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Wenn Sterne Lügen

Th. Michael Schweizer

WENN STERNE Lügen

Geld zurück bei Urlaubsärger!

Gar nicht so selten: Man fährt in die Ferien – und ist danach urlaubsreif. Das Hotel war nix, der Strand verschmutzt – und der Flieger Stunden verspätet. Dann heißt es: Sich wehren – aber wie?

Vorwort

REISEÄRGER VOR DEM KADI

Wenn der Urlaubsspaß baden geht

Flug weg. Pool verdreckt. Essen mies. Gar nicht so selten: Man fährt in die Ferien – und ist hernach urlaubsreif. Alljährlich staut sich bei Millionen Bundesbürgern Reiseärger – doch viele machen ihrem Frust nicht Luft.

Allein Flugreisende verschenken pro Jahr in Deutschland mehr als 700 Millionen Euro: Sie setzen – beispielsweise bei Verspätungen – berechtigte Ansprüche nicht durch. Auch weil Airlines sich gerne mit Ausreden darum drücken – siehe Urteil auf Seite 123.

Pauschalurlauber haben es leichter: Ihnen hilft oft schon vor Ort ein kleiner Hinweis auf die gängige Rechtsprechung – und die Reiseleitung zeigt sich kulant.

Schwerer tut sich, wer auf eigene Faust durch die Welt reist. Doch auch auf Individualurlauber warten auf den folgenden 176 Seiten viele Hinweise, die bares Geld wert sind.

Antworten finden sich auf Hunderte von Fragen. Selbst auf die ausgefallensten: Geklärt wird beispielsweise, ob Hartz-IV-Empfänger ohne Genehmigung (59) verreisen dürfen. Und die Mitnahme von eigenem Schnaps auf einer Kreuzfahrt (20) erlaubt ist. Oder ein Reiseveranstalter über die Einfuhrbestimmungen von Medikamenten (81) informieren muss.

Auch ob es für eine Notlandung (90) Schmerzensgeld gibt oder Flugangst (23) Grund für einen Reiserücktritt ist, klärt dieser Nutzwert-Schmöker, der – allem Ernst der Anliegen zum Trotz – immer wieder auch zum Schmunzeln anregt.

Wie etwa im Fall jener Sächsin, die nach Porto wollte, aber – dialektbedingt – in Bordeaux landete. Die Frau hatte vor Gericht (40) ebenso Pech wie ein allzu sturer Kenia-Urlauber: Weil der Mann bockig seine – vom Frühstücks-Buffet stibitze – Banane einem hungrigen Affen nicht heraus rückte, biss der ihn kurzerhand (20).

Bis zu unglaublichen 150 Prozent (161 bis 165) lassen sich bei berechtigtem Ärger vor dem Richtertisch herausholen. Doch manchmal halt auch gar nichts: Natürlich darf eine Landung hart (74) und eine Liegestuhl defekt sein (76). Oder sich ein Silberfischchen auch schon mal im Badezimmer (111) tummeln.

Doch WENN STERNE LÜGEN kennt kein Richter Pardon: Halten Hotels nicht, was ihre glänzenden Reklame-Planeten versprechen, können Touristen schnurstracks den Reisepreis mindern (115).

Die hier beschriebenen 222 WICHTIGSTEN REISE-URTEILE sind nicht nur eine feine Orientierungshilfe. Nach ihrer Lektüre lässt sich auch sehr schnell einschätzen, wie viel vor Deutschlands Gerichten drin ist, halten sich Reiseanbieter nicht an Abmachungen.

Andererseits spart der Verzicht auf eine Klage auch viel Geld – weiß man, dass andere sich an einer solchen Causa bereits die Zähne ausbissen.

Manche Streitsache fand allerdings – weil zu abstrus – den Weg erst gar nicht in dieses Buch: Wie etwa der Fall jenes Urlaubers, der darüber klagte, dass in Frankreich nur Französisch gesprochen wird. Oder die Klage eines anderen Touristen, dem der Schweißgeruch des Zimmermädchens allzu sehr in die Nase stieß.

Hanebüchen auch der Fall eines Mannes, der täglich im Ferienhotel zum Abendessen drei Glas Bier süffelte – und hinterher monierte, dass die Menge den Eichstrich jedes Mal um einen Zentimeter verfehlte.

Wie viel Reiseärger insgesamt vor dem Kadi landet, ist unklar. Doch andere Zahlen sind bekannt: Allein die mehr als 2500 deutschen Reiseveranstalter und knapp 10 000 Reisebüros organisieren den Bundesbürgern pro Jahr 45 Millionen Urlaubsreisen – und handeln sich dabei einen Container voll Beschwerden ein.

Die Reklamationsquote auf dem Reisemarkt hat sich – nicht mit gezählt die Ansprüche der Kunden von Airlines, Mietwagenanbietern oder Hoteliers mit Direktbuchungen – seit Jahren zwischen einem und zwei Prozent eingependelt. Oder anders gesagt: Bis zu 900 000 Pauschalurlauber klagen pro Saison über geplatzte Ferienfreuden.

Wie kaum ein anderer darüber Bescheid weiß Professor Ronald Schmid: Der langjährige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Reiserecht (DGfR) bekam in seiner jahrzehntelangen Arbeit nicht nur Tausende von Gerichtsentscheide zu Gesicht.

Der Experte aus Wiesbaden, der bereits seine Promotion dem Luftverkehr widmete, vertrat auch selbst als Rechtsanwalt vor Gericht erfolgreich viele Verbraucher – wie etwa die Opfer der Hinterbliebenen nach der Concorde-Katastrophe.

Von seiner langjährigen Erfahrung profitieren auch die Leser dieses Buches: Wo es der Fachmann für nötig empfand, kommentierte er ein Urteil. Außerdem formulierte der erfahrene Jurist, heute Sprecher des Verbraucherschutzportals Fairplane, Muster von Anspruchsschreiben – an Airlines (150 bis 151) und Reiseveranstalter (149) wie die fiktive Mangel-Reisen GmbH im Klageweg in Leiden.

Dass einem der Humor auf Reisen mitunter abhandenkommt, war schon immer so. Selbst Adolph Freiherr von Knigge ging – wie Millionen Touristen nach ihm – schon mal der Hut hoch. Mal lag der Erfinder des guten Tons in zu kurzen Betten – mit „blauen Überzügen, damit man den Schmutz nicht wahrnehme“. Ein anderes Mal beklagte sich der reisefreudige Adlige über zu grobe Wagenmeister und bestechliche Gastwirte.

Was anno 1788 in seiner stilbildenden Abhandlung „Über den Umgang mit Menschen“ stand, gilt eigentlich noch immer: Reisende lassen sich am besten „durch kleine widrige Zufälle, Schwierigkeiten, böses Wetter, schlechte Kost und dergleichen nicht niederschlagen.“

Autor

TH. MICHAEL SCHWEIZER sammelt seit Jahren Urlaubs-Urteile. Der – in Frankfurt am Main lebende – Journalist kennt die Tourismusbranche und ihr Umfeld aus dem Effeff. Der Urlaubsexperte gründete nicht nur mehrere Reisemagazine, sondern schreibt auch für rund 100 tagesaktuelle Medien – hauptsächlich über Themen aus der Welt des Reisens. Von Beruf aus Grenzgänger auf allen Kontinenten, schätzt der gebürtige Schwabe erlebtes Abenteuer am Wendekreis des Steinbocks ebenso wie die Skurrilität des Urlauber-Alltags – nachzulesen in immer wieder neuen und oft köstlichen Gerichtsakten.

222 AUSGEFALLENE URTEILE

von A bis Z zeigen, was vor dem Kadi geht. Und was nicht. Natürlich müssen Nobel-Herbergen halten, was ihre Sterne versprechen.

Doch dürfen Hartz-IV-Empfänger eigentlich ohne Genehmigung verreisen? Und wer bitte zahlt was, wenn der Koffer weg ist? Oder der Transfer-Bus?

Auch ob es für eine Notlandung Schmerzensgeld gibt, wird geklärt. Oder ob Urlaubsgeld pfändbar ist – und ein FKK-Hotel zumutbar.

1 AFFE BEIßT TOURIST

A

1 AFFE beißt Tourist: Blöd gelaufen

Er wurde in seinem Ferienhotel in Kenia von einem Affen gebissen – und wollte reichlich Schmerzensgeld und Schadensersatz. Doch der Kadi hatte kein Einsehen.

Der Urlauber, dem es um immerhin 3741 Euro ging, hatte vom Frühstückstisch eine Banane gemopst, war damit aber nicht weit gekommen: Schon im Garten der Bungalow-Anlage entriss das wilde Tier dem Mann die Frucht – und biss ihn dabei in die Hand. Folge: Vor Ort fünf Impfungen gegen Tollwut – und danach zu Hause ein Krankenstand von mehreren Wochen.

Dass das Kölner Amtsgericht (Aktenzeichen 138 C 379/10) dem vom Affen gebissenen Touristen nicht beisprang, lag an ihm selbst. Zum einen sei die Mitnahme von Nahrungsmitteln aus dem Restaurant ausdrücklich verboten gewesen, so die Richter. Andererseits habe ein großes Schild an zentraler Stelle gewarnt: „Don’t feed the monkees, if you do, you will see“ – „Füttern Sie keine Affen, sonst werden Sie schon sehen“.

2 ALKOHOL (I) Bechern an Bord mit Mitgebrachtem

Reedereien sehen es nicht gerne, wenn Passagiere beim Landgang preiswerten Alkohol mitbringen: Die Umsätze an den Bord-Bars werden dadurch geschmälert. Dass das Thema Schnaps auf hoher See mitunter richtig ernst genommen wird, verdeutlicht der Fall eines Urlaubers, der in der Ostsee eine Kreuzfahrt machte. Der Mann hatte sich geweigert, zwei mitgeführten Whiskeyflaschen abzugeben, worauf er und seine Begleiterin beim nächsten Stopp das Schiff verlassen mussten.

Das Amtsgericht Frankfurt am Main (Aktenzeichen 385 C 2455/10) sprach den Touristen nicht nur die Kostenerstattung des Rückfluges und eine Reisepreisminderung um sechs Siebtel zu, sondern auch eine Entschädigung wegen nutzlos aufgewendeter Urlaubszeit.

Die Reederei musste sich vor Gericht auch anhören, dass sie Reisende nur dann von Bord eines Kreuzfahrtschiffes verweisen darf, wenn ihr Verhalten Auswirkungen auf Schiff, Besatzung oder Passagiere hat. Doch weder sei von dem Whiskey Gefahr ausgegangen, noch der Mann betrunken gewesen. Deshalb, so die Richter weiter, sei das Paar zu Unrecht von Bord gebeten worden.

3 ALKOHOL (II) Rausschmiss Reisemangel

Fliegen Pauschal-Urlauber wegen Ruhestörung aufgrund übermäßigen Alkoholkonsums aus dem Ferienhotel und müssen deshalb vorzeitig zurück nach Deutschland fliegen, gilt dies als Reisemangel. So zumindest urteilte das Amtsgericht Viersen (Aktenzeichen 2 C 446/11). Erst wurden die beiden Touristen aus ihrem All-inclusive-Hotel wegen Ruhestörung verwiesen. Und dann in dem von der Reiseleitung gefundenen Ausweichquartier vom Personal nicht einmal mehr eingecheckt: Ein weiterer lautstarker Krach entbrannte an der Pool-Bar noch vor dem Bezug der Zimmer, die sie dann nicht mehr bekamen. Das Gericht folgte nicht der Argumentation des Reiseveranstalters, der die Kosten für die Heimreise ersetzen musste. Nach Angaben des Unternehmens waren beide Kunden „permanent vollkommen betrunken“ – und dadurch selbst an der vorzeitigen Beendigung der Reise schuld.

Doch diese Begründung überzeugte den Richter nicht: Eine All-inclusive-Reise zeichne sich gerade dadurch aus, dass auch Alkohol unbegrenzt zur Verfügung stehe.

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