ihr bis in die Küche hinterher.

Auf der Küchentheke lag der Kronkorken einer Dos-Equis-Flasche. Aber wo war Frank?

Leises Gemurmel drang an Bernadettes Ohr. Stirnrunzelnd lauschte sie, bis sie feststellte, dass das Gespräch aus der Wäschekammer kam. Sie trat an die halb geöffnete Tür und blieb stehen. Wäschekammer und Küche waren durch einen kurzen Flur verbunden, der mit Vorratsregalen gesäumt war, die vor Grundnahrungsmitteln und Sonstigem überquollen. Jetzt wirkte der Flur wie ein Trichter, der ihr das Gesprochene direkt zuleitete. Aus dem Wohnzimmer neben der Diele, die in die Küche führte, ertönte das Stöhnen einer Frau, gefolgt vom wonnigen Grunzen eines Mannes. Bernadette versuchte festzustellen, wer da in der Wäschekammer redete, und runzelte die Stirn, als das vögelnde Paar nun immer lauter wurde. Das Quietschen eines Sitzkissens wurde rhythmischer.

Sie drehte den Kopf, um feststellen zu können, wessen Stimmen da aus der Wäschekammer drangen.

»Ich weiß nicht, was ich machen soll, um ...«

Das klang nach Frank, doch dann vernahm sie eine Frauenstimme.

»Du solltest mit ihr darüber sprechen.«

Luella!

»Ich weiß, ich sollte ... wollte mich bedanken für all deine Ratschläge ...«

»Wir haben es wirklich weit gebracht, Frank, und du weißt, dass ich ...«

Franks tiefes Kichern dröhnte zu Bernadette hinüber. »... dass deine Blowjobs immer die besten gewesen sind, bis ...«

»Beastman ist der gleichen Meinung, aber inzwischen sind meine Blowjobs ...«

Kalter Schweiß strömte Bernadette aus allen Poren. Frank ließ sich von Luella einen blasen? Wie konnte er das tun? Er war ihr Partner, nicht Luellas. Das hatte sie jedenfalls bis eben gedacht. Was war geschehen, dass er seine Einstellung in Bezug auf ihre Beziehung geändert hatte?

Zitternd trat sie von der Tür zurück. Sie musste von hier verschwinden, bevor die beiden sie entdeckten. Im Moment musste sie erst einmal die Fassung wiedererlangen, sich ein stilles Plätzchen suchen – falls das an einem Abend wie heute überhaupt möglich war – und sich darüber klar werden, ob sie einen von ihnen oder alle beide zur Rede stellen ... oder gleich ihre Sachen packen und verschwinden sollte. Sie konnte keine Beziehung mit einem Mann führen, der den sexuellen Gefälligkeiten anderer Frauen nachjagte.

Der Raum begann sich um sie herum zu drehen, und sie hielt sich an der Kante des Esstisches fest und schloss die Augen, um sich wieder unter Kontrolle zu bekommen.

Das Geräusch von Stiefeln auf dem Parkettboden ließ sie die Augen wieder öffnen. Phil stand vor ihr und sah sie besorgt an.

»Alles klar bei dir, Bernadette?«

»Ich ...« Sie schluckte. »Ja, alles in Ordnung. Ich bin nur ein wenig zittrig und müde. Es war heute wirklich ein anstrengender Tag.«

»Ich kann nicht gerade behaupten, dass ich für all die Verrücktheiten da draußen besonders in Stimmung bin«, antwortete er. »Ich musste einen Streit zwischen zweien der Jugendlichen schlichten, die sich nicht einigen konnten, wer das letzte Sacklochspiel gewonnen hat. Das verdammte Testosteron der jungen Lykanthropen.«

Sie lächelte. Im Laufe der vergangenen drei Monate hatte sie Phil besser kennengelernt. Gleich bei ihrer Ankunft im Club der Werewolves of Rebellion hatte Phil erst einmal klargestellt, dass er nichts von ihr hielt, vor allem, da sie kein Werwolf war, aber mittlerweile waren sie recht gute Freunde geworden. Sie hatte herausgefunden, dass sich unter Phils schroffer Fassade ein Teddybär verbarg, der tiefsinnige Gedanken hegte und ein gutes Herz hatte.

»Ich bin heute Abend auch nicht sonderlich in Partystimmung«, antwortete sie. »Ich brauche einfach ...« Tränen brannten in ihren Augen, aber sie blinzelte sie weg.

»Etwas Stärkeres als Bier?« Er zog eine Braue hoch.

»Ja, ich glaube schon.«

»Treffen wir uns am besten auf der offenen Veranda hinterm Haus«, schlug er vor. »Ich besorge uns zwei Gläser und eine Flasche von etwas, das besser ist als so ein dünner Fusel.«

Hauptsache, es würde sie aus Franks Blickfeld befördern. Bernadette wusste nicht, was sie tun würde, sollten er und Luella jetzt aus der Wäschekammer kommen. Vielleicht ihn schlagen und sie ohrfeigen?

Vielleicht brauchte sie jetzt einfach einen Freund – und zwar jemand anderen als Luella. Nickend sagte sie: »Okay, ich hab keine Lust, mir einen Weg durch dieses Minenfeld voller Schwänze da drin zu bahnen« – sie zeigte mit dem Daumen in Richtung Wohnzimmer und Aufenthaltsräume –, »also gehe ich lieber außen herum.«

Er gab ein belustigtes Schnauben von sich, das sich dann in ein leises Kichern verwandelte. »Alles klar. Wir sehen uns in fünf Minuten.«

Sie hatte eben erst ihr Neun-Quadratmeter-Zimmerchen betreten und die Tür hinter sich geschlossen, als jemand anklopfte. »Ja?«

Die Tür wurde einige Zentimeter weit geöffnet, und Stickman streckte den Kopf herein. »Daffi, Ezra will, dass du in sein Büro kommst.«

Verdammt! Warum konnte ihr der Dreckskerl nicht wenigstens eine halbe Stunde Zeit geben, um sich zu waschen, sich umzuziehen und sich zu sammeln, bevor er mit seiner Scheiße von wegen »Daffis Pflichten« anfing?

»In Ordnung, Sticky.« Sie sagte es mit einer Gelassenheit, die sie nicht empfand. »Erlaub mir nur, mich schnell zu kämmen und mir die Zähne zu putzen, okay?« Sie wusste, dass Stickman ein wenig in sie verknallt war. Er behandelte sie immer gut – nun ja, meistens jedenfalls – und machte ihr sogar kleine Geschenke, sobald aber Ezra oder einer seiner anderen engen Komplizen in der Nähe waren, verlegte sich Stickman darauf, sie zu ohrfeigen oder zu beschimpfen. Bisweilen schlug er ihr mit dem Handrücken so heftig ins Gesicht, dass sie ein blaues Auge bekam oder ihre Lippe aufplatzte. Hinterher entschuldigte er sich dann immer überschwänglich dafür, doch das änderte nichts an der Tatsache, dass er Ezra mehr fürchtete, als er sie mochte.

»Gut ... aber mach zack, zack, Daffodil. Du weißt ja, wie er ist.«

Sie nickte und betrat das winzige Bad hinter ihrem Schlafzimmer. Es war ein unglaublich enger Raum, doch Daffi konnte noch froh sein: Sie und noch eine andere waren die beiden einzigen von Ezras Mädchen, die über eine eigene Toilette mit Waschbecken verfügten.

So schnell sie konnte, fuhr sich Daffi mit einem Kamm durch ihren Bob, dann putzte sie sich die Zähne und gurgelte mit Mundwasser.

»Alles erledigt, Sticky-Schatz«, verkündete sie, als sie herauskam.

»Gut, Baby.«

Stickman fasste sie am Ellbogen und schaute ihr ins Gesicht. Er hatte ausdrucksvolle braune Augen, an denen sie stets ablesen konnte, ob er sie im nächsten Moment windelweich prügeln würde. Aber in diesen Augen konnte auch ein ehrliches Lächeln strahlen, wenn sie ihn ritt.

»Hast du den Gehaltsscheck?«, fügte er fragend hinzu.

Ihr stockte das Herz und Tränen brannten in ihren Augen. »Ja.«

»Gehen wir.«

Daffi ließ sich von Stickman durch das alte Reifenlager führen, das zu einem Motorradclub umgebaut worden war – einen Puff, eine Bar, Wohnquartiere und eine Reparaturwerkstatt eingeschlossen. Die River Rebels dealten mit Crystal Meth, daher hatten sie ein gutes Einkommen, das ihnen ein komfortabel eingerichtetes Clubleben bescherte, doch das Risiko aufzufliegen war hoch. Sie verstand, warum Hudson versucht hatte, Frank Nightshades Motorradclub zu übernehmen. Allerdings hätte er auch ohne Weiteres vorher in Erfahrung bringen können, dass die Werewolves of Rebellion ein nicht zu unterschätzender Gegner waren. Leider machte Ezra nun genau da weiter, wo Hudson aufgehört hatte. Eine große Zahl älterer Menschen würde bald Opfer seiner Erpressungsversuche werden.

Sie durchquerten das Erdgeschoss, eine große Fläche glatten Estrichs, und gingen am offenen Bar- und Vergnügungsbereich vorbei. Der Raum war so eingerichtet, das Herz jedes Motor- und Technikfreaks höherschlagen zu lassen, bis hin zu von der Decke herabhängenden Motorrädern verschiedener Modelle und Hersteller, die an ihren Halterungen glänzten und glitzerten. An den Wänden, den Seiten der Theke, den vorspringenden Bereichen der Decke und über jeder Tür leuchteten Neonschilder mit Bierreklamen, den Umrissen nackter Frauen oder irgendwelchen willkürlichen Begriffen und Sprüchen wie Voll der Burner!, Whiskey-Trinker und Kondome sind was für Weicheier. Sie gelangten in einen Flur, von dem rechts und links Räume abgingen, in denen Prostituierte lebten und arbeiteten. Der letzte Raum im Flur wurde von einem Clubanwärter bewacht, dessen Namen sich Daffi einfach nicht merken konnte. An der Tür prangte ein Schild, auf dem nur ein einziges Wort zu lesen war: Präsident.

Der Anwärter öffnete die Tür einen Spaltbreit und sagte: »Boss, Stickman und Daffi sind hier.«

»Schick sie rein«, kam die schroffe Antwort.

Der Wachposten schob die Tür auf, wartete, bis sie eingetreten waren, und schloss sie dann hinter ihnen.

Daffi konnte Ezra Jones nicht ausstehen und ging ihm am liebsten aus dem Weg. Solange sich seine Mädchen für ihn den Arsch aufrissen, war Ezra nett und belohnte sie mit Geschenken oder steckte ihnen hin und wieder ein wenig Extrageld zu. Das Problem war, dass er extrem hohe Ansprüche stellte, und wenn ein Mädchen auch nur im Mindesten in der Erfüllung seiner Pflichten nachließ oder sich irgendwelche Schwierigkeiten ergaben – ob diese nun ihre Schuld waren oder nicht –, verwandelte sich Ezra in einen Dämon. Seine dämonische Seite machte Daffi genauso wie allen anderen Betthäschen des Clubs eine Scheißangst.

»Ach, wenn das nicht Daffodil Anastasia Moscosky ist.« Ezra saß hinter einem breiten glänzenden Schreibtisch aus Kirschholz. Er ließ den Blick einige Male über sie hinwegwandern. »Du siehst scheiße aus.«

Daffi bemühte sich, ihre Stimme ruhig und gelassen klingen zu lassen. Wenn Ezra ein Beben in ihrer Stimme hörte, würde er das ausnutzen. Es war eine seiner vielen seltsamen Marotten, dass seine Mädchen nie unordentlich oder schmutzig aussehen durften, noch durfte ihre Kleidung Flecken oder Risse haben oder ausgebleicht sein. »Ich wollte mich gerade waschen und umziehen, aber ...« Sie fing Stickmans Seitenblick auf. Zweifellos würde er sie später dafür ohrfeigen, obwohl das, was sie gleich sagen würde, die Wahrheit war.

»Aber?« Ezra zog die Brauen hoch.

»Stickman hat darauf bestanden, dass ich sofort herkomme.« Sie lächelte und legte so viel Aufrichtigkeit in ihre Worte, wie sie nur konnte. »Immerhin habe ich ihn überreden können, mich noch schnell die Haare kämmen und die Zähne putzen zu lassen.«

Ezra lehnte sich zurück und musterte Stickman schweigend. Es erstaunte Daffi jedes Mal, wie alltäglich und normal Ezra eigentlich doch aussah. Er war groß und durchtrainiert, hielt sich körperlich fit. Seine kalten Augen konnten als grau oder blau durchgehen, sein sandfarbenes Haar war immer kurz und gepflegt, und sein Ziegenbärtchen, nur eine Spur dunkler als sein Haar, war stets exakt gestutzt. Darüber hinaus trug er nie irgendwelche Kleidungsstücke, die ihn als Biker erkennen ließen, von der Kutte der River Rebels einmal abgesehen. Ihres Wissens hatte er neben dem Clubtattoo keinerlei weitere Tätowierungen. Es war nichts Auffälliges an ihm, bis ihn mal irgendetwas verärgerte.

In diesem Moment veränderte er sich. Sie schluckte und hoffte, dass jetzt nichts passieren würde.

»Ich empfehle dir zu versuchen, dich stets ordentlich und vorzeigbar herzurichten, Daffi«, sagte Ezra mit sanfter Stimme.

Oh Scheiße. Sie kannte diesen Tonfall.

»Stickman«, fuhr Ezra fort.

Neben ihr erstarrte Stickman.

Ezra musterte den Mann mit schmalen Augen. »Es gibt einen deutlichen Unterschied zwischen einem Betthäschen, das jede Menge Zeit damit verschwendet, sich aufzudonnern, und einer Frau, die ihre zehn Minuten zum Waschen und Umziehen braucht.« Er lehnte sich noch weiter auf seinem drehbaren Schreibtischstuhl zurück und legte die Arme hinter den Kopf. »Wie kann ich meinen Regeln Geltung verschaffen, wenn mich meine Männer dabei nicht unterstützen?«

»Tut mir leid, Boss. Es wird nicht wieder vorkommen.«

Stille breitete sich im Büro aus. Schließlich stand Ezra auf, ging um den Schreibtisch herum zu Stickman und versetzte ihm einen Hieb mitten auf die Nase. »Das möchte ich dir verdammt noch mal auch geraten haben.«

Stickman taumelte nach hinten gegen die Tür und hielt sich die Nase. Blut tropfte zwischen seinen Fingern hindurch.

»Jetzt raus mit dir! Du hast bis auf Weiteres Tordienst.«

Mit einem wütenden Blick auf Daffi verließ Stickman den Raum, und der Wachposten schloss die Tür hinter ihm.

Noch ehe sich Ezra wieder zu ihr umgedreht hatte, zog Daffi den Gehaltsscheck aus ihrer Handtasche und hielt ihn ihm hin. Sofort fiel sein Blick darauf, und er lächelte.

»Braves Mädchen.« Er warf einen Blick auf die Rückseite des Schecks und fügte hinzu: »Und du hast ihn auch schon unterschrieben. Hervorragend.« Er trat direkt vor sie hin. »Irgendwelche Informationen?«

Sie konnte es nicht ausstehen, mehr als nur ein paar wenige Worte an ihn richten zu müssen. Etwas an ihrem schwachen russischen Akzent schien ihn immer mächtig heißzumachen. So schnell, knapp und deutlich, wie sie konnte, nannte sie ihm die Namen und das Alter der Leute, die Geld aus dem Verkauf ihrer Schürfrechte erwarteten, und verriet ihm deren Adressen. Sie wohnte alle auf der gleichen Hügelkette.

»Du bist in dieser Woche ein sehr braves Mädchen gewesen, mein kleines Russenblümchen.« Er legte den Scheck auf den Schreibtisch, dann richtete er sich auf, packte sie an den Hüften und schwang sie herum, sodass sich ihr Hintern gegen die Schreibtischkante drückte.

Ihr Herz hämmerte schmerzhaft. Ezras Berührung brannte, ein Gefühl von ungeheurer Kälte, als habe ihr jemand Tigerbalsam oder eine Rheumasalbe in hundertfacher Konzentration auf die Haut gerieben. Alle Betthäschen des Clubs sagten das Gleiche über Ezra, wann immer sie sich miteinander unterhielten. Sie alle hatten Angst vor dem Sex mit ihm.

»Da du so ein braves Mädchen warst«, murmelte Ezra, während er sie hinters Ohr küsste, »lasse ich Amanda einen Termin für dich machen – einen ganzen Tag im Schönheitssalon. Aber zuerst ...« Er leckte an ihrem Ohrläppchen, dann knabberte er daran. »Zuerst bekommst du eine ganz besondere Belohnung von mir.«

Entsetzt gab sich Daffi alle Mühe, sich nicht in seinen Armen zu verspannen. Hatte er den Eindruck, dass Frauen ihn abstoßend fanden, schlug er sie beim Sex. Ihr Magen machte einen Purzelbaum und krampfte sich vor Abscheu zusammen. Nichts am Sex mit Ezra war schön. Sie würde tagelang wund sein und sich ausgelaugt fühlen, als sei ihr alle Kraft aus dem Leib gesaugt worden. Und trotzdem würde sie dabei einen Orgasmus bekommen, was Daffi immer verwirrte und anwiderte.

Er zog ihren Rock hoch, sodass er sich um ihre Hüfte bauschte. »Ich gebe dir auch etwas Taschengeld«, fügte er hinzu und durchschnitt irgendwie den Gummibund ihres Schlüpfers. »Kauf dir ein paar hübsche BHs und Slips.«

Mit diesen Worten löste er seinen Schwanz aus seiner Jeans. Die kalte Berührung seiner durch die Luft fliegenden Gürtelschnalle streifte Daffis Bauch, bevor der Gürtel neben Ezra herabfiel. Ezra zog Daffi hoch, dann setzte er sie sich auf seinen steifen Schwanz und glitt schnell in sie hinein; ein eisig-heißes Gefühl, das Daffi vor Unbehagen aufkeuchen ließ. Doch in das Unbehagen mischte sich eine derart intensive sexuelle Energie, dass es sie regelrecht verzehrte. Sie umklammerte Ezras Schultern, während er in sie hineinstieß. Sie wartete auf das Geräusch, das er beim Sex stets von sich gab und das ihr jedes Mal einen Angstschauder über den Rücken jagte.

Ezra beschleunigte das Tempo und stieß so schnell und fest in sie hinein, dass sie alle Muskeln anspannen musste, um nicht den Halt zu verlieren. Seine Eiseskälte wanderte ihr durch den Unterleib und verbreitete sich durch ihren Hintern und über ihre Oberschenkel. Der Druck von Ezras Händen auf ihren Pobacken wurde immer fester, bis sich Daffi auf die Lippen beißen musste, um nicht laut aufzuschreien. Höchstwahrscheinlich würde sie am nächsten Morgen blaue Flecken von seinen Fingern auf dem Hintern haben.

Er pumpte weiter in sie hinein, dann begann er, das Geräusch von sich zu geben, das sie befürchtet hatte: ein zunächst noch leises Knurren, das bald zu einem Laut anschwellen würde, der allem und jedem in Hörweite Angst einjagen musste. Er ließ sie brutal auf seinen Schwanz hinunterfallen, dann drehte er sich um und ging mit ihr zu der Wand hin, die bis auf einige dagegen geschobene Aktenschränke kahl und unverstellt war, und lehnte sie mit dem Rücken gegen die Vertäfelung.

»Ich will dich schreien hören, Daffodil. Schrei, als würde dich jemand umbringen.«

Er stieß zu. Sein Schwanz traf ihren Muttermund. Die Kälte verschlimmerte sich. Er stieß erneut zu, diesmal so heftig, dass sie mit dem Hinterkopf gegen die Wand schlug. Die Eiseskälte kroch tiefer in sie hinein. Er stieß ein drittes Mal zu – mit solcher Wucht, dass die Vertäfelung hinter Daffis Hüften quietschte. Die kühle Qual in ihr verschlimmerte sich noch, wurde zu einem Inferno, das gleichzeitig schmerzte und ihr Lust bereitete. Die Anspannung in ihr wuchs, etwas in ihr zog sich so schnell zusammen, dass sie keine Zeit hatte, sich dagegen zu wappnen. Die Muskeln in ihrem Inneren verkrampften sich in einem unkoordinierten Rhythmus.

»Genau das will ich, mein ganz besonderes Mädchen«, grunzte ihr Ezra ins Ohr. »Lass mich dich ficken, bis du schreist.«

»Ezra ... bitte. Ich kann nicht ...«

Er pumpte nun in sie hinein wie ein Presslufthammer. Wann immer er seinen Unterleib in sie rammte, stieß sie mit den Hüften gegen die Wand. Die Vertäfelung knarzte, Daffi stöhnte, und Ezras Schwanz wurde noch härter. Sie konnte nichts anderes tun, als ihn in sie stoßen zu lassen und sich der entsetzlichen Kälte zu ergeben, die sich immer weiter in ihr ausbreitete.

Während sich diese Mischung aus Wonne und Schmerz in ihrem Unterleib aufbaute, verwandelte sich Ezras Knurren in gelächterähnliche Schreie, so, als würde da etwas versuchen, sich mit scharfen Krallen einen Weg aus den Tiefen der Hölle heraus zu bahnen, um nun in sie einzudringen. Er fickte sie immer härter und härter, und von plötzlicher Erschöpfung überwältigt überließ sie sich ihm. Er verkrampfte sich ruckartig, sein Schwanz pulsierte in ihr und füllte ihr Geschlecht mit einer Mischung aus Feuer und Eis, die ihren Körper durchschnitt und sie zu jenem sonderbaren, alles verzehrenden Orgasmus brachte, den sie jedes Mal hatte, wenn Ezra sie bumste. Daffi schrie auf. Sie schrie vor Schmerz. Sie schrie vor Wonne. Daffi schrie, bis sie heiser war, während der Orgasmus ihren Körper erfüllte und dann nichts als eine leere Hülle hinterließ.

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